Tagen 21 r r e ft und 250 Schilling Geldbuße für die Heimwehrhilfskasse verurteilt. Da sich die beiden nicht zum Strafantritt meldeten und ihr Aufenthalts, ort auch nicht ausgekundschaftet werden konnte, wurden nun an ihrer Stelle kurzerhand der Innsbrucker Arzt Dr. Fritz Lantschner, der Vater der bekannten Skiläufer Fritz und Guzzi Lantschner, verhaftet und zur sofortigen Strafverbüßung eingeliefert.
Oie Eröffnung der Zunlausstellung im Rundfunk.
Berlin, 17. Aug. (CNB. Funkspruch.) Wie die Pressestelle der Reichsrundsunkgesellschaft bekanntgibt, wird man bei der Uebertragung der feierlichen Eröffnung der 10. Funk- ausstellung in Berlin durch Reichsminister Goebbels, die am Freitag, 18. d. M., 11 Uhr, erfolgt, unter dem Motto: „So schwingt des Dritten Reiches Herzschlag durch den deutschen Raum" einen völlig neuen Weg der Rundfunkberichterstattung einschlagen. Auf den bisher üblichen beschreibenden Hörbericht des Rundfunkreporters wird man verzichten. Die Hörer sollen an ihren Lautsprechern das Ereignis als künstlerisch geformtes Hörerlebnis erleben, genau so, wie es die Ausstellungsbesucher erleben. Kein Ansager schildert, was vorgeht. Statt dessen wird die Feier durch Wechselgespräche zwischen Rufern und Chor, die der Ansprache des Ministers vorangehen und ihr folgen, zu einer akustisch sorgfältigen Hördarbietung ausgestaltet.
Aus aller Welt.
Zwei Hitlerjugendführer tödlich verunglückt.
Ein schweres Motorradunglück ereignete sich, wie aus Chemnitz gemeldet wird, auf der Straße von Elterlein nach Scheibenberg. Die beiden unverheirateten Lehrer Löpzbein und Brückner aus Crottendorf, die beide der NSDAP, angehören und als Führer der Hitlerjugend im ganzen Bezirk bekannt sind, stießen auf einer Dienstfahrt mit einem Landpostkraftwagen zusammen. Sie mürben beide von der Maschine geschleudert und so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle tot waren.
Kraftwagen in einen Abgrund gestürzt.
Bei der Rückkehr vom Stilfser 3och stürzte ein Mailänder Kraftwagen, der mit vier Personen beseht war, in einen von einem Wildbach durchflossenen Abgrund. Einer der 3nsassen konnte sich noch durch Abspringen retten. Die drei anderen Insassen des Wagens verschwanden in dem Abgrund. Die Nachforschungen waren bisher ergebnislos. Man nimmt an, daß die Verunglückten durch das Wasser fortgeschwemmt wurden.
Anwetter über Rorditalien.
3n den letzten Tagen wütete über Rordostitalien mit Ferrara als Zentrum ein außerordentlich heftiger Sturm, der von Hagelschlag und Gewittern begleitet war. Der Sturm fällte Bäume, deckte Häuser ab und stürzte Mauern und Telegraphen-Stangen um. Der Verkehr der elektrischen Dahnen und die Telephonverbindungen waren aus lange Zeit unterbrochen. Der Sachschaden ist sehr bedeutend. Auch im übrigen Oberitalien gingen heftige Gewitter nieder mit einem starken Rückgang der Temperatur, die in den letzten Tagen in Mailand beständig 35,5 bis 36 Grad im Schatten aufwies.
Wettervoraussage.
Obwohl von der Biskaya her sich Barometeranstieg bemerkbar macht, ijt ein Stillstand der Störungstätigkeit vorerst nicht zu erwarten. Wohl setzt vorübergehend Aufheiterung ein, doch wird das Tiefdruckgebiet im Raume zwischen Island und Irland, das n Energie erheblich gewonnen hat, bei seinem Weiterzug bis auf das Festland vorgreifen und feucht-milde Ozeanluft heranbefördern. Unter ihrem Einfluß kommt es erneut zu Bewölkungsaufzug, wobei stellenweise Niederschläge, teils verbunden mit Gewitterstörungen, zu erwarten sind.
