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Aus der Wett des Films.
Der Film vom Reichspatteiiag.
Bon der Londesftlmstelle Südwest der NSDAP., Frankfurt a. M., wird uns geschrieben:
In den Herren der Teilnehmer am Reichs- Parteitag der NSDAP, in Nürnberg tft das Erlebnis unvergeßlich. Millionen, die nicht dabei fein konnten, wollen sich die herrlichen Bilder auch einprägen. Dazu hat die Reichspropagando- leitung einen Film drehen lassen. Unter der Leitung des Pg. Oberregierungsrat Raether haben 5Ö Filmleute alle hervorragenden Geschehnisse der großen Zusammenkunft in Bild und Ton festgehalten. Nur das Beste und Interessanteste wurde an vielen Stellen, wo man Filmkameratürme errichtet hatte, in vielen unbeobachteten Szenen erfaßt, auch die Handkamera hat inmitten der Massen gearbeitet. Das Ganze wurde zu einem laufenden, abendfüllenden Tonbildstreifen verarbeitet. Die bis jetzt vorliegenden Bilder übertreffen alle Erwartungen.
Wir sehen und hören den Führer auf den oer- schiebenen Tagungen, erleben die Auf- und Vorbeimärsche und nehmen Teil an allen Ereignissen, die auch den Zuhausegebliebenen am Lautsprecher die Herzen höher schlagen ließen. Der ftilm zählt mit zu den größten filmischen Erlebnissen, und jeder Nationalsozialist und guter Deutsche soll die Gele- genheit nicht versäumen, wenigstens durch das Lichtbild am Ehrentag des Nationalsozialismus dabei gewesen zu sein.
Die Filmwochenschauen bringen nur kurze Auszüge. Der offizielle Reichsparteitagfilm kommt ausschließlich durch die Landesfilmstelle Süd- west der NSDAP., Frankfurt a. M., Burgerstraße 9 bis 11, in unserem Bezirk an Lichtspieltheaterbesitzer und Ortsgruppen der NSDAP, zum Verleih. Schnellste Anfrage ist notwendig, damit Dor- sorge für reibungslosen Verleih getroffen werden kann.
Es wird erwartet, daß kein nationaler Deutscher ben Film versäumt.
Der deutsche Film propagiert das deutsche Handwerk.
Von der Landesfilmstelle Südwest der NSDAP., Frankfurt a. M., wird uns geschrieben:
In den Dienst der Werbeaktion für das deutsche Handwerk hat sich auch der deutsche Film gestellt, der mehr als eine zweite Institution berufen ist, dem deutschen Volk Art und Wesen seiner Stände und Berufsgruppen optisch nahe zu bringen. Seitens des Reichsministeriums für Propaganda und Volksaufklärung, Abteilung Film, ist dem Reichsstand für das deutsche Handwerk vollste Unterstützung für die Propagandierung der großen Handwerkswoche, die vom 15. bis 21.Oktober 1933 in ganz Deutschland durchgeführt wird, zugesagt worden. In der Zeit vom 1. Oktober bis zum 21. Oktober 1933 werden auch die Kinocheater in den Spielplänen durch Kulturfilme auf die große Bedeutung des Handwerker st andes für die Gesamtwirtschast, auf Art und Arbeit der einzelnen Berufsgruppen des Handwerks Hinweisen und so dem Kinopublikum auszeigen, wie wichtig es ist, wieder zum guten, soliden Handwerksmeister zu gehen, um das Möglichste auch hier zum Wiederaufstieg der ganzen deutschen Wirtschaft beizutragen.
Eine große Anzahl von Kulturfilmen über alle Gebiete des Handwerks, des Kunstgewerbes und den Wert solider deutscher Arbeit stehen zur Verfügung, und es wird kein Kino geben, welches in dieser Zeit nicht für die Propagandierung dieser gerechten Sache eintritt.
Der deutsche Film hat hier eine große kulturelle und volkaufklärende Aufgabe erhalten, die er voll und ganz erfüllen wird. Außerdem ist geplant, durch Sonderveranstaltunaen während ber Werbe- woche den Film „Einer für alle, alle für Einen" durch die Einrichtung der Landesfilmstellen in bas Volk tragen zu lassen, um biefes Werk, bas sich mit Hanbwerk unb Gewerbe unb ber Bebeutung für
Technik des Films.
