durchberaten. Weiter wurde die am 15. September beginnende große Propaganda- und Werbeaktion der Deutschen Arbeitsfront besprochen.
Dr. Ley machte Mitteilung, daß die Deutsche Arbeitsfront auch ihrerseits mit aller Kraft a m deutschen Arbeitsprogramm tätig mithelfen will. Als eine der ersten positiven Aufgaben in diesem Sinne wird die Arbeitsfront in enger Verbindung mit den zuständigen amtlichen Stellen ein großartiges und großzügiges S i e d - lungswerk in Angriff nehmen. Weiter umriß Dr. Ley die kulturellen Aufgaben der Deutschen Arbeitsfront, die nach Feierabend den schaffenden deutschen Menschen Gelegenheit geben soll und muß, sich zu belehren und für die schwere Arbeitszeit neue Kraft zu sammeln. Entsprechende Pläne sind in Ausarbeitung. Zum Schluß der Tagung wurde bestimmt, daß am 2. Mai jeden Jahres der Große Arbeitskongreß Zusammentritts während halbjährlich eine Sitzung des Großen Arbeitskonventes stattfindet.
Oer Prozeß gegen Oie Reichstagsbrandstister.
110 Zeugen und Sachverständige geladen.
Leipzig, 24. Aug. (TU.) Die Verhandlung gegen die Reichs tagsbrand st ifter wird a m 21. September in Leipzig vor dem Vierten Strafsenat des Reichsgerichts eröffnet.
A n g e k l a g t sind wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und anderer Verbrechen der Holländer van der Lübbe, der frühere Reichstagsabgeordnete T o r g l e r , die bulgarischen Staatsangehörigen Dimitroff, P o p o f f und T a n e f f. Van der Lübbe, der Hauptangeklagte, hat gleich bei der Eröffnung der Voruntersuchung voll zugegeben, daß er nicht nur den Reichstag in Brand gesteckt habe, sondern „um Rache am internationalen Kapitalismus zu nehmen" auch schon vorher Brandstiftungen in Berlin verübt habe. So habe er versucht, das Wohlfahrtsamt in Berlin-Neukölln anzuzünden, ebenso das Stadtschloß in Berlin und das Berliner Rathaus. Van der Lübbe ist nach der Brandlegung im Reichstag auf frischer Tat ertappt worden. Man hat ihn festgenommen, als er den Reichstag verlassen wollte. Seine Kleider hatten bei der Brand- stiftung Feuer gefangen. Die Spuren wiesen eindeutig auf seine Täterschaft hin. Sie waren so überzeugend, daß er selbst auch nichts mehr leugnen konnte.
Für das Verfahren sind 110 Personen als Zeugen und Sachverständige vorgesehen. Diese Ziffer kann sich noch wesentlich erhöhen. Es wird zunächst eine Woche lang in Leip- z i g verhandelt werden, dann nach der Einvernahme der Zeugen und nach der Lokalbesichtigung in Berlin werden die Schlußvorträge der Anklagebehörde und der Verteidiger wieder in Leipzig zu hören sein. Dem Abgeordneten T o r g l e r wird als Wahlverteidiger Rechtsanwalt Dr. Sack- Berlin zur Seite stehen. Van der Lübbe wird durch den ihm vom Reichsgericht als Pflichtverteidiger beigeordneten Rechtsanwalt S e u f f e r t - Leipzig und die drei weiteren Angeklagten werden durch Rechtsanwalt Dr. T e i ch e r t - Leipzig vertreten.
Rückfragen zu schwebenden Hafisachen eine unerwünschte Belastung.
Berlin, 24. Aug. (WTB.) Der Chef des Geheimen Staatspolizeiamts hat a n alleReichs - und preuhischenStaats- m i n i st e r i e n folgendes Schreiben gerichtet:
In der letzten Zeit haben sich in auffallender Weise die Fälle gemehrt, in denen höhere Staatsbeamte ohne dienstlichen Auftrag Auskunft über den Aufenthaltsort und die Gründe der Festnahme politischer Häftlinge verlangten. Hierbei habe ich feststellen müssen, daß sich diese Anfragen fast ausschließlich nur auf Häftlinge beziehen, die nicht dem Ar- beiterstande angehören. Ich vermag kein Ver-
Opferbereitschast.
