Ausgabe 
19.1.1933 Erstes Blatt
 
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VomWehrsporl in den denffchenZunendverbänden

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71.

Eine Krlcd)übung, die |o einfach sie aussieht dach den Körper ungemein durchtrainiert Gemäß den Nichtlinien des Kuratoriums für Jugendertüchtigung werden fegt auch in den deutschen Jugend- verbänden die Geländesportübunaen gepflegt, die im Ausland bei der Ausbildung der Jugendlichen schon lange üblich sind. Unser Bild stammt von den Uebungen des Scharnhorst Jungmannenbundes in Ludwigslust (Mecklenburg- Die einheitlich gekleideten Jungen stehen im Alter von 10 bis 15 Jahren und üben mit großer Begeisterung unter dem Kommando gedienter Soldaten

Japan und China drohen in Genf.

Oer Mlkerbundsausschuß in voller Hilflosigkeit.

Japans Antwort befriedigt nicht.

Gens, 13. Ian. (LU.) Auf die Frage eines Vertreters desTeinps" hat der japanische Be- vollmächtigte M a t s u o l a erklärt: ^Meine An­weisungen beziehen sich nur auf die Anwendung des Paragraphen 3 des Artikels 15, d. h. auf die Schlichtung. Wenn die Versammlung dieses Ge­biet verlaßen sollte, was ich nicht glauben möchte, wäre ich gezwungen, neue Richtlinien von meiner Regierung zu erbitten. 2m übrigen würde ein solcher Beschluß (es handelt sich um die Anwen­dung des Paragraphen 4 des Artikels 15) eine bedauerliche UeberstüHung in der Prüfung einer für Japan lebenswich ti gen Frage be­deuten Wenn der Völkerbund diesen Weg be­schreiten würde, würde er dadurch seinen Wunsch beweisen,

Japan aus dem Völkerbund austreten zu sehen.

Matfuoka hat am Mittwoch dem General­sekretär die angekündigte Note zu den legten Kompromißoorschlägen übergeben. Die ja­panische Note, die streng geheim behandelt wird, hat in Gens keine g ü n st i g e Aufnahme ge­funden. Nach allgemeiner Beurteilung bleibt die ,a- panische Stellungnahme weit hinter den bisherigen, für China völlig untragbaren Kompromißoorschlägen zurück.

Der N e u n z e h n e r - A u s s ch u h des Bölker- bundes beschloß heute nach längerer geheimer Ver- hondlung, einen legten Versuch zur Verständi­gung mit Japan zu unternehmen.

Dem Ausschuß lag der japanische Gegenvor­schlag mit dem Schreiben vor. in dem die Re­gierung von Tokio die Einbeziehung der ame­rikanischen und sowjetrusfischen Regierung in das vermitllungsversahren des Völkerbundes strikte ablehnt, do keinerlei rechtliche Veranlas­sung vorliege, ihr dem Völkerbund nicht ange­hörende Mächte als Schiedsrichter auszuzwingen.

Der Neunzehner-Ausschuß beschloß, zunächst Mat suoka zu fragen, ob Japan den ursprünglichen Ver mittlungsvorschlag des Ausschusses von Ende De zember annehmen tonne, falls die beabsichtigte Ein­ladung der Bereinigten Staaten und Sowjetrußlands fallengelassen werde. Hymans und Drum - , mond wurden beaustragt, die Verhandlungen mit Matsuoka sosort auszunehmen.

Der japanische Gegenvorschlag wurde von der überwiegenden Alehrheit des Ausschus­ses als nicht annehmbar bezeichnet. Rach längeren Verhandlungen kam der Ausschuß zu der übereinstimmenden Aufsassung. daß ein letzter i loyaler Versuch unternommen werden müsse, und daß

ein Bruch mit der japanischen Regierung wegen der rechtlich zweifelhaften Frage der Zuziehung von Richtmitgliedsstaaten zu den Vermittlungs­verhandlungen nicht erfolgen könne.

Eine neue Sitzung des Reunzehner-Ausschusses ist vorläufig noch nicht einberufen worden.

China wird energisch.

Schanghai, 18. Jan. ($11.) Wie aus Rau­ling berichtet wird, hat der chinesische Außen­minister Loweukan in einer Presseunterredung erklärt, daß die Nanking-Regierung durch die Schwäche unö Unentschlossenheit des Reunzehner- Ausschusses des Völkerbundes tief enttäuscht wor­den sei. Wenn der Völkerbund versuchen sollte, China eine unannehmbare Lö­sung aufzudrängen, dann werde die chi­nesische Abordnung in Genf die Anweisung er­halten, eine seste und entschlossene Hal­tung einzunehmen. Dann werde die Frage der Abberusung der chinesischen Abord­nung aus Gens aktuell werden.

