Ausgabe 
22.3.1933 Frühausgabe
 
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Mittwoch, 22.MärzOZZ

183. Jahrgang

Deutscher Märzsiurm

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und kür den An­zeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in (ßieien.

(NS.) zum zweiten und dritten Vizepräsidenten ge­wählt. Ebenfalls durch Zuruf wurde die Wahl der Schriftführer vollzogen, zu denen neben National­sozialisten zwei Deutschnationale, ein Abgeordneter des Zentrums und einer der BVP. angehören.

Nachdem so in einer knappen Viertelstunde die Konstituierung des neuen Reichstages durchgesührt war, erklärte

Reichstagspräsident Göring:

Meine Damen und Herren, meine Kameraden! Durch ein furchtbares Verbrechen sind wir ge­zwungen worden, aus dem Hause, das einst dem deutschen Volke erbaut war, auszuziehen. Sie alle wissen, daß dieses Attentat nur eine Folge­erscheinung jener Jahrzehnte währenden Hetze gegen Reich. Volk und Staat gewesen ist- Dieses Attentat sollte ein Signal fein, um in Deutsch­land Anarchie und Chaos entstehen zu lassen in einem Augenblick, da die ersten Ansätze zu einem Wiederaufbau des Reiches angebrochen waxen. Meine Damen und Herren, meine Ka­meraden! Wir stehen in einer großen Zeit. In wenigen Wochen hat die heilige Flamme der nationalen Revolution das deutsche Volk ergriffen. Der Herr Reichspräsident hat dem deutschen Vvlk die Frage gestellt, ob es gewillt sei, Hintes die Männer der nationalen Erhe­bung zu treten, die sein Vertrauen mit der Führung des deutschen Volkes beauftragt hat.' Eine überwältigende Mehrheit hat sich hinter diesen Beschluß gestellt, eine Mehrheit, tojfe sie bisher die deutsche Parlamentsgeschichte noch nicht gekannt hat. Ein einziges Aufslammen dieser nationalen Welle, diese heiße Begeisterung hat das deutsche Volk ergriffen, und hat nun ge­zeigt, daß Schluß sein soll mit jener Vergangenheit, die wir durch 14 Jahre hindurch bekämpft haben. Eine neue Volks­vertretung ist entstanden, die zum ersten Male ohne parlamentarischen Kuhhandel, ohne Parteiinteressen, ohne all das, was bisher die deutsche Volksvertretung in den Augen des eige­nen Volkes herabgesetzt hat, arbeiten und des deutschen Volkes Schicksal bessern will.

Es ist vielleicht ein eigenartiges Vorzeichen, das wir alle als ein gutes Omen betrachten wollen, daß heute am 21. Mär; der Reichstag eröffnet wird. Ls mag vielleicht nicht allen von Ihnen bekannt fein, daß ebenfalls an einem 21. März ein Deutscher Reichstag eröffnet wurde, und zwar der erste Deutsche Reichstag im Jahre 1871 durch Bismarck, der an diesem Tage zum erstenmal die deutschen Stämme vereinigt sah.

Rehmen wir dies als ein günstiges Vorzeichen für die deutsche Arbeit. Die Einheit des

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Aus Vorschlag des Aba. Dr. Frick (RS.) wird dann durch Zuruf mit Stimmenmehrheit der bis­herige Präsident Göring wiederum zum Reichs­tagspräsidenten gewählt. Durch Zuruf wurde wei­ter als erster Vizepräsident der Abg. Esser (Ztr.) einstimmig, bei Stimmenthaltung der ~ 1 ' ' (Dntl.) und Zörner

Volkes, sein einheitliches Fühlen und Denken in allen Schicksalssragen der deutschen Ration muß wiederhergestellt werden. Wir danken deshalb an dieser Stelle dem Mann, der vor 14 Jahren es unternommen hat, mitten im Zu­sammenbruch, im Chaos und in schwärzester Rächt den Glauben neuaufzurichten an ein kommendes Reich, den Glauben und die Hoffnung, daß Deutschland doch nicht verloren sein kann, solange noch ein Mann der Tat selbst an die Zukunft glaubt. In mühevoller und schwerer Arbeit, in einem gewaltigen Rin­gen gegen Terror und Unterdrückung hat sich diese Bewegung durchgesetzt. Von sieben Mann ist sie angestiegen aus Hunderttausende, bis Mil­lionen ergriffen wurden von diesem Feuer und von der Hoffnung und dem Glauben, daß Deutsch­land noch einmal werde auferstehen können.

