chen. Straßenbahn, Autoomnibusse, Untergrundbahn, die unzähligen Privatfahrzeuge und mit ihnen die hunderttausend Fußgänger blieben auf der Stelle stehen. Die Menge entblößte ihr Haupt tmb verharrte, den Arm zum deutschen Gruß erhoben. In Schweigen und Gedenken. Die Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln hatte sich von ihren Sitzplätzen erhoben. Stark und sichtbar war die Verbundenheit, die das ganze deutsche Volk in dieser Stunde des Kampfes um feine Ehre einte. Nach Beendigung der stillen Minute eilte alles an seinen Platz, um die Rede des Führers zu hören. Die Straßen der Reichshauptstadt waren um diese Zeit fast wie ausgestorben.
Mo s Heß zur Reichstagswahl.
München, 10. Nov. (TU.) Die NSK. bat den Stellvertreter des Führers, Rudolf H e ß, sich zu einer im Lande verbreiteten Meinung zu äußern, die etwa in dem Satz zusammengefaßt werden könne: So selbstverständlich es für' jeden Deutschen sei, gleich welcher politischen Richtung er angehöre, das „Ja" für die Politik der Ehre und Gleichberechtigung abzugeben, so schwer müsse es doch für einen Nichtparteigenossen fein, für die Kandidaten einer Partei zu stimmen, die
„Der Wett gegenüber wollen wir, die Opfer des Krieges von einst ermessend, aufrichtige Freunde fein eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden."
Adolf Hitler (21.3.1933 in Potsdam).
den Beitritt gesperrt habe und Nichtmitglieder als Deutsche zweiter Klasse betrachte.
Rudolf Heß erklärte dazu u. a. folgendes: Es ist nicht wahr, daß die Deutschen, die nicht als Mitglieder der NSDAP, angehören, als zweitklassige Deutsche zu betrachten sind. Dies würde dem nationalsozialistischen Grundsatz widersprechen, daß der Wert eines Menschen für sein Volk nur zu beurteilen ist nach dessen L e i st u n g für sein Volk. Allerdings muß ich hier eines betonen: Gerade auf Grund des Leistungsprinzips gibt es eine Kategorie von Nationalsozialisten, die besonders zu bewerten ist: Die der alten Kämpfer. Denn ihnen, ihrer Treue für Adolf Hitler und zu ihrem Volk, ihren Opfern an Blut und Gut und ihrem Durchhalten allein ist es zu verdanken, wenn Hitler ein neues Deutschland schaffen konnte. Das Volk wird nicht zweitklassig, sondern ehrt sich selbst, das seine Kämpfer aus schwerer Zeit ehrt. Die anderen, die später sich als seine Mitglieder anmeldeten, als nur noch Vorteile damit verbunden waren, sie können nicht verlangen, mit den alten Kämpfern gleichgestellt zu werden.
Mancher, der nach der Machtergreifung der NSDAP, nicht beitrat, weil er sich nicht dem Verdacht aussetzen wollte, der Konjunktur?: folgen, gehört nicht zu den Schlechten. Und doch bin ich weit davon entfernt, etwa alle die der Charakterlosigkeit und Konjunkturhascherei zu zeihen, de nach dem 30. Januar zur NSDAP, gingen. Eine Unzahl von ihnen stieß zur Bewegung, ohne an den Vorteil zu denken. Man kann nicht die Menschen in ihrem Werte scheiden auf Grund eines von ihnen getragenen Abzeichens. Die Mitgliedersperre bedeutet keineswegs eine Ablehnung der Volksgenossen, die nicht der NSDAP, angeboren. Sie wurde im April aus technischen Gründen zu zwingender Notwendigkeit. Fest steht nur, daß die Alten den Dank der Nation verdienen, und die Nation kann ihnen den Dank abstatten, indem sie sich bei der Wahl zudcr Bewegung bekennt, für die sie fochten und litten. Hitler braucht auch das Instrument des Reichstags mit Männern seines Vertrauens, die seiner Politik des friedlichen Aufbaues, der Ehre und Gleichberechtigung blind ergeben find. Der Führer, der bewiesen hat, daß er führen kann, fordert des deutschen Volkes Stimme für seine Partei. Man gebe sie ihm.
An die deutschen Arbeiter des Gaues Heffen-Aaffau und des Landesarbeitsamts Bezirk 9.
