Ausgabe 
21.10.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 247 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Samstag. 21. Oktober 1935

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Postscheckkonto:

Sranffurt am main 11686. VnkS und Verlag: vrühl'sche Univerfttät§-Vuch- unö Steinöruderei R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulfttahe 7.

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 X mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undsürdenAn« zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen

Eriche,ni lagttch, autze, Sonntags und Feiertag» Betlagen. Die Illustriert, Bietzener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholl, Monats-Sezugsprets:

Mit 4 Beilagen RM. 1.9b Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . . -25

Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt üernfpred)anfd)lüfie

anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Siesten.

Aus neuen Wegen.

Die Reichsregierung hat ihre Ankündigung in vollem Umfange wahr gemacht. Nachdem Deutsch­land an dem denkwürdigen 14. Oktober der Ab­rüstungskonferenz den Rücken gekehrt hat, ist nun auch Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund dem Generalsekretär des Völker­bundes notifiziert worden. Der Austritt wird nach den Bestimmungen der Völkerbundssatzung erst nach zwei Jahren wirksam, aber es liegt zweifel­los nichf in der Absicht Deutschlands, auch nur einen Tag länger an einer Institution mitzuwirken, deren Politik nach den letzten Ereignissen zu einer Farce werden muß. Deutschland war ehrlich bereit, an der Verwirklichung der dem Völkerbund gestellten großen und idealen Ziele mitzuarbeiten. Es war nicht anders, wie es der Reichskanzler in seinem Aufruf an das deutsche Volk ausgeführt hat:Er­füllt von dem aufrichtigen Wunsch, das Werk des friedlichen inneren Wiederaufbaus unseres Volkes, seines politischen und wirtschaftlichen Lebens durch­zuführen, haben sich ehemalige deutsche Regierun­gen im Vertrauen auf die Zubilligung einer wür­digen Gleichberechtigung bereiterklärt, in den Völ­kerbund einzutreten." Aber mit ebenso viel Recht muß der Kanzler sofort feststellen:Deutschland wurde bitter enttäuscht." Man blättere heute in dem ausgezeichneten Buch des deutschen Journalisten Max Beer:Die Reise nach Genf", nicht ein Kavitel, das nicht von unerfüllten Hoff­nungen spricht, nicht eine Seite, die nicht deutlich macht, wie sehr Idee und Wirklichkeit auseinander- ielen, wie wenig übrig geblieben war von dem tolzen und mutigen Gedankenbau der Friedens- reunde, Philosophen und Staatsrechtler aller Her­ren Länder. Ja, das Wenige, was von den weit- fliegenden Plänen des Präsidenten Wilson in Ver­sailles vor den Raubtierkrallen eines Clemenceau gerettet werden konnte, ist in der Genfer Praxis io vielfach verfälscht, umgebogen, bagatellisiert, eigen­süchtigen Zwecken bestimmter Mächtegruppen nutz­bar gemacht worden, daß dieser Völkerbund, der in Versailles aus der Taufe gehoben wurde und als Bestandteil der Friedensdiktate seine politische Laufbahn begann, bis heute nicht seine Eierschalen abzustreifen vermochte, vielmehr sich rettungslos in dem Netz verstrickte, das ihm schon in Versailles falsche Freunde und argwöhnische Machtpolitiker über den Kopf geworfen hatten.

Deutschland wurde bitter enttäuscht." Schon der deutsche Eintritt in den Völkerbund brachte unend­liche Schwierigkeiten und Widrigkeiten. In den Vor­verhandlungen über den Abschluß des Locarnover- trags waren die Voraussetzungen für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund festgeftelll worden, die Befreiung von den Vorschriften des Artikels 16 der Völkerbundsakte (Durchmarschrecht), gegen die sich Frankreich und Polen gesträubt hatten, und die Zu­billigung eines ständigen Ratssitzes, wogegen Spa­nien und Brasilien ihre eigenen Kandidaturen an­meldeten. Bis diese Widerstände ausgeräumt waren, kam der Herbst des Jahres 1926, als endlich der leere Stuhl in Genf, auf den schon Macdonald 1924 warnend hingewiesen hatte, von Deutschland einge­nommen wurde. Der Entschluß zum Eintritt in den Völkerbund war der damaligen deutschen Regie­rung nicht leicht gefallen, und im deutschen Volke lehnten weite Kreise diese Politik ab, weil sie die Garantien für ein gleichberechtigtes Mitwirken Deutschlands im Völkerbund nicht gegeben sahen. Der Völkerbund hat es denn auch in den sieben Jahren der Teilnahme Deutschlands nicht über sich Ö, feinen ihm in Versailles ausgezwungencn

