Aus der Provinzialhauptstadt
Obecheffen
Am
Minister a. D. Dr. Frick hat folgendes Protesttelegramm an den Reichskanzler gerichtet: Protestiere namens der nationalsozialistischen Reichs- tagsfraktion gegen das verfassungswidrige De- monstrations- und Dersarnmlungs- D e r b o t der marxistischen Lippe-Regierung. Verlange sofortige Aufhebung und aktives Rotwehrrecht gegen das Heberhandnehmen der bolschewistischen Mordüberfälle.
Der bisherige deutschnationale oldenburgische Landtagsobgeordnete Studienrat O st e r i ch hat mit- geteilt, daß er aus der DNDP. a u s s ch e i d e und sein Landtags- und auch sein Stadtratsmandat niederlege. Er erklärt, daß er im kommenden Entscheidungskampf auf der Seite Hitlers stehen werde.
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Der frühere sächsische Staatsminister Dr. Heinrich Eustav v. D e d ist gestorben. Dr. v. Deck war lange Jahre Oberbürgermeister von Chemnitz, wurde 1908 sächsischer Kultusminister und im Oktober 1918 Vorsitzender im Gesamtministerium. Rach dem Umsturz war Dr. v. Deck aus dem Staatsdienst ausgeschieden.
Der frühere Außenminister Matsuzo Nagai ist als Nachfolger Obatas zum japanischen Botschafter in Berlin ernannt worden.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Dr. Gereke, empfing die Vertreter aller Spitzenoerbände des Baugewerbes zu einer ausführlichen Besprechung über die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms.
Die Lübecker Bürgerschaft nahm nach lebhafter Aussprache einen nationalsozialistischen Mißtrau ensantrag gegen den Lübecker Senat mit 49 gegen 31 Stimmen an. Da aber die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht erzielt wurde, ist eine zweite Lesung erforderlich, die in der nächsten Woche stattsinden soll.
geht von dem anarchistisch eingestellten Syndikalismus aus, der der Feind eines jeden Staates sei und der gegen die sozialistischen Arbeiterverbände kämpfe, die nach seiner Ansicht die Zu- sammcnarbcit mit dem Staat vertreten. Die De- wegung selbst habe sich nur auf die Städte D a r - celona, Lerida und Madrid beschrankt, und zwar sei sie in Madrid selbst am wenigsten stark zum 2lusbruch gekommen.
Oer Fall Hentsch.
Dresden, 9. San. (TU.) Sn drei überfüllten nationalsozialistischen Versammlungen sprach am Montag in Dresden der im Zusammenhang mit dem Fall Hentsch viel genannte SA.-Führer und Landtagsabgcordnete Ä:. D e n n e ck e. Der Partei, so sagte er, liege viel an der Aufklärung des Falles. Sein Aufenthalt in Bad Flinsbrrg habe mit der ganzen Angelegenheit nicht das Mindeste zu tun. Von Gegnern der RSDAP. habe eine systematische Hetze eingesetzt, die an Gehässigkeiten nicht zu überbieten sei. Der Vortragende wandte sich gegen die sächsische Regierung, der er mehrfach vorwarf, ihre Pflicht nicht getan zu haben. Auch die Staatsanwaltschaft habe versagt. Die Rationalsozialistische Fraktion im Landtag werde für die Aufhebung sei- nerSmmunität stimmen. Die RSDAP. habe bei dieser ganzen Angelegenheit nichts zu fürchten. Wenn die Landtagsfraktion für die Aufhebung der Smmunität stimme, so wolle sie damit zeigen, daß sie das größte Interesse daran habe, daß diese Angelegenheit untersucht und restlos aufgeklärt werde, zumal erhebliche Zweifel beftünDen, ob von anderer Seite diese Aufklärung angestrebt werde.
essenten seien besonders darauf aufmerksam gemacht.
