trügt, daß es am 12. November auf feine Stimme und auf alle beiden Bekenntnisse in gleicher Weise ankommt: Auf das Ja zur Ehre der Nation und «um Frieden der Welt. Auf das Kreuz im Kreis, das dokumentiert, daß wir, woher wir kommen und wo immer wir gekämpft haben, in den 14 Jahren des Grauens zusammengewachsen sind ßum Block Adolf Hitlers, zur deutschen Volks- gememschaftl
Kameraden! Wo Deutschland uns ruft, stehen wir! Wo Adolf Hitler uns ruft, kann er sich auf Öen Stahlhelm oerlaffen wie auf die beiden anderen uns kameradschaftlich verbundenen Kolonnen! Mit Gott für Deutschland! Für Ehre und Freiheit! Für Frieden und Gleichberechtigung! Front Heil Hitler!
Berlin, den -20. Oktober 1933.
gez. Franz Seldte.
Prof. ÄanseöBuch „Wehrwiffenschast" beschlagnahmt.
Berlin, 20. Oft. (TU.) Ein Teil der ausländischen Presse hat in tendenziöser Absicht einzelne Sätze und Abschnitte aus dem Buche des Prof. Banfe „Wehrwissenschaft, Einführung in eine neue nationale Wissenschaft" zitiert, um damit die friedliche Gesinnung des neuen
Deutschlands zu verdächtigen. Es wird demgegenüber festgestellt, daß die von Prof. Banfe vertretenen Auffassungen nicht denen der deutschen Regierung entsprechen und lediglich als persönliche Meinungsäußerungen zu betrachten sind. Prof. Banfes Buch: „Wehrwissenschaft, Einführung in eine neue nationale Wissenschaft" ist beschlagnahmt worden. Der Ausruf -er Reichsregierung aus dem Stimmzettel.
Berlin, 20. Okt. (TU.) Um etwaige Zweifel über den Gegen st and der Volks- a b st i m m u n g am 12. November 1933 von vornherein auszuschließen, hat die Reichsregierung beschlossen, daß ihr Aufruf an das deutsche Volk vom 14. Oktober 1933 seinem vollen Wortlaut nach in den Stimmzettel ausgenommen wird.
Die Verordnung über Reichswahlen und Abstimmung vom 14. März 1924 ist dahin geändert worden, daß bei Reichstagswahlen die Stimmzettel alle zu gelassenen Kreiswahlvorschläge — diesmal kommt bekanntlich nur der der NSDAP, in Frage — mit Angabe der Partei und Hinzufügung der er st en
10 Bewerber jedes Vorschlages enthalten müssen. Bisher waren nur die Namen der ersten vier Bewerber erforderlich. Ferner wurde die bisherige Bestimmung, wonach mit dem Wahlvor- schlage die Erklärung der Bewerber .in- zureichen war, daß sie der Aufnahme ihrer Namen in den Wahlvorschlag zustimmen, dahin geändert, daß es der Einreichung dieser Erklärung nicht bedarf, wenn der Bewerber dem Reichstag oder der Volksvertretung eines Landes während der letzten Wahlperiode bis zu deren Ablauf angehört hat.
Hitler und Göring im Wahlkampf.
Essen, 20. Okt. (TU.) Wie die „National-Zei- tung" berichtet, wird Reichskanzler Adolf Hitler, der bekanntlich persönlich die Führung in dem Wahlkampf für die politische Entscheidung am 12.November übernimmt, insgesamt in 15 gewaltigen Massenkundgebungen zum deutschen Volke sprechen. Die Versammlungen des Führers werden in den bedeutendsten Großstädten des Reiches stattfinden. Der preußische Ma- nisterpräsident Hermann Göring, der sich im Lande Preußen an die Spitze des Wahlfeldzuges gestellt hat, wird in der Zeit vom 25. Oktober bis 11. November insgesamt 13 Wahlkund- gedungen abhalten.
Graf Helldorf und Oberleutnant Schulz als Zeugen im Reichstagsbrandstifierprozeß.
Nicht der Schatten eines Beweises für die Behauptungen des Braunbuches.
