Kr. 264 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Freitag, (0. November (955
Die Erinnerungsfeier am Tage der nationalen Erhebung.
Oer Führer weiht das Mahnmal an der Feldherrnhalle.
München, 9. Nov. (WTB.) Nebelgrau steigt der Morgen des Tages auf, an dem sich das Blul- opfer der 16 deutschen Freiheitskämpfer an der Feldherrnhalle zu München zum zehnten Male jährt. Von den frühen Morgenstunden herrscht in der Stadt eine fieberhafte Bewegung. Zu den Straßen, durch die der Zug der Kämpfer von 1923 in wenigen Stunden seinen Weg nehmen wird, hat eine wahre Wallfahrt eingesetzt. Im Braunen Haus herrscht vom frühen Morgen an ein dauerndes Kommen und Gehen. Immer wieder erscheinen Abordnungen der alten Kämpfer aus den verschiedensten Gauen, um dem Führer Grüße zu bringen und sich bei ihm zu melden. Vom Balkon des Braunen Hauses weht eine riesige Hakenkreuzfahne im Hause selbst im Vestibül des 1. Stockes, mitten zwischen Blumengewinden und Kränzen ist ein Altar aufgestellt, auf dem das Bild der am 9. November 1923 gefallenen Kämpfer steht. Dahinter befindet sich ein auf die Spitze gestelltes Hakenkreuz mit Lichtern. Lin^und rechts vom Altar steht eine Ehrenwache der SS. Unten in der Halle erscheinen nach und nach die Abordnungen der einzelnen Formationen von 1923 und nehmen ihre alten Fahnen wieder in Empfang, um sie heute auf dem historischen Weg noch einmal durch die Straßen Münchens zu tragen. Vor dem Braunen Haus haben sich wiederum große Menschenmassen angesammelt, die die Abfahrt des Führers zum Bürgerbräukeller erwarten. Der Bund Oberland mit feinen alten Fahnen, auf denen Edelweiß liegt, zieht am Braunen Haus vorbei, auf den blauen Schirmmützen den Federstoß, und eine Abordnung der „Re i ch s k r i e g s f l a gg e" mit ihren alten Sturmfahnen, dann wieder Züge des Regiments München, die sich zu ihren Sammelplätzen begeben.
Oie allen Kämpfer treten an.
Am historischen Bürgerbräukeller stellen sich dann gegen 10 Uhr die Verbände in derselben Weise auf wie seinerzeit am 9. November 1923. So sieht man das Freikorps Roßbach, an seiner Spitze Obergruppenführer Heines. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, schreitet die Front der aufgestellten Verbände ab und begrüßt manchen alten Kameraden. Seine ehemalige Kompanie ist geschlossen erschienen und bringt ein dreifaches Sieg-Heil auf ihren Führer aus. An der Spitze des Bundes „Oberland" steht in grauer Windjacke A e ch t e r, der von Rudolf Heß ebenfalls begrüßt wird. Der Weg des 9. Novembers ist von flammenden Pylonen eingerahmt. Eine ungeheure Menschenmenge umsäumt alle Straßen. Alle Fenster, alle Dächer sind besetzt.
Dann kommt der Führer in grauer Windjacke, wie er am 9. November 1923 marschierte.
Der historische Marsch nimmt seinen Anfang.
Der Marsch des 9. November.
Menschenmauern rings um den Max Josephplatz vor dem Nationaltheater. Schon gegen 12.30 Uhr traf die Spitze dort ein. In tiefer Egriffenheit grüßt die Menge die Kämpfer des Jahres 1923. Inder er ft en Reihe marschiert entblößten Hauptes der Führer, zu seiner Seite Ministerpräsident G ö - ring und Oberstleutnant K r i e b e l. Es folgten dann die 6. Kompagnie unter Oberleutnant B e r ch t h o l d, die Jnfanterieschule, das Reiterkorps Wrede und die Freikorps sowie der Bund Oberland. Die Menge grüßt in ehrfurchtsvollem Schweigen die alten Blutfahnen, die im Zuge mitgetragen werden. Trommelwirbel setzt ein, als sich die Spitze des Zuges der historischen Stätte an der Feldherrnhalle nähert.
An der Feldherrnhalle.
An der Feldherrnhalle, der geheiligten Stätte der Opfer vom 9. November 1923, drängen sich die Massen schon Stunden vor dem feierlichen Akt Kopf an Kopf. Die Tribünen vor der Residenz sind schon eine Stunde vor dem Wecheakt vollständig überfüllt. Von den Flaggenmasten vor der Feldherrnhalle weht eine riesige schwarz-weiß-rote und eine riesige Hakenkreuzfahne. Die Halle selbst weist keinen äußeren Schmuck auf und wirkt dadurch in ihrer Monumentalität doppelt würdig. Im Mittelteil ist ein schwarzer Adler mit grünem Opferkranz aufgebaut. Das Mahnmal selbst ist noch schwarz umrahmt.
Ein prächtiges Bild, in München oft gesehen, aber immer wieder überwältigend, als SA. und SS. vom Siegestor her in Sechserreihen in zwei tiefen Säulen in die Ludwigstraße einmarschieren und mit den Fahnen zu beiden Seiten der Feldherrnhalle Aufstellung nehmen.
