Ausgabe 
13.11.1933 Drittes Blatt
 
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Heilquellenschutzes dargelegt. Im Zusammenhang mit dem Auftreten der verschiedenen Mineralquellen werden weiter die Derwertungsmöalichkeiten von Quellenkohlensäure, die Mineralwasserindustrie, die Salzgewinnung und die oberhessischen Bäder be­sprochen. Dabei wird jeweils darauf hingewiesen, welche volkswirtschaftliche Bedeutung die auf den Mineralquellen aufgebauten Industrien für unsere engere Heimat haben. Zum Schlüsse werden noch die Naturgesetze erläutert, aus Grund derer die Sprudel springen und das plötzliche Hervorbrechen des großen Bad-Nauheimer Sprudels erklärt. Mit diesen Zeilen soll nochmals um recht zahlreichen Besuch der Veranstaltung gebeten werden.

Taten für Montag, 13. November

354: Der Kirchenlehrer Aurelius Augustinus in Tagaste in Numidien geb. (gest. 430). 1504: Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen in Marburg geb. (gest. 1567). 1848: Der Musik- schriftsteller Hans von Wolzogen in Potsdam geb. 1862: Der Dichter Ludwig Uhland in Tübingen gest. (geb. 1787). 1868: Der italienische Kompo- nist Gioachino Rossini in Ruelle bei Paris gest. (geb. 1792). 1923: Stabilisierung der Mark

&ornoti,Kn

Tage skalender für Montag: Volks- Hochschule, 20.15 Uhr, Neues Studentenhaus, Leih-

aefterner Weg 16, Eröffnungs-Versammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Walzerkrieg" mit Renate Müller und Willy Fritsch.

* Ruhestandsoersetzungen Das Hes­sische Personalomt teilt mit: Am 28. Oktober 1933 wurde der Landgenchtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, Amtsgerichtsdirektor Jakob Keller, auf sein Rachjuchen mit Wirkung vom 1. April 1934 unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste und des im nationalen Interesse gekündeten Opfersinns mit dem gesetzlichen Ruhegeholt in den Ruhestand versetzt. Aus Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten trat am 1 Oktober 1933 der Bürodirektor Philipp Faust bei dem Hessischen Staatsbad Bad-Nauheim unter Anerkennung für die dem Staat geleisteten treuen Dienste in den Ruhestand.

''Zug der Schneegänse Am Samstag­nachmittag, also reichlich später in der Jahreszeit als in sonstigen Jahren, überflogen in der Zeit von 12 40 bis 12.45 Uhr elf Schneegänse in mäßiger Höhe den Nordteil unserer Stadt. Es ist anzunehmen, daß sie sich in der Richtung geirrt hatten, sie kamen vom Nordwesten und verschwanden in der Richtung Ost- Südosten

Wmlerhilsswerk in der Stadl Gießen.

Bekanntmachung.

Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß sich das Büro des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes für die Stadt in der Alten K l i- nik, Liebig st raße, Erdgeschoß rechts, befindet.

Anträge und dergleichen sind nur dort zu stellen. Irgendwelches Vorsprechen bei dem Kreisführer des Winterhilfswerkes am Kreisamt ist zwecklos und wird hiermit ausdrücklich verboten.

Die Zellen- und Blockwalter werden ersucht, die hilssbedurstigen Volksgenossen aus das Büro in der Alten Klinik zu verweisen

Gleichzeitig wird hiermit nochmals ausdrücklich verboten, die Ortsgruppenwalter der NSV. in ihrer Wohnung wegen irgendwelcher Unterstützungsange­legenheiten aufzusuchen. Hierfür ist einzig und allein die eingerichtete Geschäftsstelle in der alten Klinik zuständig.

Kohlenversorgung.

Für die zur Ausgabe gekommenen Kohlenzu- weisungsscheine ist in der Stadt Gießen eine An­erkennungsgebühr von 0,20 Mk. pro Zentner zu entrichten

Heil Hitler

K l ö ß, Kreisleiter des W. H. W.

