Ausgabe 
26.4.1933 Frühausgabe
 
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nr.97 Svüvaussabe

183. Jahrgang

Mittwoch 2b. April (933

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Eichener Anzeiger

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Dr. Friedr. Will). Lange. Berantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und ür>e iAn- zeigentei! i.B.TH.Kümmel sämtlich in (Siegel.

Deutschland rüstet zum Fest der nationalen Arbeit.

Maifeier!

Je näher der 1. Mai heranrüclt, an dem gdnj Deutschland dasFeit der nationalen Arbeit' feiert, desto mehr wachst im Volte das Jnieresse an den Veranstaltungen der Reg erung, die für diesen großen Tag vorgesehen sind. Man weih bereits seit längerer Zeit, dah der Reichskanzler Adolf Hitler an diesem Tage Abordnungen der Arbeiterschaft aus dem ganzen Reiche in feier­licher Weise empfangen will, um durch diesen Empfang symbolhaft zum Ausdruck zu bringen, dah die nationale Regierung im Arbeiter nicht einen Menschen 2. Klasse erblickt, sondern einen vollgültigen, gleichberechtigten Staatsbürger. Um diese Einstellung der nationalen Regierung im Volke bekannt zu machen, soweit dgs überhaupt noch nötig ist, scheut die Regierung keine Mittel, in den Abordnungen der Arbeiterschaft die Ar­beiterschaft selbst zll ehren, und ihre Verbunden­heit mit den arbeitenden Schichten unter Beweis zu stellen.

Es mutet den unvoreingenommenen Betrachter an wir ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß Ge­nerationen hindurch die Sozialdemokraten und spä­ter auch die .Kommunisten den 1. Mai zum Feier­tag der Arbeiterschaft erklärten, daß aber aus die­sen Bestrebungen nichts anderes wurde als ein ewiger Stampf Aller gegen Alle, ein Stampf des Proletariats gegen das Bürgertum. Und nun sehen wir, wie es der nationalen Regierung, die doch von Sozialdemokraten und Stommuniftcn vor ihrer Machtergreifung als eine Regierung der Reaktion bezeichnet worden war, sozusagen aus dem Hand- . gelenk heraus gelingt, den großen Wunsch der Ar- beiter zu erfüllen. Man braucht kein Prophet zu ein, um heute, in einer Zeit, die das ganze Volk geschlossen hinter der Regierung . sieht, vorauszu- agen, daß dieser 1. Mai wohl die erste Maifeier ein wird, die reibungslos und ohne den geringsten Zwischenfall verläuft. Wenn es vor einigen Jahren noch möglich war, daß die Schutzpolizei des sozial- demotratiichen Polizeipräsidenten Zörgiebel auf kommunistische Maifeier-Demonstranten schoß, wo­bei über 30 Tote auf der Walstatt blieben, so ist das heute unter der nationalen Regierung vollkom­men unmöglich und undenkbar, weil nämlich heute, unter dem machtvollen Regiment des Reichskanzlers Hitler, Arbeiterschaft und Polizei keine Feinde mehr find, sondern Bundesgenossen, die Hand in Hand am gleichen großen Ziel zusammen arbeiten, nämlich an der Befreiung des öffentlichen Lebens vor ver­brecherischen Auswüchsen auf der einen Seite und an der Förderung der nationalen Arbeit auf der anderen Seite.

Jetzt erfahren wir aus dem Ministerium für Dolksaufllärung und Propaganda nähere Ein­zelheiten über die Ehrung, die die Abordnungen der Arbeiterschaft von feiten der nationalen Re­gierung, wie auch von feiten der Berliner Ver­bände erwarten. 71 deutsche Arbeiter und 8 Arbeiter aus Oesterreich werden am 1. Mai durch Flugzeuge vollkommen kostenlos nach Berlin be­fördert werden. Aus Oberschles.en und Ostpreu­ßen, von der See her und vom rheinisch-westfäli­schen Gebiet, aus dem Süden, aus Stuttgart und München und aus Sachsen werden die schweren Maschinen anbraufen und diejenigen Männer zur Maifeier auf das Tempelhofer Feld in Ber­lin bringen, die als bewährteste und älteste Mitglieder der nationalsozialistischen Betriebs- zellen-Organisation schon seit Jahren in hartem Kampfe für die sich jetzt erfüllenden Ziele der nationalen Regierung unerschrocken und treu ein­getreten sind. Die Abordnungen der deutschen Arbeiterschaft werden in nächster Rähe des Reichskanzlers Hitler auf der großen Festtribüne ihre Plätze erhalten. Sie sind in Wahrheit die Ehrengäste des großen Festes der nationalen Arbeit.

