Ausgabe 
15.2.1933 Erstes Blatt
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

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genommen hatte, ist ebenfalls am gleichen Tage gestorben.

Das Ende einer Skandalassäre in Honolulu.

Das Verfahren gegen vier Eingeborene in Honolulu, die eines äleberfalles auf die Gattin des amerikanischen Marineoffiziers Leut­nant Massie beschuldigt waren, ist auf Antrag des Staatsanwalts eingestellt worden. Die Angelegenheit hatte seinerzeit ungeheures Auf­sehen in den Vereinigten Staaten hervorgerufen. Llrsprünglich waren fünf Eingeborene angeklagt, aber freigesprochen worden. Hierauf hatten Leut­nant Massie, seine Schwiegermutter Frau For­tescue und zwei amerikanische Seeleute einen der freigesprochenen Eingeborenen gemeinschaft­lich erihorbct. Sie wurden später nur wegen Totschlages für schuldig befunden und nach for­meller Verkündigung einer Gefängnisstrafe un­verzüglich begnadigt.

Luftkampf über dem Amazoneustrom.

Daily Herold" meldet aus Bogota (Columbien): General Vasquez Cobo, der Oberbefehlshaber der columbischen Streikräfte, die sich auf mehreren Ka­nonenbooten und Transportschiffen im Oberlauf des Amazonenstromes befinden, gibt bekannt, daß pe­ruanische Flugzeuge über sein KanonenbootCor­doba" hinweggeflogen seien und Bomben abgewor­fen hätten. Columbische Flugzeuge hätten daraufhin eingegriffen und den Gegner nach einem Luft- kampf vertrieben.

Wintergewitter über Berlin.

In der fünften Morgenstunde ging am Dienstag

worden, bei einer eventuellen Erholung in das Wirtschaftsleben aktiv einzugreifen. Die Festigung der Wertpapierkurse, die seit kurzem zu verzeichnen sei, gebe Grund zu der Hoffnung, daß den Kapi- t a l m ä r k t e n wieder die gewohnte Rolle bei der Ankurbelung der Wirtschaft zufallen werde. Die Lage der Industrie zeige zwar nur eine leichte Besserung, jedoch sei die allgemeine Stim­mung freundlicher geworden. Auch das Pro- der kurzfristigen Verschuldung

Donner war -zeitweise so stark, daß die Bewoh­ner .aus dem Schlafe geschreckt wurden. Das seltene Naturereignis war von heftigen Schneeböen, orkanartigem Sturm und starkem Wetterleuchten begleitet. Im Norden Berlins schlug der Blitz in einen Mast der Straßenbahnoberleitung ein, richtete aber keinen nennenswerten Schaden an. Auch in den Vormittagsstunden herrschte noch r i ch - tiges Aprilwe11er. Es setzte mehrfach heftiges Schneetreiben ein, das durch klarsten Sonnenschein wieder abgelöst wurde.

lanzierung seiner Zahlungsbilanz gelöst. Da die internationale Verschuldung den Hauptfaktor der deutschen wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten dargestellt habe, komme dieser Leistung besondere Bedeutung zu. Der Druck auf den Kapi­talmarkt habe erheblich nachgelassen. Die Banken feien mit Hilfe des Staates in die Lage versetzt

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und Durchführung der Veranstaltung an den Vor­sitzenden, Landwirtschafts-Studienrat Dr. Lutz, aus, unter dessen Leitung der Verein einen erneuten Auftrieb an innerem Leben und äußerem Umfang genommen habe.

U Grohen-Linden, 13. Febr. Der hie­sige Kurzfchriftverein hielt am Sams- tag feine diesjährige Generalversammlung ab. die sehr gut besucht war. Der 1. Vorsitzende Heinrich G ü m b e l erstattete den Jahresbericht. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse war die Vereinstätigkeit im abgelaufenen Jahre sehr rege. Mit Erfolg haben Mitglieder des Vereins an dem Bezirks- und Verbandswett­schreiben teilgenommen. Auch die Wettschreiben innerhalb des Vereins haben gezeigt, daß immer bessere Leistungen in der Einheitskurzschrift er­zielt werden. Für das laufende Geschäftsjahr wurde ein Arbeitsprogramm festgelegt. Den Mit­gliedern soll Gelegenheit gegeben werden, sich immer mehr Fertigkeit in der Kurzschrift anzu­eignen, den Arbeitslosen soll besondere Auf­merksamkeit gewidmet werden.