Der neue Reichstag, der nun wieder das Reich aufbauen will in alter Größe, in alter Würde, Ehre und Freiheit, hat zurückgefunden zu der Stätte, von der einst Preußen und von Preußen Deutschland ausgegangen ist. (Beifall.) wir sind zurückgegangen nach Potsdam und haben damit bewiesen, daß der Geist von Potsdam in Zukunft auch uns erfüllen soll. Dieser Geist hat nichts zu tun mit Kasernenhofton, sondern er bedeutet Pflicht, Disziplin, Arbeit und Sauberkeit.

Die nationale Revolution ist noch nicht vollendet, sie schreitet weiter fort, um zu vollenden, was vollendet werden muß zum Segen unseres Volkes. Meine Damen und Herren, liebe Kameraden! Sie sehen heute im Deutschen Reichs­tage neue Embleme. Jede Zeit und jedes Volk wählt sich die Embleme, unter denen es kämpfen, arbeiten und ausbauen will. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß wir einem gütigen Schicksal danken dasür. daß cs in einem Augen­blick. da über Deutschland nicht mehr Ehre und Freiheit regierte, sondern Schmach und Schande, daß es damals die ruhmreiche schwarz­weihrote Fahne eingehüllt hat, um andere Embleme zu schaffen. Ich be­tone aber: Richt wir sind es gewesen, die das vergangene Emblem Schwarzrotgelb beschmutzt haben, nicht wir haben diese Fahne zerstört, es waren vielmehr die selbst, die sie geschaffen haben. (Zustimmung.)

Hätte man im Jahre 1918, im Augenblick der größten Rot und Verzweiflung, damals die Fahne Schwarzrotgelb uns gebracht als das Zeichen des absq/uten Festhaltens an deutscher Größe und Ehre, hätte man sie uns gebracht als das letzte Zeichen der äußersten Kraftanspannung, wir hät­ten dieses Zeichen dankbar geehrt und getragen. Man hat es uns aber aufgezwungen als ein

Wir wissen, daß die nationale Hochstimmung, die dieser Märzsturm wie einen deutschen Dom über uns gewölbt hat, nicht der einzige Inhalt unseres Seins bleiben kann. Wir wissen, daß der graue Werktag schon morgen anbricht, wir wissen, daß dieser graue Werktag noch harte Arbeit und harte Prü­fungen bringt Aber wir wissen auch, daß wir alles auf uns nehmen, weil wir als Ziel diel nationale Freiheit und die soziale und geistige Gesittung des ganzen Volkes I vor uns haben. An diesem Ziel hat es uns I bisher gefehlt, denn die vierzehn Jahre waren angefüllt mit häßlichen und widrigen Parter- I kämpfen, aus denen eine Entartung der Gesit­tung sich zu entwickeln drohte, der wir nicht nur I als Staat, sondern auch als Volk unter­legen wären.

Wer heute darüber nachsinnt, wie weit die Vollmachten, die die nationale Reichsregierung für die Wiederauf-.ichtung des deutschen Volks- staates braucht, mit der Weimarer Verfassung übereinstimmen, wer sich darüber Sorgen macht, daß diese oder jene Errungenschaften des unheil­vollen Rovemberumsturzes verloren gehen könn- | tcn. der hat das Brausen des deutschen März- , sturms nicht begriffen. In einer Zeit, in der Mil­lionen deutsche Volksgenossen leiden und ent­behren müssen, kommt es nicht darauf an, die Verfassung von Weimar zu retten, sondern dar­auf. durch eine sinnvolle Gestaltung des deutschen Lebens und der deut­schen Wirtschast Arbeit und Brot zu schaffen. z . .