Aussichten für Freitag: Weiterhin wech- selhaft und feucht-warm, bewölkt mit vorübergehender Aufheiterung, noch einzelne, teils gewitterige Regensälle.
Lufttemperaturen am 16. August: mittags 22,1 Grad Celsius, abends 18,5 Grad: am 17. August: morgens 17,8 Grad. Maximum 24,4 Grad, Minimum 16,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. August: abends 22 Grad: am 17. August: morgens 19,1 Grad Celsius. — Niederschläge 1 mm. — Sonnenscheindauer 2% Stunden.
Das Geniehospiz im Mythental.
Ein Bericht aus der Schweiz.
In einer stillen Straße in Zürich steht ein Haus, wie es in der Welt viele Häuser gibt: ein schönes, altes Haus, in dem ein nicht mehr junges Ehepaar wohnt. Ohne Kinder. So ein Haus könnte leicht ein Herzenstod sein, voll von Egoismus, Weltflucht und Resignation. Hier aber ist ein Wunder geschehen. Dor allen Dingen wohnt nicht ein Ehepaar darin, sondern ein verheiratetes Liebespaar: er 73 Jahre alt, sie entsprechend jünger; beide durch eine späte, aber dafür um so verständnisvollere und bewußtere Neigung zusammengesührt. Liebe zueinander, Liebe zu den Menschen und Liebe zur Musik, das ist der Dreiklang, auf dem ihr Leben aufgebaut ist.
Von acht bis neun Uhr morgens tonen Celloklänge ans Ohr: der alte Herr, frisch und voll ^unendlichem Eifer, übt, bevor er in seine Fabrik geht. Vormittags erkennt ein wissender Hörer, daß am Klavier ein Komponist am Werke ist. Die Frau vertont gerade die Mutterlieder der liebreichen Dichterin Johanna Siedel. Am Nachmittag erklingt das Zusammenspiel von Cello und Klavier: das ist die Feierstunde des Tages, in der sich zwei Menschen in einem Kunstwerk zusammenfinden.
In diesem Hause — Richard Strauß nennt es „das Geniehospiz im Mythental" — kann man viel und Wichtiges lernen. Vor allem lernt man, daß wahre Gastfreundschaft die lustigste und produktivste Art von Geldoerwertung ist.
Das Geniehospiz ist immer voll von Gästen. Das sind alles Menschen, die irgend einer Kunst treu dienen und die ihr Dienst gerade nach Zürich ge- führt hat. Entweder sind sie schon lange Freunde oes Hauses — die Hausfrau war als junges Mädel Liszt-Schülerin, ihr Mann von jung auf mit allen Künsten verbandelt — oder sie sind Freunde von Freunden. Beides gilt als vollwertige Legitimation. Vor allem für Musiker.
Die Liebe zur Musik durchweht alle Räume des Hauses Wer Musik erfindet, wer Musik macht, ist hier liebes Kind. Aber die Lieblinge unter den Musikern sind jene, die mit ihrem Talent die höchste
Reinheit der Gesinnung, die tiefste Achtung vor dem Kunstwerk verbinden. Man wird das am besten verstehen, wenn man erfährt, daß Adolf Busch und Rudolf Serkin zu den verehrten Gästen des Hauses gehören.
Wie ist diese einzigartige Gaststätte entstanden? Warum kamen diese schwierigen, zurückhaltenden und meist mißtrauischen Menschen? Was hatte man ihnen zu bieten? Ein ruhiges und behagliches Heim gab es wohl auch anderswo. Aber hier war ein Ört, wo sie vergessen durften, daß sie berühmt sind. Kein Mensch, der sich nach Ruhm sehnt, kann sich oorstellen, wie das Getöse des Ruhmes dem davon Betroffenen auf die Nerven geht. Der berühmte Mensch ist Eigentum der Menschheit, und zwar meist nicht ihres wertvolleren Teiles. Selten haben Genie und Talent den Verkehr, den sie wünschen und den sie brauchen. Sie werden überlaufen, überrannt und konfisziert. Die Erklärung ist sehr einfach- Während sich die feinfühlige Menschheit aus Schüchternheit oder aus Stolz zurückhält, ist die weniger zart empfindende von einer Durchschlagskraft, die alle lebendigen Keime zerstört. So kann man oft aus dem Munde gefeierter Menschen echte Klagetöne hören, weil nicht der Beste zu ihnen bringt.