Von A. K. von Hübbenet
Als ber Tonfilm einen Siegeszug antrat, wie er wenigen Erfinbungen beschieben gewesen ist, geriet bie Filmwelt in einen technischen Neuerungstaumel. Nicht nur, baß fast täglich neue (Erfinbungen gemel- bet würben, bie ben Tonfilm verbessern sollten ober auch verbesserten, was ja lehr vonnöten war: mit einem splenbiden Mut, ber Dem Bewußtsein bes (Erfolges urfb ber Konjunktur entsprang, warf man sich barauf, bem Film, Der gerabe sprechen gelernt hatte, gewissermaßen im Handgalopp auch bie beiben noch fehlenden Möglichkeiten zu erschließen: bie Farbe unb bie Plasti t. Dabei muß man eine wesentliche Unterscheiduna machen: währenb ber Farbfilm tatsächlich mit allen zu Gebote stehenben Mitteln forciert würbe, tat sich beim plastischen Film ber Feuereifer seiner Verfechter mehr in Worten benn in Taten kunb. Es war zweifellos kein ganz faires Manöver, wenn man es von Amerika aus immer wieder versuchte, uns mit „Prosperity“ weniger gesegneten unb ahnungslosen Europäern ben vielgepriesenen „Breitfilm" als Erfüllung bes dreidimensionalen Films in schwungvollen Anpreisungs- artiteln aufAuschroatzen. Der sogenannte Breitfilm hatte nämlitt) mit dem eigentlichen plastischen Film nicht bas geringste zu tun. Daß man die projizier- ten Riesenbiiber nicht auf einmal überschauen konnte unb demzufolge bie Mitte bes Bilbes sich etwas her- aushob, ist so wenig eine stereoskopische Wirkung, wie ein Grammophon ein Rabioapparat ist. So kam es, wie es kommen mußte, nämlich: Rückzug auf her ganzen Linie.
Mi! bem Farbfilm war es anders. Hier wurden, vor allem wiederum in Amerika, alle finanziellen, technischen unb publizistischen Kräfte eingesetzt. Farbfilmfabriken schosien wie Pilze in bie Höhe, immer neue Verfahren würben erfunben unb aus- probiert, Gesellschaften gegrünbet, fusioniert unb wieder aufgelöst, unb wirklich eine Menge großer und kleiner.Farbfilme hergestellt, von denen wir in (Europa allerdings nur einen verschwindenden Bruch- teil zu sehen bekamen. Denn schließlich stellte es sich heraus, daß es mit bem Farbfilm trotz aller Mühe nicht so recht vorwärts ging. So überzeugen!) sich der Tonfilm durchgesetzt hatte, — dem Farbfilm gelang es nicht, in feine Fußtapfen zu treten. So wurde denn nach und nach auch diese Offensive ab- geblasen. Nun sind der farbige und der plastische
das Dolksganze befaßt, werden zu lasten für deutsche Arbeit unb deutschen Fleiß.
Durch biese volksausklärenbe Arbeit bes Films im Dienste bes beutschen Hanbwerks, wirb allen Volksgenossen burch bas Lichtbilb klar gemacht, baß heute noch, wie in ben vergangenen Tagen ber Zünfte, bas alte Wort Wert unb Berechtigung hat:
JDeutfldje, ehrt eure beutschen Meister!^
Wie entsteht die Wochenschau?
Don Viktor Gchühler.
Ein Auto huscht vorüber im Straßengewühl, eine große Limousine. Kaum anders als jeder Wagen. Nur drinnen — sieht man durch die Fenster — ist er vollaedaut. Schon ist er den Blicken entschwunden. „Die Wochenschau", sagt jemand.
Dor den Tribünen des Rennplatzes trifft man ihn wieder. Auf dem Dach der Limousine steht der Kameramann vor dem Apparat. Die Kopfhörer hat er um den Kopf gehängt. Jetzt spricht er ein paar Worte in bie Muschel. „Anfahren!" Leise schnurrt bie Kamera. Leicht schwenkt ber Apparat über Die vollen Tribünen. „Aus!"
