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Sie neue LinkommensteuererkläMg.
Die Frist für die Abgabe der Einkommensteuer- erflärung. die ursprünglich am 28. Februar ablaufen sollte, ist bis zum 1 5. März verlängert worden. Das war aus verschiedenen Gründen notwendig. Erstens ist die jetzt bevorstehende Stnkommensteuerveranlagung für 1932 deshalb von besonders großer Bedeutung, well sich
da» Einkommen zahlreicher Steuerpflichtiger so stark vermindert hat, daß die im letzten Jahre geleisteten Vorauszahlungen häufig zu hoch sind.
Die Klagen über die Ueberlastung der Steuerzahler sind zu einem Teile auch darauf zurückzuführen, daß die Steuern noch immer auf Grund von früheren Veranlagungen erhoben werden, Während die Einkommen inzwischen geschwunden, oder stark zusammengeschrumpft sind. Wan muß daher den Einkommensteuerpflichtigen diesmal genügend Zeit lassen, ihre Verluste abzubuchen und sich auszurechnen, wie hoch oder wie niedrig in Wirklichkeit ihr Einkommen in 1932 noch gewesen ist, bzw. ob sie nicht überhaupt in diesem Jahre einkommenlos wpren und von ihrer Vermögcns- substanz, d. h. von früheren Ersparnissen gelebt haben. Zweitens aber sind die Cinzelbestimmun- gen über die Veranlagung jur Einkommensteuer im letzten Jahre in so einschneidender Weise ver- ändert worden, daß die Steuerpslichtigen längere Zeit brauchen, um sich mit den neuen Vorschriften bekannt zu machen. Drittens wird noch eine Neugestaltung der Tarifbestimmungen des Einkommensteuergesetzes geplant, die natürlich schon bei der Alfass.mz der Steuererklärung berücksichtigt werden mutz.
Zur Abgabe einer Linkommensleuererklärung ist jedermann verpflichtet, der im letzten Steuer- abschnitt ein Einkommen von mehr als 8000 R21L bezogen hat.
Als Steuerabschnitt gilt das Wirtschaftsjahr des Steuerpflichtigen, das in den weitaus meisten Fällen mit dem Kalenderjahr zusammenfällt. Nur für Landwirte reicht das Steuerjahr vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Aber auch die Landwirte, soweit ihr Einkommen aus der Landwirtschaft 6000 Mark übersteigt, haben diesmal eine Steuererklärung für ihr am 30. Juni 1932 beendetes Wirtschaftsjahr abzugeben, da die früheren Herbstveranlagungen aufgehoben worden sind und die Landwirte jetzt zusammen mit den übrigen Steuerpflichtigen veranlagt werden. Das gleiche gilt für diejenigen Gewerbetreibenden mit Han- delsbuchführung, deren Geschäftsjahr etwa nicht mit dem Kalenderjahr zusammenfällt. Don der Abgabe einer Steuererklärung befreit sind dage- gen alle Arbeitnehmer und Nentncr, die lediglich steuerabzugspflichtige Einkünfte bezogen haben,
wenn diese Einkünfte (einschl. des steuerfreien LohnbetragS) weniger als 9500 Mk. betrugen. Aber auch diese Befreiungen von der Steuererklärung sind insofern praktisch nicht von ausschlaggebender Bedeutung, als
jedermann ohne Rücksicht auf die höhe des Einkommens zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, wenn ihn das zuständige Finanzamt dazu ausfordert.
Desgleichen ist auch jeder Einkommenssteuer- pflichtige, der seinen Gewinn auf Grund des Abschlusses seiner Bücher ermittelt, gleichfalls ohne Rücksicht auf die Höhe seines Einkommens zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, selbst wenn er keine Aufforderung des Finanzamts er- hält. Dasselbe gilt für jeden Steuerpflichtigen, der an einem Gewerbebetriebe, also -. 2. an einer Offenen Handelsgesellschaft oder Kommanditge- sellschaft beteiligt ist, eine sonstige Berufstätigkeit, z. B. die eines Rechtsanwalts, ausübt, oder aus Vermietung und Verpachtung von unbeweglichem Vermögen Einkommen bezieht. Praktisch ist also die Zahl der Einkommensteuerpflichtigcn, die von der Abgabe einer Steuererklärung befreit sind, sehr gering.
