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17.3.1933 Erstes Blatt
 
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Gichener Anzeiger (General-Anzeiger für DberhesseM

Nr. 65 Zweites Blatt

Wirtschaft.

Berlin:

Aktien vernachlässigt, Renten fest.

Berlin, 17. März. (WT2. Funkspruch.) Ob- wohl auch für Aktien im allgemeinen nur an­regende Momente Vorlagen (so z. B. die voraus- sichtlichc Einigung Rheinische Braunkohlen-Rockel- grubc, die Transaktion der AEG., Arbeiterneu- einstellungen bei den Dürkoppwerken, höhere Ei­sen- und Stahlproduktion im Februar und ein an­geblicher 40-Millionen.Auftrag Bulgariens für die deutsche Waggonindustrie), konzentrierte sich schon vorbörslich das Interesse der Spekulation auf den Rentenmarkt. Die Ernennung _ Dr. Schachts zum Reichsbankpräsidenten verstärkte die Hoffnungen auf eine baldige Diskontsenkung, und auch die Festigkeit der deutschen Werte im Auslande schien besonders die heimischen Renten anzuregen. Das Geschäft war an diesem Markte im Gegensatz zu den Aktien äußerst lebhaft. Die Tauschoperationen der Kulisse von Aktie n in Renten hielten an. Hierbei waren vor allem, neben der Alt- und Reubesitzanleihe, Reichsschuld­buchforderungen und »Schutzgebiete gefragt, aber auch für Industrieobligationen und für die übri­gen Gebiete des Anlagemarttes zeigte sich stärkere Kaufneigung.

Trotzdem lag aber auch der Aktienmarkt nicht unfreundlich. Wit Ausnahme der schon in den letzten Tagen rückgängigen Daimleraktien und abgesehen von den beiden Maschinenwerten, Ber­liner Maschinen und Deutsche Waffen, fielen Bremer Wolle mit einem Zprozentigen. Rhein- stahl und Schubert mit einem je 2prozentigen, Hoefch mit minus 2.65 Prozent, Buderus mit minus 2,25 und Harburg Gummi mit einem minus 3.6prozentigen Abschlag auf. Bei letzteren verstimmte der Berlustabschluh. Relativ fest waren dagegen weiter BEW- Plus 4 Prozent,

Berger plus 2 Prozent und Ilse nach anfäng­licher Plus-Plus-Rotiz mit plus 6 Prozent. Im Verlaufe wurde es dann, von AEG. und Farben . . y .ui einheitlich iester.

Las Hauptgeschäft wickelte sich weiter am An­lagemarkt ab. Die Altbesitzanleihe gew iiux gegen gestern 2.4 Prozent, bei den variabel ge­handelten Industrieobligationen gingen die Ge­winne bei den Stahlbonds nach anfänglicher Plus - Plus - Rotiz sogar bis zu 3.5 Prozent. Reichsschuldbuchforderungen waren etwa 1.5 Pro­zent höher. Ausländer lagen uneinheitlich.

Der Reichsbankausweis für die zweite März­woche brachte keine Lleberrafchungen. Die Roten­deckung konnte sich nach 25,8 Prozent wieder auf 26,1 Prozent bessern. Stärker erholt waren später BMW.-Aktien, die nach 1 Prozent höherer Er­öffnung weitere 6 Prozent gewannen, während sonst im allgemeinen die Besserungen gegen den Anfang bis zu 1,75 Prozent gingen.

Die Situation am Geldmarkt blieb auch heute unverändert. Rechtzeitige llltimovorbereitungen haben aber in Privatdiskonten eher Abgaben zur Folge. Dagegen bestand für die Schahanwei­sungen per 15. Rovember eher Rachfrage. Re.chs- wechsel, die immer noch per 10. Juni lauten, hatten sehr ruhiges Geschäft.

Frankfurt fest. Hauste in Renten.