er als eine Vereinigung der Siegermächte zur Aufrechterhaltung des durch die Pariser Frie- oensdiktate geschaffenen Status quo in Europa um­zubilden zu der wahren Liga der Nationen, die vermittelnd, schlichtend und richtend eine unpartei­ische Stätte des friedlichen Ausgleichs für die Mit­glieder der Völkergemeinschaft hätte sein sollen. Es kann und soll nicht geleugnet werden, daß auf kulturellen und humanitärem Gebiet die Arbeit des Völkerbundes manche schönen Erfolge gezeitigt hat, aber es gibt kaum eine politische Frage von Rang, vor der der Völkerbund nicht kläglich versagt hätte. Die betonte Zurückhaltung der südamerikanischen Staaten, der Austritt Japans, die Verweisung wich­tiger politischer Probleme wie die deutsch-öster­reichische Zollunion an denHcmger Gerichtshof oder anderer auf den Weg direkter Verhandlungen der beteiligten Dlächte, und schließlich die Behandlung großer internationaler Fragen auf Sonderkonferen- zen, die den Völkerbund ganz ausschalteten, das alles mag genugsam andeuten, wie sehr die Genfer In­stitution an Bedeutung eingebüßt hat.

Auch Deutschlands Hoftnungen, die es sich von feinem Eintritt in den Völkerbund versprochen hatte, haben sich, so gering sie waren, nicht erfüllt. Die deutsche Regierung hatte besonders gewünscht, den deutschen Minderheiten in den vom Reich losgerissenen Gebieten des Ostens mittels der Genfer Einrichtl' gen ein starker Schutz und Für­sprecher ihrer Nöte werden zu können. Und tat­sächlich ist auch keine Ratstagung in Genf ver­gangen, ohne daß nicht der deutsche Vertreter hier anklagend, warnend und fordernd seine Stimme erhoben hätte für die in den Minderheitenschutz­verträgen feierlich verbrieften Rechte der deutschen Stammesbrüder im Saarland, im heutigen Polen, im Freistaat Danzig, in Memel, in der Tschechei und den baltischen Staaten. Manches konnte er­reicht werden, manche Gewalttat gut gemacht, manche Rechtsbeugung verhindert oder in ihrer Wirkung abgeschwacht werden, aber wie oft zeigte es sich, daß der Völkerbund nicht einmal Polen oder gar Litauen gegenüber feinen Willen durch- Iufetzen vermochte und offenkundige Rechtsverlet­zungen hinnehmen mußte. Schließlich mußte Deutsch­land jedoch erleben, daß gerade der Minderheiten­schutz, um deswillen es trotz wachsender Bedenken

Reichsminister Dr. Goebbels eröffnet den Wahls eldzug.

Riesenkundgebung im Berliner Sportpalast für die Friedenspolitik des Führers.

Berlin, 20. Okt. (ERB.) Am Freitagabend wurde im Sportpalast der Kampf um Deutschlands Gleichberechtigung durch eine Massenkundgebung er­öffnet, bei der Reichsminister Dr. Goebbels über das ThemaDeutschlands Kampf um Frieden und Gleichberechtigung" sprach. Gleichzeitig fanden Parallelversammlungen im Kriegeroereinshaus und in der Neuen Welt statt. Alle Versammlungen muß­ten lange vor Beginn wegen Uederfüllung Polizei- lich geschlossen werden, ein Beweis dafür, welches Echo der Kampf um die Gleichberechtigung im deut­schen Volk gefunden hat. In der Potsdamer Straße vor dem Sportpalast standen die Menschen Kopf an Kopf, um Dr. Goebbels einen jubelnden Emp­fang zu bereiten. Zu der Hauptkundgebung im Sportpalast war auch eine große Zahl von aus­ländischen Pressevertretern erschienen.

