■yixmnes Geheimnis
Roman von Molhilde von Stegmann
tlcheberrechlsschuh: Fünf-Türme-Derlag Halle (Saale)
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Dann ist es schon besser, daß Sie mich auf- suchen, gnädiges Fräulein."
„3n einer halben Stunde bin ich do. Herr Doktor."
„Also dann auf Wiedersehen. Fräulein von Merten."
3m Polizeipräsidium wurde Irene sofort zu Miller geführt. , *
„Was führt Sie zu mir, gnädiges Fräulein?
,,3d) weiß mir in einer bestimmten Angelegenheit keinen Not, Herr Doktor. Aber Sie müssen mir versprechen, niemandem zu verraten, daß ich es gewesen bin, die Ihnen alles erzählt hat."
„Selbstverständlich, gnädiges Fräulein. Handelt es sich um Seeburg?"
„Nein, nicht direkt. Aber wahrscheinlich indirekt doch auch um ihn."
Irene erzählte die Erlebnisse der letzten Nacht. Einmal nur wurden sie gestört. Es klopfte, und gleich darauf trat ein Beamter mit einem Schrift- stück ein.
,Lch hatte doch angcordnet. daß ich nicht gestört sein will", sagte Doktor Miller unwillig.
„Dos erwartete Telegramm. Herr Kriminal- bireflor — ich sollte es sofort hereinbringen."
„So, das ist etwas anderes. Danke."
Miller entschuldigte sich bei Irene und las das Telegramm aufmerksam. Dann hob er den Hörer des Hausapparats ab und drehte an der Nummernscheibe.
„Hier Miller. Ich schicke Ihnen gleich ein Telegramm herüber, Herr Kommissar. Ich bitte, mir olles Wichtige schleunigst zusammenzustellen. Drei Kreuze Stellen Sie bitte auch fest, ob eine Madame l5elio bekannt ist. Näheres weiß ich noch nicht. — So, Sie glauben, daß Sie den Namen kennen? Also auch darüber Material. Ich bitte Sie später selbst zu mir. — Danke."
Miller klingelte. Ehe der Beamte eintrat, wandte er sich an Irene:
„Was Sie mir bis jetzt erzählt haben, gnädiges Fräulein, ist von größerer Wichtigkeit als Sie annehmen Dieses Telegramm hier beschäftigt sich auch mit Fräulein Dumont. Sie ahnen gar nicht, wie richtig es war, daß Sie zu mir kamen."
Miller übergab dem Beamten ein paar Schriftstücke.
„Nach Zimmer 483 — eilt." Dann wandte er sich wieder aufmerksam Irene zu.
Als Irene ihre Erzählung beendet hatte, sah Doktor Miller einen Augenblick schweigend. Dann begann er langsam zu sprechen:
Mein gnädiges Fräulein, ich danke Ihnen nochmals. daß Sie sich an mich aewandt haben, oie haben der Polizei einen großen Dienst geleistet, auch dadurch, daß Sie sofort zu mir gekommen sind und mit niemand vorher über Ihre Beobach, tungen gesprochen haben. Klar ist dos alles noch nicht Vorläufig haben wir nur Vermutungen, und nur das eine erscheint mir sicher: den größten Dienst hoben Sie Herrn von Seeburg geleistet. Leider kann ich mit ihm noch nicht sprechen, und Sie dürfen es auch nicht. Würden Sie mir ein paar Fragen beantworten?"
„Bitte, Herr Doktor' Ich hatte ja solche Anast. Sie jDÜrben mich ouslachen. Und jetzt, wo Sie J)ie Sache so ernst nehmen, wünschte ich fast. Sie hätten mich ausgelocht. Ist Herr von Seeburg in Gefahr'" ~
„Wahrscheinlich Und nun meine Fragen: War die Tür zwischen Wassiliews und Fräulein Dumonts Zimmer unverschlossen?"
„Nein, ich habe selbst abgeschlossen und den Schlüssel mitgenommen. Außerdem hatte der Portier noch Nagel vor die Tür im Zimmer von Herrn Wassiliew eingeschlagcn. Die Nägel sind weg. Und der Schrank, der sonst nicht zu bewegen war, rückt sich jetzt ganz leicht fort. Es ist irgend etwas barunter angebracht, sagt Berta, damit er leichter gleitet."
„Wie ist Fräulein Dumont zu Ihnen gekommen? Auf den Zettel hin oder durch eine Empfehlung?"
„Ich nehme an, durch den Zettel. Mein Vetter, Assessor von Mcklesius, hat uns erst eine Oester- reicherin geschickt, die ist aber nicht wiederqekom- men. Und dann kam Fräulein Dumont plötzlich."
„Hatten Sie bei der ersten Dame den Eindruck, daß sie wirklich ein Zimmer suchte?"