Aber nicht nur die Regierung, sondern auch private Stellen wetteifern damit, den Abordnun­gen der Arbeiterschaft ihre Sympathien zu bezeu­gen. Sv hören wir jetzt auch, dah der Reichs- einheitsverband des Deutschen Gaststättengewe» bes E. V. sich bereit erklärt hat, alle 80 Dele­gierten in den ersten Hotels von Berlin, so z. B. im Hotel Bristol oder im Esplanade oder im Ho­tel Adlon kostenlos aufzunehmen. Die größten und bekanntesten Berliner Speiselokale haben von sich aus darum gebeten, die Delegierten als Gäste aufnehmen zu dürfen und kostenlos zu verpflegen. Die Theater und andere Betriebe haben sich be­reiterklärt, den Delegierten für ihre Vorführun­gen die besten Plätze kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Der Gau Groß-Berlin der NSDAP, zeigt eine Verbundenheit mit den Delegierten der deutschen Arbeiterschaft dadurch, daß er jeder Delegiertem gruppe von 3 bis 5 Mann einen Wagen des natio- nalsozialislPchen >lrastsahr-Korps des Gaues Groß- Berlin zur 'Verfügung stellt.

In den SO Arbeitern aus Oft und West, aus Nord und Süd ehren d-e Negierung und das deutsche Volk die ganze deutsche Arbeiterschaft und damit letzten Endes auch sich lelbst, weil der deutsche Arbeiter zum deutschen Volte gehört und weil ohne den deut­schen Arbeiter ebensowenig eine deutsche Zukunft ge­dacht werden kania wie es für die Arbeiterschaft eine Zukunft außerhalb der deutschen Nation gibt.

Das Programm für den 1. Mai.

Berlin. 25. April. (wTB.) Amtlich. Das bis­her veröffentlichte Programm für dep Tag der na­

tionalen Arbeit (1. Mai) ist nur ein vorläufi­ges. Das endgültige Programm wird noch bekanntgegeben. Schon jetzt kann daraus hln- gcroiefen werden, daß z. B. die Kundgebung im £u ft garten auf 9 Uhr vormittags voroerlegt worden ist. Diese Kundgebung ist in der Hauptsache als Kundgebung der 3 u- gend gedacht, an der Schüler, Studenten und 3u- gendverbände teilnehmen werden.

^eichsminifter Goebbels nach Berlin zurückaekehri.

Köln, 25. April. (TU.) Als Reichsminister Dr. Goebbels Dienstag mittag seine Vater»

Berlin, 25. April. (TU.) Deutschland ist ein armes Volk, aber obwohl die nationale Regie­rung unter der Kanzlerschaft Hitlers nicht im entferntesten'daran denkt, mit den Steuergroschen der Bevölkerung in ähnlicher leichtsinniger Weise umzugehen, wie es unter der Regierung der so­zialdemokratischen und anderen Parteien der Fall' war, so hat es sich^die Regierung nicht nehmen lassen, den Tag der nationalen Arbeit am Abend des 1. Mai auf dem Tempelhofer Feld durch e i n in solchem Ausmaße noch nie gesehe­nes Riesenfeuerwerk zu frönen. Die na­tionale Regierung, getragen von dem Willen zur unbedingten Sparsamkeit, war sich von vornherein darüber klar, daß aus den beschränkten Mitteln, die dem, infolge der verflossenen Mißwirtschaft verschuldete^ Reich noch zur Verfügung stehen, auch nicht ein einziger Pfennig für dieses Feuer­werk verwendet werden darf. Die Steuergelder, über die die nationale Regierung verfügt, dienen einzig und allein dem Wiederaufbau des Reiches und der Wirtschaft, sowie der Linderung der gro­ßen Rot und der fcer^-m^cn Volksschicht, in die sie durch die Arbeitslosigkeit g:ralen ist.

Das Feuerwerk wird aifo nicht aus Geldern der Steuerzahlungen bestritten, sondern es wird getragen von den Eintrittspreisen, die die Besucher der Tribüne zu entrichten haben. Auch hier verfährt die nationale Regierung durchaus sozial, indem sie den, der mehr Geld hat, auch mehr zahlen läßt, als den anderen

Bollsgenofjen.

