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26.1.1933 Erstes Blatt
 
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Wirtschaft.

Berlin start zurückhaltend.

Berlin. 26. San. (WTD. Funkspruch.) 2ln der heutigen Börse herrschte eine aufoeror* deutlich starke Zurückhaltung, nicht nur von seiten des Publikums, sondern auch der Spe­kulation. Maßgebend hierfür war die noch immer nicht geklarte innerpolitische Lage. Trotzdem konnte die Grundstimmung nicht als unfreundlich bezeichnet werden, denn es herrschte die Ansicht vor, daß sich der Reichstag voraussichtlich bis Ende Mai vertagen wird, so daß also die Re- Sierung bis dahin ohne Hemmnisse ihr Programm uvchführen kann. Man sieht daher mit Span­nung der morgigen Aeltestenratssihung entgegen. Die sonst vorliegenden Rachrichten waren eher günstiger Ratur. So konnten sich an der gestri­gen Reuyorker Börse allgemein Kursbefestigun­gen bis zu 2 Dollar durchsetzen, in der gestrigen Derwaltungsratssihung der Reichsbahn wurden die Aussichten für die Zukunft ziemlich zuver­sichtlich beurteilt, auch aus der Schiffahrt lie­gen ermutigende Rachrichten vor, und nicht zu­letzt hat sich das Geschäft bei der IG^-Farben in fast sämtlichen Abteilungen beleben können.

Die Kurse zeigten je nach Dorliegen von Kauf­oder Derkaufsorders 'Besserungen bzw. Ab­schläge bis zu 0,75 Prozent. Ueberwiegend schwächer war der Montanmarkt, da der weitere Rückgang der Gelsenkirchenaktien bis auf 59 ver­stimmte. Den stärksten Rückgang an der heutigen Börse hatten Rhein. Braunkohlen aufzuweisen, die bei geringstem Umsatz um 3,25 Prozent zurück­gingen. Farben waren gehalten, Siemens, die man vorbörslich weiter fester taxiert hatte, ga­ben 0,50 Prozent nach. Allgemeine Lokalbahn konnten sich bei kleinster Rachfrage um 2 Prozent befestigen, und auch Otavi zogen um 1 Prozent an, dagegen gaben Deutsche Atlanten 1,25 Pro­zent nach.

Die Rentenmärkte zeigten nur wenig Ver- änderungen gegen gestern. Alt- und Reubesih wa­ren etwas schwächer, das Geschäft war auch hier ganz gering. Pfandbriefe taxierte man zunächst ziemlich unverändert, gleichfalls behaupteten sich Reichsschuldbuchforderungen auf ihrem gestrigen Schlußniveau.

3m Verlaufe schrumpfte das Geschäft noch stär­ker zusammen, und es ergaben sich eher kleine Rückgänge. 3m späteren Verlaufe wurde es, aus­gehend von Contigummi, die 2 Prozent anzogen, sowie von Schiffahrtswerten, Farben und Sie­mens, etwas lebhafter und fester.

Am Geldmarkt hat sich mit dem Heran­nahen des Ultimos die Lage natürlich weiter an­gespannt, doch blieben die Sätze immer noch un­verändert, d. h. 4,38 bzw. 4,25 Proz. an der unteren Grenze für Tagesgeld. Dem vorliegenden Angebot am Privatoiskontmarkt stand kleine Rachfrage gegenüber. Wenn auch das Geschäft in Reichswechseln per 25. April und Reichsschah­anweisungen per 17.3uli sehr gering war, so hielt doch die Rachfrage an.

Frankfurt zurückhaliend/über freundlich.

Frankfurt a. M., 26. Jan. (WTB. Drahtmcl- düng.) Die Börse eröffnete auch heute in großer Geschäfts st ille, da die Kulisse und das Pu­blikum im Hinblick auf die innerpolitische Situation, die zwar etwas günstiger, aber noch als reichlich

ungeklärt angesehen wird, Zurückhaltung an den Tag legte. Die Unruhen in Dresden waren nicht für eine Tendenzbesserung angetan, die Grundstimmung konnte jedoch als freundlich bezeichnet werden, da die Festigkeit Wallstreets etwas Anregung bot.