al Allendorf (Lahn), 14. Febr. In unserer Gemeinde wurden im Jahre 1932 16 Kinder ge­boren. 12 Personen verstürben: 6 Paare wurden getraut, 5 Kinder konfirmiert. Das über zehn Jahre alte S t o r ch n e st auf dem Juden­berg ist durch die ungünstige Witterung gänzlich vernichtet worden und vom Baum gefallen. Nunmehr haben einige Freunde der Vogelwelt ein Wagenrad auf den Eichbaum gebracht und Reisig vom alten Nest darauf gebreitet, damit die Störche, wenn sie im Frühjahr wiederkommen, mit dem Bauen eines neuen Nestes beginnen können.

= Lang-Göns, 13. Febr. Der Unterhal­tungsabend, zu dem der hiesige Turnverein (DT.) am Samstag seine Mitglieder eingeladen hatte, war recht gut besucht und brachte für alle Teilnehmer einige angenehme Stunden. Nach einem Vorspruch, vorgetragen von Frl. Pfuhl.

entsprechenden Verhandlungen mit der betriebs­leitenden Oberpostdirektion Darmstadt sollen so­fort stattfinden.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Dtadttheater, 20 bis 22 Uhr,Bargeld lacht". VDA., 20.15 Uhr, Cafe Leib, Volkstunstabend der Tiroler Werbegruppe. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Ein Mann mit Herz".

*

D i e Bauarbeiter! in der Pesta­lozzi s ch u l e in den Cichgärten, bei denen es sich bekanntlich um den Ausbau eines Flügels des großen Gebäudes zum Zwecke der Herrich­tung von Klassenräumen handelt, sind unverän­dert im Gange. Die Arbeiten werden so be­schleunigt, daß der fertiggestellte Flügel des Hauses mit dem Beginn des Unterrichts nach den Osterferien in Benutzung genommen werden kann.

** Eine praktische Neuerung auf der Straßenbahn ist durch die Ersetzung der Fün- fer-Fahrscheinheftchen durch Fünfer-Fahrkarten ein­geführt worden. Die Heftchen haben sich im Laufe der Zeit besonders auf der stark befahrenen Wiesecker Strecke durch zeitraubende Handhabung als wenig praktisch erwiesen. Dafür hat die Direktion der Stra­ßenbahn nun die Fahrkarten eingeführt, die in fünf Felder eingeteilt sind, von denen bei jeder Fahrt eines durch eine Lochzange entwertet wird. Die noch im Besitz des Publikums befindlichen Heftchen können natürlich aufgebraucht werden.

** Winter »st wieder eingekehrt. Die letzten Tage haben etwas tiefere Tempera­turen gebracht. Heute morgen war es sogav empfindlich kühl: der Schnee, der gestern abend und auch während der Nacht leicht fiel, konnte zum Teil liegen bleiben. Auf dem Hoherodskopf liegt nicht sehr viel Schnee, im Walde sind 10 Zentimeter, im freien Gelände weniger, da dort der Schnee stark verweht ist. Heute morgen wurden auf dem Hoherodskopf 9 Grad unter Null gemessen. Der Wald steht in herrlichstem Rauh­reis. Die Sportmöglichkeiten sind vorläufig noch gering.

** D i e Grippe in den Schulen. Während in der Stadt Gießen der in der vorigen Woche durch zahlreiche Grippeerkrankungen ausgefallene Schul­unterricht seit Beginn dieser Woche wieder voll im Gange ist, kann jetzt erfreulicherweise auch von einer Besserung der Verhältnisse im Kreise Gießen be­richtet werden. Zu Beginn dieser Woche war im Kreise Gießen in 18 Schulen der Unterricht wegen Grippeerkrankungen von Lehrern und Schülern ein­gestellt, heute ruht der Unterricht nur noch in 14 Schulen. Es ist aber auch bei diesen Schulen ein erfreulicher Rückgang Ser Erkrankungen zu beob­achten, so daß man mit der Wiederaufnahme des Unterrichts zu Anfang nächster Woche und von da ab mit ungestörtem Schulbetrieb im ganzen Kreise Gießen rechnen kann.

* Das nächste Konzert zum Besten der Winternothilfe (Gesangschule Frau Dr. Meyer und Militärkapelle), das wir in unserer heutigen Frühausgabe ankündigten, findet auf Grund einer neueren, uns bis heute früh noch nicht mitgeteilten Vereinbarung nicht am 20. Februar, sondern erst am 2 2. Februar statt.

