Ausgabe 
15.3.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadi

Ae Börse der abgelegten Zilmkostiime

lalhkmalischcn

Der Gießener Aerschntzverein im Zähre 1932

Buntes Allerlei

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Lm Arbeitslager Herrnhaag

Don Pfarrer Köhler, Tübingen.

garten bei Büdingen) geleistet wird. Nicht hat man das vollkommen verfallene große

Ico in Mfilo so rasch vei- von Personen icrten tonnte, tagt 41. Sie imboren ge- Gedränge zu x Flüchtenden

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auch im neuen Vereinsjahr mutig und guten wissens an die Arbeit gehen.

müssen bie Oes en und das Licht gelöscht sein. Die Stimmung im Lager ist gut. ebenso d i c 21 r - beitsfreudigkeit. Die Leute sind zu ctroa 15 Mann in großen, luftigen Räumen untergc* bracht, die militärisch eingerichtet sind. Cs herrscht mustergültige Ordnung in den Stuben Elektrisches Licht und Wasserleitung haben sich die Arbeits­freiwilligen selbst gelegt.

Der ganze Betrieb ist vorbildlich organisiert. Wer Gelegenheit bat. nach Büdingen zu kommen, dem kann der Besuch des Lagers nur empfohlen werden. Zwischen dem £?agcr und den umliegenden Orten besteht das beste Verhältnis

Die Bevölkerung freut sich, wenn sie die stramm dahermarschierende Abteilung kommen sieht.

Verschiedene Gemeinden haben sie schon zum Essen eingeladen. Glicht vergessen möchte ich. daß auch von verschiedenen Seiten aus Vorträge aller Art gehalten werden, die für geistige und seelische An­regung der Arbeitsfreiwilligen sorgen. Man möchte nur hoffen und wünschen, daß nach dem Muster dieses Lagers recht viele im Hessenland und im Reich errichtet werden möchten.

bäube aus eigener Kraft und mit eigenen Opfern wieder herge stellt und wohn­lich eingerichtet, vielmehr wurde nebenher auch sofort mit der eigentlichen Arbeit begonnen, die im Straßenbau für die Gemeinden Die­bach a. Haag, Haingründau und Mittelgründau besteht.

Werfen wir einen kurzen Blick in das Leben des Lagers! Es werden darin junge Leute im Alter von 18 bis 25 Jahren ausgenommen. Alle Berufsstände sind vertreten vom jungen Mann von der Walze bis zum Studenten.

Das Lager ist zur Zeit 150 2Hann stark.

Geführt und geleitet wird es nach den Grund­sätzen der militärischen Disziplin. Zucht und Ord­nung, Gehorsam, Kameradschaft, treue Pflichter­füllung gegen sich und die Allgemeinheit werden gefordert.Wir fordern Idealismus statt Ma­terialismus und pflegen den Gemeinschaftsgeist",

In einem alten Geschäft im Zentrum Berlins kann man die Kleider kaufen, die man eben noch auf der Bühne und Leinwand an den Stars be­wundert hat. Hier werden die Stars oft kopiert und auch manchmal erreicht. Denn bekannt­lich machen Kleider Leute. Zwar kann man auch umgekehrt sagen, daß erst die Trägerin die Wir­kung eines Kleides entscheidet. Trotzdem ist es sicher für romantisch Veranlagte, die sich nichts sehnlicher wünschen, als einmal in der Haut Bri­gitte Helms zu stecken, schon ein kleiner Trost und Vorgeschmack, wenigstens eine Saison lang in ihrem Kleid zu steclen. 51 nb bieses Vergnügen läßt man sich bann auch etwas kosten. Eine Massary mit Schleppe" kostet im Durchschnitt etwa 75 .Mark. Einechtes Gitta Alp ar" kostet 50 Mk.

Aber man muß wohl bebenfen, daß man hier doppelte Markenware kauft. Einmal also hat man den Rainen des Modehauses, in dem das Kleid gekauft ist, zu bezahlen, und einmal den Ramen des Stars. Ohne Zweifel ist es auch weit aufre­gender, ein Kleid von einem angeschwärmten Star zu besitzen, als ein Autogramm, für das promi- nententolle Backfische beiderlei Geschlechts und je­den Alters oft stundenlang durch Feuer und Vor­zimmer gehen.

