Ausgabe 
11.5.1933 Frühausgabe
 
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Aus -er Provinzialhauptsta-i.

Nationaler Oroßflugtag.

Die große Flugsportwerbeoeranslaltung. die am kommenden Sonntag auf dem Flughafen Gießen slattfindet, wird, wie man uns schreibt, eine beson dere Note tragen, da erstmalig die neu gegründete Ortsgruppe Gießen des nationalenDeutschen Luft- sport-Dcrbandes", sowie der SA..Fliegersturm 3 in die Oefsentlichkeit tritt. Das Programm, welches pünktlich um 15 Uhr beginnt, wird mit einer Pa- radcaufstelluna der Flugzeuge, Flugzeugbesatzungen und des «A.-Fliegerslurms 3 eröffnet Anschließend erfolgt die Taufe eines Segelflugzeuges TypFalke" welches von derAkademischen Flieaergruppe an der Universität Gießen" gebaut wurde. Hieraus beginnen die Filmvorführungen, die hauotsächlich von der Südwestdeutschen Sportslieger-Pereinigung" be- stritten werden. Begonnen wird mit einem Staffel- flug, bei dem Kunstflüge im Verbände gezeigt wer­den. An diesem Geschwaderkunstslug werden sich fünf Sportflugzeuge beteiligen. Alsdann erfolgt ein Luft­angriff auf einen fahrenden Tank. Man wird hier über das Arbeitsgebiet der Infanterieflieger unter­richtet. Nunmehr zeigt Erbprinz zu solms Hohensolms.Lich Siunftflüge. Er fliegt ein Flugzeug Typ(Berner R II". Die Maschine wurde erst in allerletzter Zeit vom Gerner-Fluazeugbau, Frankfurt, konstruiert. Bei einem Ballon,agdwett bewerb treten die Flugzeugführer der Sudwestdeut schen Sportfliegeroereinigung und die Piloten der Fliegergruppe Friedberg in Wettbewerb. Fluglehrer Ludwig Maier wird alsdann auf einer BFWM. 23 alle Arten von Kunst« und Rückenflügen oorführen. Besonders intercffawt wird sodann ein Geschicklich- keitswettbewerb sein, den E r b p r i n; z u S o l m s- Hohensolms-Lich und Fluglehrer Ludwig M a ie r in ganz geringer Bodennähe auf dem Roll» seid ausführen. Das neu getaufte Segelflugzeug wird bann durch eine Motormafchine in 800 Meter Höhe geschleppt, um Segelflüge mit anschließender Ziellandung auszusühren. Ein Fallschirm-Zielab- sprung folgt. Ferner erfolgt der Abschuß eines Fes­selballons. Es werden zwei Flugzeuge starten, die die Aufgabe haben, mittels Leuchtpistole vom Flugzeug I aus den Ballon in Brand zu schießen. Ausgeloste |

Freifluae und Rundslüqe beschließen das umfang­reiche Programm. Während des Flugtages Ion- vertiert die SA..Standartenkapelle Schotten unter Leitung des SA -Kapellmeisters Groth. Um allen Schichten der Bevölkerung den Besuch des erstenNationalen Großslugtages" zu ermoglick)cn, sind die Eintrittspreise niedrigst festgelegt. (Siehe heutige Anzeige!)

Bornotizcn.

Tageskalender für Donnerstag: Evang. Frauenoerein, 15 Uhr, Caf6 Leid, Parallcl- Dersammlung der Hauptversammlung für die Ober- hessischen Frauenoereine, Dortrog überMutter und Volk". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ein Lied für Dich*.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 30. Vorstellung im Freitag-Abonnement Einmaliges Operngastspiel des Stadttheaters Mainz. Zum Gedächtnis des 50. Todestages Richard Wagners Aufführung des MufikdramasTristan und Isolde". Die Inszenie­rung besorgt Paul W e i s I e ö e r ; am Dirigenten« pult Kapellmeister Schwieger. Opernpreise. Rundfunk- und Vorzugsgutscheine haben Gültigkeit. Spieldauer von 19 bis nach 23 Uhr.