12.30 Uhr: Ein Trommelwirbel klingt auf. Böllerschüsse dröhnen durch die Stille, die augenblicklich einsetzt. Ganz München erhält durch diese Schüsse das Zeichen, eine Minute in ehrfürchtigem Schweigen zu verharren. Kurze Kommandos schallen über den Platz, die Arme recken sich zum deutschen Gruß empor. Ueber das eben noch brodelnde Meer der Menschenmassen senkt sich tiefes Schweigen. Gleichzeitig gibt der Rundfunk über alle deutschen Sender die Namen der er st en 16 Gefallenen bekannt. Ganz Deutschland gedenkt in einer Minute der Toten, aus deren Opfer die Saat des 3 0. Januar 1 9 3 3 entsprossen ist. Dann wieder ein Böllerschuß. Abermals Trommelwirbel. Und während sich erneut Schweigen über die Zehntausende senkt, die Zeugen dieser denkwürdigen Kundgebung sind, erreicht die Spitze des Zuges der Kämpfer vom 9. November 1 9 23 die Stätte, an der 16 ihr Leben gelassen haben. Lodernde Fackeln säumen den Weg, den der Zug der Kämpfer nimmt.
An der Feldherrnhalle nimmt der Führer den Vorbeimarsch der Kämpfer ab, die barhaupt nun das weite Rund füllen, das für sie noch angesichts der Halle freigehalten wurde. Jede Sturmfahne wird von den Zehntausenden mit dem deutschen Gruß gegrüßt. Tiefe Ergriffenheit liegt über allen, an denen die Feldzeichen des Kampfes vor zehn Jahren, zerschlissen und in den Farben verblaßt, dennoch gleichsam heute sieghaft leuchtend, nun in unübersehbarer Zahl vorüberziehen, an ihrer Spitze die Blutfahne vom 9. November. Gleichzeitig trifft eine Abordnung der Landespolizei ein, die den gefallenen Kameraden der SA. und ihren eigenen Kameraden riesige Lorbeerkränze weihen werden. Ueber eine halbe Stunde dauert unter andauerndem Trommelwirbel der Einmarsch der getreuen Kämpfer Adolf Hitlers. Dann schreitet der Führer die Stufen der Halle hinan, und nun erst, nach dem feierlichen Gedenken an die Toten, nach der in ihrer Stille doppelt eindringlichen Ehrung der
| Kämpfer des 9. November, brandet der Jubel derZehntausende auf, den Führer zu grüßen, der vom 9. November 1923 seine Kämpfer zu der sieghaften Kundgebung dieses Tages führen konnte. Minuten und wieder Minuten dauern die Kundgebungen für den Führer.
Bayerns Ehrengabe für den Führer.
Dann tritt Ministerpräsident Siebert an das Mikrophon. Er ruft in kurzer Ansprache die politischen Geschehnisse vor 10 Jahren wach, übergibt dem Führer die Ehrenbürgerurkunde des Freistaates Bayern und verkündet die Errichtung des Adolf-Hitler-Museums der nationalen Erhebung. In ihm sollen alle Gegenstände und Urkunden gesammelt werden, die sich auf die nationale Revolution beziehen. Die bayerische Staatsregierung hat beschlossen, dieses von Künstlerhand gefügte und schlichte Mahn- mal für alle Zeiten als stummen und doch so lebendigen Zeugen des gewaltigen Heroismus zu erhalten. Vor ihm stehe jeder Wanderer, der vorüber geht, in Ehrfurcht gebannt, entblöße fein Haupt und gedenke, daß die Träger der Namen auf die- fern Mahnmal ihre sterblichen Leiber hingegeben haben, um auch für ihn eine unsterbliche Heimat und unvergängliche Nation zu erringen. Ergriffen dankt der Führer dem Ministerpräsidenten. Dann tritt Hermann Göring vor das Mikrophon und dankt mit leidenschaftlichen Worten im Namen der alten Garde dem Führer, daß er die braunen Kämpfer zu Ruhm und zur Freiheit geführt habe. Stabschef Röhm bringt dem Führer das Treuegelöbnis feiner braunen Soldaten an dieser historischen Stätte noch einmal dar. Hierauf betritt der Führer unter den jubelnden Heilrufen der Menge das Rednerpult.
Oie Weiherede des Führers.
Männer der deutschen Revolution, meine alte Garde! Als wir im Jahre 1919 in den politischen Kampf eintraten, taten wir es noch als Soldaten. Wir alle fyaben ehrenhaft für Deutschland unsere Pflicht erfüllt. Erst als die Heimat versagte,
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Adolf Hitler (X) und neben ihm Ministerpräsident Göring an der Spitze des Zuges, der sich vom Bürgerbräukeller zu der Feldherrnhalle bewegte. Hinter dem Führer die lange Reihe der Kämpfer vom November 1923. (Funkbild.)
und die politische Führung preisgab, was Millionen Menschen mit ihrem Blute erkauft hatten, da entschlossen wir uns einzutreten in den Kampf der Heimat selbst, ausgehend von der Ueberzeu- gung, daß das Opfer der Soldaten vergeblich sein muß, wenn die politische Führung schwach wird.
