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11.1.1933 Frühausgabe
 
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Prorf und Verla«: vrW'schc Unlveisitäis^uch: und Lleindruckerti S. x<m?e in Sietzen. Schriftieiwn, und Seschäftrftelle: Schnittratze r.

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmcl sämtlich in Gie;en.

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GietzemrAnzeiger

Generai-Anzeiger für Gberhesfen

Da« russische Hälfet

Eine Bilanz des Zünfjrchresplanes.

Don unserem russischen v.-Berichterstatter. , Moskau, Januar 1933.

Die meisten russischen Reiseberichte stammen von Verfassern, die über Kowno nicht hinausgekommen sind und dort das höchst einseitige Material pol­nischer und englischer Nachrichtenagenturen ver­arbeiten. So sind in Westeuropa immer noch die unterschiedlichsten Ansichten über das russische Rie­senreich verbreitet. Die einen glauben an den bal­digen Zusammenbruch und einen völligen Regie­rungswechsel. Kommunistische Zeitungen dagegen zählen wahllos industrielle Erfolge auf, ohne die russische Industrie und ihre Produktion im Gesamt­rahmen der russischen Staatswirtschaft und des Volkslebens zu sehen. Die Wahrheit liegt ausnahms­weise sogar nicht einmal in der Mitte, denn Ruß­land wird auch in diesem Jahre keine Krisen er­leben, die irgendwie das Sowjet-Regime in Frage stellen werden, und die Statistiken über die In­dustrialisierung Rußlands sind keineswegs gelogen. Rußland bleibt auch nach dem Abschluß des Fünf­jahresplanes, dessen letztes Jahr soeben zu Ende geht, das große Rätsel. Rätselvoll für jeden Deutschen schon deshalb, weil er sich einfach nicht vorstellen kann, wie der Russe mit den ihm zuge­teilten Nahrungsmitteln leben kann. Aber der Russe lebt doch, und es ist gerade in den letzten Jahren eine so außerordentliche Zunahme der Bevölkerung durch die hohe Geburtenziffer und die Verringerung der Säuglingssterblichkeit erfolgt, daß man das russische Rätsel nur mit einer Aushilfslösung erfassen kann, jener Aushilfslösung, die jeder Iung- bolschcwist, der von Partei wegen eigentlich zum Internationalismus verpflichtet ist, einem in bei­nahe nationalistischer Überheblichkeit erteilt:Wir sind das jüngste Volk der Welt! Was seid ihr alten Nationen gegen uns?"

Nicht der kindische Kampf der Gottlosenoerbände, nicht das Verbot der Weihnachtsbäume, nicht die drangvolle Enge in den Moskauer Straßenbahnen ist die russische Wirklichkeit. Dies alles trägt nur zu dem widerspruchsvollen Bilde bei, welches das heu­tige Rußland bietet, Fabriken und Kraftwerke in i unerhörtem Ausmaß neben schlangestehenden Hun­gernden, aus der Erde gestampfte Städte tief drin­nen, m der Steppe neben zerfallenden Straßenfron­ten in Petersburg und Moskau, Mutlosigkeit und Verzweiflung neben dem hemmungslosen Optimis­mus der Iugendverbände, erst aus all diesen Gegensätzlichkeiten ersteht die russische Wirk- lichleit an der Jahreswende 1932 33.