Wir erfahren vom Ministerium für Volksauf­klärung und Propaganda, in welchem Nah­men sich das Riesenfeuerwcrk am Tag der natio­nalen Arbeit vollziehen wird.

Wie wir schon eingangs erwähnten, ist ein solches Feuerwerk in ganz Europa noch nicht ge­zeigt worden. Die einzelnen Fronten, die durch das Feuerwerck erfaßt werden, sind über vierhundert Meter lang. Sie verlangen den Einsatz fämt- lidjer Berliner Feuerwerksfirm en. Die Leitung dieser rein technisch schon sehr schwie­rigen Anlage liegt in den Händen der Berliner Kunslfeuerwcrke. Der Ingenieur Muffel arbeitet mit einem Stabe von 50 Pyro-Technikern, die das Feuerwerk abbrennen. Di/e Anlage ist so groß, daß die einzelnen Feuerwerkstrupps durch Feldtelephone verbunden werden müssen, um mit der Feuerwerksleitung und untereinander in Verbindung bleiben zu können.

Bei Beginn des Feuerwerks rast eine aus hun­derten der größten Raketen gebildete, sich dau­ernd bewegende, in allen Farben schimmernde Feuerwand in den dunklen Rachlhimmel

Berlin, 25. April. (ERB.) Der Landesführer des Kampfbundes für deutsche Kultur, Staatskom­missar z. b. V. Hans Hinckel, sprach am Montag­abend in einer von mehreren hundert Obleuten aller Fachgruppen besuchten Versammlung über die Arbeit und die nächsten Ziele des Kampf- bundes. Man stehe heute am Schluß der ersten Etappe, und der Kampfbund könne stolz aus seine bisherige Arbeit sein. Ohne den Kampfbund hätten sich die kulturpolitischen Arbeiten nicht so reibungs­los abgewickelt wie bisher. Wenn die Künstler ver­sucht hätten, sich einzeln durchzusetzen, so würden sie sich, selbst bei bestem Willen, erfolglos im Raume gedrängt haben. Es sei dem Kampfbund gelungen, große K anälefürdieArbeitder Künst­ler zu schaffen.

Der Bühnen-Volksbund sei gleichgeschal­tet worden. Er werde übergeführt in die national­sozialistische Reichs - Theaterbesucher - Organisation Deutsche Bühne". Vor kurzem sei der Deutsche Musikkritikerverband gegrün­det worden Im alten Musikkritikerverband sei we­gen der katastrophalen Derjuduna nichts gleichzu­schallen gewesen. Der DeutscheReklamever- b a n d mit dem Bund der Gebrauchs­graphiker sei mit dem Kampfbund zusammen- geschlossen worden, Präsident der Bühnen­genossenschaft sei das Mitglied des Kampf- biindes Otto Laubinger. Auch im Verband deutscher Variätetheater-Direktoren

stadt Rheydt verließ, wurde er von der in den Straßen angesarnrnellen Menschenmenge b e - geiftert begrüßt. Der Minister flog zum Flug­hafen nach Köln, wo sich zu seiner Begrüßung der tommissarische Oberbürgermeister von Köln, der Landeshauptmann, der kommissarische Präsident des Landesarbeitsamtes Rheinland und zahlreiche hohe Führer der Parteiorganisationen eingefunden hat­ten. Nachdem der Minister die Front der 6'21.« Leute abgeschritten hatte, verabschiedete er sich herzlich und bestieg das Flugzeug, das um 13.40 Uhr nach Berlin startete.

hinein. Dann zeigen sich in strahlendem Licht in gewaltiger Größe auf dem Hintergrund des Rachthimmels zwei sich vereinigende Hände, unter denen in Riesenbuchstaben zu lesen ist: Tag der deutschen Arbeit". Dieses symbolische Bild wird eingeraljmt und umschlossen von tau­

senden und abertausenden Feuerblumen.

Der rührige Ingenieur Müsset, ein Fachmann auf feinem Gebiete, hat außerdem noch mit dem bekannten K u n st f l i e g e r Ke r n ein Abkommen getroffen, dessen Verwirklichung in ganz Eu­ropa zu m ersten Male vor sich geht und das bisher nur in den Vereinigten Staaten von Amerika gezeigt wurde. Der Kunstflieger Kern stößt nämlich mit seinem Flugzeug in die dunkle Rächt und wird über dem Festplah mit feiner Ma­schine, die in genialer Konstruktion mit Feuer­werks körpern bestückt ist, gewaltige Feuer- spiele vorführen.

