Aus der Provinzialhauptstadt.
Großzügigkeit! .
An kleinen Dingen muß man sich nicht stoßen, wenn man zu großen auf dem Wege ist. Hebbel.
Die kleinen Lästigkeiten und Schwierigkeiten kosten vielen Menschen die meiste Kraft. Denn an diesen Kleinigkeiten ist das Leben unendlich reich. Und wenn man sie alle zusammenrechnet, wird ein Berg daraus in jedem einzelnen Menschenleben. Ein Berg, der oft steiler und hoher wäre, als selbst die größte und schwerste Aufgabe, die diesem gleichen Menschenleben gestellt ist. Unsäglich viel Nervenkraft geht bei diesen kleinen und kleinsten Sorgen alltäglich drauf. Aber man rechnet'-sie nicht, weil man sie in so unscheinbaren Portionen verausgabt. Erst wenn man mit seinem Vorrat zu Ende kommt, wenn man für irgend etwas Großes, Unerwartetes nicht mehr genug Ueberwindungskraft besitzt, dann schilt man auf das Schicksal. Dann begreift man nicht, wohin einem die Lebenskraft entronnen ist.
Wir brauchen Großzügigkeit im Leben! Fassen wir hohe, weite Ziele ins Auge. Setzen wir uns zu den größten, bedeutendsten Geistern in . Beziehung. Großes Denken und großes Erleben macht reich und stark. Es gibt dem Dasein wirklich Sinn und Wert. Nichts ist trauriger oder lächerlicher, je nachdem, als der Pedant, die kleine, enge Philisterseele, die Klatschbase. Wer jedem kleinen Fehlerchen nach- läust und über jedes einzelne armselige Pfenniglein große Rechnungen anstellt und mit allen Minütchen und Sekündchen tagtäglich schachert, wer allen törichten Schwätzern nachgehen möchte, der verzettelt sich. Und sein Leben ist zuletzt ein Mosaik aus lauter winzigen Bruchstücken, und oft genug ein Mosaik, vom Zufall durcheinandergeworfen, ohne Sinn und Schönheit.
Wo es sich um geringe Widerstände und Schwierigkeiten handelt, wo uns Steinchen oder Aestchen im Wege liegen, wo uns Mücken stechen oder der Sonnenschein brennt, da sollen wir den Blick drüber hinwegheben und das Herz mit wichtigeren Dingen füllen. Gerade die Strenge im wahrhaft Großen wird uns vor Pedanterie in anderen Dingen am besten bewahren. Ein guter Mensch zu werden, das ist das höchste Ziel. Und vor ihm schrumpft alles andere zur Nebensächlichkeit zusammen. Im Konflikt zwischen Welt und Gewissen vermag der Mensch selbst das Leben gering zu schätzen, um die Seele zu retten.
Reden wir nicht von Gewissenhaftigkeit, wo es sich doch vielfach nur um bloße Kleinigkeitskrämerei handelt. In der Hinsicht wird viel gesündigt, end; lose Zeit vergeudet, wertvollste Kraft verbraucht. Nein, in allem, wo es sich nicht um das sittlich Gtoße handelt, wo es nur das Schema oder die Bequemlichkeit, wo es nur den Klatsch oder die Kurzsichtigkeit gilt, da geh deines Weges grade drüber hinweg. Beim Lenken und Steuern bleibt der in der direktesten Bahn und kommt am ersten ans Ziel, der nicht vor sich auf jede Unebenheit achtet, sondern der sein Ziel im Auge hat. Das ist die große, die einzige Hauptfach". Soviel Seitenblicke behält er dabei immer noch übrig, daß er nicht grade über große Hindernisse in Gefahr zu kommen braucht. Wer ober vor lauter Seiten- und Rückblicken das Ziel nicht sucht und sieht, der läuft in der Irr« herum und sieht zu spät, wenn er müde hinsinkt, daß seine ganze Fahrt überhaupt vergeb- lich war.
Oie Ereignisse beim morgigen Standarten-Aufmarsch.