EmMmnOesneiienpsamrs-erpetmsgememde

In einem stark besuchten Gottesdienst, bei dem gestern die Kapelle der Petrusgemeinde bis auf den letzten Platz gefüllt war, fand die feierliche Ein­führung des neuen Seelsorgers der Petrusgemeinde, Pfarrers trapp (bisher in Ulrichstein im Seelsorgeramt) statt.

Die Einführung wurde von Dekan G u ß m a n n (Kirchberg) bei Lollar vorgenommen, der in seiner Ansprache an den neuen Geistlichen und an die Gemeinde über Iesaia 52,7 (Herrlichkeit und Auf­gaben des evangelischen Predigtamtes) zunächst des verstorbenen Pfarrers der Petrusgemeinde Lic. Waas, gedachte, hierauf mit kurzen Worten auf das große nationale Geschehen unserer Zeit hin- wies und anschließend die Aufgaben und die rechte Arbeit eines evangelischen Pfarrers an und in sei­ner Gemeinde bei dem großen nationalen Umbruch in Volk und Vaterland, evangelischer Kirche und Familie kennzeichnete. Im Anschluß an die An- spräche des Dekans erfolgte die Verpflichtung des neuen Pfarrers.

Pfarrer Trapp brachte in feiner Antrittspre­digt über Eoang. Johannes 7, 37/38 zum Ausdruck: In einem der ganz großen Iesusworte beschreibt der Herr in einfachem, jedem verständlichen Bild fein Amt: Dürften und Verlangen des Menschen- herzens zu stillen. Unter der sengenden Sonne des Orients kannte man den Durst und seine Qualen, wie unsere Soldaten ihn im Krieg kennen lernten. Wie da der Trinkende sich wie neugeboren fühlt, so auch der, der bei Jesus Erfüllung seines Seh­nens und Dürstens findet. Auch wer solch gewalti­ges Verlangen seiner Seele nicht eingestehen oder es betäuben will, hat es oft und lebt stärker und tiefer aus feiner Erfüllung, findet mehr Sättigung an den Brunnen ewigen Lebens als er selber weiß. Nur Jesus kann uns so Großes verheißen und bringen fein Mensch könnte es. Sein Evange­lium wirkt als wunderbare Gotteskraft auch in unserer Stadl. Sie darf sich eine kerndeutsche Stadt nennen, stand oft aufrecht, ungebrochen für Die deut­

sche Sache ein und wird es gewiß auch heute wieder tun; wie viele Vertriebene haben im Rhein- und Ruhrkampf hier Ausnahme und Stärkung gefun­den! Darüber hinaus darf sie stolz sein, eine alte Stätte evangelischer Predigt und evangelischen Glaubens zu sein, manches Mal ist ihr evangelischer Charakter leuchtend hervorgetreten, so beim großen Gustav-Adolf-Jest 1925. Evangelischer Glaube soll fest gegründet stehen, auch in unserer Petrusge­meinde und seine Herrlichkeit an vielen unter uns erweisen, auf daß Ströme lebendigen Wassers von ihr ausgehen.

Der bisherige Lebensweg des neuen Pfarrers.

Aus dem Lebensgang des neuen Pfarrers ist zu erwähnen: *

Otto Trapp, geboren zu Gießen am 11. Febr. 1897 als Sohn des Oberstudienrats Dr. 9t. Trap p, trat im August 1914 nach bestandenem Kriegs- maturum 17jährig als Kriegsfreiwilliger beim Infanterie-Regiment Nr. 116 in Gießen ein und rückte im September mit den 222ern aus. Mit den Regimentern 222 und 224 war er sowohl im Osten wie im Westen, wurde zweimal verwundet, erhielt 1917 das E. K II. und geriet bei den Rückzugs- kämpfen Ende August 1918 als Leutnant in eng­lische Gefangenschaft. Im November 1919 nach Deutschland zurückgekehrt, studierte er in Gießen, Berlin und Marburg Theologie, bestand 1923 die erste und nach einjährigem Besuch des Friedberger Dredigerseminars 1924 die zweite theologische Prü­fung. 1925/26 war er ein Jahr lang Vikar beim evangelischen Pfarramt Amstetten in Nieder-Oester­reich. Im März 1926 wurde er Pfarrassistent in Mümling-Grumbach im Odenwald, im August 1927 Pfarrer in dem Bergstädtchen Ulrichstein im Vogels bexg. Don dort kam er jetzt an die Petrusgemeinde na* Gießen als Nachfolger ihres ersten, im Juni verstorbenen Seelsorgers Lic. Friedr Waas

Obecheffen.