Deutscher Arbeiter, dein Wesen war Treue und Treue band dich immer an Volk und Vaterland. Der Arbeiter ist stets Deutschlands be st er und treue st er Sohn gewesen. In dir deutscher Arbeiter liegen blutmäßig die ehernsten Begriffe der Treue und Aufopferung. Am 12. Nov. geht es um dein und um deines V ölte sS ch i ck s a l. Der Führer des deutschen Volkes Adolf H i t l e r hat dem deutschen Volk und dir immer die Treue gehalten. Du deutscher Arbeiter wirst Treue mit Treue vergelten. Für dich gibt es nur eines am 12. November:
Deine Stimme dem Führer des deutschen Volkes und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei.
Deutscher Arbeiter, erfülle deine Pflicht für Volk und Vaterland, für Kind und Familie, trage mit bei zur inneren und äußeren Befreiung deines Volkes und deiner selbst. .Der deutsche Arbeiter stkmmt mit Ja! und gibt seine Stimme der Parteider Freiheit u n d s o z i a l e n Gere ch t i g k e i t.
Ausübung des Wahlrechts vermittels des Stimmscheins.
Berlin, 10. Nov. (TU.) Vielfach bestehen irrige Anschauungen darüber, ob der Wahlberechtigte dadurch, daß er sich von der Gemeindebehörde seines Wohnsitzes einen Wahlschein ausstellen läßt, sich einer Kontrolle über die Ausübung seines Wahlrechts entziehen kann. Bekanntlich muß der Wähler, der auf Grund eines Wahlscheins außerhalb des für feinen Wohnsitz zuständigen Abstimmungsraums feine Stimme abgibt, den Wahlschein dem Abstimmungsoorstand aushändigen. Wenn dieser Wahlschein a n die Gemeindebehörde, die ihn ausgestellt hat, nach der Wahl zurückgesandt wird, dann ergibt sich aus den nicht zur Ablieferung gelangten Wahlscheinen, wer der Wahl und Abstimmung fern geblieben ist.
NSKK. — Eine Gliederung der SA.
Berlin, 10. Oft. (CNB.) Der Oberste SA.- Führer hat neue Richtlinien für das NSKK. verfügt. Das NSKK. ist von jetzt ab eine Gliede- rung der SA. und untersteht dem Chef des Stabs Röhm. Im NSKK. sollen alle diejenigen Mitglieder der NSDAP, vereinigt sein, die K r a f t- fahrzeuge oder Führerfcheine besitzen,!
LebhastesLchoderKanzlemdeimAusland
England zeigt größtes Interesse für die deutsche Wahl.
London, 11. Nov. (WTB. Funkspruch.) Ueber den deutschen Wahlfeldzug hat die englische Presse ihre Leserschaft dauernd auf dem Laufenden gehalten. Auch über die gestrige große Kanzlerrede in den Siemenswerken wird sehr ausführlich berietet. Der Berliner Korrespondent der „Daily Mail" stellt fest, daß er den Kanzler n o ch nie mit solcher Ueberzeugung und solchem Freimut habe sprechen hören. Hitler habe gesprochen wie ein Arbeiter unter seinen Kameraden. Der Berliner Korrespondent des „Daily Telegraph" findet das Fehlen aller polizeilichen Schutzmaßnahmen erwähnenswert und die enge Fühlung zwischen dem Kanzler, seiner Zuhörerschaft und den Volksgenossen, die die Straßen säumten. „Evening News" bringt in Fettdruck die Stellen, in denen Hitler erklärt, daß er den Krieg aus eigener (Erfahrung kenne, während die „internationale Klique" niemals den Mut haben würde, sich einer Kugel auszusetzen. „Star" schreibt, die Straßen in den deutschen Städten boten ein Bild wie bei der Waffenstillstandsfeier in London. In dem Bericht Reuters aus Berlin heißt es: „Eine Nation von 63 Millionen hielt heute für eine Minute den Atem an, als die Sirenen der Fabriken in ganz Deutschland die Aufmerksamkeit auf Reichskanzler Hitlers Forderung nach Gleichheit in den
Rüstungen für Deutschland lenkte. Tausende von Arbeitern waren in der Halle versammelt, um den Reichskanzler vor dem Mikrophon au hören, das seine Worte zu den Millionen an den Lautsprechern im ganzen Lande trug, die mit stürmischer Begeisterung von den Männern und Frauen begrüßt wurden, von denen viele vor wenig en Monaten noch M a r xisten waren.