Von Franz Fragner.
Die Liebe zu Deutschland.
In einem kleinen Ort der englischen Grafschaft Kent stirbt eine alte Dame, Maud Marshall. Man findet in ihrem kleinen Haus die Wände behängt mit Bildern deutscher Soldaten, die Zimmer angefüllt mit Llniformstücken, Achselklappen und Weltkriegswaffen, die nicht englischer, sondern ausnahmslos deutscher Herkunft sind. Niemals ist Maud Marshall in Deutschland gewesen. Aber sie scheint besessen von Liebe zu unserem Lande. Nach ihrem Tod erinnert man sich wieder, daß sie im Krieg vier Jahre schweren Kerkers wegen eines Spionageversuchs zugunsten Deutschlands verbüßt hat. Lange war damals die ganze englische Kriminalistik beschäftigt, die Tlrsache der unheimlichen Treffsicherheit der deutschen Bombengeschwader zu ergründen. Ein Opfer muhte her: und man fand es in Maud Marshall. Sie wohnte damals in einem kleinen Ort, der in der Nähe von London auf der Strecke der deutschen Flugzeuge lag. Man behauptete nun, sie hänge die Wäsche in ihrem Garten so auf, daß in der Anordnung für die darüber hinfliegenden Piloten eine deutliche Orientierung ersichtlich sei. Die Dichtung der Stricke weise nach den nächsten strategischen Stützungspunkten. Die Anzahl der Wäschestücke bedeutete die Kilometerzahl. Aus dem Charakter der einzelnen Bestandteile sei zu ersehen, ob es sich um Fabriken, Kriegsgefangenenlager, Docks, Proviantstationen oder Heeresstützpunkte handle.
So phantastisch diese Anklage war, Maud Marshall wurde zu ihrer schweren Strafe verurteilt, da sie keinen Grund dafür angeben konnte, daß sie die Wäsche in eine Phosphorlösung tauchte. Tatsächlich leuchtete die Wäsche in der Nacht. Maud Marshall ließ sich widerspruchslos einsperren. Später kam man darauf, daß man selbst bei einer Höhe von wenigen hundert Meter von der leuchtenden Wäsche nicht das geringste mehr sehen konnte. Die deutschen Bombengeschwader flogen aber hoch über den Wolken. Ob nun Maud Marshall wirklich einen lächerlich untauglichen Versuch machte, einem Land, das sie aus irgendeinem Grunde liebte, zu helfen, oder ob sie, wie sie in späterer Zeit einmal sagte, in der Phosphorlösung ein Mittel zur Konservierung der Wäsche entdeckt hatte, aber nachher sich als Märtyrerin für dies geliebte Land fühlen wollen, ist heute nicht mehr festzustellen. Ein seltsamer Fall, eine Tragikomödie edler, aber nutzloser Hilfsbereitschaft.
ständnis dafür aufzubringen, aus welchen Gründen solche Häftlinge eine bevorzugte Behandlung erfahren sollen. Es sei darauf hingewiesen, daß der Herr Neichskanzler Adolf Hitler wiederholt gegen dieses Tlnwesen Stellung genommen hat.
-Der Umstand, daß höhere Beamte sich bereitgesunden haben, auf Bitten der Angehörigen der Schutzhästlinge sich für diese einzusehen, ist nicht unbekannt geblieben. Er hat zur Folge, daß neuerdings um Auskunft bittende Personen dazu übergehen, mit Interventionen vonMi- nistern, Staatssekretären und höheren nationalsozialistischen Führern zu drohen, weil sie offenbar glauben, daß diese Ankündigung die Entschließungen meiner Sachberater zu beeinflussen geeignet sei.