Es sei noch einmal daran erinnert, daß am morgigen Sonntag bei dem großen Aufmarsch der Standarte 116 in Gießen um 9.15 Uhr Feldgottesdienst auf dem Trieb vor der Dolkshalle stattfindet. Die Feldpredigt hält Pfarrer Lenz. Um älteren Teilnehmern, insbesondere such Kriegereltern, die Teilnahme äm Feld- gottesdienst ohne körperliche Anstrengung möglich zu machen, hat die Standartenführung angeordnet, daß vor der V o l k s h.a l l e , in der Nähe des Altars, Stühle aufgestellt werden, die für die älteren Teilnehmer bestimmt sind. Bon 10 bis 13 Uhr werden auf dem Sportplatz der Spieloereinigung 1900 sportliche Darbietungen folgen. Um 16 Uhr werden die Stürme der Standarte auf Oswaldsgarten angetreten sein und von dort durch die Stadt marschieren, wobei folgende Straßen durchschritten werden: Neustadt, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Äreuzplatz, Sonnenstraße, Landgraf-Philipp-Platz, Vorbeimarsch am Brigadeführer vor dem 116er-Denkmal, Adolf-Hitler-Wall, Moltkestraße, Kaiserallee, Trieb, am Schützenhaus vorbei, Weg nach den Spielplätzen. Um 20 Uhr beginnt ein kameradschaftliches Zusammensein in der Dolkshalle mit Konzert, Ansprache von Generalmajor a. D. Mohr, Vorträgen des Heimatdichters Georg Heß und Aufführungen des BdM. unter Leitung von Frau Dr. Fischer.
Oie Sonderzüge zum Standarten-Aufmarsch in Gießen.
Am morgigen Sonntag werden zum Standarten- Aufmarsch in Gießen auf den Strecken Grünberg—Gießen und Hungen — Gießen Sonderzüge der Reichsbahn gefahren.
Von Grünbera fährt der Sonderzug um 6.54 Uhr ab, er hält bis Gießen nicht und trifft im Gießener Bahnhof um 7.28 Uhr ein. Auf dieser Strecke kann die Rückfahrt ab Gießen 20.15 Uhr erfolgen; dieser Zug hält auf allen Stationen und trifft- in Grünberg um 20.51 Uhr ein.
Von Hungen wird der Zug um 6.37 Uhr ab- fcchrcn, unterwegs auf allen Stationen halten und um 7.16 Uhr in Gießen eintreffen. Die Rückfahrt auf dieser Strecke erfolgt mit dem Zuge ab Gießen 22.54 Uhr, der Zug hält auf allen Stationen und trifft in Hungen um 23.26 Uhr ein.
Ermäßigte Fahrkarten gelten n u r für diese Züge.
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— T agesfalenber f ü r Samstag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Tänzerin von Sanssouci".
— Tageskalender für Sonntag. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge; Verein der Offiziere des 2. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Kaiser Wilhelm) Nr. 116: Logengebäude, Gartenstraßei, Ausstellung von Modellen und Bildern deutscher Ehrenfriedhöfe in Frankreich und im Osten, 10 bis 13, 15 bis 18 Uhr. — 16 Uhr, „Liebigshöhe": Reichswehrkonzert. — Eo. Stadtmission, Löberstraße 14. 20.30 Uhr, Vortrag „Der religiöse Mißerfolg". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Tänzerin von Sanssoue-i".
Oie „Braune Messe" in Gießen.
Hochbetrieb im Messe-Bureau.
Wie in anderen Städten, in denen „Braune Messen" bereits stattgefunven haben oder in Vorbereitung sind, macht sich die lebhafte Anteilnahme an dem Werden der „Braunen Messe" auch in Gießen jetzt schon bemerkbar. Der Andrang auf dem Messebureau (itn Lerkehrsverein am Seltersweg) ist den ganzen Tag über stark. Der verfügbare Ausstellungsraum in der „Volkshalle" ist schon zum großen Teil vergeben. Soweit Sonderwünsche noch berücksichtigt werden können, wird dies geschehen, es empfiehlt sich aber, mit den Entschlüssen nicht zu lange zu warten, weil auf keinen Fall belegte Plätze wieder frei gemacht werden können.