Der Fünf juhresplan, der für den Kom­munisten eine geradezu mystische Verheißung und eine Art von Kreuzzug bedeutet, ist weder, wie seine Feinde e_. voraus gesagt haben, ein vollkom­mener Mißerfolg geblieben, noch wurde er, wie be­sonders die westeuropäischen Kommunisten verkün­deten, zu einer Vorstufe des Paradieses auf Erden. Es besteht gar fein Zweifel daran, daß auf eini­gen Gebieten der Fünfjahresplan weit über­schritten wurde. So lassen in der Erdölgewinnung, in der Herstellung von Traktoren und landwirt­schaftlicher Maschinen, die erreichten Ziffern die Planziffern erheblich hinter sich. Dagegen konnten die für das letzte Jahr vorgesehenen 75 Millionen Tonnen Kohlen, 10 Millionen Tonnen Eisen und 10 Millionen Tonnen Stahl nicht im entferntesten produziert werden. Auch die Güte und Leistungfähigkeit der Trak­toren und landwirtschaftlichen Maschinen läßt man­ches zu wünschen übrig. Dennoch sollte man in West­europa keineswegs in den Fehler verfallen und die Zunahme der russischen Macht innerhalb des Fünf- jahresplanes unterschätzen. Die 1932 der Staatswirtschaft übergebenen Werke, das Riesen­kraftwerk Dnseprostroi, die Trattorenfabriken Sta­lingrad und Charkow, das große Werk zur Herstel­lung von Raupenschleppern und Par^erwagen in Tscheljabinsk, ferner die imponierenden Automobil­fabriken in Amo und Nischni-Nowgorod, die Stahl­werke in Magnitogorsk und die großen landwirt- schaftlM-en Werkstätten in Rostow, sie werden, wenn erst einmal d i e Lebensmittelschwierig­keiten für die russische Bevölkerung überwunden sind, Rußland so gut wie unabhängig vom Weltmarkt machen. Und nur unter diesem einen Gesichtspunkt sollte man in den übrigen Hauptstädten der Erde den Fünsjahresplan bewer­ten: wird Rußland wieder eingeschaltet werden können in die große Weltwirtschaftsordnung, ober aber bleibt Rußland künftighin ein autarkes Ge­biet mit eigenen Gesetzen, die die gesamte Wirtschaft zu einem Kriegsmittel des Staates machen. Und da bleibt nichts anderes übrig, als festzustellen, daß Rußland für immer der Weltwirtschaft ver­loren ist, und daß der Umbau der Wirtschaft zum staatlichen Kampfmittel Seite an Seite mit der Wehrmacht sehr bald zu einer Bedrohung der übrigen Weltmächte führen kann, die allen­falls noch mit dem Zug der Mongolen unter Dschinghiskhan verglichen werden dürfte.

Die innere Festigung Rußlands kann jedoch nur fortschreiten, wenn es gelingt, den Fünfjahresplan auch dort zu verwirklichen, wo er zu nichts anderem als zu einer vollkommenen Desorgani­sation der Ernährungswirtschaft ge­führt hat. Denn auch fernerhin bleibt für Rußland entscheidend nicht der Arbeiter, sondern der B a u e r. Hier aber hat sich in den letzten fünf Jahren seelisch nichts, und materiell alles nur auf das Ver­hängnisvollste gewandelt. Wohl sind die äußeren Planzifsern für die Kollektivierung der Landwirtschaft und die (Enteignung des bäuerlichen Besitzes erreicht worden, aber die 30 Millionen Morgen Staatsgüter und die mehr als 60 v. H. der Gesamtlandwirtschaft aufweisenden Kollektiv­farmen haben bisher in keiner Weise die Lebens­mittelversorgung Rußlands zu sichern vermocht.

Die Finanzlage des Reiches.

Bericht des Reichsfinanzministers im Haushaltsausschuß des Reichstages.

D e r l i n, 10. Ian. (DDZ.) 3m Haushaltsaus- !chuß des Reichstages begann am Dienstag die s i nanzp olitische Aussprache.

