Ausgabe 
14.2.1933 Frühausgabe
 
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ony Orchestra dir eranstaltete in bet Dagnerlon- n letzten Platz ge, yng immer wieder itropolitan Opera- ^geführt. .Herold ung Wagners den Jahrhundert nach chvnisten stehe die r seinem Eindruck atsache sei ein 2e- englische Kritiken tärksten Persönllch- ezeichnei habe.

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) und Willi Kat» Dübendors bet Zu- ; Schlepp- und Frch steuerte eine rtc das von Farner em 150 Meter Ian» r den Alpen aus- oo beide den Flug setzen wollten. Das näßig in Mailand ! übet bet Stadt Segelflugzeug im 8 Apparates er- he übet Mailand, iort aus dem Zlug» Apparat Warner« benötigte. Samer verlausen lei, aber en Bedingungen und lenen Post (55 kg) :t, biS man sich über

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Sie neue LinkommensteuererkläMg.

Die Frist für die Abgabe der Einkommensteuer- erflärung. die ursprünglich am 28. Februar ab­laufen sollte, ist bis zum 1 5. März verlängert worden. Das war aus verschiedenen Gründen notwendig. Erstens ist die jetzt bevorstehende Stnkommensteuerveranlagung für 1932 deshalb von besonders großer Bedeutung, well sich

da» Einkommen zahlreicher Steuerpflichtiger so stark vermindert hat, daß die im letzten Jahre geleisteten Vorauszahlungen häufig zu hoch sind.

Die Klagen über die Ueberlastung der Steuer­zahler sind zu einem Teile auch darauf zurück­zuführen, daß die Steuern noch immer auf Grund von früheren Veranlagungen erhoben werden, Während die Einkommen inzwischen geschwunden, oder stark zusammengeschrumpft sind. Wan muß daher den Einkommensteuerpflichtigen diesmal ge­nügend Zeit lassen, ihre Verluste abzubuchen und sich auszurechnen, wie hoch oder wie niedrig in Wirklichkeit ihr Einkommen in 1932 noch gewesen ist, bzw. ob sie nicht überhaupt in diesem Jahre einkommenlos wpren und von ihrer Vermögcns- substanz, d. h. von früheren Ersparnissen gelebt haben. Zweitens aber sind die Cinzelbestimmun- gen über die Veranlagung jur Einkommensteuer im letzten Jahre in so einschneidender Weise ver- ändert worden, daß die Steuerpslichtigen längere Zeit brauchen, um sich mit den neuen Vor­schriften bekannt zu machen. Drittens wird noch eine Neugestaltung der Tarifbestimmungen des Einkommensteuergesetzes geplant, die natürlich schon bei der Alfass.mz der Steuererklärung be­rücksichtigt werden mutz.

Zur Abgabe einer Linkommensleuererklärung ist jedermann verpflichtet, der im letzten Steuer- abschnitt ein Einkommen von mehr als 8000 R21L bezogen hat.

Als Steuerabschnitt gilt das Wirtschaftsjahr des Steuerpflichtigen, das in den weitaus meisten Fällen mit dem Kalenderjahr zusammenfällt. Nur für Landwirte reicht das Steuerjahr vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Aber auch die Landwirte, so­weit ihr Einkommen aus der Landwirtschaft 6000 Mark übersteigt, haben diesmal eine Steuerer­klärung für ihr am 30. Juni 1932 beendetes Wirtschaftsjahr abzugeben, da die früheren Herbstveranlagungen aufgehoben worden sind und die Landwirte jetzt zusammen mit den übrigen Steuerpflichtigen veranlagt werden. Das gleiche gilt für diejenigen Gewerbetreibenden mit Han- delsbuchführung, deren Geschäftsjahr etwa nicht mit dem Kalenderjahr zusammenfällt. Don der Abgabe einer Steuererklärung befreit sind dage- gen alle Arbeitnehmer und Nentncr, die lediglich steuerabzugspflichtige Einkünfte bezogen haben,

wenn diese Einkünfte (einschl. des steuerfreien LohnbetragS) weniger als 9500 Mk. betrugen. Aber auch diese Befreiungen von der Steuer­erklärung sind insofern praktisch nicht von aus­schlaggebender Bedeutung, als

jedermann ohne Rücksicht auf die höhe des Ein­kommens zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, wenn ihn das zuständige Finanz­amt dazu ausfordert.