Daß die „Braune Messe" eine Werbeveranstaltung für Einzelhandel, Handwerk und Gewerbe ist, haben alle bereits stattgefundenen „Braunen Messen" eindeutig bewiesen. Anderseits ist auch der Nachweis erbracht, daß Handel, Handwerk und Gewerbe in den Nachkriegsjahren von den verschiedensten Unternehmungen in den Hintergrund gedrängt wurden. Die „Braune Messe" soll diesen Zustand beendigen. Es soll nach der „Braunen Messe" nicht mehr möglich sein, wie wiederholtim Messebureau fest- gestellt worden ist, daß Firmen in Gießen seit Jahren Geschäfte unterhalten, ohne daß ein größerer Kreis der Bevölkerung in Gießen davon Kenntnis hat. Werden für deutsche Ware, für den deutschen Handel, für das deutsche Handwerk und Gewerbe, das ist der Sinn der „Braunen Messe" in Gießen.
Oas Reichskartell der deutschen Berufsnurfiker.
Der Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer hielt — wie man uns berichtet — am vergangenen Sonntag eine Sitzung in der hiesigen Ortsgruppe ab. in deren Verlauf der Vorsitzende die von allen Mitgliedern freudig aufgenommene Mitteilung machte, daß es im neuen Staat zu einer zentralisierten Sammlung der deutschen Musikerschaft gekommen ist. Staatskommissar Hinkel hat am 24. April dem Pg. Prof. Gustav Hävern a n n, Berlin, die Vollmacht erteilt, das neue Reichskartell der deutschen Berufsmusiker zu führen. In diesem Reichskartell vereinigen sich drei Gruppen, und zwar:
1. Der Einheitsoerband deutscher Berufsmusiker;
2. der Reichsverband deutscher Tonkünstler und Musiklehrer;
3. der Bund deutscher Konzert- und Vortrags- künftler.
Die neue Organisation ist von Reichskommissar Hinkel in seiner Vollmacht als einzige Stan- desorganisation anerkannt und stellt somit eine Einrichtung dar, in deren Rahmen die gesamte deutsche Musikerschaft vereinigt ist. Diese nicht nur in wirtschaftlicher, sondern vor allem auch in kultureller Beziehung ausgezeichnete, des neuen Staates würdige Tat erfüllt jeden deutschen Musiker, sei er er nun konzertierender Künstler, Musikpädagoge, oder Orchestermusiker mit großer Freude. Besonders die Musikpädagogen begrüßen diese neue Regelung. Wird doch damit endlick die greifbare Möglichkeit gegeben, gegen das besonders im Musikunterricht so außerordentlich verbreitete und die Allgemeinheit schädigende Pfuschertum vorzugehen. Einerseits wird jeder Musiklehrer (es handelt sich hier in erster Linie um den Privatmusiklehrer) zwangsmäßig von der Organisation erfaßt, anderseits kann nur derjenige Mitglied des Kartells sein, der die erforderliche Vorbildung besitzt. Dadurch ist in Zukunft den interessierten Eltern ebenfalls ein Schutz gegeben, wie er vom Reichsverband deutscher Tonkünstler und Musiklehrer schon so lange erstrebt war. In Zukunft erhält jeder Privatmusiklehrer eine mit Lichtbild versehene Unterrichts - Lizenzkarte, ohne deren Besitz er nicht unterrichten darf und die nur dem zum Unterricht Fähigen erteilt wird. Sie soll die Allgemeinheit ebenso wie den verantwortungsbewußten Lehrer vor denjenigen Elementen schützen, die besonders in den letzten vierzehn Jahren dadurch unsere Kulturpflege zu untergraben drohten, daß sie nicht fähig waren, den köstlichsten Teil unseres Volkes, die deutsche Jugend, zum richtigen Verständnis unserer herrlichen Musikgüter zu führen.
Für Gießen ist der kommissarische Beauftragte des Reichskartells für Oberhessen Herr Musiklehrer A. Kasten, Löberstraße 20. Sprechstunden täglich von 11 bis 12 Uhr.
