Ausgabe 
17.3.1933 Erstes Blatt
 
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25 Fortsetzung

Nachdruck verboten i

Wartung erdrückte ihn.

(Fortsetzung folgt.)

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ein Drahtzaun macht sich niemals breit!

Luft, Sonne und Regen läßt das blitzende Drahtgeflecht durch, aber keine ungeratenen Gäste.

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vernahm sein Pochen.

Auch das ihre rannte. Bis an die Schläfen fühlte sie fein schweres Hämmern. Und dann formte ihr Mund die Frage, die Entscheidung bringen mußte: Warum betrügst du sie?"

Er gab sie frei und lag mit zurückgebogenem Körper.

Warum?" drängte sie und richtete sich In den Ellenbogen auf, um sein Gesicht zu sehen.

Es war weiß und die Lider zur Hälfte über die dunklen Augen gedeckt. Sie mußte sich dicht über ihn neigen, um ßu verstehen, was seine Lippen sprachen:Sie hmtergeyt mich mit ihrem 9teit»

Sie hatte das Ohr an seinem Herzen liegen und i und bettete ihr Gesicht gegen seine Brust.Buona I notte."

I Was ihr Mund noch zu ihm aufflüsterte, verstand

knecht."

Ein Schrei gellte auf, daß die Grillen, die zu Sen begonnen hatten, erschrocken stille wurden.

19 ist?" Merlin saß aufgerichtet und hielt die zitternde Frau in den Armen.Warum hast du geschrien?"

Ich--** Ihr Atem sagte noch!Du mußt eine

Nadel im Rock haben. Ich habe mich daran ge­stochen!"

Verzeih, es war unvorsichtig, daß ich nicht nach­gesehen habe. Soll ich Licht machen?"

Nicht!" Ihre Hand hielt die seine am Gelenk fest. Um keinen Preis durfte er jetzt ihr Gesicht sehen. Den Kopf gegen feine Brust gelegt, verharrte sie reglos.

Der Mond hatte sich über den Rand der Ebene gehoben. Eine breite Straße hellgrünen Lichtes floh über das primitive Lager. Draußen begann das Grillenzirpen von neuem. Frösche quakten im Sumpf. Es roch bis in die Hütte herein nach damp­fender Erde und Algen, die sich im Sumpf ver­klemmten. Eine Mücke surrte aufgeregt um ihre Köpfe und lockte neue herbei.

Schläfst du?" frug Merlin, als es so unheimlich still an seiner Seite blieb.

Stephanie richtete sich auf und strich das Haar zurecht.Erzähle mir von deiner Frau!"

Er setzte sich in die Knie und sah in die Scheide des Mondes, die unförmig groß im Segment des Himmels hing.Was soll ich dir erzählen?--

Daß sie blond ist und einundzwanzig Jahre und bei meinem Vater lebt und nicht glauben will, daß ich sie nicht immer um mich haben kann. Bei Tag die Werft, .des Nachts am Schreibtisch, wo bliebe mir da noch Zeit für sie? Sie glaubt nicht einmal, daß ich sie liebe."

Du liebst sie?" Stephanie verbarg das Gesicht an feiner Schulter und horchte gesenkten Hauptes auf feine Antwort.

Aber er lachte nur:Nun bist du eifecfüdjtigl Wie? Ader ich habe dir ja gesagt, daß. ich ihr nichts bin, sonst würde sie mich nicht mit einem anderen betrügen."

Kennst du ihn?"

Den anderen?--Noch nicht! Aber ich werde

ihn mir ansehen. Ich rnusi doch wissen, welchen Ge­schmack sie hat." Sie an sich ziehend, wurde er ernst. Was hast du plötzlich für heiße Backen! Wir wollen schlafen jetzt. Ich glaube, es geht schon auf den Morgen zu." Er hob den Arm, drückte sie hinein

er nicht mehr.

Der Mond schien in schiefer Stellung geradewegs zu ihnen herein. An den tiefen Atemzügen ihres Mannes erkannte Stephanie, wie fest er schlief. Er mochte todmüde fein. Was ietzt? In ihr war ein einziges Chaos. Wer hatte ihm von Joe Brandt berichtet? Der Vater?--Nie, dachte sie. Auch

wenn sie schuldig gewesen wäre, hätte er nicht den Verräter an ihr gemacht. Wer dann?

Hatte sie einen Feind? Und wo war er? Sie ließ alle Namen der Nachbarn an sich vorübergleiten. Keiner, der ihr nicht gut war. Und doch mußte es einer gewesen fein.