3m Geniehospiz geht es ihnen gut. „Guten Tag Herr Pfitzner", sagt Martha bie treue Schaffnerin des Hauses, und ebenso gelassen sagt sie „Herr H u b e r m a n n", „Herr Q a m o n b" ober „Herr von Sauer". Ohne Ueberschwang, ohne lieber- Hitzung, liebreich und einfach wird der werte Gast empfangen. Die Frau des Hauses fragt ihn mit echter Teilnahme nach seinem Ergehen: gerade nur so viel und soweit, als einer gern antworten mag. Der Hausherr, mit jenem handfesten Humor begabt der den besten Schweizern eignet, empfängt den Ankommenden mit einem Scherz, der die Rührung des Wiedersehens verdecken soll. Sicher macht er Mary Wigman, Elisabeth Schumann oder Alma M o o d i e ein unerwünschtes Kompliment über ihren neuen Hut. Ober er versichert ber reizenden und eindrucksvollen Rezitatorin Marga Muff. Stenz, Rezitation sei ihm ein Greuel. Aber das hilft ihm gar nichts. Künstler, mit schärferen Sinnen
Die Wahlen zur Hessischen Landessynode.
EPH. Am 15. August war der Termin zur Einreichung von Wahloorschlägen für die hessische Landessynode abgelaufen. Wie wir erfahren, liegt nur ein Wahlvorschlaa, derjenige der „Deutschen Christen" vor. Die auf diesem Wahlvorschlag Genannten dürfen als gewählt angesehen werden, so daß eine weitere Wahlhandlung nicht notwendig ist. Im Interesse der Einigkeit in den evangelischen Gemeinden ist dies lebhaft zu begrüßen. Vorbehaltlich der Nachprüfung durch die Wahlkommission sind folgende Personen als gewählt zu betrachten:
Starkenburg.
Geistliche Abgeordnete: 1. Knab, Karl, Pfarrer, Gustavsburg: 2. Berck, Ludwig, Pfarrer, Roßdorf; 3. Weber, Richard, Pfarrer, Lampertheim: 4. Bürst lein, Ferdinand, Pfarrer, Offenbach a. M.
Weltliche Abgeordnete: 1. (Södel, Heinrich, Bürgermeister, Langen; 2. S t o 11, Gustav, Johannes, Lehrer, Darmstadt; 3. Witterschein, Philipp, Studienrat, Groß-Umstadt; 4. Zürtz, Alfred, Maschinist, Darmstadt; 5. Ära eil, Alexander, Dr., Landgerichtsrat, Darmstadt.
Oberhessen.
Geistliche Abgeordnete: 1. CI oh, Paul, Pfarrer, Frischbarn; 2. Schäfer, Paul Gerhard, Pfarrer, Bad Nauheim: 3. Sriba, August, Dekan, Nidda; 4. Linden st ruth, Otto, Pfarrer, Butzbach: 5. Rühl, Karl, Pfarrer, Reichelsheim.
Weltliche Abgeordnete: 1. Nebeling, Rektor, Gießen; 2. Hofmann, Georg Ludwig, Bürgermeister, Ulfa; 3. Sornfamm, Heinrich, Prof. D. Dr., Gießen; 4. Heiland, Hermann, Dr., Dberftubienöirettor, Büdingen; 5. Köhler, Karl, Obersteuerinspektor, Hungen.
Rheinhessen.
Geistliche Abgeordnete: 1. Becker, Reinhard, Pfarrer, Albig; 2. Olff, Richard, Pfarrer, Bodenheim; 3. I o b , Karl, Pfarrer, Mainz.
Weltliche Abgeordnete: 1. Frieß, Albert, Bürgermeister, Neu-Bamberg; 2. Heidt, Heinr., Dr., Studienrat, Mainz.
Außer diesen 24 Gewählten wird die Synode noch weitere 12 Personen umfassen, die von dem Prälaten der Landeskirche in Kürze berufen werden.
