Ausgabe 
15.2.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 39 Erstes Blatt

183. Jahrgang

Mittwoch, 15. gebruar 1933

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Dr. Friedr. Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Lrnst Dlumschein und für den An» zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.

Rumänien im Fieber.

Oer Ausnahme-Zustand. - Oie Erbschaft der Genfer Finanzdittatur.

Don unserem H. ^-Berichterstatter.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl Bukarest. im Februar 1933.

3n einer außerordentlich stürmisch verlaufenen Dachtsitzung hat sich die rumänische Regierung vom Parlament die Dollmacht erteilen lassen, jederzeit über Bukarest, das Petroleumgebiet von Ploesti und nötigenfalls andere Industriezentren den Belagerungszustand für zunächst sechs Monate verhängen zu dürfen.

Dieser Entschluß, dessen Tragweite und Folgen sich heute noch nicht übersehen lassen, beleuchtet blitzartig die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit denen die Regierung Daida - Woi- w o d zu kämpfen hat. Daß sie dieser Schwierigkei­ten mit dem Ausnahmezustand Herr zu werden hofft, wirft alle Theorien dieser Partei über den Haufen und läßt die Lage beinahe noch schlimmer erscheinen, als sie vielleicht ist. Gerade die Ra- tionalzaranisten sind es gewesen, die im Jahre 1928 den fünfjährigen liberalen Ausnahmezustand aufgehoben und seitdem immer wieder ver­sichert lj>abcn, daß sie niemals auf diesesRe­quisit einer verkappten Diktatur" zurückgreifen würden. Wenn sie es heute trotzdem getan haben, so find dafür folgende Gründe und Llrsachen maß- gebend gewesen:

Die Serie der Unruhen und Ruhestörungen setzten mit der Verhaftung des Universitäts­professors Fortu wegenMajestätsbeleidi- gung" ein. Der Genannte, der sich großer Sym­pathien erfreut, hatte einige Skandale, die öffent­liches Geheimnis find, in feinemPrivat-Moniteur" in Form verschiedenerAnfragen" angeschnitten, woraus man ihn kurzerhand einsperrte und ihm den Prozeß machen wollte. Die Folge waren große De- monstrationen vor dem Iustizgebäude, Fortu mußte aus den Druck der Straße hin f r e i g e l a s s e n werden und die Staatsautorität hatte ihre erste Ba­taille verloren. Der studentische Sympathie- (freit nahm dann rasch politischen Charakter an, es kam in verschiedenen Universitäts-Städten zu wüsten Ausschreitungen, die die Polizei nicht zu verhindern vermochte.

Gleich daraus begann es unter der Arbei­terschaft im Petroleumgebiet zu gären, wo wegen Nichterfüllung oon Lohnwünschen Büro­räume demoliert wurden. Die verhafteten Demon­stranten wurden der Polizei entweder gewaltsam entrissen oder wurden später um die kochende Volksseele nicht zum Ueberlaufen zu bringen frei­willig wieder freigelassen. Diese nachgiebige Hal­tung mobilisierte dann die Eisenbahner in Bukarest, die in der Gesamtzahl von 5000 Köp­fen in den Streik traten und volle Auszahlung der ursprünglich um zehn Prozent gekürzten Löhne verlangten. Auch hier mußte die Regierung nach­geben, gleichzeitig griff unter der Gesamtbevölkerung wachsende Unruhe und Unzufriedenheit mit den in Aussicht gestellten Gehaltskürzungen und Steuer- reformen" um sich, auch führte die Presse eine immer schärfere Sprache, und malte Gefahren an die Wand, die bei Licht betrachtet in diesem Aus­maße wohl noch nicht bestehen. Die Folge war aber eine Aufregung, bei der die Regierung ihr kaltes Blut verloren zu haben scheint. Mit 200 gegen 40 Stimmen nahm das Parlament einen Gesetzentwurf an, der jederzeit die Verhängung des Ausnahme­zustandes in Rumänien ermöglicht.

