Ausgabe 
14.1.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 12 Srttbausgabe

185. Jahrgang

Samstag, 14. Januar 1955

GietzenerAMiger

General-Anzeiger für Oberheffen

VrvS vnd verlos: vrühl'schc Unwe.sttais-Vuch- und Steinöruderei R. Lanqe in Stehen. Zchriftleitung und Seschäftzftelle: Zchnl^trahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi® zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr.

Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Thyriotx für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i. D.Th.Kümmel iämtlich m Biegen.

Erlcheini lügltch.autz« Lonniags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gienener Familienblätter Heimat mDild Die Scholl» Hlonais Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . , -.25

Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Hernfvrechanschlusse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Liehen.

Postscheckkonto:

Kronlflirt am Main 11686.

Deutschtum im Kampf.

Das Jahr 1933 muß die deutsche Außenpolitik aus der seither erduldeten Abwehr von Uebergriffen und Rechtsbeugungen wieder zurückführen zu einem planmäßigen Angriff zu Gunsten der um ihren Be­stand ringenden Deutschtumsinseln in Europa. Die­ser Volkstumskampf, der eine Angelegenheit der ganzen Nation ist, hat zu erfolgen nicht nur um des Kampfes oder des Angriffs willen, der ein innenpolitisch oerkämpftes Volk zu einer außen­politischen Schiksalsgemeinschast zusammenzuschwei­ßen vermag, sondern Stampf und Angriff gehen u m klare Rechtsgrundsätze, die längst ver­brieft und versiegelt sind und über die der Völker­bund zu wachen hätte, wenn der Völkerbund über­haupt einen Sinn hat. Deutschland kämpft diesen Kampf nicht nur für fein eigenes Volkstum, son­dern es ist wie kein zweiter Staat in Europa beru­fen, das Schicksal aller unterdrückten Minderheiten zu dem Seinen zu machen und eine unterirdische Volksfront gegen die unnatürliche Staatenfront der ungerechten Friedensdiktate aufzurichten.

Deutschland hat innerhalb seiner Grenzen keine nennenswerte Minderheit, die etwa den Anschluß an einen Nachbarstaat suchte. Von den 100 Millio­nen Deutschen in Europa sind jedoch nur 60 Millio­nen staatlich im Reich vereinigt. Da bei den inein­ander übergehenden Volksgrenzen in Europa natio­nalstaatliche Lösungen auf die Dauer ohnehin un­möglich sind, hat also Deutschland eine zumindest mitteleuropäische Föderatividee zu vertreten, die allen Volkstümern und Volkssplittern sowohl die kulturelle Autonomie, als auch die Selbstverwal- hing sichert. Nimmt Deutschland diesen Kampf auf unö führt es ihn zu einem erfolgreichen Ende, so sichert es sich außenpolitische Positionen von einem Ausmaße, wie selbst ein gewonnener Weltkrieg Deutschland nicht hätte verschaffen können.

Der frühere Reichswehrminister Dr. G e ß 1 e r hat dieser Lage als Vorsitzender für das Deutsch- t ii m im Auslande einige Zahlen über den Stand der Minderheitenfrage veröffentlicht, die nicht nur zur Kenntnis der fachlich Interessierten gelangen dürfen, sondern die zum politischen Rüst- zeug und gewissermaßen zum politischeneisernen Bestand" aller Deutschen gehören müssen. 40 Mil­lionen Menschen in Europa werden durch die über­spannte Nationalstaatsidee als Minderheiten unter­drückt. Die Kämpfe zwischen diesen 40 Millionen, die immer noch 10 Millionen mehr betragen als die Einwohnerzahl Rumäniens und Jugoslawiens zusammen, lähmen Kultur und Wirtschaft in ganz Mitteleuropa, sie führen durch die Terrormaßnah- men der sogenanntenStaatsvölker" zu einer all­gemeinen Rechtlosigkeit und zu einer Verödung des kulturellen Lebens überhaupt. Deutschland und das ganze Abendland entrüsten sich über die Schließung von Kirchen in Rußland. Dabei sind seit 1920 den Minderheiten nicht weniger als 2500 Kirchen zwangsweise weggenommen und teilweise zer­stört worden. Weit über 7000 muttersprachliche Schulen wurden ohne jeden Grund geschlos­sen, damit die Kinder in einer anderen Sprache und Kultur als der ihres Volkstums erzogen werden können. 12 Millionen Hektar Land sind zwangs­enteignet worden, damit es an die Angehörigen der sog. Mehrheitsvölker verteilt werden konnte.