Desgleichen ist auch jeder Einkommenssteuer- pflichtige, der seinen Gewinn auf Grund des Ab­schlusses seiner Bücher ermittelt, gleichfalls ohne Rücksicht auf die Höhe seines Einkommens zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, selbst wenn er keine Aufforderung des Finanzamts er- hält. Dasselbe gilt für jeden Steuerpflichtigen, der an einem Gewerbebetriebe, also -. 2. an einer Offenen Handelsgesellschaft oder Kommanditge- sellschaft beteiligt ist, eine sonstige Berufstätigkeit, z. B. die eines Rechtsanwalts, ausübt, oder aus Vermietung und Verpachtung von unbeweglichem Vermögen Einkommen bezieht. Praktisch ist also die Zahl der Einkommensteuerpflichtigcn, die von der Abgabe einer Steuererklärung befreit sind, sehr gering.

Die Pflicht zur Abgabe einer Linkommcnsteuer- erklärung beschränkt sich keineswegs auf diejeni­gen, die vom Finanzamt einen Vordruck zu- gefandt erhalten.

Wer zur Steuererklärung verpflichtet ist, mutz den Vordruck, wenn er ihn durch Zufall nicht erhalten hat, beim Finanzamt anf o-cbern. Die Erklärungen müssen auf den amtlichen Formularen abgegeben werden, und insbe­sondere mij) die Versicherung, datz die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht worden sind, öün dem Steuerpflichtigen persönlich unter­schrieben werden. Steuerpflichtige mit handels­rechtlicher Buchführung haben außer der vor­geschriebenen Steuererklärung dem Finanzamt auch die Schluhbilanz sowie die Gewinn- und Verlust-Rechnung für das in Frage kommende Wirtschaftsjahr einzureichen. Von neu eröffneten Betrieben kann auch eine Eröffnungsbilanz ver­langt werden.

Die Anfertigung der Steuererklärung erfordert ganz besondere Sorgfalt, weil falsche Angaben unter Umständen schon als versuchte Hinter­ziehung der Einkommenssteuer angesehen werden können.

Diese aber ist mit schweren Strafen bedroht. So­gar ein fahrlässiges Vergehen gegen die Steuer- gesehe kann als Steuergesuhrdung betrachtet und mit Strafen geahndet werden.

Aus der provinzialhaupistadt

mit

gründen zu können.

Die Zuhörer dankten dem Vortragenden lebhaftem Beifall.

Neunkirchener Beerdigungen feierlichkeiten im Rundfunk.

hing feiner Hände, der sich einige Versuchs­personen ausgesetzt fühlten, sei keine Rede.

Abschließend sei zu sagen, daß übersinnliche Er- schcinungen wohl nicht zu leugnen seien und durch­aus in den Kreis der Betrachtung gezogen zu wer­den verdienten: der gegenwärtige Stand der For­schung verpflichtete aber zur Vorsicht, das bisher erbrachte Material sei zu gering, die bisher be­stehende Basis zu schmal, um darauf einen wissen­schaftlichen Beweis- Über okkultistische Phänomene

heute, Dienstag, in der Zeit von 14.50 bis 15.45 Uhr findet die Beerdigung der Opfer der Neun­kirchener Katastrophe statt. Der Rundfunk über­trägt die Beerdigungsfeierlichkeiten auf alle deut- fchen Sender. Im Anschluß an die Feier (von 16 bis 17 Uhr) schwelgen alle Sender. 3m weiteren Verlaufe des Tages wird sich der Rundfunk auf ernste Darbietungen beschränken.