Wem gelten bie mertroürbigen Kommanbos? Dem im Wagen brinnen, bem Tonmeister. Kopfhörer um, fitzt auch er vor ber Tonkamera. Wie ein Rabioapparat mutet sie an, mit Zeigern, Skalen
unb Meßapparaten. Unb bie beiben Hänbe bes stummen, horchenden Mannes ba brinnen hinter ben geschloffenen Scheiben regulieren an Drehscheiben. Er Höri burch bas Telephon, was ber Kameramann sieht.
Das Rennen beginnt. Der Apparat läuft. Die Pferbe finb gut vom Start abgekommen. Mit Objektiven, bie gleich einem Fernrohr wirken, hat ber Kameramann das Feld ganz nah herangeholt. Der Sucher folgt dem eilenden Geläuf, und das leicht schwenkbare Stativ, das den Apparat trägt, ermöglicht ein dauerndes Verfolgen. (Immer find bie Pferbe im Bilb.)
Das ist bes Rätsels Lösung. Der Apparat bleibt immer an einem Ort! Er fährt nicht etwa — wie man meinen könnte — neben bem Geläuf einher, bas Objekt erspart es.
Die Hand greift nach vorn. Für eine Sefunbe oerschwinbet bas Bilb, ba ist es roieber. Riesengroß unb noch viel näher ist jetzt bas fiegenbe Pferd im Sucher. (Ein neues, noch stärker als Fernrohr wirkendes Objektiv ist eingeschaltet.
Fünf solcher Objektive fitzen an ber Kamera, eine einzige Sefunbe nur — unb es ist eingeschaltet. Fünf verschiebene Ausschnitte bes Bilbes, eine Kamera bringt sie fertig, ohne bas sie selbst vom Platz bewegt wirb.
Im Wagen brinnen mixt unterbes ber Tonmeister ben rechten Klang. Er vernimmt burch bas
„Abel mit der Mundharmonika."
Gespräch mit Manfred Hausmann. — Wie ein Dichter ein Zilmproblem sieht.
Daß ber Dichter Manfreb Hausmann kein Groß tabtmensch ist, braucht bem, ber auch nur in eine einer Geschichten hinemgeguckt hat, nicht erst gesagt zu werden. Schon bie beiben Larnpioon- Bücher .Larnpioon küßt Mäbchen unb kleine Birken" unb „Salut gen Himmel" unb seine zarten Frühlingsnooellen zeuaen von einer so hamsunschen Volks- unb Landschastsverbundenheit, klingen bei aller romantischen Berspieltheit unb Träumerei in |o erboerbunbenen Grundakkorben aus, wie sie nur in ber freien Gottesnatur erstehen können.
So begegnen wir bem Dichter auch nur selten in Berlin, nur, wenn er gerab’ roieber einmal bem Ruf feiner hiesigen Lesergemeinbe Folae leisten muß ober wenn er in ber bramaturgifdjen Abteilung ber Ufa wichtige Verhandlungen zu führen hat, Verhanblungen, bie bie Verfilmung feines reizenben unb oielgelefenen Romans „Adel mit ber Munbharmonika" betreffen, ben Erich Waschneck breht.
Wir treffen Manfreb Hausmann kurz vor feiner Abreise in Die bei Bremen gelegene bekannte Künstlerkolonie Worpswebe an, wo er, ber nach seinen eigenen Worten eigentlich mehr in ber weiten Welt zu Hause ist, seinen ftänbigen Wohnsitz hat.
„Die gesegnete Ruhe, bas unbefangene Leben, bas sich mir hier bietet, soll natürlich auch unserm Film zugute kommen. Denn barüber muß man sich wohl klar sein, bah bie Großstabt alle möglichen rounberbaren Dinge zustanbe bringen mag, baß aber ein Film wie ber ,2lbel* niemals von Groß- standtmenschen erlebt unb bichterisch gestaltet merken kann."
Unb ba finb mir schon mittenbrin im eigentlichen Thema, über bas sich der Dichter anfangs gar nicht verbreiten wollte, weil „über meinen Film schon so viel Seltsames in den Zeitungen veröffentlicht worden ist". Doch nun ist unsere Unterhaltung darüber schon im Gange. Ja, es hätten sich auch schon vor der Ufa verschiedene Firmen mit ihm in Verbindung gesetzt. (Es handelte sich da in erster Linie um die Herstellung von Landschaftsfilmen, die das Leben von Menschen in einer besonderen Landschaft zeigen sollten.