Es ist dafür Sorge zu tragen, daß alle vom Geheimen Staatspolizeiamt zu untersuchenden Fälle — insbesondere selbstverständliche Haftsachen — ohne Ansehen der Person der Betroffenen mit tunlich si er eschleu- nigung geprüft werden. Cs bedarf daher nicht er st der Ditte um schnelle Bearbeitung. Der baldige Abschluß der Ermittlungen in jedem Falle kann aber nur dann gewährleistet werden, wenn die Dien st- stellen ungestört arbeiten können. Es liegt daher, ganj abgesehen davon, daß es auch aus arbeitstechnischen Gründen^ völlig unmöglich ist, den fernmündlich und mündlich vpr- getragenen Ersuchen nachzukommen, im Interesse der Häftlinge selb st, wenn ich die Anordnung getroffen habe, daß während des Schwebens der Ermittlungen keinerlei Auskunft erteilt werden darf. Ich bitte, meine Anordnung in geeigneter Weise allen Beamten mit dem Ersuchen um Beachtung bekannt zu geben.
Das Geheime Staatspolizeiamt weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, daß es eben« fallsalsunstatthaft angesehen wird, wenn sich Angehörige d e r N S D A P. für Schutzhäftlinge verwenden.
Strafantrag wegen Beleidigung gegen die Gebrüder Lahusen und Redakteur Bürk.
Bremen, 24. Aug. (TU.) Die Iustizpresse- stelle teilt mit: Der Redakteur Georg Dirk hat im April 1933 an den Reichsjustizkom» missar D r. Frank i 1. ein längeres Schreiben gerichtet, das der Rechtfertigung der DrüderCarlundHeinzLahusen dienen sollte. Das Schreiben, dessen Inhalt der Staatsanwaltschaft Bremen erst einige Monate später bekannt wurde, enthielt eine Fülle schwer- ster Äeleidigungen und Deschimp- f u n g e n bremischer Verwaltungsbeamter, Richter und Staatsanwälte. Nachdem die vorgesetzten Stellen für die beleidigten Beamten Straf- an trag gestellt hatten, hat der Tlntersuchungs- richter beim Landgericht Bremen auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Voruntersuchung wegen Beamtenbeleidigung nicht nur gegen den Verfasser des erwähnten Schreibens, sondern auch gegen Carl und Heinz Lahusen eröffnet, die im Verdacht stehen, die Anfertigung und Absendung des Briefes veranlaßt zu haben. Gegen Birk ist am 4. August 1933 von feiten des Untersuchungsrichters auf Antrag der Staatsanwaltschaft H a f t b e f e h l erlassen worden. Dirk ist in Derlin festgenommen und von dort in das Untersuchungsgefängnis in Dremen eingeliefert worden. Eine von ihm erhobene Haftbeschwerde ist durch Deschluh der Strafkammer des Landgerichts Bremen vom 22. August als unbegründet verworfen worden.
AnstellungvonKämpferndernationalen Revolution bei den Behörden.
Berlin, 24. Aug. (VDZ.-Funkspruch.) Der Reichsinnenminister hat sich im Einvernehmen mit dem Reichswehrminister damit einverstanden erklärt, daß zunächst bis zum 3 0. September 19 3 3 freiwerdende
Hilferuf aus dem Aether.