Sehr verlangt werden in der letzten Zeit Klei­der von der Helm, Mady E h r i st i a n s . der zukünftigen Kaiserin in dem neuen Harvey-Film, und Lee Par'ry. Leider gibt es beim Kaufen und Anprobieren dieser Kleider oft schreckliche Enttäuschungen.Ich bin aber bestimmt nicht stärker als die Helm!" Trotzdem aber ist man dem Ersticken nahe, wenn die Verkäuferin das Kleid zuhaken will. Wie gehl das zu? Und seuf­zend muß man sich mit einem Maria-Paudler- ober Vera-Schwarz-Kleib zufrieben geben. Welch eine Freube aber umgekehrt, wenn einem ein Kleib von ber zierlichen Darsony ober bet überschlanken Anny Ahlers, bie, bevor sie nach London ging, ihre gesamte Garberobe in Berlin verkaufte, wie angegossen sitzt. Man kann ein für allemal sagen, bah man genau biefelbc Figur wie die Barsony hat. Unb welche beste Freunbin würde das nicht vor Reid erblassen machen?

21 ber es gibt auch noch eine ganze Menge prak­tischer Samen, die weniger ber abgelegte Sex- appeat an den Kleidern der Stars reizt als bie gute Qualität. Und während bie einen ihren Ehr­geiz barem sehen, baß ihnen bas Kleib ganz ohne Qlenberung paßt, bemühen sich bie anderen, das

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Kleid so umzuändern, daß nichts mehr an die einstige Trägerin erinnert. Diese Damen ver­decken den tiefen Rückenausschnitt mit einem bie­deren Einsatz. Denn ein schöner Rücken kann nur entzücken, wenn man ihn hat. Und so kann es Vorkommen, daß ein extravagantes Abendkleid, in dem die Helm als Gräfin von Monte Christo ge­liebt, gehochstapelt und aus und außerhalb der Leinwand den Männern die Köpfe verdreht hat, heute in einem braven Kaffeekränzchen eine unter­geordnete Rolle spielt.

Aus einem weiten Tanzkleid der Barsonv kann eine gute Hausfrau bie ganze Dallgarderode für sich und sämtliche Töchter herausschneiden. Die häufigsten Kunden aber sind bie kleinen Schauspieler, bie oft extra von auswärts Herkommen, um wenigstens vom Ruhm ber Großen bie Garderoben zu erben - auch Filinstalisten und Choristinnen, die, wenn sie ohne ein Kleid im Original kaufen wollten, mindestens die Gage von drei Monaten dafür anlegen müßten.

Eintänzer, Musiker und Kellner fonunen her. um abgelegte Fracts zu kaufen. Diese Fracks stammen meist nicht von schauspielern, son­dern aus derHinterlassenschaft" von Hotelgästen, bie in großen Hotels neben einer unbezahlten Rechnung ihre Koffer zurücigelassen haben.

Hebrigene sinb die Männer in diesem Ausvcr- kauf kein bißchen besser als bie Frauen. Bei ihnen mischt sich in bie Bewunderung für bie Filmschau- spieler meist eine Kleinigkeit gekränkter Eitelkeit. Man kann diese Citelleit nicht ganz befriedigen, indem'man die Zigarre schief im Mund trägt wie Kortner, dämonisch mit den Rasenflügeln zittert wie Conrad Beidt, sonnig lächelt wie Willy Fritsch ober Schal und müde Augen- Über trägt wie ber vielbewunderte F o r st e r. Besser ist es schon, wenn man sich gelegentlich bie Illusion verschaffen kann, genau jo angezogen zu sein wie bie Prominenten.

Das Kostüm, bas in diesem Jahr in einem ber größten Verleihgeschäste nm meisten verliehen würbe, war ber Rasputin-Anzug, den Veibt im Rasputin-Film getragen hat. Man bekommt hier basfelbe Russenhemd, dieselben roten Schaftstie^l, in benen Rasputin geliebt hat und gestorben ist. Sogar etwas von dem künstlichen Schnee ber rus­sischen Winterlandschaft haftet noch sichtbar an ber Weste. Ob bie Ersvlge ber Pseudo Rasputins bem entsprechend waren, ist leider nicht bekannt und soll auch nicht zur Diskussion gestellt werden...