Fahnenweihe der Hitlerjugend, Gefolgschaft 1/254 Friedberg.

Friedberg, 12 Noo. Am Mittwochabend zag der gesamte Unterbann Friedberg hinaus zum Steinernen Kreuz, wo der Oberbannführer Rupp­recht Hainer die Besichtigung nach Gefolgschaf­ten vornahm. In die Stille hinein tönte der Glocken­

schlag Zwölf vom Turm Der Liebsrauenkirche zu Friedberg und kündete, Daß ein neuer Tag ange­brochen war, ein Tag, schicksalhaft in der deutschen Geschichte. R. Hainer begrüßte die ältesten Kämpfer, die auch in den Jahren Der Verfolgung treu zur Fahne geftanDen hatten, Durch Handschlag. Im Kreis Der Fackeln sprach Dann Bannführer Di11emuth.Zum zehnten Male jährt sich ein Tag, Der uns unvergeßlich ist unD bleiben wirb. Schwere Zeiten hat Deutschland erlebt, schwere Stürme sinD über unser Vaterland hinweggebraust. Aber wir haben an Den Führer geglaubt unD ge­siegt. Im Jahre 1918 errichteten VaterlanDsver- räter eine Republik DerSchönheit und Würde", 1923 ließen in München 16 junge Helden ihr Le­ben für Deutschlands Freiheit unD Ehre. 400 SA.- Männer ließen ihr Leben und 21 HI -Jungen Wir werden sie nicht vergessen."

Darauf gedachte die Hitler-Jugend eine Minute lang dieser Gefallenen. Sodann nahm Bannführer D i 11 c m u t b die Ucbcrroeifung der HJ.-Jungen in Die SA vor Mit Händedruck verabschiedete er sich von den scheidenden Kameraden, die als äußeres Zeichen ihres Ausscheidens Armbinde und Hals­tuch ablegten. Oberbannführer Rupprecht Hainer nahm darauf die Weihe der Gefolgschafts­fahne vor

Wir stehen hier in Der ersten MorgenstunDe des

9. November, während die Welt schläft. Wir (Hin­gen sind wach und wir geloben, stets wach zu sein, wenn es Deutschlands Freiheit gilt Damals am 9 November waren wir noch Kinder, aber wir wis­sen, aus der Erzählung unserer Väter, daß 16 Deutsche durch deutsche Kugeln fielen, für ein neues drittes Reich. Ihnen gilt unsere Liebe, unsere Ehr- furcht. Dies beweisen wir, indem wir ihnen gute Kameraden sind und In treuer Gefolgschaft gläubig

zusammenstehen. Eine neue Zeit ist angebrochen. Zu Symbolen weihe ich die Fahnen dieses Unter­bannes den einzelnen Gefolgschaften, die Fahnen, denen unsere Achtung gilt und für die wir zu ster­ben bereit sind.

Dann folgte die Uebergabe Der einzelnen Fahnen an Die einzelnen Gefolgschaften. Entrollt flatterten sie nun leicht im Winde unD roerDen in Zukunft Der Gefolgschaft, Dem Unterbann voranwehen, wie sie denen vorangeweht haben, die für diese Zeichen ihr Leben geopfert haben Mit dem Lied Der Hit- lerjugenDVorwärts, vorwärts. ." fanD Die Feier- ftunDe ihren Abschluß Die einzelnen Gefolgschaften rückten geschlossen ab.