Bornotizen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute als 19. Vorstellung im Dienstag-Abonnement Gastsviel des Hessischen Landestheaters Darmstadt mit der Komödie für Musik »Der Rosenkavalier" von Richard Strauß. Spielleitung und Bühnenbild Hans Stroh­bach: Musikalische Leitung Dr. H. Schmidt- Isserstedt. Opernpreise. Vorzugs- und Rund­funkgutscheine haben Gültigkeit. Spieldauer von 19.30 Uhr bis 23 Uhr. Als 19. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement zu gewöhnlicher Preisen das Lustspiel »Bargeld lacht" von Cammerlohr und Ebermayer; Spielleitung Peter F a f f o t ; am 15. Februar von 20 bis 22 Ähr. Für Samstag, 18. Februar, hat die Intendanz 15.45 Uhr eine Schülervorstellung angeletzt mit Shakespeares fandet; Spielleitung Peter Fasso11. Die Vorstellung ist außer Abonnement zu Schülerprei- fen. Ende 19 Uhr.

Tiroler Volkskun st abend. Am mor­gigen Mittwoch gastiert eine kleine Schar junger Tiroler aus Lienz in unserer Stadt und gibt im Cafs Leib auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslände (VDA.) einen Tiroler Volkskunstabend. Der Abend soll uns Deutschen des Mutterlandes ein Spiegelbild von Tirol, insoesondere von Südtirol, fein. In 100 schönen Lichtbildern wird man dieses gottbegnadete Stückchen Erde, feine himmelanragenden Berge und die tiefen Täler, die Menschen und die Sitten kennen­lernen. die die junge Schar in Tänzen, im Lied und in der Musik auflcben lassen wollen. Der Abend, der viel Unterhaltendes bringen dürfte, wird gleichzeitig eine ernste Mahnung fein, das deutsche Südtirol nicht zu vergessen.

* Verjährung von Aufbringungs- I e i ft u n g c n. Wir lesen in den vom Wirt­schaftsprüfer und Steuersyndikus Hermann Will zu Gießen herausgcgebenenAktuellen Steuer­fragen" (Rundschreiben Nr. 4) folgendes: Die Frage der Verjährung von AufbringungS- leistungen war streitig. Ein Steuerpflichtiger hatte sich auf den Standpunkt gestellt, daß hierfür die einjährige Frist des § 121 RAO. a. F. in Frage komme Durch Urteil vom 23. September 1932 III A 496 '31, Steuer und Wirtschaft 1932, Nr. 1129 stellt aber der Reichsfinanzhof fest, daß die Ver­jährungsfrist fünf Jahre beträgt.

Neue Militärvereinigung ge­gründet. Aus Anlaß einer Zusammenkunft von Kameraden der ehemaligen 105. Jnfanterie-Divi-

Geheimnisvolle Mächte im Lichte wissenschastLicher Forschung.

Die Vortragsgemeinschaft Goethe-Bund, Kauf­männischer und Gewerbevcrein hatte den Forscher Wilhelm Gubisch zu zwei Vortragsabenden ver­pflichtet. Die Veranstaltungen fanden am Sonn­tag bzw. am Montag in der Neuen Aula der Uni­versität statt und waren gut besucht. Der Abend nahm aber wohl für die meisten Zuhörer einen höchst unerwarteten Verlauf.

Zunächst unterhielt der Vortragende seine Zu- Hörer anderthalb Stunden lang mit Experimenten mehr oder weniger überzeugender Art, schuf ge­wissermaßen eine Atmosphäre des Vertrauens zu feinen Fähigkeiten auf dem Gebiete der Hellsehe­rei, ließ sich von den als Versuchspersonen teil­nehmenden Zuhörern die hochprozentige Richtig­keit seiner Deutungen und Experimente bestätigen, um dann nach der Pause in einem etwa halbstün­digen Vortrag Stück für Stück dieses Vertrauens wieder abzutragen, mit der Erklärung der an­gewandten Tricks wertvolle Aufklärungsarbeit leistend.

