Nr. 12 Srttbausgabe
185. Jahrgang
Samstag, 14. Januar 1955
GietzenerAMiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Deutschtum im Kampf.
Das Jahr 1933 muß die deutsche Außenpolitik aus der seither erduldeten Abwehr von Uebergriffen und Rechtsbeugungen wieder zurückführen zu einem planmäßigen Angriff zu Gunsten der um ihren Bestand ringenden Deutschtumsinseln in Europa. Dieser Volkstumskampf, der eine Angelegenheit der ganzen Nation ist, hat zu erfolgen nicht nur um des Kampfes oder des Angriffs willen, der ein innenpolitisch oerkämpftes Volk zu einer außenpolitischen Schiksalsgemeinschast zusammenzuschweißen vermag, sondern Stampf und Angriff gehen u m klare Rechtsgrundsätze, die längst verbrieft und versiegelt sind und über die der Völkerbund zu wachen hätte, wenn der Völkerbund überhaupt einen Sinn hat. Deutschland kämpft diesen Kampf nicht nur für fein eigenes Volkstum, sondern es ist wie kein zweiter Staat in Europa berufen, das Schicksal aller unterdrückten Minderheiten zu dem Seinen zu machen und eine unterirdische Volksfront gegen die unnatürliche Staatenfront der ungerechten Friedensdiktate aufzurichten.
Deutschland hat innerhalb seiner Grenzen keine nennenswerte Minderheit, die etwa den Anschluß an einen Nachbarstaat suchte. Von den 100 Millionen Deutschen in Europa sind jedoch nur 60 Millionen staatlich im Reich vereinigt. Da bei den ineinander übergehenden Volksgrenzen in Europa nationalstaatliche Lösungen auf die Dauer ohnehin unmöglich sind, hat also Deutschland eine zumindest mitteleuropäische Föderatividee zu vertreten, die allen Volkstümern und Volkssplittern sowohl die kulturelle Autonomie, als auch die Selbstverwal- hing sichert. Nimmt Deutschland diesen Kampf auf unö führt es ihn zu einem erfolgreichen Ende, so sichert es sich außenpolitische Positionen von einem Ausmaße, wie selbst ein gewonnener Weltkrieg Deutschland nicht hätte verschaffen können.
Der frühere Reichswehrminister Dr. G e ß 1 e r hat dieser Lage als Vorsitzender für das Deutsch- t ii m im Auslande einige Zahlen über den Stand der Minderheitenfrage veröffentlicht, die nicht nur zur Kenntnis der fachlich Interessierten gelangen dürfen, sondern die zum politischen Rüst- zeug und gewissermaßen zum politischen „eisernen Bestand" aller Deutschen gehören müssen. 40 Millionen Menschen in Europa werden durch die überspannte Nationalstaatsidee als Minderheiten unterdrückt. Die Kämpfe zwischen diesen 40 Millionen, die immer noch 10 Millionen mehr betragen als die Einwohnerzahl Rumäniens und Jugoslawiens zusammen, lähmen Kultur und Wirtschaft in ganz Mitteleuropa, sie führen durch die Terrormaßnah- men der sogenannten „Staatsvölker" zu einer allgemeinen Rechtlosigkeit und zu einer Verödung des kulturellen Lebens überhaupt. Deutschland und das ganze Abendland entrüsten sich über die Schließung von Kirchen in Rußland. Dabei sind seit 1920 den Minderheiten nicht weniger als 2500 Kirchen zwangsweise weggenommen und teilweise zerstört worden. Weit über 7000 muttersprachliche Schulen wurden ohne jeden Grund geschlossen, damit die Kinder in einer anderen Sprache und Kultur als der ihres Volkstums erzogen werden können. 12 Millionen Hektar Land sind zwangsenteignet worden, damit es an die Angehörigen der sog. Mehrheitsvölker verteilt werden konnte.