Am härtesten wurden selbstverständlich überall die deutschen Minderheiten betroffen. Im Kampf gegen das Deutschtum stehen leider auch solche Staaten in vorderster Front, mit denen uns poli­tische Freundschaft verbündet. Es sei hier nur an Italien erinnert, das die Deutschen in Südtirol brutal unterdrückt, oder es seien die neuesten Er­gebnisse der ungarischen Volkszählung aufge­führt, nach der sich innerhalb von wenigen fahren die Zahl der Ungarn um 845 000 vermehrt, die Zahl der Deutschen dagegen sich um 72000 verringert haben soll. Allein in der Umgebung von Budapest soll das Deutschtum um 26 000 Seelen zurückgegan- gen sein. Wenn es auch wahrscheinlich ist, daß Ungarn zu höchst zweifelhaften Praktiken gegriffen hat, um das Ergebnis der Volkszählung zu ver­fälschen, so bleibt doch als Tatsache bestehen, daß gerade Ungarn, das in Genf zu den lautesten Ru­fern für einen Minderheitenschutz gehört, am uner­bittlichsten die eigenen Minderheiten auszurotten versucht.

Im ganzen deutschen D ft e n brennt die Grenze. Die geschickte polnische Propaganda ver­sucht die Welt davon zu überzeugen, daß das ge­samte Weichselland urpolnisches Gebiet sei. Und ob­wohl bei der Abstimmung im Weickstelkorridor 92 5 Prozent der Bevölkerung sich für Deutschland aus­sprachen, mußte ganz Westpreußen Polen über­antwortet werden. In Litauen und Lettland wird den Deutschen heute noch ein Sonderrecht auf- gezwungen, das die Enteignung von Kirchen er­möglicht. Ostpreußen liegt mit 24^Millionen Einwohnern mitten in der slawischen Flut. Und obwohl bei der letzten Reichstagswahl noch nicht 0,1 Prozent Stimmen für polnische Listen abgegeben wurden, erhebt Polen Anspruch auf diese deut­sche Insel im Osten. Wo politische Mittel nicht mehr ausreichen, greift man zum wirtschaftlichen Boykott. So ist z. B. der ostpreußische Handels­verkehr mit dem entrissenen Korridorgebiet, der 1913 27 Prozent des Gesamtoerkehrs betrug, heute auf 2 Prozent zurückgegangen. Gegen Danzig führt Polen einen skrupellosen Dernichtungskampf. Erst vor kurzem ist zwischen dem polnischen Kriegshafen Gdingen und dem geraubten oberschlesischen Indu­striegebiet eine Nordsüdbahn dem Verkehr übergeben worden, die sowohl strategischen als auch wirtschafts­politischen Zwecken dient. Das Protektorat über diesen unerhört kostspieligen Bau übernahm die größte europäische und französische Rüstungsfirma Schneider-Creuzot.

In der Tschechoslowakei vermochte sich trotz härtester Bedrückung das Deutschtum zu halten. Seit

Reue politische Gespräche in Berlin.

Hugenberg beim Reichskanzler. preffekombinationen um Straßer.

Berlin, 13. Jan. (TU.) (Eine Unterredung zwi­schen Reichskanzler o. Schleicher und dem Füh­rer der DNvP., hu gen berg, die in der Benö- lerstraße ftattfauö, hat gegen 17.30 Uhr begonnen und etwa zweieinoiertel Stunden gedauert, lleber den Verlauf der Unterredung werden von zustän­diger Stelle feinerfei Mitteilungen gemacht.

Die Besprechung zwischen hugenberg und dem Reichskanzler, die auf Veranlas­sung des Kanzlers stattfand, hat in Berliner politischen Kreisen beträchtliches Auf.ehen erregt Welche Bedeutung der Unterredung zukommt läßt sich jedoch nur schätzen, da von beiden Seiten über die Unterredung strengstes Stillschweigen bewahrt wird.

DieD A 3- meint, daß die Aussprache sich auf die politische Lage erstreckt habe, und zwar im Zuge der Sondierungen, die der Lnt,cheidung des Aette- ftenrafs über den Zusammentritt des Reichstages vorangingen. Gesprächsstoff genug für die Unter­redung sei wohl vorhanden gewesen, da in letzter Zeit verlautet habe daß die Deutschnationa- l e n in eine scharfe Opposition gegen das Kabinett Schleicher zu treten beabsichtigten.