- „Aschenbrödel" und „W e i ß e s Röhl". Auf Grund der vielen Anfragen teilt die Intendanz des Stadttheaters mit, daß das Weihnachtsmärchen „Aschenbrödel" am Sonntag, 15. Januar, 15.15 Uhr, au verbilligten Märchenspielpreisen nochmals zur Aufführung gelangt. Die Operetten-Revue „Im weißen Rößl" wird am Samstag, 21. Januar, 20 Uhr, und am Sonntag, 22. Januar, um 19 Uhr, zu ermäßigten Operettenpreifen an beiden Abenden zur Aufführung kommen. Für beide Vorstellungen haben Vorzugsgutscheine Gültigkeit. Der Vorverkauf für diese Vorstellungen hat heute begonnen.
** Das Fundsachen-Derzeichnis. Das Polizeiamt teilt mit: Das Verzeichnis über die im Monat Dezember 1932 gefundenen bezw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anfchlagstafel im \ Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundbureau während der Dienst- stunden geltend zu machen. ।
” Kolonial-Elub „Aequator". Man schreibt uns: Zahlreich hatten sich am Samstagabend die Mitglieder des Kolonial-Club ^Aequa- tor" mit ihren Familienangehörigen im Klublokal Dippel, Westanlage, eingefunden, um in schlichter Weise die diesjährige Weihnachtsfeier zu begehen. Der Vorsitzende Bäcker hielt eine De- grüßungsansprache, in der er jener fern der Heimat gedachte — ganz besonders derer hinter englischem Stacheldraht in Südafrika — und schloß mit dem Wunsche, daß alle unsere ehemaligen Desitzungen wieder deutsch werden möchten und Deutschland und das deutsche Volk das kommende Weihnachtsfest wieder froher und glücklicher begehen könne, als seither. Anschließend wurde ein mit großem Können gespieltes Weihnachtspot- pourri von Fräulein Erene und Ruth Winter- l i n zu Gehör gebracht, das mit dem gemeinschaftlichen Gesang des Liedes „Stille Rächt — Heilige Rocht" endete. Eine kleine Verlosung von den Mitgliedern gestifteter Gegenstände und sonstiger Gebrauchsartikel brachte manche Heber» raschung — darunter auch eine von Mitglied Krombach selbstverfertigte Tischstandarte. Dr. O x e n i u s verstand es, durch den Vortrag einer Reihe in den verschiedenen Mundarten gehaltenen Erzählungen ernsten und heiteren Inhalts zur Verschönerung der Feier beizutragen. Deim Austausch von Erinnerungen der ehemaligen Afrikaner und Asiaten fand die schlichte Feier einen eindrucksvollen Abschluß.
Wettervoraussage.
Die Kaltluft, welche bereits über Deutschland vorgedrungen ist, hat gleichzeitig den über den britischen Inseln gelegenen hohen Druck nach dem Festland angesaugt. Somit gelangen wir in den Bereich hohen Druckes, dessen absinkende Luftmassen zu aufklarendem und heiterem Wetter führen. Dabei wird die Ausstrahlung stärker in Erscheinung treten, sodaß die Temperaturen unter den Gefrierpunkt zu liegen kommen. Nach den britischen Inseln hat bereits die neue Jslandstörung wieder maritime Warmluft gebracht. Sehr wahrscheinlich wird sie sich auch auf dem Festland einstellen, so daß später Bewölkung aufkommt.
Aussichten für Mittwoch: Nachtfrost, meist heiter und trocken.
Aussichten für Donnerstag: Sm südlichen Teil des Bezirks Dunst bi ldungen mit Aufheiterung, Rachtfrost, im nördlichen Teil wieder aufkommende Bewölkung mit nachfolgender Milderung.
Lufttemperaturen am 9. Januar: mittags 6,6 Grad Celsius, abends 4,9 Grad: am 10. Januar: morgen» 2,3 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum 2 Grad.
troße 3, auf die 70. Wiederkehr des Tages feines Eintritts in die Armee zurückblicken. Generalleutnant von M a d a i ging aus dem Jnf.-Regt. Nr. 58 hervor, machte die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit. war im Verlaufe feines militärischen Dienstes bei'den verschiedensten Truppenteilen tätig, bis er am 15. April 1896 zum Oberst und Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 116 in Gießen ernannt wurde. Drei Jahre weilte er an der Spitze unterer 116er in unserer Stadt, und während dieser Zeit hat er sich in den weitesten Schichten der Gießener Bürgerschaft viel Liebe und Wertschätzung erworben, die ihm auch heute noch ein gutes Gedenken sichern. Von hier aus wurde er Generalmajor, später Generalleutnant. Am 15. November 1901 trat er in den Ruhestand. Im Weltkrieg diente er dem Vaterland als Kommandeur der stellvertretenden 14. Infanterie- Brigade in Halberstadt. Zum letztenmal weilte G.'- neral von Madai, dem Kaiser Wilhelm das Recht zum Tragen der Uniform des Jnf.-Regts. Nr. 116 verliehen hatte, im Juli 1913 zur 100jährigen Regimentsfeier in unserer Stadt. General von Madai steht jetzt im 89. Lebensjahre und erfreut sich, soweit hier bekannt ist, noch bester körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische.