* Einbrüche in Garagen. Der Polizei­bericht meldet: 3n der Rächt Aum Mittwoch mür­ben eine Anzahl Garagen in der Händel- und in der Schubert st raße erbrochen. Entwendet wurden ein Motorrad, vier Paar Damenspangenschuhe, ein grauer Mantel und ein brauiyr Kolter mit klemen Brandlöchern. Sachdienliche Beobachtun­gen werden an die Kriminalpolizei erbeten.

DaS Fundsachen-Berzeichnis. Dom Polizeiamt wird mitgeteilt: Das Der- zeichnis über die im Monat April gefun­denen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Land- graf-Philipp-Platz 1, cingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre cttoaiaen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundoureau während der Dienststunden geltend zu machen.

Der ck.Mai in Oberheffen.

Eindrucksvolle Kundgebungen zu Ehren der deutschen Arbeit.

Lollar.

Der lag der nationalen 21 r b e U wurde auch in unserem Ort festlich begangen. Am Morgen fand auf der Main-Weser-Hütte eine eindrucksvolle Feier statt, an der die gesamte Belegschaft, die Lol- larcr SA. und die Hitler- und Hassia-Iugend teil- nahmen. Nach dem Aufmarsch odn rund 1100 Werk­angehörigen erschienen unter Vorantritt der hiesigen Feuerwehrkapelle mehrere hundert Angehörige klei­nerer Betriebe, Bauern und Handwerker, um eben­falls an der Feier teilzunehmen. Zur Einleitung spielte die Feuerwehrkapelle Lollar dasNiederlän­dische Dankgebet". Unter den Klängen des Horst- Wessel-Liedes wurde dann auf dem Gichtturm des früheren Hochofenwerks als einem der älteftenWahr- zeichen des Lollarer Hüttenwerkes die Hakenkreuz­fahne gehißt. Der Ortsgruppenbetriebswart der NSBO., Hans Hahn, hielt anschließend eine von nationalsozialistischem Geist getragene Ansprache, die in ein dreifaches Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland und den Arbeiterführer Adolf Hitler ausklang. Hierauf gab Direktor Sanken feiner Freude darüber Ausdruck, daß dieser Feiertag, den die Regierung zu Ehren der Arbeit aller schaffenden Stände unseres Volkes bestimmt habe, auf den ersten Maitag gelegt worden sei, den Tag, der früher der Bekundung des Klassenkampfes und der sozialen Zwietracht gedient habe. Seine Ausfüh­rungen schlossen mit dem Bekenntnis zum sozialen Frieden und zur Mitarbeit an dem Werk der so­zialen Versöhnung. Der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes bildete den Abschluß der Werk­feier, die bei allen Teilnehmern einen erhebenden und bleibenden Eindruck hinterließ. Die Teilnehmer bildeten nun einen imposanten Zug, der sich mit Marschmusik durch die Straßen des Ortes nach dem Schulplatz bewegte, wo ein Feldgottesdienst abge­halten wurde, bei dem Pfarrer Kalbhenn btc Festpredigt hielt. Nachmittags fand ein weiterer großer Umzug statt, wie ihn Lollar wohl noch nicht gesehen hat. In voller Eintracht marschierten die Schulen, die Vereine, die Belegschaften der mdu- striellen Betriebe, Handwerker und Gesellen, Land­wirte und Gemeindeverwaltung zum Festplatze. Der Ortszellenleiter Wagner hielt eine kernige Rede auf das neue Deutschland und seine Führer, die in ein dreifaches Heil ausklang, in das die Menge be­geistert einstimmte. Musikvorträge, hochwertige tur­nerische, gesangliche und sonstige Darbietungen der Vereine und Schulen trugen zur Unterhaltung bei.

Akten-Duseck.