WichiigeRichtlinien fürOSB.-Vereine
SBK. Der Vorsitzende des DSB., Rektor G. Brauner- Berlin, veröffentlicht in der „Deutschen Sängerbundeszeitung" wichtige Ricktlinien für das Verhältnis der DSB.-Vereine zu bisher bundesfremden Vereinen und zum Kampfbund für Deutsche Kultur. Es heißt dort u. a.:
Oberster Grundsatz: Neu aufzunehmende Vereine müssen die Gewähr bieten, daß sie sich freiwillig und überzeugt zu den nationalen Grundsätzen des DSB. bekennen wollen. Ihre Vorstandschaft muß der NSDAP, angehören, oder ihr nahestehen. Auf keinen Fall darf in der Leitung jemand geduldet werden, der die nationalsozialistische Bewegung bekämpft oder bekämpft hat. Vereine, die früher dem Arbeiter-Sängerbund angehört haben, sind auch geschlossen aufzunehmen, wenn ihre Vorstandschaft den obigen Richtlinien gemäß neu gebildet wird. Irgend welche politische Betätigung oder Gruppenbildung innerhalb der neu aufgenommenen Vereine darf nicht gestattet werden. Vor der Aufnahme von Vereinen, die bisher keiner Organisation angehörten, ist in Zweifelsfällen die Billigung der örtlichen Leitung der NSDAP, einzuholen. Im allgemeinen wird die Einsetzung einer Aufnahme-Kommission, bestehend aus zwei Mitgliedern eines Bundesvereins und einem Mitglied der örtlichen Parteileitung, empfohlen. Das Bestreben des DSB. muß dahin gehen, die bisher außenstehenden Vereine nicht abzustoßen, sondern heranzuziehen. Aber selbstverständlich darf für Leute, die sich kommunistisch betätigt haben, oder die noch heute Organisationen angehören, die im Gegensatz zur nationalen Regie- rung stehen, kein Platz in einem Bundesverein sein.
Der Hauptvorstand des DSB. muß dem KfDK. angehören. Die Mitglieder der Kreis- ober Gauleitungen melden sich einzeln bei ihrer Landesleitung Zur Aufnahme. Zu den wichtigeren Sitzungen ist ein Vertrauensmann des Kampfbundes als Berater hinzuzuziehen. Die Dereinsmitglieder werden durch diesen Schritt nicht zugleich Mitglied des Kampfbundes. Ein Zwang zum korporativen Eintritt in den KfDK. liegt für Kreis-, Gau- und Dereinslei- tungen nicht vor; der Eintritt wird aber empfohlen; auch interessierten Vereinsmitgliedern ist er anzu- raten.
Chorleiter, welche sowohl im DSB. als auch im Arbeiter-Sängerbund beschäftigt sind, dürfen nur
beibehatten werden, wenn ihre nationale Gesinnung außer Zweifel steht. Es muß von ihnen erwartet werden, daß sie solche auch in den Arbeiter-Gesangvereinen betätigen; mit der bloßen Aufstellung zeitgemäßer Vortragsfolgen ist es nicht getan.
Für die Mitgliedschaft in den Vereinen dienen als Grundlage die Bestimmungen der Reichsregierung über die Beschäftigung von Nicht-Ariern in öffentlichen Aemtern. Demgemäß ist von den Bundesvereinen folgendes zu beachten: Nichtarische Amtswalter, insbesondere Leitungsmitglieder und Dirigenten, müssen ihre Aemter unverzüglich niederlegen. Neuaufnahmen von Nicht-Ariern in die Bundesvereine sind nicht zulässig, denjenigen, die nach dem 1. August 1914 eingetreten sind, ist nahezulegen, ihre Mitgliedschaft baldigst aufzugeben. Bei Frontkämpfern wird weitgehende Rücksichtnahme empfohlen.
Gictzener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 19. Qlug. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter 125 bis 130 Pf.. Kochbutter 10J, Matte 25, Wirsing (grün) 8, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, Spinat 15, Rüben (gelbe) 10, (rote) 10, Römischkohl 5 bis 8, Bohnen (grüne) 15 bis 20, (gelbe) 15 bis 20, Erbsen 20, Mischgemüse 10, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10, Pilze 25, Pfirsiche 30 bis 40, Kartoffeln (neue) 3 (pro Ztr. 2,30 bis 2,50 Mk ), Frühäpfel 20 bis 35, Falläpfel 6 bis 8, Birnen 15 bis 30, Pflaumen 12 bis 15, Zwetschen 15 bis 18, Mirabellen 20 bis 25, Reineclauden 12 bis 15, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 80 bis 90 Pfennig pro Pfund; Tauben 40 bis 50, Eier (inländische) 8,5 bis 9, Käse 4 bis 10, Blumenkohl 5 bis 40, Salat 8, Salatgurken 5 bis CO, Einmachgurken 1 bis 3, Oberkohlrabi 5 bis .0. Rettich 10, Sellerie 5 bis 10 Pfennig pro Stück; Radieschen 5 Pf. pro Bund.