„Da ich aber schon bei ben ersten Verhanblungen merkte, baß bie betreffenben Leute überhaupt kein Verhältnis zu ben künstlerischen Werten des Films hatten, sondern ben Film rein als Geschäft betrachteten, habe ich mich schnell zurückgezogen."
„Sie glauben also an ben Film als Kunst?" —
Manfreb Hausmann lächelt unb bekennt:
„Der Film hat meiner Meinuna nach ungeahnte unb bisher noch längst nicht erschöpfte Möglichkeiten als Volkskunst. Verstehen Sie mich bitte recht, bas soll keineswegs eine Herabwürbigung sein."
Unb wie Hausmann nun seine Formulierung fortsetzt, bas ist ganz typisch für ben Dichter, ber, obwohl er selber bas vielleicht bestreiten würde, doch als Maler sieht; er holt nämlich zum Vergleich Renoir heran.
„Sehen Sie z. B. Renoir", sagt er. „Schließlich hat dieser Meister, wenn er Dienstmädchen malte, wie er sie sah: kitschig und süß, derb und bunt, xart und traurig, ohne sich um irgendwelche künstlerischen Gesetze zu kümmern, auch Volkskunst gemacht.
Der übliche Film würde natürlich das rein Dichterische, das in meinen Büchern liegt, zerstören. Wenn wir, mein Freund und Mitarbeiter, der Maler Walter Müller, und ich, versuchen, den ,2lbel‘ ins Filmische zu übertragen, so kommt es uns dabei aber gerade auf die Erhaltung des Dichterischen an. Denn wir sehen da Möglichkeiten, die bislang überhaupt noch nicht ausgenutzt sind, und hoffen, einige davon auch einigermaßen zu verwirklichen."
Unb immer roieber betont Manfreb Hausmann, daß es sich dabei in erster Linie um ein unartistisches Schaffen, ein Schaffen aus dem Volks- empfinden heraus, handelt. „Das ergibt zwangsläufig eine .neue Linie*, die erfreulicherweise auch von den Filmfachleuten gewürdigt unb unterstützt wirb. Außerbem finb wir davon überzeugt, daß wir in dem Regisseur Erich Wasch- neck .unseren Mann* gefunden haben."
„War der .Abel* Ihr erstes Drehbuch?"
„Allerdings — und diese Arbeit wurde noch dadurch erschwert, daß ich bei der Niederschrift des Romanes nicht einen Augenblick an eine spätere Verfilmung gedacht hatte. Ich habe auch vorläufig nicht die Absicht, weitere Drehbücher zu schreiben, aber das eine habe ich mir doch für bie Zukunft gemerkt: es ist immer besser, man konzi- piert ein Drehbuch unmittelbar als solches. Liegt ber Stoff erst einmal in Romanform vor, so bebarf es boch eines außerordentlich komplizierten Arbeitsprozesses, um ihn wirklich ganz unb gar ins Filmische umzugestalten." Be.
Film von ihrem mißglückten Ausflug in bie Öffentlichkeit ins Laboratorium zurückgekehrt und warten auf ben Ingenieur-Märchenprinzen, besten Einfall ihnen eine lebensfähige Gestalt schenken soll.
