Ausgabe 
19.6.1933 Erstes Blatt
 
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Lin vaterländifcherRoman vonHansVietzke

Urheber-Rechtsschutz

durch Verlag Oskar Meister, Werdau.

26 Sortierung ^iachdruck verboteni

Jubelnd steigt der Gesang zu der Dachkammer, die der Freiherr vom Stein zum Quartier hat. Ein großer Backensessel, in dem der Kranke in Decken gehüllt am schmalen Fenster sitzt, ist der einzige Luxusgegenstand des ärmlichen Raumes. General Scharnhorst und Blücher, die zu Besuch bei chrem alten Freunde sind, haben sich's auf einem wackligen Stuhl und einer alten Truhe bequem gemacht. In Andacht versunken, lauschen sie dem Gesang der frischen Kehlen.

Schön haben die Jungens gesungen! Direkt 'ne Wohltat nach aller Duckmäuserei! Als sie mich da unten gefragt haben, ob sie singen dürften, hab' ich ihnen gesagt: Man immer feste druff los jesungen das bringt Feuer unter die Leute! Jetzt muß jeder singen, wie's ihm ums Herze ist der eine mit dem Schnabel, der andere mit dem Sabel!" Der olle Blücher feixt sich eins und schlägt sich lachend auf die Schenkel, daß es kracht.

Stein nimmt einen Schluck von der Medizin, die neben seinem Sessel auf einem niederen Tischchen steht. Er zieht dabei den Mund schief, das Kräuter­wasser ist gallebitter. Dann versucht er zu lächeln: Wir wollen ja wohl alles ertragen wenn's nur losgeht! Rur endlich marschieren ehe es wieder zu spät ist."

Scharnhorst sagt in seiner ruhigen Art, die ihn fast zu einem stillen Gelehrten stempelt und in keinem Einklang mit seiner Uniform steht:Heute nachmit­tag bin ich bei Seiner Majestät dann muß sich's entscheiden. Hardenberg ist ja nun auch so weit ..."

Blücher unterbricht ihn fluchend:Bombenelement! Bleibt mir mit dem Diplomatenpack vom Halse der Hardenberg ist auch mein ganz besonderer Freund, dem möcht' ich mal so richtig eins auf­brennen!"

Scharnhorst nimmt gerecht Partei:Hardenberg ist noch nicht der Schlechteste jedenfalls hat er in den letzten Wochen manches Frühere gutgemacht." Der General wird bewegter, seine Worte kommen freudiger und beschwingter:Was will denn hier noch der einzelne! Jetzt spricht das Volk, und man wird seine Stimme nun endlich hören müssen! Sie hätten heute sehen sollen, meine Herren, als Pro­fessor Berger zu der Menge über den bevorstehenden Krieg sprach wie begeistert die Leute waren! Das war echtes Feuer aus innerster Ueberzeugung heraus!"

Wenn das man bloß keine diplomatischen Schritte gibt", grunzt der alte Blücher in seinen Schnauz­bart.

Sorgen Sie, Scharnhorst", sagt Stein eindring­lich, daß der König nun endlich marschieren läßt! Ich habe bei ihm verspielt weil ich vorgestern das Bündnis von Kalisch zu so schneller Entscheidung brachte. Majestät haben bis jetzt nicht geruht, sich

Gegen den Willen des Volkes sind auch wir macht­los."

Der Profesior ist überrascht, so hohen Besuch hier zu finden. Voll Freude tritt Scharnhorst auf ihn zu. Berger ich wünsche Ihnen Glück! Sie wissen nicht, was Sie getan haben!" In tiefer Bewegung umarmt er den Professor.Die Menge war aufs tiefste erschüttert, Sie haben gesprochen wie keiner zuvor!"

Professor Berger dankt wortlos mit bewegtem Blick dem General. Scharnhorst stellt ihn den Freun­den vor. Blücher schüttelt ihm kräftig die Hand.So is richtig! Wer redet, wie's ihm ums Herze is den werden die Leute auch verstehen!"

Mühsam reicht auch Stein dem Gast die Hand. Ich freue mich, lieber Professor, einen Mann von Ihren Verdiensten endlich persönlich kennenzulernen. Mein braver Döllnitz hat mir Sie in manchem Bericht lobend erwähnt!"

Professor Berger wird sehr ernst.Herr Baron eine schmerzliche Nachricht führt mich hierher. Vor einer Stunde brachte mir ein Mitglied des Bundes aus dem Dorf Löbau, das noch im Besatzungsbereich der Festung Glogau liegt, die erschütternde Nachricht, daß der Kurier Hauptmann Döllnitz in den Händen der Franzosen ist und morgen erschossen werden soll. Der Ueberbringer der Nachricht, Amtmann Günther, hat bereits mit Freunden versucht das Leben des verdienten Offiziers zu retten. Der Anschlag ging fehl..."

