grimmig verzogen, ein wahrhaft erschreckender Anblick! Sie alle wissen nicht, wie sie sich enthüllen, die kleinen Haustyrannen mit den buschigen Augenbrauen, die Geschwätzigen und die Hinterhältigen, die Furchtsamen und die Spröden. Romane, Schicksale, Geheimnisse werden offenbar. Die Empfindlichen wissen das. Darum vertragen sie das Licht während des Schlafens nicht, sie brauchen das Dunkel, das über alles seine Schatten legt, auch über die Offenbarungen des schlummernden Men- schenantlitz'^s ...
Zeitschriften.
— „D e r 21 a t u r f o r s ch e r" vereint mit „Natur und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaft und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber Dr. Oskar Prochnow. Jahrgang X, Heft 4: 38 Seiten Text. 3 Tafeln und 28 Textabbildungen. Preis vierteljährlich 2.50 Mk.. einzeln 1 Mk. Hugo Bermühler, Verlag, Berlin-Lichterfelde. — Das erstaunlich reichhaltige und schön bebilderte Heft führt uns u. a. zum Horst des schwarzen Storches in die weiten masurischen Wälder und läßt uns diesen scheuen Vogel in der packenden Schilderung Don Forstassessor Veninde. die durch die schönen Bilder vom Verfasser und Horst Siewert wirksam unterstützt wird, mit beobachten. Seltene wilder von den scheuen Murmeln der Alpen bringt A. von Doroviczeny. 3n eindringenden Ausführungen berichtet Dr. von Bertalanffys über die Frage „Was ist das Leben". Schließ- lich sind, namentlich in der jetzigen Sommerszeit, die zeitgemäßen Ausführungen Dr. 3. Otts über Sonnenbrand und die Schutzmittel dagegen sehr beachtlich. Die Liebhaber des Lichtbildes dürften die Ausführungen über die Herstellung höchstempfindlicher Bromsilberschichten fesseln. Alle, die technische Kulturdenkmale schätzen, weil sie ein wichtiges Stück Geschichte und Heimat verkörpern. werden die Bilder begrüßen, die von alten Obstpressen. Tret- und Schöpfrädern, butternden Wasserrädern und Kugelmühlen handeln. Zahlreiche Kurzberichte aus den verschiedensten Gebieten beschließen das Heft.
Sochschulnachn'chten.
Auf den ordentlichen Lehrstuhl für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität R o st o ck wurde als Nachfolger des verstorbenen Professors Mannstaedt Professor Dr. Seraphim in Rostock berufen.
Das Valbo-Geschwadek in Labrador gelandet
was hinter der Maske des
Verantwortlichkeit fchaftsminifters und der Länder, soweit letztere wird. (Er betonte, daß es komme, daß die wirtschaft
ausschließlicher des Reichswirt- der Wirtschaftsminifter zuständig sind, geleitet vor allem darauf an- in jeder Hinsicht
rrge büßt.
Einheitliche Wirtschastssührung. Die Besprechungen im Reichswirtschafts- Ministerium.
Berlin. 12. 3uli. (WTB.) Amtlich. Unter
WEN. Frankfurt a. M.. 12. Juli. Die Gauleitung Hessen der NSDAP, hatte den amerikanischen Rundfunksprecher D o u g Drinkleh von der National Broadcasting Company in Neuhork zu einer Reise durch West- und Süddeutschland eingeladcn. 2Ur. Brinkley hatte die Einladung in liebenswürdiger Weise angenommen und erstattete am 11- 2uli in einem Rundfunkzwiegespräch. das über den deutschen Kurzwellensender auf alle amerikanischen Sendestationen übertragen wurde, dem Reichsstatthalter Sprenger Bericht über seine Reise und seine Eindrücke über das neue Deutschland. Auf die verschiedenen Fragen des Reichsstatthalters antwortete Mr. Brinkley u. a. wie folgt:
3^ bin nach Deutschland gekommen, um die heutigen Verhältnisse kennenzulernen und die nackten Tatsachen festzustellen und damit a n m af.n & 0 n Tatsachen das amerikanische Volk über das heutige neue Deutschland auf- Auklären. Meine Äebertragungen wurden nicht nur in Amerika gehört, sondern auch im Osten, in 3apan und Rußland, was Zuschriften von dort beweisen.