kaum ist der fliegende Fcuerspuk verschwunden, so rasen 7 0 0 Bomben schwersten und größten Kalibers Bomben bis zu 30 cm Durchmesser gegen den Himmel. Diese Bomben überschlagen sich auf ihrer feuerspeien­den Fahrt und werden begleitet durch das Bombardement Hunderter von Feuertöpfen. Dann fällt auf einer Front von 430 Meter aus 10 Meter höhe ein ge­waltiger Sitberroafferfalt hernieder und bietet dem entzückten Beschauer einen märchenhaften Anblick. Kaum ist das Silberlicht des Wasserfalls im unersättlichen Schlund der dunklen Rächt versunken, so werden in 70 Sekunden, also in kaum mehr als einer Minute, von drei Stellen aus 2 11 Bomben batterieweise abgeschossen und bil­den am nächtlichen Himmel ein neuer Far - benrounöer märchenhafter Pracht. Jetzt folgt ein Trommelfeuer von 60 000 Plahkanonenschlägen, das die ganze

Luft erschüttert.

Auch dieses Feuerwerk soll dazu beitragen, in einer Stunde der Feier und der Freude, die Arbeiter der Stirn und die Arbeiter der Faust, nach dem Willen der nationalen Regierung und des Reichskanzlers Hitler zu verbrüdern und d i e ehemaligen Klassengegensätze auf- zuheben und die Menschen zu einer einheit­lichen, durch nichts mehr zu zerstörenden Volks­gemeinschaft zusammenzuschließcn. Flammen der Freude strahlen über den Tag der natio­nalen Arbeit.

fei die Gleichschaltung erfolgt. Es sei die Gewähr ge­geben, daß alle diese Verbände im Sinne der natio­nalen Erneuerung weitergeführt würden.

Besonderes Augenmerk richtet der Kampfbund auf die deutsche Sektion des Internatio­nalen Pen-Klubs, helfen nächste Tagung in Ragufa bevorstehe. Die bisherigen Tagungen des Pen-Klubs, der sich stets in den Dienst einer pazifistischen Völkerversöhnung gestellt habe, hätten stets Empörung in Deutschland hervor- gerufen, zumal die vorige Tagung unter dem Vorsitz von Alfred K e r r, wo der kommunistische Schriftsteller Ernst Toller gegen den italieni­schen Vertreter Sturm laufen durste. Toller Hobe damals mit diesem Schritt Deutschland schwer st ens kompromittiert.

Heute führten den Vorsitz in der deutschen Sek­tion des Pen-Klubs Hans Hinckel, Hanns I o h st und Dr. Schlösser, der kulturpoliti­sche -Schriftleiter des ^Völkischen Beobachters". Zum Schriftführer fei Dr. v. Geers, zu Schatz­meistern Hanns Martin Elster und Herr Ko­ch a n o w s k i gewählt worden. Damit sei eine Wiederholung der schmachvollen Geschehnisse der letzten Tagung in Zukunft unmöglich. Am Mon- tagnachmittag schließlich sei auch der Bund Deut­scher Architekten gleichgeschaltet worden, der nun­mehr unter dem Vorsitz des Rationalsozialisten Lörcher stehe.

Das Msenseimwerk aus dem Tempchvser Feld.

Stammen der Freude strahlen über den Tag der nationalen Arbeit.

Die Arbeit des Kampsbuudes für deutsche Kultur.

OieOurchführungdesGeseheg zur Wiederherstellung des

Derussbeamientums.

Besprechung beim Neicheinnenminister.

Berlin, 26. April. (WTB.) Aus Einladung des Re chsministers des Innern hatten sich heute dieMinisterpräsidentenunddieJn- nen Minister sämtlicher Länder sowie die Vertreter aller Reichsresforts zu einer Aussprache über die Ausführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufs- beamtentums im Reichsinnenministeriuin versam­melt. Reichsinnenminister Dr. Frick, der den Vor'ih in der Sitzung führte, erläuterte in ein­gehenden Ausführungen die Grundzüge des Ge­setzes und die Art seines Vollzuges an Hand der bereits im Entwurf vorliegenden, vom Reichsinnenministerium im Einvernehmen mit dem Reichsministerium der Finanzen aus» gearbeiteten Ausführungsbestimmun- g e n. Der preußische Ministerpräsident Göring ergänzte die Darlegungen des Reichsinnenmini­sters insbesondere vom Standpunkt der preußi­schen Verwaltung. In der weiteren Aussprache ergab sich Liebereinstimmung in allen grundsätzlichen Fragen. Einzelheiten wurden einer ncch im Laufe des heutigen Tages stattsindenden Rcserentenbesprechung Vorbehal­ten, die insbesondere dazu dienen soll, Qinrcgun» gen der Länder entgegenzunehmen. Es ist daniit zu rechnen, daß b;c Ausführungsbestimmungen zum Beamtengeseh, die für den Vollzug dei- Ge­setzes von besonderer Wichtigkeit sind, noch im Laufe dieses Monats veröffentlicht werden.