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WaS kosten die getragenen Kleider der prominenten?

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erklärte mir der zielbewußte und unermüdliche Führer des Lagers. Hauptmann Zimpel. Das ist Ausbauarbeit im edelsten Sinn und Geist, wie sie mittlerweile auch für das Ganze unseres Vol­kes in Angriff genommen worden ist.

Ilm 6 ilbr wird auf gestanden. Der größte Teil rückt zur Straßcnbäuarbeit aus, die zum Teil in drei Steinbrüchen geleistet wird. Reoenher wer­den Formübungen gemacht und Sport ge­trieben. Rachmittags wird aus zwei großen, modernen Kesseln in sauberer Küche ein gutes und reichliches Mittagessen gegeben. Ieder Mann bekommt außerdem alle zwei Tage einen 2pfün- di-cn Laib Kommißbrot, lieben der Hauptmahl­zeit gibt es morgens Kaffee und zweimal Früh­stück mit Wurst und abends noch eine Abendkost.

Die Verpflegung ist reichlich und gut.

Die Leute werden im Lager auch vollständig ein­gekleidet mit Schuhen, Strümpfen, Wäsche, zwei ArbcitsanzuZen und einem guten Ausgehanzug. Sie sehen tadellos aus in ihrer feldgrauen Uni­form. Um 21 Uhr ist Zapfenstreich. Jeder hat dann in seinem Zimmer zu sein. Um 21.30 Uhr

Papageien-Gchule.

Es gibt in Berlin eine Schule, deren Zöglinge keine Menschen, sondern Vögel aller Art sind, hauptsächlich Papageien, aber auch Stare. Wel- Vsittiche, Elstern und Eichelhäher. Sie werden von einemProfessor" im Pfeifen, Sprechen und Singen unterrichtet, und es ist eine mühevolle Auf­gabe, die der Lehrer zu verrichten hat. Papageien fällt es zwar nicht schwer, menschenähnliche Laute hervorzubringen, aber ein richtiges Sprechen, das zahlreiche Morte und Sähe umfaßt, wird erst nach langen Mühen erzielt, und manchen Tieren ist überhaupt nichts beizubringen. Jedenfalls gehört zu diesem Unterricht viel Erfahrung und päda­gogische Begabung. Wie aus einer Schilderung dieser Papageienschule inReclams Universum" zu Entnehmen ist, müssen die Vögel zuerst eine Vorprüfung bestehen, durch die festgestellt wird, ob eine Ausbildung überhaupt Zweck hat. Dann werden die geflügelten Studenten allmählich in die einzelnen Unterrichtsfächer eingeführt. Sie müs­sen erst richtig zahm gemacht und an eine gewisse Bewegungsfreiheit gewöhnt werden; sie müssen sich in der Gesellschaft zurechtfinden und lernen, sich gut zu benehmen. Erst wenn der neue Schüler sich mit seinen Kollegen und dem Professor or­dentlich verträgt, kann er an dem Unterricht teil- nehmen; es wird ihm dann der Lehrstoff" syste­matisch vorgetragen. Die Papageien-Akademie be­dient sich der modernsten Verfahren, Wörter, Sätze und Lieder werden den Vögeln auf Schall- platten vorgeführt, und diese Platten können un­begrenzt wiederholt werden. Der Lehrer selbst würde bald die Geduld verlieren, wenn er das alles selbst vorsprechen müßte. Vögel, die schnell lernen, vergessen das Gelernte auch meist schnell wieder, und es muß ihnen stets von neuem ein- geprägt werden. Ein Lehrgang, bei dem die Vögel etwa 20 bis 30 Worte und viele Lieder sowie gepfiffene Melodien sich einprägen, nimmt etwa ein Vierteljahr in Anspruch. Hat der studierende Papagei diese Zeit nützlich angewendet und naht die Entlassung aus der Akademie, dann muß er vorher ein Abschluß-Examen ablegen. Der Pro- sessor stellt hohe Anforderungen und stellt erst nach genauer Prüfung das Znugnis aus, in dem genau vermerkt wird, welche Kenntnisse und Fähigkeiten der Zögling besitzt. In diesem Dokument ist der gesamte Wortschatz verzeichnet, über den der fer­tigeAkademiker" verfügt, werden die erlernten Satze und Lieder angeführt. Diele Pflegeeltern finden sich mit ihren gefieberten Lieblingen in dieser Schule ein und freuen sich dann an den

mannigfachen Künsten, die sich die Tiere er­worben haben.