Berlin, 20. Okt. (WTB.) Der Reichstagsbrand- stifterprozeß hatte heute einen großen Tag. Nicht weniger als 22 Zeugen wurden vernommen, darunter auch Oberleutnant Schulz und Polizeipräsident Graf Helldorf-Potsdam. Polizeipräsident Heines hat telegrafisch mitgeteilt, daß er sich zur Zeit in Italien aufhalte. Eventuell wird der Zeuge Heines später vernommen. Der Vorsitzende erklärt, im Braunbuch werde behauptet, unter Führung des Polizeipräsidenten Heines, Oberleutnants Schulz und des Polizeipräsidenten Helldorf seien SA. - Formationen durch den unterirdischen Gang in den Reichstag eingedrungen und hätten den Brand angelegt. Heute sollen nun Zeugen darüber vernommen werden, ob die in diesen Beschuldigungen genannten Personen am Tage des Reichstagsbrandes in B e r l i n gern e s e n sind.
Als erster Zeuge bekundet Joseph Bonn, Inhaber des Hotels „Haus Oberschlesien" in Glei - w i tz, daß Polizeipräsident Heines vom 25. bis 28. Februar in feinem Hotel gewohnt habe. Der Portier und der Zimmerkellner des Hotels bestätigen diese Aussage.
Hierauf wird der Polizeipräsident von Potsdam Gras Helldorf als Zeuge vernommen.
Ich habe, so führt« er aus, am Tage des Reichstagsbrandes bis etwa 19 Uhr auf meinem Büro gearbeitet. Dann bin ich zusammen mit Professor v. Arnim, dem damaligen Stabsführer der SA.- Gruppe Berlin-Brandenburg, zum Abendessen i n das Lokal Klinger in der Rankestraße gefahren. Als wir beim Abendbrot saßen, meldete tuns ein Telephongespräch den Reichstagsbrand. Ich habe Herrn v. Arnim gebeten, sich sofort an Ort und Stelle zu begeben, um für den Fall, daß ich gebraucht würde, in meine Wohnung telephonisch Nachricht zu geben. Etwa um 22 Uhr habe ich dann dort Nachricht erhalten, daß meine Anwesenheit am Reichstage nicht notwendig sei. Gegen 23 Uhr bin ist in die Hedemannstraße gefahren, wo meine Büros lagen, und habe dort mit Öen Unterführern der SA. Berlin eine B e - sprechung abgehalten, in der der Reichstagsbrand besprochen wurde. Am nächsten Tage wurde dann auf meine Anordnung hin eine ganze Reihe kommunistischer und SPD.-Funktionäre verhaftet.
Dr. Sack: Waren Sie am Montag in dem unterirdischen Verbindungsgang mit einer Kolonne, in der Sie als zweiter gingen und van der Lubbe als fünfter ober sechster Mann?
Zeuge: Nein!
Dr. Sack: Kennen Sie van der Lubbe? Zeuge: Nein!
Dr. Sack: Haben Sie an den jetzigen Gruppenführer E r n st irgendwelche Befehle gegeben, daß er sich gegen 21 Uhr inber Nähe bes Reichstages aufhalten solle, um mit 'seinen Motorradfahrern besondere Alarmmeldungen durch Groß- Berlin zu geben?
Zeuge: Nein.
Aus Fragen des Angeklagten D i m i t r o s f erklärt Graf Helldorf weiter: Wir waren in der Besprechung an dem Abend des Brandes der Auf- affung, daß der Reichstagsbrand der Auftakt ein sollte für irgendwelche von tommunifti» (her oder marxistischer Seite ge- plante Bewegungen. Daß diese Aufstandsbewegungen, die, wie wir annahmen, bevorstanden, nicht zur Entwicklung kamen, ist lediglich dem Umstande zu danken, daß eben die maßgebenden Füh- rer der marxistischen Bewegung festgesetzt wurden.
van der Lubbe wird aus der Anklagebank vor den Richtertisch geführt. Der Vorsitzende fordert ihn auf, den Kopf zu heben, van der Lubbe bleibt aber trotz wiederholter Aufforderung in feiner gebeugten Haltung, bis ihm Graf Helldorf ins Gesicht ruft: „Mensch, nimm doch mal deinen Schädel hoch! Los!" Und nun gelingt es, was alle nicht vermochten, ruckartig hebt sich der Kopf des Angeklagten. Beim Publikum löst der Vorgang Beifall und Heiterkeit aus.