weine persönliche Feststellung ist. daß in Deutschland überall Ruhe und Frieden herrscht. Ich habe nirgendswo auch nur das geringste Anzeichen von Anruhen oder persönlichen Mißhandlungen feststellen können. Die ganze Bevölkerung machte mir einen v > el glücklicheren Eindruck als o ergangenes 3ahr bei meinem Aufenthalt in
Deutschland.
2ch habe die letzten drei Monate in Norddeutschland zugebracht und bin offen gestanden von jedermann, sei es in den amtlichen Bureaus, bei der jetzigen Regierung oder der Bevölkerung auf das Beste aufgenommen worden. Als Ausländer bin ich tatsächlich mit mehr Zuvorkommenheit ausgenommen worden in Deutschland als zu Hause in öen Bereinigten Staaten. Ich sehe, daß das heutige Deutschland versteht, was die nationale Erhebung bezweckt. Das Volk sieht in Adolf Hitler seinen Führer, welcher dem Volk zu seinem Recht verhilft und seine Rechte schützt. Das Volk hat deshalb unbegrenztes Vertrauen zu seinem Führer. Während der letzten 14 Tage habe 'ch eine Autotour durch das Rheinland, Bayern, Württemberg, Baden und Hessen gemacht.
Wie ein Amerikaner das neue DeuWand sieht.
Rundfunk-Zwiegespräch zwischen Reichsstatihalier Sprenger und einem amerikanischen Rundfunkreporter.
Grohfeuer im Londoner Hafenviertel.
3m Osten Londons brach in einer Chemischen Fabrik ein Großfeuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Zn kurzer Zeit stand ein angrenzendes Holzlager in Flammen, und drei benachbarte Häuser gingen ebenfalls in Flammen auf. Das Feuer griff auch auf die Hafenanlage über. Eine ganze Straße mußte von den Bewohnern geräumt werden. Erst nach langer Arbeit gelang es der Feuerwehr, den Brand auf den Herd zu beschränken. Der Schaden wird auf mehrere hunderttausend Mark geschätzt.
stabil und sicher geführt werden müsse, und daß Ordnung und Rechtssicherheit die unerläßlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Führung der Wirtschaft und für eine tatkräftige Förderung des unverkennbar
den SS.-Mann Erich Garthe in Essen erschoß und gegenwärtig seine zwölf jäh- ~ ‘ Zuchthaus strafe in Münster Der»
dem Vorsitz des Reichswirtschaslsministers Dr. Schmitt sand am 12. Iuli nachmittags im Reichswirtschaftsministerium eine Besprechung mit den Leitern der W i r t s ch a f t s r e s - forte der Länder statt. Der Reichswirtschafts- winister wies daraus hin. daß nunmehr mit oller Entschiedenheit praktisch sicher- gestellt werden müsse, daß die Wirtschaftspolitik allein und unter
ersten beiden Stunden des Fluges zwang völlig kehlendeSichtdie Flugzeuge, bisdichtüber dem Meere niederzugehen. Von der dritten bis zur fünften Stunde flogen sie in sehr dichtem Nebel. Gegenwind behinderte den Flug und gestattete nur eine mittlere Geschwindigkeit von 200« Stundenkilometer. Bei dem Flug durch den Nebel wurde das Geschwader stark auseinandergezogen, doch trafen alle Flugzeuge inDreiergruppen in Cartwright ein. In dem Augenblick, als der Minister feinen Bericht abfaßte, war gerade der 24. und letzte Flugapparat auf dem Wasser niedergegangen.
Amerika feiert die Italiener.