*
* * Vorübergehende Einstellung des Straßenbahnbetriebs. Die Direktion der Straßenbahn gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß am morgigen Sonntag während des Marsches der SA.-Standarte 116 der Straßenbahnbetrieb in der Bahnhofstraße und im Seltersweg ruhen wird.
* * Rindermarkt in Gießen. Am kommenden Dienstag findet in Gießen Rindvieh-(Nutz- vieh-)Markt statt.
' Straßensperre. Wegen Ausführung von Bahngleisarbeiten wird die Provinzialstrahe Garbentei ch—W a h e n b o r n am 23. und
24. August für jeden Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Hausen.
** Eine Ausstellung von Schlachtfeld- Skizzen und- Zeichnungen aus denStel-« hingen des Infanterie-Regimen! s Kaiser Wilhelm Rr. 116 veranstaltet anläßlich der Feier des 120jährigen Bestehens des Regiments und des Anloy-Tages der ehemalige Regimenisangehörige Emil Becker am morgigen Sonntag auf der Liebigshöhe. Die Abstellung dürfte für die alten Soldaten des Regiments als wertvolles Erinnerungsstück recht sehei.swert sein. Es sei besonders darauf hingewiefen.
" Größte Rücksichtnahme auf Schwerkriegsbeschädigte. 3n einer Verfügung an die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises Gießen weist das Kreisschulamt Gießen darauf hin, daß der Herr Reichskanzler aus Anlaß eines Einzelfalles den Wunsch aus- gedrückt hat, daß Schwerkriegsbeschädigte künftig von allen Behörden und Dienststellen mit der ihnen gebührenden Rücksicht behandelt werden.
** DieHeberollefürdieBeiträgezur Land- und forstwirtschaftlichen Bern f sg e n o s s e n s ch a f t für 1 93 2 liegt im Städtischen Versicherungsamt während zwei Wochen zur Einsicht offen. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.
** Der zweite Gesellschaftszug zur Berliner Funk-Ausstellung fährt am Donnerstag, 24. August, ab Frankfurt a. M.-Haupt- bahnhof 22.34 Uhr, ab Friedberg 23.04Uhr, ab Bad- Nauheim 23.11 Uhr; ab Gießen 23.46 Uhr. Ankunft in Berlin Bahnhof Friedrichstraße: 25. August, 8.19 Uhr; Rückfahrt am 27. August mit Schnellzug ab 21.10 Uhr Bahnhof Berlin-Friedrichstraße. Fahrpreis bei genügender Beteiligung: Für Hin- und Rückfahrt ab Friedberg, Bad-Nauheim und Gießen 29 Mark. Die Preisabmachung für Unterkunft, Stadtrundfahrt und Ausstellungsbesichtigung beträgt für den zweiten Gesellschaftszug ab Friedberg, Bad- Nauheim und Gießen 55,40 Mark. Anmeldungen bei allen Funkwarten, Kreisleitungen der NSDAP., Zweigstellen der Hapag.
•* GerdaIäger-SprengelimRund- funk. Am Dienstag, 22. August, singt die bekannte Opern- und Operettensängerin, Pgn. Gerda Jäger-Sprengel im Rundfunk. Die Sängerin ist bekannt durch ihr Mitwirken an deutschen Abenden und an dem RS.-Frauen- schafls - Hausfrauen - Rachmittag im Frankfurter Zoo und durch ihre Engagements an ersten deutschen Theatern.
Mordnmg der Mchversorglmg in Gießen.
