Wirtschaft.
Berlin start zurückhaltend.
Berlin. 26. San. (WTD. Funkspruch.) 2ln der heutigen Börse herrschte eine aufoeror* deutlich starke Zurückhaltung, nicht nur von seiten des Publikums, sondern auch der Spekulation. Maßgebend hierfür war die noch immer nicht geklarte innerpolitische Lage. Trotzdem konnte die Grundstimmung nicht als unfreundlich bezeichnet werden, denn es herrschte die Ansicht vor, daß sich der Reichstag voraussichtlich bis Ende Mai vertagen wird, so daß also die Re- Sierung bis dahin ohne Hemmnisse ihr Programm uvchführen kann. Man sieht daher mit Spannung der morgigen Aeltestenratssihung entgegen. Die sonst vorliegenden Rachrichten waren eher günstiger Ratur. So konnten sich an der gestrigen Reuyorker Börse allgemein Kursbefestigungen bis zu 2 Dollar durchsetzen, in der gestrigen Derwaltungsratssihung der Reichsbahn wurden die Aussichten für die Zukunft ziemlich zuversichtlich beurteilt, auch aus der Schiffahrt liegen ermutigende Rachrichten vor, und nicht zuletzt hat sich das Geschäft bei der IG^-Farben in fast sämtlichen Abteilungen beleben können.
Die Kurse zeigten je nach Dorliegen von Kaufoder Derkaufsorders 'Besserungen bzw. Abschläge bis zu 0,75 Prozent. Ueberwiegend schwächer war der Montanmarkt, da der weitere Rückgang der Gelsenkirchenaktien bis auf 59 verstimmte. Den stärksten Rückgang an der heutigen Börse hatten Rhein. Braunkohlen aufzuweisen, die bei geringstem Umsatz um 3,25 Prozent zurückgingen. Farben waren gehalten, Siemens, die man vorbörslich weiter fester taxiert hatte, gaben 0,50 Prozent nach. Allgemeine Lokalbahn konnten sich bei kleinster Rachfrage um 2 Prozent befestigen, und auch Otavi zogen um 1 Prozent an, dagegen gaben Deutsche Atlanten 1,25 Prozent nach.
Die Rentenmärkte zeigten nur wenig Ver- änderungen gegen gestern. Alt- und Reubesih waren etwas schwächer, das Geschäft war auch hier ganz gering. Pfandbriefe taxierte man zunächst ziemlich unverändert, gleichfalls behaupteten sich Reichsschuldbuchforderungen auf ihrem gestrigen Schlußniveau.
3m Verlaufe schrumpfte das Geschäft noch stärker zusammen, und es ergaben sich eher kleine Rückgänge. 3m späteren Verlaufe wurde es, ausgehend von Contigummi, die 2 Prozent anzogen, sowie von Schiffahrtswerten, Farben und Siemens, etwas lebhafter und fester.
Am Geldmarkt hat sich mit dem Herannahen des Ultimos die Lage natürlich weiter angespannt, doch blieben die Sätze immer noch unverändert, d. h. 4,38 bzw. 4,25 Proz. an der unteren Grenze für Tagesgeld. Dem vorliegenden Angebot am Privatoiskontmarkt stand kleine Rachfrage gegenüber. Wenn auch das Geschäft in Reichswechseln per 25. April und Reichsschahanweisungen per 17.3uli sehr gering war, so hielt doch die Rachfrage an.
Frankfurt zurückhaliend/über freundlich.
Frankfurt a. M., 26. Jan. (WTB. Drahtmcl- düng.) Die Börse eröffnete auch heute in großer Geschäfts st ille, da die Kulisse und das Publikum im Hinblick auf die innerpolitische Situation, die zwar etwas günstiger, aber noch als reichlich
ungeklärt angesehen wird, Zurückhaltung an den Tag legte. Die Unruhen in Dresden waren nicht für eine Tendenzbesserung angetan, die Grundstimmung konnte jedoch als freundlich bezeichnet werden, da die Festigkeit Wallstreets etwas Anregung bot.
