Ausgabe 
14.3.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 62 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Dienstag, N.Mrz 1935

(Er)d)eint tägltd), außer Sonntags und Ieiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblatter Heimat >m Bild - Die Scholle

Monatr-Vezngrprelr:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 180 Zustellgebühr .. -.25

Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, zernsvrechanschlüfle

unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Sietzen.

Postscheckkonto: gtonffurt am Main 11686.

MchemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnck vnd verloa: Vrühl'sche Univeisitciis-Vuch- und Steinöruderei H. tanqe tn Glehen. Zchristleitunq und Geschäftrftelle: Zchul^traße 7.

Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvarschrift 20 , mehr.

Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und würden An- zeigenteil i.D. Th. Kümmel sämtlich in (Biegen.

Kann die Abrüstungskonferenz gekettet werden?

Roch keine Einigung zwischen Macdonaid und Paul-Boucour.

Genf, 13. März. (TU.) QIm Montagnachmit» tag hat zum erstenmal eine eineinhalbstündige Unterredung zwischen Paul-Bon- cour und Macdonaid stattgefunden. Ueber den Verlauf der Unterredung wird von fran­zösischer Seite mitgeteilt, daß Paul-Boncour für eine Teilnahme Franlreichs an einem Maximal» oder Minimal-Abrüstungsabiommen folgende vier Bedingungen gestellt habe:

1. Einstimmigkeit der Annahme sei nicht er» forderlich (1). Jedoch verlangt Frankreich die Zustimmung E n g l a n kfs und der Der- et niaten Staaten.

2. 3n dem Abkommen müssen nicht nur die Land-, sondern auch die Flottenfragen geregelt werden.

3. Das Abtommen mutz eine festumrissene Klau­sel enthalten, nach der das Abkommen im Falle eines Aufrüstens Deutschlands un­gültig toitb (!).

4. Strenge internationale Kontrolle der Rüstungen.

Die Unterredung soll nach den gleichen Mittei­lungen ohne praktisches Ergebnis ver­laufen sein. Macdonaid habe sich dagegen verwahrt, auch nur eine Augenblick an eine Vertagung der Abrüstungskonferenz gedacht zu haben. Seiner Ansicht nach müsse die Konferenz alles versuchen, aus der Sackgasse her­auszukommen. Eine Vertagung unter den gegenwärtigen Umständen würde die schlimmsten Wirkungen auf die öffentliche Meinung aller Län­der ausüben und auch keine taktischen Vortelle bieten, da alle Schwierigkeiten weiter bestehen blieben. Deshalb seien seiner Ansicht nach alle an der Konferenz tellnehmenden Mächte um eine äußerste Anstrengung zu ersuchen. Macdonald habe anscheinend nur eine sehr vage Andeutung über den Gedanken einer mehr oder weniger be­schränkten Regierungskonferenz gemacht, die entweder im Rahmen oder auherhaw der Ab­rüstungstonserenz zusammentreten würde. Er be­absichtige, sich an sämtliche Delegationen zu wen­den. der alten angelsächsischen Formel getreu, datz dieAbrüstung an sich genüge, umdie Sicherheit zu gewährleisten. Mac­donald erblicke deshalb das Mittel zur Rettung der Abrüstungskonferenz nur in der Ausarbei­tung eines möglichst weitgehenden Abkommens betreffend die Rüstungsyerabsehung.

Paul-Doncour soll demgegenüber den Standpunkt vertreten haben, daß Frankreich zu solchen Maßnahmen, wie sie Macdonald vor­geschlagen habe, noch vor wenigen Wochen bereit Sewesen sei. Rachdem sich aber, wie Paul- Zoncour sich ausgcdrückt haben sott, im Haupt­ausschuß der Abrüstungskonferenz eine voll­endete Koalition gegen die fran­zösischen Sicherheitsforderungen, msbesondere den Plan einer organisierten euro­päischen gegenseitigen Hilfeleistung heraus­gebildet habe, könne Frankreich im gegenwärtigen Augenblick solchen Maßnahmen nicht mehr zu stimmen. Eine Angleichung der fiegenseitigen Standpunkte der beiden Minister oll in dec heut gen Unterredung nicht herbei- geführt worden sein. Es verlautet, daß Hen­derson für den Fall, daß Macdonald mit seinen Bemühungen scheitert, mit einem eige­nen Plan zur Rettung der Konferenz hervor­treten werde.

polens Vorgehen auf der Westerplatte Vertrags» -rig.

