Nachdruck verboten.
S ftortfcfcung
Queckborn, den 21. Januar 1933.
siaD
Die Beerdigung findet Dienstag, 24. Januar, nachmittags Vi3 Uhr statt.
Gießen, 23. Januar 1933.
C479
Gießen, Lieh, Ober-Mörlen, den 23 Januar 1933.
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Vermietungen
Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. Januar, nachmittags 3 Uhr,
auf dem Neuen Friedhof statt.
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Urwald-Male
Lollar, 21 Januar 1933.
Die Beerdigung findet Montag, 23. Januar, nachm. um 2 Uhr statt.
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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Elisabeth Schneider und Ludwig Helm.
Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 24. Januar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
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Statt jeder besonderen Anzeige, hiermit allen, die ihn kannten, die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Schwiegervater und Großvater Heinrich Stein, Heizer i. R. am 19. Jan. im 75. Lebensjahre sanft entschlafen ist.
Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Stein Wwe.
Gießen (Lonystr. 20), den 23. Januar 1933.
Die Beisetzung fand auf Wunsch des Heimgegangenen in der Stille statt. mm
zerriß. Aber Pia ist ja schuldlos. Sie soll nicht unter meinem Haß leiden, wie es ihre Mutter mutzte."
Harry von Achern sah in das alte, von furchtbarem, seelischem Leid zerwühlte Gesicht. Ein tiefes Mitleid war in ihm, trotzdem er nicht einmal wutzte, wie dieser Mann einst um eine Frau gelitten.
Herr von Hohenbrück klingelte. Der Diener erschien.
„Wilhelm, eine Flasche links aus der Ecke mit der grünen Marke", sagte er.
Der Diener machte grohe Augen und ging eilig davon. Bald kam er zurück, auf einem goldenen Tablett die Flasche und zwei herrliche alte Römer. Mit liebenswürdiger Grandezza reichte der alte Herr seinem jungen Gast das Glas. Man hätte jetzt nur noch schwer den bösartigen, verbissenen Mann wiedererkannt, der er doch all die Jahre her gewesen war.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Friedrich Schön.
Stadttheater
Gießen. D1S- Tienstag, 24. Jan., 20 bis geg. 22.30: Gastsviel oesCurt-
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Siob Prätorius Facharzt f.Chirurgie und Frauenleiden. Ein Geschichte ohne Politik, nach alten ab. aut.Mot. neuerzählt d. Curt Götz.
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Unsere liebe, treusorgende Pflegemutter
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ist Samstag morgen 8% Uhr nach langem schweren Leiden sanft entschlafen.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am Samstag unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter, Grobmutter und Tante
Frau Barbara Kühr
geb. Heidelbach
im Alter von 75 Jahren in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Paul Kühr und Liesel Kühr, geb. Geifc.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau
Elisabeth Schön
geb. Frank
gestern abend 10% Uhr plötzlich und unerwartet im Alter von 80 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen.
Als Harry von Achern nach Hause ging, kreuzten seltsame Gedanken hinter seiner Stirn. Pia war nun reicher als er! Sie brauchte sein Geld nicht mehr, und es gab nun nichts, womit er sein furchtbares Unrecht von einst je wieder gutmachen konnte. So war für Pia doch noch alles so geworden, wie es der Dater einst gewünscht hatte. Was würde sie dazu sagen, wenn sie es einst erfuhr?
