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15.4.1933 Erstes Blatt
 
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Samstag, 15. ?lpril(955

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen,

Nr. 89 Zweites Blatt

Oie Entscheidung zwischen Krieg und Frieden.

Wo steht die Welt im Kampf um die Abrüstung?

(Nachdruck verboten.)

Die nationale Erhebung des deutschen Volkes war nicht zuletzt die Vorbedingung einer erfolgreichen Weiterführung des Kampfes zur Wiedergewinnung sei­ner Weltgeltung und seiner Gleich­berechtigung unter den Völkern. Gerade in diesen Tagen, da die Atempause der Genfer Ab­rüstungskonferenz au Ende geht, steht eine ent­scheidende Schlacht in diesem Ringen be­vor. Roch einmal soll versucht werden, der Menschheit für absehbare Zeit den Frieden zu sichern, um ihr die Riederzwingung einer der schwersten Krisen, die die Geschichte kennt, zu er­möglichen und das Gespenst der mörderischen Ar­beitslosigkeit zu bannen.

Wie weit ist die Welt von der Er­reichung dieses Zieles entfernt I Roch immer tobt die Kriegssurie im Fernen Osten, und die Funken des mandschurischen Brandes fliegen bedenklich über Amur und Pazifik. Ein Teil der Siegerstaaten hält in wahnwitziger Verblendung am Buchstaben der Friedensdiktate fest, die in­mitten einer waffenstarrenden Welt f a st 1 0 0 Millionen Europäer in völliger Wehrlosigkeit halten wollen und gerade dadurch jenes Gleichgewicht der Kräfte st ö r e n, das allein den Frieden garantieren kann.

Wir durchleben historische Stunden, und da ist es Pflicht eines jeden, sich Rechenschaft darüber zu geben, wo die Figuren auf dem Schicksals- Spielbrett der Menschheit stehen. Wir haben des­halb sührende Staatsmänner wie unsere Bericht­erstatter im Ausland gebeten, uns in kurzen Zü­gen ein Bild von der gegenwärtigen politischen Weltlage zu geben, die die Entscheidung über Krieg und Frieden in sich birgt.

Zum Geleit.

Die Gleichberechtigung Deutschlands unter den Völkern und die Wiedergewinnung seiner Welt­geltung kann nicht verhindert werden, wenn der Glaube an seine eigene Kraft, das vertrauen in seine nationale Füh­rung, die Liebe zu Volkstum und Vaterland dem deutschen Volk jene Beharr­lichkeit und Standhastigkeit verleiht, die schon mehrfach in der Geschichte die Grundzüge seiner nationalen wiedcraufrich» t u n g gewesen sind.

Ge;.: Roeder

Admiral, Dr. h. c., Lhef der Wärmeleitung.

Ungarns Losungswort:

Aufrichtigkeit und guter Wille ohne Sieger und Besiegte!"

Bon General Julius Gömbös, Königlich uru ga-ischem Ministerpräsidenten undWehrminister (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Die ungarische Negierung hat von Anfang an den Standpunkt vertreten, daß die Abrüstung der Sieger- (tauten eine internationale Verpflich­tung darstellt, die sich aus der Bestimmung der Friedensverträge ergibt, wonach die Entwaffnung der im Kriege unterlegenen Länder der erste Schritt zur allgemeinen Abrüstung fein soll. Diese Verpflich­tung ist absoluter Natu und an sich unab­hängig von besonderen Vorkehrun­gen zur Regelung der Sicherheit, die mir durch den Völkerbundspakt, dem Locarno-Ab­kommen sowie durch den Kellogg-Pakt als voll­auf gewährtet st et erscheint. Falls von einer Gefährdung der Weltsicherheit überhaupt gespro­chen werden kann, ist diese vielmehr eben in der der­zeitigen ungeheuerlichen Ungleichheit der R ü st u n g gegeben.