X ileberauä festlich wurde hier der Tag der nationalen Arbeit begangen. Der Po* saunenchor eröffnete den Tag mit einem Cyoral- blasen. Die Straßen prangten in nie gesehenem Flaggen- und Girlandenschmuck. Mittags hielt Edler v. G r aeve, Gießen, eine Ansprache vor der Kirche über den Sinn der Arbeit und ins­besondere die neue Bedeutung des 1- Mai im Gegensatz zu früheren Jahren Danach bewegte sich unter dem Geläute der Glocken ein natt- licher Festzug durch die Straßen, in dem em g schön geschmückte Wagen der verschiedenen Hand werkszweige viel Abwechslung boten. A. f Höhe wurde nach einleitenden Worten bee o Iciterd Kahl eine junge Hitlereiche gepf^nzt Dann ergriff Pfarrer Rauinann das War zu längeren Ausführungen, die die heran wachsende Jugend zu innerer Kraft und Starke mahnte. Chore. Musikstücke und. DeNamattonen umrahmten in schlichter Weise die

Schluß übernahm Bürgermeister B e cl e r oie Eiche in den Schutz der Gemeinde.

Göbelnrod.

0 Am Dorabend des Tages der natio­nalen Arbeit wurde auf dem Reitzberg cm Feuer abgebrannt. Dürgerm«ster W e ber kenn­zeichnete in seiner Rede die Bedeutung der nationalen Erhebung und schloß $ $

auf Datcrland und Regierung. Am Alvrgen des 1. Mai wurde durch Trompctenftgncttge­weckt, später erklang Glockengelaute. Die Schul­kinder und viele Erwachsene versammelten: sich m der Schule, wo der Lehrer auf die Bedeutung des Tages hinwies. Dann horte man eme traqunq von Berlin. Rachmittags bewegte s.ch ein^ Festzug durch das Dorf, m dem kein Haus ohne Schmuck zu finden war. Dor der Schule

schloß sich dann eine Feier an; Lehrer Allen- b ö r f e r hielt die Festrede, die durch zwei vater­ländische Chöre des Gesangvereins umrahmt wurde. Polizeidiener Kern gedachte der Toten des Weltkrieges und der Opfer der nationalen Erhebung. Mit dem Gesang des Deutschland­liedes und deS Horst-Wessel-Liedes schloß die Feier. Am Abend versammelte man sich am Lautsprecher, um den Reichskanzler zu hören.

Rieder-Bessingen.

Am Tag der nationalen Arbeit sand hier eine würdige Feier statt. Unser Dörfchen war festlich geschmückt. Dormittags fand die Rundfunkübertragung aus Berlin und Darmstadt eine große Zuhörerschaft. Anschließend sand ein Gottesdienst statt. Am Rachmittag bewegte sich ein Festzug durch das Dors. Dank der Opfer­freudigkeit der Einwohner war es Pg. Lehrer Hinkel gelungen, eine Anzahl Festwagen sowie Arbeitergruppen zusammenzustellen. Die Dereine beteiligten sich geschlossen. Am Lindenplatz fand eine Kundgebung statt; die Ansprache hielt Pg. Pfarrer Staubt. Die Feier war von Gesän­gen bes gemischten Chores, der Schulkinder und Reigen des evang. Mädchenvereins unter Lei­tung Ihrer Durchlaucht Auguste Eleonore, Prinzessin von Solms-Lich, umrahmt. Abends hörte man die Hebertragung vom Tempelhofer Feld.

Nidda.

Der Tag der nationalen Arbeit wurde auch in unserer festlich geschmückten Stadt würdig gefeiert. Nach dem Weckruf zogen die An­gehörigen der Betriebe und die Beamten unter Glockengeläute zum Hissen der Hakenkreuzfahnen. Der vorzüglich vorbereitete Festzug, der sich nach­mittags durch die Stabt bewegte, war von solcher Ausdehnung, wie man es hier noch nie gesehen hatte; fast alle Handwerkerzweige, die gewerblichen Betriebe, die Reichsbahn, die Post, die Landwirte beteiligten sich an dem beinahe zwei Kilometer fangen Zuge. Auf der großen Gänsweide hielt Stu­dienassessor August Campers von hier eine ker nige Festrede, in der er auf die Bedeutung der Feier hinwies. Dann wurde am Wehr bei der Stadtmühle eine Hitler-Eiche gepflanzt. Die Weihe­rede von Pfarrer Laut betonte die Symbolik die­ses Baumes, Bürgermeister Rullmxinn über nahm ihn mit Dank und Freude in den Besitz und Schutz der Stabt. Die GesangvereineEintracht" undSängerkranz" von hier eröffneten und be­schlossen die Feierlichkeiten mit schonen Chören.

