Ausgabe 
17.8.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 19| Erstes Blatt

185. Jahrgang

Donnerstag, 17. August 1935

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Gießener Anzeiger

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr fj.Ibgriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen.

Was geht in der Sowjetunion vor?

Stummes Land. Menschen übergenug.

Die rote Armee muß die Ernte sichern. - Der Fünfjahresplan als Rüstungsplan.

Don unserem -Berichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, im August 1933.

Als in den letzten Julitagen 1914 das Ge­witter des Weltkrieges unabwendbar schien, und die ersten Regimenter durch Zarenorder bereits einberufen waren, hatte ich auf russischem Boden im Eisenbahnzug eine denkwürdige Unterredung. Ein Generalstabsoffizier verbreitete sich über öie Kriegsaussichten und gab der damals herrschenden Meinung Ausdruck:Wir werden Deutschland mit unseren Muhen zudectcn, wir werden es überschwemmen mit unseren Soldaten." Auf den Hinweis, daß die deutsche Kriegstechnik vermutlich ungeheure russische Soldatenma sen ver­schlingen werde, antwortete der Generalstäbler wiederum echt russisch:Und wenn schon! Bon diesem Dreck haben wir genug übergenu g!"

Menschen, ja, Men schenmassen haben in Rußland noch nie eine Rolle gespielt. Lind wenn man in Europa den Kopf schüttelt und von Moral und Menschlichkeit spricht, so möge man bedenken, daß das alte Zarenrustland e i n kalb asiatischer Staat war, das; das bol­schewistische Rußland sich aber bewußt noch mehr nach Asien hin orientiert hat. Menschenleben? Davon gibt es genug über­genug in Rußland! Wie es ihrer übergenug in Indien und in China gibt. Zählt man die Zehn­tausende Chinesen, die eine LIeberschwemmung des (Selben Fsusses verschlingt, die Tausende Inder, die bei den Bombardements ihrer Dörfer durch englische Kriegsflugzeuge in Burma oder sonstwo ums Leben kommen? Lind man will so pedantisch sein, von einer erbarmenswerten Hungersnot in der Likraine zu sprechen?Wichtig ist nicht, ob eine oder zwei Millionen Menschen umlommen, wichtig ist, daß die kommunistische 3öce triumphiert". Also sprach der bolschewi­stische Gott, Lenin.

In der Ukraine aber und in Südrußland, im Kau­kasus und im Schwarzerde-Gebiet muß zur Zeit ein gewaltiges Geschehen im Gang sein. Muß sein! Denn dem ausländischen Berichterstatter in der Räteunion ist jetzt einSchloß vor den Mund gehängt worden. Was er berichtet, hat er in Moskaugehört", d. h. kennt es vom Hörensagen, läßt es sich in den seltensten Fällen von den amb llchen Stellen bestätigen ober nennt die unausbleib­lichen Folgen, weil er die feststehenden Boraus­setzungen kennt. Er ist hellhörig geworden, er hat gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen, er kennt die Bedeutung der sachlichen Strititen, die auch in der Sowjetpresse erscheinen. Und er kann Tatsachen be­urteilen. Dieser Tatsachen liegt aber eine Fülle vor.

Nur einige seien hier genannt: Das Reiseoer - bot für ausländische Journalisten; die Züge, die mit feldmarschmäßig ausge- steten Soldaten seit Tagen durch Moskau rollen. Die Antwort, die ihm auf eine diesbezügliche Anfragevon zuständiger Stelle" zuteil wurde: Beschäftigen Sie sich gefälligst mit anderen Dingen ... nun, z. B. mit dem Umbau des Staates"; der Abbruch der Verhandlungen mit den ausländischen Oelsirmen; die ungeheuren, die furchtbaren Ernte- sörgen... Das ist nur Weniges aus dem stummen Lande. Aber es genügt.