Die Kursgestaltung war nicht ganz einheitlich, bei zögernder Feststellung überwogen jedoch meist Besserungen von 0,25 bis 0,75 o. $). Einige Spe^ialwerte wie Eontigummi, Zellstoff Waldhof und Süddeutsche Zucker lagen darüber hinaus bis zu 2 v. H. fester. Am Ehcmicmarkt eröffneten IG. mit 106 o. H. gegen die Abendbörse 0,75 o. H. höher, Metallgesellschaft lagen unverändert, während Scheideanstatt, Deutsche Erdöl und Rütgerswerke bis zu 0,50 o. H. nachgaben. Bon Elektrowerten kamen AEG. m:t 30,75 v. H. unverändert, aber rein nominell zur Notiz. Bekula und Lahmeyer waren von 0,50 bis 0,75 o. S). höher, Siemens und von Nebenwerten Lechwerke blieben behauptet. Am Montanmartt gaben Gelsenkirchen auf Glattstellungen 0,50 o. H. nach, wogegen Buderus und Mannesmann 0,50 v. H. anzogen und Rheinstahl, sowie Stahlverein unverändert einsetzten. Bon Kupferwerten kamen Otavi- Minen 1 Mark höher zur Notiz. Leicht gebessert waren noch Reichsbankanteile. Schisfahrtsaktien und Deutsche Linoleum mit plus 0 25 bis 0,50 v. H. Gebrüder Iunghans lagen mit 93,50 v. H. bei kleinem Umsatz behauptet.
Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen hatten nur sehr kleines Geschäft und bröckelten bis zu 0,25 v. H. ab. Altbesitz 68,75 v. S)., Neubesitz 9 v. H. und späte Schuldbücher 79,25 v. Sy Festverzinsliche Werte lagen ebenfalls fast geschäftslos und meist unverändert. Stadtanleihen und 3ndustrieobligationen hatten nur sehr kleines Geschäft zu meist behaupteten Kursen. .Don fremden Werten lagen 4prozentipe Einhritsrumä- ncn mit 5,80 Prozent etwas Häher, auch Anatolier lagen weiter fest.
Die fast vollkommene Stagnation führte im Verlaufe auf Abgaben der Kulisse meist zu Abschwächungen von 0,25 bis 0,75 Prozent, nur Schiffahrtswerte waren im gleichen Ausmaß höher, wobei relativ günstige Ausführungen in der Presse über die Lage in dev Schiffahrt anregten. Tagesgeld war zu 3,25 Prozent unverändert und weiter leicht.
Frankfurter Schlachtvichmarkt.
Frankfurt a. M., 26. San. Auftrieb : Rinder 95, Kälber 984, Schafe 369, Schweine 584 Stück. Es notierten: Kälber. Beste Mastrind Saugkälber 32 bis 36, mittlere Mast- und Saugkälber 27 bis 31, geringe Kälber 22 bis 26. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemastl 21 bis 23, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 18 bis 20, fleischiges Echafvieh 14 bis 17. Schweine. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 36 bis 38, von etwa 200 bis 240 Pfund 36 bis 39. von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 35 bis 38. Marktverkauf: Auf allen Marktgebieten mittelmäßig, ausverkauft.
Kirche und Schule.
Landkreis Gießen.
* Kle in-Linden, 24. San. Sn der vorigen Woche fanden allabendlich in unserer Klein
kinderschule religiöse Vorträge statt, die i in dem Hauptthema gipfelten: „Was ist das Leben?" Me Vorträge, die von Prediger Meng (Großen-Linden) gehalten wurden, waren aus Klein-Linden und den umliegenden Ortschaften stark besucht. Gesangschöre der Gemeinschaften von Atlendorf a. d. Lahn, Großen-Linden und Leihgestern trugen zur Ausschmückung der Abende bei. Der hiesigen Kleinkinderschule wurden als LInterstühung 21 Mk. aus den eingegangenen Opfern überwiesen.
Kunst und Wissenschaft.
Die Rotlage der wissenschaftlichen Zeitschriften.
