Ausgabe 
10.3.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 59 Zweites Blaff

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesseifi^re^ag,u>.r..urz^o»

Ein Film vom Heldentum des Sports.

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, Der Läufer von Marathon" betitelt sich ein neuer Film, der jetzt seiner Uraufführung entgeoengehl. Im Rahmen einer Spielhandluna, die von jungen Sportsmenschen getragen wird rollen viele ie||elnbc Sportbilder ab, die zum großen Teil beim Olympia in Los Angeles gedreht wurden. Unsere -onoer zeigen links Brigitte Helm, die hier den Typ des Sportmädels verkörpert' rechts: die Eroffrzung des Olympia durch Fanfaren, eine eindrucksvolle Szene aus *»em neuen Film.

Rückblick auf den Skiwinter 1932/33..

Notwendige Reformen und Neuerungen.

Das große Wintersportprogramm ist beendet. Dach der Ansicht vieler alter Skifahrer ist zwar der März mit seinem gerade im alpinen Gebiet so reizvollen Uebergang vom Winter zum Früh­ling der schönste Skimonat, aber dieses Prädikat dürfte hier recht wörtlich zu nehmen sein. Unter allzu reichlicher Sonne pflegt die Qualität des Schnees nun einmal zu leiden. Mit dieser Tat­sache muß man sich abfinden. Die Skisaison 1932 33 darf als abgeschlossen betrachtet werden, so daß also ein Rückblick auf den Skiwinter 1932/33 möglich ist Gr hat neuerlich gezeigt, daß es in Deutschland weniger an geeignetem Läufer- material als an den geeigneten Methoden fehlt. Das ist allerdings keine neue Weisheit und die Einsichtigen sinnen schon seit Jahren auf Abhilfe.

In Freudenstadt haben unsere deutschen Teil­nehmer erfreulich gute Durchschnittsleistungen ge­zeigt. Auch wenn man berücksichtigt, daß die deutlchen Meiste, schäften ebenso wie die FIS- Rennen in Innsbruck durch die anorma.'en Schnee- Verhältnisse eine gerechte kritische Wertung außer­ordentlich erschwerten. Aber es waren eben doch nur Durchschnittsleistungen. Wie leicht diese aber zi steigern sind, haben die Schwaben durch ihr ausgezeichnetes Abjchneiden bewiesen, das sie ihrem fleißigen und systematischen Training zu verdanken haben. Achnliches gilt für das gute Ab'chneiden der Bayern im Springen und im Staffeltarif.

Nach wie vor fehlt es in Deutschland an Allround-Könnern.

Wir haben kaum e.nen Läufer, der im Sprung, und Langlaus dccsechen guten Ergebnisse erzielen könnte, wie im Absahrtslaus. Der Slalom-Mata­dor D ä u b e r ist lein Springer, der Springer Recknagel kein Langläufer und der Korn- binationsspczialist Stoll kein Abfahrtsläufer. 3n Garin sch hat sch gezeigt, daß die Oester- reicher uns auch in unserem eigenen Lande auf alpinem Gelände überlegen sind.

Cs gilt, im nächsten Jahre die Konsequenzen aus diesem Mißverhältnis dadurch zu ziehen, daß man unsere Trainingsarbeit auf eine völlig an­dere Grundlage stellt. Gewisse Widerstände für die notwendig gewordene Deform wird es in einem großen Verbände immer geben, aber wenn der Deutsche Skiverband es mit dem Olympia­

