Ausgabe 
15.8.1933 Frühausgabe
 
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185. Jahrgang

Dienstag, 15. August 1955

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dnid und Verlag: vrühl'fche Universttäls-Vuch- und Steinörudcrei H Lange in Stehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7.

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Dr. Friedr. Wilh Lange. Bcrantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Gießen

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ORonOnoieu.

Wie ein Triumphator ist Jtalo B a l b o nach seinem ruhmreichen Flug,in Rom eingeholt wor- den. Das römische Imperium hat schon viele Triumphzüge gesehen, vielen Feldherren und Staatsmännern zugejubelt, aber Balbos Heimkehr nad) einer Leistung ohnegleichen ist nicht nur ein Triumphzug, sie ist eine denkwürdige Tat. Der Atlantische Ozean ist schon nach allen Richtungen überflogen worden, wie in den Annalen der Luft­fahrt auch verzeichnet steht, daß wagemutige Flie­ger in wenigen Tagen den ganzen Erdball um­kreisten. Im Oktober 1924 führte Hugo Eckener denZepoelin" nad) Neuyork, wobei er den Weg über die Azoren wählte, um für diese Leistung als Pfadfinder in die Geschichte der Luftfahrt einzu- gehen. Auch die Fahrt über Island und Grönland, über Labrador und Sianaba ist von dem Deutschen Wolfgang von Gronau vorgeflogen worden, um so den Weg zu bahnen für den kommenden Luftver­kehr zwischen Europa und Nordamerika. Es bleibt aber der unvergängliche Ruhm Jtalo Balbos, daß er ein Geschwader von 23 Flugzeu a e n sicher und unbeirrt nach Neuyork und zurück führte, wobei er sorgfältig alle Erfahrungen aus- uutzte, die die atlantische Luftfahrt bisher gesam­melt hatte. Aber auch diese Erfahrungen reichten nicht aus, denn es ist etwas anderes, sportgerecht über den Ozean zu fliegen, als mit einem Geschwa­der den Weg zu suchen. B a l b o hatte diesen Ge­schwaderflug in engen Grenzen schon einmal aus- probiert, als er mit einigen Flugzeugen nach Süd­amerika flog, um nach Feststellung der lufttechnischen Ergebnisse den Rückweg zu Schiff anzutreten. Un­unterbrochen hat bann Balbo auj Grunb bicfcr Erfahrungen ben Geschwaberflug nach Neuyork vor­bereitet, bcnn es galt nicht nur die geeigneten Ma­schinen zu bauen, es galt auch, eine Mannschaft heranzubilden, bie biefcr noch niemals 'gewagten Leistung in jeder Hinsicht gewachsen war. Beides ist B a (b o glänzend gelungen, ein Beweis dafür, baß er nicht nur ein Flugtechniker e r ft e n Ranges, sonbern auch ein wirklicher Luft- marschall ist. Der Duce hat Balbo nach seiner Heimkehr verdientermaßen mit dieser Würde be­kleidet, die damit zum ersten Mal an einen Weg­bahner des Luftverkehrs vergeben worden ist.

Balbo hat den Beweis erbracht, daß nid)t nur einzelne Flugzeuge, daß vielmehr dicht auf­geschlossene Geschwader den Weg über den Ozean finden können, um in absehbarer Zeit noch größere Entfernungen und nod; größere Schwierigkeiten zu überwinden. Damit rückt der Luftverkehr entscheidend in den Bor- dergrund, was insofern für Deutschland bedeutsam ist, daß es nicht mehr länger aus der Reihe der Völker ausgeschlossen werden darf, die sich der Eroberung der Luft widmen. Je stärker und unaufhaltsamer sich bie Technik des Flugwesens ent­wickelt, desto weniger wahrscheinlich ist es, daß dieses überragende Berkehrsmittel noch länger für mili­tärische Zwecke Verwendung sinden kann und darf. Aber das setzt voraus, daß das Flugwesen allen Völkern freigegeben wird, denn es ist klar, baß nur der eifrige Wettbewerb bie Entwicklung der Luftfahrt beschleunigen kann.

' Der Geschwaberflug Balbos ist e i n e L e i st u n g für ben Frieden gewesen, aber auch ein Brückenschlag über bie Meere, so daß bie Völker sich künftig nicht nur verkehrstechnisch, son­dern auch geistig und politisch näherkommen wer­den und näherkommen müssen. Sicher würde aud) das deutsche Flugwesen schon Leistungen dieser und ähnlicher Art vollbracht haben, wenn nicht die Be­stimmungen des Versailler Diktats hindernd im Weg stünden.