Der Verband der deutschen Hochschulen und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Verleger haben gemeinsam eine Eingabe an die Finanz» und Kultusminister sämtlicher deutschen Länder gerichtet, in der es u.a. heißt:
Die schwere wirtschaftliche Rotlage in Deutschland hat eine außerordentlich betrübliche Rückwirkung auch auf die wissenschaftliche Forschung und ihre literarische Auswertung ausgeübt. Durch die sehr starke Kürzung der Kulturetats, die zum Teil fast einer Streichung der Etats für Beschaffung neuer Literatur gleichkommt, ist ein Zustand eingetreten, der es den wissenschaftlichen Snftituten unmöglich macht, sich die nötige Literatur zu beschaffen, andererseits aber dem wissenschaftlichen Verlag die Veröffentlichung wissenschaftlicher Forschungen durch Zeitschriften so sehr erschwert, daß das Fortbestehen einer großen Anzahl wissenschaftlicher Zeitschriften gefährdet erscheint. Die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die seit ihrer Begründung in segensreichster Weise in zahlreichen Rotfällen eingegriffen hat, ist durch starke Kürzung ihres eigenen Etats hierzu auch nicht mehr in genügendem Maße im Stande. — Die Weltgeltung des deutschen Ramens beruht nicht zum kleinsten Teile auch auf den Leistungen der deutschen wissenschaftlichen Forschung. Diese in ihren Arbeitsmöglichkeiten zu beeinträchtigen, ist ein bedenklicher Schritt. Zu diesen Arbeitsmöglichkeiten gehört aber das Vorhandensein und die Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Zeitschriften. Der Verband der deutschen Hochschulen und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Verleger erachten es für ihre Pflicht, darauf Ijimutoeifcn, daß die gegenwärtige Kürzung der Kulturetats nicht mehr tragbar erscheint und eine Abhilfe dringend erforderlich ist. Möge sie ein» treten, ehe es zu spät ist, und vielleicht zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriften, die ehemals der Stolz der deutschen Wissenschaft waren, und die bis jetzt nur noch mit allerschwersten Opfern sei» tens des wissenschaftlichen Verlages durchgehalten werden, zugrunde gegangen sind.
Vezirksschöffengerichl Gießen.
Gießen, 25. Jan. Eine entgleiste Existenz stand in der Person eines achtundzwanzigjährigen „Architekten" vor Gericht. So nennt sich der Angeklagte, weil er einmal Architektur studiert hat. Er habe dazu „die Berechtigung", denn der Titel fei nicht geschützt. Als Sohn angesehener Eltern hatte er in Hannover studiert, war aber „bummer Streiche" wegen, wie er angibt, aus seiner Verbindung ausgeschlossen worden und mit seiner Familie zerfallen. Zunächst schwindelte er sich bei früheren Bundesbrüdern durch, trieb sich dann in der Welt herum und wurde mehrfach wegen Betrüge
reien verurteilt, zuletzt in Halle zu 6 Monaten Gefängnis. Nach feiner Entlassung hat er wieder an verschiedenen Orten, darunter in Gießen, Betrügereien verübt und sich Geldbeträge, allerdings nie höhe Beträge, erschwindelt. Er trat als Werkstudent auf, ließ sich zur Beschaffung von Arbeitskleidern und -gerat Darlehen geben, trat aber seine Stelle nicht an. Er war im wesentlichen geständig. Die Strafe lautete auf lOMonatcGefängnis.
Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit wurde eine Putzfrau voy- hier wegen Kuppelei, begangen an ihrer Tochter, zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Sie bestritt das Vergehen. Die Beweisaufnahme ergab aber das Gegenteil.
Von der Anklage der schweren Urkundenfälschung wurde ein Landwirt aus Rendel frei- gesprochen. Es wurde ihm zur Last gelegt, eine Quittung durch einen Zusatz verfälscht zu haben. Er bestritt dies, und der als Zeuge vernommene 'Aussteller der Quittung gab heute an, es fei möglich, daß der Zusatz schon vor der Unterschrift dci- gestanden habe.
Eingesandt.
lFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Liebe hessische SkafoenbauDcrroallung!