Ein allzu blendender Zaubertrick.

Eine Gerichtsverhandlung, die jetzt in Paris stattgefunden hat, zeigt wieder einmal, daß sich eines nicht für alle schickt" und daß der Schuster bei feinen Leisten bleiben soll. Jedenfalls ist einem braven Pariser Kaufmann der Versuch, einem Zauberkünstler seine Tricks abzulauschen, sehr übel bekommen. Der Kaufmann de Hancy verklagte denIllusionisten" Pierre de Rocroy auf einen Schadenersatz von 20 000 Mark, und zwar deswegen, weil dieser ihm eins feiner Ge­heimnisse verraten hatte. Der Zauberkünstler, ber gegen Ende des vergangenen Jahres an einem Pariser Variete mit großem Erfolg auftrat, ver­setzte feine Zuschauer in große Begeisterung, in dem er von seinen Fingerspitzen leuchtende Flam­men ausstrahlen ließ. Der Kaufmann, der diesem Wunder beiwohnte, war davon so gefesselt und begeistert, daß er hinter die Bühne stürzte, bis zur Garderobe des Zauberers vordrang und ihn durch Geld und gute Worte nach langem Sträu­ben dazu überredete, ihm das Geheimnis dieses Tricks zu offenbaren. Der Wundermann über­ließ ihm schließlich eine kleine Flasche, in der sich eine Mischung von zwei Pulvern befand, nämlich chlorsaures Kali und Phosphor, und gnb ihm die nötigen Anweisungen, wie et damit die Flammen hervorbringen könne. De Hancy gab ara Reujahrstage ein Fest, bei dem er seine Gäste nach dem Essen mit der Vorführung dieses Tricks überraschen und in Staunen sehen wollte. Sein Plan gelang ihm nur zu gut, oder vielmehr sehr schlecht. Denn die Flammen, die er hervorbrachte, führten zu einer Explosion, bei der ihm drei Fin­ger abgerissen wurden und alle Fenster des Zim­mers zersprangen. Der unglückliche Zauberlehrling hat nun den Meister verklagt, und zwar unter der Begründung, er frabc iym zuviel von dem Pulver gegeben. Tor Gericht erklärte der Be­klagte, daß das Pulver, richtig angewendet, voll­kommen harmlos fei, und daß er den Trick ohne jede Schädigung schon 10 Jahre lang ausführe. Er schlug dem Richter vor, doch selbst einmal die Flammenerzeugung auszuprobieren. Ader die­ser sah es lieber, nachdem er seine Fingerspitzen ängstlich betrachtet hatte, daß der Zauberer feinen Trick vor Gericht vollzog. Dieser entzückte afft durch ein prächtiges Finger-Feuerwerk und ließ den Gerichtshof in tiefem Rachdenken zurück, in dem er beschloß, das Urteil später zu verkünden.

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Art gemeldet. Der Vorstand tat alles, helfend ein­zugreifen, wo es am Platze war. Der Presse wurde Dankbarkeit gezollt für ihre Hilfe, ihre Aufklärung und ihre anerkennenswerte Mitarbeit überhaupt.

Der Verein bezoa für die Gießener Schulen ins­gesamt 2700 Tiersthutzkalender; die Schillerschule stand mit 640 Bestellungen an der Spitze.

Von der Hauptversammlung des Tierjchutzvereins wurde Herr Müller am 15. September 1932 zum Ausschußmitglied des Vereins gewählt. Der Vor­stand begrüßte diese Wahl aufs herzlichste.