Das Schulglöckchen protestiert.
Im Gießener Anzeiger hab' ich gelesen: Das Rathaus sei der Platz gewesen, von wo die Kinder zur Schul' ich rief, und sorgte, daß ja keins verschlief.
Herr Redakteur, das ist nicht wahr, ich kann's beweisen klipp und klar, daß auf dem Stadtturm ich gehangen, von dort her meine Töne (langen.
Ein Zeuge lebt, dem ich gewogen, hat er mich doch gar oft gezogen, „getleppt“, dann ging er rasch und munter zur Schule, die Turmtreppen hinunter:
Das Glöcklein auf dem Rathaus galt stets dem armen Sünder, Mein Klingen aber war für liebe, brave Kinder. Mit armem Sünderglöckelein möcht' ich doch nicht verwechselt sein!
Das Schulglöckchen aus alter Zeit.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr, „Politik der Weiberröcke". — Oberhessischer Kunstoerein: Turmhaus am Brandplatz 15 bis 17 Uhr, Ausstellung Greinerjcher Gra- phit — Damenoereinigung 1883/1933: 20 Uhr, „Kühler Grund", erste Zusammenkunft. — Licht- spielhaus (Bahnhofstraße): „Tannenberg".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Unter der Spielleitung Wolfgang Kühne heute 20 Uhr als 15. Vorstellung im Diens- tag-Abonnement Erstaufführung der Komödie „Politik der Weiberröcke" von Neil Grant. Diesem Konversationsstück wird ein Erfolg wie in andern Theaterstädten auch bei uns sicher sein. Ende 22.15 Uhr. Gewöhnliche Preise. — Mittwoch, 11. Januar, 20 Uhr, Wiederholung der Komödie „Politik der Weiberröcke". — Zu Gunsten der Gießener Winter-
Holzversteigerung in Walde.
Wenn man die Steinkohlen als schwarze Diamanten bezeichnet, so könnte man mit gleichem Recht vom Holz als dem grünen Goloe des Waldes sprechen. Vor dem e.genil.chen Golde hat es sogar noch mancherlei Vorzüge. Es wächst und verzinst sich von selbst, ohne daß diese Zinsenlast jemand bedrückt, man braucht dieses Gold auch nicht einzufchließen. Der Wald gehört außerdem zum Schönsten der Heimat. Der Wald ist immer schön, auch im W.nter, tocnn die Säge des Holzhauers ihr Lied singt und die Axt den Takt schlägt. Freilich ist es ein Totenlied für die Bäume. Das Sterben bedeutet aber in diesem Falle nur das Plahmachen für den jungen Rachwuchs. Außerdem auch Arbeitsgelegenheit zur Zeit der größten Arbeitslosigkeit. D.e Krönung des ganzen Vorgangs sind die Holzversteigerun- gen.
Wenn sich die Leute versammelt haben — meist Männer, wenige Frauen — bewegt sich der Zug von Holzstapel zu Holzstapel. Zuerst geht man auf der Landstraße, denn der Versammlungsort ist immer ein Kreuzweg, bann kommen wir tiefer in den Wald, durch einsame, schöne Schneisen. Die Wege sind in diesen Tagen gar nicht winterlich hart gefroren, sondern weich, kalt und feucht und man tut gut, feste Schuhe anzuziehen. Vor jedem Holzstapel wird Halt gemacht, Rümmer, Menge und Art des Holzes verlesen und dann wird geboten. Manchmal geht solch ein Haufen guten Holzes billig an den Mann. Dann schmunzelt der neue Besitzer, manchmal aber treiben sich die Leute — unter Kopfschütteln der Anwesen- den — in die Enge und ehe man sich's versieht, ist der Handel abgeschlossen und etwas betreten erkennt der letzte Bieter den hohen Preis. Weiter ührt der Weg: Quer durch den Wald über moosigen Grund, Zweige und Aeste, immer weiter. D.e Zeit vergeht, man ist bald zwei Stunden unterwegs und merkt es kaum. Heberall w.rd von Preisen oder versäumten Gelegenheiten gesprochen: „Wenn ich nur noch 20 Pf. höher geboten hätte, wäre das Holz mein gewesen." — „Ra laß nur, es gibt noch mehr."