Der Milchversorgungsverband Rhein-Main hat durch seinen Beauftragten, Diplomlandwirt Birkenholz, folgende Anordnung betr. die Errichtung einer Milchverteilungs- und Berre ch n u n g s st e l l e für das Milchversorgungsgebiet der Stadt Gießen erlassen:
§ 1. Für die Stadt Gießen wird eine Milch- Verteilungs- und Verrechnungsstelle des Milch- versorgungsverbandcs Rhein-Main errichtet.
Sämtliche aus dem Einzugsgebiet der Stadt Gießen angelieferte Milch ist ab 21. August 1933 an die Verteilungsstelle zu liefern.
Die Verteilungs- und Verrechnungsstelle befindet sich in Gießen Am Pfarrgarten 4, in dem Gebäude der Milchzentrale Gießen.
Rähere Bestimmungen werden den lieferungsberechtigten Milchabsatzgenossenschaften noch bekannt gegeben.
§ 2. Der konzessionierte Handel hat die für die Milchversorgung der Stadt Gießen benötigte Milch von der Berteilungsstelle zu beziehen.
Die zur Trinkmilchversorgung der Stadt Gießen nicht benötigte Milchmenge wird von der Milch- zentrale Gießen verarbeitet.
§ 3. Die Abrechnung über die ahgelieferte Milch mit den Milchabsatzgenossenschaften erfolgt durch die Verrechnungsstelle. Nähere Anweisungen hierüber ergehen durch die Verrechnungsstelle.
§ 4. In Ergänzung meiner Preisanordnung vorn 12. August 1933 wird die Spanne des Handels bei Verkauf frei Haus auf 0,05 Mark je Liter, bei Verkauf ab Laden auf 0,03 Mark je Liter festgelegt.
§ 5. Wer den Vorschriften dieser Anordnung zuwiderhandelt, wird mit einer Ordnungsstrafe bis zu 300 Mark im Einzelfalle belegt. Die Strafen werden nach Maßgabe der Landesgesetze im Verwaltungs- zwangsverfahren beig<trieben.
§ 6. Diese Anordnung tritt am 21. August 1933 in Kraft,
Zu der vorstehenden Anordnung ist erläuternd zu bemerken, daß
nach gesehllcher Vorschrift der Milchpreis für Orte über 10 000 Einwohner auf 26 Pf. frei Haus und 24 Pf. ab Laden pro Liter festgesetzt werden muß. Der Preis für Markenmilch beträgt ab 21. August 30 Pf. frei Haus, für pasteurisierte Milch in der Flasche 28 Pf. frei Haus.
Von diesen Preisen fließen 3 Pf. in eine Ausgleichskasse, aus der den buttererzeugenden Landwirten ein höherer Stallpreis für ihre Milch gewährt wird, so daß wir in absehbarer Zeit die Fettversorgung der Bevölkerung ohne ausländische Einfuhr und Preiserhöhung sicherstellen können. Den
Nutzen davon haben die besonders hilfsbedürftigen kleinen Landwirte, deren Zahl ja in Oberhessen in der gesamten Landwirtschaft weitaus überwiegt. Angesichts dieser Sachlage dürften sich die städtischen Verbraucher mit der von dem Reichsbevolsmächtigten für Milchwirtschaft getroffenen Regelung wohl gerne abfinden, um so mehr als ein Kontrollsystem eingeführt wird,' daß
die Versorgung der Stabt Gießen mit höchstwertiger Milch sicherstellt.
Das ist besonders zu begrüßen für die ärmere Bevölkerung, die auf den Bezug dieser Milch angewiesen ist.
Die Neuordnung in der Milchoersorgung t)at aud, dazu geführt, daß die Milcherzeugung aus einem Umkreis von etwa 12 Kilometer um Gießen herum von der Verteilungs- und Verrechnungsstelle erfaßt wird. Die Milch wird auftragsgemäß in der Molkerei Grieb gereinigt, tiefgekühlt und dem Verbraucher roh und pasteurisiert, ganz nach seinem Wunsche, durch den Handel zugeführt. Dabei handelt die Molkerei Grieb nicht mehr als selbständiger Unternehmer, sondern nach den Weisungen der vorgesetzten Verrechnungsstelle.