Der Vorsitzende fragt van der Lubbe, ob er den Herrn kenne, und an der Lubbe antwortet: Nein.
Es folgt die Vernehmung des Oberleutnants a. O. Schulz.
Dieser erklärt u. a.: Ich war zu jener Zeit überhaupt nicht in Berlin, sondern in ärztlicher Behandlung bei Dr. Brendel in Tutzing am Starnberger See. Die Fragen des Rechtsanwalts Dr. Sack, ob Oberleutnant Schulz im Februar B e • sprechungen mit Graf Helldorf, Heines oder Göring gehabt hab«, werden vorn Zeugen nachdrücklichst verneint. Er hab« die drei Herren im Dezember zum letzten Male gesehen.
Das Gericht kommt dann auf die Frage zurück, welche Kleidung der Mann gehabt, den der Heuge Boguhn am Portal gesehen hat und den
er nachträglich als den Angeklagten Popoff wiedererkannt haben will. Der Zeuge Boguhn hatte seinerzeit erklärt, daß der Mann am Portal 2 eine hellere Hose angehabt habe als die Farbe des Mantels. Demgegenüber sagt heute Frau Sobecki, die Wirtin Poposfs, aus, daß Popoff nur zwei Anzüge besessen habe, einen dunkelblauen und einen in sich gemusterten schwarzen.
Rechtsanwalt Dr. Teichert weist darauf hin, daß der Zeuge Boguhn bei feiner Vernehmung am Brandtage von einer hellgrauen Hose gesprochen habe. Auch der Vorsitzende weist daraufhin, daß zwischen den ersten und den späteren Angaben Boguhns Unterschiede beständen. Boguhn erklärt diese Widerspräche damit, daß am ersten Abend die Vernehmung bei der Polizei so schnell vor sich gegangen sei, daß man keine genauen Schilderungen geben konnte. Er habe sich deshalb später nochmals gemeldet.
Der Angeklagte D i m i t r o f f fragt den Zeugen Boguhn, ob er Beziehungen zu den Beamten der Reichstagsverwaltung unterhalte, was der Zeuge verneinte. Auch zur SA. und SS. unterhalte er keine Beziehungen.
Zeuge Th al er hält es für nicht möglich, daß er bei feinem Bestreben, feine Beobachtungen zu melden, zum Portal 2 hinaufgerannt und vielleicht an der Tür gerüttelt habe.
Angeklagter Nörgler: Die bisherige Derhand- hing hat ergeben, daß Thaler nicht derjenige gewesen ist, der zur Brandenburger- Tor-Wache lief, um die erste Mitteilung von dem Brand zu machen, sondern daß ein Unbekann- ter auf der Wache erschienen ist. Zeitlich und in Bezug aus die Person könnte dieser Mann derjenige gewesen fein, der am Portal 2 geklinkt bat und bann weitergerannt ist zur Wache. Der Vorsitzende erwidert, daß dieser Mann bann doch nach bem Branbenburger Tor weitergelaufen wäre unb nicht, wie ber von Boguhn beobachtete Mann, nach bem Tiergarten.
Angeklagter Dimitroff: Die Reichstagsbranbstif- tung ist noch immer ein Rätsel. Die erste Melbung ist roeber von einem Reichstagsbeamten noch von einem Polizeibeamten gemacht, fonbern von einem unbekannten Zivilisten, ber nicht zu finben ist.
Schließlich bezeichnet ber frühere Dezernent des Berliner Feuerlöschwesens, Ahrens, die im Aus- land verbreitete Nachricht für eine infameßüge,
daß Oberbranddirektor Gempp Aeußerungen über bie angebliche Verhinberung ber Löscharbeiten burch Minister Göring gemacht habe. Er halte es für eine Infamie, baß Leute, bie sich jetzt im Auslande befinden, so etwas über einen Menschen, der nicht wie sie ausgerissen ist, sondern ruhig in Deutschland sitzt, behaupten. Auf Fragen des Oberreichsanwaltes erklärt der Zeuge noch, daß er keine SA. -Abteilungen am Reichstag ge» sehen habe, nur Da und dort einen SA-Mann, ber in den Autos der Minister saß usw.