Da die Revolution des November 1918 die Gesetz» von einst gebrochen hat, konnte sie nicht von uns erwarten, daß wir sie als legalen Rechtszustand anerkennen würden. Wir haben ihr damals als Männer und politische Soldaten den Krieg angesagt, entschlossen, die Verantwortlichen des November zu stürzen, so oder so, früher oder später zur Rechen« schäft zu ziehen.
So sind wir denn auch im November 1923 marschiert, erfüllt von dem Glauben, es könnte gelingen, die Schuldigen des November 1918 zu beseitigen, die Männer zu vernichten, die schuld waren an dem namenlosen Unglück unseres Volkes. Das Schicksal hat damals anders entschieden. Heute nach zehn Jahren beurteilen wir die Zeit leidenschaftslos. Wir wissen, daß wir wohl alle damals unter diesem Befehl des Schicksals ft a n • den, und daß wir wohl alle Werkzeuge einer höheren Macht waren. Es sollte nicht gelingen; die Zeit war noch nicht reif dafür.
Das, was uns damals am meisten schmerzte, war der Zwiespalt, der entstand zwischen den Kräften, die auch uns einst in ihren Reihen hatten, und den Kräften, die die Ration brauchte, um frei zu werden. Der Riß tat damals weh und wir hatten nur eine Hoffnung, daß die Zeit diese innere Wunde wieder heile, daß aus den damals feindlichen Brüdern, die doch alle nur für ein Deutschland am Ende streiten wollten, einff wieder dieGemeinschast erwüchse, die wir viereinhalb Jahre erlebt hatten. Zehn Iahre sind jetzt vergangen und es Ist für mich an diesem Tage das höchste Glück, daß nunmehr die Hoffnung von einst in Erfüllung gegangen ist, daß wir nun zusammen st ehen: die Repräsentanten unseres Heeres und die Vertreter unseres Volkes, daß wir wieder eins geworden find, und diese Einheit niemals mehr in Deutschland zerbrechen wird. Damit hat erst dieses Blutopfer seinen Sinn erhalten und ist nicht vergeblich gewesen. Denn wofür wir schon damals marschierten, das war das, was jetzt Wirklichkeit geworden ist. Würden unsere Toten des 9. Rooember heute auferstehen — sie würden weinen vor Glück, daß nunmehr die deutsche Armee und das erwachende deutsche
Volk sich zu einer Einheit gefunden haben. Deshalb können wir heute mit Recht die Erinnerung an diese damalige Zeit pflegen und können mit Recht das Denkmal dieser Zeit enthüllen. Wir aber, die uns das Schicksal leben ließ, wir wollen den Dank für die Kameraden von damals verbinden mit dem Dank an die Kameraden der vier Jahre vorher, damit wir selbst nun das Sehnen und Hoffen dieser Zeit erfüllen durch die Erfüllung unserer eigenen Pflicht. Es ist schmerzlich, die Besten seines Volkes zu verlieren. Stets und immer haben die Besten ihre Brust dem Feinde bieten müssen. So wollen wir denn auch am heutigen Tage uns wieder aus tiefster Ueberzeugung bekennen z u dem Gedanken des Friedens, wollen uns klar machen, wie schwer die Opfer sind, die der Kampf erfordert, wollen aber auch diese Friedensliebe erneut verbinden mit unserem Entschluß, f ü r b t e Ehre der Nation, für die Freiheit der Nation und für ihr gleiches Recht jederzeit mutig einzutreten.
Indem wir dieses Denkmal enthüllen, will ich noch einmal allen denen danken, die in diesen langen Jahren treu für öie deutsche Wie- derauferstehung gekämpft haben, jeder an seinem Platz, will danken den Zehn- und Hundert- taufenben von Kameraben ber Bewegung, will banken ben Männern ber anderen Verbände, die auf anderem Wege marschierend, am Ende doch zu uns gestoßen sind und will auch denen danken, die d i e W e h r m a ch t in den neuen Staat hineinführten. Indem wir heute die ganze Kraft der Nation zusammenfchließen, geben wir den Toten nunmehr ihre ewige Ruhe; denn dafür haben sie gekämpft, dafür sind sie gefallen! Und in diesem tiefsten Sinne wollen wir bas Denkmal jetzt enthüllen.
Oie Hütte fällt.
Als der Führer geendet hatte, erheben sich schweigend alle Arme. Unter Trommelwirbel schreitet der Führer gefolgt von den alten Kameraden von 1923 die Freitreppe der Feldherrnhalle herab und tritt
Der Führer bed ber Gebenkrebe für die Gefallenen des 9. November 1923 an der Feldherrnhalle, hinter ü ; ihm Ministerpräsident Göring und Stabschef Röhm. (Funkbild.)
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Der Stabschef der SA. Röhm übergibt bei der Parade der ehemaligen Freikorps auf dem Königsplatz in München die Fahne des Freikorps Roßbach an die SA.