Achern war ganz zufrieden, dah Pia einstweilen noch nichts erfahren und in Achern bleiben sollte. Sie machte ihm Sorgen. Blaß war sie ja immer gewesen, doch in letzter Zeit war es ihm ganz besonders ausgefallen. Ob sie sich krank fühlte? Er hatte sich in letzter Zeit so wenig um sie gekümmert. Seine Gedanken erfüllte das schöne, glutäugige Mädchen, das seine Braut war, ganz und gar, so dah er an die kleine, blonde Pia kaum noch gedacht hatte. Und auch jetzt schweiften seine Gedanken weg zu Cdelgarde. In wenigen Wochen war seine Hochzeit! Er dachte an diesen Tag wie an eine Erlösung. Und doch war auch wieder etwas in ihm, was ihn unruhig machte. Er war einmal ganz unerwartet nach Gollwern hinübergeritten, weil er Sehnsucht nach Edelgarde hatte. Da kam er gerade dazu, wie sie mit der Hundepeitsche auf eine Schar Kinder einschlug, die in dem zu Gollwern gehörigen Wald Beeren sammelten. Er war sehr unangenehm birührt gewesen, denn er stand sich mit allen Leuten ringsum auf das Beste, und er hatte durch einen einzigen Blick festgesteNt, dah es Kinder aus Dorf Achern waren. Unangenehmer hätte sich also die zukünftige junge Herrin von Achern nicht einführen können, denn natürlich kannten die Kinder sie auch. Achern begrühte seine Braut und sagte zu den Kindern:
„Geht hinüber auf Achernsches Gebiet, das habe ich freigegeben für euch."
Die Kinder gingen. Achern sah ihnen nach, dann sagte er:
„Das war unklug von dir, Edel. Ich habe mit den Leuten stets verträglich gelebt. Was hattest du für einen Grund, die Kinder zu schlagen?"
Sie lachte.
„Gott, hab' dich doch nicht so. Was ist schon dabei, wenn die mal Prügel bekommen? Ich werde es nicht w'-eder tun. Wenn ich in Achern bin, dann schenke ich ihnen mal Schokolade."
Sie sah entzückend aus, wie sie so mit schies-
nicht kannte. Aber der wuhte alles, so muhte er doch wohl froh sein, datz er gekommen war.
Hohenbrück bot ihm die Hand.
„Verzeihen Sie mir, ich war etwas überrascht. Bun danke ich Ihnen aber doch, datz Sie so liebenswürdig waren, selbst zu kommen. Sie sprachen von Ihrer Pflegeschwester Pia. Ist das — vielleicht ist — das mein Enkelkind?"
„Iawohl, Herr von Hohenbrück. Pia ist das Kind Ihrer toten Tochter untz des Malers Eichendorfs. Sie lebte bis zu ihrem vierzehnten Lebensjahr in Achern und kam dann in e.n Pensionat. Seit ihrer Rückkehr lebt sie wieder in Achern."
Der alte Herr legte die Hand über die Augen, fragte langsam:
„Ist Pia — dunkel?"
„Rein, Pia ist goldblond", sagte Achern, eim- germahen verwundert über diese Frage.
Die Stimme des alten Herrn klang an sein Ohr.
„Ich will alles gutmachen, was Sie an ihr getan haben."
Harry von Achern zuckte zusammen. Seme Schuld erstand in nie gesehener Grötze. Hastig griff er nach der Hand des alten Herrn.
„Sie sind nichts schuldig — den Achern nichts."
Und er erzählte, datz Pia durch seine Schuld schwer beschädigt sei. Datz er sie als Iunge gehabt und datz er von Achern fort mutzte, als das Unglück geschah.
Schweigend satz der alte Herr vor ihm. Aufmerksam las er in den straffen Zügen des braunen Männergesichts. Er las deutlich die Reue über diesen Jugendstreich, der einem blühenden Menschenkinde so viel kostete.
Er drückte die kraftvolle Hand, die noch immer um die seine lag, und sagte leise:
„Wir haben beide eine grohe Schuld auf uns geladen. Die arme kleine Pia! Run Weitz ich wenigstens, wo sie ist. Hierherkommen soll sie nicht. Es würde ihr hier nicht gefallen. Lauter altes Zeug, lauter alte Menschen. Aber ihr Erbe soll sie einst ungeschmälert erhalten. Das ist alles, was ich Wilk Wer ist ihr Vormund?"
„Der Rechtsbeistand meines verstorbenen Vaters."
Hohenbrück sann eine Weile vor sich hin. Dann hob er den Kopf, sah Achern forschend an, fragte: „Kann Pia noch lckhger in Achern bleiben?" „Gewiß, vorläufig weitz sie ja noch nicht einmal, dah Sie ihr Großvater sind. Mein Vater hat Pia ganz und gar Tochterrechte in Achern zugesprochen. Sie weiß nur, daß ihre Mutter starb und daß sie deshalb im Schloß Achern Aufnahme fand. Sie sollte nicht beunruhigt werden."