training unseres Nachwuchses ernst nimmt, dann müßte er aus den Erfahrungen schon jetzt einige Lehren ziehen. Es ist besonders bei den FIS.- Rennen in Innsbruck von vielen Seiten gerügt worden, daß es an der nötigen Mannschafts- führung im deutschen Lager gefehlt habe. Es will scheinen, als ob es nicht nur eine Geld», sondern eben auch eine Personenfrage ist, den deutschen Expeditionen im Skiausland künftighin auf lange Sicht hinaus die unentbehrlichen Begleiter sichern. Wan weiß, daß sich noch bei der Ent­sendung der vier deutschen Läufer nach Holmen- tollen Meinungsverschiedenheiten über die Führerfrage ergeben haben. Man hätte bei der Entsendung dieser kleinen, aber immerhin ausgesuchten Expedition doch daran denken können und müssen, unseren Leu­ten einen Führer mitzugeben und sie nicht nur in ihrem Training und in ihren Kämpfen zu be­treuen, sondern auch endlich mal die Erfahrungen aus Norwegen mit Heimzubringen, die berufene Funktionäre schon in den letzten Jahren im Nor­den sammelten, die aber anscheinend immer noch nicht gründlich genug verwertet werden.

Ls ist ersreulich, daß sich gegen das bisherige wertungsfystem jehk auch in den Kreisen der Aktiven Bedenken gellend machen.

Die in Deutschland mit wenigen Ausnahmen, in Oesterreich und in der Schweiz aber schon mit ziemlicher Regelmäßigkeit eingeführte Dreier- ko m b i n a t i o n (Wertung der Gesamtleistungen im Sprunglauf, Langlauf ynb Abfahrtslauf) wird sich mit der Zeit international durchsetzen müssen

Vielleicht müssen auch die Haltungswer­tungen in Zukunft einer Revision unterzogen werden. Wie oft zeigt es sich, daß bei aussichts­reichen Springern das Punktergebnis durch unbe^ greifliche Haltungswertung verschoben und damit das Endresultat einer Meisterschaft allen Vor­aussagen und manchmal auch aller Vernunft zum Trohe verändert wird. Man ist ja im inter­nationalen Skisport keineswegs so konservativ, daß man jeden Versuch zu kleineren oder größeren Skirevolutionen" im Keim ersticken wollte. 3m Staffellauf hat man denMassenstart" als etwas selbstverständliches eingeführt.

In der Langlauftechnik hat man sich von über­kommenen Begriffen losgelöst (es fei nur an die

Propagierung der Crawl-Stocktechnik erinnert) und gibt im übrigen offen zu. daß das Ergebnis von Lang- und Dauerläusen längst nicht mehr vom Skikönnen allein und nicht einmal mehr von leicht­athletischem Vortraining, sondern genau so gut von der Kunst des Wachsens abhängig geworden ist. Es liegt also nichts näher, als auch auf dem Gebiete der Wettlausordnung diejenigen Aende- rungen einzuführen, die sich als notwendig und fportfördernd erweisen.

In diesem Zusammenhang darf auf ein Thema zurückgegriffen werden, das schon früher einmal berührt wurde:

Die Mmateurfrage.

Die Schweiz hat in diesem Jahre erstmals die Klasseneintelluna in Berufs-Skiläufer und Ama­teure durchgeführt, die von verschiedenen Seiten feit mehreren Jahren im internationalen Skiwett- lauf empfohlen wird. Bei einem großen alpinen Abfahrtsrennen im Engadin startete die Extra- klasse. zu der allerdings ausschließlich Skilehrer und Bergführer gehörten, in einergoldenen Klasse"! Dahinter fuhren die Berufsskilehrer und Bergführer minderen Könnens in einerProfi- klafsc" und dann erst kamen die Amateure. Es wäre zu erwägen, ob man die Erfahrungen aus diesem Gebiete nicht zifsemmäßig feststellen und im nächsten Jahre auch bei großen internationalen Rennen als Grundlage für eine Klasseneinteilung wählen sollte, die mit einem Schlage eine Reihe von Problemen lösen würde.

Kurze Sportnotizen.

Bei den Tennis kämp f e n um den Butler-Pokal in Monte Carlo wurde das deutsche Paar v. Cramm Kleinschroth bereits im Achtelfinale von den Franzosen Lesueur/Boussus mit 2:6, 6:2, 4:6, 3:6 ausgeschaltet. Cilly Aussem wurde bei der gleichen Veranstaltung erneut von der Engländerin Scriven mit 6:0, 6:2 bezwungen.