Das deutsche Volk grüßt in Jtalo Balbo nicht nur den wagemutigen P i - loten, sondern auch den Bahnbrecher für Freiheit des Flugwesens. Das deut­sche Volk versteht auch aus eigenem Erleben her­aus sehr gut und mit aufrichtiger Mitfreude den stolzen Jubel der Italiener, denn Deutschland hat vor 15 Jahren die ersten Flüge des Grafen Zeppe­lin mit dem gleichen Hochgefühl verfolgt

Oer ganze Ehrgeiz des amerikanischen General­stabes ist darauf abgestellt, die A r m e e d e r V e r - einigten Staaten z u motorisieren. Von der vollkommenen Motorisierung der Trup­pen versprechen sich die amerikanischen Heerführer ben sichersten Erfolg für jede kriegerische Ausein­andersetzung, die die Zukunft vielleicht bieten könnte. Dabei ist nicht allein an die Luftfahrt ge­dacht, für die Amerika schon sehr zeitig besonders große Mittel aufgebracht har, um sie zu einer "schlagkräftigen Waffe zu entwickeln. Der Typ des Soldaten, der im Felde kämpft, ist nad) Ansicht des amerikanischen Generalstabs aud) für bie weitere Zeit noch sehr nutzbringend zu verwenden, wenn es nur gelingt, die'Truppenverbände aud) in ihrer Gesamtheit, nicht nur in einzelnen bevorzugten Ab­teilungen, mit allergrößter Beschleuni­gung für die jeweils geplante Kampfhandlung, oder für die notwendig werdende Abwehrakkion ein- zusetzcn. Ursprünglich hatte man Lastkraftwagen benutzt, um einzelne Formationen ohne Rücksicht auf bie Zufälligkeit von gerade vorhandenen Eisenbahn­linien schleunigst an ben Kampfort zu bringen. Dann ging man zur Verwendung von Großkampftanks über, die aber bei allen Vorzügen zwei Nachteile hatten: sie konnten nie in ausreichendem Maße Truppen unterbringen, und sie waren dazu nicht beweglich genug, um der schnellen Entwicklung von Kampfhandlungen zu folgen.

Als Ziel schwebte den Waffentechnikern der Ver­einigten Staaten ein Kamps wag e n vor, der so sicher wie ein Tank ist und uubei so schnell wie ein sehr guter Kraftwagen. Noch besser, wenn er bie Geschwindigkeit eines Flugzeuges vielleicht er-

Oer neue Abschnitt in der Danziger Geschichte.

Oie Neuorientierung der Beziehungen zu Polen.

Von unserem ständigen ^.-Berichterstatter. (Bachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Danzig, 13. August.

Jedem häufigen Besucher des polnischen See­hafens' G d i n g e n mußte es auffallen, daß der Ausbau der Hafenanlagen fortgesetzt wurde, ohne auf die für die polnische Ein» und Ausfuhr 'über See durchaus genügende Um» schlagssähigkeit des Danziger Hafens Rück­sicht zu nehmen. Es mußte im Hafen von Gdingen so zu Umschtagszifsern kommen, die den über­aus bedrohlichen Charakter dieses polnischen Ver­fahrens für Danzig klar und deutlich bewiesen. Cs seien nur einige Zahlen genannt. Am 18. Juli dieses 3ahrcs erreichte der Gesamt - Tages­umschlag in Gdingen die Rekordhöhe von 28 585 Tonnen Die seit Jahrhunderten über Danzig gehende Heringseinfuhr fiel im 3ahresumschlag von 10? 662 Tonnen im Jahre 1929 auf 49 930 Tonnen im Jahre 1932 und er­reicht im ersten Halbjahr 1933 nur die geringe Menge von 13 857 Tonnen. 3m Kohlenumschlag überflügelte Gdingen den Danziger Hafen im ersten Halbjahr 1933 um fast 2 000 000 Tonnen. Aur 33 Prozent der polnischen Kohlenausfuhr über See gingen noch über Danzig, dagegen 76 Prozent über Gdingen. Dom Strande der Danziger Bucht aus, deren schöne Bäder jetzt oft von deutschen Landsleuten besucht werden, konnie jeder auch nicht in die ernste Lage Ein­geweihte deutlich sehen, wie vor dem polnischen Hasen Gdingen reger Berkehr herrschte, dagegen es vor dem Danziger Hasen meist leer blieb.