Die Dachricht davon hat nicht nur in Bukarest, sondern vor allem in Paris wie eine Bombe eingeschlagen, zumal gleichzeitig bekannt wurde, daß ein Teil der Mannschaften des Jahrganges 1909 einberufen worden sei. Um zunächst diese Maßnahme zu klären: die Hälfte der ru­mänischen Armee befindet sich infolge Finanz­schwierigkeiten des Staates seit längerer Zeit in Urlaub, heute stehen nur noch 60 000 Mann unter den Waffen, von denen aber nochmals 20 000 Bur­schen, Schreiber, Kranke und Kommandierte ab­sehen muh. Mit 40 000 Mann ist infolgedessen wenig anzufangen, also mutzte man daran gehen, die Kadres aufzufüllen, um für alle Eventuali­täten gewappnet zu fein.

Ob diese eintreten werden, hängt weniger von den Rumänen, als den Gläubigern Ru­mäniens ab, mit denen bekanntlich schon seit geraumer Zeit in Paris wegen eines Zinsen» und Amortisationsnachlasses in Höhe von 3000 Mil­lionen Lei verhandelt wird. Lind in diesem Zu­sammenhang muh folgendes herausgearbeitet und scharf festgeyalten werden: die Streikwelle und die allgemeine Llnzufriedenheit, die Rumänien heim- gesucht hat, ist nicht etwa von politischen, sondern ausschließlich von sozialen Gründen ausgelöst worden: das Genfer Protokoll hat zunächst die umfangreichen Lohnkürzungen er­forderlich gemacht, die die Wogen der Erregung hochgehen liehen. Diese Erregung wird also wei­ter wachsen, wenn in Paris der geforderte Schul- dennachlah nicht gewährt und damit die Be­zahlung der Beamten und Angestellten unmög­lich gemacht wird. Bleiben also die Gläubiger hartnäckig, dann ist die Stellung der Regierung derart erschüttert, daß sie sich tatsächlich nur noch durch den Ausnahmezustand eine Zeitlang wird halten können.

Aber dieser Ausnahmezustand birgt in diesem Sonders alle eine doppelte Gefahr in sich: einmal wird nichts an den bestehenden Schwierigkeiten

geändert, zum andern wird im Auslande ganz zwangsläufig die Lieberzeugung Platz greifen, als stände Rumänien unmittelbar am Dor- abendspanischer Ereigniss e". Der Rumäne ist aber ein Mensch, der sich sehr schnell auf», aber ebensoschnell auch wiederabregt. Bisher ist bei allen Demonstrationen noch nicht ein einziger Tropfen Blut geflossen, und es hängt jetzt lediglich von der Regierung selbst ab,

ob die Gegensätze künstlich weiter verschärft wer­den sollen. Daß die Regierung nicht das ge­ringste Interesse daran hat, ist selbstoerständlich. Der Ausnahmezustand ist daher in erster Linie dazu da, um jeder Presse endlich einmal wirksam den Mund zu stopfen, die Gefahren an die Wand malt, die in diesem Ausmaße noch nicht be­stehen. Die Lage ist gewiß ernst, aber noch lange nicht verzweifelt.

Die Kleine Lnlenle als Völkerbund im kleinen.

$ür die Erhaltung des Status quo im Oonauraum. Das Wirtschafisproblem bleibt ungelöst.

Prag, 14. Febr. (1DIB.) Heber die heutige Genfer Konferenz des Rates der Kleinen Entente wurde vom Tschechoslowakischen Pressebureau folgen­des Kommunique ausgegeben: Die drei Außen- m i n i ff e r der Staaten der Kleinen Entente hielten eine Beratung ab. 3m Sinne der im Dezember 1932 in Belgrad angenommenen Entschließung wurde der Organisationspakt der Kleinen Entente aus­gearbeitet, der es den drei Staaten gestattet, a l s einheitlicher internationaler Orga­nismus zu handeln. Der politische Teil des neuen Paktes wurde ab g e f d) l o f f e n. Die Außenminister der Staaten der Kleinen Entente werden die Aus­sprache über die wirtschaftlichen Fragen des neuen Paktes weiterführen.