Seitbem ist es um bie Filmtechnik ziemlich ruhig geworben, benn bie Erfindungen unb Verbesserungen, bie immer noch gemacht werben, finb für die große Öffentlichkeit meist nicht interessant genug. Nur eine Sache — wenn man von ben offenbar doch noch nicht gelösten Versuchen mit dem unentflammbaren Film absehen will — hat in letzter Zeit größeres Aufsehen erregt: bie Photographie mit infraroten Strahlen. Was es bamit für eine Beroanbnis hat, ist uns noch aus ben Zeiten erinnerlich, in benen wir bie Schulbank brückten. „Infrarot" ist nicht eine neue Modefarbe, sondern bie Bezeichnung für unsichtbare Strahlen, bie jen- jeits bes sichtbaren Spektrums liegen, jenes bunten Lichtbandes, in das sich ein Sonnenstrahl verwandelt, den man durch ein Glasprisma schickt. Alle diese bunten Strahlen, bie wir zusammenfassenb „Licht" nennen, finb elektromagnetische Schroin- gungen verschiedener, zwischen vierhunbert unb acht- hunbert Millionstel Millimeter betragender Wellenlängen. Das sichtbare Licht bilbet nur einen winzigen Teil ber bekannten elektromagnetischen Wellenskala, bie auf ber einen Seite mit Wellen von Kilometerlänge beginnt (drahtlose Telegraphie) und auf ber anderen Seite über die Röntgen- und Gammastrahlen zu ben noch unerforschten Höhen- ftrahlen führt, Deren Längen in Bruchteilen von Millimetermillionsteln liegen unb sich vorläufig jeber exakten Messung entziehen. Die an bas sichtbare Spektrum unmittelbar angrenzenben unsichtbaren Strahlungen — bie übrigens von manchen Tieren, z. B. Bienen, auch noch teilweise gesehen werben — nennt man je nach ihrer Lage zum Spektrum Ultraviolett ober Infrarot, unb die infraroten Strahlen hat man jetzt für bie Photographie und ben Film entbedt Die Entbeckung ist bas Resultat systematischer Verbesserungsarbeiten am Photoplatten- und Film-Material. Jeder Photoamateur weiß, daß bie ursprüngliche photographische Platte bie verschiebenen Farbwerke sehr ungleic - mäßig roiebergab, inbem sie violett unb blau unverhältnismäßig hell unb bagegen grün unb befonbers rot unverhältnismäßig bunfel, fast wie schwarz erscheinen ließ. Inbem man ber Bromsilberemulsion befonbere Farbstoffe zufügte, behnte man in bem orthochromatischen unb panchromatischen Photo-
unb Filmmaterial ben Empsinblichkeitsbereich ins Grüne unb Rote aus. Nun ist man noch einen Schritt weiter gegangen unb hat in ben Infrarot- Platten unb -Filmen ein Aufnahmematerial geschaffen, besten Empsinblichkeitsbereich noch über bas Sehvermögen des menschlichen Auges hinausgeht und ins Gebiet der infraroten Strahlen hineingreift. Die praktischen Anwendungsmöglichkeiten des In- frarot-Materials sind wohl im Interesse der guten Sache etwas aufgebauscht worden. Mit bem sensationell anmutenben „Photographie ren im Dunkeln" hat es nämlich einen Haken. Wenn man sich in finstrer Mitternacht in einen Walb stellt unb Dort knipst, wirb auch bie Infrarotplatte nicht bie leisesten Konturen erkennen lassen, weil bort nicht nur bas sichtbare, sonbern auch bas unsichtbare „Licht" feylt. Trotzdem kann man im absolut dunklen Raum photographieren, wenn man nämlich bie Lichtquelle, ob es nun Sonnenlicht oder künstliches Licht ist, durch Infrarot-Filter so abdeckt, daß kein Strahl sichtbaren Lichtes in den Raum fällt unb ber Aufnahmegegenstand nur von ben in ber Ausstrahlung enthaltenen infraroten Strahlen „beleuchtet" wirb. In biesem künstlich präparierten Dunkel sieht bas menschliche Au^e nichts, — bie Infrarotplatte aber alles, unb wird baburch für bestimmte Sonberfälle unentbehrlich, nämlich alle Fälle, in benen unbemerktes Photographieren im buntlen ober halbbunklen Raum zum Ziel führt. Befonbers erwähnt sei die Möglichkeit, etwa die Vorgänge bei okkulten Sitzungen vom Medium völlig unbemerkt aufzunehmen. Ureigenstes Gebiet ber Infrarot-Photographie ist bie Fernauf- nähme. Wo die gewöhnliche Platte und sogar bas Auge nur nebligen Dunst und unscharfe Umrisse er- blickt, zaubert bie Infrarot-Photographie auf eine große (Entfernung überraschen!) beutlid) alle Einzelheiten hervor. Das liegt daran, baß bie roten unb infraroten Strahlen ein wesentlich stärkeres Durch - schlagsoermögen haben, als bie Strahlen auf ber anderen Seite bes Spektrums. Allerbings muß man nicht Unmögliches verlangen: fauftbitfer Webel ist auch für sie ein unüberroinblidjes Hinbernis.