Aus der proviuzialhauptstadi
Wenn die Dreschmaschine brummt.
Vor ein paar Tagen war es. Da hörte ich in einer Scheune die Dreschflegel erklingen: Klipp, klapp! Der Abend war schön und kühl und wurde nach ber Hitze bes Tages als Wohltat empfunden. Die Fenster konnte man nicht schließen. Ich ging deshalb hinüber" zum Nachbar und sah den Dreschern !u. Der Bauer, die Bäuerin und der älteste Sohn landen da, um bas erste Korn auszudreschen, denn ias Brotmehl war ausgegangen, auch brauchte man langes, glattes Stroh für neue Strohfeile.
Ich machte mir meine Gedanken, als ich diese drei Leute bis spät in die Nacht arbeiten sah. Sie konnten nicht warten, bis die Dreschmaschine ins Dorf kam, sie mußten schon vorher, trotz der drängenden Erntearbeit, ihr bißchen Roggen ausdreschen, um weiter leben zu können. Den ganzen Tag hatten sie in der Hitze gestanden, mit der Sense das reife (Betreibe gemäht, aufgelegt, gebunden und auf Haufen zusammengestellt. Das Wetter war so, baß die Frucht schon einige Tage darauf eingefahren werben konnte.
Dumpf und gleichmäßig ertönte ber Schlag ber Dreschflegel: eins, zwei, drei, eins, zwei, drei. Die Korner spritzten hoch auf. Dann wurde gewendet, das Stroh geschüttelt, und von neuem klopften die glatten Hölzer auf die reife Frucht, um bas tägliche Brot herauszuholen. Spät abends verabschiedete ich mich von den fleißigen Dreschern und ging gedankenvoll zu Bett. Das Klipp-Klapp fang mir das Schlaflieb.
Ich erwachte am anbern Morgen, als bie Sonne schon aufgegangen war. Die Nachbarsleute waren längst wieder im Feld. Wahrhaftig, sie haben es nicht leicht, unsere Bauern. Sie stehen selbst bei der stärksten Hitze, ohne Schutz auf ihrem Acker und ernten die Frucht. Kein Lüftchen regt sich. Aber unverdrossen saust die Sense in die dürren Halme. Erntezeit!
Nun ist heute die Dreschmaschine gekommen. Kaum steht sie auf ihrem Platz, da fahren auch schon die hochbeladenen Leiterwagen heran. Die Pfeife ertönt, langsam setzt sich bas Schwungreab ber Maschine in Bewegung, und der Dreschwagen wird lebendig. Die Garben werden vom Wagen herübergereicht, eingeschoben, und die Hämmerchen im Innern vollbringen In kurzer Zeit die Arbeit, die mit den Dreschflegeln nur langsam vonstatten geht. Die goldenen Körner werden in die angehängten Säcke gesammelt, bas Stroh kommt an ber Hinterseite heraus, unter bem Dreschwagen sammelt sich die Spreu.
Auch die Arbeit bei der Dreschmaschine ist nicht leicht. Frauen und Männer, sogar die Kinder, müssen tüchtig zugreifen. Zu der grellen Sonne gesellt sich dichter Staub, ber ringsum alles bedeckt und bas Atmen erschwert. Ermüdet und abgehetzt, denn der Nachbar will auch seine Frucht ausdreschen und drängt, verstaubt, mit entzündeten Augen vom Schmutz, so verlassen die Bauersleute die Maschine und fahren die Körner, das Stroh und die Spreu nach Hause. Nach kurzer Zeit schon stehen sie wieder im Feld, neue Arbeit wartet hier.
Die Jugend schafft unentwegt und tapfer mit. Für sie gibt es ein Zauberwort. Das heißt: Kirmes! Denn nach getaner Arbeit folgt das dörfliche Fest,
wie jedes Jahr. Die Jugend läßt sich das nicht nehmen. Und alle Hitze und aller Staub werden vergessen sein, wenn die Musikanten zum Tanz auf- spielen. Gl.
Zugunsten des Staates eingezogene Vermögenswerte.