Die Kursgestaltung war nicht ganz einheitlich, bei zögernder Feststellung überwogen jedoch meist Besse­rungen von 0,25 bis 0,75 o. $). Einige Spe^ialwerte wie Eontigummi, Zellstoff Waldhof und Süddeutsche Zucker lagen darüber hinaus bis zu 2 v. H. fester. Am Ehcmicmarkt eröffneten IG. mit 106 o. H. gegen die Abendbörse 0,75 o. H. höher, Metallgesell­schaft lagen unverändert, während Scheideanstatt, Deutsche Erdöl und Rütgerswerke bis zu 0,50 o. H. nachgaben. Bon Elektrowerten kamen AEG. m:t 30,75 v. H. unverändert, aber rein nominell zur Notiz. Bekula und Lahmeyer waren von 0,50 bis 0,75 o. S). höher, Siemens und von Nebenwerten Lechwerke blieben behauptet. Am Montanmartt gaben Gelsenkirchen auf Glattstellungen 0,50 o. H. nach, wogegen Buderus und Mannesmann 0,50 v. H. anzogen und Rheinstahl, sowie Stahlverein unver­ändert einsetzten. Bon Kupferwerten kamen Otavi- Minen 1 Mark höher zur Notiz. Leicht gebessert waren noch Reichsbankanteile. Schisfahrtsaktien und Deutsche Linoleum mit plus 0 25 bis 0,50 v. H. Ge­brüder Iunghans lagen mit 93,50 v. H. bei kleinem Umsatz behauptet.

Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuch­forderungen hatten nur sehr kleines Geschäft und bröckelten bis zu 0,25 v. H. ab. Altbesitz 68,75 v. S)., Neubesitz 9 v. H. und späte Schuldbücher 79,25 v. Sy Festverzinsliche Werte lagen ebenfalls fast ge­schäftslos und meist unverändert. Stadtanleihen und 3ndustrieobligationen hatten nur sehr klei­nes Geschäft zu meist behaupteten Kursen. .Don fremden Werten lagen 4prozentipe Einhritsrumä- ncn mit 5,80 Prozent etwas Häher, auch Ana­tolier lagen weiter fest.

Die fast vollkommene Stagnation führte im Verlaufe auf Abgaben der Kulisse meist zu Abschwächungen von 0,25 bis 0,75 Pro­zent, nur Schiffahrtswerte waren im gleichen Ausmaß höher, wobei relativ günstige Ausfüh­rungen in der Presse über die Lage in dev Schiffahrt anregten. Tagesgeld war zu 3,25 Pro­zent unverändert und weiter leicht.

Frankfurter Schlachtvichmarkt.

Frankfurt a. M., 26. San. Auftrieb : Rinder 95, Kälber 984, Schafe 369, Schweine 584 Stück. Es notierten: Kälber. Beste Mast­rind Saugkälber 32 bis 36, mittlere Mast- und Saugkälber 27 bis 31, geringe Kälber 22 bis 26. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemastl 21 bis 23, mittlere Mastlämmer, äl­tere Masthämmel und gut genährte Schafe 18 bis 20, fleischiges Echafvieh 14 bis 17. Schweine. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 36 bis 38, von etwa 200 bis 240 Pfund 36 bis 39. von etwa 160 bis 200 Pfund Lebend­gewicht 35 bis 38. Marktverkauf: Auf allen Marktgebieten mittelmäßig, ausverkauft.

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

* Kle in-Linden, 24. San. Sn der vori­gen Woche fanden allabendlich in unserer Klein­

kinderschule religiöse Vorträge statt, die i in dem Hauptthema gipfelten:Was ist das Le­ben?" Me Vorträge, die von Prediger Meng (Großen-Linden) gehalten wurden, waren aus Klein-Linden und den umliegenden Ortschaften stark besucht. Gesangschöre der Gemeinschaften von Atlendorf a. d. Lahn, Großen-Linden und Leihgestern trugen zur Ausschmückung der Abende bei. Der hiesigen Kleinkinderschule wurden als LInterstühung 21 Mk. aus den eingegangenen Op­fern überwiesen.

Kunst und Wissenschaft.

Die Rotlage der wissenschaftlichen Zeitschriften.