Drei Berkehrsunfaiie auf schlüpfriger Straße.

k. Hungen, 12. Nov Heute, etwa gegen 14.15 Uhr, ereigneten sich an Der Gießener Straße in Der Nähe DesDarmstädter Hofes", zwei Auto- Unfälle Ein von Büdingen kommendes Auto mit vier Insassen geriet auf Der schlüpfrigen Straße ins Schleudern und stürzte, sich überschlagend, seit­wärts die an der Unsallstelle etwa zwei Meter hohe Böschung hinab Während der Wagen stark beschädigt wurde erlitten die drei Insassen, ein Vater ^mit seinen beiden Söhnen, Prellungen und Schnittwunden am Kopfe. Der vierte Insasse eine Dame blieb unverletzt Ein zweiter Wagen, mit zwei SS Männern besetzt und von Gießen kommend, der etwa zwei Minuten später die Unfallstelle passierte und angesichts des Unfalles von feinem Lenker stark gebremst wurde, kam hierdurch ebenfalls ins Gleiten, drehte sich um feine eigene Achse und fuhr geaen einen Baum. Hierbei wurden die beiden Insassen aus dem Wagen auf Die Straße geschleu­dert. Zum Glück sind auch hier, von einigen Ge- sichtsoerletzungen unD Prellungen abgesehen, Die Verletzungen leichterer Natur Dr. Schmidt leistete die erste ärztliche Hilfe.

Ein Motorradunfall ereignete sich auch in den heutigen Vormittagsstunden auf der Straße zwilchen Inheiden und Utphe Der mit seinem Motorrad von Der Arbeitsstätte in Wölfers­

heim nach Haufe fahrende Wilhelm Vogler von hier verlor auf der glatten otrafje die Herrschaft über das Kraftrad und kam so unglücklich zu Fall, daß er einen Knöchelbruch erlitt. Bemerkens­wert ist, daß Der Verunglückte trotz feines Unfalles feiner Wahlpflicht genügte. Mit einer Tragbahre wurde er von SA -Sanitätern zum Wahllokal gebracht

Vnnotrct» Muhen

Si Hin gen, 11. Nov. Am Mittwoch stand unser Dorf im Zeichen Der KartoffelfpenDc. Ab 8 Uhr rollten Die Kartoffelwagen zur Verla- Dung an Den Bahnhof. Die Schule hatte sich in Den Dienst Der Sache gestellt unD Die Ausschmückung Des Güterwagens übernommen. Für die Schüler hatte der Tag noch eine besondere Bedeutung Sie hatten im Kirchgarten Kartoffeln gezogen, um mit ihren jungen Kräften an Der Linderung der Not mitzu- helfen. Ihre Kartoffeln, ein schwerer Wagen voll, führten sie nun in festlichem Zuge zum Bahnhof. Darum schmücken sie den Wagen mit beson­derer Liebe, mit Schlangenzügen, Tannengrün und Blumensträußen. Dazwischen prangten zwei Sprüche:Erlahmt des Bauern starke Hand, ver­sinkt in Not das ganze Land" und J)itler ruft zur Bruderschaft: Helft einander mit aller Kraft! Drum droht auch Hunger in der Stadt, so macht das Land

euch gerne satt." So rollten die 296 Zentner Dillin­ger Kartoffeln mit vielen Wünschen begleitet, zu den Offenbachern, die ja auch schon in Den beiden vor­hergehenden Jahren von hier mit fiartoffelfpenDew bedacht worden waren.

ch. Saasen, 12. Noo Der Raiffeisen- Spar- und Darlehnskassenoerein S a a. s e n hielt seine Generalversammlung im Saale von Witwe Schmitt ab. Vorstand unD Aufsichtsrat blie­ben in ihren Aemtern, Da dieselben erst im Laufe des Jahres bei Der Gleichschaltung des Vereins er­nannt worden waren Rechner Wagner gab Die Bedingungen für die Ananspruchnahme der Reichs« genosfenfchaftshilt'e bekannt. Nach längerer Aus« spräche wurde beschlosien, die Genossenichastshilfe in Anspruch zu nehmen Es sind Zulammenlegungs- Verhandlungen im Gange, um verschiedene Genossen« schäften in unserer Gemeinde zu vereinigen

Atrcie S otten

± Sellnrod, 12. Noo Unsere Pfarrei, Die leit Herbst 1928 verwaist war, bekommt nun in Pfarrer Michel aus Engelrod einen neuen Pfarrer Pfarrer Michel wird am 2 Advent hier feine Antrittspredigt halten. Die Kirchspiclgemeinden sind sehr erfreut darüber, daß nun endlich ihr Wunsch nach einem eignen Pfarrer in Erfüllung gegangen ift

Reichsminister Dr. Goebbels im Wahllokal.