Reichsfinanzminister

Graf Schwerin v. Krosigk

gab zunächst einen ausführlichen Heberblid. Das Rechnungsjahr 1931 hat mit einem Gesamtsehl- betrag von 1690 Will. Mk. abge'chlo'sen. Diese letzen sich zusammen aus dem Fehlbetrag aus dem Jahre 1930 in Höhe von 770 Mill. Ml., der sich dadurch erklärt, daß von dem eigentlichen Fehlbetrag von 1190 Mill. Mk. im Jahre 1931 420 M:ll. Mk. getilgt worden waren, dem Defizit des e^racrbinariumS in Höhe ton 470 Mill. Mk. und dem eigentlichen Defizit des Ordinariums des Jahres 1930 in Höhe von 450 Mill. Mt. Das eigentliche Defizit des Jahres 1931 in Höhe von 450 Mill. Mk. setzt sich aus einem Zurückbleiben der Einnahmen in Höhe von 116 Mill, und aus Mehrausgaben in Höhe von 334 M:ll. Mk. zusammen. Die Steuer» mindereinnahmen des Jahres 1931 be­tragen gegenüber dem Ctatsansatz an sich 382 Mill. Mk. Wenn sie trotzdem nur als Minder­einnahme in Höhe von 116 Mill, erscheinen, so erklärt sich das durch ein Mehrauskommen ins­besondere aus der Münzprägung, die im Etat nicht vorgesehen war.

Aus dem Jahre 1930 ist ein Rettorest von 158 M.llionen für das 3ahr 1932 übernommen worden.

Heberschreitungen sind im Jahre 1931 im Ge- samt betrag von 494 Mill. Mk. eingetreten, die sich durch die Wir.schaslscnlw.cklung im Jahre 1931 erklären, insbesondere seit der 3uli-Krisr. 3n diesen 494 Mill. Mk. sind enthalten 26 Mill, zur Verbilligung von Fr.sch-leisch, 52 Mill, für Siedlungszwecke, 57 Mill, für die Münzprägung, denen aber ein entsprechend hoher Einnahme­posten gegenübersteht, 96 Mill, zum Erwerb von Vorzugsaktien der Dresdner Vanl, 23 Mill. Be° te;I.gung an der ll.orddeutschen Kreditbank und Akzeptbank, 85 M.ll. Kassenkredite an notleidende Länder, 23 Mill. Zuschüsse zur Rationalisierung g iwerblicher Gcnosscnjchaften und 33 Mill, für d e landwirtschaftliche üiim,chuldung rn Ostpreußen.

Rach diesem Heberblid über das Ergebnis des Jah-res 1931 ging der Minister auf das Etats- ia5*r 1932 ein. Für 1,32 trat e n S uerauflommen Don 7,764 Milliarden veranschlagt. 3m' ganzen 3 f h.n tu vj man mit eine a M.nteraullvmmen bvn rund 800 Millionen an Steuern und Zöllen rechnen müssen, in das sich Reich und Länder teilen, so daß wir

insgesamt Ende des Rechnungsjahres 1932 einen Fehlbetrag von 2070 Millionen haben werden. Warm man sich überlegt, daß in diesem Fchl° b.trag die 470 Millionen Cxtraordinarium sind, die w.r aus früheren Jahren mitgeschieppt Haven, so ergibt sich, daß wir in Wirklichkeit im ordent­lichen Haushalt einen Fehlbetrag von 1,5 Milliarden haben, die taliä hlich den Fehl­betrag aus den Krifenjahren 1 930 b i s 19 32 bar [teilen. Das ist ein finanzielles Ergib- i uis, das in Anbetracht der durchlebten schweren Krise erträglich erscheint. Wenn man auf der 1 anderen Seite s eh., daß Amerika das Etats­jahr 1931 32 mit einem Fehlbetrag von 2,9 Mil­liarden Dollar, also über 10 Milliarden Mark, abgeschlossen hat, daß auch Frankreich sich mit einem Defizit plagt, das 23 Milliarden Franken in diesem Jahr beträgt, so ergibt sich immerhin, daß u. ser Se^ .betrag bei aller Schwere, die er kastenmäßig und etalsmäßig bedeutet, an der Schwere der Krise dieser drei 3ahre ge­messen, ein Ergebnis darstellt, das nicht allzu gefährlich ist.

Heber den Stand der Schulden des

Reiches erklärte der Minister, die Schulden be­trugen am 31. März 1932 - 12,152 Milliarden und am 31. Dezember 1932 - 12,264 Milliarden. Die Lage des letzten Vierteljahres wird aller­dings dazu führen, daß wir in diesen drei Mo­naten eine weitere Zunahme der schwebenden Schuld erleben werden.