Reichsminister Nr. Goebbels

führte in feiner mehr als zweistündigen Rede u. a. folgendes aus: Meine Parteigenossen und Volks­genossen! Die politische Entwickelung, die ich in meiner letzten Sportpalast-Rede kurz vor meiner Abreise nach Genf voraussagte, ist nun Wirklichkeit geworben. Deutschland hat sowohl den Völ­kerbund als auch die Abrüstungskon- ferenz verlassen (Beifall). Die Gründe, die zu diesem entscheibungsvollen Schritt führten, find nur aus der Gefamtsituation heraus zu verstehen. Hitler ist acht Monate an der Macht. Am 30. Januar d. I. hat sich in Deutschland der histo­rische Umbruch vollzogen. Es handelte sich nicht um einen Kabinetts- sondern um einen System- rv e ch s e l. Es war deshalb selbstverständlich, daß die neuen Männern mit neuen Ideen und mit einem neuen Programm tarnen. Ihre Vergangenheit bürgte dafür, daß sie auch entschlossen waren, diese Ideen in die Wirtlichkeit um- z u s e tz e n und dieses Programm zu realisieren. Wir hatten darüber ja auch in unserer Oppositions­zeit niemand darüber im Zweifel gelassen. Selbst­verständlich mußten wir, bevor wir überhaupt an die Inangriffnahme dieses Programms herantreten tonnten, eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, um uns die Möglichteit der Auseinandersetzung mit den großen deutschen und europäischen Problemen zu geben.

Daß es dabei manchmal auch zu Erscheinungen tarn, die nicht allzu erfreulich waren, das lag in der Natur der Sache. Es wäre falsch, nur d i e kleinen Kinderkrankheiten die­ses wirkens zu sehen, ohne dabei berücksichti-

und schwerer Brüskierungen seine Teilnahme an den Arbeiten des Völkerbundes aufrechterhalten hatte, in böswilliger Verkennung und Verdrehung feines Sinnes zu einer allen bisher im Verkehr der Nationen üblichen Gepflogenheiten hohnfprechenden Einmischung des Völkerbundes in einen rein inner­deutschen Fragenkomplex mißbraucht wurde. Die unwürdigen Szenen auf der letzten Völkerbunds- oerfammlung haben der Reichsregierung und dem deutschen Volke den Abschied von Genf erheblich erleichtert. Der Völkerbund hat durch den Austritt Deutschlands erneut einen empfindlichen Prestige- verlust zu buchen. Von den sieben Weltmächten ge­hören ihm nur noch drei an: das Britische Reich, Frankreich und Italien. Zwei, die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland, waren niemals Mit­glieder des Völkerbundes, obwohl ein amerikanischer Präsident sein Gründer war, zwei weitere, Japan und Deutschland, sind ausgetreten. Das faschistische Italien hat niemals die Bedeutung des Völker­bundes überschätzt und aus seinen geringen Sym­pathien für die Genfer Institution kein Hehl ge­macht. Ebenso sind die großen südamerikanischen Staaten an der Einrichtung des Völkerbundes nur mäßig interessiert. Die panamerikanische Konferenz und Schiedsverträge der lateinamerikanischen Staa­ten untereinander machen der allzusehr auf rein europäische Probleme zugeschnittenen Genfer Ein­richtung eine starke Konkurrenz. Hier rächt sich emp­findlich die enge Verknüpfung des Völkerbunds mit dem Versailler Friedensdiktat, als dessen Ausfüh- rungs- und Ueberwachungsorgan nicht nur Deutsch­land allein die angeblicheLiga der Nationen" bitter empfunden hat. Das gänzliche Versagen des Völkerbundes im Gran - Chaco - Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay und im chinesisch-japa­nischen Streit um die Mandschurei haben dem Völ­kerbund außerhalb Europas die letzte Spur von Achtung.gekostet.

