Ausgabe 
26.5.1933 Erstes Blatt
 
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1920 in der Großdeutschen Volkspartei aufging. 1924 wurde er zum Obmann der Gesamtpartei ge­wählt. In den großdeutschen Kreisen nahm der Ver­storbene eine ^übrerstellung ein; in der Hauptsache ist es ihm zu verdanken, daß die Großdeutsche Par­tei eine führende politische Rolle spielt. Die Grün- düng der »Wiener Neuesten Nachrichten" ist eben­falls ein Werk von ihm Seit 1923 war Wottawa beruflich als Präsident des österreichischen Bundes- verlages für Unterricht, Wissenschaft und Kunst tätig.

Ein neuntes Schuljahr als Landjahr".

Bedeutsame Pläne des preußischen Kultus­ministers Rust.

Berlin, 24. Mai. (TU.) DieKreuzzeitung" bringt eine Unterredung mit dem preußischen Kul­tusminister Rust, in der er sich über einen neuen Schulplan äußert, der 1934 in Kraft treten soll. Der Minister erklärte u. a.: Ich habe die Absicht gehabt, den neunten Jahrgang der Volks­schule schon 1933 einzubehalten. Ich wollte dabei nicht den bisherigen Lehrplan für die Schüler fortsetzen, sondern hatte die Absicht, die deutsche Jugend füreinganzesJahrindenLand- Heimen in Verbindung mit dem Boden und mit den Kameraden des Landvol­ke s zu bringen. Eine Kabinettsvorlage war bereits vorbereitet. Lehrerkosten und Unterkunftskosten würden nicht sehr erheblich werden. Schwierigkeiten macht natürlich die Ernährung. Mit Rücksicht auf die Finanzlage habe ich jedoch fürdiesesJahrvon meinem Plane abgesehen. Für das Jahr 1934 werden jedoch alle Vorbereitungen getroffen. Es handelt sich um etwa 360 000 Schüler. Die Zahl wird dabei dadurch etwas vermindert, daß in be­stimmten Jahreszeiten mit Rücksicht auf die Ernte nur die Großstadtkinder zur Verfügung stehen. Schon dies wäre aber von der größten Bedeutung für die Gesamtentwicklung der deutschen Jugend. Ich denke dabei nicht bloß an die geistige Entwicklung, sondern in erster Linie an die Erhaltung des deut­schen Volkskörper? durch eine stärkere Ver­bindung mit der Natur und dem Boden.

Oer japanisch-chinesische Waffenstillstand.

Tokio, 26. Mai. (Reuter.) Das nach langwieri­gen Besprechungen zustandegekommene chinesisch­japanische Waffenstillstandsabkommen ist in letzter Minute nicht unterzeichnet worden. Der Füh. rer der chinesischen Abordnung soll darauf verwiesen haben, daß es sich um eine mündliche Vereinbarung bandele, die einer schriftlichen Fixierung und einer Unterzeichnung nichtbedürfe. In Kreisen des japanischen Auswärtigen Amtes kündigt man gleichwohl an, daß die Unterzeichnung eines förm­lichen japanisch-chinesischen Waffenstillstandes am Montag erfolgen wird.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsiden v. Hindenburg emp­fing den geschäftsführenden Präsidenten des Reichs- landbundes M e i n b e r g sowie den Direktor im Reichslandbund Kriegsheim.

Sn einer öffentlichen Sitzung des Völkerbunds- rates wurde der Letizia-Konflikt zwi­schen Peru und Kolumbien durch die feierliche Unterzeichnung eines Protokolls bei­ge l e g t. Vach dieser Regelung wird e i n Ueberwachungsausschuß in das Leti- zia-Gebiet entsandt.» der Militärkräfte berufen kann, um das von den peruanischen Truppen ge­räumte Letizia-Gebiet zu verwalten. Die Grenz­regelung soll sodann auf schiedsrichterlichem Wege erfolgen.

