Ausgabe 
19.6.1933 Erstes Blatt
 
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würdige Q3i|ionen. Biedere Bürger kehrten xu später Stunde von ihrem Spaziergang nach Hause, zwei Handwcrksburschen. die die gestohlene Gans geschickt vor dem Hüter der Stadt zu verbergen wußten, schlichen sich ein und kurz bevor sich das Stadttor knarrend schloß, marschierte noch eine frisch-sröhliche Gruppe von Wandervögeln mit lautem Gesang ein. Schließlich fielen noch Lands­knechte in die Stadt und füllten den Torplay mit Gesang und Spiel. Eine rasch improvisierte Szene aus .Götz von Derlichingen" löste herzliche- Lachen aus. Aber noch war das Bilderbuch der deut­schen Kleinstadt nicht zu Ende. Die Zünfte mar­schierten aus und Lehrbuben tanzten mit den Mäg­den einen schönen Reigen, der mit viel Hallo be­gleitet wurde. Die Stimmung stieg, als auf der Bühne noch ein einfaches »Rüpelspiel" aufge- führt wurde, in dem eine Gans von einem Hunde totgebisfen worden war und ein guter dummer Dauer vergeblich den Advokaten der Stadt her­einzulegen versuchte. Man war inzwischen aus dem Mittelalter in die galante Zeit des Rokoko geraten, und ein reizend von zwei Kindern getanz­tes Menuett ries stürmischen Beifall hervor. Sehr freundlich wurde auch, die kleine kokette Soldaten- Parade ausgenommen/ Den Schluß bildete ein sym­bolisches Bild deutscher Einigkeit, während un­ter den letzten Takten des Deutschlandliedes der Dorhang fiel.

Herr Karl Löffler hatte für die Dekoration und Herr Huber (beibe vom Stadtthrater) für die Kostümierung gesorgt. Die Musik bestritt die Kapelle Rusch und als Mitwirkcnde machten sich die Wchrverbände, die Gießener Pfadfinder, Gießener Handwerker-Innungen, die Studenten­schaft und die Tanzschule Däulke, die für die tän­zerischen Darbietungen verantwortlich ze chnete, verdient. Fräulein Toni Otto traf als Schutz­patronin der Kleinstadt den rechten Ton. 3m weiteren Verlaufe des Abends wurde auf der Bühne noch eine schöne Deutschländer-Quadrille gezeigt, die von Herrn Däulke einstudiert wor­den war. Rachdem sich der Dorhang über der Geschichte der Kleinstadt geschlossen hatte, wandte man sich wieder dem Tanze zu, dem im Laufe des Abends noch ausgiebig gehuldigt wurde. Zum Schluß darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich auch in diesem 3ahre wieder zahlreiche Damen in den Dienst der guten Sache gestellt hatten und durch Berkaus von Eßwaren und Geträ«len, den finanziellen Erfolg der Beranstaltung zu sichern bemüht waren. Der Reinertrag des Festes kommt der Gießener Studentenhilfe zugute. Die Ber­anstaltung nahm einen sehr harmonischen Derlauf und reihte sich würdig den vorhcrgegangenen Sommerfcsten der Gießener Studentenschaft an.

Hauptver imlung

der Sp-el-Vcreiniqung 1900 e. V.

Die Spieleroereinigung 1900 hielt am Donnerstag, abend in ihrem mit jchwarzweißroten und Haken- krcuzfahncn ausgeschmiicklen Vereinssaal imPost- keller", die zwecks Gleichschaltung notwendige Haupt­versammlung ab, die von den Mitgliedern außer­ordentlich stark besucht war.