Um größere Gefahren abzuwenden, mußte ge­handelt werden, und zwar ohne den in Danzig allzu gut bekannten schleppenden Apparat von Konferenzen, Sachverständigen usw. Unter Ber- mittlung des Bölkerbunds(ommifsars in Danzig ist es am 5. August zwischen Danzig und Po­len zu vorläufigen Abmachungen ge­kommen, die der Präsident des Danziger Senats am 8. August im Dolksiage und damit vor der Oesfentlichkeit erläutert hat. Rach diesen Aus­führungen wird die Danziger Bevölkerung im Vertrauen auf die nationalsozialistische Regie­rung abwarten müssen, wie sich Polen in der Praxis einstellen wird. Hoffnung ist vor­handen, allein es fehlt noch der Glaube. Denn Danzig hat selbst bei dem besten, auf Danziger Seile vorhandenen Willen zu viel Enttäuschun­gen auf diesem Gebiet erlebt. Es sei nur an das Danziger Entgegenkommen in der Frage des An- legerechts polnischer Kriegsschiffe im Danziger Hasen vom August v. 3. erinnert, das später auf Seite der Polen in keiner Weise erwidert, viel­mehr völlig übersehen wurde.

'Nach den vorläufigen Abmachungen vom 5.August d. I. soll die polnische Regierung unver - züglid) alle notwendigenMaßnahmen ergreifen, um den Rückgang des seewärtigen Verkehrs über den Danziger H - s e n unter Be­rücksichtigung der Quantität und der Qualität zu verhindern. An der Zunahme dis Verkehrs im Danziger Hafen wird man also sehr Salb feststellen können, ob die polnische Regierung diesmal die Sache ernst nimmt. Ferner soll die polnische Regie­rung in Zukunft dem Hafen von Danzigsoweit es in ihrer Macht liegt", eine gleiche Betätigung an dem seewärtigen Verkehr (Einfuhr, Ausfuhr und

Durchfuhr), unter Berücksichtigung der Quantität und Qualität sichern. Da cs bisher in der Macht der polnischen Regierung gelegen war, den Verkehr über Gdingen in jeder Weise zu steigern, darf mit Recht nicht daran gezweifelt- werden, daß diese Macht auch bei Danzig, dem sog. freien Zu gang Polens zum Meer, vorhanden sein muß. Die erwähnten Abmachungen find zunächst aus drei Monate befristet: außerdem ist in einem Schlußprotokoll festgelegt, daß jede der Parteien bis zum 15. September das Recht hat, das Verfahren wieder aufzunehmen, das in dem Beschluß des Döl- kerbundsrates vom 10. Mai 1932 in Aussicht ge­nommen ist. In diesem Verfahren ist die Lage für Danzig nach den verschiedenen vorhandenen Gut- achten der Völkerbund- und Haager Instanzen günstig.

Neben diesen Abmachungen rein wirtschaftlicher und darum materieller Art stehen die ideellen, für das Danziger Deutschtum besonders wichtigen Abmachungen über die Behandlung polnischer Staatsangehöriger und an­derer Personen polnischer Herkunft ober Sprache auf dem Gebiet der Freien Stadt Danzig. Zu einer nationalsozialistischen Regierung darf und kann man dabei das Vertrauen haben, daß es hier klare Warnungsstriche gibt, über die auch nicht ein Zentimeter weit hinausgegangen werden kann. Dabei sei an die Schlußworte des politischen Testa­ments des Reichskanzlers Adolf Hitler, des Füh­rers des Deutschen Volkes, in feinem BuchMein Kampf" erinnert. Die Worte lauten:Vergeßt nie, daß das heiligste Recht auf dieser Welt das Recht auf Erde ist, die man s e l b st bebauen will, und das heilig st e Opfer das Blut, das man für diese Erde oergie ßt!"

Ein neuer Abschnitt der Danziger Geschichte kann mit den vorläufigen Abmachungen beginnen. Wie­der einmal hat Danzig die Hand des Friedens

ausgestreckt. Es fehlt nicht an Anzeichen, als ob Polen einschlagen will. Dazu gehört z. B. die Ein­ladung von Danziger Hitlerjungen in ein polnisches Iugendlager nach Zakopane und die Einladung von Danziger Pressevertretern zum Besuch Polens.