Der Verband der deutschen Hochschulen und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Ver­leger haben gemeinsam eine Eingabe an die Finanz» und Kultusminister sämtlicher deutschen Länder gerichtet, in der es u.a. heißt:

Die schwere wirtschaftliche Rotlage in Deutsch­land hat eine außerordentlich betrübliche Rück­wirkung auch auf die wissenschaftliche Forschung und ihre literarische Auswertung ausgeübt. Durch die sehr starke Kürzung der Kulturetats, die zum Teil fast einer Streichung der Etats für Be­schaffung neuer Literatur gleichkommt, ist ein Zustand eingetreten, der es den wissenschaftlichen Snftituten unmöglich macht, sich die nötige Litera­tur zu beschaffen, andererseits aber dem wissen­schaftlichen Verlag die Veröffentlichung wissen­schaftlicher Forschungen durch Zeitschriften so sehr erschwert, daß das Fortbestehen einer großen Anzahl wissenschaftlicher Zeitschriften gefährdet erscheint. Die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die seit ihrer Begründung in segensreichster Weise in zahlreichen Rotfällen eingegriffen hat, ist durch starke Kürzung ihres eigenen Etats hierzu auch nicht mehr in genügendem Maße im Stande. Die Weltgeltung des deutschen Ramens beruht nicht zum kleinsten Teile auch auf den Leistungen der deutschen wissenschaftlichen Forschung. Diese in ihren Arbeitsmöglichkeiten zu beeinträchtigen, ist ein bedenklicher Schritt. Zu diesen Arbeits­möglichkeiten gehört aber das Vorhandensein und die Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Zeit­schriften. Der Verband der deutschen Hochschulen und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Verleger erachten es für ihre Pflicht, darauf Ijimutoeifcn, daß die gegenwärtige Kürzung der Kulturetats nicht mehr tragbar erscheint und eine Abhilfe dringend erforderlich ist. Möge sie ein» treten, ehe es zu spät ist, und vielleicht zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriften, die ehemals der Stolz der deutschen Wissenschaft waren, und die bis jetzt nur noch mit allerschwersten Opfern sei» tens des wissenschaftlichen Verlages durchgehalten werden, zugrunde gegangen sind.

Vezirksschöffengerichl Gießen.

Gießen, 25. Jan. Eine entgleiste Existenz stand in der Person eines achtundzwanzigjährigenArchi­tekten" vor Gericht. So nennt sich der Angeklagte, weil er einmal Architektur studiert hat. Er habe da­zudie Berechtigung", denn der Titel fei nicht ge­schützt. Als Sohn angesehener Eltern hatte er in Hannover studiert, war aberbummer Streiche" wegen, wie er angibt, aus seiner Verbindung ausge­schlossen worden und mit seiner Familie zerfallen. Zunächst schwindelte er sich bei früheren Bundes­brüdern durch, trieb sich dann in der Welt herum und wurde mehrfach wegen Betrüge­

reien verurteilt, zuletzt in Halle zu 6 Mo­naten Gefängnis. Nach feiner Entlassung hat er wieder an verschiedenen Orten, darunter in Gießen, Betrügereien verübt und sich Geldbeträge, allerdings nie höhe Beträge, erschwindelt. Er trat als Werk­student auf, ließ sich zur Beschaffung von Arbeits­kleidern und -gerat Darlehen geben, trat aber seine Stelle nicht an. Er war im wesentlichen geständig. Die Strafe lautete auf lOMonatcGefängnis.

Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit wurde eine Putzfrau voy- hier wegen Kuppelei, begangen an ihrer Tochter, zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Sie bestritt das Vergehen. Die Beweis­aufnahme ergab aber das Gegenteil.

Von der Anklage der schweren Urkunden­fälschung wurde ein Landwirt aus Rendel frei- gesprochen. Es wurde ihm zur Last gelegt, eine Quittung durch einen Zusatz verfälscht zu haben. Er bestritt dies, und der als Zeuge vernommene 'Aussteller der Quittung gab heute an, es fei mög­lich, daß der Zusatz schon vor der Unterschrift dci- gestanden habe.

Eingesandt.

lFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Liebe hessische SkafoenbauDcrroallung!