Auf großen Teilen der Straße Gießen—Wißmar haben Sie das so schwierige Problem „Schaffung erstklassiger Straßen mit geringen Ankosten", „glänzend" gelöst. Der Wißmarer Bevölkerung wäre es aber viel lieber gewesen, wenn Sie diesen „glänzenden" Lösungsversuch in einer anderen Gegend gemacht hätten, vielleicht dort, wo sich die Füchse „Gute Rächt" fagen, oder in irgendeinem Sumpfgebiet. Sm letzteren hätte dann wenigstens eine solche Straße von der Umgebung nicht abgcstochen. Vielleicht sind wir Wißmarer aber auch nicht genau über die Bestimmung und den Zweck der veränderten Straße orientiert. Sollte hier vielleicht ein Straßenmustergarten angelegt werden, oder soll dieser Straßenzustand den Wißmarern auf dem Wege nach Gießen Einhalt gebieten? Wir wissen es nicht! Aber ein jeglicher, ob Auto- und Motorradfahrer, ob Radfahrer oder Fuhrwerlsbesiher, — alle fragen sich: Wie ist so etwas möglich? Wie kann eine Straße, die in einem Einigerrnahenzustand war, so verunstaltet werden? Wie kann man nur eine Straße zu einer Gefahr für Menschen und Vieh machen? Warum werden nur seit Monaten die Strahengrabenexkremente über eine festgründige Straßendecke geworfen? Wir wissen es nicht! Sollte diese Straßenverunstaltung eine neue Art Strahenverbesserung sein? Wir verzichten! Wir geben Shnen aber den guten Rat: Lassen Sie bitte das gute Alte! — Entleeren Sie die Straßengräben wohin Sie sollen, — nur nicht auf unsere Straße! H. F.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Gemeinden.
Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 28. Januar. Dor^ abend: 5 Uhr; morgens 9; Predigt; abends 5.20 und 6 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschast. Sabbatfeier den 28. Januar. Freitag abend 4.45 Uhr; Samstag vormittag 8,30; Predigt; nachmittags 5.20; Sabbat- ausgang 6. — Wochengottesdienst: morgens 7; abends 4.30 Uhr.
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Bekanntmachung.
Die Anmeldung bet mit Beginn des neuen Schuljahrs (24. April 1933) schulpflichtig werdenden Kinder hat zu erfolgen:
1. für alle Knaben: Dienstag, den 31. 3a- nuar 1933, 9 bis 11 Uhr, in der pe- ftalozzischule, Nordanlage 8;
2. für alle Mädchen: Mittwoch, den 1. Februar 1933, 9 bi» 11 Uhr, in der Schillerschule, Schillerstraße 8.
Bei der Anmeldung ist der Impfschein und hei auswärts geborenen Kindern auch der Geburtsschein vorzulegen.
Die Schulpflicht besteht für alle Kinder, die bis zum 1. Mai 1933 das 6. Lebensjahr vollendet haben.
Es können jedoch zu derselben Zeit auch solche Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1933 das 6. Lebensjahr vollenden, und die geistig und leiblich ais schulreif erkannt werden.
Lin weiterer Termin für bie Schutauf- nahme findet nicht statt. 578D
Gießen, den 25. Januar 1933.
Stadtschulamt. I. V.: Fischer.
Vortrags-Gemeinschaft: Goethe-Bund, KautmännischerVerein und Gewerbeverein
Lichtbildervortrag
PAUL EIPPER Meine Freundschaft mit Tieren
1. Sonntag, den 29. Januar 1933, abends 8 Uhr, Aula, für
Goethebund und angeschlosscne Verbünde.
Bundesmitglieder bis 3 numerierte Platzkarten frei. Verbände Eintritt 60 Pfennig. Gutschein Nummer 8, Challier. Nichtmitglieder Reichsmark 1.50 u. 1.—. Studenten 40 Pfennig Asta.
2. Montag, den 30. Januar 1933, abends 8 Uhr, Aula, für
Kaufmännischer Verein und Gewerbeverein.
Mitglieder 3 Plätze frei gegen KontroU-Abschnitt 4Saal- eingang. Nichtmitglieder und Studenten wie oben.m»d Montag, den 30. Januar, abends 8L0 Uhr, im Studentenhaus, Leihgestern er Weg
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