In Paris hört ein junger Beamter und Radio- Amateur im Lautsprecher die Mitteilung, daß in einem kleinen Dogesendorf ein krankes Kind unrettbar verloren ist, wenn es nicht binnen ein paar Stunden gelingt, ihm mit einem Diphtherie-Serum zu helfen. Das Dorf heißt Direul. Den jungen Menschen geht es nichts an. Aber er verläßt sich nicht auf die Hilfsbereitschaft anderer Menschen, er stürmt auf die Straße, saust in einer Taxe zur Klinik für Infektionskrankheiten, schildert dem Direktor den Vorfall und regt an, ein Flugzeug abzusenden. Es wird ihm nachgewiesen, daß Vireul eine Apotheke hat, die nach Vorschrift das Serum führt. Ihm genügt das nicht. Er geht auf die Polizeiwachtstube, wird dort nach aufgeregtem Hin und Her an die Luft gesetzt. Er fährt zum Polizeipräsidenten, seine Leidenschaft hat Ueberzeugungskraft. Auf jeden Fall wird ein Flugzeug der staatlichen Heilmitteldepots ausgerüstet. Er ruft inzwischen den Bürgermeister des Dorfes an, um ihm mitzuteilen, Hilfe sei endlich unterwegs, er wird nicht abgeschreckt durch ein grobes Zitat, das er als Antwort erhält. Das Flugzeug geht ab, muß aber zurückgerufen werden, weil das Ministerium nach telephonischem und telegraphischem Hin und Her endlich die Nachricht erhält, daß es in Direul wohl das Serum, jedoch kein krankes Kind gibt. Der junge Mann wird wegen groben Unfugs und Mystifikation staatlicher Aemter unter Anklage gestellt. Er hat im Rundfunk nichts anderes gehört, als einen her- ausgerissenen Sah aus der Straßburger Sendung eines Hörspiels „Das kranke Kind".
Der Schrei der Vergangenheit.
Wie sonderbar aber wirkt gegenüber diesen Fällen, in denen die Erfüllung der übernommenen Mission nicht außerhalb jeder Möglichkeit liegt, eine Geschichte aus jüngsten Tagen, in der einer alles opfert, um eine Sache aufzuklären, die hundert Jahre vergangen ist. Die Grenzen der Zeit sind unerbittlicher, als die des Raums, keine Hilfe ist mehr möglich. Und trotzdem läßt das erledigte, aber unaufgeklärte Geheimnis einem Menschen unserer Zeit keine Ruhe. An einen portugiesischen Staatsbeamten in Lissabon gelangt ein Hilferuf aus der Vergangenheit. Er opfert Stellung und Vermögen, ihm nachzujagen. Er ist ein spleeniger Narr, ein Fanatiker der absoluten Gerechtigkeit, der das Unrecht wenigstens feststellen will, wenn ihn die Grundbedingungen des menschlichen Daseins auch hindern, in die Vergangenheit einzugreifen. Und das kommt so: Er hat einen Papagei,
Ange st eilten st eilen anstatt zu 90 v.H. nur noch zu 50 v.H. mit Versor- gungsan w ä rtern besetzt werden. 50 v. H. der neu zu besetzenden Stellen können demnach vorzugsweise mit bewährten Kämpfern für die nationale Erhebung besetzt werden.
OasGtudiumAeichsdeutscher in Oesterreich.
Eintaufcndmartfperre für Studierende aufgehoben.
Berlin, 24. Aug. (TU.) Die Sonderführung des NSDSTB. erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Das österreichische Unterrichtsministerium hat den Anmeldeschluß für Ausländer, die im kommenden Wintersemester auf österreichischen Hochschulen studieren wollen, auf 1. September 1 93 3 (auf der Universität Wien 15. September) festgesetzt. Wir machen alle Kameraden, die im kommenden Semester beabsichtigen, in Oesterreich
zu studieren, daraus aufmerksam, obigen Termin nicht zu versäumen, da eine spätere Anmeldung abgelehnt wird. Die deutsche Regierung hat entgegenkommenderweise die 1000-M a r k - S p e r re für Studierende aufgehoben, um eine wissenschaftliche und geistige Zusammenarbeit der deutschen Stämme zu gewährleisten: auf dieser Basis scheint auch die obige Verordnung des österreichischen Ministeriums für Unterricht zu fußen. Die Anmeldung ist unter Vorlage eines die Hochschulreife erweisenden Dokuments bis spätestens 1. September 1933 (auf der Universität Wien 15. September 1933) bei dem zuständigen Dekanat oorzunehmen, gleichgültig, ob im letzten Sommersemester eine Inskription an der betreffenden Fakultät bereits erfolgte oder nicht. Den Anmeldungen ist die entsprechende Portogebühr für die Rückantwort beizulegen (am besten internationaler Postwertschein — gleiches Porto wie im Reich). Auskünfte über die Studienverhältnisse und Lebensbedingungen durch das Reichsdeutschenamt der DST. Oesterreichs, Wien I, Universität.