Ein SA. - Werbetag der NSDAP, findet am kommenden Sonntag in Gießen statt. Nachmittags wird die Standarte 116 aufmar­schieren. Am Abend wird sich in der Volks­halle eine Wahlkundgebung anschliehen, für die der preußische Kultusminister Dr. Rust- Berlin als Redner vorgesehen ist. Man beachte die heu­tige Anzeige.

** Zum Ver kehrsunfall in der Mar­burger Straße. Die Frau des bei dem Unfall in der Marburger Straße verunglückten Dr. Schön­wandt aus Frankfurt, die mit einer schweren Kopf­verletzung in die Chirurgische Klinik eingeliefert wurde, hat, wie die Untersuchung ergab, einen leich­ten Schädelbruch erlitten. Ihr Befinden hat sich bis heute vormittag leicht gebessert.

Zur Herstellung der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste werden nur die anerkannt besten Rohstoffe verarbeitet. Chlorodont, morgens und vor allem abends benutzt: beseitigt häßlichen Zahnbelag und üblen Mundgeruch ist sparsam im Verbrauch und daher preiswert.

Aus aller Welt.

Grubenunglück in Hindenburg. Zehn verschüttete.

Aus der Königin-Louise-Grube, Ostfeld, in Hin­denburg (O.-S.) ging auf der 340-Meter-Sohle ein Pfeiler z u Bruch. Zehn Bergleute wur­den v e r s ch ü t te t. Die Rettungsarbeiten sind sofort ausgenommen worden. Von den Einae- schlossenen ist ein Mann, der nicht lebensgefähr­lich verletzt ist, halb freigelegt worden. Eine An­zahl weiterer Leute gibt von anderer Stelle aus Lebenszeichen. An ihrer Bergung wird mit allen Kräften gearbeitet. Man hofft, wenn sich die Lage nicht besonders verschlechtert, spätestens in einem Tag die Verschütteten zu bergen. Der Pfeiler ist in seiner ganzen Breite zu Bruch gegangen. Die Zuführungsstrecken sind jedoch aufrechterhalten ge­blieben, so daß das Rettungswerk von verschie­denen Seiten aus sofort in Angriff genommen werden konnte.

Nach den letzten Reibungen sind von den ver­schütteten Bergleuten inzwischen drei lebend geborgen worden, zwei weitere hofft man in oller Kürze bergen zu können. An der Rettung der übrigen fünf Verschütteten wird unausgesetzt ge­arbeitet.

Die Schweizer Seegelflicger.

Der Schweizer Segelflieger Willi F a r n e r,der im Schlepptau von Frey in Mailand zum Al­penflug aufgestiegen war, ist bei Bellinzona nie- dergegangen._ Rach einer halben Schwenkung nach Dalmorbia löste sich das Flugzeug von Frey, der bald daraus in Bellinzona landete. Bei der Lan­dung wurde das Segelflugzeug leicht beschädigt. Farmer erklärte, daß das Flugzeug über dem Luk­manier in heftigen Wind geraten sei, der sie plötz­lich etwa 300 Meter herabgedruckt habe. Dadurch sei die Ueberfiegung der Alpen unmöglich ge­macht worden und sie hätten sich zur Landung in Bellinzona entschließen müssen. Später star­teten die beiden Flieger im Flugzeug von Freh nach Arosa.

Feuer In einem Sägewerk. Ein Todesopfer.

In dem Sägewerk der Firma Krämer in Ochsenfurt am Main (älnterfranken) brach ein D r a n d aus, der in den Holzvorräten reiche Nahruikg fand. Das Feuer brachte eine Preß- luftflasche zur E x p l o s i o n. Eine etwa 70 Meter entfernt stehende Frau wurde von e.nem Eisen­stück am Kopf getroffen und getötet. WeitLre Personen kamen nicht zu Schaden. Das Feuer griff auf Scheune und Stallung über und vernich­tete bedeutende Werte.

Zwölf Todesopfer schlechten Alkohols.

Rach einer Meldung aus Szegedin in Ungarn bewirtete in dem Walde bei Sandorfalva der Landwirt Stephan lernet, der sich auch mit oem Destillieren von Alkohol beschäftigte, eine Reihe von Holzhackern und Tagelöhnern mit fernem Erzeugnis, um ihnen Lust zum Ankauf zu machen. Rach dem Genuß des offenbar nicht einwandfreien Alkohols wurde eine große An- aat>l der Leute unwohl und mußte in das Szege- Diner Krankenhaus gebracht werden. Hier sind bisher 12 gestorben, während 13 in bedenk- Irchern Zustand darniederliegen.