Nach kurzen Worten der Begrüßung sprach der seitherige Vorsitzende Hvr Assessor Dr. G u y o t. Er ging zunächst auf den Zweck und die Bedeutung der nationalsozialistischen Revolution ein und betonte u. a., daß dieser geistige Umbruch, der auf allen kulturellen Gebieten unseres Lebens starke Ver­änderungen hervorgerufen habe, auch an den Sport­vereinen nicht spurlos habe oorübergehen können. Wenn heute auch überall tm Sport gleichgeschaltet werde, dann sei das sehr erfreulich. Bedenklich stimme nur der Lärm, mit dem diese Aktion be­gleitet werde und zwar gerade bei den Verbänden und Vereinen, die früher auf diesem Gebiet merk­würdig still gewesen seien. Es könne den Sportver­einen niemand bestreiten, daß sie schon von jeher in ganz besonderem Maße sozial eingestellt waren. Ihre Mitglieder setzten sich aus allen Bcvölkerungs- schichlen und Berufen zusammen. Die Spielvereini- gung 1900 habe aber auch von jeher der nationalen Seite starke Beachtung und grundsätzliche Bedeu­tung beigemessen. Schon in ihren Satzungen sei als der Zweck des Vereins das große Ziel sestgclegt: Durch Pflege der Geselligkeit die Freundschaft und das Zusammengchörigkeitsgefßhl untereinander zu heben und durch Erziehung der Jugend zu vater­ländischer Gesinnung die Liebe und Treue zum deutschen Volke und Vaterland zu beleben und zu stärken." Diese Worte hätten nicht nur auf dem Papier gestanden, sondern seien zielbewußt in die Tal umgesetzt worden. Das beweise schon der Um­stand, daß 1900 bereits gleichgeschaltet war, als von einer Gleichschaltung noch keine Rede war. Nicht nur der engere Vorstand, sondern auch die gesamten Ausschüsse hätten bereits vor der Revolution den Richtlinien entsprochen, die der Hührer jetzt hcraus- gcgeben habe. Alle Mitglieder müßten sich aber dar­über im Klaren sein, daß nicht der äußere Akt der Gleichschaltung das Wesentliche sei, sondern entschei­dend einzig und allein die innere Einstellung zum neuen Staat und seinen großen Aufgaben bleibe. Wer heute noch glaube, auf dem Sportplatz durch irgendwelche Mätzchen politische Gesinnung vorfüh- ren zu müssen, der habe den Sinn dieser Zeit nicht verstanden. Die Spielvereinigung 1900 sei stolz dar­aus, eine ganze Reihe von Mitgliedern in ihren Reihen zu haben, die an führender Stelle mitgear­beitet hätten, den politischen Umschwung herbcizu» führen. Es habe auch kein anderer Verein nur einen annähernden Prozentsatz an SA.- und SS.-Leuten gestellt, wie 1900. Aber auch die heutige politische Entwicklung innerhalb unseres Sportverbandes ver­diene besondere Beachtung Wenn heute die ehema­ligen Mitglieder der marxistisch eingestelltenFreien Tunerschafl" in stattlicher Anzahl in gewisse bürgen liche Sportvereine strömten, dann sei diese Tatsache an sich erfreulich. Es müsse aber unter allen Um­ständen darauf geachtet werden, daß diese Elemente nicht schon jetzt das Uederaewicht in den einzelnen Mannschaften erlangten. Keinesfalls sei es aber angängig, daß Mannschaften geschlossen im roten Dreß derFreien Turnerschaft" antreten. Die Spiel­vereinigung 1900 habe in einer der ersten Dorstands­sitzungen nach dem Umschwung beschlossen, bis zur endgültigen Klärung dieser Frage durch den Der- bandsführer keine freien Turner mehr aufzunehmen. Im Namen des Gesamtvorstandes stellte der Vor­sitzende am Schluß seiner Ansprache, die oft von starkem Beifall unterbrochen wurde, sämtliche Aem- ter der Hauptversammlung zur Verfügung.

Zum Alterspräsident wurde Herr Kraushaar bestimmt, der dem Vorstand für seine zielbewußte Arbeit dankte und erklärte, daß für den Posten des Dereinsführers für alle 1900er nur der seitherige Vorsitzende, Dr. G u y o t in Frage käme, der bann auch einstimmig gewählt und mit langanhaltendem Beifall und nicht endenwollenden Heilrufen begrüßt wurde. Als Kassenprüfer wurden die Herren Büro­vorsteher Peter und Louis AIth off bestimmt. Die erforderliche Satzungsänderung, die auch nach juristischen Gesichtspunkten vorgenommen werden

soll, wird von einem gebildeten Ausschuß erledigt werden.

Unter PunktVerschiedenes" wurden einige in­terne Dereinsangelegcnheiten besprochen. Der Der- einsführer dankte noch sämtlichen Mannschaften für ihre stets faire und anständige Spielweise in der letzten Verbandsspielserie. Nicht ein einziger Gegen­spieler von 1900 sei erheblich verletzt worden. Das Fußballspiel sei nicht nur ein Kampfsport, sondern auch ein Spiel. Oberster Grundsatz aller Mannschaf­ten des Vereins müsse auch weiterhin bleiben, nicht den Körper und die Gesundheit ihres Gegners zu gefährden. Gerade die Spielvereinigung 1900 habe in dieser Hinsicht im Laufe der letzten Jahre be- dauerliche Erfahrungen machen müssen.