Pranger für wirtschaftlichen Landesverrat

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Ikiner der 3)0l^ta|ige, Oie ,eg> m Peking uu|g<|ieUt wurden, und in die jeder Kaufmann gesteckt wer­den soll der japanische Waren verkauft.

Absage an Die belgischeAussiellung

Berlin, 18 Jan (TU) Der 1 Vizepräsident des Preußischen Landtags, der deutsch­nationale Abg Dr. v Kries, hat an den stellver tretenden Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste, Professor Poelzig, solgendes Schreiben gerichtet:Der mir zugegangenen Einladung zur rösfnung der von der belgischen Negie­rung in Gemeinschast mit der Preußischen Aka­demie der Künste veranstalteten Ausstellung10 0 Jahre belgische Kun ft" vermag ich nicht zu folgen, weit die Veranstaltung dieser Aus- ftcllung wenige Wochen nach der Ausweisung des Kaplans Gilles aus Eupen meiner Ausfassung von nationaler Würde nicht entspricht.^

In die Angelegenheit ist der neuernannie kommis Sarische Leiter ber Bereinigten Preußischen Kunst- chulea Pros Poelzig verwickelt worden, da tzoelziy in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Preußischen Akademie der Künste eine E i n ladung de s belgischen Gesandten zum Besuch der Ausstellung mit unterschrieben hol Die deutschnationole Fraktion des Preußischen Landtages fordert in einem Schreiben an den Neichskommissar im Kultusministerium, Professor Kneblet, die sofortige Abberufung Pro- feffor Poelzigs.

Aus aller Well

Die erste Fahrt derDeutschland".

Das auf der Deutschen Werft in Kiel erbaute und jetzt seiner Vollendung entgegengehende erste deutsche PanzerlchissDeutschland" ist heute vormittag unter deutscher Handelsflagge zu seiner ersten Werstprobesahrt in die Kieler Bucht ausge­laufen, von der es gegen 19 Uhr zurückkehren wird.

Brand auf Schloß Reudeck.

Nicht unerheblicher Schaden ist durch einen Brand auf Schloß Neudeck in Ostpreußen, das bekanntlich dem Neichspräsidenten gehört, ent standen. Infolge des starken Frostes waren im Schloß die Wasserleitungsrohre eingefroren. Bei den Auftammgsarbeiten mit der Lötlampe muß unbe­merkt die Torfdichtung zu schwelen begonnen haben Die Glut wurde erst viele Stunden später bemerkt, als sie bereits den Dachstuhl der mit wertvollem Material gedeckt ist, ergriffen hatte Dem Eingreifen der benachbarten Feuerwehren gelang cs bald, die weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern

10 000 Ampullen Morphium In Berlin beschlagnahmt.

Beamte des Dezernats zur Bekämpfung des Rauschgifthandels in Berlin haben bei einem Spe­diteur annähernd 10 000 Ampullen Mor­phium beschlagnahmt. Der Spediteur gibt an» daß ihm vor etwa zehn Jahren von einem un°

uelannten Mann diese Kiste übergeben worden sei. Die Kiste lagerte bei dem Spediteur, ohne daß dieser - wie er angab eine Ahnung von ihrem Inhalt hatte. Erst vor zwei Jahren habe ihn ein inzwischen ebenfalls von den Beamten festgenom­mene Kaufmann darauf aufmerksam gemacht, daß Kinder auf dem Hofe mit Morphium-Ampullen spielten. Sie hätten dann die Kiste genau unter­sucht und auch das Morphium gesunden. Beide hätten bann den Plan gefaßt, sich durch den Han­del mit dem Rauschgift einen lohnenden Neben­verdienst zu verfchassen. Die polizeilichen Ermitt­lungen haben ergeben, daß das Morphium aus Heeresbeständen vom Jahre 1918 stammt.

Mit Tränengas gegen den wilden Kohlenabbau in Oberschlefien.

Alle bisherigen pclizeili e.i Maßnahmen gegen den wilden Kohlenabbau in Ostobersschle­sien haben nur wenig Erfolg gehabt. Obwohl zahlreiche Schächte gesprengt und auch die Kon­trolle an den Abfahrtwegen von den Notschächten streng gehandhabt wurde, war der wilde Kohlen­abbau und -handel nicht zu unterbinden. Ilm nunmehr den Arbeitslosen den für sie selbst nicht ungefährlichen Abbaubetrieb völlig unmöglich zu machen .werden die Rotschächte von bfer Polizei unter Tränengas gesetzt. Auf dem Gelände bei Eichenau ist diese Maßnahme bereits durch- gesührt worden.