Für das große Interesse an den morgigen Wahlen ist bezeichnend, daß die Blätter die Leser ausführlich über d i e Technik der deutschen Wahl aufklären. „Daily Mail" bringt sogar photographische Wiedergaben der beiden Stimmzettel.
Großer Eindruck in Amerika.
Washington, 10. Nov. (WTB.) Die Rede Adolf Hitlers aus der Maschinenhalle des Siemens- Dynamowerkes, die nebst einem englischen Rösumöe heute früh im ganzen Lande von der National Broadcasting Company verbreitet worden ist, war klar verständlicy und sehr eindrucksvoll. Die gleiche Rundfunkgesellschaft hat Vorkehrungen getroffen, den amerikanischen Hörern auch Hindenburgs Rede sowie am Sonntagnachmittag die Wahlergebnisse zu bringen.
Standrecht über Oesterreich.
Einführung der Todesstrafe.
Wien, 10. Nov. (WTB.) Bundeskanzler Dr. Dollfuß hat heute über das ganze Bundesgebiet Oesterreichs das Standrecht verhängt, und zwar bezieht es sich auf verbrechen des Wördes, Brandstiftung und Gewalttätigkeit durch boshafte Beschädigung fremden Eigentums. Mit dem strafrechtlichen Verfahren für diese Fälle ist die Todesstrafe in Oe st erreich eingesührt worden. Es wird hinzuge- fiigl, daß jeder, der sich nach dieser Kundmachung eines der angeführten Verbrechen, wozu noch Raub zu zählen ist, oder der Aufreizung hierzu oder der Teilnahme daran schuldig macht, standrechtlich gerichtet und mit dem Tode bestraft würde.
Zu der Einführung der Todesstrafe schreibt die AmklicheRachrichtenstelle u.a.: 3nOesterreich ist die Einführung der Todesstrafe Infolge der verfassungsrechtlichen Bestimmungen im ordentlichen verfahren nicht möglich. Line Reihe von schwersten verbrechen, die geeignet sind, Ruhe und Ordnung und den wirtschaftlichen Aufbau des Staates zu gefährden, kann daher keine entsprechende Sühne finden. Der Bundeskanzler hat sich daher im Einvernehmen mit dem Iuftizminister entschlossen, das strafrechtliche verfahren bei verbrechen
des Mordes, der Brandlegung und der öffentlichen Gewalttätigkeit durch böswillige Beschädigung frem- den Eigentums für das ganze Bundesgebiet anzuordnen, das mit der Kundmachung in Kraft tritt. Die Strafprozehordnung wurde dahin abgeändert, daß die Durchführung des strafrechtlichen verfahrens dem Straflandesgericht Wien 1 für das ganze Bundesgebiet übertragen wurde.
Marxistische Kundgebungen in Wien.
Wien, 10. Nov. (WTB.) Nach Betriebsschluß fanden heute in etwa 400 großen Wiener Betrieben Versammlungen der Belegschaften statt, in denen gegen den Faschismus d e - m o n ft r i e r t wurde. Die Versammlungen konnten ungestört abgehalten werden. Abends waren weitere Versammlungen der sozialdemokratischen Parteimitglieder in rund 300 Lokalen anberaumt. Die Teilnehmerzahl belief sich auf insgesamt etwa 50 000. Die Polizei löste ungefähr den zehnten Teil der Versammlungen auf. Da die Teilnehmer in den Straßen Züge bildeten, schritt die Polizei ein, wobei es in fast allen Bezirken zu Zusammenstößen und Verhaftungen kam. Unter den Zwangsgestellten befanden sich auch der Abgeordnete Deutsch und andere sozialdemokratische Parlamentarier.
ferner auch solche außerhalb der Partei stehende deutsche Männer, die treue Freunde und Förderer der deutschen Kraftverkehrs- wirtschaft und des Kraftfahrsports sind. ®
Die Reichsbahn Hilst i>em Mittelstand durch den Winter. Weitere 25 Millionen für Haus-Jnstand- fetzungsarbeiten.