Drei Frauen nach dem Genuß von Spiritus gestorben.

Nach einer Meldung aus Czenstochau fand der Arbeiter F asm an, als er von der Arbeit in feine Wohnung zurückkehrte, seine Frau und seine Schahrige Mutter tot auf. Die ärztliche Unter­suchung ergab, daß die grauen an den Folgen des Genusses von Spiritus geworben sind. Eine andere Frau, die an dem Gelage teil-

Geheimnisvolles verschwinden eines hol^handlers.

Seit mehreren Tagen ist der Kaufmann Franz N a r o w s k e, Mitinhaber der Firma Narowske & Grüsch, Holz- und Sägewerk in Witten-Annen, unter sehr eigenartigen Umständen verschwun­den. Er wurde von einem Münzfernsprecher aus Unna angerufen; der Anrufer teilte mit, daß er einen großen Holzankauf abschließen wolle. Nachdem der Anrufer zur verabredeten Zeit im Bureau nicht erschienen war, begab sich Narowske auf die Straße. Hier kam ein Auto vorgefah­ren, aus das der Kaufmann zuging. Seit diesem Augenblick fehlt von ihm jede Spur. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Insassen des Autos an Narowske ein Verbrechen begangen haben. Als die Arbeiter und Angestellten am nächsten Morgen bei der Firma erschienen, sanden sie das Tor zum Lager und zum Kontor offen vor. Es wurde festgestellt, daß aus dem Geldschrank fünf Scheckhefte sowie ein Postbarscheck- und ein Post­überweisungsscheckheft fehlten. Bei der Spar­kasse in Witten erschien an diesem Morgen ein junger Mann, der Schecks präsentierte, die auf 200 und 250 Mk. lauteten, aber nicht eingelöst wurden, da das Konto Narowske nur 50 Mk. aufwies. Die Schecks trugen die Unterschrift Narowskes, die den Eindruck erweckte, als sei sie in großer Eile, Erregung oder in Trunkenheit geschrieben worden.

Der geplante Flugzrugstiitzpunkt im Atlantik.

Die Umbauten auf dem DampferWestfalen", der von der Deutschen Lufthansa als Flug- zeugstühpunkt für den Transozean­luftverkehr EuropaSüdamerika in Dienst gestellt werden soll, sind durchgeführt. Der Dampfer, der in diesen Tagen seine Startversuche mit dem Katapult erledigte, ist jetzt zur AG. We­ser zurückgedampft, wo die letzten Arbeiten vor­genommen werden sollen. Die eigentlichen Probe­fahrten finden Mitte Februar von Bremerhaven aus statt. An ihnen werden auch geladene Gäste teilnehmen. Bei dieser Gelegenheit wird auch das Abschiehen des Katapultflugzeuges auf dem Was­ser durchgeführt.

Oer Lleberparteiliche.

Plakatankleber sind bedeutende Faktoren im Wirtschaftsleben der Zeit. Der Plakatankleber ist es aber auch, der seiner Hände Arbeit froh wird, toenn er des Abends den so deutlich sicht­baren Spuren seines Werkes folgt, soweit das Stadtbild reicht. In der Oeffentlichkeit und für die Oeffentlichkeit schaffend, wächst er mit Recht zur lokalen Persönlichkeit. Mit klebender Hand vermittelt er, was geschah, was geschieht, was geschehen soll.Peremo brachte eine Zahnkreme heraus, die Zauberwirkung zeigt"Margata, die Kunstbutter, ist immerwährende Freude der Familie"Am 18. wird Tauber ein Konzert geben am 19. wird Dr. Schulz, M. d. R., über die Gewißheit der politischen Ungewißheit spre­chen ein Sprachrohr der Moderne, klettert der Ankleber die Litfaßsäule hinauf und herab. Gäbe es keine Zeitungen, er hätte seinesgleichen nicht auf dieser Welt. So aber sorgt die fünfte Groß­machtPresse" dafür, daß die Säulen nicht in den Himmel wachsen.

