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Staub lag über den Straßen Roms, Staub auf den Palmen, deren feine Spitzen sich in das Blau des Himmels bohrten, Staub auf den Pinien, deren weitausgebreitetes Geäst dürftigen Schatten spendete. Brütende Hitze lag unheilschwanger über der ewigen Stadt- Autos und Trambahnen fuhren nach Ostia, wo der Wellenschlag des Meeres willkommene Kühlung brachte. .
Bis zum Nachmittag waren die Läden der Palazzi vorgeschlagen. Erst um die fünfte Abendstunde begannen die Straßen lebendig zu werden, die Cafss sich zu füllen. Rom erwachte! Und es wußte zu leben, dieses Rom.
Nur einen Punkt der Stadt gab es, wo dieses Wogen und Treiben niemals zu branden aufhörte. Das war die Halle des Hauptbahnhofes, dessen riesige Glasüberdachung Ströme aufgespeicherten Sonnenfeuers herabschickte.
Hier schwirrten die Sprachen aller Nationen durcheinander. Ganz Rom schien verreisen zu wollen. Dandys schlängelten sich Seite an Seite mit rauh belüfteten Patres durch die Sperre.________________
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„Weißt du einen Ausweg Tante?"
Frau von Guielmo schüttelte nachdenklich den Kops. „Du müßtest mich eine Nacht darüber schlafen lassen. Noch ist nichts verdorben. Und es hat euch beide noch niemand gesehen als mein Personal und das ist verschwiegen.--Morgen bann! Ja?"
Sie strich begütigend über Stephanies blasse Wangen. „Du mußt nicht entmutigt sein, Kind. Es wird mir sicher etwas einfallen.---Du kannst ganz
ruhig zu Bett gehen. Wir finden, schon noch, wie sich die Sache am besten arrangieren läßt."
Es wäre nicht nötig gewesen, daß Steffis diese erste Nacht in den Mauern Roms so über die Maßen unruhig schlief. Denn als sie am Morgen nach der Terrasse herunterkam, an welcher der Tiber gurgelnd dahinrannte, lächelte ihr Frau von Guielmo schalkhaft entgegen. Joe Brandt war noch nicht zum Vorschein gekommen. Jedenfalls wollte er sich erst ganz schön machen, ehe er sich den Damen zeigte.
Während Frau von Guielmo nun ihren Plan entwickelte, wurden Stephanies Wangen bald weiß, bald brannten sie rot wie die Salvien, die in den Beeten brannten. „Könnte nyan das jetzt gleich versuchen, Tante?" ,
„Warum nicht?--Du kannst an deinem Ober
leutnant gleich erproben, wie es sich auswirkt. —" Sie drückte auf die Klingel und rief die Zofe herbei. Es gab eine kurze Erklärung. Das junge Ding begriff sofort. Das diensttuende Zimmermädchen wurde beauftragt, Herrn Brandt zu bestellen, daß die Damen erst gegen elf Uhr das Frühstück auf der Terrasse zu nehmen gedächten. Er möge sich inzwischen den Park besehen.
Das tat er denn auch gründlich.
Als er zur angegebenen Zeit die weiße Steintreppe hinaufstieg, sah er Frau von Guielmo mit einer fremden Dame unter der Doppeltüre stehen, die in das Speisezimmer führte. Mit einer kurzen Verneigung wollte er sich wieder zurückziehen, aber sie winkte ihn herbei. „Herr Joe Brandt.---
Frau Baronin von Merlin!"
„Frau Stephanie", sagte er fassungslos. Und bann mit merklicher Angst in der Stimme: „Warum —"
„Aus Vorsicht, Herr Brandt. Es kleidet sie doch gut?" Sie fuhr habet Steffie liebkosend über die Wangen und sah lächelnd auf das Gelock nacht- fchwarzen Haares, das sich auf ihre Schultern legte. Man kann nicht Bruder und Schwester mimen, wenn man sich in keinem, aber auch gar keinem Punkte gleicht. Gucken Sie sich nebeneinander in den Spiegel, dann werden Sie sehen, wie sehr nun ihre beiden Gesichter sich ähneln. Sie haben dasselbe schmale Profil wie meine Nichte, und meine Freunde werden mir aufs Wort glauben, wenn ich sage, daß es sich um die Verwandten meines toten Mannes handelt, die aus Kalifornien herübergekommen find, mich zu besuchen. Meine Zofe hilft Stephanie auch noch im Teint etwas nach. Er muß mehr ins Bronzefarbene gehen. Dann noch etwas mehr Schwärze für die Augenbrauen."
l Fortsetzung folgt.)