Zum Schluß will ich noch folgendes erwähnen, das beweist, wie die Wellen der Weltpolitik auch an den Danziger Strand schlagen. Der seither über acht Jahre in Danzig tätige russische Genera I- konsul soll abberufen worden sein. Heber feinen Ersatz hört man noch nichts: dagegen will nach Pressenachrichten Rußlandeinkonsulot in Gdingen e i n r i ch t e n. In dem Danziger Seebade Glettkau badete einige Tage eine Anzahl von Japanern. Ob sie nur der schöne Strand an das Ufer der Danziger Bucht gelockt hat?! Auf einem der vielen englischen Touristendampfer, d.e Danzig in den letzten Sommermonaten ausgesucht haben .befand sich nach Danziger Pressenachrichten auch ein s i a in e s i s ch e r K ö n i g s s o h n. In einer Unterredung, die ein Danziger Journalist mit diesem Prinzen hatte, erzählte der Prinz, daß er ein in Siam weit verbreitetes Buch über Friedrich den Großen geschrieben habe. Beim Lesen dieses Ge­sprächs fühlte ich mich an ein anderes Gespräch er­innert, bei dem es sich auch um Siam und Japan handelte. Ein in Bangkock 30 Jahre ansässiger, mir bekannter deutscher Kaufmann erzählte mir in Dan­zig, daß er ebenso wie die meisten Europäer ge­zwungen wäre, sein Geschäft in Bangkock auszu- geben, weil die Japaner ihn durch eine mit allen Mitteln arbeitende Konkurrenz wirtschaftlich erledigt hätten.

Beruhiguna in Frankreich.

Paris, 14. Aug. (WTB.)Icmps* beschäs- tigt sich in seinem heutigen Leitartikel mit der poli­tischen Lage in 'Nordosteuropa, insbesondere mit der Stellung Polens. In diesem Zusammenhang

Ruhige Lage auf Kuba.

Havanna, 14. Aug. (WTB.) Präsident Cespedes hat die Bildung seines Kabi­netts beendet. Er hat das 3nnenministerium selbst übernommen. Abgesehen von einigen Fällen von Plünderungen und Brandstiftungen, die die Behörden veranlaßten, den Truppen zu befehlen, auf alle Ruhestörer zu schießen, die 20-ilhr-Polizeistunde einzuführen und das Waf­fentragen zu verbieten, ist die Lage wieder normal. Tausende von Streikenden haben die Arbeit wieder ausgenommen. Die Kaufläden wer­den wieder geöffnet. Herrera hat seine Fa­milie nach Jamaica bringen lassen. Die Ange­hörigen M a ch a d o s sind auf der 3nsel Key West (Florida) eingetroffen.

Ein weiterer amerikanischer Kreuzer nach Havanna.

Washington, 14. Aug. (WTB.) Das Marine- bepartement hat den KreuzerRichmond" I nach Havanna abgesandt. Das Marinedepartement i betont, daß bie amerikanischen Kriegsschiffe nur mit ber Einwilligung von Cespebes abgefanbt wor 1 ben sind.

Carlos b e Cesvebes, der neue Präsident von Kuba.

reid)te. In der Tat ist es ihnen nunmehr auch ge­lungen, einen derartigen Kampfwagen herustellen. Er ist fo konstruiert, daß er sowohl auf Rädern, wie auch auf Raupenketten laufen kann. Mit diesen Raupenketten vermag er eine Geschwindig­keit von hundert, mit den Rädern eine von 165 Kilo­meter zu erreichen. Aber weil das im Ernstfall im­mer noch nicht ausreichen könnte, ist ber Wagen von vornherein daraufhin konstruiert worden, daß er ohne weiteres und in Minutenschnelle von einem Flugzeug aufgenommVn werden kann, das ihn mit Höchstgewinbigküt zu dem Kampfort bringt, an dem gerade besonders Bedarf für Spezialwaffen ist. Der Kampfwagen if; durch besondere Panzerung gegen Beschuß gesichert: er selbst trägt nach den besonderen Anforderungen jede Art von Schnell­feuerwaffe, die im Handumdrehen aufmontiert werden kann. Wenn ein Flugzeug den Wagen be­fördert, fo ist es der Mannschaft durch besondere Vorrichtungen möglich, aus der Höhe Brand- oder Gasbomben zielsicher abzuwerfen.

Mit dieser Kombination aller möglichen Waffen- und Transportarten, die be­reits ausprobiert worden ist, glückte dem amerikani­schen Generalstab eine Aufgabe, die bisher unlös­lich erschien. Die zahlreichen Vorzüge des fliegen­den Kampfwagens haben denn auch schon Veran­lassung gegeben, dieses übermoderne Kampfmittel in so großer Zahl in Auftrag zu geben, daß es am laufenden Band hergestellt werden kann, wodurch sich wieder der Vorteil der Preisoerbilligung ergibt.