Berlin, 10. Nov. (WTB.) Die Reichsbahn hat im Dienst der Arbeitsbeschaffung für die kommenden Wintermonate Zusatzmittel in Höhe von 25 Mill. RM. zur Verfügung g e • stellt für Arbeiten, die sofort in Auftrag gegeben werden. Der größere Teil dieser Aufträge kommt den mittleren und kleineren Handwerksbetrieben zugute, da es sich vorwiegend um Instandsetzungen und Herrichtung von Bahnhofsgebäuden, Wohnhäusern und Werkstättenbauten handelt. Gerade in den saisonmäßig ungünstigen Wintermonaten sollen diese Mittelstandsbetriebe Beschäftigung behalten. Um eine Gewähr zu haben, daß dieses Ziel erreicht wird, sollen die neuen Aufträge b i s spätestens 31. MärA 1934 erledigt sein. Auch als selbständiger Arbeitgeber hat die Deutsche Reichsbahn dafür gesorgt, daß'in diesem Jahr 62000 Reichsbahnzeitarbeiter, die sonst nur während der günstigen Sommermonate beschäftigt wurden, uueg in den Wintermonaten Arbeit und Brot behalten.
Insgesamt 400 Millionen RM. für Arbeitsbeschaffung bewilligt.
Berlin, 10. Nov. (WTB.) Vorstand und Kreditausschuß der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten haben in dieser Woche im Arbeitsbeschaffungsprogramm vom 1. Juni 1933 weitere Darlehen im Betrag von rund 24 Millionen Mark bewilligt. Insgesamt hat die Deffa nunmehr Kre- ditzusagen von über 400 Millionen Mark gegeben, d. h. daß rund vier Fünftel der Mittel, die ihr im Rahmen des Arbeitsbesckaf- fungsprogramms vom 1. Juni zur Verfügung stehen, den Trägern der Arbeiten zugeteilt sind.
Das oeutsche evangelische Männerwerk
Berlin, 10. Nov. (TU.) Im Rahmen der Neu- güeberung der kirchlichen Arbeit wurde am 450. Geburtstage Martin Luthers in Berlin das Deutsche evangelische Männerwerk ins Leben gerufen. Dem Männerwerk werden eingegliedert die evangelischen Standesverbände (Arbeiter-, Gesellen-, Beamlen- und Akademikervereinigungen), die Evangelischsozialen Organisationen, der Dorfkirckenverband, und die vorhandenen Sozialämter und Männer- dienste. Zum Reichsführer und zum stellvertretenden Reichsführer wurden die Mitglieder der Reichs-» kirchenregierung, Präsident T h e m e l und Dr. I a g o w ernannt.
Oie Ermordung Nadir Khans ein Akt der Blutrache?
Bombay, 10. Nov. (TU.) Der berühmte K y ■ ber - Paß, der von Nordindien nach Afghanistan führt, ist von der indischen Regierung für die Durchfahrt gesperrt worden, um Unruhen im Zusammenhang mit der Ermordung des afghani- fchen Königs zu verhüten. Zur Zeit ist das Grenz
gebiet ruhig, obwohl mehrere afghanische Führer bereits ihre Ansprüche auf den Thron angemeldet haben. Als Hauptanwärter wird neben Aman Ullah der Bruder des ermordeten Königs, Mali Khan, genannt, der zur Zeit afghanischer Gesandter in Paris ist, sowie Ghau Suddin, der Führer des Ahmedzai Gilzai-Stammes. Die neueste Auffassung über die Ermordung des Königs geht dahin, daß es sich um einen Akt der Blutrache handelt, die seit der Ermordung des Emirs Habib Ullah im Jahre 1919 zwischen der Familie Nadir Khan und der Familie Aman Ullah besteht.
Haßpsychose in Frankreich.
Die Jnterpellationsdebatte in der Kammer vertagt.
Paris, 10. Nov. (WTB.) Da viele Abgeordnete heute abend in ihre Wahlkreise zu reifen beabsichtigen, um den Waffenstillstandstag dort zu verbringen, konnte die Jnterpellationsdebatte der Kammer über die auswärtige Politik heute nicht abgeschlossen werden. Die Interpellation des Abgeordneten P e z e t von den katholischen Demokraten beschäftigte sich mit den Maßnahmen zur „Unterbindung des nationalsozialistisch-pangermani- stischen Vorstoßes gegen Mittel- und Osteuropa". Pezet regte die Schaffung einer Informa- tionszentrale i n den Ländern der K l e in en Entente zur Bekämpfung der deutschen Propaganda an und fordert die französische Regierung auf, um Deutschland herum ein Absperrungskartell zu legen, damit die Bombe im Innern platze. Frankreich wolle weder in Wien, noch Budapest, noch sonstwo herrschen. Aber es könne nicht dulden, daß Deutschland in Wien dominiere. Frankreich und seine Alliierten gedächten, den gemeinsamen Frieden zu erhalten.