Als nächster Zeuge wird Kriminalassistent R a - b e n über seine Wahrnehmungen bei den Verneh- mungen van der ßubbes vernommen. Van der Lubbe habe willig Antwort gegeben. Im Reichstag habe der Angeklagte den Brandweg noch einmal zurückgelegt. Van der Lubbe sei von einer Stelle zur anderen gelaufen und habe überall das Anlegen des Feuers markiert. Er fei dabei meist im Laufschritt gegangen; der ganze Weg habe 15 Minuten gedauert. Er glaube aber nicht, daß er bei der Tat auch so gelaufen sei, denn der Aufenthalt an den einzelnen Brandstellen fei ihm für eine Brandlegung zu kurz erschienen.
Dann bezeichnet als nächster Zeuge der Direktor beim Reichstag, Geh. Rat Galle, die Behaup- tungen, daß an dem fraglichen Tage Beamte des Reichstages beurlaubt worden wären, als Klatschereien. Weiter bestätigt der Zeuge, daß Leute in Begleitung eines Abgeordneten auch gefüllt.« Taschen m i t b r i n g e n konnten. Auch die ständigen Boten konnten größere Pakete nach dem kommunistischen Fraktionszimmer bringen. Eine SA. - ober SS. - Wache existiere im Präsiddntenhaus nicht. Der Mann der Zimmervermieterin Pvposss, Sobecki, gibt an, daß er am Tage nach dem Reichstagsbrand beim Abräumen des Popoffschen Frühstücks eine benutzte Kinokarte gefunden habe. Auf die Frage, ob er wisse, daß diese Karte am Tage vor dem Brande benutzt worden sei, sagt der Zeuge, er nehme es an, denn man trägt doch keine gebrauchte Kinokarte mehrere Tage in der Tasche. (Bewegung im Zuhörerraum.) Als das erste Bild von vanderLubbein den Zeitungen erschienen sei, habe er mit Popoff darüber gesprochen und ihn gefragt, was er davon halte. Popoff habe gesagt, daß das Gesicht des Mannes nicht gut fei, er traue ihm nichts Gutes zu. —
Litwinow nach Washington eingeladen.
Oje Vereinigten Staaten nehmen die Beziehungen zur Sowjetunion auf.
Moskau, 20. Oft. (TU.) Der Vorsitzende des Vollzugskomitees der Sowjetunion, Kalinin, hat eine Botschaft des amerikanischen Präsidenten Roosevelt erhalten, in dem es u. a. heißt:
„Rach der Uebernahme der Präsidentschaft der vereinigten Stalen habe ich mich von der Notwendigkeit der Normalisierung der Beziehungen zwischen den vereinigten Staaten und Rußland überzeugt, von dieser Erkenntnis ausgehend bin id) bereif, mit den Vertretern Ihres Landes über die Klärung verschiedener politischer und wirtschaftlicher Fragen zu verhandeln, die für die Wohlfahrt beider Länder von Bedeutung sind. Ich bitte Sie, mir die Vertreter zu benennen, die Sie zu diesem Zweck beauftragen wollen. gez. Roosevelt."
Kalinin hat Roosevelt daraus geantwortet:
„Die Regierung der Sowjetunion ist von dem Wunsch beseelt, zu den vereinigten Staaten freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. 3m Auftrage der Regierung der Sowjetunion ernenne ich den Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, zum Bevollmächtigten, der in Washington mit Ihnen über die Klärung der politischen und wirtschaftlichen Fragen zu verhandeln beauftragt ist. 3ch hoffe, daß es gelingen wird, bei diesen Besprechungen eine Grundlage zu finden, um endlich das Freundschaftsverhältnis zwischen den beiden Völkern zu stabilisieren.
gez. Kalinin."
Der Telegrammaustausch zwischen Roosevelt und Kalinin hat in Moskauer politischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Die Wiederherstellung der Beziehungen zu Amerika sei, so wird erklärt, der größte Erfolg der russlschenDIploma-
t i e, der besonders In Anbetracht der gespannten Lage im Fernen Osten Beachtung verdiene. Litwinow wird sich aus dem kürze ft en Wege nach Washington begeben. Außer dem Außen- Handelskommissar R o s e n h o l z dürften führende Persönlichkeiten des Handels- und Wirtschaftslebens der Sowjetunion nach Washington fahren, darunter Bogdanow und der Vertreter des Auhenkom- miffars in Amerika, Skwierfki, der auch die Vorarbeiten für die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den beiden Völkern geleistet hat.