Vor solcher großmächtigen Konkurrenz flüchtet der Ankleber sich in das Reich der Farben, und hier ist er stark und ohne Beispiel. Ruhig entbrei­tet feine Hand eine Rolle und streicht sie mit Würde über den Litfaßbauch: eine Rivieraland- schast in allen Farben südlicher Glut, vom Azur­blau des Himmels bestrahlt, zeigt sich den ent­zückten Blicken. Im Rausch der Farbe klebt er die blondesten Mädchen neben die schwärzesten Ne­ger, die blausten Augen in das Grau der Straßen, ein Vergolder des Alltags. Das Bemerkenswer­teste an ihm ist jedoch, daß er sich längst vor dem Streit der Ansichten und Meinungen auf die sichere Plattform desAlles verstehen und alles verzeihen" zurückgezogen hat. Er klebt Mana, die beste Zigarette, neben Mono, die beste Zigarette, Schweden neben Palästina, Hans Albers neben Willi Fritzsch. Von unglaublicher Toleranz in politischen Fragen entrollt er Konservative und Radikale, Regierungsproklamationen und Oppo» sitionsaufrufe mit der gleichen Gelassenheit und ohne Ansehen der Person und Sache. Seine un­bestechliche Objektivität scheut nicht davor zurück, einen lachenden, lieblichen Mädchenkopf mit einer kommunalen Steuererklärung zu überkleben oder eine Rheinlandschaft mit einer Schuhkremean­preisung. Rur einmal regt sich in ihm ein Anflug persönlichen Gefühls, wenn er mit zufriedenem Lächeln die Drohung befestigt, daß das Abreihen der Plakate von unbefugter Hand nach § 304 Str.-G.-B. empfindliche Bestrafung nach sich zieht. So weiß er seine Tätigkeit von Rechts we­gen gesichert, gelassen entschreitet er, ein Schütz­ling des Staatsanwalts, um an der nächsten Säule bildend und aufklärend zu wirken und das Gesicht der Stadt zu verändern, mit Pinsel, Leim, und abgeklärter Ruhe. v. M.

Krastpostlmie Gießen-Hochelheim.

Der Betrieb der Kraftomnibuslinie GießenHochelheim war gestern Gegenstand von Beratungen, die im Stadthaus unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Hamm in Anwesenheit von Vertretern des Postamtes Gießen und der an der Linie beteiligten Gemeinden stattfanden. Es handelte sich darum, einerseits zu dem im Jahre 1932 infolge der ungünstigen Wirtschafts­lage entstandenen Betriebsdefizit in Höhe von runö 1700 Mk. und zu dessen Deckung durch die Gemeinden nach einem in dem Detriebsvertrag vorgesehenen Schlüssel Stellung zu nehmen, ander­seits über Mittel und Wege zu beraten, die für die Zukunft die Beseitigung oder doch mindestens eme erhebliche Minderung des Zuschusses der Gemeinden ermöglichen werden. Der Fehlbetrag aus 1932 wird seine Deckung nach Maßgabe des Verteilungsschlüssels durch die Stadt Gießen und die an dec Linie beteiligten Gemeinden des

Kleebachtals finden. Als eine wesentliche älrsache des Zuschusses wurde allgemein der Betrieb einer privaten Autolinie angesehen, die als Schwarz­fahrt bezeichnet wurde und gegen die man mit Nachdruck vorgehen will. Völlige Uebereinftim- mung herrschte unter allen Gemeindevertretern darüber, daß die Kraftomnibuslinie weiterbetrie­ben werden soll, jedoch wurden gewisse Aende- rungen im Fahrplan der Linie als notwendig v(.z..chnet, um hierdurch zu - einer Verringerung der Detriebsunkosten zu kommen. Es handelt sich dabei um den Fortfall einer Teilfahrt nach Grohen-Linden um die Mittagszeit, ferner um eine zeitliche Verschiebung der bisherigen Vor­mittagsfahrt von Gießen nach Hochelheim auf die Mittagsstunde, von der man sich eine erhöhte Frequenz verspricht: außerdem soll bei der Äbendfahrt ab Gießen künftig die Gemeinde Groh-Rechtenbach angefahren werden. An die Oberpostdirektion Darmstadt will man das Er, suchen richten, in eine Minderung der Garantie­leistung dec Gemeinden einzuwilligen, die in den jetzt gegebenen Verhältnissen ihre Begründung finde. Weiter wurde u- a. auch die Höhe des Fah.pr.i es bemängelt, die heute manche Inter­essenten von de, Benutzung der Linie abhalte. Eine zeitgemäße Senkung des Fahrpreises werde voraussichtlich auch die Frequenz der Linie er­höhen. Die Konferenzteilnehmer hegen die Hoff­nung, dah die vorgeschlagenen Mahnahmen eine günstige Wirkung auf den Betrieb der Linie haben und deren Weiterbestand ohne allzu große Opfer der Gemeinden ermöglichen werden. Die