N e u y o r k, 13. Juli. (TU.) Ganz Amerika feiert die italienischen Flieger, die mit ihrer Ankunft in Cartwright (Labrador) zum ersten Mal a m e r i - konischen Bod en erreicht hoben, mit großer Begeisterung. Alle Zeitungen, die ausführliche Berichte über den letzten Flugabschnitt veröffentlichen, erklären, daß dieser Geschwaderflug eine unvergleichliche Großtat in der Geschichte der Luftfahrt darstelle. Der Weiterflug der Italiener ist für Donnersstag vorgesehen.
schnarchen, um beim Aufwachen, sobald der Bewußtseinsdruck wieder einsetzt, selbstverständlich abzustreiten, daß er überhaupt geschlafen habe. Höchstens hatte er ein klein bißchen vor sich hingedöst. Aber geschlafen — bewahre, das käme bei ihm nicht vor!
Das Gesicht des Schlafenden aber ist ein anderes als das des Wachenden. Die Maske fällt in dem Augenblick, da der Bewußtseinseindruck aufhört und das andere Ich, das jeder in sich hat und mit dem jeder känzpft, zum Vorschein kommt.
beginnenden Aufstieges der wirtschaft sei.
Keine Senkung -er personeniarife.
Berlin, 12. Juli. (CNB.) Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft hat eine Eingabe des Deutschen Industrie- und Handelstags, in der eine Senkung der P e r f o n e n t a ri f e um rund 20 Prozent angeregt wurde, a b - lehnend beantwortet. Begründet wurde die Ablehnung damit, daß im Augenblick nicht zu er- warten sei, daß eine Senkung der Personen- tarife in diesem Umfang eine derartige V e r- k e b r s b e I e b u n g Hervorrufen würde, daß die Ausfälle, die sich nach den zurückgegangenen Einnahmen noch auf rund 138 Millionen beziffern, gedeckt oder verringert werden können. Bei der augenblicklichen Finanzlaae der Reichsbahn sei es nicht möglich, einen solchen Fehlbetrag zu übernehmen.
Ein deutsches Erntedankfest am 1. Oktober.
'Berlin, 12. 3uli. (VDZ.) Aehnlich wie bei den Feiern des 1. Mai soll ein großes deutsches Erntedankfest am 1. Oktober je- den 3 a h r e s in allen Gauen Deutschlands durchgeführt werden. Der Preußische Pressedienst der NSDAP, erklärt dazu weiter, das deutsche Bauerntum, das nunmehr in der amtlichen wie auch berufsständischen Verwaltung unter einheitliche Führung gestellt ist, wird an diesem Tage in seltener Geschlossenheit nicht nur ein machtDolles Bekenntnis zum neuen Reich ablegen, sondern auch seine Bedeutung als Dolksernährer vor aller Augen führen.
1 von neu gebsron, und sch
Hobe das felsenfeste vertrauen, daß das neue
Deutschland wird weiterleben und gedeihen.
Zum Schluß des Zwiegesprächs gab Reichsstatt- yalter Sprenger seiner Freude Ausdruck, daß Mr. Brinkley seine Fragen in so offener Weise beantwortet hat. Es sei außerordentlich bedauerlich, daß es in Frankreich, England und auch in Amerika heute noch möglich sei, Märchenüber angebliche Grausamkeiten zu verbreiten. Mr. Drinkleh werde sich wohl auch davon überzeugt haben, daß die deutsche Regierung vom Vertrauen des gesamtenVolkes getragen ist und eine innenpolitische Machtfülle auf sich vereinige, wie keine Regierung seit Jahrhunderten. Er wisse daß vielerorts in der Welt gerade diese Entwicklung nicht gern gesehen werde. Er müsse aber betonen, daß gerade ein innenpolitisch starkes Deutschland ein wertvolles Unterpfand des Weltfriedens bedeute, denn ein machtvolles Deutschland, das den andern Völkern mit Achtung entgegentritt und dem wiederum Achtung gezollt wird, sei die beste Garantie für eine friedliche Entwicklung der Welt.