Aus aller Well.
Hauptversammlung des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins in Liechtenstein.
Wie man aus der Kanzlei des Verwaltungsausschusses des Deutschen und Oesterreichischen Alpenoereins erfahren konnte, soll die erst kürzlich auf unbestimmte Zeit verschobene diesjährige Hauptversammlung des Deutschen und Oeste- reichischen Alpenvereins nun doch abgehalten werden. Als Tagungsort ist Vaduz in Liechtenstein in Aussicht genommen. Der Zeitpunkt der Hauptversammlung wurde auf den 24. September festgesetzt. Ursprünglich sollte die diesjährige Hauptversammlung in Bludenz (Vorarlberg) stattfinden, wo sich vor 60 Jahren der Deutsche Alpenoerein mit dem Oesterreichischen Alpenverein zusammengeschlossen hat.
Einigung der werbesachleule.
Der Reichsführer der nationalsozialistischen Reichsfachschaft deutscher Werbefachleute, Hugo Fischer, hat folgendes Telegramm an Reichsminister Dr. Goebbels gerichtet: „800 in Berlin versammelte Vertreter der Werbefachleute aus dem Deutschen Reich haben den Beitritt in die nationalsozialistische Reichsfachschaft Deutscher Werbefachleute erklärt. Damit ist die Einigung der zehntausend Werbefachleute Deutschlands vollzogen. Sie entbieten Ihnen, als Schirmherrn der deutschen Werbung, Gruß und Gefolgschaft."
Das llnwellec in USA.
Die schweren Gewitter stürme zerstörten vorübergehend eine große Zahl elektrischer Leitungen in Neuhork. Zum ersten Male seit dem Iahre 1886 erlosch die Fackel der Freiheitsstatue. Die Gesamtzahl der durch das Üntoetter Getöteten wird mit 20 angegeben. Der Sachschaden und der Ernteschaden wird auf viele Millionen Dollar geschätzt. — Don einem heftigen Orkan und tropischen Regengüssen wurden auch New Iersey und der Staat Virginia heimgesucht. Die Schiffahrt ruht. Auch der Verkehr auf dem Lande mußte vielfach unterbrochen werden. Meldungen aus Südvirginia berichten von Ernteschäden, die bereits die Summe von 5 Millionen Dollar erreicht haben. Die Hauptstadt Washington lag längere Zeit infolge Versagens der Straßenbeleuchtung in Dunkel gehüllt. In den Badeorten der Küste sind die Uferpromenaden größtenteils zerstört. Die lieber- seedampfer trafen mit Verspätung ein. — „News Chronicle" meldet, daß 30 000 Menschen im Begriff sind, Ocean City, den Sommerkurort von Maryland, das, wie zahlreiche andere Städte, infolge des letzten Orkans überschwemmt worden ist, zu verlassen. Die Brücke von Ocean City nach dem Festlande, über die die Flüchtlinge
der ein hohes Alter auf dem Rücken trägt. Seit Menschengedenken, von jedem früheren Besitzer dem nächsten als Merkwürdigkeit übergeben, sitzt er auf feiner Stange, schrickt von Zeit zu Zeit zusammen und stößt einen gellenden Ruf aus: „Hilfe, Hilfe, Mac". Dann bricht er ab in stummem Entsetzen, als sähe er Fürchterliches. Es ist nicht möglich, ihm sonst auch nur ein einziges Wort beizubringen. Der Portugiese ruht nicht. Sein ganzes kleines Vermögen hat er schon zur Nachforschung verwendet. Er trägt Familiendokumente zusammen, er beauftragt Historiker gegen entsprechendes Honorar, der Sache nachzugehen, er korrespondiert mit Archiven und Bibliotheken. Dann verläßt er feine Stellung, fährt nach Südamerika und kommt dort endlich zum Ergebnis.