Glashütten.

Zu einem außerordentlichen Erlebnis gestaltete sich die Feier des Tages der nationalen Arbeit. Gin stattlicher Festzug bewegte sich nach einem idyllischen Platz in der Rähc des Fried- Hoses, wo eine Hitlerlinde gepflanzt wurde. Der Gesangverein Sängcrlust-Sintracht fang unter Lei­tung von Lehrer L e h m e r einen vaterländischen Chor. Blockwart Karl Dinges begrüßte die Erschienenen. Fcldmeister Hans sprach in be­redten Worten über die Bedeutung bes 1. Mai. Rach der Weihe ber Hitlerlinde übernahm Bür- gcrmcifter Dinges diese in ten Schutz der Ge­meinde. Das Deutschlandlied oeschloh die er­hebende Feier, die von Gesängen und Gedicht- torträgen umrahmt war.

Hochelheim.

Der Tag ber nationalen Arbeit wurde in unserem festlich geschmückten und beflaggten Ort mit einem Weckruf des Posaunenchors emaeleitet. Dann wurde in allen Betrieben unter dem Geläute ber Kirchenglocken die Hakenkreuzfahne gehißt. Hier­auf versammelte sich die SA., die Hitlerjugend und alle Vereine vor der Schule. Nach einem Posaunen- Dortrag hielt Pg. Mehl eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages hinwies. Nach dem Anhören ber Lustgartenkundgebung wurde ein Feldgottesdienst abgehalten, bei dem Pfarrer Schneider die Festpredigt hielt. Der Posaunen­chor und ber Frauenchor verschönten die Feier mit ihren Vorträgen. Abends fand ein Umzug durch den Ort statt, voran der Posaunenchor und die Tromm­lerabteilung des Turnvereins, dann die SA.. Hitler- jugenb, die Schuljugend und die Arbeiter aller hie­sigen Betriebe, außerdem sämtliche Vereine mit ihren Fahnen. Nach dem Anhören ber Kundgebung auf dem Tempelhofer Feld sprach Pg. Mehl ein

kurzes Schlußwort. Er richtete die Mahnung an alle, die Worte des Führers zu beherzigen.

Großrechtenbach.

Der Tag der nationalen Arbeit wurde in unserer Gemeinde würdig begangen, flaggen- schmuck und Maiengrün zierten die Häuser. Schon am Tage vorher hatte ein Rüstgottesdienst in ber Kirche ftattgefunben, an dem die SA. und die Ver­eine geschloffen teilnahmen. Die Feierlichkeiten am 1 Mai wurden eingeleitet mit Glockenläuten, bas die Gemeinde zu einem Feldgottes - b i e n ft zusammenries. Ein Posaunenvortrag unb ein Gesangvortrag leiteten die Feier ein. Lehrer Messerschmidt hielt die Festpredigt. Mit dem Zoofenstreich fand der feierliche Gottesdienst sein Ende. Anschließend wurde ber Festzug ausgestellt.

der sich mit Musik zum Schulhofe bewegte, wo eine Kundgebung stattsand. Nach einem Marsch unb dein Chorlieb des Mannergesangvereins begrüßte der Stutzpunktleiter Karl L a n g die Gemeinde und wies auf den Sinn des Tages hin. Bürgermeister Dr. 'Neumann hielt die Festrede. Die Gemeinde sang bann:Ich hab mich ergeben-, SA -Mann Heinrich Trippler trug ein Gedicht vor. Der stellv Stutz punhleiler, Landwirt Wilhelm Lanasdors, wies in seinem Schlußwort aus die Schicksalsverbunden, heil zwischen Arbeiter unb Bauernstand hin unb brachte ein breifaches Sieg-Heil aus auf ben deut­schen Arbeiterstanb, das Vaterland, den Reichspräsi­denten unb ben Volkskanzler Adolf Hitler Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied sand die eindrucksvolle Feier ihr Ende.