Die Staatspressestelle teilt aus einem Rundschreiben des Herrn Landespolizeipräsibenten Dr. De st an bie Kreis« und Polizeiämter mit:
Oluf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuh von Volk und Staat vom 28. Februar 1933, sowie auf Grund des Gesetzes über bie Einziehung Volks- unb staatsfeindlichen Vermögens vom 14. 3u(i 1933 werden die laut Anordnung des Herrn Generalstaatsanwalts beim Landgericht Berlin vom 9. Mai 1933 sicher- gestellten Vermögenswerte:
1. der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Landesverband Hessen,
2. des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Gau Hessen,
3. der nachfolgenden durch Ausschreiben vom 2. Mai 1933 verbotenen Zeitungen: „Hessischer Volksfreund" Darmstadt, „Volkszeitung Mainz, „Offenbacher Abendblatt" Offenbach, „Oberhessische Volkszeitung" Gießen unb „Wormser Volksmacht Worms, beschlagnahmt unb zugunsten des Landes eingezogen. Das Staatspolizeiamt ist beauftragt, die beschlagnahmten Vermögenswerte zu inventarisieren. Die Ernennung besonderer Treuhänder zum Zwecke der Liquidation des eingezogenen Vermögens bleibt Vorbehalten.
Oie Landhilfe im Winter.
Die Pressestelle des Lanbesarbeitsamtes Hessen teilt mit: Der Kampf gegen bie Arbeitslosigkeit wirb erst bann wirklich zum Erfolg, wenn es gelingt, Rückschläge zu vermeiden unb ben Arbeitslosen in langfristige Beschäftigung zu bringen. Hierzu kann unb muß vor allem auch bie Landwirtschaft weit- gehenb beitragen. Durch bie Lanbhilfeaktion wirb insbesondere ber kleinbäuerliche betrieb in biesem Sommer und Herbst nachhal - tig unter st ützt. Der Bauer hat eine zusätzliche Arbeitskraft bekommen, und den Barlohn hat er durch den Landhelferzuschuß ohne weiteres aufbringen können. Es ist nicht mehr als recht und billig, wenn der Bauer dafür auch im Winter bie Ver - pflichtung übernimmt, den Land- Helfer d u r ch z u h a l t e n. Ist ber Zuschuß im Winter auch um ein paar Mark niedriger, so sind die Aufwendungen des Landwirts in dieser Zeit auch nicht so hoch. Dafür erhält ber Landwirt seine angelernte Arbeitskraft. Es liegt daher im eigenen Interesse der Landwirte, die nicht schon in kluger Voraussicht ihren Landhelferoertrag auf 12 Monate abgeschlossen Haden, schleunigst die Verträge bis zur Gesamtdauer von einem Jahr zu verlängern, damit keine Unterbrechung in ber Veschäf. tigung der Landhelfer eintritt. Die Arbeitsämter werden den Landwirten dabei mit Rat unb Tat zur Seite stehen. Es ist Ehrenpflicht ber Landwirtschaft, zu verhindern, daß von ben 14—15 000 hessischen
RG -Lehrerbund.
Kreis Gießen.
Die Dezirksobleute des KreiseS
Gießen sind
für den Bezirk Gießen Stadt: Rektor Rebe l in g, Gießen (Goetheschule):
für den Bezirk Gießen-Land: Lehrer Siegfried, Grohen-Linden;
für den Bezirk Großen-Duseck: Lehrer Edelmann, Beuern;
für den Bezirk Lollar: Lehrer EmmeI, Staufenberg;
für den Bezirk Londorf: Lehrer Schmidt, Kesselbach;
für den Bezirk Hungen: Lehrer Arnold, Utphe;
für den Bezirk Lich: Lehrer Schön, Lich:
für den Bezirk Grünberg: Stud.-Assessor Dender, Grünberg.
Der Kreisobmann: Dr. Henß.
Landhelfern ein nennenswerter Teil im Winter arbeitslos wird.
Jüdische Mitglieder in Haudwerks- orgamsationen.