„Eigentlich nicht. Wissen Sie, Herr Doktor, eine Frau fragt doch ziemlich eingehend, wenn sie wo wohnen will. Ach ja. jetzt erinnere ich mich auch. Es war der Dame zu laut."
„Nannte die erste Dame den Namen des Herrn von Malesius?" ,
„3a."
„Nun noch eins, Fräulein von Merten. Alles, was Sie mir erzählt haben, war wichtig. Aber cs begründet nur einen Verdacht. Es beweist nichts. Wir glauben jetzt zu wissen, daß der Russe und Fräulein Pvonne. die sich anscheinend nicht kannten, sich gut kennen. Wir • wissen, daß irgendwelche Pläne bestehen, bei d^nen auch Freiherr von See- burg ein — sicher unfreiwillige — Rolle spielen soll. Mehr wissen wir bisher nicht. Der größte Fehler wäre nun, unsere Vermutungen, die wir vielleicht haben, als das Ziel dieser Pläne onzu- sehen. Vermutungen sind nichts. Beweise sind alles. Man kann nur einqreifen, wenn man klare Beweise hat. Die müssen wir uns beschaffen. Im
Inkeresie des Londes und in Seeburgs Inlereffe. Wollen Sie mir dabei behilflich fein?"
„Soweit ich kann, selbstverständlich."
„Gerade 6te können mir sehr viel helfen. Fräulein von Merten. Zunächst: «ein Mensch, auch Ihre Frau Mutter nicht und das Mädchen, darf von Ihren Beobachtungen etwas erfahren. Weiter: Weder Wasflliew noch Fräulein Dumont dürfen ahnen, daß sie beobachtet werden. Am allerwenigsten aber darf Freiherr von Seeburg auch nur den Schimmer eines Verdachtes haben. Wir können ihn nur schützen, wenn er gänzlich unbefangen bleibt. Er würde uns auch nicht glauben, fürchte ich. Wir müssen uns darüber klar sein, daß ihn eine Leidenschaft für dieses Fräulein Dvonne gepackt hat."
Als Doktor Miller bei seinen letzten Worten Irene erblassen sah. fuhr er mit weicherer Stimme fort:
„Es ist schon so. gnädiges Fräulein. Auch über Dinge, die uns schmerzlich berühren, muh man sich klar werden. Ich hoffe, daß der gute Seeburg sich ohne allzu schweres Lehrgeld wieder zu sich zurück- findet."
Irenes Blässe war glühender Röte gewichen.
„Gnädiges Fräulein! Wir müssen Seeburg als einen Kranken betrachten. Er wird wieder gesund werden. Haden Sie nur Vertrauen! — Also nun zu Ihrer Hilfe. Schweigen Sie gegen jedermann und beobachten Sie, was vorgeht. Merken Sie sich jede, auch Ihnen unwichtig erscheinende Einzelheit und berichten Sie mir persönlich oder telephonisch. Ich werde mir erlauben, Sie bald ouszusuchen. Mein Besuch gilt für die anderen immer Herrn von Seeburg. Dann sprechen wir weiter."
Irene verabschiedete sich. Wie natürlich sich Doktor Miller ihr gegenüber gab. Wie ein langjähriger Freund. Woher mochte er bloß wissen, daß sie See- bürg liebte? Aus seinen Worten ging deutlich hervor, daß er das voraussetzte. Aber merkwürdig, ihm gegenüber schämte sie sich auf einmal nicht mehr.
8. Kapitel.
Es war im Auswärtigen Amt mal wieder heiß hergegangen. Die Akten auf den Schreibtischen, die sofortiger Erledigung harrten, häuften sich. Da- zwischen kamen alle 'Augenblicke die Boten mit neuen Schriftstücken, die durch ihre Umschlagsarbe ober durch große Aufschriften: Dringend! Eilt! Sofort!, ihre Bedeutung besonders betonten. Und dann die gefürchteten roten Mappen! Das grelle Rot schrie: Ich muß zuerst erlebiat werden! Ich bin noch eiliger als die anderen! Alles muß liegenbleiben! 3d)’ die rote Mappe, muß sofort, aber auch wirk- lich sofort ferliggestellt werden! Ich werde in einer besonderen Registratur geführt! Bei mir darf man nicht sagen, das hat bis morgen Zeit! Ich bin dringlich! Auf mich wartet der Staatssekretär oder der Herr Minister!
Legationsrat von Seeburg erhob sich einen Augen- blick von seinem Schreibtisch. Er dehnte seinen ge
schmeidigen Körper. Gan; fteit war er geworden von der Schinderei, die seit Beginn der Amtsstunden ununterbrochen angedauert halle. Endlich waren die roten Mappen au'gearbeitet. Seeburg klingelte nach dem Botenmenter Als der gleich darauf eintrat, wies Seeburg au» einen Stapel Schriftstücke.