Die Pflicht zur Abgabe einer Linkommcnsteuer- erklärung beschränkt sich keineswegs auf diejenigen, die vom Finanzamt einen Vordruck zu- gefandt erhalten.
Wer zur Steuererklärung verpflichtet ist, mutz den Vordruck, wenn er ihn durch Zufall nicht erhalten hat, beim Finanzamt anf o-cbern. Die Erklärungen müssen auf den amtlichen Formularen abgegeben werden, und insbesondere mij) die Versicherung, datz die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht worden sind, öün dem Steuerpflichtigen persönlich unterschrieben werden. Steuerpflichtige mit handelsrechtlicher Buchführung haben außer der vorgeschriebenen Steuererklärung dem Finanzamt auch die Schluhbilanz sowie die Gewinn- und Verlust-Rechnung für das in Frage kommende Wirtschaftsjahr einzureichen. Von neu eröffneten Betrieben kann auch eine Eröffnungsbilanz verlangt werden.
Die Anfertigung der Steuererklärung erfordert ganz besondere Sorgfalt, weil falsche Angaben unter Umständen schon als versuchte Hinterziehung der Einkommenssteuer angesehen werden können.
Diese aber ist mit schweren Strafen bedroht. Sogar ein fahrlässiges Vergehen gegen die Steuer- gesehe kann als Steuergesuhrdung betrachtet und mit Strafen geahndet werden.
Aus der provinzialhaupistadt
mit
gründen zu können.
Die Zuhörer dankten dem Vortragenden lebhaftem Beifall.
Neunkirchener Beerdigungen feierlichkeiten im Rundfunk.
hing feiner Hände, der sich einige Versuchspersonen ausgesetzt fühlten, sei keine Rede.
Abschließend sei zu sagen, daß übersinnliche Er- schcinungen wohl nicht zu leugnen seien und durchaus in den Kreis der Betrachtung gezogen zu werden verdienten: der gegenwärtige Stand der Forschung verpflichtete aber zur Vorsicht, das bisher erbrachte Material sei zu gering, die bisher bestehende Basis zu schmal, um darauf einen wissenschaftlichen Beweis- Über okkultistische Phänomene
heute, Dienstag, in der Zeit von 14.50 bis 15.45 Uhr findet die Beerdigung der Opfer der Neunkirchener Katastrophe statt. Der Rundfunk überträgt die Beerdigungsfeierlichkeiten auf alle deut- fchen Sender. Im Anschluß an die Feier (von 16 bis 17 Uhr) schwelgen alle Sender. 3m weiteren Verlaufe des Tages wird sich der Rundfunk auf ernste Darbietungen beschränken.
Bornotizen.
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute als 19. Vorstellung im Dienstag-Abonnement Gastsviel des Hessischen Landestheaters Darmstadt mit der Komödie für Musik »Der Rosenkavalier" von Richard Strauß. Spielleitung und Bühnenbild Hans Strohbach: Musikalische Leitung Dr. H. Schmidt- Isserstedt. Opernpreise. Vorzugs- und Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit. Spieldauer von 19.30 Uhr bis 23 Uhr. — Als 19. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement zu gewöhnlicher Preisen das Lustspiel »Bargeld lacht" von Cammerlohr und Ebermayer; Spielleitung Peter F a f f o t ; am 15. Februar von 20 bis 22 Ähr. — Für Samstag, 18. Februar, hat die Intendanz 15.45 Uhr eine Schülervorstellung angeletzt mit Shakespeares fandet“; Spielleitung Peter Fasso11. Die Vorstellung ist außer Abonnement zu Schülerprei- fen. Ende 19 Uhr.