Mit einem begeistert aufgenommenenSieg-Heil!" auf den Dolkskanzler und dem Gesang des Horst- Wesicl-Liedes fand die in jeder Hinsicht einmütig verlaufene Versammlung ihr Ende. Die Mitglieder blieben noch lange in reger Unterhaltung bei frohen Liedern zusammen.

Daten für Montag, 19. Fnni.

1650: der Kupferstecher Matll Merian d. A. in Schwalbach gestorben (geboren 1593); 1876: Kaiser Maximilian von Mexiko erschossen

^ornotiycn.

Tageskalender für Montag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Was Frauen träumen".

** Von der Landesuniversität. Die venia legendi wurde erteilt: in der Medizinischen Fakultät dem Assistenzarzt an der Unioersitäts-Ner- venklinik Dr. Joseph Jacobi für das Gebiet der Neurologie und Psychiatrie, dem Vorstand des Pharmakologischen Laboratoriums der Chemischen Fabrik E. Merck in Darmstadt, Dr. Hans Kreit- m a i r, für das Gebiet der Pharmakologie und Toxikologie; in der Philosophischen Fakultät, II. 'Ab­teilung der Dr. rer. pol Ludwig Kruse für das Fach der Betriebswirtschaftslehre.

** Der »Rationalsozialistische Er­ziehe r." Als Bundesblatt deS Rational- sozialistischen Lehrerbundes. Gau Hessen, erscheint ab 1. 3uli der .Rationalsozialistische Erzieher". Allen Mitgliedern des RS-Lehrerbundes wild der Bezug dieses Blattes zur Pflicht gemacht, auch Richtmitglieder können den »RS-Erzieher" bestellen. Für das kommende Dierteljahr müssen die Bestellungen bis zum 25. 3uni bei der zu­ständigen Postanstalt erfolgt sein, damit der ord­nungsgemäße Bezug vom 1. 3uli ab gesichert ist.

Fest der Zugend auf dem Schisfenberg.

Am Sonntagnachmittag fand auf dem Schiffen- berg der diesjährige HeimattagderHeimat- Vereinigung Schiffenberg statt. Trotz der unbeständigen Witterung war die Veranstaltung außerordentlich gut besucht; man schätzt die Be­sucherzahl auf 3 bis 4000. Diesmal war dos Fest der Jugend gewidmet, die denn auch, besonders aus den umliegenden Ortschaften Garbenteich, Hausen, Klein-Linden, Leihgestern, Steinbach und Watzen- born-Stcinberg, stark vertreten war. Don Gießen waren Hitlerjugend und Jungvolk aktiv beteiligt, außerdem noch von Klein-Linden die Evangelische Iugendvereinigung, sowie der dortige Frauenchor und der Frauenchor Hausen. Die Beranstaltung wurde eingeleitet durch einen

Festzug der Jugend,

der sich von der Apfelallee nach dem Schiffenberg bewegte. Der Aufmarsch der von ihren Lehrern ge­führten Schulklassen, sowie der übrigen Jugend, bot mit den zahlreichen Fahnen ein farbenprächtiges Bild. Nach der Ankunft auf dem mit Fahnen und Tannengrün reichlich geschmückten Festplatz sang zu­nächst ein aus den oberen Schulklassen der eingangs erwähnten Gemeinden zusammengestellter Chor unter Leitung von Lehrer M a r ft e 11 e r Watzen­born-Steinberg das Lied:Deutsche Worte hör ich wieder." Die Leistungen des Chors, auch bei dem späteren GesangsvortragIm schönsten Wiesen­grunde" verdienten volle Anerkennung. Der von Hei­matdichter Heß- Leihgestern gebotene Willkommen- grüß brachte Öen Heimatgedanken in bester Weise zum Ausdruck. Die