Da nun jedoch einmal von feiten gewisser Staaten die Forderung nach neuerlichen Garantien aufgeworfen worden ist, wiU sich Ungarn im Interesse der allgemeinen Verstän­digung solchen Erörterungen nicht verschließen. Es muß sich jedoch entschieden dagegen verwahren, daß die Regelung der Sicherheit zum Vor­wand einer starren und unabänderlichen Ver­ewigung des gegenwärtigen, allgemein als ungerecht empfundenen S t a t u s q u o benützt werde.

Vom Standpunkte der Entwicklung aus erscheint uns jeder Versuch als verfehlt, der die Lösung der Sicherheitsfrage auf dem Wege einer stati­schen und nicht dynamischen Friedensregelung in Angriff nimmt. Richt militärische Abkommen, nicht Gewalt-Sanktionen, die aufs starre Auf­rechterhalten des Status quo abzielen, sondern nur solche Liebereinkommen sind wirk­same Mittel der Befriedung, die der natür­lichen und organischen Entwicklung der Völker die Wege offen halten und auf diese Weise den Keim kriegerischer Ver­wicklungen überhaupt nicht auftommen lassen. Wie der große Wiener Völkerrechtslehrer Lam­masch es ausdrückte' ..Das Ziel der völkerrecht­lichen Entwicklung ist nicht, Unabänderliches zu schassen, sondern eine Rechtsform zu finden, in der sich solche Veränderungen voll­ziehen können, die durch die Evolution der Rationen notwendig geworden sind."

Die von Deutschland verfochtene und im De­zember-Protokoll grundsätzlich angenommene For­derung nach Gleichberechtigung findet in Ungarn um so rückhaltloseren Beifall, als die Unter­scheidung in Sieger und Besiegte von der ungarischen Oeffentlichkeit stets als eine ent­würdigende. mit der Völkertradition und dem Dechtsgedanken des 20. Jahrhunderts unver­einbare Bestimmung empfunden wurde.

> Von diesen Erwägungen geführt, begrüßt die ungarische Regierung die geniale Lösung, die i m Ab rüstungsplan Macdonalds so­wie in dem Befriedungs-Dorschlag Mussolinis ihren Ausdruck findet, wodurch das Abrüstungsproblem auf die ursprüngliche Grundlage zurückgeführt und eine prinzipielle, wenn auch nur etappenweise, Durchführung der Gleichberechtigung ermöglicht wird.

Als ausschlaggebend bei der Beurteilung der Vor­schläge Mussolinis und Macdonalds erscheint mit

die Tatsache, daß durch den in Aussicht genommenen Konsultativpakt der Großmächte, die Sicher­heit s f r a g e eine allgemein beruhigende Lösung findet, ohne die natürlichen und im Völkerbunds­pakte selbst anerkannten Entwicklungsnot­wendigkeiten zu unterbinden.

Wenn auch in der Frage der Gleichberechti-

Niemand in der Well, der die Tatsache kennt, wird ableugnen können, daß Deutschland so vollkom­men abgerüstet hat, wie es einzig in der Geschichte aller Völker und Zeiten da- steht. Diese Abrüstung, die Deutschland und mit ihm Oesterreich, Ungarn und Bulgarien vollzogen haben, sollte die Grundlage zur Abrüstung der übrigen Staaten der Erde bilden, so ist es ausdrücklich im Friedcnsvertrag von Versailles und in der Völkerbundssatzung festgelegt und durch die Unterschrift der im Kriege gegen Deutschland ge­standenen Staaten bestätigt worden.