Aus alten Polizeiakten ersteht die Tragödie, die sich vor mehr als hundert Jahren in Rio, der damaligen Hauptstadt Brasiliens abspielte. Es regierte dort im Jahre 1830 Don Pedro oder vielmehr seine Gemahlin, Juana, die nicht nur den schwachen Kaiser, sondern auch die Ministerien und den Staatsapparat bis ins letzte beherrschte. Nur eine Frau war ihr an Macht und Ansehen ebenbürtig: Noemi, die berühmteste Tänzerin ihrer Zeit, die nicht nur an Tanzkunst, sondern auch an persönlichem Zauber, und damit an politischem Einfluß ihren durch die Weltgeschichte berühmt gewordenen Kolleginnen Fanny Elßler und Lola Montez nahekam. Eines Morgens fand man sie ermordet, vom Täter fehlte jede Spur. Polizeiliche Nachforschungen setzten ein, doch wurde auf Befehl der Kaiserin die Untersuchung ausgesetzt. Der wahre Sachverhalt, zu diesem Zeitpunkt in den Polizeiakten schon festliegend, wurde hinter Schloß und Riegel verwahrt. Erst heute, 1933, kommt er ans Tageslicht, hervorgeholt durch die fanatischen Bemühungen eines kleinen portugiesifchen Beamten, den die Sache nach hundert Jahren wahrlich nichts angeht. Der Papageienschrei hat ihn auf den Weg geschickt. Ein englischer Offizier, Mae Worphy, stand damals zwischen der Kaiserin Juana und der Tänzerin Noemi. Er liebte die Tänzerin, aber kam von der Kaiserin nicht los. Juanas wegen wollte Noemi mit ihm brechen, bedrohte ihn in furchtbarer Eifersucht mit einer Pistole, worauf er sie in Notwehr erstach. Mac Worphy, der sich für Juana entschieden zu haben schien, machte Karriere. Der wahre Sachverhalt, den er bei der ersten Untersuchung der Polizei erzählte, blieb bis heute verborgen.
ziehen, droht einzustürzen. Mindestens 50 Menschen sind durch das Unwetter getötet worden. Sämtliche Verbindungen sind unterbrochen, so daß die genauen Verluste an Leben und Eigentum noch nicht feftgestellt werden konnten.
Schnellzug Neuyork—Neuorleans entgleist. —
4 Tote, 45 verletzte.
Der Schnellzug Neuyork—Neuorleans ist in der Nähe von Washington entgleist. Die Lokomotive und der erste Wagen stürzten vom Eisenbahndamm in den angeschwollenen Potomac« Fluß. Der Lokomotivführer und ein Heizer wurden getötet, 45 Personen verletzt. Das Unglück war eine Folge des Einsturzes der über den östlichen Arm des Potomac-Flusses führenden Eisenbahnbrücke. Der Brückeneinsturz war durch das anhaltende furchtbare Unwetter herbeigeführt worden. Drei Wagen des Zuges stürzten in den Fluß. Nach den bisherigen Feststellungen find vier Personen getötet worden.
Zum siebenten Male Branbftiftung auf einem Hofe.
Die Ortschaft Maxdorf bei Salzwedel (Provinz Sachsen) wurde in einer der letzten Nächte abermals von einem Grohfeuer heimgesucht. Z u ir siebenten Male brannte es auf dem Hofe des Gutsbesitzers Walter Schulz. Diesmal wurden ein altes Wohnhaus und ein Stallgebäude vollkommen eingeäschert. Die Untersuchung ergab einwandfrei, daß wiederum Brandstiftung vorlag. Gutsbesitzer Schulz befindet sich seit längerer Zeit in Untersuchungshaft, und durch zwei neue Brände nach dieser Zeit ist die Angelegenheit immer noch rätselhafter geworden. Dem Gutsbesitzer gehört der ganze westliche Teil des Ortes, der Brandstelle neben Brandstelle zeigt. Die Erregung unter den Einwohnern ist außerordentlich groß, da es bis jetzt nicht gelungen ist, auch nur eine Spur des geheimnisvollen Brandstifters zu entdecken.