Der rechtsstehende Abgeordnete Louis Marin behauptete, daß die Lücken des Versailler Vertrags durch das Locarno-Abkommen nicht gedeckt seien. Er fragte weiter, ob Deutschland bis zur Rechts- gültigkeit seines Austritts aus dem Völkerbund sich noch an den Völkerbundspakt halten und ob es die Beschlüsse des Völkerbundsrats anerkennen werde. Er glaube zwar nicht an den jetzigen Völkerbund, wünsche aber doch, daß Frankreich in ihn appelliere. Marin verlangte, daß auf der Abrüstungskonferenz nicht die geringsten Konzessionen mehr gemacht würden und beschwor zum Schluß den Ministerpräsidenten, für die Stärkung der französischen Armee und Flotte, sowie der Finanzen zu sorgen.
Außerminister Paul-Boncour erklärte, dem Wunsche vieler Abgeordneten nach Vertagung der Debatte nachkommen zu wollen, nicht etwa, um nicht vor dem 12. November Stellung zu den Fragen der verschiedenen Interpellanten nehmen zu müssen, denn er glaube nicht, daß seine Ausführungen irgendeinen Einfluß auf die deutsche Volksabstimmung haben würden. Jedenfalls könne er mit Gewißheit sagen, daß der Ausgang der Volksabstimung in keiner Weise die Politik Frankreichs ändern könne. (Lebhafter Beifall.) Folglich werde die Regierung in aller Muße am Dienstag den Interpellanten antworten und ihre eigene Politik klarlegen können, weniger um auf die in der Jnterpellationsdebatte vorgetragene Kritik zu antworten, als um fich den Beforgnisfen der Interpellanten anzuschließen. (Lebhafter Beifall.)
Aus aller West.
Pariser Ehrung für Professor volhard.
3n der Aula der Sorbonne in Paris fand in Gegenwart des Präsidenten der Republik und des französischen Kultusministers die feierliche Ernen- nun9 des Professors Dr. Volhard- Frankfurt am Main, zum Doctor honoris causa der Universität Paris statt. Zugleich mit Professor Vol- Hard wurden Professor C i v i t a aus Rom, Luigi Cadalfah aus Barcelona, Professor Cushing aus Baltimore und Professor van I t a I i e aus Leyden zu Ehrendoktoren ernannt. Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Roussy, führte Professor Volhard ein und würdigte in längerer Ansprache die Verdienste Volhards besonders um die Nierenpathologie. Als äußeres Zeichen der Ehrung überreichte der Dekan den neuen Ehren- doktoren der Pariser Universität die Insignien: ein pelzoerbrämtes Band in den französischen Landes- farden, über die linke Schulter zu tragen, sowie eine Medaille und eine Urkunde. Die feierliche Handlung wurde begleitet von der Unvollendeten Symphonie von Schubert.
Ausstellung „Luther und fein kreis" in Berlin.
Die staatlichen Museen in Berlin eröffneten im Kaiser-Friedrich-Museum eine Sonder-Ausstellung „Luther unb sein Krei s", um auch zu ihrem Teil zum würdigen Gedenken des 450. Geburtstages des großen deutschen Reformators beizutragen. Aus den Kupferstichen im Deutschen Museum, im HohenAollernmuseum und anderen Museen ist in strenger Auswahl zusammengetragen worden, was „ohne Ueberladung einen Eindruck von Luther, seiner Zeit und seinen Zeitgenossen zu vermitteln geeignet ist". Selbstverständlich nehmen die Bilder von Lukas Cranach dem Weiteren einen überragenden Platz ein, der uns ohne Zweifel die schönsten Bilder des großen Deutschen hinterlassen hat. Für Cranach bot sich als sächsischer Hofmaler und persönlichen Vertrauten, Gelegenheit genug, Luther zu sehen, was Dürer trotz seines sehnlichsten Wunsches nicht vergönnt war. Die Ausstellung, die u. a. Bilder des jungen Cranach, von Holbein, Aldegre- ver und Baldung Grien umfaßt, erfüllt aufs beste ihren Zweck, den Geist jener Zeit zu verdeutlichen, in der das große Werk der Reformation entstand. Verlegung der Dornier-Werke von Friedrichshafen nach Wismar.