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Edelsteine und perlen.

Interessantes aus dem dritten Naturreich.

Von Professor £)r. Arrien Johnsen, Direktor des Oeutschen Instituts für Edelstein- und perienforfchung, Berlin.

Bekanntlich gehören die Edelsteine zu den Mine­ralien, also zum eigentlichen Gebiet des Minera­logen, das als sogenanntesDrittes Natur- reich" neben Dem Pflanzenreich und Tierreich steht. So ift denn auch von allen Naturwissenschaft- lern einzig und allein Der Mineraloge imftanDe, über Echtheit unD Unechtheit vonEdelsteinen" au entscheiDen. Dazu sei noch bemerkt. Daß sich Die in Der Praxis übliche Zweiteilung Der Sch muck­te i n e inEdelsteine" unDHalbeDelfteine" we- entlief) auf ihren höheren oDer niederen Kaufwert jrünDet; das schließt nicht aus, daß einHalbedel- tein", wenn er besonders groß, rein und schon ift, auch einmal einen höheren Preis erzielen kann als einEdelstein", dessen Wert ja ebenfalls mit der Größe, Reinheit und Schönheit Der einzelnen Stücke zu schwanken pflegt.

Eine Frage, Die Den Laien sehr interessieren Dürfte, ist Die folgenDe: was bedingt Die Schönheit eines Schmucksteines? Manche Mineralarten und Mineralspielarten erscheinen dem Menschen so schön, daß er sie für Schmuckzwecke verwendet, was schon bei den alten Kulturvölkern, den Aegyptern, Grie­chen, Romern sowie den Inkas in Peru und den Azteken in Mexiko geschah, dort in Amerika bc- nutzte man, wie übrigens auch in Aegypten, beson­ders einheimische Smaragde, während man in Deutschlands prähistorischer Zeit und zwar in der jüngeren Steinzeit den 2Jern ft ein verwendete, Der sich hauptsächlich im Dftfeegebiet als fossiles Harz ausgestorbener Baume findet.

Die Schönheit dieser Gebilde liegt stets m den optischen Eigenschaften, nicht etwa in der regel­mäßigen Form ihrer Kristalle. Daß nicht die Form das Reizvolle Darstellt, ersieht man schon Daraus, Daß kein einziges Mineral in natürlicher Gestalt als Schmuck getragen zu roerDen pflegt, viel­mehr wird jcDem Schmuckstem Durch Schleifen eine künstliche unD künstlerische, ästhetisch wirksame Form verliehen. Die von Der natürlichen Gestalt völlig abweicht, Diese ist eigentlich stets weniger regel­mäßig als Die künstliche unD roürDe Daher auch einen schosftn Gegensatz au Der mehr oDer weniger fvmmetrischen Ornamentik Der Fassung bilden. Auch ist die natürliche Oberfläche der Schmucksteine meist nicht so glatt wie die künstliche mit ihrer hohen Politur Durch diese Politur wird nicht nur Der Glanz verstärkt, sondern auch die D u r ch f i d) t i g leit und Farbe. Das ift leicht einzusehen, Denn ein rauh geschliffenes oder geätztes Glas wie etwa das Mattglas elektrischer Glühbirnen ist nicht so durchsichtig wie glatt poliertes, und wenn man statt farblosen Glases farbiges nimmt, so zeigt sich, daß auch die Farbe durch den weißlichen Schim­mer einer mattierten oder rauhen Oberfläche stark beeinträchtigt wird. Ueberdies kann man fehlerhafte Stellen des rohen Steines durch Abschleifen ent­fernen.