Der britische Admiral Lord W e m y ß ist in Can­nes im Alter von 69 Jahren gestorben. Lord Wemyß war während des Weltkrieges Admiralstabschef. Bei den W a f f e n st i l l st an dsverhandlungen vertrat er die britische Marine und war als erster seemännischer Berater bei den Friedensverhandlun­gen 1919 tätig.

Am 24. Mai, dem Jahrestag des Ein­tritts Italiens in den Weltkrieg, fand im Beisein Mussolinis auf der Straße des Impe­riums zu Rom der symbolische Akt der faschistischen Aushebung statt, woran sich ein Vorbeimarsch der Jugendverbände und der Ab­ordnungen des Heeres schloß. Am Abend wurde die historische Engelsburg am Tiber fe st l i ch erleu ch-

Aus aller Welt.

Tagung des Siedlungsausschusses des Reichslandbundes.

Der aus allen Teilen des Reiches beschickte Sied- lungsausschuß des Reichslandbundes stellte unter Vorsitz des Präsidenten Lind fest:Wie die ganze deutsche Landwirtschaft, sind auch die deutschen land­wirtschaftlichen Siedler sicher, daß die Regie- rung unseres B a u e r n k a n z l e r s Adolf Hitler durch ihre Maßnahmen die Gesundung der Siedlungen herbeiführen wird. Wenn bis heute die vom Reichslandbund feit langem vorgeschlagene Ak­tion zur Gesundung der Siedler noch nicht weiter- gekommen ist, so liegt das in erster Linie daran, daß in Preußen die höchste verantwortliche Stelle, dasLandwirtschaftsministerum, nicht mit einem besonderen Minister besetzt ist. Das Siedlungswesen gehört zu den wichtigsten Ausgaben des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und kann nur gesunden, wenn dort ein verantwort- licher preußischer Mini st er an der Spitze steht, der diese weitareifenden Aufgaben besonders betreut. Der jetzige Kommissariatszustand ist unhaltbar und muß zu einer Lähmung des Sied- lungsgedankens und des Siedlungswillens in unse­rem Volke führen.

Für die Gesundung der Altsiedler genügt nicht eine lediglich kapitalistisch-geldmäßig tedachte Regelung der Rentenrückstände und der lersonalverschuldung. sondern es bedarf einer organischen Anpassung der Renten an die nach- haltige Ertragsfähigkeit der Stellen. Diese An­passung ist nur erreichbar, wenn die Belastung der Stellen den heutigen Verhältnissen entspre­chend heruntergesetzt d. h. die in Wirk­lichkeit verlorenen Beträge auch rechtlich a I s verloren abgeschrieben werden (Sied­lerentschuldung).

Für die V e u s i e d l u n g ist auf Grund der

trüben Erfahrungen der Vergangenheit zu Or­dern, das die Siedlungsgesellschaft unter stärkster staatlicher Kontrolle nur auftragsweise die Sied­lung durchführen und die ganzen Geschäftsvor­gänge öffentlich klargelegt werden. Mit allen Mitteln ist zu fördern die 21 b f i e b I u n g d H. die Abgabe von Land aus dem Bestände der Güter zu Siedlungszwecken. Diese wird in großem Umfange zur Förderung der Siedlung erfolgen, wenn die Entschuldung in entsprechender Weise durchgeführt wird. Der Siedlungsausschuh be­grüßt das neue Erbhofrecht, welches bei den Siedlungen schon durchgeführt ist. Er wird unermüdlich Mitarbeiten an einer Besse­rung des Schicksals der Siedler und an einer Förderung der kommenden Siedlung, in der Leberzeugung. daß das deutsche Siedlungswerk dazu berufen ist. die enge Verbindung bester Familien unseres Volkes mit dem deutschen Hei-

matboöen als der Grundlage echten Bauerntums zu erneuern und zu festigen."

Eine Tiroler Ortschaft eingeäschert.