Von Ferne sieht man einen Feuerschein, man kommt näher. Hell brennt das Feuer am Walde, am Rande einer Schneise. Bänke stehen umher, ein Tisch steht bereit, auf dem Kaffee, Brötchen und Schnaps feilgeboten werden. Die Landleute packen lange Wurstenden und schönes Brot aus, die Städter belegtes Brot oder Brötchen, dazu trinkt jeder das, wozu er Lust hat. Man gibt sich dem Genuß des Essens und Trinkens hin, denn die würzige Waldluft ließ Hunger bekommen. Da fitzen und stehen die Leute, teils verwitterte, teils junge Gelichter, und alle wärmen sich am hellen Feuer. Die Hunken stieben, hoch und knisternd prasselt das stämmige Holz. Rach ausgiebiger Pause und Stärkung geht's weiter.
3. R.
70M..tärjubiläum des Generals von Madai.
nothilfe findet Samstag, 14. Januar, 20 Uhr, im Stadttheater Gießen ein „Bunter Abend" statt. Preise von 50 Pf. bis 3 Mark.
— „Tannenber g". Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße gelangt ab heute der dokumentarische Großfilm „Tannenberg" zur Aufführung, der eine der gigantischsten Aktionen des Weltkrieges widerspiegeln will. Der Film zeigt das Ringen um Tannenberg, die Heerführer, den Feind im Vormarsch und in der Auflösung der Niederlage. Der Krieg im Osten, der bisher im Film nur wenig Niederschlag gefunden hat, will in diesem neuen Kriegsfilm gekennzeichnet fein. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
Taten für Dienstag, 10 Januar.
1797: die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff bei Münster i. W. geboren; — 1858: der Zeichner Heinrich Zille in Radeberg in Sachsen geboren; — 1920: Inkrafttreten des Versailler Vertrags.
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* Gießen, 10. 3an. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarlt: Süßrahmbutter 120 Pfennig, Landbutter 100 bis 110, Kochbutrer von 80 Pf. an, Matte 20 bis 30, Wirsing (gelb), Rotkraut, Gelbe Rüben, Rote Rüben je 8 bis 10. Wirsing (grün) 12, Weißkraut 6 bis 8, Spinat 20, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 bis 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepsel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 43, Honig 40 bis 45, Rüsse 35 bis 40, Suppenhühner 60 bis 80, junge Hähne 70 bis 90; Tauben 40 bis 60 Pfennig das Stück, Eier (ausl.) 11 bis 12, (inl.) 11 bis 12, Käse 5 bis 10, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30; Kartoffeln 2,50 Mk. der Zentner.
Aus aller Well.
Die Lchneeverhältnisfe im Schwarzwald.
Die zu Ende der vergangenen Woche eingetretenen Neufchneefälle im Schwarzwald haben sich über das Wochenende fortgesetzt. Don Sonntagnachmittag an bis in die Morgenstunden des Montag herrschten lebhabte Schneefälle. Auf dem Feldberg liegen etwa 25 Zentimeter Schnee. Diese Schneestärke reicht bis zu 1100 Meter herab. Unter 1100 und 800 Meter beträgt die Schneehöhe etwa 10 Zentimeter.
3m Schneesturm ums Leben gekommen.
Aus dem schottischen Berg Cairngorn sind zwei Bergsteiger während eines großen Schneesturmes ums Leben gekommen. Ihre Leichen wurden erst nach einer Woche unter einer Schneewehe entdeckt, nachdem täglich große Rettungs- kvlonnen, die von Flugzeugen unterstützt wurden, nach ihnen gesucht hatten.