Mannheims Radrennbahn geht ihrer Vollendung entgegen. Die Bauarbeiten sind so weit fortgeschritten, daß mit der Eröffnung am Ostermontag. 17. April, bestimmt gerechnet wer­den kann.

Jockey Haynes, der Derbysieger 1932, ist nach Zahlung einer Abfindungssumme wegen ernster Differenzen aus seiner Stellung als Stalljockey beim Stall P. Mülhens ausgeschie- den. Seine Stelle nimmt der junge I. Starosta ein. der erst im April seine Lehrzeit beendet.

Dberbeffen.

Gemeinderat in Büdingen.

Wg. Büdingen, 9. März. Dem Antrag des Iagdpächters Hinkel auf Ermäßigung der Iagdpachtsumme wurde stattgegeben und auf den Pachtpreis ein Nachlaß von 200 Mark für das laufende Rechnungsjahr gewährt. Die seitherige anteilmäßige Haftsumme der Gemeinde Büdingen zu den Betriebskosten für die Auto­linie Büdingen-Wenings wurde auf ein Jahr ge­nehmigt. Den Einsprüchen gegen den Bebauungs­plan der Bachniichelstrahe wurde teilweise statt­gegeben. Dem Antrag des Wirtschaftsausschusses auf Aenderung des Ortsstatuts zum Ortsbauplan der Stadt Büdingen erteilt der Gemeinderat seine Genehmigung. Der Ein­setzung von 400 Mark in den Voranschlag für 1933/34 zur Herstellung des Sitzungssaales im Rathaus wurde zugestimmt. Zur Auflösung der selbständigen Gemarkung Har­de ck erteilt der Gemeinderat seine grundsätzliche Genehmigung unter der Voraussetzung, daß der Anteil der Gemeinde Büdingen der Gemar­kung Lorbach zugeschlagen und das von der Gemeinde Büdingen seit Jahrzehnten ausgeübte Iagdrecht auch weiterhin bestehen bleibt. Der Antrag versch ebener Landwirte auf Erbau­ung eines Gemeindebackhaufes wurde abgelehnt. Dem Ve f orgungsanwärter M. Preih wurde mit Wirkung vom 1. April 1933 ab die Stelle des Ratsschreibers bei der Stadt Bü­dingen übertragen.

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg, 9- März. Bei Feld­bereinigungsarbeiten stieß man in der Ober» Wörter Gemarkung auf Mauerreste einer Kirche, die zu dem einstmaligen Dorf Hüf- tersheim gehörte. In den Jahren 1461 bis 1463 fanden hier Kämpfe zwischen Dieter von Isenburg und Adolf von Nassau statt, bei denen

das ganze Dorf vernichtet wurde. Di« obdach.os gewordenen Einwohner dieses Dorfes siedelten sich bann in Ober-Worten an. Vor einigen Jahren wurde an der Ausgrabungsstelte bereits der Turmhahn der Kirche zutage ge­fördert-

Kreis Bövingen.

Selters. 9- März. Im hiesigen Bad wurde dieser Tage die Dade^tlle von einem Dieb heim- gcjucht. Gestohlen wurden drei Pedbigrohrsessel unb zwei Hocker, dazu die beiden weihen Kittel des Bademeisters. Man vermutet, daß der Dieb derselbe war. der im vergangenen Jahr im Kurhaus zahlreiche Lebensmittel stahl unb da­durch den neuen Pächter in große Verlegenheit brachte, weit das Kurhaus gerade stark be­seht war. __

# Hirzenhain. 9. Marz. In Gegenwart einer zahlreichen Zuschauermenge wurde gestern gegen 19 Ahr auf der hiesigen Bürgermeisterei durch die SA. von Merkensrih die Haken­kreuzfahne unb auf der Postaaentur die fchwarzweihrote Fahne gehißt. Zu Störungen kam es nicht.