Cs liegt wahrhaft symbolische Bedeutung bann, daß in dem weihevollen Raum der Potsdamer Garnisonkirche der Reichspräsident den Manen Friedrichs des Großen die Huldigung darbrachte. In dem großen König verkörpert sich unser deut­sches Schicksal, das nur auf sich gestellt ist, das nur der eigenen Kraft vertrauen kann, aber auch ganz im Besitz dieser Kraft sein muß. Der große König und seine Zeit sind der Hinter­grund, vor den die deutsche Gegenwart gestellt ist. nicht um als Schatten gegen Licht zu wirken, sondern um den starken und stolzen Geist in sich übergehen zu lassen, der an feine Bestimmung und an seinen endlichen Sieg glaubt. Rur die Verbundenheit mit dem größten und stärksten Geist deutscher Geschichte kann die Kleinmut verscheu­chen, kann den Zweifel bannen, die beide so viel Tlnheil in der Vergangenheit angerichtet haben. Das deutsche Volk hat heute keinen Grund, sich darauf zu besinnen, daß es jahrhundertelang nur als Volk der Dichter und Denker galt- Durch Träume, durch gestaltende Einbildungskraft wer­den wir den nationalen Ausbruch nicht zum Siege führen, sondern nur durch die Tat, die von einem Willen beseelt und beschwingt ist, der Deutschland heißt.

seststehe. _

Abg. Vogel (soz.) beantragt die Freilas- sungder inHast befindlichen 1 2 s o z i a l- demokratiichen Abgeordneten. Auf Vor­schlag des Abg. Minister Dr Frick (NS.) wurde ohne Debatte einstimmig die Ueberroeijung dieses Antrages an den Geschäftsordnungsausschuß beschlos-

Der ne epuntt des Staatsaktes: Reichspräsident von Hindenburg verliest in der Garnisonkirche feine Botschaft. Hinter dem Reichspräsidenten Reichs- kanzler HUler und Reichstagspräsident Göring; in der Reihe rechts vom Reichspräsidenten u. a. die Minister Freiherr von Neurath, Frick, Schwerin, Hugenberg, dahinter die Chefs der Heeres- und der Marineleitung.

Linken dievAbg. Graes

General-Anzeiger für Oberhessen

Tirv« vnd üerlog: BrütjlW Ilntvnfitäwvuch- und Stcinöruderei B. Lange in Sieben. Schrift,-itung und S-fchäst-Nell-: S^ut^ra^e 7

Die erste Sitzung des neuen Reichstags.

Nicht nur das ganze deutsche Volk hat am 21. März I K

Minister Göring wieder zum Präsidenten gewählt. - Huldigung des Parlaments für den

Ä w* w Reichskanzler. - Die neuen Embleme.

vorgetragene Kundgebung des Reichskanzlers ge-

bruch de^Natlo?nicht ein"'AN ^'Selbstüberhebung, Bei dicht besetztem Saal und vollen Tribünen sondern e i n W e r k d e r S e l b st b e s i n n u n g ist, eröffnet Reichstagspräsident G o r i n g um zu der es sich in harien Leidensjahren hat dLrch- 17.15 Ahr. d i e erste Sitzung des neuen rmaen müllen Daß ein Volk von 65 Millionen, das Re i ch s t a g e s. Vorher hatten sich die Adge im Herzen Europas wohnt, das eine Geschichte hinter ordneten grüßend vor, den Sitzen erhoben afe ich hat die reich ist an Höhen und Diesen, die aber Reichskanzler Adolf $i Her in SA-Uniform in ihrer Gesamtheit eine Leistung darstellt, die dem den Saal betrat unb Jemen Abgeordne enplatz Geschlecht der Lebenden gebietet, das Erbe der einnahm. Auch bie übrigen Regierungsmitglieder Vater zu wahren, um es den Enkeln und nehmen zunächst in ben Dechen ^lbgeord- Sölmen wieder in Glanz und Herrlichkeit zu über neten Platz, da bei der konstituierenden ersten liefern - daß ein Volk von dieser Straft, von dieser Sitzung des Reichstages .^.H^^?H^emab die Leistung leben wi 1 l und leben muß, das ist Regierung sich als unbeteihgt betrachtet. Die fein heiliges und unzerstörbares Recht. Das if» der Mitglieder der Regierung, soweit sie °