Rach dem Genuß von Fuchsfleisch an Trichinose erkrankt.
3n Tettnang (Württ.) sind der Dienstknecht und die Dienstmagd eines Landwirtes laut ärztlicher Feststellung an Trichinose erkrankt. Rachforschungen nach der Ursache haben den dringenden Verdacht ergeben, daß die Trichinose au den Genuß von Fuchs fleisch zurückzuführen ist, das den Dienstboten als Rehragout gereicht wurde.
Schwere Bluttat eines Epileptiker».
In Hochberg bei Sigmaringen (Hohenzollern) geriet der 22jährige Landwirtsohn R o t h mit seinem 58jährigen Vater in Streit und brachte ihm einen schweren M e s s e r st i ch bei. Auch der dem Vater zu Hilfe eilende 20jährige Bruder wurde durch zwei Messerstiche, von denen einer die Niere traf, ferner verletzt. Beide Verletzten mußten ins Landes- krankenhaus nach Sigmaringen verbracht werden, desgleichen der Täter, der öfters an epileptischen Anfällen leidet. Die beiden Verletzten schweben in Lebensgefahr.
** Militärpersonalie. Oberstleutnant Gabcke beim Stabe des Infanterie-Regiments 15 wurde mit Wirkung vom 1. Februar ab zum Korn- manbeur des Infanterie-Regiments 3 in Deutfd)- Eylau ernannt.
*• Ausstellung von Gemälden. Der hiesige Kunstmaler Gustav Rohrbach, der im heutigen Anzeigenteil einen Lehrkursus im Malen und Zeichnen (Oelmalen und Aquarell) ankündigt, hat im Schaufenster der Firma Weber auf dem Marktplatz einige Gemälde ausgestellt. 3nter-
Oie spanischen Schatzschwindler wieder an der Arbeit.
WSR. Frankfurt a. M., 9. 3an. 3n den letzten Jahren vor dem Kriege erhielten unzählig« Kaufleute, so auch in Frankfurt a. M. und Umgegend, Schreiben aus Spanien, worin der Briefschreiber mitteilte, daß er im Gefängnis säße. Infolge seiner Festnahme sei er nicht in der Lag«, «inen in Deutschland abge- stellten Koffer auszulösen, der einen namhaften Betrag in Bargeld enthalte. Der Briefschreiber bat deshalb den Adressaten nach Spanien zu kommen, wo der Hinterlegungsschein für den Koffer durch eine Mittelsperson ausgehändigt werden sollte. Danach sollte der Koffer in Deutschland ausgelöst und dem Heberbringer als Belohnung ein Drittel des Geldbetrages vom Kofferinhalt nach seiner Rückkehr nach Spanien übergeben werden. 3n Wahrheit kam es dem angeblichen Gefängnisinsassen nur darauf an, Deutsche nach Spanien zu locken, die dann vor ihrer Rückkehr nach Deutschland Sicherheiten für den abzuholenden, angeblich so wertvollen Koffer hinterlegen mußten. 3n den letzten Wochen sind in hiesiger Gegend wieder derartige Briefe an verschiedene Geschäftsleute versandt worden. Die Briefe kommen aus Barcelona in Spanien. Di« Empfänger werden auch hier wieder aufgefordert, nach Spanien zu kommen, um die notwendigen Instruktionen zum Auslösen des Koffers, der in Deutschland auf einem Bahnhof abgegeben ist, in Empfang zu nehmen. In dem Koffer soll sich ein Betrag von 800 0 0 0 Mark in Bargeld befinden. Ein Drittel dieser Summe wird dem Empfänger des Briefes nach Erledigung seines Auftrages als Belohnung zugesprochen, natürlich handelt es sich auch hier wieder um die sogenannten spanischen Schatzschwindler. Personen, welche Derartige Brief« erhalten haben, werden' gebeten, sie Der Landeskriminalpolizeistelle beim Polizeipräsidium Frankfurt a. Main einzusenden. Ganz besonders dringend bittet aber diese Polizeistelle darum, daß alle Personen, die noch solche Briefe erhalten, sie ihr sofort «insenden. Es ist beabsichtigt, mit Hilfe der spanischen Polizeibehörden den spanischen Schatzschwindlern so schnell wie möglich das Handwerk zu legen.