Wieder schwieg Hohenbrück. Rach einer langen Pause fragte er:
„Hat Ihr Herr Vater etwa davon gesprochen, daß man in der Umgebung wußte, wer die am Wege gefundene Tote in Wahrheit war?"
„Rein, Herr von Hohenbrück. Vater hat sogar meiner Mutter und mir gegenüber das Geheimnis gewahrt. Rur als ich Herr von Achern war, da erhielt ich wie aus dem Ienseits noch einen Brief meines Vaters, den er bei seinem Rotar hinterlegt hatte und worin er mir nun alles erklärte."
Herr von Hohenbrück nickte zufrieden. Dann sagte er:
„Vorläufig soll alles bleiben, wie es ist. Ich muß mich an den Gedanken gewöhnen, daß noch ein Rachkomme der Frau lebt, die mir das Leben
Eines Tages meldete Wilhelm mit versteinertem Gesicht, genau mit dem Gesicht, mit dem er vor vielen Jahren schon einmal das gleiche gemeldet hatte: _ .
„Herr von Achern bittet den gnädigen Herrn um eine dringende Unterredung."
Heute aber sah der Herr den Diener nicht an, als ob er ihm an den Kragen springen wolle: heute wand er sich nicht, ehe er den Besucher empfing, sondern er sagte nur hastig:
„Ditte Herrn von Achern in den Salon, Wilhelm, und dann hilf mir schnell, ich will mich umkleiden." _ . ,
Harry von Achern ging draußen auf und ab. Ein seltsamer Empfang war das, das muhte man schon sagen. Einen Besucher hier am Tor warten zu lassen! Aber wahrscheinlich wurde hier überhaupt nie jemand hereingelassen, — die Dienerschaft kannte es nicht anders. Seine Gedanken gingen zu dem Briefe, den er in der Tasche trug. Herr von Hohenbrück hatte diesen Brief an den toten Vater gerichtet, denn er bezog sich mit seinen Zeilen auf den damaligen Besuch. Also konnte nur der Dater gemeint sein. Und deswegen war er nach hier gekommen, um den Sachverhalt auf das genaueste klären zu können. Der alte Hohenbrück wollte plötzlich wissen, wo man das Kind der verstorbenen Frau Eichendorff damals untergebracht hatte — Pia! Die kleine Pia sollte wohl jetzt gar noch ihr Recht erhalten? Wie gut für sie. Ein weiches, warmes Empfinden war in ihm, wenn er an sie dachte. Unö, nie durfte sie ganz aus seinem Leben gehen, sie gehörte mit hinein. — Der Diener kam zurück, meldete ihm, daß Herr von Hohenbrück sich über den Besuch freue, und Herr von Achern möchte die Güte haben, einen Augenblick im Salon zu warten.
So folgte Achern dem alten Diener, der ihn führte, und dabei sah er mit heimlichem Entzücken das Rosenparadies. Dann stand er oben in dem Salon, der mit kostbaren, alten Empiremöbeln ausgestattet war. Ein altes, wertvolles Gemälde fesselte ihn, und er überhörte den Eintritt des alten Herrn, der ihn ganz entgeistert anstarrte. Achern verbeugte sich tief. Hohenbrück stand im feierlichen schwarzen Anzug vor ihm und fragte scharf:
„Man hatte mir Herrn von Achern gemeldet. Wie soll ich das verstehen? Eie sind doch nicht Herr von Achern?"
Wieder verbeugte sich Harry von Achern.
„Verzeihung, — ich bin doch Herr von Achern, der derzeitige Herr von Schloß Achern. Mein Vater verstarb vor einigen Iahren. Durch Ihre Zurückgezogenheit erfuhren Sie nichts davon. Doch mein Vater hat mir alles eröffnet, was meine Pflegeschwester Pia anbetrifft. Um das alles genau erörtern zu können, kam ich persönlich", sagte er. r
Etwas hilflos blickte der alte Herr auf den jungen, hochgewachsenen Mann. Er hatte den alten Herrn von Achern erwartet, und nun stand dieser elegante Mann vor ihm, den er
gelegtem Kops vor ihm stand und zu ihm empor- sah. Cs trieb ihn, sie zu küssen, dennoch sagte er:
„Ich nehme deine Worte, so etwas nicht wieder zu tun, ernst. Edel. Es sind arme Kinder, die zum Teil die mühsam gesammelten Beeren an Händler verkaufen. Den du schlugst, ist der Sohn einer Witwe, er hilft seiner Mutter in jeder Weise, der kleine, schwächliche Kerl."