Am härtesten wurden selbstverständlich überall die deutschen Minderheiten betroffen. Im Kampf gegen das Deutschtum stehen leider auch solche Staaten in vorderster Front, mit denen uns politische Freundschaft verbündet. Es sei hier nur an Italien erinnert, das die Deutschen in Südtirol brutal unterdrückt, oder es seien die neuesten Ergebnisse der ungarischen Volkszählung aufgeführt, nach der sich innerhalb von wenigen fahren die Zahl der Ungarn um 845 000 vermehrt, die Zahl der Deutschen dagegen sich um 72000 verringert haben soll. Allein in der Umgebung von Budapest soll das Deutschtum um 26 000 Seelen zurückgegan- gen sein. Wenn es auch wahrscheinlich ist, daß Ungarn zu höchst zweifelhaften Praktiken gegriffen hat, um das Ergebnis der Volkszählung zu verfälschen, so bleibt doch als Tatsache bestehen, daß gerade Ungarn, das in Genf zu den lautesten Rufern für einen Minderheitenschutz gehört, am unerbittlichsten die eigenen Minderheiten auszurotten versucht.
Im ganzen deutschen D ft e n brennt die Grenze. Die geschickte polnische Propaganda versucht die Welt davon zu überzeugen, daß das gesamte Weichselland urpolnisches Gebiet sei. Und obwohl bei der Abstimmung im Weickstelkorridor 92 5 Prozent der Bevölkerung sich für Deutschland aussprachen, mußte ganz Westpreußen Polen überantwortet werden. In Litauen und Lettland wird den Deutschen heute noch ein Sonderrecht auf- gezwungen, das die Enteignung von Kirchen ermöglicht. Ostpreußen liegt mit 24^Millionen Einwohnern mitten in der slawischen Flut. Und obwohl bei der letzten Reichstagswahl noch nicht 0,1 Prozent Stimmen für polnische Listen abgegeben wurden, erhebt Polen Anspruch auf diese deutsche Insel im Osten. Wo politische Mittel nicht mehr ausreichen, greift man zum wirtschaftlichen Boykott. So ist z. B. der ostpreußische Handelsverkehr mit dem entrissenen Korridorgebiet, der 1913 27 Prozent des Gesamtoerkehrs betrug, heute auf 2 Prozent zurückgegangen. Gegen Danzig führt Polen einen skrupellosen Dernichtungskampf. Erst vor kurzem ist zwischen dem polnischen Kriegshafen Gdingen und dem geraubten oberschlesischen Industriegebiet eine Nordsüdbahn dem Verkehr übergeben worden, die sowohl strategischen als auch wirtschaftspolitischen Zwecken dient. Das Protektorat über diesen unerhört kostspieligen Bau übernahm die größte europäische und französische Rüstungsfirma Schneider-Creuzot.
In der Tschechoslowakei vermochte sich trotz härtester Bedrückung das Deutschtum zu halten. Seit
Reue politische Gespräche in Berlin.
Hugenberg beim Reichskanzler. — preffekombinationen um Straßer.
Berlin, 13. Jan. (TU.) (Eine Unterredung zwischen Reichskanzler o. Schleicher und dem Führer der DNvP., hu gen berg, die in der Benö- lerstraße ftattfauö, hat gegen 17.30 Uhr begonnen und etwa zweieinoiertel Stunden gedauert, lleber den Verlauf der Unterredung werden von zuständiger Stelle feinerfei Mitteilungen gemacht.
Die Besprechung zwischen hugenberg und dem Reichskanzler, die auf Veranlassung des Kanzlers stattfand, hat in Berliner politischen Kreisen beträchtliches Auf.ehen erregt Welche Bedeutung der Unterredung zukommt läßt sich jedoch nur schätzen, da von beiden Seiten über die Unterredung strengstes Stillschweigen bewahrt wird.
Die „D A 3-“ meint, daß die Aussprache sich auf die politische Lage erstreckt habe, und zwar im Zuge der Sondierungen, die der Lnt,cheidung des Aette- ftenrafs über den Zusammentritt des Reichstages vorangingen. Gesprächsstoff genug für die Unterredung sei wohl vorhanden gewesen, da in letzter Zeit verlautet habe daß die Deutschnationa- l e n in eine scharfe Opposition gegen das Kabinett Schleicher zu treten beabsichtigten.