Dem Vortrag fei das wesentlichste entnommen: Hellseherei als Problem müsse mit kritischen Augen betrachtet werden. Augenschein und Wirk­lichkeit decken sich nicht immer, Okkultismus bzw. die für ihn geforderte Glaubensboreitschaft für die Experimente sei ein idealer Nährboden für den 2etrug. Es fei verfehlt, zu glauben, daß ein Hellseher beraten könne, datz er Krankheiten er­kennen und heilen könne. Bestenfalls könne er einem Kranken eine neue Krankheit suggerieren und ihn von dieser suggerierten Krankheit wie­der befreien. 3n Wirklichkeit werde der Kranke imanziell dabei geschädigt. Die Glaubensbereit- fchaft für derartige Experimente sei von weittra­gender Bedeutung. Glaube könne falsches Den­ken erzeugen, ein sog. Traumdenken Hervorrufen, nut dem die Kritikfähigkeit verloren gehe. Die Gefahr sei groß, falschen Propheten zum Opfer -u fallen. Deshalb müsse man sich gegen diese Gefahr wappnen. Das könne nur geschehen durch Nlcksichtslose Aufdeckung derGeheimnisse der Experimente".

2n seinen weiteren Ausführungen beschäftigte scch der Vortragende mit den vor der Pause ge- WOten Experimenten und klärte ihr Zustande- J®en auf. Er betonte, daß bei den sog. tele­pathischen Experimenten von einer tatsächlichen woanlenü6ertragung keine Rede sein könne, viel­mehr handele es sich um eine genaue Deobach- .9 der Versuchsperson, andererseits um rafsi- £ « Fragestellung, durch die aus dem Objekt

Versuches alles herausgelockt werden könne, Gedankenleser zu wissen wünsche. Es 4 verschiedensten Methoden. Besonders geeignet für derartige Experimente seien OTen- Hfi« Lebhafter Phantasie, auch an sich in- telhgentc Menschen, welche die von dem Cxperi- mentator mit grotzer Eindringlichkeit geschilderten mit ihrer tatsächlichen Erinnerung an ffiVr $or9änge (dank ihrer Phantasie) in ^intiang ju bringen vermöchten und nun glauben, ?l,?teit der Behauptungen des ..Hell- sehers^ bestätigen zu müssen. Es sei für die Zu- borer bedeutungsvoll, zu wissen, daß er (der Redner) bisher in allen seinen Vorträgen und Experimenten von alten durchlöcherten französi- Punzen, von alten, immer wiedeo» glei- 1 $etn (Photographien) spreche, von aus­gefallenen Backenzähnen und Muttermalen usw. (wie es der Vortragende auch an diesen Aben- oen tat!) und jedesmal mit einem Prozentsatz öon 83 v. H. die Richtigkeit seiner Angaben be­stätigt erhalte. Don einer elektrischen Ausstrah-

sion im Hotel Kobel wurde, den Wünschen der Ka­meraden entsprechend, eine Vereinigung gegrün­det. Aus der Mitte der Anwesenden wurde ein Vorstand gewählt, dem anheimgegeben wurde, die Vereinigung in kameradschaftlichem Sinne zu for­te rn. Eine weitere Versammlung soll im Juli ftattfinten.

' Städtische Brennholzver steige­rn n g. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung in den Waldungen der Stadt Dietzen (Försterei Gießen) wurden im Durchschnitt folgende Prelle erzielt: Duchenscheiter 1. Kl. per Rm. 9,40: Buchenscheiter 2. Kl. 7,00; Eichenscheiter 1. Kl. 7,00: Eichenscheiter 2. Kl. 5,00; Kiefernscheiter 1. Kl. 6,80; Kiefernscheiter 2. Kl. 6,00; Fichten­scheiter 1. Kl. 6,00; Fichtenscheiter 2. Kl. 4,00; Buchenknüppel 7,00; Elchenknüppel 4,20; Kiefern­

knüppel 5,40; Fichtenknüppel 3,20; Duchenstöcke 6,20; Eichenstöcke 5,00; Kiefernstöcke 4,00; Buchen- reisig 3. Kl. 100 Wellen 18,00 Mk.

Bnefkaften Oer Redaktion.

lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Scdristieitung.)

G. B. Unter der Voraussetzung, daß die Feld­bereinigung berechtigt gewesen wäre, das in Frage kommende Gelände auch von Ihnen für die Zwecke der Feldbereiniguntz zu verlangen, kann sie den gleichen Anspruch im öffentlichen Interesse auch gegen Ihren Rechtsnachfolger erheben. Zwischen Viesern und Ihnen besteht ei^e nur private Bindung, an die sich, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen der Einbeziehungsmöglichkeit vorliegen, die Feld­bereinigung nicht gebunden zu fühlen braucht.