Daß Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund mit dem Verlassen der Abrüstungskon- ferenz in engstem Zusammenhang steht, daß die eine Maßnahme die andere nur unterstreicht und bekräftigt, geht aus dem Artikel 8 der Völkerbunds­akte hervor, in dem sich die Bundesmitglieder zu dem Grundsatz bekannt haben,daß die Aufrecht­erhaltung des Friedens eine Herabsetzung der na­tionalen Rüstungen auf das Mindestmaß erfordert, das mit der nationalen Sicherheit und mit der Er­zwingung internationaler Verpflichtungen durch ge­meinschaftliches Vorgehen vereinbar ist". Hieraus leitete die Abrüstungskonferenz ihren Auftrag her. Daß sie trotz jahrelanger Verhandlungen tatsächlich noch nicht einen Schritt vorangekommen ist, fällt auch auf das Schuldkonto des Völkerbundes, dessen Organ sie ist und der die Vorarbeiten für den Zu­sammentritt der Konferenz selber geleistet hat. Der böse Geist von Versailles, der die Tellung der Welt

gen zu wollen, daß es sich um die Geburt eines neuen Reiches handelte, wir haben uns nach Kräften bemüht, diese Kinder­krankheit zu überwinden, aber es ist nun ein­mal in der Politik so wie im Alltagsleben: wo gehobelt wird, da fliegen Späne.

Wir find der Ueberzeugung, daß die Nachwell gerechter über uns urteilen und einmal feftfteUen wird, daß wir es waren, die Deutschland und damit Europa vor dem Bolschewismus bewahr­ten. Denn es ist naiv zu glauben, daß das euro­päische Herz vom Bolschewismus ergriffen fein könnte, ohne daß die anderen Länder davon in Mitleidenschaft gezogen würden. Wenn Deutschland ihm verfallen wäre, hätte er gewiß nicht bei Aachen Halt gemacht, son­dern er hätte ohne Zweifel das ganze westliche Europa in seinen Strudel mit hineingezogen. Wir glauben deshalb, uns nicht nur um unser eigenes

in Sieger und Besiegte verewigen mochte und keine wahre Gleichberechtigung der Nationen anerkennen kann, um nicht fein eigenes System zu gefährden, dieser Geist hat sich auch in Genf eingeniftet und dort seinen unheilvollen Spuk getrieben. Er hat auch den Männern des Völkerbundes wie der Ab­rüstungskonferenz den Blick getrübt für die große innere Wandlung in Deutschland. Nicht weniger Frie­densliebe und mehr Kriegsluft und Reoanchegeist sinh die Merkmale des neuen Deutschland, sondern das neu gefundene Selbstbewußtsein eines auf feine geschichtlichen Leistungen und seinen unbezähm­baren Aufbauwillen stolzen Volkes, das sich keines­wegs den allen Völkern gemeinsamen Pflichten ent­ziehen will, aber nur als gleichberechtigtes Mitglied Der großen Völkerfamilie bereit ist, an diesen Auf­gaben mitzuwirken. Schon am 17. Mai hatte der Reichskanzler in seiner großen Friedensrede vor dem Reichstag erklärt:Die deutsche Regierung und das deutsche Volk werden sich unter keinen Umstän­den zu irgendeiner Unterschrift nötigen lassen, die eine Verewigung der Disqualifizierung Deutsch- laMbs bedeuten würde. Das deutsche Volk besitzt heute Charakter genug, in einem solchen Falle feine Mitarbeit den andern Nationen nicht aufoktroy­ieren zu wollen, sondern, wenn auch schweren Her­zens, die dann einzig mögliche Konseauenz zu ziehen. Als dauernd diffamiertes Volk würde es uns auch schwer fallen, noch weiterhin dem Völkerbunde an­zugehören." Wer kann im Auslande angesichts die­ser eindeutigen ernsten Warnung aus dem Munde des Reichskanzlers heute noch im Ernst den Er­staunten spielen, den Deutschlands Abkehr von Genf überrascht hat?