.Hier sind erledigte rote Mappen. Bringen 6U mir letzt, bitte, zwei Aktentaschen."
Der Botenmeister erschien gleich darauf wieder mit dem Verlangten. Seeburg legte in jede der Mappen ein eben bearbeitetes Aktenstück mit der Aufschrift: „Geheim!" Dann verschloß er die beiden Mappen. Jeden Schlüsiel legte er in einen bejon». deren Briefumschlag, den er an die Stelle abreffierte, an die die Akten weitergeleitet werden sollten. Dann befestigte er die Briefumschläge an den dazu gehörigen Mappen. Der Botenmeister quittierte über die Geheimakten und nahm sie dann in ihren Eilhüllen zur Beförderung mit.
_ Kritisch musterte Seeburg die Eingänge au' dem Tisch. Das versprach ja wieder einen langen Arbeitstag! Er mußte wirklich eine Mittagspause einlegen.
Jede Gegend, jede Stadt bat ihre eigene Art von Restaurants. In der Nähe der Fabriken, die keine eigenen Kantinen haben, befinden sich kleine Kneipen, im Zeitungsoierlel ist eine Anzahl EatSs. d e nicht nur darauf eingerichtet sind, daß in der Mittagspause eine Anzahl männlicher und ^weiblicher Angestellter rasch eine lasse Kaffee oder Schokolade trinken, sondern noch mehr den ständigen Kaffeedurst in den Redaktionen ,zu decken. In der Nähe der Behörden hat sich eine Art von Gaststätten an- gesiedelt. Eine gewisse Trennung der Rangstufen macht sich da geltend. Eine halbe Stunde nicht unter den Augen des unmittelbaren Vorgesetzten zu zu bringen, der im Lokal nebenan frühstückt, scheint oft schon eine Erholung. Die Frühstücks- und Mittags pause bietet reichlich Gelegenheit zu dem in allen Büros blühenden Klatsch.
Seeburg war nicht in der Stimmung, die gleichen Gesichter zu sehen, die täglich in dem kleinen Restaurant saßen, in dem er zu essen pflegte. Er wollte an dem kleinen Stammlokal vorbei nach den Linden, um nach der Neuen Wilhelmstraße zu gelangen.
Knapp vor dem Ziel hörte er eine Helle Damenstimme lebhaft und offensichtlich in großer Erregung französisch mit einem Herrn sprechen, der sie offen bar nickst verstand. Seeburg erkannte Pvonne Dumont. die sich augenscheinlich die Belästigung durch diesen Herrn verbat, der ihr schon eine ganze Strecke gefolgt zu fein schien Schnell trat Seeburg auf Pvonne zu. In ihren schönen Zügen spiegelten sich Freude und eine sichtbare Erlösung.
„Herr von Seeburg! Welch ein Glück, daß ich Sie treffe! Schrecklich! Ich konnte diesen Herrn nicht los werden! Er verfolgt mich schon die ganzen Linden entlang. Deshalb bin ich gleich in diese Straße eingebogen. Wo bin ich hier eigentlich?"
„Einen Augenblick, mein Fräulein." (Fortsetzung folgt.)
. . . und den
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Durch den täglich sich steigernden Geschäftsverkehr und die durch die sozialen Maßnahmen der nattonalsozialisttschen Regierung bedingte erhöhte Inanspruchnahme der Geschäftsführung ist es unerläßlich, daß von feiten der Arbeitgeber und von den Versicherten die Geschäfts- ftunben der Geschäftsführung beachtet werden.
Die Geschäftsstunden der Geschäftsführung werden wie folgt festgesetzt:
Wochentäglich: von 11—13 Uhr.
Keil Äitlerl 75 4D
Die Geschäftsführung: gez. O. Jung.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des verstorbenen Privatier- Wilhelm Amend in Gießen ist zur Be- schlußfassuna über die Verwertung de» zur Konkursmasse gehörigen Hauses Bahnhofstraße 68 in Gießen sowie zur Prüfung der nachträglich ongemelbelen For- berungen auf Antrag des xonkursoerwal- ter» eine Gläubigerversammlung auf
Donnerstag» den 21. Dezember 1933 vormittags 10 Uhr
vor dem Hessischen Amtsgericht Hierselbst, Zimmer 107, anberaumt. 7495D
Gießen, den 4. Dezember 1933.
Hessisches Amtsgericht___
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 8. Dezember 1933 bei der Firma Obermann & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Gießen fowendes eingetragen: Kaufmann Gustav Wagner in Biedenkopf ist als Geschäftsführer aus- geschieden. 7494D
Gießen, den 9. Dezember 1933.
Hessische» Amtsgericht.