Das itülienische Flugzeuggeschwader B a l b o s ist am Mittwoch früh 6 Uhr von Reykjavik nach Labrador ge st artet. Nach 21 Stunden hatten sämtliche italienischen Flugzeuge das Inspektionsschiff „Fylla", das sich in der Dänemarkstraße befand, passiert. Um 13.45 Uhr Greenwich-Zeit befand sich das Geschwader auf 57 Grad 2 Minuten nördlicher Breite und 64 Grad 5 Minuten westlicher Länge, hatte den gefährlichsten Teil seiner Fahrt hinter sich und befand sich etwa 250 Meilen südlich von Grönland und 500 Meilen östlich der in Labrador gelegenen Stadt Cartwright. Um 19.50 Uhr ist bas Geschwader in Cartwright eingetroffen. Das Flugzeug des Geschwaderführers B a l b o erschien als erstes über Cartwright und ging, nachdem es den Hafen mehrmals überflogen hatte, auf dem Wasser nieder. Dann folgten in kurzen Abständen die anderen italienischen Flugzeuge, deren Landung sich ohne Zwischenfälle glatt vollzog. Der Ankunft in Cartwright wohnte eine riesige Menschenmenge bei, die die Italiener begeistert begrüßten.
In einem funkentelegraphischen Bericht an Mussolini teilt General B a l b o mit, daß wegen der ungünstigen Windrichtung bei dem Start langwierige Manöver notwendig waren. In den
Ich bin überall auf das herzlichste empfangen worden. Ich glaube nicht, daß anderswo schönere Gegenden zu finden sind, wie in Deutschland. Auf der andern Seite bin ich überzeugt, daß jeder Fremde, welcher seine Ferien in Deutschland verbringt, genügend Gelegenheit hat, der deutschen Seele näherzukommen.
3ch war in Heidelberg mit seinem herrlichen Denkmal mittelalterlicher Kultur. Heidelberg wird immer ein Kulturzentrum für die Welt darstellen. Selten werden größere Kunstschähe gezeigt als in Darmstadt, und ich war glücklich, Gelegenheit gehabt zu haben, die weltberühmte Madonna von Holbein im Darmstädter Schloß zu sehen. 3ch fuhr entlang dem romantischen Rhein von Mainz als Anfangspunkt per Schiff bis Koblenz hinab. Diese Rheinfahrt wird mir immer in Erinnerung bleiben. Bei dieser Gelegenheit mochte ich meinen Radiohörern in Amerika nicht allein die Schönheiten des Rheinlandes in Erinnerung bringen, sondern sie auch an die Leiden der rheinischen Bevölkerung erinnern, welche durch die langjährige Besatzung französischer Truppen verursacht wurden, in der Hauptsache der Stadt Mainz. — 3ch war nicht allein auf dieser Autotour, wir waren eine kleine Gesellschaft, worunter sich verschiedene Engländerinnen und Engländer befanden. Diese waren wie ich über die geklärten, ruhigen Verhältnisse im neuen Deutschland, über die Mannigfaltigkeit der deutschen Lande und den herzlichen Empfang der Bevölkerung ehrlich erfreut
Wir alle sind Zeugen, daß alle bcunrufji genden ausländischen Berichte über Deutschland frei erfunden sind. Meine persönlichen Eindrücke über das neue Deutschland sind die folgenden: Das deutsche Volk hat heute mehr innere Ruhe und Sicherheit als je zuvor; das deutsche Volk hat mehr Zutrauen und vertrauen als je zuvor und die feste Hoffnung, daß die Verhältnisse sich zusehends bessern werden. Mit Adolf Hiller als Reichskanzler und der nationalsozialistischen Regierung ist ein neues und schöneres Deutschland erwacht. Deutschland Hal neue Lebenskraft und Lebensmut und Freiheit gefunden. Adolf Hitler ist heute die überragendste Persönlichkeit der Welt. Deutschland wurde
keine Ruhe läßt; der dritte erklärt treu und bieder, nur die Rückenlage sei die für ihn zuträgliche, während der vierte sich am wohlsten fühlt, wenn er auf dem Bauch liegt.