Edelgarde stand plötzlich stolz vor ihm. Die scherzhafte Zerknirschung der ausgezankten Sünderin ließ sie beiseite.
„Ich bin nicht gewöhnt, daß man um eine belanglose Sache so viel Aufhebens macht. Ich werde es meinem Dater sagen, er mag der Mutter des Iungen Geld geben, — und fertig!"
Mißmutig wandte sie sich ab. Achern strich sich über die Stirn. Er sagte nichts mehr. Aber etwas war seit jenem Tage zwischen sie getreten. Und auch heute dachte er daran. Er war sehr feinfühlig in solchen Dingen. Ein peinlicher Eindruck lieh sich nicht so leicht in ihm verwischen. Sie hatte ihm da eine Seite ihres Wesens gezeigt, die ihn abstieß. Mit grausamer Deutlichkeit erkannte er, daß der Glanz, den er um die Geliebte gewoben, zerstob, dah er eine Enttäuschung erlebt hatte.
Siebentes Kapitel.
Pia war sehr erstaunt, als sie eines Tages den Desuch Doktor Lansings erhielt. Alles, was aus Gollwern kam, verursachte ihr Herzklopfen. Cs war eine eigene Unruhe in ihr. Es war ihr, als müsse auch jetzt etwas aus Gollwern kockmen, was Herzeleid nach Schloß Achern brächte. Davor zitterte sie. Heimlich hatte sie in Harrys Zügen geforscht. Er sah gar nicht mehr so glücklich aus, wie die erste Zeit, als er mit Edelgarde verlobt war. Pia schalt sich selbst und ihre Schwarzseherei, höhnte sich und dachte:
„Weil ich ihn liebe, weil ich ihn der leidenschaftlichen Cdelgarde nicht gönne, nur deshalb kommen mir die schwarzen Gedanken."
Aber sie konnte es nicht ändern, daß diese Gedanken eben immer wieder tarnen.
Und jetzt dachte sie auch, dah Lansing ein Unglücksbote sein müsse. Rasch sah sie an dem weihen Kleid hinab, das sie trug. Sie wollte sich nicht erst umziehen. Was lag denn auch daran, ob sie einfach oder vornehm aussah? Ihr Gebrechen konnte kein elegantes Kleid hinwegtäuschen. So ging sie nach einer Weile hinüber, wo Doktor Lansing wartete. „Herzlich willkommen. Herr Doktor! Ditte, nehmen Sie doch Platz. 3d) hoffe, daß es etwas Gutes ist, was Sie nach Achern führt."
Sie sagte es mit ihrer ruhigen, warmen, hellen Stimme, die Lansing so liebte.
Ehrerbietig küßte er^ihr die Hand. Dann saßen sie sich gegenüber, und Lansing sprach von ein paar Richtigkeiten, ehe er zu dem eigentlichen Zweck seines Kommens griff. Aber dann sagte er es ihr doch: er wolle versuchen, das Knie zu heilen oder doch wenigstens das Gebrechen zu verringern.
Pia lächelte schwach.
„Ach, Herr Doktor, das würde wenig Zweck haben. Cs ist doch wohl zu lange her. Ich habe mich nun auch daran gewöhnt: mir würde es vielleicht nicht einmal gefallen, wenn ich plötzlich damit tanzen und springen müßte", sagte sie dann mit dem Versuch, die Sache ins Humorvolle zu wenden.
(Fortsetzung folgt.)
Todesanzeige.
Heute abend 8V< Uhr entschlief sanft, nach langem schweren Leiden mein geliebter Mann, mein treusorgender Vater, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Binder, Schwager, Pate und Onkel
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