DieTägliche Rundschau" gibt der An­sicht Ausdruck, daß der Konflikt mit dem Landbuud die Umbildung des Kabinetts Schlei­ch e r in den Vordergrund gerückt habe. Sie werde wahrscheinlich nach dem Zusammentritt des Reichs­tages am 24. Ianuar akut werden. Line Ergänzung des Kabinetts durch Stegerwald, Gregor Straßer, Persönlichkeiten der NSDAP., des Stahlhelms und der nationalen Rechten schienen in Frage zu kommen. In den Besprechungen des Kanzlers werde vor allem auch die Frage der Re­gierungsumbildung berührt. Ls gelte als wahr­scheinlich, daß Gregor Straßer in das Kabinett eintreten werde, wahrscheinlich als Vizekanzler und ReichskommisfarinPreußen. Ob die NSDAP, darüber hinaus sich an der Regierung be­teiligen werde, hänge von der Haltung Adolf Hit­lers ab. Bei der Stellung des Vizekanzlers sei an eine aktivistische Umbildung des Postens gedacht. Arbeitsbeschaffung, Siedlung, Iugendertüchtigung, Geldbeschaffung nsw. seien praktisch nicht voneinander zu trennen, da sie Teil­gebiete eines großen zusammenhängenden Kom­plexes seien. Sie zwängen dazu, innerhalb des Ka­binetts eine Art Aktionsausschuß zu gründen, von dem die großen Reformen und Umstellungen ge­tragen und durchgeführt würden. Das zweite (Er­fordernis der heutigen autoritären Regierung er­wachse daraus, daß die Regierung sich auf dem parlamentarischen Wege, oder über die bestehenden Parteien keine Gefolgschaft im Volke mehr verschaf­fen könne. Sie komme nicht darum herum, in den Bereich der Parteien-Verdände und Organisationen einzubrechen und sich eine eigene Formation zu gründen, mit der sie das Volk zur Gefolg'chast auf­rufen könne. Beide Aufgaben aber, die Leitung des Aktionsausschusses und die Führung einer Volks­organisation, würden den Kanzler überlasten und ihn zudem zu sehr auf eine Diktatur hindrängen. Jnfolgede'sen werde die Frage der (Entlüftung und Stellvertretung des Kanzlers entscheidend. Der Kanz­ler komme nicht herum, den Posten des vizekanz- , lers zu feiner (Entlastung und Vertretung zu besehen und auszubauen. (Es handele sich entweder um eine Konzentration der Kommissariate beim Vizekanzler, also um eine gewisse Ar­beitsteilung im Kabinett der Kanzler würde das Kabinett, der Vizekanzler den Aktionsausschuß leiten oder auch um eine nähere Beziehung des

Vizekanzleramtes zu der notwendigen Organisation der Gefolgschaft im Volke.

DieDeutsche Zeitung" bemerkt, daß die Uebernaljme eines vereinigten Wirtschaftsministe­riums (Krisenministerium) durch hugenberg von grundsätzlichen Voraussetzungen abhängig sei, zu deren (Erfüllung Herr von Schleicher bisher noch keine Anstalten gemacht habe. Ganz abwegig sei der von einer nicht ganz unmaßgeblichen Stelle propagierte Plan eines Kabinetts Schleicher, hugenberg (Wirtschaft), Straßer (Inneres), Stegerwald (Arbeit), Brüning (Aeußeres).

Der Konflikt zwischen Reichsregierung und Reichs­landbund hat in politischen Kreisen die Annahme verstärkt, daß der in den scharfen Entschließungen des Reichslandbundes einerseits und des R e i ch s v e r b a n d e s der Deutschen In­dustrie anderseits zum offenen Ausbruch gekom­mene Gegensatz zu einer Neubesetzung der Ministe­rien für Ernährung und Wirtschaft Anlaß geben wird. (Es ist nicht ausgeschlossen, daß hierbei jetzt die Anregung des deutschnationalen Parteiführers verwirklicht wird, beide Ministerien in einer Art K r i s e n m i n i st e r i u m" unter einheitlicher per­sönlicher Führung zusammenzufassen.

Einberufung des Ae teflenrats des Reichstags.

Berlin, 13. Jan. (TL1.) Der 2le liest en- rat des Reichstages ist nunmehr zu der seit längerer Zeit beabsichtigten Sitzung für Freitag, 2 0. 3 a n u a t, einberufen wordcn.

Es soll in dieser Sitzung Beschluß gefaßt werden über die Tagesordnung der nächsten Reichstags- sihung.

Oer Konflikt mit dem Rerchstandbund.