Sn Mittelsdorf, einer Ortschaft der Gemeinde Virgen in Ost-Tirol brach ein Brand aus. der rasch um sich griff und 20 Wohnhäuser und ebensoviel Scheunen sowie die Kirche ein» äscherte. 100 Personen sind obdachlos, Verluste an Menschenleben sind jedoch nicht zu beklagen. Man vermutet Brandstiftung, da das Feuer an verschiedenen Stellen des Ortes zu gleicher Zeit ausbrach.

Raubmord im Schnellzug ParisGrenoble.

Sm Schnellzug ParisGrenoble wurde ein un­bekannter Reisender im Alter von 55 bis 60 Soh­ren erstochen, seines Geldes und seiner Pa­piere beraubt und dann auf den Eisenbahn­damm geworfen.

Äifierpräfibent Sc. Wenin spricht in Mainz.

Mainz, 25. Mai. (WSN.) Die A u s st e l l u n g Haus, Herd und Technik", die vom 24. Mai bis 6. Juni in Mainz stattfindet, wurde gestern mittag mit einem feierlichen Akt eröffnet. Der Vorsitzende des Ausstellungs-Ausschusses, Jean Becker, hieß im Namen der Ausstellungsleitung die erschienenen Gäste, unter ihnen vor allem Mini­sterpräsident Dr. Werner und eine Reihe hervor­ragender Vertreter, willkommen. Er wies auf den Zweck der Ausstellung hin, die das Heim von heute und alles das zeigen soll, was die Technik dem Haus­halt zu bieten vermag. Hierauf ergriff

Ministerpräsident Or. Werner

das Wort, der in feinen Ausführungen den Zweck der Ausstellung als einen dreifachen bezeichnete: Ein­mal habe sie dem Gewerbe zu dienen, das Gewerbe zu fördern, die Kaufkraft zu stär­ken, die Fortschritte derTechnik für Haus und Herd zu erweisen und damit die Aufgabe zu übernehmen, der Hausfrau und dem Hauspersonal die Möglichkeit zu geben, die häufig nicht gerade angenehme Arbeit zu erleichtern. Die Ausstellung habe die Aufgabe, das Publikum, fo wenig kauf­kräftig es heute auch fein mag, immer darauf auf­merksam zu machen,

daß auch das wenig Gesparte dazu dienen kann, der Wirtschaft neuen Antrieb zu geben.

Damit erfülle die Ausstellung in erster Linie eine wirtschaftliche Aufgabe. Sie habe aber eine zweite Aufgabe zu übernehmen und dieser Stadt, die auf hartbedrohtem Boden die Wacht am Feind gehalten durch Sahrtausende hindurch, die Zusicherung zu geben, daß ihr Kampf nicht ver­geblich gewesen ist, und daß der Wille vorhan­den ist, auch unter schwierigen Umständen auf vorgeschobenem Posten zu dienen. Seit 2000 Sich­ren sei die Stadt Mainz, die man einst die Gol­dene nannte, Sih von Garnisonen gewesen, von der Dörnerzeit bis in die Besahungszeit hinein. Das war ihr Ruhm, das war aber auch ihr Schick­sal, indem sie stark behindert wurde, sich aus­zudehnen und ihre bevorzugte Lage auszunutzen. Der Minister betonte besonders, daß das ehe­mals besetzte Gebiet und vor allem die Stadt Mainz die besondere Fürsorge wicht bloß derLandesregierung. sondern- auch der Reichsregierung verdiene, und daß über der Frage der Osthilfe die W e st h i l f e nicht vergessen werden dürfe.

Kein deutscher Gliedstaat, kein deutsches Land habe mehr gelitten, als das kleine Hessenland. Dies immer wieder herauszusagen, erachte er

nicht nur als eine Pflicht gegenüber Hessen, son­dern als eine vaterländische Pflicht. Ein Staat, der auf einem Auhenposten große Pflichten übernommen habe, der berufen ist, die Brücke zwischen Rord und Süd zu bilden, verdiene pfleglich behandelt zu werden.