Der Spargel in Geschichte unb Anekdote.

Ein kleines kulinarisches Kapitel im Monat Mai.

Der Spargel, dessen Erscheinen den Fein­schmecker jetzt wieder beglückt, ist ein Frühlings­bote, der gleichsam den Auftakt darstellt zu weiteren Genüssen, die nach ihm kommen, zu den Erdbeeren und den jungen Gemüsen. So hell auch jetzt der Preis dieser Delikatesse erschallt, so ist man bei uns doch lange Jahrhunderte achtlos an ihr vorübergegangen 3m Mittelalter galt der Spargel nicht als wohlschmeckend, sondern als heilkräftig, und man genoß nicht den Stengel, sondern die Wurzel.

Selbst der große Botaniker Ginne hat für ihn noch keine andere Bezeichnung alsAsparagus officinalis, wodurch nur seine Rolle in den Ofsi- cinen der Apotheker bestimmt wird. Die Wurzel, die getrocknet und dann entweder roh oder ge­kocht genossen wurde, war ein recht bitteres Mittel, sollte aber desto besser wirken. Dabei scheinen schon die alten Aegypter etwas von der Köstlichkeit des SpargelgeschmackeS gewußt zu haben, denn man hat in den Wandgemälden der altägyptischen Gräber auch Darstellungen gesun­den, die wie Spargelbündel aussehen. Jeden­falls waren die römischen Feinschmecker leiden­schaftliche Derehrer dieses Gewächses, und aus keiner vornehmen Festtafel dursten die köstlichen weißen Stangen fehlen, die damals wie noch he»te in Ravenna gezogen wurden.

Der ältere PliniuS berichtet, daß der Spar­gel auch in Germanien wild wachse, und von diesem altdeutschen Spargel soll der Kaiser T i - berius gesagt haben, ererinnere zwar stark an den richtigen Spargel, fei aber nicht eßbar". Als man sich im Italien der Renaissance, viel­leicht in Erinnerung an die Genüsse der alten Vorfahren, wieder auf den Spargel besann, wurde er zunächst in wilder Form genossen, und auch heute noch soll es Italiener geben, die den wilden Spargel lieber essen als den Kultur- spargel.

Seine gefeierte Stellung in der Kochkunst aber erlangte er erst, als man die Pslanze in strenge Zucht nahm. Im 16. Jahrhundert haben dann holländische Pflanzer die ersten deutschen Spargel* selder am Riedcrrhein angelegt, und 1539 schrieb derDater der Botanik" Hieronymus B o ck in seinemReuen Kräuterbuch" vom Spargel:Ein gemeiner Salat bei den Walen und Hifpaniern, ist nunmehr auch wie andere Leckerbißlein ins Deutschland gekommen, eine liebliche Speise für Leckermäuler, doch nit zu viel."

Dieser Zuchtspargel war freilich noch lange Zeit überaus teuer und konnte daher nur auf den Tafeln der Reichen erscheinen. Bezahlte man doch noch vor hundert Jahren für die Stange zwei bis vier Silbergroschen, für das Schock drei bis vier Taler. Erst in jüngster Zeit ist der Spargel in den Monaten seines reichsten Gedeihens zu einer Art Bolksnahrung geworden. Es gibt un­endlich viele Arten von verschiedenster Gröhe, Dicke und Färbung, und wie in allem sind auch in der Bevorzugung der einzelnen Sortendie Geschmäcker verschieden".

Richt minder mannigfaltig ist die Art des Der- speisens Man kann sagen, daß in jedem Land der Spargel auf andere Weise gegessen wird, und daß die Spargelesser der einen Ration immer von den andern behaupten, sie benehmen

sich dabei nicht anständig. In den .Kultur* ländern" wird der Spargel ungeschnitten ge­gessen, und da man vielfach behauptet, baß das Metall den zarten Wohlgeschmack beein­trächtige, sind mancherorts Messer und Gabel verpönt, und man saht mit den Fingern zu