Frankfurt a. M, 17. März. (WTD. Draht- Meldung.) Die Ernennung Dr. Schachts zum Reichsbankpräsidenten machte an der heutigen Börse einen guten Eindruck und führte auf Grund seiner Einstellung gegenüber der Währung zu einer wahren Hausse am Rentenmarkt, während der Aktienmarkt zunächst auf Taufch- operationen gegen Renten meist in schwächerer Haltung eröffnete. Bon der Kundschaft lagen zahlreiche Kauforders für festverzinsliche Werte vor, und da auch die Kulisse sich in gröberem Maße dem Rentenmarkt zuwandte, war öicilm- sahtätigkeit sehr lebhaft. Eine ganze Anzahl von

Rentenwerten erschienen mit Plus-Plus-Zeichen. Im Mittelpunkt des Interesses standen Reichs- altbesih und späte Reichsschuldbuchforderungen, die je 1,25 Prozent höher einsehten, aber auch Reubesih und Schuhgebietsanleihen lagen mit je plus 0,50 Prozent sehr fest. Den stärksten Ge­winn verzciuzneten von Industrieobligationen 6- prozentige Mittelstahl-Bonds mit plus 4,89 Pro­zent, und öprozentige Stahlverein-Donds lagen unter Schwankungen 3,25 Prozent fester. Reichs­bahnvorzugsaktien waren 0,25 Prozent höher.

Am Aktienmarkt war die Kursgestaltung zwar uneinheitlich, doch überwogen anfangs meist Abschwächungen von 0,50 bis 1 Prozent, vor allem für Montanwerte und Chemieaktien. Elek­trowerte tendierten unverändert, während Kali­aktien um 1,50 bis 3,50 Prozent anzogen. 11. a. eröffneten noch bis zu 1 Prozent fester Kunst­seidenpapiere Zellstoff Waldhof, Contigummi, Deutsche Linoleum, Allgemeine Lokal und Kraft­werke, die bis zu 2 Prozent anzogen.

Im Verlaufe lagen auch die Aktienwerte ziemlich f e st. Unter Bevorzugung von AEG. betrugen die Erhöhungen von 0,50 bis 2 Prozent. Ilse Bergbau lagen 6 Prozent höher. Am Ren­te n m a r k t setzte sich die Aufwärtsbewegung fort, besonders Altbesih waren gesucht und er­neut 1,25 Prozent fester. Späte Reichsschuldbuch­forderungen und Reubesih gewannen 0,75 bzw. 0,25 Prozent. Goldpfandbriefe waren auf Der ganzen Linie stärker gefragt und bis zu 2 Prozent fester. Kommunalobligationen zogen durchweg um 2 Prozent an. Von Liquidationspfandbriefen lagen Rassauische Landesbank Wiesbaden 2,50 Prozent fester. Die Mehrzahl der Stadtanleihen waren mit Plus-Plus-Zeichen angeschrieben und kamen von 2 bis 3 Prozent höher zur Rotiz.

Oer Reichsbankstatus Mitte März.

Berlin, 17.März. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. 3. hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte

Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 97 Millionen auf 2992,3 Millionen RM. verringert. 3m ein­zelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -Schecks um 68,3 Millionen auf 2497,6 Millionen RM., die Bestände an Reichsschatzwechseln um 25,3 Millionen auf 11,3 Millionen und die Lombardbe­stände um 3,5 Millionen auf 82,3 Millionen RM. abgenommen, die Effektenbestände um 0,1 Millionen auf 401,1 Millionen RM. zugenommen.

An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zu­sammen sind 28 Millionen RM. in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 26,9 Millionen aus 3266,4 Millionen RM., derjenige an Rentenbank­scheinen um 1,1 Millionen auf 400,6 Millionen RM. verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 26,4 Mil­lionen RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 355 Millionen RM. eine Zunahme um 18,8 Mil­lionen RM.

Die Bestände an Gold und deckungssähi gen Devisen haben sich um 2 Millionen auf 852,3 Millionen RM. erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 10,7 Millionen auf 739 Mil­lionen RM. abgenommen, die Bestände an deckungs­fähigen Devisen dagegen um 12,7 Millionen auf 113,3 Millionen RM. zugenommen.

""Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähigc Devisen betrug am 15. März 26,1 v. H. gegen 25,8 v. H. am Ende der Vorwoche.

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