Eine dritte Bestimmung erfülle diese Ausstel­lung. Sie sei deutsch, völkisch, nationalsozialistisch, etwas, was Hinweise auf Deutschlands Zukunft, wo nur noch Christen und Deutsche etwas zu sagen haben im deutschen Lande. Schon einmal, vor 40 Satyr en, habe es eine Zeit gegeben, wo man versuch!«, das Wirtschafts­leben von den Süden zu befreien. Heute versuche man in Mainz, ohne das Sudentum aus­zukommen., Es müsse der Befähigungsnach­weis geliefert werden, daß man auch auf dem wirtschaftlichen Gebiet das Sudentum entbehren könne.

Die Süden müßten aus dem geistigen, sitt­lichen, religiösen und wirtschaftlichen Leben unseres Volkes völlig ausgeschaltet werden. Erst wenn dieses negative Ziel erreicht sei im deutsch­völkischen, nationalsozialistischen Staat der Zu­kunft, erst dann werde es möglich sein, auch das positive Ziel zu erreichen,

das völkische Deutschland, den deutschoölkischen Menschen zu schaffen, den wir brauchen, weil wir in Mitteleuropa bedroht sind in unserer völkischen Existenz.

Der Ministerpräsident sprach zum Schluß den Wunsch aus, daß die Ausstellung dazu beitragen möchte, recht viele selbständige Existen- zen zu schaffen. So erfülle sie einen Dienst am kleinen Staat und am großen deutschen Vaterland. Seine Worte klanaen aus in ein oegeiftert aufge­nommenes dreifaches Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland und seinen Führer Adolf Hitler, worauf das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied ge­sungen wurden.

Anschließend sprach der kommissarische Oberbür­germeister Dr. Barth namens der Stadtverwal­tung der Ausstellungsleitung die besten Wünsche für ihr Unternehmen aus. Zum Schluß überbrachte er noch die besten Wünsche der Gauleitung der NSDAP., der Kreisleitung Mainz sowie der SA. und SS. Die Nationalsozialisten sähen in dem Un­ternehmen den stark ausgesprochenen Willen der Mainzer Bürger, am Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft mitzuhelfen. In diesem Sinne bringe er die Glückwünsche der Nationalsozialisten zum Aus­druck.

Aus -er provinzialhaupistadt.

Oer Besuch des Reichsstatthaliers in Oberheffen.

Für den Besuch des Herrn Reichsstatthalters und Gauleiters Sprenger in Oberhessen am kommenden Sonntag, 2 8. Mai, ist folgender Fahrplan vorgesehen:

Abfahrt in Frankfurt a. M. 8 Uhr vor­mittags über:

Vilbel, Okarben, Rieder- und Ober-Wöll­stadt nach Friedberg 8.45 Ankunft, 9.00 Abfahrt,

nach Bad-Rauheim 9.10 Ankunft, 9.30 Abfahrt,

über Rieder-Mörlen nach Butzbach 10.00 An­kunft, 10.15 Abfahrt,

über Kirch- und Lang-Göns, Großen-Linden nach Gießen 10.45 Ankunft, 11.15 Ab- fahrt,

über Reiskirchen nach G r ü n b e r g 11.45 An­kunft, 12.00 Abfahrt,

über Lehnheim, Atzenhain, Bernsfeld, Dühfeld nach Homberg 12.45 Ankunft, 1.00 Ab­fahrt,

über Appenrod, Erbenhausen, Kirtorf, Ober- Gleen, Angenrod nach Alsfeld 1.45 An­kunft, 3.00 Abfahrt,

über Brauerschwend, Reuters nach Lauter­bach 3.30 Ankunft, 3.50 Abfahrt,

über Eisenbach, Cngelrod, Rebgeshain, Feld­krücken nach Schotten 4.30 Ankunft, 4.45 Abfahrt,

über Ober- und Unter-Schmitten nach R i d d a 5.00 Ankunft, 6.00 Abfahrt,

über Bad Salzhausen, Ober-Widdersheim, Ber­stadt nach Wölfersheim 6.15 Ankunft, 6.30 Abfahrt,

über Echzell, Gettenau, Bingenheim, Staaden, Stammhe.m, AUenstadt, Lindheim, Düdels­heim, Büches nach Büdingen 7.30 An­kunft.