Der Minister gibt dann eine Heberfidjt über die vom Reich übernommenen Bürgschaften. 3bre Summe betrug am 1. April 1932 2015 Mil- honen Mk., am 1. Oktober 2146 Millionen Mark einschließlich 150 Millionen Mk. für Wech- selkredite zu dem Zweck der Arbeitsbeschaffung bei dem Straßenbau und bei der Wasserwirt­schaft. Auf die Landwirtschaft entfallen davon 270 Millionen, und zwar 71 Millionen auf Dünge­mittelkredite und 117 Millionen auf die land­wirtschaftliche Hmschuldung auf Grund des Ost» Hilfegesetzes. Leim Düngemittelgeschäft erwartet man statt des ursprünglich angenommenen Aus­falls von 15 Millionen nur noch einen solchen von 5 bis 6 Millionen. Auf Handel und Ge­werbe entfallen Bürgschaften von 637 Millionen, auf Schiffahrt und Verkehr 96 Millionen, auf Reedereien 47 Millionen, Wohnungs- und Sied­lungswesen 155 Millionen. Die Bürgschaften für die Tanken betragen 759 Millionen. Aus frühe­ren Jahren besteht noch eine große Zahl von Garantieermächtigungen. Sofern wir davon nicht in absehbarer Zeit Gebrauch machen müssen, wol­len wir sie für erledigt erklären. Allein für die Landwirtschaft sind noch 467 Millionen Garan­tieermächtigungen offen, von denen 380 Millio­nen für erledigt erklärt und nur 87 Millionen offen gehalten werden sollen, die bei der Hm» schuldung im Osten benötigt werden. Beim Woh­nungs- und Siedlungswesen bestehen noch Garan­tieermächtigungen von mehr als 1100 Millionen,

von denen ebenfalls ein erheblicher Teil für er­ledigt erklärt werden soll. Eine erhebliche Rolle für die Belastung der künftigen Jahre spielen die Schahanweisungen für Stühungszwecke, deren Gesamtsumme 1207 Millionen beträgt. 892 Mil­lionen entfallen davon auf frühere Regierungen, 315 Millionen auf das Kabinett Papen. Jeden­falls wird man für die Jahre 1933 bis 1937 aus den für Stützungszwecke begebenen Schatzanwei­sungen mit einer jährlichen Belastung zwischen 125 und 200 Millionen rechnen müssen. Hinzu kommt die Belastung aus dem Arbeitsbeschassungspro- gramm der Regierung Papen in Höhe von 340 Millionen. Diese Belastung beträgt für die Jahre 1933 bis 1935 im Jahresdurchschnitt etwa 115 Millionen. Endlich haben wir die Belastung aus den Steuergutscheinen. Wenn diese in der vorhergesehenen Höhe von 2,2 Milliarden bege­ben werden, würde das in den nächsten fünf Jah­ren einschließlich der Zinsen eine jährliche Be­lastung von rund 500 Millionen ergeben.

Für die Jahre 1934 und 1935 wäre die Be­lastung also besonders schwer, nämlich 740 Blillionen jährlich, von 1936 ab würde die Be­lastung dann etwas absinken.

Diese Summe verliert etwas ihre Schrecken, wenn man mit ihr vergleicht, daß wir im Augen­blick im Etat noch immer 900 Millionen Mark allein für Arbeitslosen- und Wohlfahrtslasten der Gemeinden aufzubringen haben. Sie verliert auch dann an Gewicht, wenn wir bedenken, daß wir in den Jahren 1929/32 insgesamt bei Reich, Län­dern und Gemeinden ein Wenigerauskommen an Steuern von 6 Milliarden batten. Rur zum Teil i wurde dieses Wenigeraufkommen aufgehoben I durch eine umfangreiche Liste von

Adolf Hitler in Berlin.