Alle diese Angaben sind selbstverständlich subjektiv und stammen noch aus der Bewußtseinssphäre, also aus der Zeitspanne, die vor dem Einschlafen liegt. Und darum sind sie falsch. Denn genaue Versuche, die in verschiedenen Krankenhäusern systematisch unternommen und registriert wurden, haben ergeben, daß der gesunde Mensch'während des Schlafes niemals in einer einzigen Lage verbleibt und auch nicht verbleiben kann.
Auch im Schlafzustand arbeitet nämlich das Gehirn — bei manchen sogar viel stärker als im Wachzustände —, arbeiten die angeschlossenen Nerven- ftationen unermüdlich weiter und geben sofort Not- signale, sobald der Schläfer sich allzulange in einer bestimmten Lage befindet und dadurch Ermüdungsoder Druckerscheinungen bei einzelnen Körperpartien heroorruft. So hat man beobachtet, daß gerade jene Leute, die mit dem Brustton der Ueberzeugung erklären, es sei ihnen unmöglich, auf der Herzselle zu liegen, und angeblich nur einzuschlafen vermögen, sobald sie die Rücken- oder Hie rechte Seitenlage eingenommen haben, während des Schlafens, ohne sich dessen bewußt zu fein, die Stellung wechseln. Und zwar liegen sie viertelstundenweise ober noch länger auf der linken Seite, ohne durch diese „unmögliche Lage" aufzuwachen.
Der normale Mensch wechselt während eines achtstündigen Schlafes durchschnittlich 30 bis 50 Mal feine Lage, wenn es sich mitunter auch um kleine, sich periodisch wiederholende Verschiebungen handelt. An sich selbst beobachten läßt sich diese Tatsache natürlich nicht, weil während des Schlafs der größte Teil des Bewußtseins, das sogenannte Oberbewußt- sein, ausgeschaltet ist. Aber Sie können sich bei anderen davon leicht überzeugen, wenn Sie sich die Zeit dazu nehmen. Und im Bahnabteil während einer langen Nachtfahrt finden Sie jetzt in der Urlaubszeit besonders schöne Gelegenheit dazu.
Zuerst sucht sich jeder die geeignetste Stellung zum Einschlafen aus. Das dauert bei dem einen kürzer, bei dem anderen länger. Der Hypochonder wird am schwersten einschlafen, weil er sich dauernd mit sich selbst beschäftigt und im voraus überzeugt ist, daß er auf rollenden Rädern überhaupt nicht einschlafen kann. Sobald er aber eine Weile von seiner fixen Idee abläßt und weder an sich noch an das Schla- fen, sondern an Dinge denkt, die weitab liegen und damit das Gehirn von einem „Bewußtseinsdruck" entlastet, hat er auch bk Vorbedingung zum Einschlafen erfüllt. Er wird einschlafen unb vielleicht eine Stunbe ober mehr wunberooll schlummern und
Oer entlarvte Schläfer.
Von Georg (Streiter.