Ausführlich befaßte sich der Vorstand in seinen Sitzungen mit der Frage des betäubungs­losen Schlachtens. Herr Schlachthofdirektor Dr. Keller sprach über die verschiedenen Arten des Schlachtens und erklärte die Betäubungsmetho­den vom Holzhammer bis zur elektrischen Betäu- bunysoorrichtung. Da inzwischen ein Erlaß des Hess. Ministeriums des Innern, datiert vom 27.1.1933, über die Kontingentierung beim betäubungslosen Schlachten herausgekommen ist, will der Verein ehe er weitere Aufklärungsarbeit unternimmt die praktische Auswirkung dieses Erlasses abwarten.

Line dringende Aufgabe sieht der verein in der Errichtung eines Tierheimes in Gießen, für die sich in selbstloser Weise neben dem gesamten Vorstand vor allem die Herren Univ.-Professor Dr, ftrnemer, Oberveterinärrat Dr. Monnard und Schlachthofbirektor Dr. Keller einsetzten. Man will, mit Unterstützung der Presse, an die Oeffenllichkeit werbend herantrcten.

Wie stets in bdn Vereinsjahren vorher, so setzte sich der Vorstand auch in diesem Jahr mit aller Leidenschaft dafür ein, daß alles geschehe, was möglich ist, um die Jugend zum Kamps gegen bie Tierquälerei auf prüfen. Alle Erzieher sollen sich in ben Dienst ber Aufklä­rung unb Belehrung stellen.

Der jnnge Mensch soll die Heiligkeit alles Lebens erkennen. Er soll Pflanze wie Tier achten.

So wird er erst voll und ganz auch das Leben seines Mitmenschen achten.

Durchdrungen von der Große und ber Wichtigkeit seiner Ausgabe, wirb ber Gießener Tierschutzverein

Als ich vor einigen Jahren zum ersten Male bie ölte Zinzendorsgründung Herrnhaag bei Büdingen sah, konnte ich ein wehmütiges Gefühl nicht los werden: Wie Öde und tot find diese Stätten, in denen einst Menschen aus aller Welt zur Gemein­schaft glutvollen Christenglaubens zusammenkamen! Ist denn keine Möglichkeit, bie historisch so überaus interessanten Gebäulichkeiten vom drohenben Ver­fall zu retten? Vergeblich schien mir ber warme Appell des bekannten Heimatforschers Lehrer H e u- fo h n - Büdingen, ber in Wort unb Schrift für ihre Erhaltung sich einsetzte. Da kam unerwartet Hilfe.

3m Spätherbst vorigen Jahres wurde ein ge­schlossenes Lager des freiwilligen Arbeitsdienstes

Im altenGrafenhaus" eingerichtet.

Ich habe Gelegenheit gehabt, des öfteren die­ses Lager äu besuchen und halte es für meine Pflicht, auch die breitere Oeffentlichkeit auf die ausgezeichnete, Arbeit hinzuweifen, die gerade hier (unb ebenso in dem Lager im Tier­

hinbuixf) bekam >z verstorbenen asbezahll 3m- der Greis unb lidlcbenbig mit

Mit46Mark ine Freundin, die Geschichte sse schon vor- Betruges und tonale W

Bürgersteuer-Ariforderungen nachprüfen!

In ben vom Wirtschaftsprüfer und Steuersyndikus "Hermann Will zu Gießen herausgegebenenAk­tuellen cteuerfragen" (Rundschreiben Nr. 6) vom '15. März lesen wir folgendes:

Die Bürgersteuer 1933 wird bei Arbeitnehmern durch einen auf der Steuerkarte angebrachten be- sonderen Bermerk, bei sonstigen Steuerpflichtigen durch einen besonderen Steuerbescheid angefordert. Ihre Veranlagung und Erhebung liegt ausschließ­lich in ben Händen der gemeindlichen Steuerverwal­tungen. Die Erfahrung lehrt, daß leider nicht im­mer mit der notwendigen Sorgfalt bie Veranla­gungen vorgenommen werden. Jeder Steuerpflich­tige sollte deshalb die an ihn gerichtete Anforderung nachprüfen.