Anarchistischer Terror in Spanien.
In einer Textilfabrik in Tarrasa (Provinz Barcelona) wurde ein Bombenanschlag verübt. Decken und Wände stürzten ein und begruben drei Arbeiter unter den Trümmern. Cs brach Feuer aus, durch das ein großer Teil der Warenbestände vernichtet wurde. Die Arbeiter konnten nur mit schweren Verletzungen geborgen werden. Der Sachschaden ist sehr groß. Man vermutet einen Sabotageakt. In den Provinzen Cadiz, Huelva und Sevilla sind Brand st iflungen auf Landgüternander Tagesordnung. Die durch die anarchistische Propaganda aufgelegten Landarbeiter und Arbeitslosen richten auf den Feldern und Weiden, sowie an den Erntevorräten den größtem Schaden an, ohne daß die Polizeibehörden in der Lage sind, diesem Terror wirkungsvoll entgegenzutreten.
In den Polizeiakten steht, daß ein lebender Zeuge sich in der Mordnacht im Zimmer befand, der Papagei, der den Hilfeschrei aufnahm und ein Jahrhundert lang wiederholte. Die Kaiserin nahm ihn zu sich, wagte nicht, ihn zu töten, bis zu ihrem Tode blieb er eingesperrt. Dann vererbte er sich über den Notar, der den Nachlaß verwaltete, über Großvater und Vater des portugiesischen Beamten auf diesen selber, dem er eine Ausgabe, eine Mission, eine Bemühung verschafft, die zwar weder andern noch ihm etwas nützt, doch ihm das Leben befriedigend erfüllt. Er verlor Vermögen und Stellung, er wurde bettelarm daran, daß er jetzt endlich weiß, was der Ruf des Papageis bedeutet. Was hat er davon?
Etwas, das ihn von den andern unterscheidet. Das tragikomische Schicksal eines zwecklosen Helden — doch ein besonderes Schicksal.
„Es war einmal ein Musikus ..
„ ... der spielte im Cafe, und alle hübschen Mädchen setzten sich in seine Näh'." Das geht nach einer preisgekrönten Tangomelodie von Friedrich Schwarz und ist das musikalische Leitmotiv des neuen Film-Lustspiels der Aafa. Hier wird das seit einiger Zeit beim Tonfilm sehr beliebt gewordene Märchen wieder einmal neu und doch mit einigen Anklängen an den „Gassenhauer" erzählt und gesungen, der vor längerer Zeit schon das hübsche Motiv von der Strahenmusik und von den unternehmungslustigen und begabten jungen Leuten ausgesponnen hatte. Hier spielen außerdem noch eine patentfähige Erfindung gegen Autodiebstahl, eine Gänseherde und die aus zahlreichen Filmen und Romanen, ja sogar aus der rauhen Wirklichkeit bekannte Liebe auf den ersten Blick eine wesentliche Rolle. Eine musikalische Bereicherung stellt ferner ein zweiter Schlager mit dem Refrain „Ist das nicht wundervoll" dar, der ohne weiteres mitgesungen werden kann. Das Ganze ist vom Regisseur Friedrich Z e l n i k mit Humor und Laune arrangiert und ausgestattet. Den Musikus macht mit liebenswürdiger und improvisatorischer Leichtigkeit Victor de K o w a: Szöke S z a k a 11 s stürmisches Temperament und beschwörender Redeschwall erregen wiederum viel Heiterkeit. Die Komiker R. A. Roberts und Falken st ein, Trude Berliner in munterer Schlagfertigkeit, Maria Sörensen und Ernst V e r e b e s vervollständigen die Solostimmen im heiteren Orchester. — Der Filin läuft seit gestern im Lichtspielhaus und« wird durch ein kleines Aafa-Kabarett, die neue Wochenschau und einen Naturfilm ergänzt.
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