— Tiroler Volkskun st abend. Am morgigen Mittwoch gastiert eine kleine Schar junger Tiroler aus Lienz in unserer Stadt und gibt im Cafs Leib auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslände (VDA.) einen Tiroler Volkskunstabend. Der Abend soll uns Deutschen des Mutterlandes ein Spiegelbild von Tirol, insoesondere von Südtirol, fein. In 100 schönen Lichtbildern wird man dieses gottbegnadete Stückchen Erde, feine himmelanragenden Berge und die tiefen Täler, die Menschen und die Sitten kennenlernen. die die junge Schar in Tänzen, im Lied und in der Musik auflcben lassen wollen. Der Abend, der viel Unterhaltendes bringen dürfte, wird gleichzeitig eine ernste Mahnung fein, das deutsche Südtirol nicht zu vergessen.
*• Verjährung von Aufbringungs- I e i ft u n g c n. Wir lesen in den vom Wirtschaftsprüfer und Steuersyndikus Hermann Will zu Gießen herausgcgebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 4) folgendes: Die Frage der Verjährung von AufbringungS- leistungen war streitig. Ein Steuerpflichtiger hatte sich auf den Standpunkt gestellt, daß hierfür die einjährige Frist des § 121 RAO. a. F. in Frage komme Durch Urteil vom 23. September 1932 — III A 496 '31, Steuer und Wirtschaft 1932, Nr. 1129 stellt aber der Reichsfinanzhof fest, daß die Verjährungsfrist fünf Jahre beträgt.
Neue Militärvereinigung gegründet. Aus Anlaß einer Zusammenkunft von Kameraden der ehemaligen 105. Jnfanterie-Divi-
Geheimnisvolle Mächte im Lichte wissenschastLicher Forschung.
Die Vortragsgemeinschaft Goethe-Bund, Kaufmännischer und Gewerbevcrein hatte den Forscher Wilhelm Gubisch zu zwei Vortragsabenden verpflichtet. Die Veranstaltungen fanden am Sonntag bzw. am Montag in der Neuen Aula der Universität statt und waren gut besucht. Der Abend nahm aber wohl für die meisten Zuhörer einen höchst unerwarteten Verlauf.
Zunächst unterhielt der Vortragende seine Zu- Hörer anderthalb Stunden lang mit Experimenten mehr oder weniger überzeugender Art, schuf gewissermaßen eine Atmosphäre des Vertrauens zu feinen Fähigkeiten auf dem Gebiete der Hellseherei, ließ sich von den als Versuchspersonen teilnehmenden Zuhörern die hochprozentige Richtigkeit seiner Deutungen und Experimente bestätigen, um dann nach der Pause in einem etwa halbstündigen Vortrag Stück für Stück dieses Vertrauens wieder abzutragen, mit der Erklärung der angewandten Tricks wertvolle Aufklärungsarbeit leistend.
Dem Vortrag fei das wesentlichste entnommen: Hellseherei als Problem müsse mit kritischen Augen betrachtet werden. Augenschein und Wirklichkeit decken sich nicht immer, Okkultismus bzw. die für ihn geforderte Glaubensboreitschaft für die Experimente sei ein idealer Nährboden für den 2etrug. Es fei verfehlt, zu glauben, daß ein Hellseher beraten könne, datz er Krankheiten erkennen und heilen könne. Bestenfalls könne er einem Kranken eine neue Krankheit suggerieren und ihn von dieser suggerierten Krankheit wieder befreien. 3n Wirklichkeit werde der Kranke imanziell dabei geschädigt. Die Glaubensbereit- fchaft für derartige Experimente sei von weittragender Bedeutung. Glaube könne falsches Denken erzeugen, ein sog. Traumdenken Hervorrufen, nut dem die Kritikfähigkeit verloren gehe. Die Gefahr sei groß, falschen Propheten zum Opfer -u fallen. Deshalb müsse man sich gegen diese Gefahr wappnen. Das könne nur geschehen durch Nlcksichtslose Aufdeckung der „Geheimnisse der Experimente".