Der gesamte handel ist verpflichtet, nur noch die Milch der Verrechnungsstelle zu verkaufen. Die Gutsbetriebe dürfen nur noch Markenrohmilch in der Flasche abgeben, soweit sie Kannenmilch verkaufen, müssen sie diese, genau wie der handel, an der Verrechnungsstelle einkaufen.
Der Milchhandel ist verpflichtet, beim Empfang der Milch sofort zu bezahlen. Angesichts dieser Sachlage muß erwartet werden, daß die Konsumenten bei" der Verabreichung der Milch ebenfalls gleich bezahlen. Die tägliche Bezahlung liegt auch im Interesse der Konsumenten selbst, da kleine Beträge natürlich leichter zu begleichen sind, als aufgelaufene Verpflichtungen.
Die vom Wohlfahrtsamt ausgegebenen Wohlfahrtsscheine zum Bezüge von Milch werden von der Verrechnungsstelle als Zahlungsmittel angenommen.
Die im täglichen verkauf nicht abgesehte Milch wird im Auftrag der Verrechnungsstelle zu Molkereiprodukten verarbeitet. Der Erlös für diese Produkte verbleibt ebenfalls den Landwirten in der nächsten Umgebung von Gießen, mithin wird auch hierdurch unmittelbar die Kaufkraft der Landwirtschaft in der engsten Heimat gestärkt.
Die Bevölkerung möge künftig bei ihrem Einkauf von Molkereiprodutten diesen Gesichtspunkt beachten.
Wirtschaft.
Oie 1. Braune Großmesse im Rahmen der Leipzi er Herbstmesse 1933
Die 1. Braune Großrnesse, die im Rahmen der Leipziger Herbstmesse vom 27. bis 31. August auf dem Ausstellungsgelände am Fuße des Völkerschlachtdenkmals statlfindet, wird vom Reichsausschuß für Ausstellungs- und Messewesen zusammen mit dem Kampfbund für den gewerb- licyen Mittelstand, den Reichsständen des deutschen Handwerks und des deutschen Handels, sowie dem Leipziger Meßamt veranstaltet. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Veranstaltung, von den führenden Kreisen der nationalsozialistischen Wirtschaft ins Leben gerufen, eine gewaltige Kundgebung dieses bedeutsamen Teiles unserer Volkswirtschaft werden wird. Die' 1. Braune Großmesse baut dabei gerade auf der alten Tradition der Leipziger Messe auf, die immer wieder das Sprungbrett für kleinere und mittlere Unternehmungen gewesen ist, die von sich aus kaum in der Lage wären, auf anderer Grundlage so an die breiten Verbraucherkreise heranzukommen, wie es ihnen die Leipziger Messe ermöglicht.
Die zentrale Lage der Stadt Leipzig, die besonders niedrige Festsetzung der Mieten für Messe
stände auf der 1. Braunen Großmesse, und die sehr weitgehenden Vergünstigungen der Reichsbahn für die Beförderung der Ausstellungsgüter und der Messebesucher ermöglichen auch den gering- bemittelten Kreisen die Teilnahme. Die Braune Großmesse trägt ausgesprochen deutschen Charakter. Es werden nur deutsche Firmen zugelassen, bei denön über 50 v. H. des Kapitals in deutschen Händen sind und für die sich die örtlichen Kampfbundorganisationen verbürgen. Ferner können nur solche Erzeugnisse auf die Messe gebracht werden, die mindestens zu 80 v. H. aus deutschen Rohstoffen hergestellt sind; eine Ausnahme wird nur dann zugelassen, wenn es sich um Rohstoffe handelt, die in Deutschland nicht vorhanden sind. Die Braune Großmesse wird folgende Gruppen umfassen: 1. Hausrat, 2. Geschenkartikel, 3. Geschäftsbedarf, 4. Bekleidung, 5. Nahrungs- und Genuß- mittel, 6. Industriebedarf, 7. Fahrzeuge, 8. Landmaschinen.
Für die Braune Großmesse werden die Hallen 6 und 8 des Ausstellungsgeländes zur Verfügung gestellt, die zusammen rd. 6500 Quadratmeter vermietbare Ausstellungsfläche haben. Eine besondere Handwerksausstellung ist in Halle 20 vorgesehen, während Halle 18 eine Ausstellung des