Die Dornier-Werke haben sich entschlossen, ihren Friedrichshafener Betrieb, die Flugzeugwerft, nach Wismar in Mecklenburg zu verlegen, wo außer der Werft ein See- und ein Landflugplatz entstehen wird. Für Wismar bedeutet diese Ber- lepung eine außerordentliche Belebung des Arbeitsmarktes: denn die Stadt Wismar hat eine der prozentual höchsten Arbeitslosenzahlen in Deutschland aufzuweisen. Die Verlegung ist insbesondere auf die Bemühungen des Reichsstatt- halters von Mecklenburg und Lübeck, Hildebrandt zurückzuführen.
Dampfrohrexplosion auf hoher See. 5 Toke, 5 Schwerverletzte.
Eine schwere Dampfrohrexplosion ereignete sich auf dem nach Bombay unterwegs befindlichen englischen 8000-Tonnen-Passagierdampfer „City of Cairo" im Mittelmeer. Fünf Mann der Besatzung — vier eingeborene Matrosen und ein englischer Ingenieur — wurden getötet. Der zweite Ingenieur und vier eingeborene Matrosen wurden schwer verletzt. Die Toten wurden auf hoher See beigesetzt. Die Verletzten wurden in Port Said an Land gebracht.
Brandunglück in Paris.
Ein folgenschweres Feuer brach nachts in einem bekannten Pariser Restaurant aus. Als alle Gäste das Lokal verlassen hatten, sollten Teppiche gereinigt werden, weshalb sie vorher mit Benzin abgerieben worden waren. Beim Einschatten des Staubsaugers entstand plötzlich Kurzschluß. Im Nu stand der ganze Raum in Flammen. Obwohl die Feuerwehr sofort zur Stelle war, gelang es nicht, fünf Angestellte des Restaurants rechtzeitig zu befreien. Der Küchenchef verbrannte bei lebendigem Leibe, während die übrigen mit schweren Rauchvergiftungen in ein Krankenhaus gebracht werden mußten.
Schweres Autounglück bei Weh. 9 Tote, 18 Verletzte.
Ein Zusammenstoß zwischen einem großen Lastkraftwagen und einem Arbeitertransportwagen, auf dem sich zahlreiche Arbeiter zu den Befestigungsanlagen begaben, forderte unweit von Metz 9 Tote und 18 Verletzte. Acht von den Verletzten mußten ins Krankenhaus von Saargemünd eingeliefert werden. Der Zusammenstoß erfolgte in einer abschüssigen Kurve, nachdem der Führer des Lastkraftwagens die Gewalt über feinen Wagen verloren hatte. Der Lastkraftwagen fuhr mitten in den Arbeitertransportwagen hinein.
Wettervoraussage.
Tiefer Druck hat sich über Deutschland ausgebreitet und bestimmt die Wetterlage. Durch Zufuhr ozeanischer Luft bleibt das Wetter wechselhaft und vorübergehend bewölkt, zeitweise treten dabei Niederschläge auf. Da der Wolkenschirm die Ausstrahlung behindert, gleichen sich die Temperaturen zwischen Tag und Nacht ziemlich aus. Ueber den britischen Inseln baut sich der Luftdruck langsam auf, gleichzeitig hat Island eine neue kräftige Störung erreicht. Zwar dürfte durch das Zwischenhoch etwas beständigeres Wetter folgen, dies scheint aber durch den erneuten Druckfall nur vorübergehend zu sein.
Aussichten für Sonntag: Neblig-wolkig und wechselnd bewölkt, Temperaturen ziemlich aus- gealichen, einzelne Niederschläge.
Aussichten für Montag: Weiterhin wechselhaftes Wetter.
Lufttemperaturen. Am 10. November: mittags 2,3 Grad Celsius, abends 1,1 Grad: am 11. November: morgens 2,2 Grad; Maximum 4,0 Grad, Minimum minus 2,2 Grad; Sonnenscheindauer eine halbe Stunde. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 10. November: abends 1,8 Grad; am 11. November: morgens 2,3 Grad Celsius.
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