Auf großen Teilen der Straße GießenWiß­mar haben Sie das so schwierige ProblemSchaf­fung erstklassiger Straßen mit geringen Ankosten", glänzend" gelöst. Der Wißmarer Bevölkerung wäre es aber viel lieber gewesen, wenn Sie diesen glänzenden" Lösungsversuch in einer anderen Gegend gemacht hätten, vielleicht dort, wo sich die FüchseGute Rächt" fagen, oder in irgend­einem Sumpfgebiet. Sm letzteren hätte dann wenigstens eine solche Straße von der Umgebung nicht abgcstochen. Vielleicht sind wir Wißmarer aber auch nicht genau über die Bestimmung und den Zweck der veränderten Straße orientiert. Sollte hier vielleicht ein Straßenmustergarten angelegt werden, oder soll dieser Straßenzustand den Wißmarern auf dem Wege nach Gießen Ein­halt gebieten? Wir wissen es nicht! Aber ein jeglicher, ob Auto- und Motorradfahrer, ob Radfahrer oder Fuhrwerlsbesiher, alle fragen sich: Wie ist so etwas möglich? Wie kann eine Straße, die in einem Einigerrnahenzustand war, so verunstaltet werden? Wie kann man nur eine Straße zu einer Gefahr für Menschen und Vieh machen? Warum werden nur seit Monaten die Strahengrabenexkremente über eine festgründige Straßendecke geworfen? Wir wissen es nicht! Sollte diese Straßenverunstaltung eine neue Art Strahenverbesserung sein? Wir verzichten! Wir geben Shnen aber den guten Rat: Lassen Sie bitte das gute Alte! Entleeren Sie die Stra­ßengräben wohin Sie sollen, nur nicht auf unsere Straße! H. F.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 28. Januar. Dor^ abend: 5 Uhr; morgens 9; Predigt; abends 5.20 und 6 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschast. Sabbatfeier den 28. Januar. Freitag abend 4.45 Uhr; Samstag vor­mittag 8,30; Predigt; nachmittags 5.20; Sabbat- ausgang 6. Wochengottesdienst: morgens 7; abends 4.30 Uhr.

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Bekanntmachung.

Die Anmeldung bet mit Beginn des neuen Schuljahrs (24. April 1933) schul­pflichtig werdenden Kinder hat zu erfolgen:

1. für alle Knaben: Dienstag, den 31. 3a- nuar 1933, 9 bis 11 Uhr, in der pe- ftalozzischule, Nordanlage 8;

2. für alle Mädchen: Mittwoch, den 1. Fe­bruar 1933, 9 bi» 11 Uhr, in der Schillerschule, Schillerstraße 8.

Bei der Anmeldung ist der Impfschein und hei auswärts geborenen Kindern auch der Geburtsschein vorzulegen.

Die Schulpflicht besteht für alle Kinder, die bis zum 1. Mai 1933 das 6. Lebens­jahr vollendet haben.

Es können jedoch zu derselben Zeit auch solche Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1933 das 6. Lebensjahr vollenden, und die geistig und leiblich ais schulreif erkannt werden.

Lin weiterer Termin für bie Schutauf- nahme findet nicht statt. 578D

Gießen, den 25. Januar 1933.

Stadtschulamt. I. V.: Fischer.

Vortrags-Gemeinschaft: Goethe-Bund, KautmännischerVerein und Gewerbeverein

Lichtbildervortrag

PAUL EIPPER Meine Freundschaft mit Tieren

1. Sonntag, den 29. Januar 1933, abends 8 Uhr, Aula, für

Goethebund und angeschlosscne Verbünde.

Bundesmitglieder bis 3 numerierte Platzkarten frei. Ver­bände Eintritt 60 Pfennig. Gutschein Nummer 8, Challier. Nicht­mitglieder Reichsmark 1.50 u. 1.. Studenten 40 Pfennig Asta.

2. Montag, den 30. Januar 1933, abends 8 Uhr, Aula, für

Kaufmännischer Verein und Gewerbeverein.

Mitglieder 3 Plätze frei gegen KontroU-Abschnitt 4Saal- eingang. Nichtmitglieder und Studenten wie oben.m»d Montag, den 30. Januar, abends 8L0 Uhr, im Studentenhaus, Leihgestern er Weg

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von Professor Dr. Preisende nr aus Karlsruhe:

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