Vierzehn Jahre sind indessen ins Land gegangen, ohne daß auch nur etwas Greifbares in Hinsicht auf eine ernsthafte Abrüstung der anderen geschehen ist. Im Gegenteil! Die europäischen Festlandstaaten unter Frankreichs Führung haben in einer Weise ausgerüstet, die alles auf diesem Ge­biet vor dem Weltkrieg Erlebte einfach in den Schatten ft e 111. Wir stehen vor der Tatsache, daß um die entwaffneten mitteleuropäischen Staaten herum die Staaten West-, Süd- und Osteuropas auf das Höch st mögliche Maß aufge- rüstet haben Das aber ist die größte Friedens­bedrohung. die denkbar ist. und es ist die ununter­brochene Gefährdung der Sicherheit Eurovas, dessen entwaffnete Staaten zu willenlosen Werkzeugen Frankreichs und seiner Trabanten heruntergedrückt werden sollen. Es gibt heute in der Welt nur einige wenige Staaten, die tatsächlich in ihrer Sicherheit

Oberfalzberg, im April.

Seit Adolf Hitler sich der Politik mit Leib und Seele verschrieben hat, ist er aus der Unraft seiner Arbeit immer wieder von Zeit zu Zeit in der Einsamkeit des Berchtes­gadener Landes untergetgucht. Diese äu­ßerste Südostecke des Reiches wurde ihm zu einem Stück Heimat, seit seine Schwester sich ständig dort niederlieh undHaus Wachen­feld" auf dem Obersalzberg bewohnt.

Von Berchtesgaden windet sich die äußerst steile, schmale Bergstraße zum Obersalzberg empor. Bis auf den heutigen Tag ist diese Straße für den allgemeinen Kraftwagenverkehr gesperrt, und nur die Wagen und im Winter die neuen Raupenschlepper der Reichspost dürfen hier ver­kehren. Es ist das Gebiet desHohen G ö l l", das seit ewigen Zeiten von einem ureingesesse- nen Bauernstamm besiedelt ist. Die reichen Salz- lager, die dem Oberfalzberg den Ramen gaben, wurden schon von den Römern ausgebeutet, und heute noch betreibt der Bayerische Staat hier ein Salzbergwerk, dessen Sole bis nach Reichenhall und über die Mauthäuslstraße bis nach Traun­stein geleitet wird.

Diese gänzlich abgeschlossene, wilde und doch idyllische Bergwelt hat von jeher Menschen von Eigenart und Eigenwillen angezogen. Dichter und Künstler suchten in der eindrucksvollen Stimmung des Obersalzbergs Anregung zu schöpferischer Tä­tigkeit. Hier schrieb Theodor Storm seinen Schimmelreiter", hier hielt sich häufig Peter Rosegger auf, und Schumann und Brahms waren Stammgäste auf dem Obersalz­berg. Zwischen hochstämmigen Waldungen liegen Hunderte von uralten Bauernhöfen verstreut, der schönste Hos aber ist der Platterhof, jener Oed- Hos, der durch den RomanZwei Menschen" von Richard Voß berühmt geworden ist.

Der Platterhof steht in mancherlei Beziehung zu Adolf Hitler und vielen Führern der na­tionalistischen Bewegung, und diese innere Verbindung stammt aus der ersten Zeit der Ver­folgung und der schweren Rückschläge. Dietrich Eckart, der von Hitler hochverehrte Milschöpfer der geistigen Grundlage des Rationalsozialismus, suchte und fand hier als politischer Alücht- ling zuerst Zuflucht, und so mancher Rational- sozialist hielt sich auf dem Platterhof und in den

gung ein rascherer Fortschritt erwünscht^wäre, muß die Initiative dieser bcidei^großen Staats­männer doch als eine entscheidende Tat in der Ge­schichte der Genfer Beratungen gewertet werden. Die Unterstützung aller Staaten, die wirklich guten Willens sind, dürfte ihnen gesichert fein. Die Devise lautet: Aufrichtigkeit und guter Wille!"

auf das höchste gefährdet sind, das sind Deutsch­land und die kleinen Staaten Oe st erreich, Un­garn und Bulgarien.