Von sieben Uhr ab getraute er sich nicht mehr aus seinem Arbeitszimmer zu gehen daß er ja sofort zur Stelle war, wenn die Klingel anschlug. Trotzdem erschrak er, als ihre Stimme zu vernehmen war. Den Hörer am Ohr, fühlte er, wie ihm die Stimme zitterte, als er „Gut Ichenhausen" sagte.
„Recht schönen guten Morgen, Papa!"
„Steffie, du! —" .. _
„Ja! Halte ich nicht Wort? Wie geht es dir? Mamas Befinden ist leidlich. Einen Moment sie möchte dich selber sprechen." Und dann war Frau von Brentanos ruhiger Alt im Hörer zu vernehmen
Ich danke Ihnen, daß Sie mir das Kind geschickt haben, Baron. Sobald es geht, bekommen Sie Stephanie wieder zurück." ,
Und dann lachte wieder deren Stimme aus Dem Apparat Sie hatte eine Menge Fragen an ihn und Aufträge, die sich hauptsächlich um fein Wohlbefinden drehten. Er sagte nur „ja, Steffie" und wieder und wieder. Sie mußte sonst hören, daß ,hn die Tranen am Sprechen hinderten. v
Und dann, als energisch Schluß dazwischen gerufen wurde, war alle Not und Sorge aus seinem Gesicht weggewischt. Sie hatte ihn nicht belogen. War wirklich in Wien bei der Mutter.
Machten die Lästermäuler sich nun die Zungen wetzen. Er wußte es besser:
Sie war nicht dem Reitknecht nachgefahren.
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Stunde um Stunde ging das so! Und immer war das Bild neu! War immer interessant! Immer wieder gab es anderes zu schauen.
Ein Luxuswagen, über dessen stahlblauem Lack eine dicke Staubschicht lag, zog eine elegante Schleife um den großen Platz vor dem Bahnhofsgebäude. Der Schlag klappte zurück, daß das Silbergrau der Polsterung aufleuchtete. Der Fehmantel der Dame, die über das Trittbrett stieg, streifte das braune Habit des Kapuziners.
Die Uhr über dem Eingangsportal zeigte sieben Minuten nach achtzehn Uhr. Der D-Zug von Mailand mußte bereits eingelaufen sein. „Eilen Sie, Benuto", drängte die Dame ihren Chauffeur und zog den hellen Lederhandschuh fester über das Gelenk. „Eine Signora in Blond! Juna! — Für den Fall, daß ich sie verfehlen sollte. — Und hören Sie, Benuto —"
Aber die kaffeebraune Livree war schon unter dem Portal verschwunden. Die Dame schlängelte sich nun selbst durch die Gasse der Wartenden und Gaffer. Die vornehme Römerin suchte und konnte nicht finden, wonach sie Ausschau hielt. Zu dumm, daß man an der Bia del Tritona diese unerwartete Verkehrsstockung hatte. Um diese sechs Minuten war man später gekommen. Das Kind würde sich hoffentlich zurechtfinden. Schließlich konnte es ja auch fein, daß sie bereits aneinander vorübergeschlüpft waren. Das Erkennen war nach sechzehn Jahren immer- hin eine ungewisse Sache. Das Bambino würde sich sicher nicht wenig verändert haben.
Dann ein rasches Zugreifen: „(Sariffima Stef- fani". Zwei Arme hielten die junge Frau fest, daß sie ihr im Gedränge nicht wieder entwischen konnte. Trotz der (Enge, in der man eingekeilt stand, bekam Stephanie zwei Küsse auf Mund und Wange. „Wie bist du süß. Ganz deine Mutter." Sie sah nach dem Herrn, der ungeachtet aller Stöße und Püffe, die ihm von allen Seiten zuteil wurden, dicht hinter ihrer Nichte stehen blieb. „Dein Mann?"
„Nein, Tante!--- —"
Die elegante Frau lächelte.
„Ich erkläre dir das zu Hause, Tante!"
„Wie du willst, mein Liebes."