Die „Tägliche Rundschau" gibt der Ansicht Ausdruck, daß der Konflikt mit dem Landbuud die Umbildung des Kabinetts Schleich e r in den Vordergrund gerückt habe. Sie werde wahrscheinlich nach dem Zusammentritt des Reichstages am 24. Ianuar akut werden. Line Ergänzung des Kabinetts durch Stegerwald, Gregor Straßer, Persönlichkeiten der NSDAP., des Stahlhelms und der nationalen Rechten schienen in Frage zu kommen. In den Besprechungen des Kanzlers werde vor allem auch die Frage der Regierungsumbildung berührt. Ls gelte als wahrscheinlich, daß Gregor Straßer in das Kabinett eintreten werde, wahrscheinlich als Vizekanzler und ReichskommisfarinPreußen. Ob die NSDAP, darüber hinaus sich an der Regierung beteiligen werde, hänge von der Haltung Adolf Hitlers ab. Bei der Stellung des Vizekanzlers sei an eine aktivistische Umbildung des Postens gedacht. Arbeitsbeschaffung, Siedlung, Iugendertüchtigung, Geldbeschaffung nsw. seien praktisch nicht voneinander zu trennen, da sie Teilgebiete eines großen zusammenhängenden Komplexes seien. Sie zwängen dazu, innerhalb des Kabinetts eine Art Aktionsausschuß zu gründen, von dem die großen Reformen und Umstellungen getragen und durchgeführt würden. Das zweite (Erfordernis der heutigen autoritären Regierung erwachse daraus, daß die Regierung sich auf dem parlamentarischen Wege, oder über die bestehenden Parteien keine Gefolgschaft im Volke mehr verschaffen könne. Sie komme nicht darum herum, in den Bereich der Parteien-Verdände und Organisationen einzubrechen und sich eine eigene Formation zu gründen, mit der sie das Volk zur Gefolg'chast aufrufen könne. Beide Aufgaben aber, die Leitung des Aktionsausschusses und die Führung einer Volksorganisation, würden den Kanzler überlasten und ihn zudem zu sehr auf eine Diktatur hindrängen. Jnfolgede'sen werde die Frage der (Entlüftung und Stellvertretung des Kanzlers entscheidend. Der Kanzler komme nicht herum, den Posten des vizekanz- , lers zu feiner (Entlastung und Vertretung zu besehen und auszubauen. (Es handele sich entweder um eine Konzentration der Kommissariate beim Vizekanzler, also um eine gewisse Arbeitsteilung im Kabinett — der Kanzler würde das Kabinett, der Vizekanzler den Aktionsausschuß leiten — oder auch um eine nähere Beziehung des
Vizekanzleramtes zu der notwendigen Organisation der Gefolgschaft im Volke.
Die „Deutsche Zeitung" bemerkt, daß die Uebernaljme eines vereinigten Wirtschaftsministeriums (Krisenministerium) durch hugenberg von grundsätzlichen Voraussetzungen abhängig sei, zu deren (Erfüllung Herr von Schleicher bisher noch keine Anstalten gemacht habe. Ganz abwegig sei der von einer nicht ganz unmaßgeblichen Stelle propagierte Plan eines Kabinetts Schleicher, hugenberg (Wirtschaft), Straßer (Inneres), Stegerwald (Arbeit), Brüning (Aeußeres).
Der Konflikt zwischen Reichsregierung und Reichslandbund hat in politischen Kreisen die Annahme verstärkt, daß der in den scharfen Entschließungen des Reichslandbundes einerseits und des R e i ch s v e r b a n d e s der Deutschen Industrie anderseits zum offenen Ausbruch gekommene Gegensatz zu einer Neubesetzung der Ministerien für Ernährung und Wirtschaft Anlaß geben wird. (Es ist nicht ausgeschlossen, daß hierbei jetzt die Anregung des deutschnationalen Parteiführers verwirklicht wird, beide Ministerien in einer Art „K r i s e n m i n i st e r i u m" unter einheitlicher persönlicher Führung zusammenzufassen.
Einberufung des Ae teflenrats des Reichstags.
Berlin, 13. Jan. (TL1.) Der 2le liest en- rat des Reichstages ist nunmehr zu der seit längerer Zeit beabsichtigten Sitzung für Freitag, 2 0. 3 a n u a t, einberufen wordcn.
Es soll in dieser Sitzung Beschluß gefaßt werden über die Tagesordnung der nächsten Reichstags- sihung.
Oer Konflikt mit dem Rerchstandbund.