Es ist für das 65 Millionenrolk der Deutschen ein unerträglicher Zu st and, in vollen­deter Unsicherheit zwischen hochgerüsteten Mäch­ten dahinleben zu müssen. Diesem Zustand e i n Ende z u setzen, ist höchste Pflicht gegenüber Volk und Reich. Dieser Pflicht wird sich die Re­gierung der nationalen Erhebung nicht entziehen. Wer sie beschuldigt, daß sie durch die Wiederher­stellung der Wehrfähigkeit Deutschlands zum Kriege rüsten wolle, der spricht eine grobe Un­wahrheit aus. Die Männer der Regierung der nationalen Erhebung kennen den Krieg, be­sonders diejenigen unter den Verantwortlichen, die im Weltkrieg als Frontsoldaten den Krieg in all seiner Schwere und mit all seiner Furchtbarkeit erlebten. Kein Frontsoldat wünscht den Krieg, und es wird niemand in Deutschland die Hand dazu reichen, leichtfertig einen Krieg heraufzubeschwören.

Wir wissen, daß der Welt nichts notwendiger ist als der echte Frieden. Diesen echten Frieden herbeizuführen, das ist eine der entscheidend- ften Aufgaben, vor denen die Staatsmänner der Welt, besonders die Europas, stehen. Dieser Frieden wird nicht erreichbar fein, solange die Völker Europas in hochgerüstete und gesicherte und in wehr­lose und sicherheitslose aufgeteilt find.

umliegenden Almhütten kürzere oder längere Zeit verborgen, als der 9. Rovember 1923 die zahlrei­chen Verurteilungen des Hitler - Prozesses und die Auslösung der Partei zur Folge hatte. 3n diesen, patriarchalischen Hause stehen bei Rocht noch die Türen offen, und so manchesmal sand der Besitzer am Morgen im tiefen Schlaf einen Gast vor, von dem er noch keine Ahnung hatte, und der in Rocht und Rcchel von München aus den Weg zu dieser Zufluchtsstätte suchen mußte. Auch Adolf Hitler hielt sich hier mehrfach incognito auf.

Seit dem 3ahre 1920 wird der Platterhof von Bruno Büchner und feiner vortrefflichen Frau bewirtschaftet. Beide tarnen damals aus englischer Gefangenschaft aus Ostafrika nach Deutschland zurück und mochten aus dem schönen alten Platter­hof in Erinnerung anMoritz" Mayer die heu­tigePension Moritz". Bruno Büchner ist der drittälteste deutsche Pilot, nahm als Flieger am Bulgarisch-Türkischen Krieg teil, bildete fast 200 deutsche Flieger aus, darunter Göring, Hai- I c r und viele andere berühmt gewordene Feld­flieger des großen Krieges. 3m 3ahre 1914 war er der erste und einzige deutsche Flieger in unseren afrikanischen Kolonien. Wenige Tage nach der Mobilmachung schossen ihn die Eng­länder bei Daressalam ab und nahmen ihn ge­fangen. 3n der Einsamkeit seines Platterhofes fanden sich immer wieder die ältesten Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung, unb Bruno Büchner wußte stets noch einen Ausweg,wenn Grund bestand, sich zu verbergen oder auch über die noch drei Seiten hin nahe folzburgische Grenze zu gehen, wenn die betreffenden auf andere Weife dem Zugriff der Polizei nicht mehr entgehen konnten. Hier weilte Dietrich Eckart zuletzt noch 1923 kurz vor seinem frühen Tode, und auch fein Grab findet man auf dem Friedhof von Berchtesgaden.

Dicht unter dem Platterhof, in Wald und Wie­sen eingebettet, liegtHaus Wachenseld" , ein schlichtes, anheimelndes, kleines Landhaus im oberbayerischen Gebirgsstil mit einer umlaufenden Holzveranda. Ein Kommerzienrat Winter aus Buxtehude hat es erbaut, starb aber bald darauf, und von feiner Witwe mietete es im 3ahre 1923 Frau Raubal, die verwitwete Schwester Adolf Hitlers. Hier wohnt sie bis zum heutigen Tage:

Hillers Landhaus bei Obersalzberg in der Nahe von Berchtesgaden.