Die für ben Amateur reizvollste Anwenbung ber Infrarot-Photographie liegt aber wohl in ber Möglichkeit, am hellichten Tage bie prächtigsten Nachtaufnahmen zu machen. Sie finb mit jeder Kamera möglich, wenn man dem Objektiv einen Schwarz, filier vorfetzt. Der Nachteffekt kommt dadurch zustande, daß die Infrarot-Platte die blauen Farbwerte vernachlässigt und somit ben hellblauen Hirn
Mikrophon das Getrappel ber eilenden Pferde, er bemerkt die steigende Spannung des Publikums. Er hört bie Leibenfchast steigen, bie rufenben Stimmen. Er fängt es ein, er steuert alles zum rechten Einbruck. — Bis bas Jauchzen erlischt über ben Sieg bes heißen Favoriten.
lieber bie ßeinroanb in ber Rebaktion eilt bas Geläuf, bas Fluibum bes Rennlatzes füllt den Raum.
„Schneiden Sie es, bitte, auf 40 Meter und brechen Sie ab, wenn der Sieger durchs Ziel ist."
Der Chefredakteur hat gesprochen.
Die Cutter gehen in bie Schneiberäume, unb währenb ber Schriftleiter den Titel bearbeitet, wirkt ihre Schere, lieber einem Tisch läuft die Arbeit des Aufnahmetrupps noch einmal ab. Zwei Filmbänder finb es, bie aufeinanbergelegt finb, bas obere ist ber Bilbftreifen, bas untere bie Tonaufzeichnung; benn Bilb unb Ton würben ja getrennt ausgenommen.
Jetzt finb sie synchron eingefpannt, Bild paßt nun zu Ton. An diesem Tisch, Der eine kleine Vorführung ist, wird beides, das „Sujet", bearbeitet. Wichtiges behalten und Unwesentliches herausge- nommen, bis der rechte Bericht entstanden ist, der in die Wochenschau paßt. Zehn solcher „Sujets" werden so „geschnitten" und zur Wochenschau zu- fammengefügt. Viel eifrige, schwere Arbeit ist geleistet, ehe die „Musterkopie" in die Kopieranstalt geyen kann. Dort wird schnell das Negativ nach ihr eingerichtet, denn nur von ihm können die Kopien angefertigt werden. Was die Lettern für den Druck sind, das ist bas Negativ für bie Kopien.
Schon wartet bie Lichtbestimmung; nicht gleichmäßig können bie vielen Einzeleinstellungen sein. Hunbert unb mehr hat bie gesamte Wochenschau an solchen verschiebenen Szenen. Für sie alle muß bas Kopierlicht festgelegt werben.
Ein einfacher Streifen mit Einstanzungen ist entftanben. (Er wird mit bem Negativ in bie Maschine eingespannt, unb schon rasselt ber Apparat los.
Automatisch wechselt das Kopierlicht, selbsttätig rollt bas Zelluloibbanb burch ben Entwickler, burch bie Trockenschränke. Unb nach kaum einer Stunbe prüft bas Auge bereits auf ber ßeinroanb bie erste fertige Kopie ber neuen Wochenschau. Stunbe um Stunbe rollt so bas weiße Filmbanb burch ben Kopierautomaten, Stunbe um Stunbe nimmt die Hand bie Rollen unb packt sie in fieberhafter (Eile in bie bereitstehenben Kartons.
Sie hören nicht auf zu knattern, bie Motoren ber Berfanbautos. Sie rasen zu ben Theatern, sie jagen zur Bahn, sie hasten zum startbereiten Flugzeug.
Aktuell, aktuell, bas ist bie ßosung ber Wochenschau!
Silmfagb auf Steinböcke.