Berlin, 13. 3an. (XU.) Das Schreiben des Reichslandbundes an den Reichspräsidenten wird tn politischen Kreisen dahin beurteilt, daß die Führung des Reichslandbundes damit ihre ungeschmälerte Verbundenheit mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg zum Ausdruck bringen wollte. 3it Kreisen der Reichsregierung wird jedoch die Darstellung, die der Landbundvräsident von Sybel in der Oesfentlichkeit über die Bor- geichichte des Konfliktes gegeben hat, in wesentlichen Punkten für unrichtig erklärt. So habe der Reichskanzler nach Beendigung des offiziellen Empfangs beim Reichspräsidenten nicht durch ihn, von Sybel, von dem Wortlaut der vorher ge- fahien En Schließung des Reichslandbundes Kenntnis erhalten, sondern erst durch d'c Presse. Auch fei die über den Empfang herau^gegebene amtliche Mitteilung nicht mit von Sybel ausgearbeitet worden, sondern, da ja der Reichspräsident die Einladungen hatte ergehen lasten, vom Bureau des Reichspräsidenten selbst.
Ob das Schreiben des Reichslandbundes an den Reichsprästdenlen geeignet ist, den Konflikt auch m t der Reichsregierung zu beheben, steht noch dahin. Die Reichsregierung stand jedenfalls bisher auf dem Standpunkt, daß die amtliche Vertretung der landwirtschaftlichen Interessen durch den Landwir.schaftsrat und
„Alles für die Westfront!"
Neue Hetze des polnischen Westmarkenvereins gegen Deutschland.
Kattowitz, 12. Jan. (Tdl.) Der Westmarkenverein hat an sämtliche Ortsgruppen eine Kundgebung erlassen, in der das Programm des We st markenvereins für das Jahr 1 9 3 3 sestgelegt ist. In der Kundgebung wird zunächst betont,
daß es in Polen keinen Menschen gebe, der aus irgendwelchen Gründen eine Aussprache über die Abtrennung auch nur des geringsten Teiles der „rein polnischen" Provinzen Oberschlesien, Posen und Pommerellen zulassen würde. Ebenso dürfte es in (Europa keinen Menschen geben, der nicht wüßte, daß jeder Anschlag auf die polnische wesigrenze den Krieg bedeuten würde, und zwar einen Krieg des ganzen polnischen Volkes, der bis zum endgültigen Siege durchgeführt werden würde. Man dürfe nicht vergessen, daß die Revisionsabsichten Deutschlands auf polnischer Seite eine entschiedene Kampfbereitschaft hervoraerusen hätten, so daß schon jetzt alles mobilisiert werde, um der deutschen Revisionsaktion sofort entgegentreten zu können.
Der Aufruf beschäftigt sich weiter mit der ..besonderen Propagandatätigkeit' der deutschen Sender und erwähnte vornehmlich die Eröffnungsfeierlichkeit der Ostpreuhen-Ausstellung in Berlin. Von den Polen werde die Anwendung wirksamer Mittel zur älnterbindung dieser „Hetzpropaganda. bei welcher deutsche Vehördenvertre- ter systematisch in der Rolle politischer Agitatoren gegen den Versailler Vertrag und die jetzige Grenze auftreten", verlangt. Diesem Abwehrkampf mühten sich auch die polnischen Sender an» schließen.
Einen größeren Raum widmet der Ausruf der polnischen Minderheit in Deutsch
land. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß die deutsche Minderheit ständig Beschwerde über die angebliche polnische Bedrückung vor dem Völkerbund führe. Polen habe zwar kein Interesse daran, irgend einer Minderheit die ihr zustrhendrn Rechte zu kürzen, müsse aber gleichzeitig die Wahrung der Rechte der über eine Million starken polnischen Minderheit in Deutschland verlangen.
Die größte Aufmerksamkeit müsse sowohl seitens der polnischen Behörden, wie auch der Bevölkerung der Westgrenze gewidmet werden. Das Losungswort für das Jahr 1933 müsse laufen: „Alles für die Westfront!"
Der Aufruf ist von namhaften Persönlichkeiten, u. a. auch von dem früheren polnischen Außenminister Z a l e s k i unterzeichnet.
Alle deuischen Inschriften verboten!