Berlin, 13. 3an. (XU.) Das Schreiben des Reichslandbundes an den Reichs­präsidenten wird tn politischen Kreisen da­hin beurteilt, daß die Führung des Reichsland­bundes damit ihre ungeschmälerte Ver­bundenheit mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg zum Ausdruck bringen wollte. 3it Kreisen der Reichsregierung wird jedoch die Darstellung, die der Landbundvräsident von Sybel in der Oesfentlichkeit über die Bor- geichichte des Konfliktes gegeben hat, in wesent­lichen Punkten für unrichtig erklärt. So habe der Reichskanzler nach Beendigung des offiziellen Empfangs beim Reichspräsidenten nicht durch ihn, von Sybel, von dem Wortlaut der vorher ge- fahien En Schließung des Reichslandbundes Kennt­nis erhalten, sondern erst durch d'c Presse. Auch fei die über den Empfang herau^gegebene amt­liche Mitteilung nicht mit von Sybel ausgear­beitet worden, sondern, da ja der Reichspräsi­dent die Einladungen hatte ergehen lasten, vom Bureau des Reichspräsidenten selbst.

Ob das Schreiben des Reichslandbundes an den Reichsprästdenlen geeignet ist, den Konflikt auch m t der Reichsregierung zu beheben, steht noch dahin. Die Reichsregierung stand jedenfalls bisher auf dem Standpunkt, daß die amtliche Vertretung der landwirtschaftlichen Interessen durch den Landwir.schaftsrat und

Alles für die Westfront!"

Neue Hetze des polnischen Westmarkenvereins gegen Deutschland.

Kattowitz, 12. Jan. (Tdl.) Der West­markenverein hat an sämtliche Ortsgruppen eine Kundgebung erlassen, in der das Pro­gramm des We st markenvereins für das Jahr 1 9 3 3 sestgelegt ist. In der Kund­gebung wird zunächst betont,

daß es in Polen keinen Menschen gebe, der aus irgendwelchen Gründen eine Aussprache über die Abtrennung auch nur des geringsten Teiles derrein polnischen" Provinzen Oberschlesien, Posen und Pommerellen zulassen würde. Ebenso dürfte es in (Europa keinen Menschen geben, der nicht wüßte, daß jeder Anschlag auf die polnische wesigrenze den Krieg bedeuten würde, und zwar einen Krieg des ganzen polnischen Volkes, der bis zum endgültigen Siege durchgeführt werden würde. Man dürfe nicht vergessen, daß die Revisionsabsichten Deutschlands auf polni­scher Seite eine entschiedene Kampfbereitschaft hervoraerusen hätten, so daß schon jetzt alles mobilisiert werde, um der deutschen Revisions­aktion sofort entgegentreten zu können.

Der Aufruf beschäftigt sich weiter mit der ..be­sonderen Propagandatätigkeit' der deutschen Sen­der und erwähnte vornehmlich die Eröffnungs­feierlichkeit der Ostpreuhen-Ausstellung in Berlin. Von den Polen werde die Anwendung wirksamer Mittel zur älnterbindung dieserHetz­propaganda. bei welcher deutsche Vehördenvertre- ter systematisch in der Rolle politischer Agitatoren gegen den Versailler Vertrag und die jetzige Grenze auftreten", verlangt. Diesem Abwehr­kampf mühten sich auch die polnischen Sender an» schließen.

Einen größeren Raum widmet der Ausruf der polnischen Minderheit in Deutsch­

land. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß die deutsche Minderheit ständig Beschwerde über die angebliche polnische Bedrückung vor dem Völker­bund führe. Polen habe zwar kein Interesse dar­an, irgend einer Minderheit die ihr zustrhendrn Rechte zu kürzen, müsse aber gleichzeitig die Wahrung der Rechte der über eine Million star­ken polnischen Minderheit in Deutschland ver­langen.

Die größte Aufmerksamkeit müsse sowohl seitens der polnischen Behörden, wie auch der Bevölke­rung der Westgrenze gewidmet werden. Das Losungswort für das Jahr 1933 müsse laufen: Alles für die Westfront!"

Der Aufruf ist von namhaften Persönlichkeiten, u. a. auch von dem früheren polnischen Außen­minister Z a l e s k i unterzeichnet.

Alle deuischen Inschriften verboten!