Festansprache

hielt der Vorsitzende der Heimatvereinigung Schif- fenberg, Stadtratsmitglied Oberforstmeister R i colaus, der nach herzlicher Begrüßung und einem kurzen geschichtlichen Rückblick u. a. fol­gendes ausführte: Gewiß gibt es lieblichere, an­mutigere und wuchtigere Gegenden im deutschen Vaterlande. Aber der Schiffenberg mit der alters­grauen Kirche von Wäldern umgeben, ist einer der eindrucksvollsten Punkte der Gegend um Gie­ßen. Weit hinaus bl-ickt man in die Lande bis zu den Höhen des Taunus, des Westerwaldes, Vogelsbergs und der Rhön. Dom römischen Grenzwall her winken die truhigen Türme der Feste Münzenberg und von jenseits der Lahn der wuchtige Bergfried des Gleibergs. Schön ist unser Schiffenberg zu jeder Zeit, sei es, wenn der Frühling den Berg schmückt, und der Rotdorn blüht, sei es im Sommer, wenn der Wald grün steht, oder im Herbst, wenn der Rebel braut. 3n sinniger Weile kommt dies zum Ausdruck, in dem Lied: »Der Rotdorn blüht auf dem Schiffenberg" (Text von Frau Pfarrer Steiner, Musik von Herrn Pfarrer Steiner, Hausen), das, der Heimatvereinigung Schissenberg gewidmet, durch den Vortrag der Frauenchöre Hausen und Klein- Linden seine Weihe erhalten wird."

Nach dem eindrucksvollen Vortrag des Liedes unter Leitung von Lehrer Rau, Klein-Linden, sprach der Redner bann noch unter Hinweis auf bie Aufgaben ber Heimatvereinigung, baß es notroenbig fei, auch

die lugend im Geiste ber heimatliebe zu erziehen

unb sie bavon zu überzeugen, baß uns Blut, Glau­ben und Boden zu einer unlöslichen Glaubens- gemeinschaft verbinde. Zum Schluß gab der Redner noch seiner Freude über die nationale Erhebung unseres deutschen Volkes Ausdruck. Es folgte bann

ber gemeinsame Gesang bes Deutschlanb- unb bes Horst-Wessel-Liebes. Sobann nahmen bie Darbie­tungen ber Jugenb ihren Fortgang.

Zunächst erfreute bie Unterklasse von Garbenteich unter Leitung von Lehrer Mörschel durch bas SpielIch bin ein kleiner Jägersmann", während bie Mittelklasse (Lehrer Stumpf) mit einem exakten Aufmarsch aufwartete. Die Ortsgruppe Gar- benteich ber Heimatvereinigung zeigte unter Leitung von Franz (Tönen zwei schöne Reigen:Wander- reigen" unbDort wo ber alte Rhein". Auch bas 7. unb 8. Schuljahr von Watzenbom-Steinberg er­freute unter Leitung von Lehrer M a r ft e 11 e r burch Hwei ansprechenbe Reigen:Es fiel ein Reif in ber ^rühlingsnacht" unbFreut euch des Lebens". Die Hitlerjugend, unter Leitung von Lehrer Mohr, trug durch ihr sehr beifällig aufgenommenes Boden­turnen wesentlich zur Bereicherung des Programms bei. Sehr gut gefiel auch ein weiterer Reigen, vor­geführt von Schulkindern aus Steinbach (Leitung Lehrer Kraus, Kostüme Frau Lehrer G 1 ücker).

Line besondere Ueberraschung wurde den Fest­teilnehmern dadurch bereitet, daß der Herr Ministerpräsident Professor Dr. Werner plötzlich im Auto erschien, um am Fest teilzu­nehmen,

das er erst nach Beendigung des offiziellen Pro­gramms verließ. Oberforstmeister R i c o l a u i begrüßte den hohen Gast und dankte ihm für das weitgehende 3nteresse, das er den Be­strebungen der Heimatvereinigung Schiffenberg entgegenbringe. Als echter Sohn der hessischen, insbesondere der oberhessischen Heimat, aber auch als alter Gießener habe er sicher auch den Echiffenberg in sein Herz geschlossen. Als wahrer Heimatfreund und mutiger Vorkämpfer für das deutsche Volkstum sei er allen ein leuchtende- Vorbild. 3n Würdigung dieser Tatsachen habe daher der Dorstand der Heimatvereinigung Schiffenberg beschlossen, den Herrn Minister­präsidenten zum Ehrenmitglied zu er­nennen. Ministerpräsident Dr. Werner dankte für diese Ehrung, die er als eine der wertvollsten von den bis jetzt erhaltenen be­zeichnete. Es käme nicht auf den Glanz der Ehrung an, sondern auf die Seele, die gegeben werde. Die innere Verbundenheit mit dem schönen Ober Hessen und seiner Bevölkerung trage dazu bei, daß er dankbar sei für jeden Tag, den er dort verleben könne. Aus diesen Erlebnissen nehme er die Kraft zu neuem Schaffen und Wirken. Sein »Sieg-Heil" galt der engeren und weiteren Heimat, dem deutschen Vaterland und seinen Führern.