Pros.sjor Dr. Cohn-Breslau hat durch An- schlag am schwarz.n Brett der Universität bekannt- gegeben, daß er seine Vorlesungen bis zum Zusammentritt des erweiterten Senats der Universität ausfallen läßt.
Oie Abwässer
des Wölfersheimer Werkes.
•1* Echzell, 8. Ian. In Rr. 5 deS »Gießener Anzeigers" wird in einem Bericht aus Frankfurt a. M. über starke Verschmutzung Der RiDda geklagt. Roch mehr Grund zur Klage haben die Anwohner Des Grabens, Der die Abwässer des Wölfersheimer Werkes durch unseren Ort leitet. Denn es kann sich wohl um keine andere Hrsache handeln, als eben um diese Abwässer. In Den letzten Tagen soll, dem Vernehmen nach, die Kläranlage des Wölfersheimer Werkes abgelassen worden fein. Der Graben, der die Abwässer durch den südlichen Teil von Echzell zur Horloff führt, enthält auch sonst sehr schmutziges und übelriechendes Wasser. In den letzten Tagen verbreitete er einen unerträglichen Gestank, über den sich die Anwohner bitter beschwerten.
Landkreis Gießen.
* Grünberg, 9. Ian. Der hier wohnhafte Homöopath E. K. wurde am Samstag auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Gießen unter der Anklage der Abtreibung verhaftet und in das hiesige Amtsgerichtsaejängnis eingeliefert. Der Festnahme gingen am Abend vorher umfangreiche Ermittelungen der Staatsanwaltschaft und des Kreis- gefundheitsamtes voraus, die zur zweifelsfreien Feststellung eines strafbaren Vorganges, dessen sich der Verhaftete in einem Orte der Nachbarschaft an einem jungen Mädchen schuldig gemacht hatte, führten. Allem Anschein nach kommen aber noch weitere Fälle in Betracht, so daß die Angelegenheit unter Umständen größeren Umfang annehmen Dürfte. Die Ueberführung Des Verhafteten in das Landgerichtsgefängnis in Gießen dürfte bevorstehen.
t Hungen, 9. Jan. Am Sonntagabend sand im gut besetzten Saale des „Darmstädter Hofes" eine Weihnachtsfeier, verbunden mit F a h- nenweihe, der Hitlerjugend Hungen statt. Walter Lauer begrüßte die Teilnehmer und gedachte hierbei besonders der toten Kameraden. Rach einer Ansprache des Gefolgschaftsführers Weber (Gießen) und einer Weihnachts- red« des Hnterbannführers Fritzel, nach verschiedenen Gedichtvorträgen und Konzertstücken erreichte der Abend mit Dem Einmarsch Der Hitlerjugend und anschließender Fahnenweihe und Vereidigung der Schar ihren Höhepunkt. Bann- führer F r ö s ch l e (Darmstadt) nahm die Enthüllung und Weihe der Fahne vor. Sodann erfolgte durch Gefolgschaftssührer Weber die Vereidigung der Schar. Der zweite Teil des Abends brachte ein flott gespieltes Theaterstück, das lebhaften Beifall fand.
Kreis Büvingen.
* Nidda, 9. Ian. Im hiesigen Rathaussaale fand eine Versammlung Der Bürger- meifter unserer Gegend statt, zu der auch Vertreter des Arbeitsamts Gießen erschienen waren, um über die Verlegung eines Arbeitslagers nach Nidda zu beraten und zu beschließen. Etwa 150 jugendliche Arbeitslose sollen hier in den Räumen der früheren Kraftschen Brauerei Wohnung und Verpflegung erhalten und täglich mit öffentlichen Arbeiten beschäftigt werden. Sie erhalten neben freier Beköstigung und Kleidung täglich einen Lohn von 30 Pf. Neben der körperlichen Ausbildung wird auch für geistige Fortbildung gesorgt werden. Wenn die nötigen baulichen Veränderungen im Brauereigebäude beendigt sind, wird bas Arbeitslager eröffnet werden können.
morgigen 11. Januar kann Generalleutnant a. D. von Madai, wohnhaft in Dessau, Boelke»
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