Gleichberechligung-Sicherheil-Meden

Äon Franz Seldte, Reichsminisier für Arbeit und Jugend, Erstem Äundesführer des Stahlhelm.

Das Haus am Berg.

Wo der Reichskanzler Adolf Hitler Ruhe und Erholung findet.

Äon Dr. Alfred Oetig, München.

manchmal erhält sie den Besuch ihres Sohnes, bet Lehrer in Linz an der Donau ist, und unter ihre» fürsorglichen Händen wurde Haus Wachenseid während der ganzen 3ahre die heimatliche Stätte der Erholung und Ausspan­nung für Adolf Hitler in feinem wechselvollen Leben. Von der bunten Dcrgwiese vor dem Hause sieht Hitler, dieser geborene Grenzland- deutfche, durchs Echellenberger Tal bis nach Salz­burg und zur Feste Hohensalzburg und die Berg­riesen rund um den Berchtesgadener Talkessel Un­termberg, Hochkalter mit dem Blaueisgletscher, Reiterspitze und Wahmann, Hohes Brett und Hoher Göll sind zum Greisen nabe. Am liebsten aber geht Adolf Hitler den köstlichen Weg, 500 Meter über dem Berchtesgadener Tal, nach Scha­ritzkehl und Vorderbrand. Dort erblickt man tief unten den Königsee, den schönsten aller baye­rischen Dergseen.

Hitlers Urlaubstage verliefen hier von icbct denkbar zurückgezogen und in anspruchsloser Ein­fachheit. Seit einer Reihe von 3ahren meidet Hit­ler Fleisch, Alkohol und Rikotin vollständig. Mit Vorliebe trug er in den Sommermonaten die Tracht der einheimischen Gebirgsbauern, die so­genanntekurze Wichs", die kniefreie Hose unb den Leinen- oder Lodenrock. Es gibt kaum einen nationalsozialistifchen Führer, der nicht schon auf dem Obersalzberg gewesen wäre, und im Gästebuch des Platterhofes finden wir fast alle Ramen der Männer um Hitler.

Das Wandern

als deutsche Kulturaufgabe.

Bon Rektor Zaspert, 1. Vorsitzender desÄeichs- Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wander- vereine.

Seit einiger Zeit regt es sich in. Deutschland in großer Bewegung, ans dem Reisen, der Tou­ristik, dem Kllometerrasen und der oberflächlichen Zerstreuung ein deutsches Wandern als Kultur- tat und Kulturaufgabe zu gestalten. Wir fühlten's alle, daß unsere hochgepriesene Zivilisation mit Radio und Flugschiff, mit Schnellfahrt und Auto nur für eine bestimmte, für eine gewisse Men­schenschicht nie geahnte Lebensbedingungen schasst, für Millionen aber nichts ist als die Spitze der Pyramide des 3nhumanen. Wir empfinden schau­dernd die Tiefe der Leere, die hohle Entseelung, fröstelnd die kristallene Kälte ohne Menschentum.

3m kleinsten Dorschen des Mittelalters war mehr Seele als in den gewaltigen Lichtzentren des Großstadtlebens.

Der schlichte Volkstanz mit dem heiteren Volks­lied war seelenvvller als der unsinnige Reger- tanz mit der 3azzmusik. Unter den Linden am Dorfborn war es anmutiger, heimeliger unb deutscher als auf dem Spiegelparkett mit Revue, Girls und Schlagern.