Die Bürgersteuer wird auf Grund des im Kalen­derjahr 1931 erzielten Jahreseinkommen errechnet, von dem aber bie Werbungskosten und die Sonder- Jciftungcn nicht jedoch die Familienermäßigun­gen ab^uziehen sind. Bei Arbeitnehmern ist in jedem Falle ein Betrag von 1300 Mk. für Wcr- .bungsfoften und Sonderleiftungen ohne Rücksicht jauf deren tatsächliche Höhe abzuziehen, was nicht ,selten von den gemeindlicheß Steuerbehörden über­sehen wird. Hat also ein Arbeitnehmer im Jahre 1931 5500 Mk. Brutto-Arbeitslohn erhalten, so sind hiervon 1300 Mk. abzuziehen, so daß 4200 Mk. ver­bleiben. Er ist deshalb nicht in die Einkommensstufe 4500 bis 6000 Mk., sondern in die Stufe von Ein­kommen bis zu 4500 Mk. einzureihen.

Einwendungen gegen die Heranziehung zur Bür­gersteuer sind nach Landesrecht zu verfolgen. In Preußen unb Hessen ist bas Rechtsmittel des Ein spruchs binnen 4 Wochen nach Anforderung ber Bürgersteuer bei ber gemeindlichen Steuerbehörde cinzulegen. Soweit der Steuerpflichtige behauptet, das der Büraersteuer-Berechnung zugrunde liegende Einkommen sei unzutreffend berechnet, kann er diese Einwendungen, wenn ein Einkommensteuerbescheid gegen ihn ergangen ist, nur durch Rechtsmittel ge­gen den Einkommensteuerbescheid, nicht aber im Wege des Einsprüchs gegen den Bürgersteuerheran­ziehungsbescheid geltend machen.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Alice-Schule, Turmhaus am Brandplatz, 14.30 bis 18 Uhr, Ausstellung von Schülerinnenarbeiten der Kurse und Fachschule.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Gerhart Hauptmanns Schauspiel Vor Sonnenuntergang" unter ber Spielleitung des Intendanten und mit Intendant Dr. Prasch in ber Rolle bes Geheimrats Clausen heute 19.30 Uhr (Ende: 22.15 Uhr), als 22. Vorstellung im Mittwoch - Abonnement. Gewöhnliche Preise. Freitag, 17. März, von 20 bis 22 Uhr, erste Wieder­

holung ber KomödieRind" von Bruno Frank; Spielleitung: Karl H e y s e r. 23. Vorstellung im Freitag-Abonnement, gewöhnliche Preise. Am Samstag, 18. Marz, zum 14. Mal und am Sonntag, 19. März, zum 15. Mal (vorletzte Ausführung!) bie Operetten RevueIm weißen Rößl". Beide Vor­stellungen (Samstag von 20 bis 23 Uhr; Sonntag von 18.30 bis 21.30 Uhr) außer Abonnement und zu kleinen Operettenpreisen. Vorzugsgutscheine haben Gültigkeit; Schülerkarten auch Samstags.

** Fahrplanänderungen bei ber Reichsbahn! Infolge veränderter Wohnungs- verhäimisse der in ben Werken Bänninger, Gail usw. tätigen Arbeiterschaft muß der neue Zubringerzug zum Haltepunkt Erdkauterweg ben Anschlußzug aus Richtung Marburg, Gießen an 7.36 Uhr, abwarten. Der Zug fahrt beshalb erst um 7.40 Uhr in Gießen ab und trifft um 7.47 Uhr am Haltepunkt Erd- kauterweg ein. Der Personenzug Gelnhausen Gie­ßen, Erdkauterweg an 17.13, ab 17.14 Uhr, hält dort nur werktags.

