Ausgabe 
14.8.1933 Erstes Blatt
 
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Nachdruck verboten!

9. Fortsetzung.

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Gießen, den 14. August 1933

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Gießen, den 12. August 1933.

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Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Londorf für 1933 Rj. liegt vom 18. August l. 3. ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht der Beteiligien offen, woselbst innerhalb dieser Frist Ein­wendungen schriftlich oder zu Protokoll oorgebracht werden können. 50960

Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.

Londorf, den 12. August 1933. Bürgermeisterei Londorf. Becker.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres teuren Entschlafenen sprechen wir allen auf diesem Wege unseren

mit großer Trockenhalle

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Danksagung.

Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teil­nahme. die uns beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen zuteil wurden, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Auguste Seiffart, geb. Schwarz Gerda Seiffart

Gießen Horst-Wessel-Wall 51

August 1933

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Wir machen hiermit nochmals darauf aufmerksam, daß unsere Schalter für

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Er liebte sie so heiß und tief, daß er schon froh war, wenn sie ihn nur freundlich anblickte.

Es schien aber, als sei sie von ihrer Musik förm­lich besessen. Täglich saß sie stundenlang vor dem Flügel, übte und sang, daß sogar seine so lang­mütige Mutter anfing, sich darüber aufzuhalten.

Am meisten kränkte es die Dame, daß die Schwie­gertochter so gar kein Interesse für ihren Haushall besaß, obwohl die beiden Mütter dem jungen Paar das Nest mit größter Liebe und Sorgfalt ausge­stattet hatten. _

Dem kostbaren Blüthnerflügel im Damenzunmer widmete Magussi ihre meiste Zeit.

Biel wurde sie auch in Anspruch genommen von Lilo v. Konsilius, die sehr neugierig war, zu sehen, wie die Ehe der Freundin sich. entwickelte. Im Grunde ihres Herzens gönnte sie Magussi diese äußerlich so glänzende Heirat nicht fnum einen Wunsch brauchte sich Magussi zu versagen, wahrend, sie, Lilo, anfangen mußte, zu rechnen, da ihr Ver­brauch das Erlaubte weit überschritt. Das ver­stimmte sie sehr, und dazu kam noch ein zweites in ihren Beziehungen zu Kurt v. Langen war eine leichte Abkühlung eingetreten von ihrer Seite allerdings nicht aber er war nicht mehr der feurige Liebhaber wie ehedem. Oft ließ er auf sich warten und hatte dann allerlei leere Entschuldigun­gen, sie merkte es wohl, und es kränkte sie in ihrer Eitelkeit, daß sie nicht mehr die Hauptsache in sei­nem Leben war. Hatte eine andere sie verdrängt? Sie ließ die Damen, die sie kannte, im Geiste an fid) vorüberziehen es war eigentlich keine darunter, die sie zu fürchten hatte bis auf Matzussi, und die war ja nun verheiratet also kam die Freun­din überhaupt nicht in Betracht. Dennoch lebte in ihr eine gewisse Eifersucht und Mißgunst auf Ma- guffi, deren eigenartige Schönheit allgemein bespro­chen und bewundert wurde, und das konnte sie nicht gut ertragen, sie wollte immer die erste sein!

Ein wonniger, warmer Maitag war es, ein Blühen, ein Duften und Drängen ringsumher, daß es die Seele mit Unruhe erfüllte.

Das große Fenster von Magussis Empfangsraum stand weit offen, und der süße Duft des Flieders, strömte in schweren Duftwellen herein.

In angeregtem Geplauder saßen Magussi und Kurt v. Langen sich gegenüber.

Der Baron hatte bei dem jungen Paar Besuch gemacht, und da Eduard Weiser die Gewißheit be­kommen, daß er nicht den geringsten Grund hatte, irgendwie eifersüchtig auf ihn zu fein, waren ihm die gelegentlichen Besuche Kurt v. Langens, der ein glänzender Gesellschafter war, nur angenehm.

An diesem Sonntagvormittag hatte Magussi ihn allein empfangen, da ihr Gatte wegen einer unvor­hergesehenen geschäftlichen Angelegenheit nach der Fabrik gefahren war.