D e r I i n , 10. Jan. (ERB.) Adolf H i t l e r hat sich heute, demAngriff" zufolge, unter kurzer Unterbrechung feiner Tätiget im lippeschen Wahlkampf vorübergehend nach Berlin bege­ben. Er ist heute früh hier mit seiner ständigen Umgebung und in Begleitung von Dr. Göbbels eingetrossen. Der Zweck des nur kurz bemessenen Aufenthaltes ist, wie das Blatt berichtet, eine Besprechung mit Reichstagspräsident Göring, der soeben von einer Reise nach Schweden zu­rückgekehrt ist.

Rätsikraien rn Berlin.

Eine halbamtliche M in ngsäutzcrung.

Berlin, 10. Jan. (ERB.) In politischen Krei­sen bat die plötzliche Reise Hitlers nach Berlin einiges Aussehen erregt. Es mußte auffallen, daß der Führer der RSDAP. seine Propaganda tät:g..it im lippischen Wahlkampf unterbrach, um, wie derAngriff" erhärte, in Berlin eine Besprechung mit dem Reichstags- Präsidenten Göring zu haben, obgleich der Ältestenrat erst am 20. Januar wieder zusam­men tr tt, für irgendwelche Erö.'.erungen über die parlamentarische Taktil allo an sich Zeit gewesen wäre, auch nach den lippischen Wahlen. Gerüchte wollten heute abend von einer Zusammen­kunft zwischen Hitler und dem Reichs­kanzler wissen. In unterrichteten Kreisen, die der Regierung nahe stehen, wird aber mit Be­stimmtheit erklärt, daß eine solche Zusammen­kunft nicht stattgefunden hat, und ebenso wird eine Fühlungnahme durch Mittelsmänner

dementiert. Es wird hinzugefügt, daß, wenn Hitler um eine Unterredung nachsuchen würde, der Reichskanzler natürlich bereit wäre, ihn zu empfangen. Da Hitler aber am morgigen Mitt­woch wieder von Berlin abreifen will, wird mit einer Zusammenkunft auch nicht gerechnet. Eben­sowenig kommt eine Besprechung mit Geheim­rat Hugenberg in Frage, da dieser nicht in Rerlin anwesend ist. Unter diesen Umständen nimmt man an, daß der Berliner Aufenthalt des nationalsozialistischen Führers Geschäften dient, die mit internen P a r t e i v e r l t n i f s e n zusammenhängen. Es hat deshalb auch keinen Zweck, ein großes Orakelspiel mitzumachen, das der Reise in der OÖffentlichkeit sicher folgen wird. Ueberhaupt ist man in politischen Kreisen der Auffassung, daß von den Gesprächen, die in ter letzten Zeit zwischen einzelnen Persönlichkeiten stattgesunten Haven, ein Aufhebens gemacht wird, das weit über den sachlichen Wert hinausgeht, der ihnen zukommt.

Eine Richligstellung zum ßiflenSnfervieto.

Berlin, 10. Jan. (TU.) Zu den gestrigen Aeußerungen Hitlers auf eine Reihe von Fragen des Reichspressechefs der NSDAP, teilt derA n - griff" mit, daß sich in dem von der NSK. verbrei­teten Text sinnentstellende Uebermittlungs- fehler eingeschlichen hätten Danach muß es in dem von der Telegraphen-Union wiedergegebenen Text in der e r st e n Antwort Hitlers' richtig heißen:Tatsächlich war ja meine Forderung keine andere, als gerade die Uebertragung der poli - tischen (statt persönlichen) Verantwortung an die

Seitdem im Winter 1929 30 als Ergebnis und see­lische Reaktion der überstürzten Enteignung f a st der gesamte Viehbestand Rußlands vernichtet wurde, mußte von Jahr zu Jahr auf dem Land und in der Stadt, mit Ausnahme der roten Armee, der Schmacytriemen enger geschnallt werden. Für das Jahr 1932 sah der Fünfjahres- plan für den Sowjet-Bürger eine Mehrzuteilung von 27,7 Prozent Fleisch, 72 Prozent Eier und 56 Prozent Milchprodukten vor. In Wahrheit ist in diesem Jahre durchweg aus der ganzen Linie eine erhebliche Minderzuteilung er­folgt. Das Jahr 1929 erscheint daher den Durch- schnittsrussen als das Glücksjahr eines unbeschreib­lichen Ueberfkusses. Die Wiederzulassung der freien Märkte bleibt praktisch ohne jede Breitenwirkung, denn welcher Russe kann heute für ein Pfund But­ter rund 40 Mark, für ein Pfund Fleisch rund 20 Mark und für einen Schoppen Milch rund acht Mark ausgeben?