Es blieb nichts übrig, als einen Eilbrief an den Vater zu schreiben und ihm alles klarzulegen. Viel­leicht wußte er einen Rat. Auch Joe mußte darum wissen und die Tante. Und trotzdem dünkte sie die Katastrophe unvermeidlich.

Durch die lähmende Stille Ilana jetzt der Pfiff einer Lokomotive herüber. Die Lautlosigkeit der Nacht trug den Hall weit in die Ebene hinein. Ein Vogel stieß gegen das morsche Stroh des Daches, bäh'feines ©taubgeriefel herabrann.

Merlin fuhr auf, strich sich über die Augen, tastete und suchte nach ihrer Hand. Schlaftrunken glitt er wieder zurück. Sie legte die Wange gegen seine und fing mit den halbgeöffneten Lippen die Tränen auf. Es war nichts als Not und Verzweiflung in ihr. Wo lag das Ende und wie würde es sein?

Monohelle und Morgendämmerung schwammen ineinander, als sic endlich, müde wie ein verweintes Kind, die Augen schloß. Eine Blindschleiche ringelte sich herein und kroch raschelnd durch das Laub am Boden. Hummeln flogen brummelnd den Silber­disteln zu. Eine verirrte sich unter das Strohdach und setzte sich auf Merlins Ohr.

Er erwachte und streifte sie behutsam ab, setzte sich geräuschlos hoch und horchte etwas herabgeneigt auf Stephanies tiefe Atemzüge. Immer bedacht, daß das Heu nicht zu sehr knistere, schob er sich auf und zupfte die Halme von Hemd und Beinkleid ab, neigte sich vor und küßte das schwarze Geringes, das sich über Stephanies Arm wellte. Auf leisen Füßen schlich er sich hinaus.

Die Campagna lag in milchigem Grau. Feine, schleierzarte Nebelschwaden zogen die Wassertümpel entlang und blieben über den Sümpfen hängen. Noch hielten die Berge die Sonne zurück, aber ihr purpurner Schein lohte schon hinter ihnen auf und warf zuckende Brände auf die Wolken, die langsam südwärts zogen

Merlin stand und schaute, lief plötzlich nach dem Eingang der Hütte und breitete die Arme aus: Wach auf! Und komm und schau!"

Sie sah ihn über sich geneigt und streckte die Hände nach ihm hoch. Ihre Wangen glühten vom Schlaf. Das Haar batte sich gelockert und fiel in breiter Welle in die Stirne. Das Leuchten ihrer Augen sprach von der Seligkeit der Frau, die liebte. Abgefallen war alles, was Leid und Not gebracht. Nur diese eine Minute blieb.Warst du schon bei unserem Vogel?"

Gr schüttelte den Kops und zog sie zu sich hoch. Komm erst und sieh den Morgen! Diesen Morgen, Geliebtes! Für dich und mich so schön gemacht! Mir ist, als wäre keiner vor iym gewesen und käme keiner nach ihm mehr."

Seine Begeisterung steckte sie an. Eng aneinander­geschmiegt standen sie vor der Hütte und sahen wie Ströme schmelzenden Goldes die Hänge herab dem Tale zuflofsen. Die Berge gleißten wie gehämmertes Kupfer. Leise trillerte sich eine Lerche in diese Far­bensymphonie.

Stephanie stand mit erhobenen Händen, bis er ihr Gesicht mit beiden Händen zu sich herüberdrehte und es küßte.

Triumphierend stand die Sonne in dem Him­melsblau, als sie den Bann von sich abschüttelten. Hand in Hand gingen sie nach der Stelle, wo der Eindecker sich in der grellen Helle spiegelte.Nun kommt die Prosa Kind!" sagte er lächelnd.Sehen, wo es eigentlich fehlt. Möglich daß nur eine Schraube gelockert ist. Es kann aber auch glatter Bruch sein. Dann müssen wir abschleppen. Vergnüglich ist das nicht."

Es war keines von beiden. Weder gelockerte Schraube, noch irgendwie Bruch.

Ein Stück war abgesplittert und hatte sie in Ge­fahr gebracht. Und wenn es auch nicht vergnüglich war, man mußte sich damit abfinden, zur nächsten Station zu gehen und von dort Hilfe aus Rom zu erbitten.

Mach fein solch besorgtes Gesicht" sagte er gütig. Du weißt, wie es hätte kommen können. Willst du mir noch eine Bitte gewähren, weil ich uns so geistesgegenwärtig auf die Erde herabgesteuert ijabe?7'

Jede!"