2n seinen weiteren Ausführungen beschäftigte scch der Vortragende mit den vor der Pause ge- WOten Experimenten und klärte ihr Zustande- ™J®en auf. Er betonte, daß bei den sog. telepathischen Experimenten von einer tatsächlichen woanlenü6ertragung keine Rede sein könne, vielmehr handele es sich um eine genaue Deobach- .9 der Versuchsperson, andererseits um rafsi- £ « Fragestellung, durch die aus dem Objekt
Versuches alles herausgelockt werden könne, Gedankenleser zu wissen wünsche. Es 4 verschiedensten Methoden. Besonders geeignet für derartige Experimente seien OTen- Hfi« Lebhafter Phantasie, auch an sich in- telhgentc Menschen, welche die von dem Cxperi- mentator mit grotzer Eindringlichkeit geschilderten mit ihrer tatsächlichen Erinnerung an ffiVr $or9änge (dank ihrer Phantasie) in ^intiang ju bringen vermöchten und nun glauben, ?l,?teit der Behauptungen des ..Hell- sehers^ bestätigen zu müssen. Es sei für die Zu- borer bedeutungsvoll, zu wissen, daß er (der Redner) bisher in allen seinen Vorträgen und Experimenten von alten durchlöcherten französi- Punzen, von alten, immer wiedeo» glei- 1 $etn (Photographien) spreche, von ausgefallenen Backenzähnen und Muttermalen usw. (wie es der Vortragende auch an diesen Aben- oen tat!) und jedesmal mit einem Prozentsatz öon 83 v. H. die Richtigkeit seiner Angaben bestätigt erhalte. Don einer elektrischen Ausstrah-
sion im Hotel Kobel wurde, den Wünschen der Kameraden entsprechend, eine Vereinigung gegründet. Aus der Mitte der Anwesenden wurde ein Vorstand gewählt, dem anheimgegeben wurde, die Vereinigung in kameradschaftlichem Sinne zu forte rn. Eine weitere Versammlung soll im Juli ftattfinten.
' Städtische Brennholzver steigern n g. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung in den Waldungen der Stadt Dietzen (Försterei Gießen) wurden im Durchschnitt folgende Prelle erzielt: Duchenscheiter 1. Kl. per Rm. 9,40: Buchenscheiter 2. Kl. 7,00; Eichenscheiter 1. Kl. 7,00: Eichenscheiter 2. Kl. 5,00; Kiefernscheiter 1. Kl. 6,80; Kiefernscheiter 2. Kl. 6,00; Fichtenscheiter 1. Kl. 6,00; Fichtenscheiter 2. Kl. 4,00; Buchenknüppel 7,00; Elchenknüppel 4,20; Kiefern
knüppel 5,40; Fichtenknüppel 3,20; Duchenstöcke 6,20; Eichenstöcke 5,00; Kiefernstöcke 4,00; Buchen- reisig 3. Kl. 100 Wellen 18,00 Mk.
Bnefkaften Oer Redaktion.
lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Scdristieitung.)
G. B. Unter der Voraussetzung, daß die Feldbereinigung berechtigt gewesen wäre, das in Frage kommende Gelände auch von Ihnen für die Zwecke der Feldbereiniguntz zu verlangen, kann sie den gleichen Anspruch im öffentlichen Interesse auch gegen Ihren Rechtsnachfolger erheben. Zwischen Viesern und Ihnen besteht ei^e nur private Bindung, an die sich, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen der Einbeziehungsmöglichkeit vorliegen, die Feldbereinigung nicht gebunden zu fühlen braucht.
Von Mannheim bis Tilsit.
Kleiner Baedeker für Literaturbefliffene.