Keine Brandstiftung auf derAtlantique".

WieMatin" aus Cherbourg meldet, ist die gerichtliche Untersuchung über den Brand des DampfersAtlantique" abgeschlos­sen. Sie hat ergeben, daß von Brandstiftung kaum die Rede fein kann. Man glaubt jetzt wieder an einen Kurzschluß, der die Isolierung der in der Ho -Verkleidung liegenden elektrischen Kabel in Brand setzte.Matin" meldet hierzu, daß der Kurzschluß selbst vermutlich durch den hohen

Seegang in der Rächt vor dem Brand her- vorgerufen worden ist. Der Sturm sei so hestig gewesen, daß ein Flügel im Speisesaal umstürzte. Man könne also annehmen, daß die in dec Kabine 232 aufgestapelten 32 Matratzen ins Rollen kamen und eine elektrische Tischlampe heruntergerissen haben, wodurch der Kurzschluß entstanden sei. An Hand der an Bord befindlichen Uhren habe man durch einen Vergleich der Zeiten, zu denen sie stehen blieben, die Entwickelung des Brandes ver­folgen können. Ein Fischer hat vor Cherbourg auf hoher See die Leiche eines Ingenieur-Offi­ziers derAtlantique" gefunden und an Land bringen können.

Jnfluenza-Maffcnerkrankungen auf Fischdampfern.

Unter der Besatzung der vor Island liegenden in- und ausländischen Fischdamvfer, meist Englän­der, ist eine I nfluenza-M assen erkran- kung ausaebrochen. Biele Schisse mußten in is­ländischen Häfen die Quarantäne auffudjen. Neun Zehntel der Mannschaften sind erkrankt. Alle Mann­schaften isländischer Schiffe sind bisher verschont ge­blieben. Der englische FischdampferSicyvn" aus Grimsby, der gerade in einem isländischen Hasen in Quarantäne gelegen hatte und jetzt wieder frei­gegeben wurde, ftranbete an der Nordküste und wurde völlig Wrack. Die Mannschaft konnte geret­tet werden.

Starker Schneefall in Rordspanien.

Infolge des anhaltenden st arten Schneefal­les ist in Nordspanien der Zugverkehr stark be­hindert worden. Zahlreiche Züge biteben in Schnee­verwehungen stecken

Oberitalien im Schnee.

In Rorditalien fällt feit mehreren Tagen fort­gesetzt Schnee. In Mailand ist die Schneedecke 15 Zentimeter hoch. 16 000 Schneeschipper sind aufgeboten worden.

Das heilige Jahr wird vorhereitei.

Der Heilige Vater beim Empfang des Gremiums der Geistlichen, die mit den Vorarbeiten für das kommende Jubeljahr 1933/34 betraut wurden.

Aus der proviuzialhaupistadt.

Vergängliche Eisblumen.

Die Eisblumen sind romantische Gebilde einer mitternächtlichen Phantasie, geboren aus einem frostigen Nichts, mit spielerischer Laune und Leichtigkeit auf Glas hingezaubert, mit einem Formenreichtum, der an die Wunderwälder tro­pischer Gegenden, oder an die bizarre Gletscher­welt der Polarregionen erinnert. Sie sind die blauen Blumen" in der weißen Märchenwelt des Winters. Immer neue Schönheiten entdeckt das Auge, die wie feinste Ziselierarbeit oder wie kunstgewerbliche Berschnörkelungen aus tän­delnden und galanten Zeiten wirken. Sie find das Rokolo rauher Nächte und sehen sich an wie mattgeschliffene Landschaftsmotive in kostbaren j Kristallgläsern, bald als spitze Farne über die | Scheiben fingernd, bald wie Edelweiße zu einem flackernden Etrahle'nbündel vereint. Das funkelt und gleißt ausTausend und einer Nacht" unter den Strahlen der Morgensonne. Fast möchte man sagen: in seitlicher 5eieriia)teit.

Eisblumen sind die Ueberspihung oder Heber- treibungen eines an sich ganz einfachen physi­kalischen Vorgangs. Feuchtigkeit, die sich zu Pfauenrädern auiplustert. Um das Kind winter­licher Kaprize beim richtigen Hamen zu nennen: Blender, für Augenblicke protzig improvisiert, Üebergroßaufnahmen winziger Tropfen, gefro­rener Hauch, auf Wirkung abgestellt, raffiniert garnierte Wenigkeiten. Und gerade das gibt ihnen ihr Verhältnis zu dem tatsächlichen Leben.