*

Während die Dorschläge des französischen Konstruktivplaneszr Organis.erung eines gesamteuropäischen Sicheryeitssystems gegen jede Art von Revisionsbestrebungen sich auf dex Ab­rüstungskonferenz als eine Lltopie heraus- gestellt haben, hat sich gleichfalls in Genf eine Entwickelung vollzogen, die ganz in der Linie dieser Dorschläge liegt und ihre auf den Donauraum bezogene Derwirklichung darstellt: die LImgestaltung der Kleinen Entente aus einem politisch-militärischen Bünd­nis zu einem Staatenbund, d. h., wie das amt­liche Kommunique besagt, zu einemeinheit­lichen internationalen Organis- m u s. Dimmt man hinzu, dah der gestern end­gültig vereinbarte politische Organisationsplan einen ständigen Rat und ein ständiges Sekretariat vorsehen soll, so stellt sich das neue Gebilde als ein Völkerbund im Uci» nen dar, der immer in seiner regionalen Begrenztheit genau den Zielen entspricht, die Frankreich im großen mit seiner Dölkerbunds- politik, seinen europäischen Föderationsplänen und

schließlich mit dem Konstruktivplan verfolgt hat.

Der feste organisatorische Rahmen, der künftig die drei durch den Verfall der Donaumonarchie neu oder in neuer Gestalt entstandenen drei Länder, Tsche­choslowakei, Südslawien und Rumä­nien umschließen und ihre einheitliche außenpoli- tische Willensbildung sichern soll, ist nichts anderes als ein neues Instrument in dem Kampfe des Versailler Systems gegen den Revisio­nismus, dem besonders der tschechoslowakische Außenminister, der auch der Schöpfer der neuen Organisation ist, und wahrscheinlich künftig als ihr Mandatar auftreten wird, in letzter Zeit öffentlich den Kampf angesagt hat. Die Sicherung des status quo, die unverhüllt als Ziel des neuen Blockes hervortritt, beruht freilich bei den drei Be­teiligten auf einer viel größeren Gemeinsamkeit der Interessen als seine zweite Aufgabe, die wirt- schaf11iche Organisierung. Der Zwiespalt der po­litischen und der wirtschaftlichen Frontstellung inner­halb der Kleinen Entente konnte bei den periodi­schen Konferenzen der letzten Jahre bekanntlich nur mühsam überbrückt werden; zwar geben auch für die Unzufriedenen, wie vor allem Rumänien, poli­tische Erwägungen, die mit finanziellen B e - d ü r f n i f f e n parallel gingen, immer wieder den Ausschlag und die Präferenzverträge mit Deutsch­land, die den notleidenden Agrarstaaten des Süd- Ostens eine wirkliche Erleichterung ihrer Wirt- scyastslage gebracht hätten, konnten nicht zur Aus­wirkung kommen. Nachdem anderseits die verschie­denen von Frankreich geförderten Wirtschaftspro­jekte, zuletzt der Tardieuplan auf entscheidende Hin­dernisse gestoßen sind, muß man mit größtem In­teresse den weiteren Nachrichten entgegensetzen, die zeigen werden, ob es diesmal gelingt, die franzö­sischen Hegemoniepläne auch auf das wirt- schaftliche Gebiet trotz der agrarisch-indu­striellen Spannungen, die innerhalb des Trabanten­blockes bestehen, durchzusetzen.

Der Völkerbund soll im Ostkonflikl entscheiden.

Oer Neunzehnerausschuß fordert Räumung der Mandschurei und Autonomie unter Chinas Oberhoheit.

Genf, 14. Febr. (TLT) Der Reunzehneraus» schuß hat am Dienstag in seiner Schlußsitzung von der Antwortnote der japanischen Re­gierung auf die Anfrage wegen der Anerken­nung der Oberhoheit Chinas in der Mandschurei Kenntnis genommen und sogleich der japanischen Regierung ihre Stellungnahme hierzu übermittelt. Der Reunzehnerausschuß stellt fest, daß die japa­nische Rote keine Grundlage für eine weitere Dermittlung ist und lehnt es ab, in die Erörterung der Einzelheiten der japanischen Rote einzutreten. Jedoch wird die japanische Re­gierung ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß eine neue Derschärfung der Konflikt- lage durch weitere militärische Maßnahmen (in der Provinz Dschehol) zu einem endgültigen Scheitern der Verhandlungen führen müsse.

Die außerordentliche Vollversammlung für die endgültige Regelung des japanisch - chinesischen Streites ist zum Dienstag, den 21. Februar, ein- berufen worden Der Neunzehnerausschuß hat in seiner Schlußsitzung grundsätzlich beschlossen der Völkerbundsoersammlung die zur Lösung des gern- oststreites vorgesehenen Maßnahmen in folgen­der Reihenfolge oorzuschlagen.