Besonders wird die Art empsohlen, bei der man den Spargel am Ende mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand ersaht und mit der rechten Hand die Gabel unter die Spitze schiebt, um dann diesesschwanke", aber leckere Gebäude zum Munde zu sühren In England kam zuerst die Mode auf, nur die Köpfe zu verzehren, die ja zweifellos am zartesten sind, und diese Mode hat sich bann verbreitet, war eine Zeitlang ein Zeichen des eleganten Fein­schmeckers. Daß sic nicht überall angebracht ist, zeigt die Geschichte von jenem Königsberger Herrn, der an einer Berliner Tablc d'hote, als Spargel herumgcreicht wurde, alle Köpfe ab* säbelte und aus seinen Teller häufte. Als ihm der Tischnachbar mit den Worten in den Arm fiel:Aber um GotteS willen, Sie schneiden ja sämtliche Köpfe ah!" belehrte ihn der brave Ostpreuße lächelnd:Aber ja doch, Männchen, das is doch das Beste".

Richt minder berühmt ist eine andere Spargel­geschichte, die der Baron Grimm in seiner im 18. Jahrhundert an den deutschen Hösen ver- breitetenLiterarischen Korrespondenz" von dem berühmten Schriftsteller und Lebenskünstler F o n* tcnellc erzählt. Fontenelle, ein leidenschaft­licher Spargelsreund, hielt die Zubereitung mit Del für die einzig richtige und mögliche und stand damit im strengen Gegensatz zu einem be­freundeten Abbe, der den Spargel nur mit! Butter gern ah. Eines Tages erschien dieser Abbe unerwartet bei Fontenelle, der sich gerade eine gehörige Portion Spargel in Ocl bestellt hatte Wohl oder übel muhte er nun anorbnen, bah die Hälfte mit Butter serviert werbe. Da wird, während beide mit Sehnsucht der Mahl­zeit harren, der apoplektische Abbe plötzlich vom Schlag getroffen und sinkt tot in seinen Sessel zurück, worauf Fontenelle nach einem Augen­blick stiller Trauer nichts eiligeres zu tun hat. als dem Koch zuzurufen:Den ganzen Spargel mit Ocl!

In einer anderen Spargel-Anekdote, die B r i I- lat-Savarin erzählt, wurde ein aus be* sonders große Spargel erpichter französischer Bischof Courtois de Quincey von einem Spaß­vogel gefoppt, der ihm meldete, in seinem Garten wachse ein Riesenspargel, dessen violett glänzende Spitze hcrauslugte und einen faustdicken Stamm verriet. Alltäglich besichtigte nun der Bischof das weitere Herauswachsen dieses Wunder- gewächses, aber als er schliehlich eigenhändig mit einem besonders zu diesem Zweck Hergestell* ten Messer den kostbaren Spargel stechen wollte, da hielt er ein Holzstück in der Hand Ein Tafel­genosse, der vortrefflich drechselte und etwas malte, hatte den falschen Spargel mit größter Kunst angefertigt, heimlich eingesenkt und bann täglich etwas in bie Höhe gehoben Unter f)o-t , merischern Gelächter mußte sich der Bischof be­gnügen, den hölzernen Spargel als Tischdekora- tion zu benutzen­

Buntes Allerlei.

Das Honorar.

Der Maler Moritz von Schwind und der Frankfurter Mediziner Dr. Hoffmann, der auch schriftstellerisch, namentlich durch seinen .Struwwelpeter", bekannt geworden ist, unter­hielten enge freundschaftliche Beziehungen. Ein­mal war Schwind wegen einer Erkältung «auch einige Wochen bei Dr. Hoffmann in Behand­lung^

..Was bin ich schuldig?" fragte Schwind, als die Erkältung wieder behoben war.

.Wichtigkeit", meinte Dr. Hoffmann, .Sie las­sen mir gelegentlich eine kleine Zeichnung als Erinnerungsstück zukommen, dann sind wir beide quitt.

Schwind schenkte einige Tage später dem Arzt bie Zarbenskizze:Der Sängerkrieg auf ber Wart­burg".

Zunächst versuchte Dr. Hoffmann, das Geschenk, das ihm zu wertvoll erschien, abzulehnen. Schließ­lich ließ er sich aber doch von Schwind überreden unb nahm cs an.