Wenn Sie eine Reise tun, bann können Sie eine Unmenge kleiner Beobachtungen sammeln. S'e brauchen nur ein wenig bie Augen zu öffnen, während die anderen sie geschlossen halten. Beispiels- wei|e während einer Nachtfahrt. Da sitzen Sie Ihren Abteilungsgenossen gegenüber, wildfremden SUtfn,m-ie Ahnen der Zufall als Gesellschafter beschert. Vielleicht kommen Sie mit dem einen oder andern ins Gespräch. Dann werden Sie, sobald die erstes unangenehmen Minuten des Einsteigens und des Gepäckoerstauens vorüber sind, die gewöhnlich durch die Nervenoerfassung der Mitreisenden charakterisiert erscheinen, in der Regel höchst achtbare und mehr oder weniger würdevolle Persönlichkeiten kennenlernen, weil jeder bestrebt ist, sich von der besten Seite zu zeigen. Die Liebenswürdigen unb Geschwätzigen werben mit ihren hervorstechenben Eigenschaften nicht lange hinter bem Berg halten, ja, sie pflegen in ber Unterhaltung eine sympathische ^oske zu tragen. Hingegen gibt es aber auch von Jiatur aus gutmütige unb gütige Menschen, die aus einer leisen Angst vor unangenehmen Erfahrungen und Enttäuschungen auf der Bahnfahrt oder bei anderen Gelegenheiten ein schroffes, trotziges, oft auch geradezu unangenehmes Wesen an den Tag legen. 3
Der erfahrene Menschenkenner und Psychologe kennt diese Derschleierungstaktik, aber auch er hat meift Mühe, die vorgebundene Maske zu durchschauen. Denn solange wir bewußt handeln, solange wir uns im Wachzustande befinden, wirkt auch das Geltungsbestreben in uns, das Verlangen, uns so 3u geben, wie wir erscheinen wollen. Nur im As- fektzustande, in der Erregung, fällt die Maske Allerdings ist auch das zornige Antlitz nicht immer das echte, es enthüllt gewissermaßen nur die Temperamentsgrundlage des Innenlebens. Bekanntlich können jähzornige, in der Aufregung brutal erscheinende Menschen im Grunde recht gutherzige Leute' sein. Seine Maske legt man erst ab, wenn das Bewußtsein schwindet, sobald man einschläft. Schlafen, sagen manche Faulpelze, sei das Wundervollste am ganzen Leben. Und in der Tat ist der Schlaf an Wundern voll, wenn auch nicht in dem Sinne, wie jene es meinen.
Zu den meist verbreiteten Irrtümern gehört es, daß man nur in einer ganz bestimmten Lage zu schlafen vermag. Der eine schwört darauf, daß er nur auf der rechten Lage liegen kann, weil ihn „das Herz so schwer drückt", ber anbere bevorzugt hingegen die linke Seitenlage, weil ihm bie Leber sonst
Rubolf Kaßner, ber große Physiognom unb Lebensphilosoph, befinierte einmal bie beiben Gesichter des Jchs folgendermaßen: das erste, vorn an der Tete, als ob alles, was zu geschehen habe, von ihm abhinge, bas erste genügt uns unb lacht Koon von weitem, unb es ist, als rufe es uns zu: Wir find gute Kompanie unb alles ehe als Spaß- oerberber, unb wir haben heute für alle etwas übrig, bie mithalten wollen. Keiner braucht zu kurz An kommen, alles ist überrounben. Reben wir zudem nie mehr von Ueberminbung, fonbern feien mir wohlgesinnt! Wohlgesinnthcit geht allem voran. Wohlgesinntheit ist mehr als Stimmung, Wohlge- sinntheit ist von heute an Programm. Unb morgen wirb mieberum heute sein unb sofort ... Unb dahinter lauert dann das andere, das harte, das böse, das unglückliche.
Es ist aber nicht immer das Böse, wie Kaßner meint, es kann auch das Gute sein, das bloß nicht mehr wagt, sich zu offenbaren, weil trübe Erfahrungen eine Maskierung notwendig erscheinen ließen. Aber der Schlaf reißt ohne Ausnahme die Bewußtseinsmaske vom Antlii ' ------
und TBifienfu/afL
(Ein dänischer Komponist über die Neugestaltung des deutschen Musiklebens.
Der in Wien ansässige dänische Komponist Paul v. K l e n a u äußert sich im Kopenhagener „Sagens Nyheter" über das deutsche Musikleben wie folgt: „Wenn ich davon rede — und ich spreche nicht über allgemeine Politik —, so ist Hitler wie ejn eiserner Besen gewesen. Innerhalb ber Theater, sowohl Schauspielhäuser wie Opernbühnen, war es wohl nötig, baß bie befabente Musik unb der alte Schlendrian beseitigt wurden. Die neuen Theaterleiter hoben die Hitlerbewegung als eine ideelle Bewegung aufgefafjt, die von einer genialen Persönlichkeit ausgegangen ist, und sie haben sich als Ziel gesetzt, ein neues Publikum aus ber Jugend zu schaffen, das gesund und frisch ist und Sinn für den Ernst in d?r Kunst hat. Die neuen Theaterleiter reden nicht, |*e handeln. Wagner setzten sie wieder auf den sY?11, 'st wieder der große Musiker. Es ist nicht unangenehm, bei dem dabei zu fein, was dort unten vor sich geht — selbst wenn es natürlich wstimm für diejenigen ist, die von dem eisernen Besen getroffen werden.