1 .Rückzug der japanifchen Truppen aus der Mandschurei bis zu der japanischen Eisenbahnzone.

2 . Schaffung der Autonomie in den drei öst­lichen Provinzen unter der Oberhoheit Chinas. Einrichtung der Verwaltung, Schaf­fung internationaler Kontrolle und der Gen­darmerie entsprechend den Vorschlä­gen des Lytton-Berichts.

Der Grundsatz der Oberhoheit Chinas in den drei östlichen Provinzen wird an die Spitze der Empfehlungen des Berichtes gestellt- Der Dame Mandschukuo wird in dem Bericht überhaupt nicht genannt. 3n den Emp­fehlungen wird betont, dah der Rückzug der japanischen Truppen die unerläßliche Doraus- fetzung für die Schaffung eines erträglichen Zu­standes und für die gesamte Regelung dieses

Streites bilde. Der vorgesehene diploma­tische Derhandlungsausschuh, in dessen Händen die meaccc Konfliktregelung gemeinsam mit den be ben beteiligten Regierungen gelegt werden soll, soll sich zusammensetzen aus den Dertretern der Llnterzeichnerstaaten des Washing­toner Reunmächteabkommens, zu dem alle grohen Kolonialmächte gehören, ferner die Dertreter der dem Reunzehnerausschuh ange­hörenden Mächte, falls diese es wünschen. Ferner sollen Amerika und Sowjetruhland zur Beteiligung am Ausschuh eingeladen werden.

Die Dollversammlung am Dienstag dürste die entscheidende Abstimmung über die Empfeh­lungen des Deunzehnerausschusses am Freitag vornehmen. An maßgebender japanischer Stelle verlautet, daß die japanische Regierung ihre end­gültige Entscheidung erst nach der Entscheidung der Dölkerbundsversammlung fällen wird. Im Falle der Annahme der Empfehlungen soll Japan beabsichtigen, unverzüglich seinen Austritt aus dem Dölkerbund anzukündigen oder sich ohne eine solche Erklärung vom Dölkerbund und der Abrüstungskonferenz zurückzu­ziehen.

Die japanische Aktion gegen Zehol

London, 14. Febr. (WTB.) Wie Reuter aus Peking meldet, sollen die Japaner planen, mit ihrer Offensive in der Provinz Jehol am 27. Februar einzusehen. Dieser Zeitpunkt sei gewählt worden, damit die Offensive am 1. März, dem ersten Jahrestag der Errichtung Mandschu- kuos, in vollem Gange fei. Hohe japanische Wür­denträger in Peking sollen bereits zugegeben ha­ben, daß man drei Ultimata vorbereitet habe, die demnächst zur Absendung gelangen sol­len, und zwar werde das erste Ultimatum von der mandschurischen Regierung an den chine­sischen Gouverneur der Provinz Ie - h o l, das zweite von General Muto, dem japani­schen Oberbefehlshaber in der Mandschurei, a n General Tschanghsüliang, und das dritte von Tokio an QI anfing gerichtet sein.

Alle drei würden eine vollkommene Zurück­nahme der chinesischen Truppen aus der Provinz Jehol fordern.

Don chinesischer Seite ist erneut betont worden, daß die Chinesen sich einem japanischen Einmarsch in Jehol auf das hartnäckigste wider­sehen würden.

Bankenzusamnienbruch im Gtaate Michigan.

LchwercWirtschaftskrisiSim amerikanischen Industriezentrum.