Auf Sowjetrußland prasseln furchtbare Schicksals­schläge nieder. Es ist unzweifelhaft ein Akt der höch­sten Notwehr gewesen, wenn die Kremlregierung sich vor allem Ausland die Blöße gab, das ganze Land gewollt in tiefe Finsternis zu tauchen und jede Berichterstattung zu verbieten. Denn im Kreml fitzen kluge Leute. Sie wissen, daß unweigerlich in vielen Fällen d i e Phantasie dort in Aktion treten muß, wo der eigene Augenschein unterbunden ist. Sie sagen sich aber, daß keine Phantasie an bie Wirklichkeit heranreichen kann. Und des­halb fürchten sie die Phantasie, die außerdem jeder­zeitdementiert" werden kann, noch weniger als die Wahrheit. Die Wahrheit aber ist, daß von der diesjährigen Ernte schlechterdings alles abhängt. Wird sie wirklich gut, wie man angekündigt hat, und gelingt es, sie restlos einzubringen, dann kann die Ernährung wenigstens der städtischen Proleta­rier gerettet werden, um das Land kümmert sich ohnehin niemand. Gelingt es aber nicht, sie verlust­los einzubringen, so ist ein Rückschlag aus die par­teitreuen Arbeiter in den Kollektivwirtschaften so­wohl als auch auf die städtischen Proletarier un­vermeidlich. Dann ja, was dann wird, das roaat man heute noch nicht zu erwägen.

Und nun rollen Züge mit Soldaten durch die Städte... Werden ganze Regimenter auf Ur­laub geschickt? Werden sie zu diesem Zweck mit Handgranaten und Maschinengewehren ausgerüstet? Stimmt es, daß Moskau einegoldene E r - nährungsinsel" ist? Wo das hungernde Elend aus Hunderttausenden von Gesichtern schaut? Mo man furchtbar elende und verkommene Gestalten auf Schritt und Tritt sieht? Wo das Njedojedanie (ein technischer Ausdruck, etwanicht genug essen") an der Tagesordnung ist? Stimmt es, was man er- zählt, sich von Ohr zu Ohr zuflüstert, daß auch das amtliche Büro Intourist seine Rundreise eingestellt hat? Daß die Leichen in der Ukraine nicht mehr be­erdigt werden können? Daß dort der Aufruhr förm­liche Orgien feiert?

Beschäftigen Sie sich lieber mit dem inneren Umbau der Räteverwaltung", wird

einem vonzuständiger Stelle" empfohlen. Die­ser innere Umbau der Staatsverwaltung ist das neue Renommierstück der herrschenden Kommunisten. Es heißt, daß auch die GPU. der neugegründeten Staatsanwaltschaft für die Gesamtunion unter- stellt ist, daß ihr neuer Leiter Akulow ein libe­raler Mann (ein und die Gesetzmäßigkeit im Staat, d. h. die Gesetzmäßigkeit in der Rechtsprechung wie­der einführen sott. Es soll, wie Krylenko selbst ange­kündigt hat, nicht mehr Vorkommen dürfen, daß von rund 50 Todesurteilen, die eine lokale GPU. gefällt hat, bei näherer Nachprüfung durch die Staatsbe- Hörden nicht weniger als 48 aufgehoben und die Todeskandidaten glattweg freigelassen werden muß­ten. Auch für den Diebstahl eines Kohlkopfes, aus Hunger begangen, soll in Zukunft nicht mehr die Todesstrafe verhängt werden. Es soll also anders werden, alles, alles soll anders werden! Aber wann? in einer grauen Zukunft, in jenem goldenen Zeitalter, wenn es keinen Hunger und kein Elend mehr geben, wenn bie Ernte eingebracht fein wird. Die gleiche Ernte, die der Bauer nicht einbringen will, derentwegen jetzt Regimenter schwer bewaffneter Soldaten durch das Land rollen.