Was die Farbe betrifft, so zeigen Rubine ein etwa an Taubenblut erinnerndes Rot, das einen Stich ins trüb Bläuliche besitzt, S a f i r e ein Korn­blumenblau, Smaragde ein Grasgrün, Edel- top a s e ein Weingelb bis Honiggelb, Arne- thyste Die Farbe der Veilchen und der Aqua­marin das Helle Blau manchen Meerwassers, wonach er auch seinen Namen hat. Dagegen zeich­nen sich farblose Diamanten lediglich Durch

Glanz und Farbenspiel aus, was der Juwelier als .Leben" oderFeuer" zu bezeichnen pflegt Auch der EDeIopaI ist an sich mehr ober weni­ger farblos und wirkt in erster Linie durch fein Farbenspiel, das sogenannte Irisieren. Dieses wird durch eine rundliche Sdjhfform, die manmugelig" nennt, gehoben, während Farbenspiel und Glanz der Diamanten durch einen sogenannten Facetten- schliss verbessert werden; der hierfür günstigste Schliff besteht gewöhnlich aus 56 bis 57 Facetten, die bestimmte Winkel miteinander einschliegen; die- I fer Schliff heißt Brillantschliff, und die so geschlif- | fenen Diamanten nennt man Brillanten.

Da der Diamant das härteste aller Mineralien I und überhaupt der härteste Stoff ift, kann man I ihn mit keinem Pulver schleifen außer mit gepul­verten Diamanten selbst, was die Niederländer schon im 15. Jahrhundert erkannten. Auch heute noch sind die größten Diamantschleifereien in Holland und Belgien, nämlich in Amsterdam und Antwerpen an­zutreffen; aber auch in Deutschland haben wir Dia­mantenschleifereien, besonders in Idar im Birken- feldschen sowie in Hanau; in Idar gab es schon im 15. Jahrhundert Schleifereien, in denen hauptsäch­lich einheimische Achate verarbeitet wurden.

Die sogenannten synthetischen Rubine und Safire werden hauptsächlich in Bitterfeld aus ge­schmolzener Tonerde heraestellt, wobei sich birnen­förmige Kristalle von mehreren Zentimetern Länge bilden; die rote Farbe der Rubine wird durch Zu­satz von Chrom zur Schmelze erzielt, die blaue Der Safire Durch Zusatz von Eisen und Titan. Die mi­kroskopische Prüfung Dieser Steine, Die sich auf jah- lange Erfahrung stützt, setzt uns in den Stand, sie von den natürlichen Rubinen und Safiren §u unterscheiden Die Bitterseider Steine werden in Idar geschliffen und als Sdjmudfteinc in den Han­del gebracht, ihr Preis ift viel niedriger als Der ihrer natürlichen VerwanDten, wie ja auch Die Re­produktion eines Gemäldes sich billiger stellt als das Original. Die schönsten natürlichen Rubine kommen aus Birma in Hinterindien, die schönsten Safire aus Kaschmir im nördlichen Vorderindien, man findet sie dort aufSeifen", d. h. in Flußsanden.

Außer Edelsteinen hat unser Institut auch Per­len zu prüfen, wobei es sich besonders um die Unterscheidung von echten Naturperlen und Zucht- perlen handelt. Was versteht man denn unter einer Zuchtperle? wird der Laie fragen. Bereits vor dem Weltkriege begannen die Japaner solche Zucht­perlen in den Handel zu bringen: Man impfte dem lebenden Muscheltier ein kleines gedrechseltes Perl­mutterkügelchen ein; das Tier reagiert auf den Rei, dieses Fremdkörpers dadurch, daß es ihn einkapselt, d. h. mit konzentrischen Schichten von kohlensaurem Kalk, sogenannten Aragonit und von bräunlichem Konchiolin umgibt, die sich wie die Schalen einer Zwiebel um den Kern herumlegen Das entspricht durchaus dem Bau einer echten Naturperle, aber mit dem wichtigen Unterschied, daß der Kern nicht echt" ist. Je mehr Jahre man solche Zudstperle wachsen läßt, desto dicker wird die Hülle, die Den falschen Kern umschließt, und umso mehr ähnelt ! die Perle einer echten Noturperle, womit natürlich auch die Unterscheidung schwieriger wird Zuchtper- ; len haben Im allgemeinen viel geringeren Wert als Naturperlen.