Von Mannheim bis Tilsit.

Kleiner Baedeker für Literaturbefliffene.

Rattert der Zug endlich los, dann hat man sich mit dem Gedanken, so und so viele Stunden in der Bahn ziemlich müßig zu verbringen, einigermaßen abgefunden. Irgendwie muß diese Zeit totgeschlagen werden. Während der ganzen Zeit lesen das können nicht alle Menschen. Viel eher scheint es auszuhalten zu sein, sich durch den Blick aus dem Abteilfenster die Frist bis zur Ankunft zu verkürzen. Und jeder Bahn­hof, jeder Haltepunkt, bedeutet dabei eine be­sonders angenehme Ueberraschung: Ein paar Mi­nuten läßt sich vielleicht darüber nachdenken, was dieser, ausgerechnet dieser Ort für Lebensmöglich, leiten bietet, was er der Allgemeinheit bedeuten mag, wer hier wohl wohnen könnte.

Wer nicht gerate Provisionsreisenter Ist, wird kaum in jeder dieser Städte, Städtchen oder Dörfer einen Bekannten haben. Aber pft ergibt es sich, datz wir auch im abgelegensten Nest auf den Namen eines Menschen stoßen, der uns doch bekannt geworden ist, der uns vielleicht sogar ein Freund, ein Tröster, ein Berater wurde. Die deutschen Dichter haben sich die seltsamsten Ge- burtsstätten und Aufenthaltsorte ausgesucht. Ihrer darf man sich doch wohl auf der langen Reise erinnern. Nur so zum eigenen Vergnügen; langwierige Vorträge über die Bedeutung der Dichter wollen wir unseren Mitreisenden im Ab­teil keineswegs zumuten. Und sicher werden sie das alles schon besser und seit längerer Zeit wissen als wir, die wir uns all diese Erinnerungs­stätten erst heraussuchen müssen.

In Mannheim haben SchillersRäuber" ihre Uraufführung erlebt. Und die Mannheimer haben dem schwäbischen Dichter ein Denkmal auf dem Theaterplatz gesetzt. Das wäre nichts be­sonderes; Schiller tft überall in deutschen Lan­den zu Hause. Aber auf diesem Denkmal trägt die Figur des Dichters ein Manuskript in der Hand, und wer das genau besieht, darf feststellen, daß es die Wiedergabe der Niederschrift dieser Räuber" ist. In S ch w e i n f u r t ist Friedrich Rückert geboren; dieser Lyriker voll Eigenart und Tiefe hat erfreulicherweise noch heute seine Gemeinde. Aber kennt diese dort in Schwein­furt das Rückert-Zimmer im alten Gymnasium, in dem sich zahlreiche persönliche Erinnerungen an den Dichter finden?

Bis 2lür bin gen in Schwaben ist eS nicht allzuweit. Aber wer erinnert sich schon außerhalb Württembergs dieses Ortes? Doch, der Litera­turbeflissene weiß Bescheid: dort hat Friedrich Hölderlin gelebt. In Weinsberg wohnte Justinus Kerner lange Zeit im Kernerhaus, das noch heute erhalten ist. So viel läßt sich dort sehen, und am interessantesten sind wohl jene Erinnerungen, die von den vielen berühmten Besuchern erzählen, wie sie sich so zahlreich seinerzeit einfanden, um diesesMitglied der Schwäbischen Dichterschule" einmal kennenzuler­nen, mit ihm zu fingen und zu zechen.