Es ist ein furchtbares Geschehen im Gange. Schläge prasseln auf das arme schwer geprüfte Land nieder. Und dieser Schläge wegen wird das Land in Finsternis getaucht. Denn auch die Gegenschläge können |o besser geführt werden. Dieses Geschehen aber mußte kommen, weil der ganze große A u f bau plan', der zu Unrecht die ganze Welt durch Jahre in Atem gehalten hat, nicht ein wirtschaft­licher, sondern in erster Linie ein militäri­scher Plan gewesen ist. Litwinow, der erfolg­reiche Außenkommissar, hat feine Errungenschaften bei seinem Aufenthalt in Frankreich (und mit gu­tem Vorbedacht eben dort!) so formuliert:Wir sind durch unseren Fünfjahresplan man mag mitt» schaftlich von ihm denken, was man will schon sehr stark geworde n". Darin liegt der Kern: wir sind stark geworden! Darin liegen die Leitsätze, die den Plan und das ganze Land fünf Jahre lang vorwärtsgetrieben haben, und sie erklären jede, auch die kleinste Erscheinung in Sowjetrußland. Der An­griff des Kapitalismus, der mit Bestimmtheit kom­mende, wurde den Massen eingepaukt; zu glauben, wurde ihnen zur Pflicht gemacht; wer nicht glaubte, war Landesverräter. Und unter diesem Motto wur­den immer neue Lei st ungen der Bevölke­rung erpreßt und immer neue Verzichte und Entbehrungen. Das Wirtschaftliche, das von Litwinow nur im Nebensatz erwähnt wird, hat nur insofern eine Rolle gespielt, als es b e i w A u f - bau der Kriegsindustrie dienlich war. Jetzt ist es soweit.Wir sind schon sehr stark geworden." Wir haben Tanks in beliebiger Anzahl, wir ha­ben eine ganz hochmoderne Luftflotte von erst­klassigen Bombenflugzeugen, unsere Ju­gend ist militarisiert, die Munitionssabri- k c n arbeiten mit Hochdruck, der Fünfjahresplan als R ü ft u n g s p l a n hat sich bewährt, wir ha­ben im Polarmeer durch den Weißmeerkanal eine neue Basis und jetzt, ausgerechnet jetzt d.roht das Land zu versagen. Aber im Regletnent der Roten Armee steht geschrieben, sie seigegen den äußeren und gegen den inneren Feind" bestimmt. Und deshalb rollen jetzt die Echalons durch die Städte nach den Dörfern der Ukraine und des Kaukasus'.

Aber ist denn nur die innere Grundlage ge­fährdet? 3m Außenhandelsmonopol glaubte man, bei dem in der Weltwirtschaft herrschenden Tohuwabohu eine scharfe Waffe zu besitzen, um das Lieberspringen des Funkens zu verhindern. Lind diese hat nun jetzt auch ge­trogen. Die Standard Oil- und die Shell-Ge­sellschaften sollten hier die Möglichkeit bieten. Es handelte sich um Objekte, die in die Hunderte von Millionen gingen, die Baku und Grosnyj auf Jahre hinaus beschäftigen sollten. Lind diese Verhandlungen haben sich nunmehr zerschla­gen. Wieder einmal hat sich der Stacheldraht des Außenhandelsmonopols nicht als Schuh-, sondern als Abschreckungsmahnahme erwiesen, die Amerikaner und Engländer wollen nicht. Dieser Schlag kann sich als einer der schwersten erweisen, der die Union je getroffen hat. Das Land ist aber in Finsternis gehüllt. Lind gegen den Bauern knattern Maschinengewehre.

Bezeichnende Vorgänge in Malmedy.

Brüssel, 16. Aug. (ERD.) Fünfvonacht Mitgliedern der sozialdemokra ti­schen Parteileitung in Malmedy sind aus der Partei ausgeschicden und wie die E toi le Beige wissen will zurRSDAP. ü b e r ge­treten. Der Bruch entstand, weil zwei sozial­demokratische Parteiführer aus Malmedy eine Gruppe Ferienkinder nach Deutsch­land begleitet hatten, obgleich die Ver­schickung von Ferienkindern nach Deutschland im Rahmen der sozialdemokratischen Boykottpropa­ganda von der Brüsseler Parteileitung aus­drücklich verboten worden war. Als die Partei Maßnahmen ergriff, erklärten sich noch drei andere Malmedyer Sozialdemokraten mit ihren beiden Parteifreunden solidarisch und verliehen die Partei. Zwei von den fünf ausgeschiedenen Sozialdemokraten besitzen Gemeinderatsmandate,

so daß die RSDAP., wenn der Liebertritt tatsäch­lich erfolgen sollte, demnächst im Gemeinde- rat von Malmedy vertreten wäre.

©cr deutsche Bürgermeister von Marienbad nicht bestätigt.

Prag, 16. Aug. (WTB.) DasPrager lag­bla tt" berichtet, daß dem deutschnationalen Bürger- meister von Marienbad Dr. Hans Turba ein Be­scheid des Innenministeriums zugestellt wurde, daß leine Wahl zum Bürgermeister nicht bestätigt wird. Gründe für diese Maßnahme werden nicht angegeben. Turba war der Einberufer der letzten

DieEnthüllungen Eine Stellungnahme der

Landesleitung Oesterreichs.

Berlin, 16. Aug. (ENB.) Die Landesleitung der NSDAP. (Hitler-Bewegung) Oesterreichs teilt zu denEnthüllungen" derReichspost" folgendes mit:

1. Für die Leitung der nationalfozialiftischen Poli­tik in Oesterreich ist allein die Lundesleilung zu­ständig und verantwortlich. Infolgedessen sind alle Behauptungen, wonach das Außenpolitische Amt der NSDAP. Weisungen nach Oesterreich gegeben habe, von vornherein unzutreffend.