Der Reichsoerband des Deutschen Handwerks hat dem Gewerbeverein für Nassau auf eine Anfrage wegen der Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu Handwerksorganisationen folgende Antwort erteilt:
„Die Frage der Zugehörigkeit jüdischer Mitglie- der zu Handwerksorganisationen ist dahin zu beantworten, daß an ber Zugehörigkeit nichts zu ändern ist, soweit zwingende gesetzliche Vorschriften, wie hinsichtlich der Zugehörigkeit zu Handwerkskammer und Zwangsinnung, bestehen. Darüber hinaus mürbe aber auf jeden Fall zu vermeiden fein, daß bie jüdischen Mitglieber ber Handwerksorganisation Aemter in der Organisation bekleiden unb besonders Vorstandssitze innehaben. Soweit die Zugehörigkeit zur Handwerksorganisation nicht gesetzlich Borge» schrieben ist, muß es an sich den einzelnen Organisationen überlassen bleiben, bie Frage ber Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu regeln. Grundsätzlich würde aber selbstverständlich auch hier Wert darauf zu legen fein, daß jüdische Mitglieder keine Aemter bekleiden und besonders keine Dorstandssitze innehaben. Besondere Richtlinien sollen zunächst nicht aufgestellt werden."
Genoffenschastsrechner sind nicht Doppelverdiener.
Der Landesbauernsührer Dr. Wagner hat von ber Gauleitung ber RSDAP-, Agrarpolitische Abteilung in Darmstadt, folgende Mitteilung ergehen lassen: Bauern, die als Vorsitzende oder Rechner in Genossenschaften der andern landwirtschaftlichen berussständischen Organisationen tätig sind, dürfen als Doppelverdiener nicht angesehen werden. 3ch bitte dafür zu sorgen, daß in keinem Fall Bauern wegen dieser Arbeiten als Doppelverdiener angegriffen werden.
Kaninchen-Ausstellung in Gießen.
Der Kaninchenzuchtverein Gießen veranstaltete am Sonntag im Eaf6 Ebel eine lokale Ausstellung, die mit rund 103 Tieren der verschiedensten Rassen beschickt war. Das Ergebnis der Prämiierung durch Preisrichter Haas, Friedberg, war folgendes:
VelgischeRiesen: 1. Preis Heinr. Fenster; 2. Preis K. Keil; 1. und 3. Preis G. Schellhaas.
Weiße Riesen: Ehrenpreis H. Feuster; zwei 3. Preise G. Schellhaas.
Groh-Chinchilla: 1., 2. u. 3.Preis 3ofi. Gries: 2. u. 3. Preis H. Stroh; zwei 3. Preise G. Harig.
Blaue Wiener: 3. Preis G- Schellhaas. Weihe Wiener: Ehrenpreis, vier 2. und ein 3. Preis Karl Kirchner.
Hasenkaninchen: Ehrenpreis, 1. und zwei 3. Preise Phil. Schäfer.
Lux kaninchen: 1. und zwei 3. Preise O. Steih.
Englische Schecken: 1. und zwei 2- Preise L. Kreiling; 3. Preis 3. Ricolai.
Rheinische Schecken: Ehrenpreis und drei 3. Preise Wilhelm Ulrich.
Klein-Silber: zwei 3-Preise 3. Ricolai.
Hermelin: Ehrenpreis, 2. und zwei 3. Preise 3- Volz; zwei Ehrenpreise und zwei 3. Preise O. Steih.
C h i n ° R ex: 1. und zwei 2. Preise O. Urfta&t.
begabt als Menschen sonst, fühlen, wie viel Verehrung für ihr Können und welche Freude, wieder einmal ein Stück Vollendung unter seinem Dache zu haben, ben Mann erfüllt.