Feststellung des Bölkerbundsrats.

G e n f. 15. März. (ÖIB. Funkspruch.) Der VöI - ferbunbsral beschäftigte sich heute vormittag in öffentlicher Sitzung mit dem Vorstoß Polens gegen Danzig aus der Westerplatte. Die kurze Verhandlung endete damit, daß Polens vor- gehen, wie bereits in so vielen anderen Fallen, vom Rate als vertragswidrig festge- stellt wurde. Der polnische Außenminister Dr. v e ck gab eine Erklärung ab. daß Polen die Trup­penoerstärkungen aus der westerplatte sofort ; u- rückziehen werde.

Der Völkerbundsrat hat sich nach der Zurückwei­sung des polnischen Vorstoßes auf der westerplatte noch Fun mit der Frage der Hafenpolizei im Danziger Hafen beschäftigt. Die Danziger Regierung hat sich am 15. Februar gezwungen gesehen, infolge der Uebergriffe der Polen die Ordnungsbefugnisse im Danziger Hafen wieder in die eigene Hand zu nehmen. Auf den Antrag Polens, in diesem vorgehen Danzigs eine Action directe zu erblicken, ist der Rat heute nicht eingegangen, son­dern hat auf den Vorschlag des Berichterstatters be­schlossen, die endgültige Regelung dem ordent- lichen Verfahren vor dem Hafen aus- schuh zu übertragen. Sowohl Danzig wie Polen erklärten sich mit diesem Vorschläge, der vom Völ­kerbundsrate angenommen wurde, einverstan- d e n. .

3n Völkerbundskreisen erwartet man, datz nach der heutigen Stellungnahme des Völkerbundsrates, die eine einmütige Verurteilung des Vorstoßes Po­lens auf der westerplatte bedeutet, die polnische Rkgierung noch im Laufe des heutigen Tages die Verstärkungen von der we­

sterplatte zurückzieht. Der Präsident der Freien Stadt Danzig, Dr. Z I e h m , ist entschlossen, solange in Genf zu bleiben, bis die polnische Re­gierung den heutigen Beschluß des Völkerbunds­rates ansgeführt hat. Sollte irgendeine ver- zögerung In der Ausführung des Beschlusses ein tre­ten, so wird der Völkerbundsrat alsbald wieder mit der Angelegenheit befaßt werden.

Polen legt Feldbefestigungen auf der Westerplaite an

Genf, 13. März. Die Danziger Delegation hat heute dem Völkerbundskommissar Rosting Mittei­lung gemacht, daß die polnische Besatzung aus der westerplatte dazu übergegangen fei, B e f e ft I -

gungeanlagen und Stacheldrahtver­haue zu errichten, Maschinengewehr- Übungen abzuhalten, eine Tätigkeit also, die mit dem Auftrag der Besatzung, der Bewachung der Mn n i IionstransporIe nicht ver­ein b a r sei. Ls wird darauf hingewiesen, daß die Danziger Verfassung die Errichtung von Befefti- gungsanlagen aus Danziger Hoheitsgebiet unter­sagt. 3n einer zweiten Mitteilung wird darauf aufmerksam gemacht, daß bereits Störungen des Wirtschaftslebens in Danzig infolge des Vorstoßes der Polen auf der westerplatte festge­stellt sind. Danziger Kaufleute, die warennieder- lagen aus der westerplatte unterhalten, haben seit zehn Tagen keinen Zutritt mehr.

Oer Volksiraueriag in Berlin.

Der Reichskanzler begrüßt den Reichspräsidenten bei seiner Ankunft vor dem Reichsehrenmal.

R tz

V»

Die deutschen Katholiken und der Nationalsozialismus.