Nur arische Filmschaffende.
. V^?emmchrveis in Berlin gibt
'eßt Richtlinien für alle F i l m s ch a f f e n b e n heraus. Danach haben Produktionsleiter, Regisseure, Autoren Komponisten, Aufnahmeleiter, Kameraleute, Architekten, Tonmeister sofort ihre Staatsangehörigkeit und ihre Abstammung beim Bühnennachweis anzugeben. Für den Nachweis sind Geburtsurkunden der Eltern beizubringen. Aus diesen Geburtsurkunden muß auch die Religionszugehörigkeit der Großeltern herooraehen. Den Produktionsfirmen wird empfohlen, schon jetzt alle Produktionsoorhaben beim Bühnennachweis zu melden und sich durch bie Tonfilmabteilung bezüglich ber Sefeöimg beraten zu lassen, ba alle Film- schaffenben, die die erforderlichen Nachweise nicht erbracht haben, von der Vermittlung ausgeschlossen werden.
Aus aller Wett.
„Graf Zeppelin" wieder im Heimathafen.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist, Don seiner Südamerikafahrt zurückkehrend, am Mittwoch um 20.10 IHjr unter Führung Don Kapitän Lehmann auf dem Werftgelände in Friedrichshafen glatt gelandet. An Bord befanden sich 18 Passagiere. Während das Luftschiff in die Halle eingebracht wurde, stimmte eine große Zuschauermenge das Deutschlandlied an. — Das Luftschiff hat bis heute 320 Fahrten ausgeführt. Bei diesen Fahrten, die zusammengerechnet 6000 Fahrstunden ausmachen, wurden 8200 Passagiere, 16 000 Kilogramm Post und 37 000 Kilogramm Fracht befördert. Das Luftschiff hat eine Strecke Don über 600 000 Kilometer zurückgelegt.
Der Mörder eines SS.-THannes auf der Flucht erschossen.
Der Strafgefangene Hermann D an t'Ende unternahm, als er am Mittwoch Don der Strafanstalt Münster zum Polizeigefängnis in Essen zur Gegenüberstellung mit einem Schutzhäftling übergeführt werden sollte, auf dem Transport einen F l u cb t D e r s u ch, bei dem er e r s ch o s - s e n wurde. Es handelt sich um den bekannten Kommunisten vant'Ende, der am 12. Oktober 1931
tz^des Schläfers. Alles,
- --------- Wachen loderte, grinste,
Wurde betonte ober sich krampfhaft z'u verbergen suchte, wirb mit einem Male offenkundig.
Wer kennt nicht das bezaubernde und stets von neuem beglückende Bild des schlummernden, unschuldigen Kindes, die wundervolle Entspannung der Züge, der Hauch eines Lächelns um bie Lippen, bie Nasenflügel ein klein wenig aufgebläht? Andrer- seits: die junge, hübsche Frau, die Ihre Komplimente mit einem so reizenden Lächeln entgegenzunehmen wußte, ist eingeschlafen. Und scho a verwandeln sich ihre Zuae; um den Mund bildest! sich häßliche Fallen, die Oberlippe wird in wenigs anziehender Weise in die Höhe gezogen, aus der (sympathischen Maske wird ein vergrämtes Gesicht,» aus dem man, wenn man etwas Kombinationstalejnt besitzt, allerhand herauslesen kann. \
Und gar erst die schlafenden Männer! Wll? fremdartig, oft bösartig mutet einen mancher Büicger an, ber bis zum Augenblick bes Einschlafens eir mürbe» volles Wesen zur Schau trug und nun rnit weit oufgefperrtem Mund einen anröchelt, die Oberlippe