2. Die Landesleitung hat seit ihrer Verlegung nach München keinerlei Beziehungen mit der deutschen Gesandtschaft in Wien unter­halten. Insbesondere hat sie weder Auftrag noch Kenntnis davon erhalten, daß auf dem Wege über bie Gesandtschaft Pri­vat- oder Parteipost befördert wurde. Der von derReicbspost" erwähnte Königlich Alba­nische Konsul E. Grosch in Frankfurt a. M. ist der Landesleitung völlig unbekannt.

3. Ebensowenig bekannt sind der Landesleitung die zum Abdruck gebrachten Denkschriften und Memoranden über wirtschaftspolitische Maßnahmen gegen Oesterreich. Abge­sehen davon vermag sie übrigens in diesen nicht das mindeste für die Partei Be­laste n d e zu erblicken, nachdem ihr derartige Vorschläge und Anregungen unaufgefordert nicht nur vereinzelt, sondern zu Dutzenden Tag für Tag aus allen Teilen Oesterreichs zugehen als Arbeiten von Privatpersonen und Wirtschaftlern, die damit der Bewegung einen Dienst zu er­weisen glauben.

4. Die Behauptung, daß im Lager Lech­feld eine aus Oesterreichern gebildete be­waffnete Truppe zum Zwecke des Einfalls nach Oesterreich aufgestellt werde, ist vollen­deter Llnsinn. Richtig ist lediglich, daß die groß: Z:hl a s Ocsterreich g.flüch eter Mitglieder der RSDAP., soweit sie sich nicht selbst erhalten können, in Arbeitslagern zusammen­gestellt werden, um zu verhindern, daß sie planlos und hilflos im Lande umherirren.

5. Mit diesen Feststellungen erledigen sich alle von derReichspost" gezogenen Schlußfolgerun­gen und Kombinationen.

Sitzung des Deutschen Dolksrates, die mit der Ab- fingung des Horst-Wessel-Licdes endete.

Ist Schulabbau Vereinfachung der Verwaltung im Sinne des Gesetzes?

Berlin, 16. Aug. (VDZ.) Rach den neuen Deamtengesetzen des Reiches können Beamte auch zur Vereinfachung der Verwaltung in den Ruhe st and verseht werden, selbst wenn sie noch nicht dienstunfähig sind. Wie daS VDZ.-Büro aus Kreisen der deutschen Kommu- nalverwaltung hört, ist man bei den Kommunen der Auffassung, daß diese Bestimmung auch die Möglichkeit gebe, Lehrpersonen in den Ruhestand zu versetzen, um Schuleinrich» tungen abbauen oder verkleinern zu können. Da es sich hier um eine Frage von er­heblicher grundsätzlicher und praktischer Bedeu­tung handelt, hat der Deutsche Gemein­de t a g an die Reichs- und an die preußischen Zentralbehörden die Ditte gerichtet, eine Ent­scheidung dahin zu treffen, daß der Abbau oder die Einschränkung von LInterrichtsanstalten ebenfalls eine Maßnahme zur Ver­einfachung der Verwaltung im Sinne der neuen gesetzlichen Bestimmungen ist.

"derReichspost".

Eine weitere Erklärung des Außenpolitischen Amtes der NS0AP.

Berlin, 16. Aug. (ENB.) Das Außenpolitische Amt der NSDAP, teilt mit: Die von uns erwähnten Enthüllungen" der nunmehr im Original vorliegen­den WienerReichspost" geben angebliche Briefe über bie deutsch-österreichische Politik und wirtschaftspolitische B e trachtungen wieder. Wir können nochmals fest­stellen, daß diese Briefe nichtausdem Außen- politischen Amt der NSDAP, stammen. Bis zur Klärung der unseren Parteigenossen Erwin Schneider und Hans von Ditz zugeschriebenen Privatbriefe sind die beiden Parteigenossen vom Außenpolitischen Amt der NSDAP, beurlaubt worden.

Neue Kampsmaßnahmen der Regierung Dollfuß.