Aushänge in den Oiensträumen der Behörden.

Der hessische Ministerpräsident Dr. W e r n e r hat an sämtliche unterstellten Behörden folgende Ver­fügung aerichtet:

..'äum Aushang in behördlichen Räumen sind nur dienstliche Mitteilungen der Behörden, sowie solche privaten Benachrichtigungen zugela sen, die im dienstlichen Interesse gelegen sind, wie etwa Nach­weisung von Wohnungen zwecks leichterer Unter- bringung versetzter Beamter, von billigen Sommer­frischen zur Erholung der Beamten während des Urlaubs, Angebote der Erteilung von Unterricht in Fertigkeiten, an deren Erwerb durch die Beamten die Behörde ein Interesse hat (Sprach, Kurzschrift- lind Sportunterricht) und dergl. Sonstige privaten Mitteilungen sind zum Aushang in behördlichen Räu­

men nicht zugelassen. Das gilt auch für den Aus­hang von Aufrufen, die zum Beitritt zu politischen Organisationen und Verbänden auffordern.

Oie Einheitskurzschrist pflichtmäßiger Lehrgegenstand.

Der hessische Minister für Kultus und Bildungs- Wesen hat an die Direktionen und Leiter der höhe­ren Schulen und die Kreis- und Stadtschulämter folgende Verfügung gerichtet:

Um den Schülern für ihr späteres Berufsleben ein wichtiges Rüstzeug mitzugeben, ortrie ich an:

1. Die Einheitskurzschrift wird pflichtmäßi - gerLehrgegenstandan allen höheren Schu­len, Handelsschulen und Berufsschulen.

2. Sie wird in U III, O II und U II mit einer Wochenstunde gelehrt.

3. Sn den kaufmännische Lehranstalten und Berufsschulen ist sie lehrplanmäßiges Wahlfach.

4. Als Ziel des Unterrichts hat zu gelten: Si­cherheit in der systemgerechten Anwendung der Verkehrsschrift, fließendes Lesen und eine Schreib­fertigkeit von mindestens 120 Silben in der Mi­nute bei deutlichem Stenogramm.

5. Seder Stenographielehrer hat seine Befähi­gung durch Ablegung der staatlichen Kurzschrift­lehrerprüfung nachzvweisen. Sm übrigen hat jeder Lehrer in seiner Vorbereitungszeit den Rachweis zu erbringen, daß er kurzschriftskundig ist.

6. Schüler sind zu veranlassen, an Schülerlei­stungsprüfungen teilzunehmen.

7. Cs verbleibt bei der Einheitskurzfchrift.

Kein Warenvertrieb durch Beamte und Beamtenverbände.

WSR. Der Führer der Deutschen Beamten­schaft, Reichsstatthalter Sprenger, teilt mit: Durch die Presse geht die Rachricht, daß der Verband deutscher Tuchgroßversender und deut­scher Tuchgroßhändler, sowie der Verband des Schneidergewerbes bei den zuständigen Stellen eine Denkschrift eingereicht hätten, wonach gefor­dert wird, daß Beamten und Beamtenvereini­gungen jede Art von gewerblicher Tätigkeit, sowie gemeinsamer Warenbezug verboten werden soll. Es ist heute nicht mehr Zeit, Denkschriften an die Regierung $u richten, sondern den Gang der nationalsozialistischen Tat tatsächlich zu verfolgen. Der Reichsminister des Snnem hat auf Vor­trag des Führers der Deutschen Beamtenschaft schon vor Wochen verfügt, daß den Beamten und Beamtenorganisationen Wa­renvertrieb, Warenversorgung usw v e r b o t e n ist. Unter Leitung des Führers der Deutschen Beamtenschaft findet zur Zeit der Ab­bau und die Liquidation des gesamten Warenhan­dels statt. Den genannten Organisationen wird empfohlen, Ausschnitte aus Zeitungen, in denen