Rattert der Zug endlich los, dann hat man sich mit dem Gedanken, so und so viele Stunden in der Bahn ziemlich müßig zu verbringen, einigermaßen abgefunden. Irgendwie muß diese Zeit totgeschlagen werden. Während der ganzen Zeit lesen — das können nicht alle Menschen. Viel eher scheint es auszuhalten zu sein, sich durch den Blick aus dem Abteilfenster die Frist bis zur Ankunft zu verkürzen. Und jeder Bahnhof, jeder Haltepunkt, bedeutet dabei eine besonders angenehme Ueberraschung: Ein paar Minuten läßt sich vielleicht darüber nachdenken, was dieser, ausgerechnet dieser Ort für Lebensmöglich, leiten bietet, was er der Allgemeinheit bedeuten mag, wer hier wohl wohnen könnte.
Wer nicht gerate Provisionsreisenter Ist, wird kaum in jeder dieser Städte, Städtchen oder Dörfer einen Bekannten haben. Aber pft ergibt es sich, datz wir auch im abgelegensten Nest auf den Namen eines Menschen stoßen, der uns doch bekannt geworden ist, der uns vielleicht sogar ein Freund, ein Tröster, ein Berater wurde. Die deutschen Dichter haben sich die seltsamsten Ge- burtsstätten und Aufenthaltsorte ausgesucht. Ihrer darf man sich doch wohl auf der langen Reise erinnern. Nur so zum eigenen Vergnügen; langwierige Vorträge über die Bedeutung der Dichter wollen wir unseren Mitreisenden im Abteil keineswegs zumuten. Und sicher werden sie das alles schon besser und seit längerer Zeit wissen als wir, die wir uns all diese Erinnerungsstätten erst heraussuchen müssen.
In Mannheim haben Schillers „Räuber" ihre Uraufführung erlebt. Und die Mannheimer haben dem schwäbischen Dichter ein Denkmal auf dem Theaterplatz gesetzt. Das wäre nichts besonderes; Schiller tft überall in deutschen Landen zu Hause. Aber auf diesem Denkmal trägt die Figur des Dichters ein Manuskript in der Hand, und wer das genau besieht, darf feststellen, daß es die Wiedergabe der Niederschrift dieser „Räuber" ist. — In S ch w e i n f u r t ist Friedrich Rückert geboren; dieser Lyriker voll Eigenart und Tiefe hat erfreulicherweise noch heute seine Gemeinde. Aber kennt diese dort in Schweinfurt das Rückert-Zimmer im alten Gymnasium, in dem sich zahlreiche persönliche Erinnerungen an den Dichter finden?
Bis 2lür bin gen in Schwaben ist eS nicht allzuweit. Aber wer erinnert sich schon außerhalb Württembergs dieses Ortes? Doch, der Literaturbeflissene weiß Bescheid: dort hat Friedrich Hölderlin gelebt. — In Weinsberg wohnte Justinus Kerner lange Zeit im Kernerhaus, das noch heute erhalten ist. So viel läßt sich dort sehen, und am interessantesten sind wohl jene Erinnerungen, die von den vielen berühmten Besuchern erzählen, wie sie sich so zahlreich seinerzeit einfanden, um dieses „Mitglied der Schwäbischen Dichterschule" einmal kennenzulernen, mit ihm zu fingen und zu zechen.
Auf dem ©taffe! ft ein, der jedem Studenten noch heute mindestens dem Namen nach bekannt ist — dafür hat Scheffel gesorgt, dessen wir uns jetzt erinnern — befindet sich die Einsiedlerklause. Dort stöbern wir schnell das Manuskript eines berühmt gewordenen Wanderliedes von Viktor von Scheffel auf: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein!" — Auf der Reise von Stuttgart nach Balingen hatte Lenau jenes Erlebnis, das zur Entstehung des Gedichtes „Der Postillion" beitrug. „Lieblich war die Maiennacht" — dies Lied gilt ia auch als eine Perle unserer deutschen Lyrik. Noch am gleichen Abend schrieb es der Dichter im Gasthof „Zur alten Post" von Balingen nieder. — Auch in Bayern finden sich so allerlei interessante Stätten. Aus der Burg Brunn gibt es zwar nichts Literatur- historisches mehr zu sehen. Aber hier ist im sechzehnten Jahrhundert ein großer Fund gelungen; man stieß dort auf einen wichtigen Teil der Originalhandschrift des Nibelungenliedes. Alles Suchen nach den übrigen Teilen blieb leider erfolglos.