Daß die Genfer Verhandlungspartner, sich an die feierlich versprochene Zubilligung der Gleichberech­tigung nicht mehr gebunden erachteten mit der ebenso fadenscheinigen wie beleidigenden Begrün­dung, die Zusage habe sich aufein anderes Deutsch­land" bezogen und seiin einem Regime der Sicher­heit" gemacht worden, das gegenwärtig nicht ge­währleistet sei, ein solch offenbarer Vertrauensbruch konnte nur Deutschlands Ausscheiden aus den wei­teren Verhandlungen der Abrüstungskonferenz zur Folge haben, wollte die deutsche Regierung zu ihrem Wort stehen und das deutsche Volk Ehrge­fühl und Selbstachtung nicht mit Füßen treten lassen. Der ebenso plumpe wie dreiste Versuch, Volk und Regierung im nationalsozialistischen .Deutsch­land zu trennen, hat schon in allen Kreisen des deutschen Volkes das rechte Echo gefunden. Die täg­lichen Kundgebungen der Treue und Zustimmung werden heute schon dem schlecht unterrichteten Aus­land das gänzlich Verfehlte solcher Bemühungen gezeigt haben. Jedem, der sich im Auslände ein sachliches Urteil bewahrt hat, kann es nicht zweifel­haft sein, daß von irgendwelcher Wendung zu krie­gerischen oder auch mir provokatorischen Expert­

Land, sondern um die gesamte abend­ländische Kultur ein historisches Verdien st erworben zu haben. Man hat der nationalsozialistischen Bewegung vielfach vor- geworfen, sie verstände nur Feste zu feiern. Die, die das tun, verkennen vollkommen den Sinn unserer Zeit und die Idee, die hinter den Festen steht. Niemals hätten wir den deutschen 21 r b ei­te r ft a n b in die Nation einbauen können, wenn nicht am 1. Mai sich die ganze Nation feierlidjft zu ihm bekannt hätte. Niemals wäre die natio­nale Ehre unseres Volkes wieder für jedermann in Deutschland so zur Selbstverständlich­keit geworden, wenn sie nicht in Potsdam feierlich proklamiert worden wäre. Niemals hätte der S t ä d t e r ein so lebendiges Verständnis für die Not und für die schicksalhafte Aufgabe des Bauerntums gewinnen können, wären Städter und Bauer nicht am 1. Oktober einmal durch die Regierung zufammengeführt worden.

menten in der Außenpolitik der nationalsozialifft- scheu Regierung keine Rede sein kann. Der ener­gische Versuch zur Anbahnung besserer Beziehungen mit Polen, der Abschluß des Viermächtepakts, das weitgehende Entgegenkommen auf der Abrüstungs­konferenz selbst, wo wir uns mit der Umwandlung unserer Reichswehr in ein kurz ausgebildetes Volks- Heer und mit einer mehrjährigen Ueoergangszeit bis zur Erlangung der vollen Gleichberechtigung einver­standen erklärt hatten, das alles sind wahrlich schlechte Seroeife für die dem nationalsozialistischen Deutsch­land untergeschobenen Behauptungen, der Friedens­störer und Unruhestifter in der Wett zu sein. Der Führer selbst hat immer wieder erklärt, daß das neue Deutschlcnch mit allen Kräften an seiner mora­lischen Gesundung, seiner staatlichen Neuordnung und wirtschaftlichen Wiedergeburt arbeite und daher selber das allergrößte Interesse an der Aufrechter­haltung des Weltfriedens habe. In ganz eindeutigen Wendungen, vorbehaltlos und unverhüllt hat der Führer die großen Linien der deutschen Außen­politik vor aller Wett bargelegt unb babei erklärt, daß nach Rückkehr des Saargebiets zum Reich es von uns aus gesehen zwischen Deutschland und Frankreich nichts gebe, was einen Krieg rechtfer­tigen könne. Nicht minder offen hat er in feinem Interview für dieDaily Mail" das Korriborpro- blem unb die Frage der kolonialen Betätigung Deutschlands behandelt und sich bereit erklärt, alle Deutschland und andere Nationen gemeinsam be­rührende Fragen in direkten Verhandlungen zu klären. Heute erfolgt auf dieses großzügige Angebot des Reichskanzlers noch überall betretenes Schwei­gen. Die stolze Freimütigkeit, mit der hier der Führer, sich in allen großen Zielen eins wissend mit seinem Volke, Deutschlands Stellung zu den Pro­blemen der internationalen Politik barlegt unb die Hanb zur Verstänbigung ausstreckt,erscheint ben anbe« ren unfaßbar. In altem Mißtrauen und Argwohn wit­tern sie irgendeinen Hinterhalt unb suchen daher schnell wieder auf die alten ausgefahrenen diplo­matischen Gleise zu entweichen. Aber die eindring­lichen Worten des Führers werden ben Völkern nicht so schnell aus dem Gebächtnis schwinden. Sie sind die beste Abwehr gegen bas Gift der Verleum­dung, mit bem Völker gegeneinander gehetzt werden, die nur miteinander leben können. Deutschland wird unbeirrt feinen Weg weitergehen, den ihm sein Führer in seinen letzten Kundmachungen gewiesen hat. Der 12. November wird der Wett zeigen, daß bas deutsche Volk, von dem gleichen Friedenswillen durchdrungen, den seine Regierung beseelt, aber un­beugsam in bem Willen, nur als gleichberechtigte Nation mitzuraten in der Gemeinschaft der Völ­ker, cinmü'ig und zu jedem Opfer entschlossen, hin­ter seinem Führer steht.