Seit Monaten befinbet sich ber Aufnahmetrupp ber Kulturfilm-Abteilung ber Ufa unter Führung von Dr. Ulrich Schulz in Jugoslavien. Eine reiche Kamerabeute in Bilb unb Ton mürbe eingeheimst, ber eigentliche Zweck ber Expebition aber, bas scheueste unb seltenste Will) ber Älpenwelt aufzunehmen, nämlich Steinböcke in freier Wilbbahn, war bisher nicht zu erreichen. Jetzt enblich ist es nach unbeschreiblichen Mühen unb Strapazen gelungen, bie Aufnahmegeräte unb bie Bebicnungs- mannschaft so zu maskieren, baß die Steinböcke und Gemsen der albanischen Felsgebirge harmlos auf ihren Aefungsplätzen festgehalten werden konnten. Man darf auf das Erscheinen dieser Aufnahmen gespannt sein, zumal der Steinbock in Mitteleuropa zu einem fast sagenhaften Tier geworden ist. Die wundervollen Aufnahmen frei lebender Raubtiere, wie Nerz und Otter, die kürzlich in den ßichtspiel- hciusern gezeigt wurden und den gleichen Beifall fanden wie die früher gezeigten „Nordischen Vogelberge" lassen hoffen, daß es den Expeditionsteilnehmern gelungen ist, auch diesmal wieder als Preis für ihre Mühe Bilder von besonderer Schönheit mit Heimzubringen.
mel fast schwarz erscheinen läßt. Solche Aufnahmen sind zwar auch mit anderem hochempfindlichen Material möglich, aber unter bem Schlagwort „Infra- rot" werden sie sicherlich Popularität erlangen. Vermutlich wird sich auch ber Film biefes Gebiet nicht entgehen lassen, so daß wir uns in der kommenden Produktion auf allerlei Mondscheinstimmungen gefaßt machen können.
Mit bem p 1 astischen Film scheint es noch lange nicht so weit zu sein. Aus Amerika sind zwar Nachrichten gekommen, ber plastische Film fei erfunben, nur seien bie für bie Umstellung erforderlichen Kosten so hoch, daß an seine Einführung in der Zeit der Krise nicht zu denken wäre; aber das klingt reichlich unwahrscheinlich. Deshalb kann es für den Augenblick nur eine Diagnose geben: lassen wir die Berufenen Weiterarbeiten und warten wir wohlwollend ab. Schwieriger zu beurteilen ist Die ßage bes Farbfilms, insofern, als man nicht weiß, wo bie technischen Schwierigkeiten aufhören und bie psychologischen anfangen. (Es bürste bekannt sein, baß Der Farbfilm auf Teilgebieten schon beachtliche Resultate erziell hat, Daß jeDoch Die Zweifarbenverfahren unter einem für Die Spielfilmpraxis zu merkbaren Farbausfall unb Verfälschung ber Farbwerte leiben, bie Dreifarbenverfahren Dagegen noch nicht vräzise genug funktionieren. Inbessen ist es Kid), ob biese Mängel größer finb, als jene, bie nfang bem Tonfilm anhafteten. Es scheint, baß bie Hauptschwierigkeiten auf psychologischem Gebiet liegen. Währenb wir an die Schwarzweißphotographie von klein auf gewöhnt sind, gehören Die kolorierten Kitschpostkarten zu Den Schrecknissen unseres Daseins — unb barunter hat Der Farbfilm zweifellos zu leiben. Es ist stets so, daß nicht nur bie Techniker lernen müssen, bie neuen Är- finbungen besser zu hanbhaben, sonbern baß auch bie Zuschauer lernen müssen, bie neuen Einbrücke zu empfangen. Ein solches Umlernen setzt aber eine innere Bereitschaft voraus, bie jeber Neuerung erst bie Wege ebnet, unb bie Dem Farbfilm gegenüber offenbar noch nicht ba ist. Der Farbfilm wirb kommen, wenn sich bie Erkenntnis, daß Die Farbe zum Film ebenso gehört wie ber Ton, auch gefühlsmäßig allgemein burchgese. hat. Nicht zu vergessen, daß für uns Deutsche infolge de- Kraft ber sich auf allen Gebieten vollziehenben geistigen Umstellung, bie technischen Probleme in ben Hinter» grunb gerückt finb. Auch für ben Film ist im Augenblick weniger bie Farbe unb Plastik wichtig, als feine geistige Neugeburt und organische Neuordnung.