Und nun einmal kreuz und quer durch Deutschland, ohne Rücksicht auf landschaftliche oder geographische Einteilung unseres Vaterlandes. In dem Bade Soden-Allcndorf steht ein Brunnen vor dem Tore. Die Andeutung wird schon genügen, um jedem Leser einfallen zu lafsen, datz gerate hier das Lied „Am Brunnen vor dem Tore" entstanden ist. Längst ist es zum Volkslied geworden. Auf der Insel Fehmarn hat Klaus Groth — über seine Heimat binauS als ein Dichter der plattdeutschen Sprache bekannt — seinen „Quickborn" geschrieben. Und in Swinemünde gibt es seltsamerweise ein „Fontanehaus". Warum wohl? Nun, der Dichter, ter einmal zum Sänger ter Mark Brandenburg wurde, hat hier fünf Jahre feiner Kindheit verbracht. Was es in der Lüneburger Heide gibt? Nun, dort befindet sich der Wieher Berg, und das war der Lieblingsplah Hermann Löns, des Dichters der Heide. — Wer mag wohl Frau Viehmann fein? Eine Dichterin? Nein. Aber dieser Frau, die in Niederzwehren bei Kassel wohnte, ist es zu danken, daß wir die schönen deutschen Märchen in unsere Zeit gerettet haben. Sie erzählte damals den Brüdern Grimm viele der besten Märchen, so daß die Grimms den Entschluß faßten, eine Sammlung zu veranstalten und sie im Druck herauszubrin- gen. — In Bad Driburg erinnern wir uns des Mannes, der als „Dreizehnlinden-Weber" bekannt wurde. — In Bodenwerder im Wesergebiet besichtigen wir sicher den Stammsitz eines der liebenswürdigsten Lügner aller Zeiten. der Freiherr von Münchhausen verfaßte hier seine wunderbaren Aufschneidereien. —- Leipzig mag viele Denkmäler haben, daß darunter eines für Goethe nicht fehlen kann, dürfte selbstverständlich sein. Aber auf dieses Goethe-Denkmal muß hingewiesen werden, weil es den Dichter als Studenten zeigt, uns also nicht wieder den so bekannten Olympier beschert. — Die Handschrift des „Wilhelm Teil" finden wir merkwürdigerweise in der Schloß- bibllothek von Aschaffenburg.
Staven Hagen in Mecklenburg wäre nicht so bekannt, wenn nicht Fritz Reuter dort gelebt hätte. Hier finden wir noch heute einen Gasthof, in dem er oft in fröhlicher Zecherrunde saß und seine „Läuschen und Riemels" erzählte. Das ausgeblichene Cerevis und der Schläger hängen im Zimmer und helfen der Erinnerung an den mecklenburgischen Dichter nach. — In Heide in den Dithmarschen, dieser unglaublich fruchtbaren Gegend, gibt e8 nicht nur materielle Genüsse wie besonders gut gebratenen Gänsebraten. Man kann sich dort das Geburtshaus des Dichters Klaus Groth ansehen; seine Wiege stand nicht nur hier, sondern sie ist heute noch dort zu besichtigen. — In der Nähe, in Wesself büren, das auch in Dithmarschen liegt, ist ein Hebbel-Museum entstanden, zum Andenken an den großen Sohn dieses Ortes. Unter den vielen Erinnerungsstücken an den Dichter fällt ein Brief auf, den Hebbel als junger Mann geschrieben hat; in diesem Brief wandte er sich an Ludwig Uhland und bat ihn um Förderung und Hilfe.