Wir müssen Döllnitz helfen, um jeden Preis!" Stein ist aufs äußerste erregt.Man muß alles ver­suchen, das Leben dieses Braven zu retten!"

Kurz darauf hat General Scharnhorst Audienz beim König. Wie immer in den letzten Tagen, steht der Mobilmachungsbefehl zur Diskussion. Wie immer aber zögert der König. Heute ist Scharnhorst ent­schlossen, seinen Willen durchzusetzen.

Ruhigund sicher wie stets hält der General Vor­trag:Majestät ich verbürge mich dafür: Wir bringen die hunderttausend Mann Landwehr auf. Sie werden sich den Linientruppen anschliehen, die wir auf hundertzwanzigtausend Mann bringen kön­nen. Außerdem, Majestät, haben wir die Frei­willigen!"

Der König, ohne Begeisterungsfähigkeit, ohne be­lebenden Schwung, versucht sich der sachlichen Gründ­lichkeit, der stillen, zwingenden Energie des Generals zu entziehen. Er glaubt das Argument zu haben. Freiwillige? . . . Ganz gute Idee! Aber wieviel schließlich kommen? Abwarten, Scharnhorst! zu hoch alles! Zahlen Zahlen..."

Scharnhorst steht unbeweglich. Aber in ihm kocht es. Betteln muß er, damit endlich die Kräfte mobil gemacht werden, die er trotz allem Widerstreben in harten Jahren für Preußens Wiederaufstieg ge­schaffen hat. Seine Stimme flackert vor Erregung: Wir bringen zweihunderttausend Mann auf, Maje­stät! Und der Geist, der diese Truppe beseelt, wird ihr doppelte Stärke verleihen . . ."

Ein Ruck geht durch seine Gestalt, sein Körper strafft sich, seine Stimme wird fast zum Befehl: Unterzeichnen Majestät und wir können mar­schieren!"

Der König senkt den Blick. Er sitzt, schmal und bloß, in seinem Sessel. Der da vor ihm spricht scharf, weil er überzeugt ist, er spricht gut, weil er glaubt an das, was er zu sagen wagt aber weiß er, ob es die lautere Wahrheit ist, die er vor Gott verant­worten kann? Weiß er das?! Und wenn ers be­schwört?! Was nützt es? Beweise Beweise braucht es . . .

In die unheimliche Stille dieser Minuten brandet plötzlich donnerndes Rufen durch die hohen Fenster in den Raum. Der König horcht auf:Was soll das bedeuten? Nachsehen, Scharnhorst!"

Der General tritt zur Balkontür, öffnet. Musik, brausende Hochs, steigen machtvoll herauf.

Da erhebt sich der König. Etwas Seltsames geht in ihm vor: Eine Röte überfliegt sein Gesicht, seine Augen bekommen einen merkwürdigen, nie gekann­ten Glakz.

General Scharnhorst tritt vor ihn hin, seine Stimme klingt hart, wie Metall:Die Freiwilligen Majestät'/'

Der König tritt auf den Balkon. Tausendköpfig steht unten die Menge. Mann an Mann. In Uni­form und Zivil. Junge und Alte. Reich und arm. Sie sind ein Wesen jetzt, ein Wille, ein Hoffen.

Dröhnend hallt die Marschmusik herauf, von neuem grüßen den Herrscher die brausenden Hoch­ruf«.

Da geht ein Schlittern durch den Körper des Königs, Tränen stehen ihm in den Augen, diese Stunde wandelt ihn für immer . . .

l Fortsetzung folc' '

Der alte Blücher hat recht behalten: Der diplo­matische Schritt ist bereits da!

Aufgeregt betritt der französische Gesandte, Graf St. Marfan, das Arbeitszimmer des Staatskanzlers Hardenberg im Breslauer Schloß. Der Höflichkeit wird wenig Zeit gegeben. Scharf beginnt der Ge­sandte die Unterredung:Herr von Hardenberg sagen Sie mir, was diese Szene von heute vormittag bedeuten soll! Frankreich glaubt noch immer mit Preußen in Frieden zu leben: ja, wir betrachten es als unseren Bundesgenossen, und da wagt ein Uni- versitätsvrosessor in aller Oesfentlichkeit, unter den Augen Ihres Königs, uns quasi den Krieg zu er­klären?!"

Hardenbergs Antwort ist das Kabinettstück eines Diplomaten.Die Gesinnung des Volkes, der Jugend, kann Ihnen kein Geheimnis sein. Die Rede konnten wir nicht verhindern. Daß sie gehalten wurde er­fuhren wir erst, als sie geendigt war. Der König des­avouiert sie. Fordern Sie Genugtuung, die soll Ihnen werden."

St. Marsan ist nur halb beruhigt. Noch immer ist eine unverkennbare Heftigkeit in seinen Worten: Ich werde sofort die nötigen Schritte einleiten und hoffe annehmen zu dürfen, daß Sie, Herr Minister, es an nichts fehlen lassen werden, dem Schuldigen die gerechte Strafe zuteil werden zu lassen."