Alle Welt beklagt den Zerfall der beutfdjen Kultur, Sitte. Sittlichkeit. Wir wissen, daß ein Hauptfaktor beim Zerstören von alten, guten, deutschen Kulturgütern die wirtschaftliche Lage, die Arbeitslosigkeit ist. Aber wir müssen, bei aller Anstrengung zur Besserung der Wirtschafts­lage zugleich Erziehungsarbeit in allen Altern leisten, und wir glauben, daß auch Wirtschaft unb Finanz, Politik und Lebensanschauung erst durch bewußt deutsche, große, nationalpolitische Er­ziehungsarbeit wieder zur Blüte gebracht werden, ja, daß der Weg zur Wirtschaftssicherheit durch die Charaktersicherheit geht.

Oswald Spengler glaubt in düsterem Pes­simismus nicht mehr an eine deutsche Kultur- und Wesensauferstehung. Für ihn ist nach dec magischen, apollinischen nun der letzte Akt unserer, der faustischen Kultur, gekommen, und das Abendland ist rettungslos in Altersschwächen dem Tode verfallen. Ein furchtbares Wort, das zugleich vernichtend und zersetzend auf unseren Willen zur Tat wirken kann. Wenn dann alles dem Untergang geweiht ist, wozu dann noch Kulturarbeit: bann, herbei rasender Taumel auf dem Vesuv, nach uns das Chaos!

An der Stärkung solcher Gedankenreihen wirk­ten gewisse Philosophen und andere Wissen­schaftler stark mit. Alles Starke, Verehrte, Ehr­würdige, Heldische, Ratürllche wurde mit zer­setzender Kritik begeifert. Alles bisher in ewiger Ruhe Liegende, selbst Gott, wurde relativiert. Literatur, Malerei, Musik. Vortragswefen pre­digten einen jämmerlich kleinen Materialismus, der über menschliche Zäune hinter dem Diesseits nichts mehr sieht, nichts fühlt, nichts glaubt. Darum fehlte der Moderne das Große.

Der deutsche Idealismus lag in hartem Kampf mit Gottlosigkeit und Vergottung des Mate­riellen,

mit Beengung im Folterstock des Mechanischen und bleiernem Druck auf allen Strömungen des Alltags.

Der Titanismus des jungen Goethe, Verirrung einer jungen, frevelnden Seele, wird als Gottes­dienst fürs Volk erklärt. Man vergißt, daß der­selbe Goethe inGrenzen der Menschheit" den letzten Saum seines Kleides küßt,kindliche Schauer treu in der Brust". Die Goetheverehrer mit ihrer Vermessenheit sollten den großen, reli­giösen Goethe unserem Volke näherbringen und ihn selbst empfinben. Das wäre Erziehung des Volkes zur Volkskultur des Deutschen.

Wir aber sind die deutschen Wanderer und haben die große, wundervolle Aufgabe, die menschliche Tiefe der Leere" mit unseren gro­ßen Zielen und Aufgaben, mit unserer Ratur­begeisterung und Heimatliebe, mit unserer Brü­derlichkeit und Vaterlandsverehrung, mit unserem gesunden Sein und Denken zu füllen und unser deutsches Kulturgut der deutschen Welt unb uns selbst toiebet zu finben unb unserem Volk von Brüdern toieber zu schenken.

Man hat erst ganz allmählich die wunderbare Schönheit der deutschen Landschaft gesunden.

Vor Dürer war sie kaum da. Wie Wanderer tra­gen sie als ein unübertreffliches Gut in einem feinen unb klugen Herzen, unb unsere Seele lebt auch babon. Am frühen Sonnenaufgang, auf tau* glityernber Höhe enthüllt bie Ratur dem treuen Sohn, dem Wanderer, Ujre schönsten Reize: das Rebelmeer, die vergoldete Höhe, den erblassenden Morgenstern, die steigende Allsiegerin Sonne. Und wie einen wohlbehüteten Talisman tragen wir das Bill) auch am Schraubstock, auf bec Lokomotive, am Schreibtisch, im Kontor, an bec Theke in unserer Seele, und seine Kräftstrahlen beleuchten das stickige Feld unseres dumpfen