Um auch die ostpreußische Heimat nicht zu vergessen: In Mohrungen ist Herder geboren. Die Stadt hat sein Geburtshaus jetzt wieder so Herrichten lassen, wie es im achtzehnten Jahrhundert ausgesehen hat. Und in Tilsit gibt es ein Heimatmuseum, in dem sich Erinnerungen an Hermann Sudermann finden, u. a. ein Schul- aufsah, den er zum Abiturientenexamen angefertigt hatte.
ES würde eine Reise ins Unendliche, wollte man alle derartigen Erinnerungsstätten aufzählen. Aber wer bei der nächsten Bahnfahrt selbst ein bißchen aufpatzt, dem verrät noch mancher Ortsname in Deutschland eine Erinnerung, wenn wir in unserem Gedächtnis ein wenig nachkramen.
E.W.
Buntes Allerlei.
Oer Blinddarm des Korporals.
Eine sonderbare Komödie, die mit der Verurteilung zu sechs Monaten Gefängnis wegen Sefertierung in Friedenszeiten endete, hat ein Unteroffizier der französischen Armee namens Ravoisier gespielt. Wegen eines dienstlichen Vergehens wurde Ravoisier zu dreißig Tagen Arrest berurteUt; aber wichtige Geschäfte hielten ihn ab, und er überredete einen Kameraden, statt feiner die Strafe anzutreten. Als dieser „stellvertretende" Korporal im Arrestlokal anlangte, stellte man bei einer Untersuchung fest, datz er ein nicht ungefährliches Gewächs in der Nase hatte, und er wurde sofort zu einer Operation abkommandiert. Dieser Zwischenfall schien aber dem Stellvertreter nicht zu den Pflichten zu gehören, die er übernommen hatte, er teilte die Sache dem wirklichen Schuldigen mit, und dieser bequemte sich, höchst persönlich das Krankenhaus aufzusuchen. Als Rovoisier dort anlangte, suchten die Aerzte vergeblich bei ihm nach dem Gewächs in der Nase, wegen dessen er nach dem Defund des andern ArzteS hingeschickt worden war, und da Ravoisier nunmehr eine Entdeckung der „Schiebung" fürchtete, kam er auf den Einfall, Schmerzen im Unterleib vorzutäufchen. Die Aerzte lenkten ihre Aufmerksamkeit von der Nase auf diesen Körperteil, und bevor er noch Einspruch erheben konnte, war ihm schon der Blinddarm rausgenommen. Während ter GenesungSzeit ge
riet er mit seinen Vorgesetzten wieder in Konflikt und wurde nun nach dem Gefangenenlager geschickt. Hier erkannte der Aufnahmeoffizier, datz das nicht derselbe Korporal Ravoisier war, der sich schon einmal bei ihm gemeldet und von ihm inS Krankenhaus gesandt worden war. Nachforschungen wurden angestellt, und die ganze Geschichte kam ans Licht ...
Waffenstillstands-Reliquien unter dem Hammer.
Eine merkwürdige Versteigerung findet dieser Tage in einem Pariser Auktionshaus statt. Es werden hier die Standarten, Jahnen und Wimpel angeboten, die von den Vertretern der Al- lierten bei den Verhandlungen nach dem Waffenstillstand 1918 geführt wurden. Darunter befinden sich die königliche Standarte, die bei dem besuch des Königs von England in Frankreich nach dem Waffenstillstand seinen Wagen schmückte, das Sternenbanner, das vom Wagen des Generals Pershing wehte, die Trikolore des Marschall Joch und die Wimpel, die an den Wagen des Königs Albert von Belgien und des Königs von Italien bei ihrem Besuch in Paris im Dezember 1918 sowie am Wagen Präsident Wilsons während der Friedenskonferenz befestigt waren. Man nimmt an, daß sich die betreffenden Staaten den Ankauf dieser Erinnerungsstücke nicht entgehen lassen werten.
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9. März: e 0,0 mm.