Oer Beschluß Roosevelts.
Keine ungetrübte Freude in Washington.
Washington, 21. Oktober. (TU.) Präsident Roosevelt erklärte, daß er persönlich die Verhandlungen mit Litwinow führen w^rbe. Vielleicht werde auch noch der Staatssekre- tcr für das Auswärtige, Hüll, an den Besprechungen teilnehmen. Im Weißen Hause wird aber zugleich betont, daß diese Einladung noch nicht die diplomatische Anerkennung der Sowjetregierung bedeute, daß sie aber a l s vorbereitender Schritt dazu anzusehen sei, falls eine zufriedenstellende Grundlage für die Lösung der bestehenden Schwierigkeiten gefunden werden könnte. Gleichzeitig wird bekannt, daß die erste Annäherung zwischen Amerika und der Sowjetunion während der Londoner Weltwirtschaftskonserenz stattgefunden hat.
In gewissen politischen Kreisen wird die Nachricht mit Mißbehagen ausgenommen, da gerade jetzt in Kuba und Mexiko, also in allernächster Nähe der Vereinigten Staaten, kommunistische Unruhen herrschen. Fraglich ist daher, ob der Bundeskongreß, der im Januar Zusammentritt, nicht eine Resolution gegen die Anerkennung beschließen wird, in welchem Falle Präsident Roosevelt die Hände gebunden wären. Die Zeit der Ankunft Lit- winows ist noch unbestimmt. Schon jetzt steht jedoch fest, daß er nicht als Roosevelts Gast im Weißen Haus wohnen wird.
Neue Wege für den Handel. Zurück zum branchetundigen Einzelhändler „Berlin, 20. Okt. (WTB.) Nachfolgende Aus. führungen des Wirtschaftsbeauftragten des Reichs» kanzlers, Keppler, haben den Zweck, klar bie Richtung zu zeigen, wohin die Entwicklung des Handels in Zukunft gehen soll.
Den Schwerpunkt des Wirtschaftslebens bildet selbstverständlich die Produktion. Der Handel hat der Produktion zu dienen als Organisa« tion zur Verteilung der Erzeugnisse. Er hat diese Aufgabe billig zu leisten und trotzdem seinen Angehörigen e i n e gesunde Exi - stenzbasis zu geben. Beides ist heute nicht er» füllt: Die Verteilung der Waren erfolgt heute in vielen Fällen mit größerer Handels- spanne als in Friedenszeiten, und trotzdem haben viele Händler keine auskömmliche Existenz. Die Ursache hierzu liegt in der seit Kriegsende erfolgten Abwanderung von der Produktion zum Han- d e l und dem dadurch bedingten zu geringen Umsatz der einzelnen Geschäfte. Die Mißstände wurden noch dadurch gesteigert, daß im Lause der letzten Jahrzehnte neuartige S y - st e m c sich im Handel ^reitmachten. Es sind dies vor allem die korporativen Handels- und Finanzsysteme, wie Warenhäuser, Einkaufs- und Konsumgenossenschaften, Werkhandelsgesellschaften, die Filialsystenze und Aktiengesellschaften.
Alle diese Unternehmungen können wir im Handel entbehren. Wir wollen statt dessen auf. bauen auf der einzelnen Person des unternehmenden Kaufmanns, der fein Geschäft in jeder Sparte voll übersehen kann, gute Fachkenntmsse besitzt und der für jede Handlung voll verantwortlich fein muß mit feiner Person und mit seinem Vermögen hastet. Für viele Waren ist unbedingt der Großhändler erforderlich, der die kleinen Händler versorgt und durch ver- nünftige Lagerhaltung und Finanzierung dazu bei- trägt, eine gleichmäßige Beschäftigung der Produk. tionsftätten zu fördern. Wir brauchen den branchekundigen, ehrbaren Kauf- mann als Einzelhändler, der in freier Konkurrenz, aber nicht bedrängt durch die Macht der korporativen Systeme und der anonymen Finanzgesellschaften arbeitet.