Er freut sich der „Arrivierten", aber seine ur- eigenste Domäne sind jene, bie noch nichts sind, die noch nichts gelten. Als man ihn eines Tages fragte, ob er den jungen Maler Schiele kenne, sagte er hastig teilnahmsvoll: „Geht es ihm schlecht?" „Nein", war die Antwort, „dem geht es sehr gut." — „Dann kenne ich ihn nicht." Dafür kennt er aber alle, die Talent haben, das noch nicht zur Entfaltung gelangt ist. Diese, ob es nun künftige Maler, Schriftsteller, Musiker ober Schauspieler sind, finden bei ihm materielle unb moralische Hilfe. Er läßt sie was lernen und sieht ihrem Wachstum wohlwollend kritisch zu. Werden sie etwas Rechtes, bann freut er sich, mißlingt es ihnen, so verschafft er ihnen trocken unb sachlich, ohne Vorwurf unb ohne Sentimentalität eine andere Arbeit, in ber sie immerhin einen ganzen Kerl oorstellen können. Um Vorwände, zu helfen, ist ihm nicht bange. Jeden, der ihn braucht, ernennt er zu etwas. Er und feine Frau haben Adoptivkinder, Pflegekinder, Wahlkinder, Ferien- kinder, Samstagskinder, Ausflugskinder, Kinder aller Arten und jeglichen Alters.
So fern von Snobismus ist das alles, baß ber Außenstehende nie erführe, was für merkwürdige Freunde diesem Hause in allen Erdteilen wohnen, wenn es nicht zufällig herauskäme. Aber es kann geschehen, daß man den Namen einer berühmten Künstlerin nennt unb der Hausherr daraus melancholisch saat: „Ich bin so glücklich, daß diese Ehescheidung |o gut vonstatten gegangen ist; die Stellung als Vertrauensmann beider Teile war mir schier zu schwer." — Man lobt ein neues Buch. „Das ist bei uns im gelben Zimmer entstanden, sagt bie Hausfrau. Es gibt zu Mittag Salzburger Nockerl — „Die ißt Weingartner so gern." Es kann aber auch Casella oder Anton Wild- gans gewesen sein, ber gern Nockerl aß. Das weiß ich nicht mehr.
Kommt der Tag, an dem ber berühmte Gast in Zürich auftritt unb sind feine Pflegeltern im Saal, so kann er sich barauf verlassen, baß sie gekommen
sind, weil sie in biesem Augenblick nirgends lieber sind als bei ihm. Fehlen sie einmal, so heißt bas: „So innig wir bich lieben, dein heutiges Programm interessiert uns nicht."
Der peinliche Begriff „Logierbesuch", wie verliert er hier alle Schrecken! Alles ist selbstverständlich, absichtslos, unaufdringlich. Man ist bei sich zuhause, aber in einem Hause, in dem einem jede Verantwortung abgenommen wird. Die Freiheit darin ist so groß, wie jene auf den Schweizer Bergen unb ebenso darin ist das Licht. In Zürich besteht die Sitte, an Nebeltagen auf den Uetli zu steigen unb dort in ber Sonne auf das Nebelmeer in der Stadt herunter zu sehen. Die Leute in ber Mythenstraße haben das nicht nötig. Sie leben geistig immer über bem Nebelmeer. Schade, daß Mozart selbst nie- mals im Geniehospiz in der Mythenstraße war. Der hätte am besten hingepaßt. Dr. E. Sch.
Schönheitspflege bei den Affen.
Man kann keine Affengruppe betrachten, ohne zu beobachten, wie eifrig sie sich gegenseitig ben Pelz pflegen unb dabei mit großer Ausdauer eine Haararuppe nach der andern umlegen und glätten. Daß bei diesem Geschäft eine gewisse Schönheitspflege ausgeübt wird, hält der englische Zoologe Tinklepaugh nach einem Vorfall wahrscheinlich, über den in „Ratur und Museum" berichtet wird. Der Gelehrte hielt in seinem 3nftitut für vergleichende Psychobiologie lange Zeit ein Affenpaar, das zweimal mehrere Wochen voneinander getrennt wurde. Als die beiden wieder zusammen- kamen, bemerkte das Männchen, daß sich das Aussehen des Weibchens dadurch sehr geändert hatte, daß die Haare der Augenbrauen und der Backenbart stark gewachsen waren. Sofort, nachdem die beiden wieder vereinigt waren, machte sich der männliche Affe daran, dem Weibchen die Brauen auszureiben und besonders lange abzu- beißen. Die zu langen Dackenhaare zog er ihm einzeln aus. Bei diesem Geschäft lehnte sich das Männchen öfters zurück, betrachtete das Weibchen prüfend unb schien schließlich von bem Erfolg seiner Bemühungen immer mehr befriedigt.