Die Vereinigten Frauenchöre Hausen und Klein-Linden (Leitung Lehrer Rau) wiederholten das Schifsenberglied vor dem Herrn Minister­präsidenten, erfreuten außerdem noch durch einen zweiten Chor: »Bleib deutsch du herrlich Land am Rhein". Außerdem führte die Evangelische (Zugendvereinigung Klein-Linden, neben den im Programm vorgesehenenDeutschen Tanzen" mehrere Zugaben vor.

Das Hitler-3ungvolk führte einen gut ge­lungenen Aufmarsch durch, während die Hitler- 3ugent> nach einem Gepäckmarsch in zwei Gruppen auf dem Schiffenberg eintraf. Die Sieger (1. Gruppe: Rullmann, Fischer, Wacker; 2. Gruppe: Felsing, Schubert, Hofmann) wurden vom Herrn Ministerpräsi­denten beglückwünscht.

AeichsausstMng fiirßolonidtodren >md Feinkost.

Frankfurt a. M., 16. Juni. (WSN.) Anläß­lich des 26. Derdanbstages bes Ebeka Verban- bes Deutscher Kaufmännischer Genos­senschaften e. D. unb ber Hauptversammlung bes Reichsverdanbes Deutscher Kauf- le ute bes Kolonialwaren-, Feinkost- unb Lebensmittel-Einzelhandels e. D. finbet in ben Tagen bes 17. bis 25. Juni eine Aus­stellung in ber Messehalle statt, bie zwar nur eine Begleiterscheinung ber Versammlungen ber genann­ten Derbönbe barstellt, ber aber eine große Bebeu- tung insofern zukommt, als burch sie gezeigt werben soll, wie ber Lebensmitteleinzelhanbel bemüht ist, bie Verbraucherschaft zu versorgen mit Lebensmitteln, wie sie bie Lanbwirlschaft ober bie Lebensmittelindu­strie auf ben Markt bringt.

Die Bedeutung der Ausstellung wird auch da­durch erhellt, daß nicht weniger als 300 der bedeutendsten Firmen der Lebensmitlelbranche ausgestellt haben.

Don Interesse ist auch, daß Ungarn und Lett­land ber Ausstellung großes Interesse entgegen­bringen unb baß beibe fiänber mit beson­deren Pavillons vertreten sind. Die deutsche Landwirtschaft ist in einem eigenen großen Sam- melstanb vertreten. Naturgemäß überwiegen hier, in der südwestdeutschen Ecke des Vaterlandes, die Erzeugergebiete Süd- und Sübwestbeutschland, oer- DoUftänbigt allerdings durch diejenigen großen Er­zeugerzentren, die an dem Absatz nach ben rhein- mainischen Derbrauchermärkten bauernb interessiert sinb. Wie ein Ausschnitt aus einem ber vielen trau­lichen Winzerborfcr des Rheinlandes mutet einen bie Weinkosthalle bes Propaganbaverbanbes preußi­scher Weinbaugebiete an. Eine Art Straußwirtschaft

n großem Stil, ein staketumzäuntes Winzergehöft mit einem rebenumrankten alten Fachwerkhäuschen lädt zu geruhsamer Rast ein.

Selbst ein fachgerecht aufgebauter Weinberg, von hohen Weinbergsmauern umgeben, fehlt nicht.