Auf dem ©taffe! ft ein, der jedem Stu­denten noch heute mindestens dem Namen nach bekannt ist dafür hat Scheffel gesorgt, dessen wir uns jetzt erinnern befindet sich die Ein­siedlerklause. Dort stöbern wir schnell das Manu­skript eines berühmt gewordenen Wanderliedes von Viktor von Scheffel auf:Wohlauf, die Luft geht frisch und rein!" Auf der Reise von Stuttgart nach Balingen hatte Lenau jenes Erlebnis, das zur Entstehung des GedichtesDer Postillion" beitrug.Lieblich war die Maien­nacht" dies Lied gilt ia auch als eine Perle unserer deutschen Lyrik. Noch am gleichen Abend schrieb es der Dichter im GasthofZur alten Post" von Balingen nieder. Auch in Bayern finden sich so allerlei interessante Stätten. Aus der Burg Brunn gibt es zwar nichts Literatur- historisches mehr zu sehen. Aber hier ist im sech­zehnten Jahrhundert ein großer Fund gelungen; man stieß dort auf einen wichtigen Teil der Originalhandschrift des Nibelungenliedes. Alles Suchen nach den übrigen Teilen blieb leider erfolglos.

Und nun einmal kreuz und quer durch Deutsch­land, ohne Rücksicht auf landschaftliche oder geo­graphische Einteilung unseres Vaterlandes. In dem Bade Soden-Allcndorf steht ein Brunnen vor dem Tore. Die Andeutung wird schon genügen, um jedem Leser einfallen zu lafsen, datz gerate hier das LiedAm Brunnen vor dem Tore" entstanden ist. Längst ist es zum Volkslied geworden. Auf der Insel Fehmarn hat Klaus Groth über seine Heimat binauS als ein Dichter der plattdeutschen Sprache be­kannt seinenQuickborn" geschrieben. Und in Swinemünde gibt es seltsamerweise ein Fontanehaus". Warum wohl? Nun, der Dichter, ter einmal zum Sänger ter Mark Brandenburg wurde, hat hier fünf Jahre feiner Kindheit ver­bracht. Was es in der Lüneburger Heide gibt? Nun, dort befindet sich der Wieher Berg, und das war der Lieblingsplah Hermann Löns, des Dichters der Heide. Wer mag wohl Frau Viehmann fein? Eine Dichterin? Nein. Aber dieser Frau, die in Niederzwehren bei Kassel wohnte, ist es zu danken, daß wir die schönen deutschen Märchen in unsere Zeit ge­rettet haben. Sie erzählte damals den Brüdern Grimm viele der besten Märchen, so daß die Grimms den Entschluß faßten, eine Sammlung zu veranstalten und sie im Druck herauszubrin- gen. In Bad Driburg erinnern wir uns des Mannes, der alsDreizehnlinden-Weber" bekannt wurde. In Bodenwerder im Wesergebiet besichtigen wir sicher den Stamm­sitz eines der liebenswürdigsten Lügner aller Zei­ten. der Freiherr von Münchhausen verfaßte hier seine wunderbaren Aufschneidereien.- Leipzig mag viele Denkmäler haben, daß darunter eines für Goethe nicht fehlen kann, dürfte selbstverständlich sein. Aber auf dieses Goethe-Denkmal muß hingewiesen werden, weil es den Dichter als Studenten zeigt, uns also nicht wieder den so bekannten Olympier be­schert. Die Handschrift desWilhelm Teil" finden wir merkwürdigerweise in der Schloß- bibllothek von Aschaffenburg.

Staven Hagen in Mecklenburg wäre nicht so bekannt, wenn nicht Fritz Reuter dort gelebt hätte. Hier finden wir noch heute einen Gast­hof, in dem er oft in fröhlicher Zecherrunde saß und seineLäuschen und Riemels" erzählte. Das ausgeblichene Cerevis und der Schläger hängen im Zimmer und helfen der Erinnerung an den mecklenburgischen Dichter nach. In Heide in den Dithmarschen, dieser unglaublich frucht­baren Gegend, gibt e8 nicht nur materielle Ge­nüsse wie besonders gut gebratenen Gänsebraten. Man kann sich dort das Geburtshaus des Dich­ters Klaus Groth ansehen; seine Wiege stand nicht nur hier, sondern sie ist heute noch dort zu besichtigen. In der Nähe, in Wesself büren, das auch in Dithmarschen liegt, ist ein Hebbel-Museum entstanden, zum Andenken an den großen Sohn dieses Ortes. Unter den vielen Erinnerungsstücken an den Dichter fällt ein Brief auf, den Hebbel als junger Mann geschrieben hat; in diesem Brief wandte er sich an Ludwig Uhland und bat ihn um Förderung und Hilfe.