Acht Monate nationalsozialistische Aufbauarbeit.

wir sind entschlossen, den weg zu gehen, den wir für richtig erkannt haben, auch wenn die Mitwelt uns nicht versteht, hätte man heute vor 12 Monaten behauptet, in einem Jahre würde es in Deutschland keine Parteien mehr geben, dann hätte man nur ein mit­leidiges Lächeln als Antwort erwarten können, hätte man gesagt: in einem Jahr ist die innere Sicherheit wieder hergestellt, es wird keinen Kommunismus mehr geben, die roten Blätter werden vernichtet sein, es wird in Deutschland wieder eine an­ständige öffentliche Meinung exi- stieren, es werden überzweiMillionen Menschen an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt sein und die übrigbleiben­den Millionen werden durch ein grandioses Winterhilfswerk über Wasser gehalten, das deutsche Volk hätte es damals gar nicht ver­stehen könnenk wir haben die Parteien zu Paa­ren getrieben und haben die Kleinstaaterei über­wunden.

Man hat uns vielfach zum Vorwurf gemacht, daß wir die Partei nach der Uebernahme der Macht geschlossen haben. Das war un­umgänglich notwendig. Wir verwehren niemand

seine Sympathie, seine Anhänglichkeit und seine Gefolgschaftstreue zu unserem Aufbauwerk, aber die Geschichte lehrt, daß große unb starke Staaten immer nur von Minberheiten verant­wortlich getragen werben unb baß nur eine im Kampf zusammengeschloffene Minberheit auch bie Kraft aufbringen wirb, zu überwinden. Wir haben mit ber Intensität unserer Jbee allmählich alles Denken unb alles Fühlen in Deutfchlanb magnetisch an uns herangezogen. Wir haben alle feinbliche Wettanschauungsgebäube zertrümmert unb haben bem Volk bie Einheit bes Denkens und bamit auch bie Einheit bes Hanbelns zurückgegeben. Wenn heute bie Regierung spricht, bann sprichtdie deutsche Nation. (Lebhafter Beifall.)

Unser Wiederaufbau ist ein Generalplan, der sich auf alle Gebiete bes öffentlichen Lebens erstreckt. Deshalb gingen wir baran, bas so vollkommen barnieberhegenbe geistige unb künstlerische Leben in Deutschlanb roieber auf einen neuen Boben zu stellen. Wir haben alle schaffenden Menschen in Deutschlanb zusammengsschlossen unb haben sie bem Staate verpflichtet. Wir haben bie sogenannte öffentliche Meinung roieber auf das Maß zurück­geführt, bas sie einyalten muß, wenn sie ben Staat gefährben will. Das eigentliche Problem ist aber oas Problem ber Arbeitslosigkeit. Das ist überhaupt bas Zentralproblem. Wir haben bem