Rom, 14. März. (TU.) Die in Rom crfdjei- nende katholische Agentur ,2 a Corr ispon» benza" , die enge Beziehungen zum Vatikan un­terhält, bringt einen Artikel über die deutschen' Katholiken und den Rationalsozialismus, der für die Ansicht wichtiger Kreise im Vatikan und in­nerhalb des deutschen Episkopats bezeichnend sein dürfte. Unter den UeberschriftenSer Sieg Hit­lers und de deutich^n Katholiken Wahrschein- liche Mitarbeit des Zentrums - Haltungsum- schwung?" führt die Agentur etwa au»:

Die durch den großartigen Triumph der Braun­hemden in Deutschland geschaffene Lage sei vom Gesichtspunkt der Beziehungen zur katholischen Kirche besonders interessant. Aus der Haltung des Zentrums einerseits und einigen Beschlüssen des deutschen Episkopats aus der Zeit der er st en Hitlerkundgebungen anderer­seits seien Schlüsse gezogen worden, die nach den aus bestunterrichteten Quellen stammenden In­formationen derCorrispondenza" heute nicht zu treff en. 2m ersten Eifer der beginnenden Kämpfe und Eroberungen sei die Hitlerpartei noch nicht in ihren Programmen und in ihrem Ziel gefestigt gewesen, so daß man bei ihren maßge­benden Führern unvermeidliche Härten und unvorsichtige Vorstötze angetroffen

habe, die wohl auch der Sto tzkraft in der Massenwerbung dienen sollten. Aber diese Mängel seien allmählich verschwunden und der heutige Ausbau der Partei habe einen an­deren Inhalt und weit höhere Bede u- tung auch in der Wirkung aus das Ausland.

Wenn daher früher das deuNche Episkopat von einem überparteilichen Standpuntte aus die Irrtümer und Gefahren ausgezeigt habe, ohne übrigens auch damals der Bewegung d i e edle Absicht und den Willen zur na­tionalen Wiedergeburt abzusprechen, so habe es im Verlauf der Entwicklung gewissen­haft und mit dem besten Willen jede Ver­schärfung der Beziehungen vermie­den, die nicht nur für die politischen Führer, sondern auch für die geistlichen Interessen der Kirche schlimme Folgen hätten haben können. Die vorsichtigen Weisungen der Bischöfe anläß­lich der letzten Wahl hätten die Katholiken nur an die Psi.cht erinnert, ihre Stimme ausschließ­lich Kandidaten zu geben, die keine kirchen- feindlichen Programme Oertreten.

Die .Corrispondenza" glaubt, daß dieseRe- Vision in der Haltung des katholischen Episko­pates gegenüber der Hillerbewegung noch eine weitere Entwicklung durchmachen werde,

zum Vorteil des höchsten Wohles der Ration. In einer gesunden Regierungstätigkeit mit festem Programm und ttarer Disziplin werde die Hitler­partei vor allem ein Bollwerk gegen bic Gesahr einerbolschewistischenInva- sion sein, die den endgültigen Untergang der Ration und das Chaos in Europa bedeuten würde. Maßgebende Insormationen erlaubten die Fest­stellung, daß das Zentrum keine Vorurteile habe, noch haben könne, außer denen, die ihm von Ratur aus gegen die traditionellen und un­belehrbaren Feinde der Religion und der sozia­len Ordnung innewohnten. Es werde nicht in unfruchtbarer Opposition beiseite stehen. Die deutschen Katholiken dürften in einem so schweren und für die Schicksale ihres Lan­des und vielleicht ganz Europas entscheidenden Augenblick nicht fehlen.

Die neuen Leiter der Ministerien.

varwttadl. 14. Wär;. (WTB. Drahimel- bung.) Zum Kommissar für bas Schul­wesen ist von ber hessischen Regierung bet natio­nalsozialistische Reichslagsabg. Lehrer Rings- Haufen- Offenbach ernannt worben. An Stelle des beurlaubten Ministerialdirektors Neuroth würbe Lanbgerichfsral Neuroth aus Gießen zum Leiter bes Justizwesens im Volksstaat Hessen ernannt.