Deutsche evangelische Kirche und Weltprvtestanttsmus

Berlin, 14. Aug. (ERB.) Unter dem Vorsitz des Erzbischofs von York trat dieser Tage ein Kreis von führenden Persönlichkeiten der öku­menischen Bewegung in Paris zusammen.

Die wichtigsten Zweige der alle christlichen Kirchen, mit Ausnahme der katholischen, umspannenden Eini­gungsbewegung waren vertreten. Als deutscher Ver­treter nahm Reichswart D. Stange, Kassel, an den Verhandlungen teil. Er war von dem Bevoll­mächtigten des Reichskanzlers, Landesbischof Mül­ler, beauftragt, das Interesse der deut­schen Evangelischen Kirche an ber A r - beit b e 5 ökumenischen Rates zum Aus- bruck zu bringen. Der Bericht, ben D. Stange über bie neue kirchliche Lage in Deutschlanb er­stattete, begegnete baher starkem Interesse. Die Aus­sprache gab Gelegenheit zur grünblichen Auf­klärung von Mißoer st änbnissen u n b Falsch melbungen, wie sie auch heute in maß- gebenben kirchlichen Kreisen bes Auslanbes das Bild der deutschen Lage verfälschen. Mit besonderem Dank nahm man die im Auftrage des Bevollmäch­tigten des Kanzlers übermittelte Erklärung ent­legen, daß auch die neue Deutsche Evange­lische Kirche der ökonomischen Arbeit volles Verständnis entgegenbringt. Drmit ist von maßgebender Seite allen Gerüchten dir Spitze abaebrvchen, als ob die neue Deutsche Evangelische Kirche nicht auf eine enge Fühlung­nahne mit den Kirchen des Auslandes Wert lege. Katholisches Treubekenntnis zum Staat.

Eine Kundgebung des Kardinal- Erzbischofs Bertram.

Berlin. 14 Aug. (CRD.) Der Breslauer Erzbischck Kardinal Bertram, unter dessen Leitung auf der letzten Fuldaer Bischofskonfe­renz der »eutsche Episkopat den bekannten Hirtenbrie erließ, der seine positive Ein­stellung zur neuen Staatsordnung bestätigte, >at in einer Schrift für die katholi­schen Theohgiestudenten die leitenden Gesichts­

punkte geistlicher Kirchenpolitik noch einmal ver­deutlicht.

3n der staatlichen Ql u t o r i t ä t", so be­tont der Kardinal,sieht der Katholik eine Gottesgabe, deren Wert unabhängig ist vom Wechsel in der Person ihres Trägers. Daraus folgt mit Rotwendigkeit der G e h o r s a m gegen die staatliche Autorität als Gottes Wille. Als kostbare Gottesgabe wird ebenso alles das bezeichnet, was Gott Großes und Kraftvolles gegeben habe in Vaterland und Stainrnesart."Wir schätzen diese Gottesgaben um so selbstbewußter", erklärt der Kardinal,je törichter die Anwürfe sind, als fehle es uns am rechten nationalen (Sinn. Die Arbeit der katholi- schon Organisationen für Volkswohlsahrt in der Friedenszeit und die Statistik der Opfer in der Zeit des Weltkrieges gibt die rechte Antwort auf so überhebliches Gerede" Kardinal Ber­tram verwahrt sich entschieden gegenüber Ver­mutungen. als sei es der Kirche nicht recht ernst mit ihrem Eintreten für die neuerstandene staat­liche Ordnung. Die Kirche trift ihr mitGo11es- vertrauen entgegen in dem freudigen Be­wußtsein, daß gerade jetzt das treu kirchlich gesinntekatholischeVolkgroßeAus- gaben zu erfüllen habe.

Verkauf oder Geschenk von NGOAp.- Abzeichen an Ausländer verboten.

München, 14. Aug. ITU.) Der stellvertre­tende Führer R. Heß hat folgende Anordnung erlassen:

Hiermit wird das Verschenken oder der Verkauf von Abzeichen der Bewe­gung an Ausländer grundsätzlich un­tersagt. Das Recht, in besonderen Fällen Ausländern Abzeichen zu überreichen, steht ledig­lich der Reichsleitung oder den hierzu Beauf­tragten zu. R. Heß."

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