N e u y o r k, 14. Febr. (TU.) In Michigan, dem größten Industriestaat der Vereinigten Staaten, hat sich ein Bankenzusammenbruch ereignet, der als ein Ereignis von größter wirtschaftlicher Tragweite zu werden droht. In Washington traten unter Vorsitz des Präsidenten Hoover der Handelssekretär Mills, der Gouverneur der Fede­ral Reseroebank Harrison und Eugene Meyer, der Direktor der Federal Reserve Board zusammen, um zu beraten, wie der völlige Zusammenbruch des Bankensystems von Michigan zu verhindern ist. In Detroit herrscht im Geldverkehr völliger Wirrwarr. In ganz Michigan hat die Bevölke­rung noch bis zum Wochenende Kleingeld. In den Theatern, Kinos und Restaurants häufen sich große Summen an. Ein großes Aufgebot von Po­lizei bewacht daher die Kassen der Banken und Theater. Die Federal Reservebank in Chikago sandte unter starker Bewachung 20 Millionen Dollar Gold nach Detroit. Die Staats- und Stadtkassen in Detroit waren nicht in der Lage, die Löhne und Gehälter zu bezahlen. Außer im nördlichen Staatsteil von Michigan sind sämtliche Banken geschlos- s e n. Der Gouverneur von Michigan gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Bundesregierung das Bankensystem des Staates retten werde. Auf Grund des Finance Rekonstruktion Act waren 3 00 Banken und Sparkassen in Michigan gestützt worden. Der Zusammen- bruch der Banken in Detroit ist darauf zurückzufüh- ren, daß Ford s i ch weigerte, weitere Kre­dite von der Finance Rekonstruktion aufzunehmen um die Union Guardianbank zu retten. Die anderen großen Kunden der Bank, darunter die General Motors und Chrysler hatten im Gegensatz zu Ford die Aufnahme weiterer Kredite gebilligt. Ford zog jedoch seine Guthaben in Höhe von l'A Millionen Dollar zurück. Das hat zur Zahlungsein st ellung geführt. Gleichzeitig mit den Banken erklärten die Gas-, Licht--, Elektri- zitäts- und Telephongesellschaften ein achttägiges Moratorium, zln allen Börsen waren scharfe Kursabgänge zu verzeichnen.

Die Agrarkrisis in Argentinien.

Prcisverfatt und Heuschrecken.

Buenos Aires, 14. Febr. (ERB) Die Weltwirtschaftskrise hat mit ihren niedrigen Preisen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die nicht mehr die Llnkosten decken, auch die Landwirtschaft in Argentinien in die schwerste Dotlage gebracht. Zum größten Llnglück sind nun noch weite Teile des Landes von riesigrn Heuschreckenschwärmen heim- gesucht worden, die vielfach alle Anpflanzungen und alles Grün von den Feldern weggefressen haben. Besonders schlimm ist es in der Pro­vinz Entre Rios, einem sehr fruchtbaren Land zwischen den Flüssen Rio Parana und Rio Llruguay. In diesem Mesopotamien, das durch die Heuschreckenplage in eine Wüste verwandelt wurde, herrscht Elend und Rot. Wenn man durch die Provinz fährt, sieht man nichts als eine graue Landschaft, in der an den Straßen und Bahndämmen das tote Dieh liegt, die Wälder überall kahl gefressen, die Obstpflanzungen vernichtet und die Wein­reben zerfasert sind. Rur sehr wenige Bauernhöfe haben eine kleine Ernte, deren Kosten aber nicht einkommen, denn für einen Sack Weizen werden nur 1,50 Peso (= 1,40 Mk.) geboten. Für Wolle zahlen die Aufkäufer 1,50 bis 2 Peso für 10 Kilogramm. Trotzdem müssen die Besitzer seien es Kolonisten, Kleinbauern oder Grundbesitzer noch mehr Steuern zah­le n als in guten Jahren. Ein Hammel erzielt nur 80 Cent, eine Kuh oder ein Pferd 1 bis 2 Peso, eine Mi 1 chkuh 5 bis 7 Peso. 3m Ver­kauf auf dem Markt verfaulen die Kartoffeln, ob­wohl sie für 25 Cent je 10 Kilogramm angeboten werden, weil keine Käufer da find. Die Rot ist überall groß, und die Llnficherheit auf dem Lande hat überall zugenommen. Die Besitz- und Arbeitslosen haben quasi eine stillschweigende Erlaubnis, sich das zu nehmen, was sie zum Lebensunterhalt bedürfen. Diele Estancieros führten ein- oder zweimal in der Woche Schlachttage ein, an denen die Armen der Umgebung mit Fleisch versorgt werden, damit sie nicht durch den Hunger zum Diebstahl ge­trieben werden.

Oie Aussichten der deutschen Wirtschaft. Günstige Beurteilung in England.

London, 11. Febr. (WTB.)Time s" besaßt sich heute in einem zuversichtlich gehaltenen Artikel mit den Aussichten Deutschlands auf eine Erholung seiner Wirtschaft. Es lägen Anzeichen dafür vor, so schreibt das Blatt, daß Deutschland die Krise überstanden habe. Allem Anschein nach habe es das Problem der B a-

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