Bei ben heutigen schweren Wirtschastsoerhäll- nissen bedeutet bie Veranstaltung von Ausstellun- gen resp. bie Teilnahme an ben|elben ein verhält- nismäßig größeres Opfer als früher unter günstige- ren Verhältnissen. Um fo mehr ist es anzuerkennen, baß Lettlanb und namentlich Ungarn ihrem Er­scheinen an ber beutjchlänbischen Lebensmittelaus­stellung in Frankfurt a. M. eine erhöhte Wichtigkeit beimessen. Es ist sehr zu hoffen, baß bie Erwar­tungen, bie an ben Erfolg der Ausstellung geknüpft werben, nach jeber Richtung hin in Erfüllung gehen. Die Ausstellung würbe am Samstag eröffnet und ist bis zum 25. Juni gegen ein Eintrittsgeld von 50 Pf. zu besichtigen. Sie bietet außerordentlich viel Interessantes, namentlich für den Detaillisten aus der Lebensmittelbranche, unb man erwartet auch ben Besuch von 3000 Einzelhändlern. Die Ausstel- lung soll erneut ben Beweis bringen, daß seitens ber beutschen Wirtschaft alles geschieht und ge­schehen muß, um bas Gcschastsleben roieber in Gang zu bringen, um bie Wirtschaft anzukurbeln, zum Segen bes beutschen Volkes und des deutschen Vaterlandes.

3n Anwesenheit der maßgebenden Vertreter des Edeka-Verbandes unb des Reichs verbände- für Kolonialwaren unb Feinkost (Rekofei), deS Oberbürgermeisters Dr. Krebs und Vertreter von Industrie, Wirtschaft unb Handel wurde am Samstag die Ausstellung eröffnet. K

Wirtschaft.

Frankfurt zurückhaltend.

Frankfurt a. M.. 19. 3uni. (WTB. Draht­meldung.) Wenn auch die Situation an der Lon­doner Weltwirtschaf lSlonsercnz in der Presse nicht aünftig beurteilt wird, so hielt doch die Börse besonder- im Hinblick auf die Frage der Dollar- Stabilisierung weiteve Zurückhaltung für ange­bracht. Da auch der Abschluß der Dresdner Bank nicht zum Vorteil kommentiert wurde, gab da- Kur-niveau am Aktienmarkt bi- zu 1 Pro­zent nach. Eine Ausnahme machten allerdings die meisten Slektrowerte, die bi- zu 1 Prozent ge­wänne '. H n.'egen waren Mon'.anpapiere von b?c Marktleere b. sonder- in Mitleidenschaft gczog.n, die es schon kleinem Angebot erlaubte, auf die Kurse zu drücken. So verloren Gelsenkirchen 1,25 Prozent, Harpener 1,5, Klöckner 1. Stahlverein I, Phönix und Rheinstahl je 0,75 Prozent Von Kaliaktien blieben Westeregeln knapp behauptet. Don Spezialwerten gaben 3®. 0,13 und Scheide­anstalt 0,5 Proz. nach. Am Elektromarkt konnten sich dagegen Dekula 0,88, Licht & Kraft und Ges- fürel 0,5 Proz. verbessern. Rur AEG. lagen 1,25 und Lochwerke 0,25 Proy. niedriger. Sonst waren Reichsbank, Contigummt, Contilinoleum und Zell­stoff Aschaffenburg bi- zu 0,75 Proz. erhöht, wäh­rend Deutsche Linoleum und Zement Heidelberg bi» 0,5 Proz. nachgaben. 3m Verlause belebte sich das Geschäft kaum nennenswert. Man hörte Farben mit 131,25 Proz., d h. gegen den Anfang 0,25 Prozent höher.

Arn Rentenmarkt machte sich bie feste Be­wertung deutscher Anleihen im AuSlande in ge­steigertem 3nteresse für Altbesitz und Schutzge­biete bemerkbar. Kursmähig waren Deutsche An­leihen allerdings nur knapp gehalten. Altbesitz minuS 0,13 Prozent, Reubssih minus 0,05 Proz. dagegen Reichsschuldbuchforderungen etwa 0,25 Prozent hoher. Stahlvereinbonos büßten 1,50 Prozent ein, Reichsbahnvorzugsaktien 0,39 Proz. Der Pfandbriefmarkt war im allgemeinen unver­ändert, Kommunalobligationen lagen eine Klei­nigkeit höher. Don Auslandsrenten lagen Bag­dad Serie II 0,05, unb Zolltürken 0,10 Prozent schwächer. TageSgeld ermäßigte sich aus 3,50 Proz.

frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a.M., 19.3unt Auftrieb: 1441 Rinder, darunter 365 Ochsen, 93 Dullen, 534 Kühe, 408 Färsen, ferner 589 Kälber, 57 Schafe, 4161 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 29 bis 30 Mk., Kältere) 25 bis 28, sonstige vollfleischige (jüngere) 22 bis 24; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 26 bis 30. sonstige voll­fleischige oder ausgemästete 21 bis 25; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 biS 27, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bi- 23, fleischige 16 bis 19, gering genährte 12 bis 15; Färsen (Kalbinnen, 3ungrinder): vollfleischige, auSgemästete, höchsten Schlachtwerts 29 bi- 32, vollfleischige 25 bis 28, fleischige 22 bis 24. Kälber: beste Mast- und Saug­kälber 37 bi» 40, mittlere Mast- und Saugkälber 33 bi- 36, geringe Kälber 25 bis 32. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weide- mast) 25 bis 28, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schaf 20 bis 24. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 34 bis 37, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 35 biS 37, von etwa 200 biS 240 Pfund 35 bis 38, von etwa 160 bis 200 Pfund 32 bis 36, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 32 bis 35 Mk. Marktverlauf: Rinder schleppend, Heber- stand. Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Schweine schleppend, Ueberstand.

Berichtigung.

Zu unserer in Nr. 136 besGießener Anzeigers", 2. Blatt, Seite 2, mit ,Zur Warnung" überschriebe- nen Notiz teilt uns ber fragliche Vertreter ber Magdeburger Firma durch Vermittlung seines Rechtsbeistandes folgendes mit:

Die Angaben Ihres Gewährsmannes müssen auf einem Irrtum beruhen und sinb teilweise ungenau. Bei ben Einwohnern von Ettingshausen hanbelt es sich um den Kirchendiener, der nebenher auch mit Butter, Eiern unb Seife handelt; ich bin auf ihn als möglichen Abnehmer bes von mir vertriebenen Diehernährungsmittels aufmerksam gemacht roor- den. Auch hatte ich schon von einem anderen Ein­wohner bes Orts einen Auftrag über 5 Kilogramm bes Mittels, ben ich auf den Kirchendiener übertrug. Andere Personen hatten im übrigen in Aussicht ge­stellt, das Mittel in kleineren Mengen zu beziehen, falls ein Verkauf in Ettingshausen eingerichtet würde. Meine Angaben dem Kirchendiener gegen­über, daß ich auf ihn aufmerksam gemacht worben sei, und daß ich schon an anderer Stelle eine Be­stellung empfangen habe, entsprechen also den Tat- fachen. Es ist daher unrichtig, daß der Händler durch unrichtige Angaben meinerseits zu der Ausgabe einer größeren Bestellung veranlaßt worden sei. Diese Angaben entsprechen vielmehr, wie aus Vor­stehendem heroorgeht, ben Tatsachen, unb bas Ge- schäft ist burchaus reell zustande gekommen. Die Möglichkeit bes Absatzes ber von bem Kirchenbicner übernommenen Menge bes Diehernährungsmittels ist innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit burchaus möglich. Dies ergibt sich schon baraus, baß eine Stelle in Großen-Buseck innerhalb bes letzten Vier- teljahres 6% Zentner bieses Viehernährungsmittels bezogen hat unb im übrigen zahlreiche Anerkennun­gen bie Güte unb Beliebtheit des Mittels bezeugen. Nach diesen Ausführungen bestand natürlich auch zur Erhebung einer Strafanzeige keinerlei Beran- laffung. Ich werde geaen jede Person, die mir in Zukunft trotz dieser Aufklärung den Vorwurf der UnreeIHtät macht, gerichtlich vorgehen."

Wettervoraussage.

In der Rinne tiefen Druckes, die sich in westöst­licher Richtung quer über Mitteleuropa erstreckt, bet wegen sich Störungen ostwärts und führen fort­gesetzt ozeanische Lust heran. Infolgedesfen bleibt das Wetter zunächst wechselhaft, so daß des öfteren noch Regenschauer auftreten. Beim Zustrom etwas kühlerer Luft an der Rückseite eines Wirbels über England kommt es auch vereinzelt zu Gewitter- ftörungen. Die Temperaturwerte verhallen sich fchwankenb unb werden für die Jahreszeit zu niedrig liegen.

Aussichten für Dienstag: Wechselnd be­wölkt mit Aufheiterung, gewitterartige Regen- schauer, Temperaturen schwankend und nicht ber Jahreszeit entsprechend.

Aussichten für Mittwoch: Etwas beftän« diger, Jebod) noch nicht störungsfrei.