Dann komm mit mir nach Ostia! Ich will uns ein Landhaus dort mieten. Acht Tage bin ich noch hier. Schenkst du mir die?"

Sie bejahte mit einem Senken des Kopfes, griff nach feiner Hand und wollte sie an die Lippen Ziehen, aber er hob sie mit einem Ruck vom Boden aus und hielt sie an sich gepreßt.Mein Weib!" Die Schauer die durch ihren Körper rannen, fühlend, frug er wehmütig:Bist du nicht mein Weib?"

Ähren Kopf gegen feine Schulter drückend, hörte er ihrJa" an feinem Ohr.

Mit einem hellen Iubelruf stellte er sie zu Boden.

Es gab einen etwas erregten (Empfang, als Stephanie in Rom eintraf. Frau von Guielmo hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan, immer in der Erwartung, daß die Nichte doch wenigstens irgend­welchen Bescheid schicken werde. Und als alles War­ten vergeblich gewesen war, hatte sich eine ganze Schar von Freunden und Bekannten auf die Suche nach den Verschollenen gemacht.

Die Herzoain von Viterbo hatte Verwünschungen gegen den Unglücksvogel ausgestoßen und sich mit Vorwürfen gepeinigt, ihn der jungen Frau über- laffffen zu haben. Joe Brandt war überhaupt nicht zu Bett gekommen und sah aus wie ein Mann, dem Das Todesurteil gelesen worden war. Die Derant-

Dann wollen wir noch ein bißchen plaudern." Die Nacht war lau. Myriaden von Sternen lagen über dem Himmel verstreut. Ganz ferne donnerte ein Zug vorüber. Die hellerleuchteten Wagenreihen tanzten wie Glühwürmer durch die Ebene.

Vor der Hütte war etwas wie eine Bank in die Erde gerammt Stephanie ließ sich darauf nieder. Er setzte sich zu ihren Füßen ins Gras und lehnte den Kopf gegen ihre Knie. Ihre Hände, erst im Schoß gefaltet, lösten sich und strichen sein Haar entlang. Das Gesicht hebend, sah er zu ihr auf, suchte ihren Blick und hielt ihn fest.Du."

Nach ihrer Rechten fassend, legte er feine Wange dagegen.Liebstes!"

Ihr Antlitz leuchtete weiß aus der Finsternis, neigte sich dann und bog sich zu ihm herab. Ihre Lippen fanden sich.

Er mußte sich bücken, als er sie durch die niedere Türe der Hütte trug. Verdächtig wankte sie in den Angeln, als er unversehens daran streifte. Ein kur­zes Verhalten, dann bog er sich in die Knie und ließ sie in die Schütte zusammengepreßten Heues gleiten. So mochte der erste Mensch sein Weib ge­bettet haben, als er aus den Gärten des Paradieses in das Grauen der Verdammung hinausgeftoßen wurde.

Sie lag mit zuckendem Munde, sah, wie er den Rock abnahm, ihn zusammenrollte und darüberstrich. Ähren Kopf hebend, legte er ihn unter ihren Nacken. ,Hjt es so gut?"

Sie nickte Es war unmöglich, daß die Kehle ein Wort formte, und wäre es auch nur ein Ja gewesen. Vor ihr nieberfnienb, drückte er das Gesicht gegen ihre SchulterGute Nacht!" Sein Mund streifte ihr Haar. Leise knisterte das Heu, als sie die Arme um ihn legte. War das ihr Mann?--Der Mann,

von dem sie glaubte, daß er nicht lieben konnte!

Sie wußte nicht, welche Zett es war, als der auf- steigende Mond ihr blendendes Silber ins Gesicht warf. Verwirrt von Schlaf, Traum und Wirklichkeit richtete sie sich hochHans Jörg!"

Ein Schatten verdunkelte die Türe, daß sie leise aufschrieBist du es?"

Wer sonst?--" Neben ihr ins Heu gleitend

schloß er sie in die Arme.Hast du gefürchtet, ich könnte mich davonmachen? Ja?" fragte er noch einmal, als er ihr leises Weinen hörte.Was seid ihr Frauen kleingläubig, selbst wenn ihr liebt. Und du liebst mich doch?"

Sie drückte nur den Kops enger gegen seine Schulter.Wirst du mich aber auch noch lieben kön­nen, wenn ich dir ein Geständnis mache?"

Welches?" bebte es zu ihm auf.

Daß ich verheiratet bin!"

Es blieb totenstill im Raum. Nur der Atem der beiden Menschen ging hörbar durch die Dunkelheit.

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