Um auch die ostpreußische Heimat nicht zu ver­gessen: In Mohrungen ist Herder geboren. Die Stadt hat sein Geburtshaus jetzt wieder so Herrichten lassen, wie es im achtzehnten Jahr­hundert ausgesehen hat. Und in Tilsit gibt es ein Heimatmuseum, in dem sich Erinnerungen an Hermann Sudermann finden, u. a. ein Schul- aufsah, den er zum Abiturientenexamen angefer­tigt hatte.

ES würde eine Reise ins Unendliche, wollte man alle derartigen Erinnerungsstätten aufzäh­len. Aber wer bei der nächsten Bahnfahrt selbst ein bißchen aufpatzt, dem verrät noch mancher Ortsname in Deutschland eine Erinnerung, wenn wir in unserem Gedächtnis ein wenig nachkramen.

E.W.

Buntes Allerlei.

Oer Blinddarm des Korporals.

Eine sonderbare Komödie, die mit der Ver­urteilung zu sechs Monaten Gefängnis wegen Sefertierung in Friedenszeiten endete, hat ein Unteroffizier der französischen Armee namens Ravoisier gespielt. Wegen eines dienstlichen Ver­gehens wurde Ravoisier zu dreißig Tagen Arrest berurteUt; aber wichtige Geschäfte hielten ihn ab, und er überredete einen Kameraden, statt feiner die Strafe anzutreten. Als dieserstell­vertretende" Korporal im Arrestlokal anlangte, stellte man bei einer Untersuchung fest, datz er ein nicht ungefährliches Gewächs in der Nase hatte, und er wurde sofort zu einer Operation abkommandiert. Dieser Zwischenfall schien aber dem Stellvertreter nicht zu den Pflichten zu ge­hören, die er übernommen hatte, er teilte die Sache dem wirklichen Schuldigen mit, und dieser bequemte sich, höchst persönlich das Krankenhaus aufzusuchen. Als Rovoisier dort anlangte, such­ten die Aerzte vergeblich bei ihm nach dem Ge­wächs in der Nase, wegen dessen er nach dem Defund des andern ArzteS hingeschickt worden war, und da Ravoisier nunmehr eine Entdeckung derSchiebung" fürchtete, kam er auf den Einfall, Schmerzen im Unterleib vorzutäufchen. Die Aerzte lenkten ihre Aufmerksamkeit von der Nase auf diesen Körperteil, und bevor er noch Einspruch erheben konnte, war ihm schon der Blinddarm rausgenommen. Während ter GenesungSzeit ge­

riet er mit seinen Vorgesetzten wieder in Kon­flikt und wurde nun nach dem Gefangenenlager geschickt. Hier erkannte der Aufnahmeoffizier, datz das nicht derselbe Korporal Ravoisier war, der sich schon einmal bei ihm gemeldet und von ihm inS Krankenhaus gesandt worden war. Nach­forschungen wurden angestellt, und die ganze Geschichte kam ans Licht ...

Waffenstillstands-Reliquien unter dem Hammer.

Eine merkwürdige Versteigerung findet dieser Tage in einem Pariser Auktionshaus statt. Es werden hier die Standarten, Jahnen und Wim­pel angeboten, die von den Vertretern der Al- lierten bei den Verhandlungen nach dem Waffen­stillstand 1918 geführt wurden. Darunter be­finden sich die königliche Standarte, die bei dem besuch des Königs von England in Frankreich nach dem Waffenstillstand seinen Wagen schmückte, das Sternenbanner, das vom Wagen des Ge­nerals Pershing wehte, die Trikolore des Mar­schall Joch und die Wimpel, die an den Wagen des Königs Albert von Belgien und des Königs von Italien bei ihrem Besuch in Paris im De­zember 1918 sowie am Wagen Präsident Wil­sons während der Friedenskonferenz befestigt waren. Man nimmt an, daß sich die betreffenden Staaten den Ankauf dieser Erinnerungsstücke nicht entgehen lassen werten.

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9. März: e 0,0 mm.