werde gelöst sein, sobald die Welt zu der Ueberzeu- gung gelange, daß die deutschen Kredite gut seien. Die Welt müsse dazu gelangen, Deutschlands wirtschaftliche Zukunft optimistisch zu beurteilen. Die Gläubiger dürften durch das Stillhalteabkommen nicht ver­hindert werden, Rückzahlung in Mark von zweifel­haften Schuldnern zu verlangen. Erweiterte Vor­kehrungen müßten getroffen werden, die es wider­willigen Gläubigern ermöglichten, ihr Geld, wenn nötig, mit Verlust aus dem Lande zu ziehen. Nach- dem noch auf die ungeheure Rückzahlung von Schulden, die bereits erfolgt ist, hingewiesen wurde, glaubt der Verfasser vor Experimenten irgend­welcher Art warnen zu müssen, da sie die Er­holung der deutschen Wirtschaft um Jahre zurück- werfen könnten.

Kunst und Wissenschaft.

Auswärtige Erfolge eines jungen Gießener Künstlers.

Der Gießener Maler und Bühnenbildner Hans- Ewald Kleine war vom Elberfelder Museums­direktor Dr. D i e r k se n zu einer großen, jetzt beendeten Theaterkunst-Ausstellung aufgefordert worden. Die von der gesamten Presse als aus­gezeichnet gerühmte Sonder-Ausstellung um­faßte in zwei großen Sälen 100 Szenenbilder und Figurinen, darunter acht Bilder, die sich jetzt im Besitz des Theatermuseums in Köln befinden. Kleine ist an der ostpreußischen und an der Kunst­akademie in Düsseldorf ausgebildet. Auf der Jah-

Landkreis Gießen.

-o- Großen-Linden, 12. Febr. Im Mittel­punkt einer Versammlung, zu der der O b st - und Gartenbauverein für Samstagabend in den Schaumschen Saal eingeladen hatte, stand ein Vor­trag des Universitäts - Gartenbauinspektors i. R. Rehn eit (Gießen) überDie Pflege des Haus­gartens und der Zimmerpflanzen". Neben dem wirtschaftlichen Nutzen, so führte der Redner u. a. aus, bedeutet der Hausgarten zugleich als erwei­terter Wohnraum gerade in der heutigen Zeit für viele eine Quelle erhöhten Lebensgenusses, und Blumenpflege in Haus und Garten wirkt sich na­mentlich für die Jugend als eine wertvolle erziehe­rische Kraft aus. Er setzte sich für die Wiederauf­nahme mancher althergebrachter, aber vom Zeitgeist verdrängter sog.Bauernblumen" ein und forderte zu belebendem Blumenschmuck im Innern des Hauses und besonders auch an Straßenfenstern und Vorgärten auf. Aus seiner reichen praktischen Er­fahrung heraus wußte er gerade die Kleinarbeit des Gartenbauers und Blumenzüchters in bezug auf Standort, Boden, Wärme, Feuchtigkeit, Dungung, Verpflanzen, Vermehrung, Schädlingsbekämpfung u. ä. feiner Pfleglinge anregend darzustellen. Auch trat er für zweckmäßige Ausnutzung der Wand- flädjen und ihrer verschiedenen Sonnenlagen durch geeignete Früh, und Edelobstsorten, für Beeren- träucher und die vermehrte Anpflanzung von Pfir- ichbäumen ein. Daß neben dem Obstbau auch die Behandlung dieses Teilgebietes einem Bedürfnis entspricht, zeigte sich an dem zahlreichen Besuch, insbesondere auch der Frauen, an dem lebhaften Beifall, der regen Aussprache und dem Zuwachs an Mitgliedern, deren Zahl mit nahezu 60 sich im letz, ten Jahr verdoppelt hat. Anschließend fand unter restloser Beteiligung eine reichhaltige Verlosung von Obstbäumen, Beerensträuchern, Obstweinen, Garten­geräten, Sämereien, Blumen, Kunstdünger, Nist­höhlen, Schädlingsbekämpfungsmitteln u. a. statt. Zum Schluffe sprach Mitglied Iohs. Steina gel den Dank der Versammlung für die Vorbereitung