Wann endlich darf mein Bruder auf den langst versprochenen Besuch der Herrschaften in Gerlitz rechnen?" fragte Kurt v. Langen.Er hat mir auf-

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Magussi, erwachte Liebe gibt ihr erst die Seele, die Vollendung das Letzte! Und das will ich in d'r wecken, in dir wachküssen du mußt mich lieben lernen" , ,,

Wie eindringlich, wie flehend er sprach! Seme ganze Art rührte fie; das hatte sie gar nicht in dem nüchternen Verlobten gesucht. Diel wollte er ihr ge­ben, gefährlich viel für ihn und für sie doch nicht genug. Er konnte ja nicht ermessen, wie tief leiden­schaftlich ihre Liebe zur Musik war und wie groß ihre Sehnsucht, auf der Bühne zu stehen und die Heldin­nen zu verkörpern und ihnen Blut und Leben emzu- ^Angst erfüllte ihn, daß sie sich dennoch von ihm lossagen würde. Ihr liebliches Gesichr war so ver- chlossen. Er nahm ihre Handnicht wahr, Ma­gussi, du siehst ein, daß eine Trennung Zwischen uns ganz unmöglich ist? Einen solchen Skandal, ja, ich muß das harte Wort gebrauchen den können wir unseren Eltern nicht antun Eindringlich stellte er ihr alles vor, und sie sah auch ein, wie recht er hatte. Wie der Klatsch sich ihrer bemächtigen, wie die Mut­ter meinen, der Vater toben wurde! Er wurde sie vor den Altar schleppen, und dort ,nein ZU sagen, das wäre unmöglich, wäre übelste Kmotragodie ge- ^Ach tausend Rücksichten fesselten sie. Wieviel leich­ter hätte sie es gehabt, stammte sie aus einer un­bekannten, kleinen Familie! Da hatte sie einfach ihren Neigungen folgen können, weil sie sich ja doch auf sich selbst hätte stellen müssen.

Aber sie saß behütet, verwöhnt im Elternhause, um dann im Hause des Gatten wieder behütet und verwöhnt zu werden hinter vergoldeten Gittern, und das reiche, bunte Leben flutete an ihr vorüber.

Und Tag und Nacht träumte sie von den Trium­phen die sie feiern könnte durch das Gottesgeschenk in ihrer Kehle. Sie war so lebenshungna, die junge Magussi, und doch so empfindungszart, daß die leiseste Berührung von fremder Seite sie schon zuruckschau- dern ließ für einen ernstlichen Lebenskampf war sie nicht stark genug.

Eduard sah ihr nachdenkliches Gesicht; er glaubte, seine Worte hätten sie überzeugt, und er sprach wei­ter zärtlich werbend und überredend,Magussi, wenn wir in Italien sind, dann sollst du dort bei einer ersten Gesangsmeisterin Unterricht nehmen solange du willst!"

Wirklich?" _________________________

Freudig überrascht sah sie ihn an; bas hatte sie nicht erwartet - Eduard war doch rührend gut! Und er war glücklich, daß es ihm gelungen war, zum ersten Male eine wirkliche Freude in ihr ZU wecken, und er sprach und sprach, um ja keine Gegenreden aU6?inemtoodeIgingen aber zum Teil an 'hr vor­über- zu sehr war sie mit ihren Gedanken beschäf­tigt. Ein wenig leichter war ihr zumute; endlich hatte sie ihm gesagt, was ihm zu sagen ihre Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe ihr vorgeschrieben.

Dennoch war sie dadurch um keinen Schritt weiter gekommen. Eduard hatte gar nicht daran gedacht, ihr die so heiß ersehnte Freiheit zuruckzugeben, obwohl siel ihm erklärt, daß sie ihn nicht liebe.

Sollte sie darauf bestehen? Ach, das war doch un­möglich. Und sich die Freiheit nehmen? Noch unmög­licher. Ihre ganze Erziehung sträubte sich gegen et= was Gewaltsames sie war eben zu sehr bürgerlich ^'unb^ann gingen ihr Silos Worte durch den Sinn als Frau würde sie viel mehr Freiheit und Selbst­bestimmungsrecht haben als bisher, wo der Vater jeden ihrer Schritte beobachtete und sie wie ein un­mündiges Schulmädel hielt.

Es war, als ob dieser Gedanke sie beruhigte und stärkte; im Grunde war sie ja zaghaft und ernstlich gar nicht imstande, die letzten Folgerungen aus ihren Wünschen zu ziehen.

7. Kapitel.

Nun war Magussi Eduard Weisers Frau gewor­den, damit der Bestimmung des Vaters folgend, aber ihren Gedanken und Wünschen hatte er nicht gebieten können, und die gingen unverändert dem einen Ziele zu ihrer Kunst! Und jetzt mehr denn je, da ihre Stimme in glänzender Schulung ge­wesen. .