Als man sich durch das ärgste Gedränge gewun- den hatte, stellte Stephanie vor: „Herr Oberleutnant Joe Brandt! — — Frau von Guielmo."
Der helle Lederhandschuh wurde etwas gehoben und an ein Lippenpaar geführt. Heber Joes schwarzes Haar glitt der lächelnde Blick der schönen Rö- merin. Ecco! Warum nicht? Wenn die Ehe der Nichte nicht glücklich war?---Sie hatte sich
längst abgewöhnt, Kritik zu üben, wenn es sich um Liebe handelte. Es kam nichts dabei heraus.
Aber das Kind tat ihr leib. Was mußte das schon mit zwanzig Jahren in die Lage kommen, sich für den Gatten einen Ersatz suchen zu müssen. Vielleicht hatte sie Vertrauen. Man konnte manchen Rat geben, der nicht zu verachten war.
Der Chauffeur kam abgehetzt an den Wagen, sah, daß die Gebieterin gefunden hatte und hielt den
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Schlag zurück. Joe Brandt trug einen rinderseligen Ausdruck um den Mund. Noch nie hatte er der Sehnsucht feines Herzens folgen und Italien besuchen können. Und nun war er da. Fuhr dahin unter dem saphirblauen Himmel Roms. Sah das lehmig-gelbe Tiberwasser unter sich dahinschlängeln und die Kolosse der Engelsburg und St. Peters vor sich aufwuchten.
Frau von Guielmo gefiel er. Er war ohne Zweifel hübsch mit seiner schlanken Figur und dem ver- träumten Augenpaar, das sich da so gar nicht satt zu sehen vermochte. Sie begriff, daß Stephanie ihn liebte. Und daß sie ihr Glück mit ihm bei ihr ver- stecken wollte. Und das konnte sie. Der Palazzo, den sie bewohnte, lag etwas vom Zentrum ab. Der große Park dehnte sich bis nach St.Nikkolo hin. Da konnte einer lange suchen, bis man eine Spur von ihnen fand. Denn Stephanie würde sicher auch das ihre getan haben, alle Brücken hinter sich abzubrechen. Und durch sie selbst und einen ihres Personals kam ihr sicher kein Verrat.
Zwar — beim Erinnern an die tote Schwester kam ihr so etwas wie eine Gewissensangst: würde sie ihr Dank wissen, wenn sie ihr Kind so schlecht beriet? Es war immer gefährlich, aus den Armen des legitimen Mannes in die eines anderen zu flüchten. —
Aber die Welt hatte sich verändert. Man war nicht mehr so sentimental wie früher. Und Stephanie mußte ja wohl wissen, was sie tun und lassen durfte. Momentan waren die jungen Leute selig. Sie sprachen zwar nicht viel, aber es prägte sich deutlich auf ihren Gesichtern ab, daß sie den Himmel in sich trugen.
Als aber bann am Abend Stephanie ihrer Tante sagte, wie die Dinge eigentlich lagen, hatte diese nichts als ein einziges Staunen für deren Eröffnungen. „Ist er's denn wert, daß du soviel für ihn wagst? — Man muß sich auch über seine Gefühle klar sein, Kind. Ich würde mir nicht so viel aus ihm machen. Mir gefällt der hübsche Oberleutnant sehr gut. Aber du mußt ja wissen, was du tust!"
„Ja, Tante! — Und du leihst mir deine Hilfe?"
„In fkder Weise. Meine Verbindungen gehen durch ganz Italien. Du wirst nirgends verschlossene Türen finden. Nirgends, meine Liebe! Ich werde Sorge tragen, daß du in alle Kreise kommst, vornehmlich in solche, die dir von Nutzen sein können. Auf diese Weise läßt sich viel erreichen. —"
* „Joe muß natürlich als mein Bruder gelten, Tante."
Die schöne Frau wurde nachdenklich. „Leicht wird das nicht fein. Denk nur, wie unähnlich ihr euch seid. Ihr werdet als Geschwister überall Aufsehen erregen. Siehst du das nicht ein?" frug sie, als sie den enttäuscyten Gesichtsausdruck Stephanies bemerkte. „Deine Blondheit ist gewiß entzückend, aber neben dem Dunkel von beinern Oberleutnant springt sie zu sehr ins Auge unb haftet zu sehr im Gebücht- nts. Unb das ist gefährlich, Kinb. Gefährlicher als bu glaubst."__________
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