tiefste Sinn des Ausbruchs der Nation, das ist das tionalsozialisten angehoren, waren ebenso w

be? oierÄn di- °.b D°u.,ch.°nd- tieffte Er- -b°n d«m K°°°np-N^-N

meörigung der Geschichte angehore . ®er Kronprinz winkte seinem Bruder, dem na-

Dieser Aufbruch der Nation darf m seiner Wider- tioalsozialistischen Abgeordneten Prinz August standskraft nicht erlahmen, darf das deutsche Wilhelm grüßend zu. Hinter dem Präsidenten- Volk nicht gleichgültig werden lassen, weil seine Ge- n Stelle des Reichsadlers

schicke bewährten Händen anvertraut sind. Der nativ- cin qco^cg schwarzes Hakenkreuz im nalc Wille muß s i ch jede n_ lag er neu ern, weißen Kreis aus rotem Grunde an- biö dieser Wille wieder einen Staat ausgerichtet hat, ^e^S und links davon wird das

in dem nur Deutsche von deutscher Gesinnung woh- Hakenkreuz von schwarzweiß roten Fah- nen, der nach außen wieder das ist, was der wirkliche nen umrahmt. Von den Stühlen an der Ausdruck der deutschen Größe und Lebensgeltung OgiernngseftraDe werden fünf Stühle be­. Das Kaiserreich war der Friede, aber es war die wundert, die als die einzigen überlebenden aus unheilvolle Tragik der deutschen Geschichte, daß das &cm cRcidjgtagäbran&e gerettet wor- deutsche Volk sich den Nationalstaat erst schassen sind und im neuen Reichstag wieder Oluf» konnte, als dies die anderen Völker schon vor einem f^llung gesunden haben.

Jahrhundert und früher getan hatten. Das böse Erbe fciner Eröffnungsansprache wies Präsident

deutscher Vergangenheit, die Kleinstaaterei, wurde Göring daraus hin, daß nach einem Aeltestenrats- zwar im Bismarck Reich aufgelöst, aber d i e le- befdjluß die erste Sitzung nicht mehr von einem Al- b e n b i g e innere Einheit, die sich auf den terspräfibenten, sondern durchdenvorheram- nationalen Willen gründete, mußte erst in harter irrenden Präsidenten zu leiten sei. Er be- Leidenszeit heranreifen rief als Schriftführer zwei Nationalsozialisten,

Diese Leidenszeit begann im Kriege, den einen Deutschnationalen und ein Zentrumsmitglied.

Deutschland nicht gewollt hat, in den es hinein- Bon dem früher üblichen Namensaufruf wurde 'Ab- getreben tourbc aus dem das deutsche Volk zwar stand genommen, da nach den Einzeichnungslisten geschlagen herauslam, aus dem es aber noch immer | &Cr Abgeordneten die Beschlußfähigkeit des Hauses Die gewaltige lleberlicferung des Bismarck-- Re ches herüberrettete. Hm dieses herrliche Erbe wären wir beinahe betrogen worden, denn der Versuch, das deutsche Volk durch eine Staats­form zu entmachten, die dem inneren Wesen ge­rade des deutschen Volkes in allen seinen Stän­den widersprach, ist an der nationalen Urkraft des deutschen Lebenswillens zerbrochen.

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Sietzemr Anzeiger

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