Die italienische ©efangsmeifterm, der sie vorge- fungen, war davon begeistert gewesen und ebenso- ehr von der zarten, blonden Schönheit Magussis. In ihrer südländischen, lebhaften, temperament­vollen Art hatte sie ihrer Begeisterung auch Aus­druck gegeben und nur bedauert, daß die Signora nicht ein ganzes Jahr ihre Schülerin sein konnte, acht Wochen, was war das!

Aber es war doch so viel gewesen, um Magussis silberklare Stimme staunenerregend weiter zu ent­wickeln und zu vervollkommnen, so daß sie die beste Schülerin ihrer Lehrerin war. Denn selbstverständ­lich hatte sie nach Rückkehr von der Hochzeitsreise ihre Gesangsstudien nicht einschlafen lassen, sondern sie bei ihrer früheren Lehrerin, Frau Professor Schülein, neu ausgenommen.

Eduard Weiser hatte seiner jungen Frau em großes Opfer gebracht dadurch, daß er den ganzen Plan der Hochzeitsreise geändert und ihr und ihren Studien zuliebe in Mailand geblieben war. Aber sie zeigte ihm ihre Dankbarkeit in einer so innigen Weise, daß er doch wieder ausgesöhnt war. Und er hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, sich ihre Liebe zu erringen. __________

getragen, den Herrschaften zu sagen, daß er sie nach, ten Sonntag bestimmt erwartet. Und jetzt gerade ist es herrlich draußen"

Gerne gab Magussi ihre Zusage.

Frau v. Konsilius erzählte mir, daß Gnädigste noch immer so eifrig die Gesangsstunden pflegen. I Und ich glaubte, Ihre Künstlerträume seien durch | die Ehe begraben!"

Begraben?"

Magussi schüttelte den Kopf;muß die Ehe denn so ernüchternd wirken?"

Gewiß nicht! Im Gegenteil! Doch ich glaubte,; Ihr Herr Gemahl hüte Sie, seinen kostbaren Schatz, so ängstlich, daß er mit nichts, auch mit der Kunst nicht, teilen würde. Ich urteile nach meinem Emp- finden"

Es kommt niemand zu kurz!"

Sehr knapp und zurückhaltend lautete ihre Ant­wort, und er fühlte, daß es ratsam war, von diesem Gesprächsgegenstand abzugehen.

Was sagen Gnädigste, daß ich jetzt auch ent- schlossen bin, mich der Kunst zu widmen?" Um seine Mundwinkel spielte ein verstecktes Lächeln.

Ueberrascht blickt fie ihn an.

Ich werde in einem großen Spielfilm mit auf­treten. Und zwar zu Pferde, als Reiter im roten Frack! Zufällig las ich eine Anzeige, derzufolge Herren, die sehr gut reiten können, gesucht werden. Scherzeshalber meldete ich mich und schloß mit einem glänzenden Spielhonorar ab, wie stolz werde ich auf dieses erste selbstverdiente Geld sein! Ich weiß nur noch nicht genau, wie ich es anlegen soll, ob in einer Reise um die Welt, oder ob ich ein Rittergut kaufe und meinem Bruder im Kar­toffelbauen Konkurrenz mache"

Sie mußte über seine humorvolle Art lachen.

Auf jeden Fall sind Sie schon weiter als ich, Baron. Ich muß mich noch mit dem frommen Wunsch begnügen. Es wird mich sehr freuen, wenn ich Ihre Kunst auf der Leinwand werde bewundern können."

Sobald Herren mit eleganter Garderobe und tadellosem Frack und Claque gesucht werden, werde , ich mich wieder zur Verfügung stellen! Ja, ja! j

Und in Selbstironie fügte er hinzu:Eine an­gemessene Beschäftigung für den Sohn meines Tä­ters."

Ernst sah sie ihn an.

Es liegt doch lediglich an Ihnen, Baron. Hätten Sie eine Lebensaufgabe, die Sie ganz ausfüllte, jo würden Sie auch vollbefriedigt von Ihrem Dasein fein!"

Er lachte.Ich bin es auch so, Gnädigste, auch ohne die mich ,ganz ausfüUenöe Lebensaufgabe." k

Gegen ihren Willen mußte sie mitlachen.Unver­besserlich sind Sie, Baron!" Dann aber sagte sie em- fter:Meinem Mann wäre es nicht gegeben, so in den Tag hineinzuleben wie Sie, Baron, todun­glücklich würde er sich fühlen!"

(Fortsetzung folgt.)

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