Der Darmstädter Vo1ksbans-pro;eh.

MSN. D a r m ft a b t, 9. März. In der heutigen Sitzung des Volksbankprozesses wurden einige ro c i- terc Grobkonten besprochen, aus denen der Volksbank Verluste entstanden sind, weil nicht ge­nügend oder nicht rechtzeitig genug Sicherheiten ge­fordert worden sind. Vom Vorsitzenden und der An- flageoertretung wurde gewünscht, daß nunmehr v o n weiteren Zeugenvernehmungen Ab - st and genommen wird, lieber die neu ein­gereichten Beweisanträge der Verteidiger wird am Freitag verhandelt.

Gestohlener Sprengstoff aufgefunden.

WSN. M a i n z, 9. März. In der vergangenen Woche wurde in den Kalkbrüchen bei Budenheim ein schwerer Spreng st offdieb st ahl ausgeführt. Die Diebe hatten mehrereZent- ncr Sprengstoff erbeutet, so daß die Vermutung nahe lag. daß der Sprengstoff nicht allzuweit von dem Orte des Diebstahls zunächst einmal versteckt worden fein müsse. Die Nach­forschungen der Polizei galten daher auch be­sonders scharf der näheren Umgebung und waren jetzt von Erfolg gekrönt. Wie der Polizeibcricht mittcilt, ist gestern nachmittag der gestohlene Sprengstoff in einem Schacht in der Nähe deS Schlosses Waldthausen bei Budenheim auf- gefunden und fichergestellt worden.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck hat sich zwar etwas abge- schwächt, macht aber vorerst bei uns feinen Ein­fluß noch geltend. Durch die Störungstätigkeit über dem Nordatlantik, wie auch über der Bis­kaya wird jedoch in der Höhe Warmluft von größerem Feuchtigkeitsgehalt nach dem Festland vorgetragen, so daß zeitweise mit stärkerer Be­wölkung ober Dunstbildung zu rechnen ist.

Aussichten für Samstag: Zeitweise stärker bewölkt, Temperaturen nachts um den Ge­frierpunkt, doch zwischen Tag VT* Vacht sich mehr ausgleichend, trocken. '

Aussichten für Sonntag Weitere Be­wölkungszunahme. aber noch meist . Zacken.

Lufttemperaturen am 9. März: mittags 10,4 Grad Celsius abends 2,7 Grad; am 10. März: morgens 1,5 Grab Celsius. Maximum 11 Grad, Minimum 2,2 Grab. (Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. März: abenbs 5,6 Grab; am 10. März: morgens 1,4 Grab Celsius. Sonnenscheindauer 6 Stunden.

Kircülicdp Jiochncbten.

Katholische Gemeinden.

Freitag, den 10. März.

Gießen. 20.15 Uhr: Fastenprebigt.

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Gießen, den 8. März 1933.

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Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen

Frau Marie Roth, geb. Schreiner

für die zahlreichen Kranz- und Bl um en spenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers danken herzlichst

die trauernden Hinterbliebenen:

Johannes Roth und Kinder.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem groben Verluste, der uns betroffen, sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank.

Familie Adolf Freimutb.

Gieben. den 10. März 1933

In tiefer Trauer:

Ernst Bender

Gustel Paszkowski, geb Bender Marthel Haardt, geb Bender Emma Bender, geb Winzenburg Dr Fritz Paszkowski

Werner Haardt

und 2 Enkelkinder.

Vor der Ueberführung von Rittergut Schachten nach der Heimat findet am Freitag, dem 10. März, nachmittags 4 Uhr, eine Trauerfeier im Trauerhause in Schachten statt Die Beisetzung erfolgt am Samstag, dem 11. März, nachmittags 3 Uhr. in Hungen (Oberhessen), vom Hause. Bismarck Straße 5. aus.

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