Die Entwicklung der letzten Jahre ist dadurch charakterisiert, daß im Handel dauernd größtes Ge- wicht auf Verbände und Organisationen gelegt wurde, daß die Aufgaben des einzelnen Kaufmanns immer mehr diesen Gebilden übertragen und hierdurch der Aufgabenkreis und die Selbständigkeit des Einzelkaufmanns immer mehr beschränkt wurden. Offensichtlich hoffte man hierdurch der Not der Zeit bester Herr zu werden. Eine Rückbildung dieser Entwicklung ist erwünscht, um der einzelnen Persönlichkeit wieder eine bessere Entfaltungsmöglichkeit zu geben.
Mit diesen kurzen Sätzen ist bargelegt, wie der nationalsozialistische Staat den Handel gestalten will. Selbstverständlich kann diese Neugestaltung nur im Laufe von Jahren erreicht werden; denn ein so großes Wirtschaftssystem wie den Verteilungsapparat unserer Waren kann man nicht von einem Jahr zum anderen in andere Bahnen lenken, wenn man auch die Unrichtigkeit des Bestehenden erkannt hat. Die Umbildung muh mit Besonnenheit und Ruhe erfolgen, denn für die Wirtschaft sind Störungen nicht dienlich, die zu Zu- fammenbrüchen unb bamit verbunbenen Kapiatal- Verlusten sichren müssen.
Eine Sonberstellung müssen im Handel bie Haupterzeugnisse bes Sauern einnehmen. Der liberallstische Staat hat ben Bauern ohne Rücksicht auf feine Lebensexistenz ber Willkür bes Marktes ausgeliefert, ber nationalsozialistische Staat rechnet sinngemäß ben Bauern nicht zu ben Unternehmern unb setzte für einen Teil seiner Probukte an bie Stelle bes Markte s ben burch bie staa11 iche Autorität festgesetzten Preis. Der Handel mit diesen Produkten muh daher auch eine andere G e - ft a 11 bekommen, unb es ist Aufgabe bes Bauern- ftanbes, hier für bie geeigneten Formen zu sorgen.
Lügen über den Tod des holländischen Generalkonsuls in Leipzig.
Berlin, 20. Okt. (CNB.) Der Moskauer Ge- werkschaftssenber verbreitet eine Nachricht, bie auch in Kattowitz von ber „Polska Zachobnia aufgenomi men wirb, wonach ber in einem Berliner Kino erfolgte Tob bes Leipziger ho11änbi - schen Generalkonsuls Knobel durch Herzschlag das Werk der Geheimen politischen Polizei in Deutschland sei, ber an ber Beteiligung bes holländischen Beobachters des Brandstifterprozesses gelegen ge. wesen sei. Diese Lüge ist so dumm und infam, daß es genügt festzustellen, daß ber holländische Generalkonsul von jeher einer der wärm st en Freunde Deutschlands gewesen ist unb bis zum letzten Tage seines Lebens seine Stellungnahme nicht geänbert hat.
Wettervoraussage.
Nachdem die Dalkanstörung ihre Warmluft auch bis nach Westdeutschland vorgeschoben hat, füllt sie sich langsam auf. Da die Temperaturgegensätze noch nicht ausgeglichen sind, dürste es weiterhin zu Nebel- und Wolkenbildungen kommen, jedoch wird sich der hohe Druck wieder mehr durchsetzen und vorwiegend trockenes Wetter veranlassen.
Aussichten für Sonntag: Neblig-nfolkig mit Aufklaren, Temperaturen zunächst wenig verändert, meist trocken.
Aussichten für Montag: Nachts Temperaturen um den Gefrierpunkt, stellenweise Frühnebel, sonst teils wolkig, teils aufheiternd, trocken, Lufttemperaturen am 20. Oktober: mittags 9,8 Grad Celsius, abends 8,1 Grad; am 21. Oktober: morgens 3,8 Grad. Maximum 10,1 Grad, Minimum — 0,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Oktober: abends 7,9 Grad: am 21. Oktober: morgens 5,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1% Stunden.
Spreckntunden ver Redaktion.
11.30 bie 12.30 Uhr. 16 bie 17 Uhr Samslag nachmittag geschlossen.
Anzeigenauflräge sind lediglich an öle Geschäftsstelle zu richten.
ODOL pästa
ERPROBT BEWÄHRT SPARSAM