Hardenberg setzt eine undurchdringliche Miene auf. Herr Graf, ich will Ihnen nicht verheimlichen, daß ein jeder Schritt gegen den üoereilten Redner ihn in einen Märtyrer verwandeln und eine Bewegung erregen wird, die uns in große Verlegenheit setzen würde und die wir schwerlich zu hemmen vermögen.

nach meinem Befinden zu erkundigen. Ich bin eben wieder einmal in Ungnade gefallen ..."

Ein bitteres Lächeln spielt um Scharnhorsts Mund:Unser aller Los, Baron! Rechnen wir^nicht aus Dank von oben. Arbeiten wir um der öadje willen! Ich habe mein Entlassungsgesuch auch wieder zurückgezogen man muß die Person unter ote Sache stellen." ,

, Seien wir froh", sagt Stein nachdenklich,daß der Yorck damals den Mut zu selbständigem Handeln aufgebracht hat nur so war überhaupt em An­sang zu machen."

Majestät war reichlich ungehalten damals", be­merkt Scharnhorst.

Blücher fährt dazwischen:Das is dem Yorck egal is 'n giftiger Kerl, tut nifcht als räsonieren, aber wenn's losgeht, beißt er an wie keiner! Was er dem Major Krauseneck geantwortet hat, als er den König um Verhaltungsmaßregeln für feine Festung Grau- denz bat, is das einzig Richtige: ,Wir leben in einem Zeitpunkt des Handelns, nicht des Fragens! Wer viel frägt, bekommt viel Antwort tue recht und scheue niemand!' hat er gesagt! Bravo!"

Von unten aus der Wachtstube tönt der letzte Vers des Jägerliedes. Noch einmal hören die großen Männer versonnen auf den erhebenden Gefang, der Hoffnung und Zuversicht in ihnen stärkt, denn hier spricht Volksstimme:

Die wilde Jagd und die deutsche Jagd Auf Henkersblut und Tyrannen!

Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt. Das Land ist ja frei und der Morgen tagt, Wenn wir's auch nur sterbend gewannen!

Und von Enkeln zu Enkeln fei's nachgefagt: Das war Lützows wilde, verwegene Jagd!"

Der alte Blücher nimmt bedächtig feine Pfeife aus dem Mund, die er zu feinem Leidwesen wegen des Kranken die ganze Zeit kalt rauchen mußte und sagt mit komischem Nachdruck zu Scharnhorst hinüber: Ich möchte, wie Cromwell seinen roten Brüdern, einem jeden Kavalleristen eine Bibel an den Sattel­knopf hängen und bei der Schlacht ihm zurufen: Gott hat den Verruchten in eure Hände gegeben!"

Etwas Entspanntes und fast Verklärtes ist in Steins Zügen, als er ernst zu den Freunden spricht. Es ist doch eine große, herzerhebende Zeit! Es wird mir schwer, mich der Tränen zu erwehren welches Glück, solange gelebt zu haben, bis diese weltge­schichtliche Zeit gekommen ist. Nun mag man gern sterben, wir hinterlassen unseren Nachkommen die Unabhängigkeit." Ein befreites Lächeln spielt um sei­nen Mund.Als der Jahn gestern bei mir war, mußte ich an sein Wort denken, das er Anno sieben, in der schlimmsten Zeit, ausgesprochen hat:Es wird ein anderes Zeitalter für Deutschland kommen, und eine echte Deutschheit wird wieder aufleben. Da wer­den wir schöne Träume verwirklicht finden und uns nicht mehr darüber verwundern, weil wir endlich aus jahrelangem Todesschlummer erwachten. Der Turnvater hat recht behalten fein Glaube hat gesiegt!"

Die letzten Worte des Kranken lassen die alten Generale in Ehrfurcht schweigen.

Da klopft es an die Tür und ein Bedienter meldet Besuch für den Herrn Baron: Professor Berger.

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Die trauernden Hinterbliebenen:

W. Schwalb und Ehefrau Marie, geb. Gans Reinhold Schwalb, Sohn

Familie Biedenkapp.

Grofien-Buseck, Saasen-Veitsberg, den 17. Juni 1933.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 20. Juni, nachm. 2 Uhr statt.

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Der Rechtsanwalt Zimmermann in Gießen wird zum Konkursverwalter er­nannt.

Konkursforderungen sind bis zum 5. 3uli 1933 bei dem Gericht anzumelden.

Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigeraus­schusses und eintretendenfalls über die in 8 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände auf Donnerstag, den 13. 3uli 1933, vormittags 10 Uhr, und zur Prü­fung der angemeldeten Forderungen auf

Donnerstag, den 13. 3uli 1933 vormittags 10 Uhr

vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt.

Allen Personen, welche eine zur Kon­kursmasse gehörige Sache in Besitz haben aber zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Ge­meinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, aud) die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in An­spruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 10. 3uli 1933 Anzeige zu machen.

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