Eine Tagung des Schwurgerichts findet am Montag, Mittwoch und Donnerstag näch­ster Woche in Gießen statt. Am Montag wird gegen Anna P i tz von Steinbach wegen Kindestötung, am Mittwoch gegen Heinrich K r a ft II. von Dübels- beim wegen Meineids und am Donnerstag gegen Hans Kapfenberger von Gießen ebenfalls wegen Meineids verhandelt werden.

** Schiefertafel - Benutzungbiszum 7. Schuljahr. Das Kreisschulamt macht in einer Bekanntmachung im jüngsten Amtsverkündigungs­blatt darauf aufmerksam, daß in Ansehung der wirt­schaftlichen Not der Schiefertafelindustrie der Mi­nister für Kultus und Bildungswesen empfohlen hat, die Schiefertafel sowohl im Unterricht, als auch bei

Erlaß und Durchführung bereits veröffentlicht sind, ihren Mitgliedern zur Kenntnis zu geben. Segelflug -Unglück in Dieder-Ofleiden.

Am Mittwochnachmittag ereignete sich auf dem Segelflug-Gelände bei Rieder-Ofleiden (bei Hom­berg) ein Unglücksfall, bei dem der Segelflieger. Gewerberat Köhler aus Gießen, erheblich zu Schaden kam. Kurz vor der Landung kippte das Segelflugzeug nach vorne über, wobei Gewerbe­rat Köhler einen Bruch des linken Oberschen­kels, einen komplizierten Bruch des rechten Unter­armes und Verletzungen am rechten Fuß erlitt Der Bedauernswerte wurde von der Freiwilli­gen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes in Gie­ßen der hiesigen Chirurgischen Klinik zugeführt Das Befinden des Verunglückten ist den Umstän­den entsprechend gut.

Bezirksvertreter-Versammlung der Schuhmacher-Zwangsinnung.

Die Schuhmacher-Zwangsinnung für Stadt und Landkreis Gießen hielt am Montag im Cafe Edel eine Bezirksvertreterversammlung ab. Obermeister Kraus leitete die Versammlung.

Der zweite Obermeister W a l d s ch m i d t hielt zunächst eine Ansprache, in der er die Verdienste des seitherigen Obermeisters N i ck l a u s würdigte und ihm eine künstlerisch ausgeführte Urkunde über feine Ernennung zum Ehrenobermeister der Schuhmacher- Zwangsinnung für die Stadt und den Landkreis Gießen überreichte. Syndikus Röhr übermittelte die Glückwünsche der Handwerkskammer und er­mahnte die Mitglieder zur Einigkeit im Interesse des gesamten Berufsstandes. Ferner wurde ein Glück­wunschschreiben der Gehilfen verlesen, in dem die Verbundenheit mit dem Ehrenobermeister und mit der Innung zum Ausdruck kam. Ehrenobermeister N i ck l a u 5 dankte in bewegten Worten für die Ehrung und betonte, daß er dem neuen Vorstand auch fernerhin seine Arbeitskraft zur Verfügung stelle.