Berlin, 16. Aug. (TL1.) In einem fast neun­stündigen Ministerrat wurden zwei Verordnun­gen beschlossen, die von erheblicher politischer Be- deutung sind. Die eine Verordnung ändert das Bundesgesetz über Erwerb der Landes- und Dun- desbürgerschaft dahin ab, daß diejenigen mit dem Verlust der Landes- bzw. Bundes­bürgerschaft zu rechnen hoben, die imAus- lande ö st e r r e i ch f e i n d l i ch e Handlun­gen unterstützen, fördern oder sich zu die­sem Zweck ohne Ausreisebewilligung i n d a s Aus land begeben, falls eine solche Ausreisebewilligung nachzusuchen ist. Bekanntlich ist jetzt insbesondere auch für das Deutsche Reich eine solche Ausreisebewilligung vorgeschrieben. Ferner kann auch bei diesen Personen auf Be­schlagnahme und Verfall des Ver­mögens erkannt werden. Eine weitere Verord­nung beschäftigt sich mit der Möglichkeit und der Durchführung des Verfalls von Vermö- gen politischer Parteien, deren Be­tätigung in Oesterreich verboten ist. Solche Parteien sind die RSDAP. und die Kommu­nistische Partei.

In Innsbruck wurden in der Vorwoche Ober­leutnant von Lützow und der Zeitungsbeamte Q u i r 5 f e I b an Stelle unbekannter Täter wegen jMalens von Hakenkreuzen zu fivoen

Neue Wege im Eisenbahn-Verkehr.

Generaldirektor Kleinmann über seine Pläne.

Berlin, 16. Aug. (ENB.) Der neuernannte stell­vertretende Generaldirektor der Reichsbahn Klein- m a n n erklärte imAngriff" über seine Pläne und Ziele u. a.: Unser erstes Ziel wird sein, i m Per­sonal wieder Puhe und Vertrauen zur Hauptverwaltung herzustellen. Es bestehen heute noch gewisse Härten, die in den nächsten Wo­chen ausgeglichen werden sollen. So gibt es Unter­schiede zwischen den Bestimmungen der Personal­ordnung und den allgemeinen Bestimmungen über das Reichsbeamtentum, deren Beseitigung von Neichsbahnerjeite in dem RufZurück zum Reich" gefordert wurde. Der Personalausschuß wirb dafür Sorge tragen, daß vor allen Dingen d e r - VielrtfFrvntckStnpser A r b ei t und Brot finden. Ferner soll eine bedeutende Verjüngung des Personalbestands eintreten. Der damit nötig werdende Abbau älterer, vor allem höherer Beamter wird vielleicht dazu beitra­gen, den leider zum Teil immer noch herrschenden Klassendünkel endlich zu beseitigen.

lieber die sachlichen Ziele äußerte sich General­direktor Kleinmann:Auf sachlichem Gebiet wird mein erstes Ziel sein, Schiene und Land­straße für die Verkehrsbedienung in Einklang zu bringen." Der Z u b r i n g e r o e r k e h r sowohl für Güter als auch für Personenbeförderung muß in weitgehendem Maße durch das Auto ausge­nommen werden. Für hohe Dauergeschwindigkeit aus langen Strecken ist die Eisenbahn geeigneter.

Der Mas seng i^terverkehr bleibt immer der Bahn erhalten.

Die Einrichtung der Oberbetriebslei­tung brachte eine Steigerung derReise - geschwindigkeit um etwa 50 v. H. So brauchte z. B. noch 1924 ein Eilgüterzug Köln Berlin 36 Stunden, durch bie Organisation der Oberbetriebsleitung ist diese Fahrzeit auf 14 Stunden gesunken. 11. a. sind durch diese Stellen Nachtverbindungen geschaffen, die in einer Nacht 3 0 0 Kilometer bequem bewältigen können. Wird das Gut abends aufgegeben, so muß es am nächsten Morgen 300 Kilometer wei­ter zur Verteilung zur Verfügung stehen. Das be­deutet eine Mindestreisegeschwinbigkeit in Zu­kunft von 45 bis 50 Kilometer, also eine Streckengeschwindigkeit von minde­stens 65 Kilometer in der Stunde. Wirtschaftlich kann das jedoch nur durchgeführt werden mit Hilfe eines organisierten Zubringer- und Derteilerdienstes und durch kleine Trans­porteinheiten. Die großen Erfolge, die man mit der Betriebsleitung beim Güterverkehr gehabt hat, waren Veranlassung, die Tätigkeit der Ober­betriebsleitung auf den Personenfern- verkehr auszudehnen. Das bedeutet eine Wei tere Beschleunigung der Reisegeschwindig­keiten im Perfonenfernverkehr.