So bleibt als sichtbares Ergebnis des Fünfjahres- plans übrig, daß der Vorgang der Zwanasindustri- alifierung vollkommen auf Kostender Lebens­haltung der Bevölkerung vor sich gegan­gen ist. Von diesen Folgen bleibt auch der Arbeiter nicht verschont. Die Rationen, die dem sowjetrussi­schen Arbeiter und Beamten heute von Staats wegen zugeteilt werden, bewahren ihn gerade noch vor dem Verhungern. Selbstverständlich leidet dar­unter nicht nur die Stimmung, sondern auch die Arbeitsfähigkeit. Das neue Jahr wird uns, das

I haben die großen staatlichen Zeitungen bereits an- , gekündigt, einen zweiten Fünf jahres- > plan bescheren. Ab 1937 sollen der Bevölkerung ! zwei- bis dreimal soviel Lebensmittel und Ge- j brauchsgegenstände zustehen wie heute. Das besagt aber, daß auch im nächsten Jahrfünft der Hunger zu den bemerkenswertesten Kennzeichen des Lebens in Rußland gehören wird.

Ministerwahlen in Baden.

Karlsruhe, 10. Jan. (WTB.) Der B a d i s ch e Landtag wählte heute nachmittag mit 43 Stim­men der Regierungsparteien (Zentrum, Deutsche Volkspartei, Wirtschaftspartei) den bisherigen Mi­nisterialrat im Justizministerium Dr. U m h a u e r zum Innenminister.

Dr. Umhauer ist 55 Jahre alt. Er steht der DVP. nahe und ist politisch noch nicht hervorgetreten. In der Evangelischen Landessynode, wo er der positiven Richtung angehört, versah er das Amt des Präsi­denten.

Der Landtag nahm in der gleichen Sitzung auch die Neuwahl des badischen Staatspräsi­denten vor und berief hierzu den Justizminister Dr. Schmitt (Zentrum), der jetzt seit November 1928 an der Spitze des badischen Kabinetts steht. Zum Stellvertreter wurde Finanzminister Dr. Lottes (DVP.) bestimmt. Beide Wahlen erfolg­ten mit den 43 Stimmen der Regierungsparteien.

StOenietwerireler beim Sanier

Berlin, 10. Jan. (Täl.) Reichskanzler von Schleicher gab am Dienstag einen Bierabend für die st udentischen Verbände, auf dem die Fragen ter Zusammenarbeitmit dem Arbeitsdienst und dem Reichskurato­rium für dieJugendertüchtigung be­sprochen wurden. An dem Empfang nahmen Ver­treter aller studentischen Verbaute einfchl. der katholischen Verbände mit Ausnahme des Deutschen Sozialistischen Studen­tenbundes teil, der dem Kanzler auf seine Einladung hin eine Absage eriedt hat.

Auswärtiger Ausschuß am 20.Zanuar.

Berlin, 10. Jan. (VDZ.) Der Auswär­tige Ausschuß des Reichstages ist von feinem Vorsitzenden Abg. Dr. Frick (RS.> jetzt für Freitag, 20. Januar, einberufen worden. Die umfangreiche Tagesordnung sieht neben der Be­handlung einer Beschwerde der kommunistischen Ausschuhmitglieder wegen angeblicher Verletzung der Immun: tat des kommunistischen Ausschuß- mitglietes S ch e h r - Hannover die Fortsetzung der Aussprache über Tribute, Ausland- schulden und Abrüstungskonferenz vor. Außerdem sollen behandelt werden die O st * frage, ter Schuh der deutschen Minder­heiten im Auslande und die handelspoli­tische Lage Deutschlands.