In einer kurzen Ansprache beschäftigte sich sodann der erste Obermeister Kraus mit den Entschei­dungen der letzten Tage, sprach von dem grundsätz­lichen Wandel in der geistigen Haltung, wie er sich aus der nationalen Erhebung ergab, und betonte, daß jetzt der Wahlspruch:Gemeinnutz geht vor Eigennutz" und der Ausspruch Friedrichs des Großen: Ich bin der erste Diener meines Staates" Ausdruck der Sinnesänderung in unserem deutschen Volke geworden seien. Im gleichen Geiste wolle er sein Amt verwalten. In seinen weiteren Ausführungen besprach er die zu erwartenden Maßnahmen der Regierung und berichtete über die in Angriff ge­nommenen Arbeiten: Sammlung der Kollegen, Aus­bau der sozialen Einrichtungen, Erziehung des Nach­wuchses usw. Seine Ausführungen lösten eine rege Aussprache aus. Herr Frank- Grünberg schlug vor, künftig Anträge an den Vorstand nur dann zu be­arbeiten, wenn sie in doppelter Ausfertigung mit voller Namensunterschrift dem Vorstand vorgelegt werden. Dieser Vorschlag wurde von der Versamm­lung beifällig ausgenommen. Obermeister Kraus will an Ort und Stelle die Stimmung der Kol­legen und ihre Wünsche kennenlernen. Aus diesem Grunde finden in nächster Zeit in allen Bezirken Versammlungen statt.

Der zweite Obermeister W a l d s ch m i d t gab be­kannt, daß Vorstandsmitglieder, die die Belangs der Kollegen und des Handwerks nicht so vertreten, daß sie mit den Richtlinien des Obermeisters über- einstimmen, in Zukunft ohne weiteres von ihrem Amte entbunden werden. Ferner wurde auf die Der- vflichtungen zur Zahlung der Innungsbeiträge, der Umlage zur Handwerkskammer und zum Besuche der Jnnungsversammlungen hingewiesen. Kommt ein Kollege diesen Verpflichtungen nicht nach, so kann er nicht auf Aushändigung der Handwerkerkarte rechnen. Verstößt ein Kollege gegen die gute Sitte oder Handwerksehre, so wird er vok ein zu bil­dendes Ehrengericht zitiert und ihm eventuels die Handwerkerkarte entzogen. Herr Henkel bat die Kollegen, ihren Beruf so aüszuüben, daß man wieder mit Stolz auf das Handwerk blicken könne. Herr Göbel streifte in kurzen Ausführungen das Kapitel Schwarzarbeit. Herr Haas trat für die Heraus­gabe neuer Richtpreise ein. Die Versammlung stimmte dem zu. Die Ausarbeitung der Richtpreise wurde zugesagt. Es wurde ferner auf den Verbands­tag am 24. und 25. Juni in Heppenheim hingewie­sen. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf das neue Deutschland, auf den Reichspräsidenten von Hin­denburg und den Volkskanzler Adolf Hitler, sowie mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fand die Versammlung ihren Abschluß. In einer an­schließenden Vorstandssitzung wurden zusam­men mit den Bezirksvertretern die neuen Richtlinien durchgesprochen, die neuen Bezirksvorsitzenden ver­pflichtet und die Delegierten für den Verbandstag in Heppenheim (<51 e b e r Gießen und Wentzel- Lang-Göns) bestimmt.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadt- thoater, 20 bis gegen 23 Uhr,Schlageter". Zweigverein Gießen vom Roten Kreuz, 20.15 Uhr, Gartenstraße 2, Zimmer 16, Hauptversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Der Meisterdetektiv". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg,Sprung in den Abgrund".

Werbekonzert für den Ruder­sport. Der VereinUferkritik" Gießen, der sich die Förderung des Rudersports in der verschie­densten Form zur Aufgabe gemacht hat, veran­staltet am kommenden Sonntag, um 17 Uhr be­ginnend, auf dem Bootsplahe des Ruderklubs Hassia" 1906 ein großes Militärkonzert, das von dem Musikkorps des 1. Bail. Inf.-Regt. 15, aus- oeführt wird. Mit dem Konzert ist eine Auf­fahrt sämtlicher Ruderboote verbunden, an der sich die Gießener Rudergesellschaft 1877, der Gie- Dener RuderklubHassia", und der Verein Ru­dersport beteiligen werden. Auch eine Auffahrt der Paddler findet statt. U. a. wird ein Lampion- beigen gezeigt und zum Schluß ein Feuerwerk abgebrannt. Räheres ist aus der heutigen An­zeige ersichtlich.