Dir schau, 13. Jan. (ERD.) Der vor kurzer Zeit aus Kongreß polen hierher versetzte S t a r o st hat verfügt, daß alle deutschen Gewerbetreibenden auf ihren Firmen­schildern und Schauie.iste.n alle deutschen Inschriften zu entfernen und durch pol­nische Inschriften zu ersetzen haben. Bei Zuwider­handlungen gegen diese Anordnung werden hohe Strafen angedroht. Der evangelischen Kirche in Dir sch au ist ausgegeben worden, den deutschen Bibelspruch aus dem Tor­bogen nach dem Friedhof und deutsche Inschrif­ten an den Gemeindegebäuden und Kirchen s o - fort zu entfernen, andernfalls hohe Stra­fen in Aussicht gestellt werden.

1921 ist die Einwohnerzahl Böhmens auf 7,2 Mil­lionen gestiegen. Das bedeutet ein Wachstum der Tschechen um 7,5, der Deutschen um 4,5 Prozent. Trotzdem wird der tschechische Wirtschaftskampf die Deutschen vor so außerordentlich erschwerte Wirt­schaftsbedingungen stellen, daß die Zukunft der Deutsch-Böhmen keineswegs gesichert ist. Wohin der Blick über unsere Grenzen fällt, überall kämpft deutsches V o ( k s t u m um seinen B e - st a n d. In diesem Kampf ist es einig mit den übri­gen Minderheiten Europas, die Deutschlands beste Verbündete im Kampf gegen die Rechtsordnung von Versailles sind. Aufgabe der deutschen Außenpolitik ist es, künftighin den alten Plan Stresemanns zu verwirklichen und eine durch alle europäischen Staa­ten hindurchgehende Minderheitenfront für Recht und Gesetzlichkeit aufzurichten. Hat Deutschland erst diesen Kampf um das Recht ge­wonnen. fo braucht es nicht bange zu fein um die Machtkämpfe, die sich später einmal entwickeln werden.

DieReichsverwaltungsreform zurückgestelti.

Darmstadt, 13. Jan. (WSR.) Das hessi­sche Regierungsorgan, dieDarmstädter

Zeitung", schreibt heute: Wie verlautet, ist die Vorlage über die Aufhebung von mitt­leren und unteren Behörden in der Reichsfinanzverwaltung, Reichspostverwaltung und Reichsarbeitsverwaltung einstweilen zu- rückgestellt worden. Die Kabinettvorlage, die die Form einer Denkschrift trug, war unter der Kanzlerschaft Papens von den beteiligten Res­sorts ausgearbeitet worden. Die Reichsregierung hatte beschlossen, mit den beteiligten L ä n d er - regierungen in Verhandlung über diese Vor­lage und damit über die Form der kleinen Derwaltungsreform einzutreten. Diese Verhandlungen wurden zum Teil auch begonnen, jedoch nicht zu Ende geführt, da das Kabinett Popen stürzte. Reichskanzler von Papen hatte u. a. die Absicht, bei seinen Staatsbesuchen in den Ländern über diese Dinge zu sprechen. Das Kabinett von Schleicher hat darauf ver­zichtet, diese Reform voranzutreiben, auch sind die Verhandlungen in den Ländern noch nicht weitergeführt worden, oder zum Ab­schluß gekommen, so daß es mit der Durchfüh­rung der kleinen Verwaltungsreform noch gute Weile hat. Es war im übrigen auch vorgesehen, daß die Reichsverwaltungsreform im Zuge eines Fünfjahresplans durchgeführt werden sollte. Don Seiten der Länderregierungen

ist der Reichskanzler von Schleicher darauf aufmerksam gemacht worden, daß auch die Durch­führung der Derwaltungsre'orm in der jetzigen Krisenzeit bei den betroffenen Ländern und Ge­meinden neue Beunruhigung schaffen würde.

Ser deutsche Militärattache n Prag.

Dresden, 13. Jan. (TTl.) Eine Prager Zeitung teilte vieler Tage mit, daß Oberst von Falkenhorst, Chri des S.abes der 4. Diviiion in Dresden, als Militär attach e in Prag in Aussicht genommen fei. Wie wir von zustän­diger Seite erfahren, trifft diese Meldung zu.

Neue britische Reichswirtfchaste - Konferenz?

Ottawa, 13. Jan. (WTB. Funkspruch) Die kanadische Regierung steht gegenwärtig mit den Regierungen des britischen Reiches, die an der Ottawa-Konferenz teilnahmen, in Füh­lung, um sich über einen geeigneten Termin für die Einberufung einer Konferenz in London zu einigen, auf der weitere Einzelheiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb des Reiches erwogen werden sollen.