Neuer Skandal um Döß.

Riesige DiensLaufwendungsliquidotio, en des früheren Berliner Lberbürgermeisiers.

Berlin, 25-April. (ERB.) Der Staats­kommissar Dr- Lippert hat dem Oberbürger­meister Dr S a h m eine Darstellung von Vor­gängen überreicht, die mit Liquidationen des früheren Oberbürgermeisters Böß zusammenhängen. Gleichzeitig hat Dr. Lip­pert ersucht, gegen Böß geeignete Maßnahmen zu ergreifen, vornehmlich d i e Frage der Pension zu klären. Dem früheren Oberbürger­meister wird vorgeworfen, alle Kosten sei­nes Haushalts in Rechnung gestellt zu haben, obwohl er eine erhebliche Dienstaus- wandsentschädigung bezogen hat. Rach den b:5- herigen Feststellungen beläuft sich der Schaden, der der Stadt durch diese Manipulationen ent­standen ist, in die Hunderttausende.

3n einer eingehenden Begründungs­schrift hat sich Staatskommissar Dr- Lippert mit den einzelnen Füllen auscinandergesetzl Zu­nächst zeigt eine Zusammenstellung der frühe­ren Bezüge der Oberbürgermeister, daß diese Bezüge in dem reichen Deutschland vor dem Kriege insgesamt 40 000 Mk- betrugen, ohne Dienstaufwandsentschädigung und ohne Dienst­wohnung. Herr Böß dagegen erhielt zum Schluß 36 0.0 Mk. Plus 24 000 Mk. Dienstau'-wands ml- schüdigung, plus freie Dienstwohnung und dies in einer Zeit, in der Reich und Stadt sich in der bittersten Rot befanden und Millionen Velts- genoffen ohne Arbeit und Brot darben mußten. Hervorzuheben ist vor allem, daß der ehemalige Oberbürgermeister Böß nicht nur eine D i e n st - aufwandsentschädigung sich bezahlen ließ, sondern dah er darüber hinaus alle Auf­wandskosten sich von der Stadt noch extra vergüten liefe, so dafe damit die Dienstaus- wandsenlschädigung zum reinen Gehalt wurde.

Der Darstellung, die der Staatskommissar Dr. Lippert dem Oberbürgermeister Dr. Sahm über­reicht hat, ist eine mehrseitige Liste dcr Auf­wendungen für die Dienstwohnung beigefügt. In dieser Liste machen allein die Kosten für Ein- und Umbauten einen Betrag von 150 000 Mk. aus. Darunter befinden sich folgende Beträge: Für Einrichtung einer Toi­lette 10 000 Mk., für die Verlegung des Schlaf­zimmers 3000 Mk., für die Verlegung des Vade- zimmers und Umbauten in anderen Räumen 12 000 Mk., für einen Abwaschtisch und eine Waschtoilette 4000 Mk., für den Umbau eines Wintergartens 15000 Mk. Aus den weiteren un­zähligen Posten geht hervor, daß sogar Ge­genstände für den täglichen Bedarf und den Haushalt liquidiert wurden. Für einen Kühlschrank wurden 3200 Mk., für Wein­gläser 4500 Mk., für Porzellan 1400 Mk. an­gerechnet. Der Wachhund, der für die Dienst- Wohnung angelchasst werden muhte, wurde mit 200 Mk. in Rechnung gestellt, der Maulkorb mit 9,55 Mk. und die Verpflegung für diesen Hund mit monatlich 30 Mark.

Gegen Boß war Anfang 1930 im Zusammen­hang mit dem Sklarek-Prozeß ein Diszipli­narverfahren eingeleitet worden, das dieDienst- entlaf fung mit zwei Drittel Pen­sion aussprach. Bei der von Boß eingelegten Revision wurde aber nur auf eine Geld­strafe in Höhe eines Monatsgehalts erkannt. Böß trat am 1. Rovember 1930 in den Ruhestand. Er bezieht zur Zeit eine monatliche Pension von 1700 Mk. netto.