.Run gut", sagte er bann,bafür haben Sie noch eine komplizierte Dehanblung bei mir gut, etwa einen schweren Rheumatismus, eine Arte­rienverkalkung oder so..." F. S.

Oie unterirdische Pilz-Stadt.

Die Katakomben von Paris, das unterirdische Ge­wirr von Gängen, bas sich unter der -eine-Stadt da- hmzieht, sind lange von dem romantischen Schimmer des Unheimlichen umgeben gewesen. Hier hausten Verbrecher unb anderes lichtscheues Gesindel, und die Phantastik dieses Schauplatzes ist in vielen Roma­nen, besonders in dem älteren Alexander Dumas ausgebeutet worden. Heute ist diese Romantik des unterirdischen Paris verblaßt. An ihre Stelle ist die praktische Ausnutzung getreten, und es hat sich in denEtngewelden" ber Lichtstadt seit langem eine nützliche Industrie entwickelt, nämlich die Zucht der Champignons, die eine Delikatesse für jeden Fein­schmecker bieten. Hier entwickelt sich in den Tiefen der Erde ein Leben der fleißigen Arbeit. Einen Be­such in dieser unterirdischen Pilzstadt schildert C. I. Martin in einem Londoner Blatt. Ihre Bewohner

befinden sich etwa 30 Meter unter den Wurzeln der mächtigen Bäume des Waldes von Saint Germain, und es gibt hier breite Straßen, auf denen zwei ?roße Lastkraftwagen leicht aneinander vorbeifahren önnen. Diese Straßen haben ihre Namen fogut wie die bes oberiridischen Paris. Da gibt es eine Rue de Rivoli, und eine Rue de la Paix, eine Place Ieanne d'Arc usw. Die Ausdehnung dieser Wege und Gange erstreckt sich über mehr als 12 Kilometer. Die Stadt ist zum großen Teil aus dem festen Ge« stein herausgehauen worden, unb zwar entstand sie aus den Steinbrüchen, bie hier 'ür den Bau der großen Oper und anderer öffentlicher Gebäude von Poris in den Jahren 1R62 bis 1*74 eingerichtet wurden. Die dadurch entstandene Unterwelt lag langt Zeit öde unb wüst, bis findige Kopfe auf den Ge­danken kamen, hier den ausgedehntesten Mittelpunkt der Pilzzucht zu schaffen, den es in ber Welt gibt Ein System von Rohren würbe angelegt, die durch die Straßen laufen, um die Pilzbeete zu bewässern. DiePilzftadt" gehört dem französischen Staat unb ist an die Champignon-Züchter aut lange Zeit oer« pachtet. Im Falle der Not könnte hier etn betracht« lidjer Teil der Bevölkerung der Oberwelt Schutz fin­den gegen Bombardements aus der Luft, unb die Flüchtlinge wären sogar gegen Gasangriffe sicher, denn diese Unterwelt hat cm vorzügliches Luitungs- System Die Champignon Zucht ist ein dankbares und einträgliches Geschäft. Jedoch werden bie jungen Pilze im Öaufe ihres Wachstums von einer Menge von Krankheiten bedroht, und die wichtigste Aufgabe besteht darin, die einmal befallenen Beete zu ent­fernen unb jode Ansteckungsgefahr zu verhindern, be­vor weitere Beete angelegt werden. Die Leitung dieser Maßnahmen liegt in den Händen eines Fach­mannes, der sofort jeden kranken Pilz untersucht, der ihm gebracht wird, unb die Verpflanzung solcher kranken Pilze an isolierte Stellen befiehlt Im gei- fterhaften Schein von Azetylen-Lampe.n werden die Champignons jeden Morgen um 5 Uhr gepflückt unb in Körbe verpackt Den ganzen Vormittag er­folgt bann ber Abtransport auf den unterirdischen Straßen, die von dem Lärm der Lastkraftwagen widerhallen. Die Körbe werden auf die Pariser Märkte gebracht oder nach anderen Städten Der« frachtet, die mit der leckeren Zucht versorgt werden.