Dir schau, 13. Jan. (ERD.) Der vor kurzer Zeit aus Kongreß polen hierher versetzte S t a r o st hat verfügt, daß alle deutschen Gewerbetreibenden auf ihren Firmenschildern und Schauie.iste.n alle deutschen Inschriften zu entfernen und durch polnische Inschriften zu ersetzen haben. Bei Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden hohe Strafen angedroht. Der evangelischen Kirche in Dir sch au ist ausgegeben worden, den deutschen Bibelspruch aus dem Torbogen nach dem Friedhof und deutsche Inschriften an den Gemeindegebäuden und Kirchen s o - fort zu entfernen, andernfalls hohe Strafen in Aussicht gestellt werden.
1921 ist die Einwohnerzahl Böhmens auf 7,2 Millionen gestiegen. Das bedeutet ein Wachstum der Tschechen um 7,5, der Deutschen um 4,5 Prozent. Trotzdem wird der tschechische Wirtschaftskampf die Deutschen vor so außerordentlich erschwerte Wirtschaftsbedingungen stellen, daß die Zukunft der Deutsch-Böhmen keineswegs gesichert ist. Wohin der Blick über unsere Grenzen fällt, überall kämpft deutsches V o ( k s t u m um seinen B e - st a n d. In diesem Kampf ist es einig mit den übrigen Minderheiten Europas, die Deutschlands beste Verbündete im Kampf gegen die Rechtsordnung von Versailles sind. Aufgabe der deutschen Außenpolitik ist es, künftighin den alten Plan Stresemanns zu verwirklichen und eine durch alle europäischen Staaten hindurchgehende Minderheitenfront für Recht und Gesetzlichkeit aufzurichten. Hat Deutschland erst diesen Kampf um das Recht gewonnen. fo braucht es nicht bange zu fein um die Machtkämpfe, die sich später einmal entwickeln werden.
DieReichsverwaltungsreform zurückgestelti.
Darmstadt, 13. Jan. (WSR.) Das hessische Regierungsorgan, die „Darmstädter
Zeitung", schreibt heute: Wie verlautet, ist die Vorlage über die Aufhebung von mittleren und unteren Behörden in der Reichsfinanzverwaltung, Reichspostverwaltung und Reichsarbeitsverwaltung einstweilen zu- rückgestellt worden. Die Kabinettvorlage, die die Form einer Denkschrift trug, war unter der Kanzlerschaft Papens von den beteiligten Ressorts ausgearbeitet worden. Die Reichsregierung hatte beschlossen, mit den beteiligten L ä n d er - regierungen in Verhandlung über diese Vorlage und damit über die Form der kleinen Derwaltungsreform einzutreten. Diese Verhandlungen wurden zum Teil auch begonnen, jedoch nicht zu Ende geführt, da das Kabinett Popen stürzte. Reichskanzler von Papen hatte u. a. die Absicht, bei seinen Staatsbesuchen in den Ländern über diese Dinge zu sprechen. Das Kabinett von Schleicher hat darauf verzichtet, diese Reform voranzutreiben, auch sind die Verhandlungen in den Ländern noch nicht weitergeführt worden, oder zum Abschluß gekommen, so daß es mit der Durchführung der kleinen Verwaltungsreform noch gute Weile hat. Es war im übrigen auch vorgesehen, daß die Reichsverwaltungsreform im Zuge eines Fünfjahresplans durchgeführt werden sollte. Don Seiten der Länderregierungen
ist der Reichskanzler von Schleicher darauf aufmerksam gemacht worden, daß auch die Durchführung der Derwaltungsre'orm in der jetzigen Krisenzeit bei den betroffenen Ländern und Gemeinden neue Beunruhigung schaffen würde.
Ser deutsche Militärattache n Prag.
Dresden, 13. Jan. (TTl.) Eine Prager Zeitung teilte vieler Tage mit, daß Oberst von Falkenhorst, Chri des S.abes der 4. Diviiion in Dresden, als Militär attach e in Prag in Aussicht genommen fei. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, trifft diese Meldung zu.
Neue britische Reichswirtfchaste - Konferenz?
Ottawa, 13. Jan. (WTB. Funkspruch) Die kanadische Regierung steht gegenwärtig mit den Regierungen des britischen Reiches, die an der Ottawa-Konferenz teilnahmen, in Fühlung, um sich über einen geeigneten Termin für die Einberufung einer Konferenz in London zu einigen, auf der weitere Einzelheiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb des Reiches erwogen werden sollen.