* Iuristischer Vortrag i rn D H V. Dieser Tage veranstaltete der DHV. wie man uns be­richtet einen Vortragsabend. Iustizinspektor Hillenbrand sprach über bas Thema:3d) erbe Streifzug durch bie Testamentsbestimmun­gen bes BGB". Bei ber Testamenterrichtung finb viele gesetzliche Punkte zu beachten. Ein Testament kann nur errichten, wer bas 16. Lebensjahr voll­endet hat. Wer keine besonderen Bestimmungen trifft, wird von den gesetzlichen Erben beerbt. Münd­liche Wünsche haben keinen Zweck, sie werden nach dem Tode nicht berücksichtigt, es sei denn, daß sämt­liche Erben sich darüber einig sind. Bei der Ab­fassung eines Testamentes hat der Erblasser be­sondere gesetzliche Bestimmungen zu berücksichtigen, deren Verletzung das Testament ungültig machen würde. Zunächst ist zu beachten, daß ein Testament nur persönlich vom Erblasser gemacht werden kann. Das Privattestament, das im Gegensatz zu dem öffentlichen Testament ohne Zuhilfenahme eines Richters oder Notars aufgestellt wird, muß vom Erblasser eigenhändig geschrieben sein. Es muß die eigenhändig geschriebene Angabe des Ortes unb bes Tages enthalten, ferner bie volle Unterschrift mit Vor- unb Familienname. Es empfiehlt sich in vie­len Fällen, ein richterliches ober notarielles Testa­ment zu machen, zumal diese Testamente auch amt­lich in Verwahrung genommen werden. Auch pri­vate Testamente kann man bei jedem Amtsgericht zur Aufbewahrung einliefern. Grundsätzlich kann ein Erde auch ausgeschlagen werden, wenn dieses z. B. nur aus Schulden besteht. Wer ein Erbe an- nimmt, hastet auch für die Schulden. Der Redner ging weiterhin eingehend auf das gesetzliche Erb­recht unb die Erbfolge ein, unb gab an Hanb von kurzen Skizzen einige praktische Beispiele. Der Vor­trag würbe mit großer Aufmerksamkeit aufgenom­men.

Der Jahresbericht über die Tätigkeit des Gieße­ner Tierschutzoereins im Jahre 1932 teilt mit:

Die Mitgliederzahl des Vereins betrug am 31. Dezember 1932: 339 (1931: 368). Es ist also ein Mitglieder - Rückgang zu verzeichnen. Mit aller Wärme unb Einbringlichkeit wandte sich der Vor­sitzende deshalb wiederholt an die Mitglieder des Vorstandes,

eifrig für den verein zu werben, auch wenn die Rot der Zxil viele Volksgenossen zu immer erneuter Einschränkung zwinge.

Die Gesamteinnahme 1932/33 beträgt 1453,78 Mark; bie Gesamtausgabe 1430,17 Mark. Das Gesamtoermögen beträgt 1503,49 Mark (also 28,66 Mk. Zuwachs gegenüber 1931/32).

Der Verein hielt im Laufe bes Jahres, einschließ­lich ber Hauptversammlung, fechs Sitzungen ab. Das verflossene Vereinsjahr war beoeutfam badurch, daß der Gießener Tierschutzverein auf sein 50jährigcs Bestehen zurückblicken konnte. In einem Vortrag gedachte der Vorsitzende der Gründung bes Vereins im Cafe Schwmn. In fesselnder Weise berichtete er, welche Entwicklung ber Verein in biefen fünf Jahrzehnten genommen hat, unb machte u. a. bar auf aufmerksam, baß Herr Spitz seit bieser Zeit dem Verein bzw. bem Vorstand angehöre. Er erin­nerte an all das, wofür der Verein gekämpft hat: Anlage von Futterplätzen, gute Behandlung der Pferde, Abschaffung der Vivisektion, Pflege der Singvögel und vieles mehr.

Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Ver­eins fand am 25. August im Singsaal des Real gyrnnasiums ein Vortragsabend statt. Nach einem Rückblick auf die Geschichte des Vereins, Gegeben vom Vorsitzenden, sprach als Redner bes_ Abends anschließend Oberbürgermeister Maas (Schwerin) über die Aufgaben des Tierschutzes. Sein Vortrag, der getragen war von starker Liebe zur Kreatur, war ein Appell an jeden einzelnen,

im Geschöpf den Schöpfer zu ehren, um ber­geffalt das Gewissen ber Menschen immer roieber aufzurufen.

Wie in den vergangenen Jahren, wurden auch in diesem Jahr dem Vorsitzenden ober einzelnen Vorstandsmitgliedern Tierquälereien mannigfacher