Wenn man die Erscheinung der Eisblumen in Alltägliches überträgt, sie zu unserer Umwelt in Beziehung bringt, dann ähneln sie jenen Zeit­genossen, die aus einem Nichts plötzlich da sind, von denen man all und überall von gestern auf heute spricht und die sich zu geben wissen, als seien sie das, auf was die Menschheit gewartet zu haben schien. Kometenerscheinunaen, die ge­wöhnlich ebenso unvermittelt aufgehen, wie sie abgehen, wandelnde Gestirne mit beschränkter Haftung, in der Regel, von der es natürlich die bekannten Ausnahmen gibt: Eintagsfliegen, bis­weilen Magier der Massen. Man darf sie nicht versäumt haben, weil man sonst rückständig gelten könnte. Und doch sind sie und was sie zu künden haben häufig auch nur vergänglicher Zauber, der zerrinnt, wie Eisblumen unter den wärmenden Strahlen der Sonne. K. I. G.

Staatsbürgerabend

des Zungdeutfchen Ordens.

Die Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Or- dcnS hielt am Dienstag im Hotel Hindenburg

einen stark besuchten Staatsbürgerabend unter dem Vorsitz von Studienrat Klotz ab.

Oberjustizsekretär Kölle- Ehringshausen (Kreis Wetzlar) sprach über das Arbeitsbeschaffungs- Programm des Iungdeutschen Ordens. In der Gegenwart, so führte er u. a. aus, seien die Menschen unserer Zeit leider bemüht, allen Din­gen mit dem Verstand, und nicht mit dem Herzen gerecht zu werden. Die Industrie befinde sich in Abwärtsbewegung. Der durchrationalisierte Be­trieb habe keine Beschäftigung. Dem Landwirt würden für seine Produkte schier unmögliche Preise geboten, der Lohnempfänger habe überall Ab­striche machen müssen, der Erwerbslose lebe unter unerträglichem Standard. Die Industrie habe die Menschen von der Scholle in die Fabrik gezogen. Die Menschen seien der Scholle entwöhnt. Dor dem Kriege habe die Industrie ihren größten Auf­schwung erlebt, dec Krieg habe die Entwicklung beeinflußt, die Inflation ebenfalls, eine Konjunk­tur, für kurzen Zeitraum allerdings nur, eine Scheinblüte folgte; jetzt aber sei der Weltmarkt den deutschen industriellen Erzeugnissen fast ver­schlossen. Arbeitslosigkeit sei die nächste Folge ge­wesen. Man versuche der Arbeitslosigkeit vom zwei Seiten zu steuern: von der kapitalistischen her (Geldl). und von der volksgemeinschaftlichen Seite (Mensch!) aus. Man spiele mit den Gedanken, aus Deutschland einen reinen Industriestaat zu machen und selbst die Landwirtschaft völlig zu mechanisie­ren. andere wieder (General Ku n v t) trügen sich mit dem Gedanken einer großen Auslandssiedlung. Die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft allein vom StandpunktGeld" aus fei abzuleh­nen, da der Mensch darunter leiden müsse. Land­rat Dr. Gerecke, der gegenwärtige Reichsar- beitskommisfar wolle die Krise vom Volksgemein­schaftlichen her überwunden sehen. Artur M a tz- rau n . der Führer des Iungdeutschen Ordens, habe denGroßen Plan" geschaffen, der ein Ge- neralstal swerk der Revolution des 20. Jahrhun­derts darstelle. Das Arbeitslosenproblem müsse vom Menschen her gelöst werden. Ausgangspunkt sei der deutsche Mensch in seiner Gesamtheit. Cs gelte, sinngemäße Ordnung zu schaffen im 'Ver­hältnis zwischen den Menschen und dem verfüg­baren Raum. Die Neuordnung des deutschen Raumes erfordere die Durchführung eines großen Kolonisationswerkes. Das Rentabilitätsprinzip müsse naturgemäß berücksichtigt werden, aber nicht vom Einzelnen her, sondern von der Gesamtheit aus. DerGroße Plan" Artur Mahrauns sehe die Ansiedlung von vier Millionen Menschen auf eine Million Siedlungen vor. Das Werk werde die Industrie wie auch das Handwerk außeror­dentlich beleben. Die Siedlung solle den Zug des

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