Der neue Kommissar für das Schulwesen im Kultusministerium. Friedrich R i n g s h a u s e n, ist 1880 in Ridda geboren, evangelischer Kon­fession, besuchte die Volksschule und das Lehrer­seminar und trat 1899 in den hessischen Schul­dienst- Seit 1909 ist er in Offenbach tätig. Seit 1927 ist er Gauleiter der Rationalsoziallstischen Deutschen Arbeiterpartei, seit 1929 Stadtrats­mitglied in Osfenbach und Mitglied des Pro­vinziallandtages für Starkenburg- ©eit 1930 ge­hört er dem Reichstag an.

Der neue Leiter des hessischen Justizwesens, Landaerichtsrat Fritz Neuroth, ist gebürtig aus Griesheim bei Darmstadt, besuchte in Darmstadt das Gymnasium, studierte die Rechte in Heidelberg, München, Berlin und Gießen, bestand die juristische Staatsprüfung 1905 mit der Note gut, wurde nach verschiedenen Verwendungen 1916 Amtsrichter in Nidda, 1919 Staatsanwalt, 1921 Amtsrichter, 1927 Landgerichtsrat, sämtlich in Gießen. Landgerichts- rat Neuroth machte den Weltkrieg als Offizier im Landwehr-Regiment Nr. 116 mit. Er gilt als her- oerragend tüchtiger auch mit Land und Leuten wohloertrauter Kenner des Rechtes und streng ob­jektiv denkender Richter.

Anschlag auf den Reichskanzler vereitelt.

Graf Arco wegen der Vorbereitung eines Attentats verhaftet.

München, 13.März. (TU.) Die Polizeidirektion teilt mit:Am Sonntagabend wurde Graf Arco in S ch u tz h a f t genommen, weil er nach eigenen Angaben ein Attentat a u f den Reichs­kanzler vorbereiten wollte."

Es handell sich um denselben Grafen Arco, der im Februar 1919 den damaligen bayer. Ministerprä­sidenten Eisner erschossen hat. Graf Arco trug bei dem Attentat selbst eine Schußoerletzung davon. 3m Januar 1920 wurde Graf Arco zum Tode verur­teilt, aber bereits einen Tag später zu lebensläng­licher Festungshaft begnadigt. 3m April 1924 wurde Arcos Festungshaft unterbrochen. Bei der Amnestie anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsiden­ten sprach die bayerische Regierung Arcor volle Be­gnadigung aus.

Die Aationalsozialisten verlangen den preußischen Ministerpräsidenten.

Berlin, 13.Mär;. Der Vorstand der na­tionalsozialistischen preuh. Landtags­fraktion trat am Montag zu einer Sitzung zu­sammen, um zur politischen Lage Stellung zu neh­men. Auch Personalangelegenheiten sind besprochen worden, wie der Preußische Pressedienst der NSDAP, meldet, war der Vorstand einmütig der Aussassung, daß nur ein Nationalsozialist preußischer Ministerpräsident werden könne.

Kurswechsel in Köln.

Köln, 13. März. (Tll.) Am Montagvormittag gegen 11 Tlhr drängte sich zum Kölner Rathaus eine große Menschenmenge. Einige Sturmabtei­lungen marschierten unter Vorantritt einer Musik­kapelle vor das Kölner Rathaus. Vom Balkon des Rathauses aus erklärte dann Gauleiter Drohe:Oberbürgermeister Dr. Ade­nauer i st abgeseht, ebenso die sozialdemo­kratischen Beigeordneten M e c r f e I b und Dr. Fresdorf. Die Säuberung im Rathaus wird mit eisernem Besen erfolgen. Das Vertrauen, das die Wählerschaft uns gestern geschenkt hat, werden wir nicht enttäuschen. Als Gauleiter der RSDAP. und als Führer der stärksten Rathaus­fraktion bestimme ich als kommissarischen Oberbürgermeister von Köln den Partei­genossen Dr. Riesen. Die Tätigkeit des kom­missarischen Oberbürgermeisters wird ehrenamtlich sein. Ferner werden mit sofortiger Wirksamkeit die bisher von den Beigeordneten Meerfeld und Dr. Fresdorf innegehabten Dezernate z u s a m,- mengelegt. Ihre Leitung übernimmt Partei­genosse RegierungsbLumeifter a.D. Brandes,^