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10.1.1933 Erstes Blatt
 
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185. Jahrgang

Dienstag, W.Zanuar M3

Erlcheinl täglich, außer Sonniogs und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bießener Familienblätter Heimat im DUd Die Scholl, monats-Bejngsprets:

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General-Anzeiger für Gberhessen

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.Tyyriot; für den übrigen Teil Ernst LIumschein und 7ür den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.

Freiwilliger Arbeitsdienst und Iugendnoiwerk.

Neichsarbellsminister Syrup fordert Mitarbeit und Unterstützung aller Volkskreise.

Bielefeld, 9. Ian. (£11.) Reichsarbeits­minister Dr. Syrup sprach im Westfälisch-Lippe- schen Wirtschastsbund über das Jugendnotwerk unb den Freiwilligen Arbeitsdienst. Mehr als eine Million männlicher Jugendlicher und 403 OOO weiblicher Jugendlicher seien arbeitslos und wüch­sen ohne Berusserziehung und Ar­beit s z u ch t heran. Die Rot der Arbeitslosig­keit treffe am schwersten die von der Volksschule kommenden Arbeitslosen, die als Arbeiter oder Angestellte ihren Lebensunterhalt zu erwerben hofften . Sie erfasse aber auch die Abiturienten der höheren Schulen, die Studenten und Jungakademi­ker. Hinter den 300 OOO Akademikern in vollaka­demischen Stellungen stünden schon heute 150 000 vollausgebildete Anwärter unbeschäftigt oder in unbefriedigender Arbeit. Hinzu kämen weiter die zweiten und weiteren Bauernsöhne, denen der vä­terliche Hof keine Teschäftigungsmöglichkeiten gebe und die jungen Handwerker, die ihre Werkstätten hätten schließen müssen.

wirkliche Hilfe gegen die Arbeikslosigkeii könne nur aus der natürlichen Gesundung der Gesamlwirlschaft kommen. Die industrielle Erzeugung sei heute auf dem Stand der neun­ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auf 50 bis 60 v. h. des Erzeugungsvolumens der letzten Vorkriegsjahre zurückgeworfen. Nunmehr mehr­ten sich aber deutlich erkennbare Anzeichen, daß die Deflation im wesentlichen ab- g e s ch l o s s e n s ei. An diesem Gesamtbilde ändere auch das unvermeidliche Anwachsen der Arbeitslosenzahl während des winters nichts. Entscheidend sei nur das Matz des Zugangs. Die beiden Wochen vor dem Jahresende hätten in früheren Jahren sehr große Zunahmen gebracht, 1930: 400 000, 1931: 320 000 köpfe. Er erwarte, daß der Auslauf des Jahres 1932 nur etwa die Hälfte dieser Zunahmen bringen werde.

3n welchem Umfange die Maßnahmen bet Reichsreg.erung die Sleuergutscheine, die De- schäftigungspräm'.en und die öffentliche Arbeits­beschaffung bei dieser Entwicklung mitge­wirkt hätten, liehe sich zur Zeit schwer beur­teilen. Aus rein technischen Gründen formten die Auswirkungen im ersten Vierteljahr vom Oktober bis Dezember 1932 nur relativ gering gewesen fein. 3m Frühjahr wäre mit einer wesentlich stärkeren Auswirkung zu rech­nen.

Der Freiwillige Arbeitsdienst sei in erster Linie ein Ausdruck des starken Lebens­willens der deutschen Jugend. Die Zahl der im Freiwilligen Arbeitsdienst Stehenden sei von 74 000 im Sommer 1932 auf mehr als eine Viertelmillion zu Ende des Jahres ge­sprungen. 3m Arbeitsdienst sei der Begriff der Zusätzlichkeit wesentlich strenger auszulegen, als z. B. bei der Arbeitsbeschaffung des Gereke- Programms. Bei diesen Arbeiten sei die For­derung der Zusätzlichkeit sehr gelockert. Man hätte das gekonnt, weil sich diese Arbeiten fast völlig den Bedingungen des freien Marktes an­patzten. Die volkserzieherische Auf­gabe des Freiwilligen Arbeitsdienstes liege im wesentlichen bei der arbeitsdienstwilligen 3u- gend selbst.

Besonders bei den älteren Arbeitsdienstwilligen erwecke der Arbeitsdienst auf dem Lande eine starke Neigung zur Siedlung auf eigener Scholle. Die Reichsregierung fei von der Not­wendigkeit, zu siedeln, und zwar so schnell wie möglich zu siedeln, überzeugt, und geeignete Arbeitsdienstwillige würden auch die gebührende Berücksichtigung finden. Siedlungsmöglichkeiten würden aber nur in begrenztem Umfange Hilfe schaffen können.

Dagegen sei das Bestreben der Arbeitsdienst- willigen besonders beachtenswert, die Dienstkame­radschaft auch nach Beendigung des Arbeits­dienstes in der Form der Selbsthilfe und der Kameradschaftshilfe fortzusetzen. Aus dem Gedanken der Selbsthilfe sei d a s R o t- Werk der deutschen 3ugend entstanden, zu dem der Herr Reichspräsident und die Reichs­regierung aufgerufen hätten. Das Rotwerk solle die öffentliche und die freie Hilfsarbeit für die arbeitslose Fügend zusammenfassen und durch Reichsmittel fördern. Die für diesen Win­ter vom Reich bereitgestellten Mittel genügten, um 500 000 junge Leute in der gedachten Weise laufend zu unterstützen.Aus dem Widerhall", so fchlotz der Minister,den der Entschluß der Reichsregierung in allen Kreisen der Bevölkerung gefunden hat, habe ich den Eindruck gewonnen, dah der Weg, der mit dem Rotwerk der deutschen 3ugend zum erstenmal eingeschlagen ist, allge­mein gebilligt wird. Dabei darf es aber nicht bleiben. Rur tatkräftige Mitarbeit und opferwillige Unterstützung aller Volksschichten, insbesondere auch der Wirtschaft und ihrer Füh­rer, verbürgen den Erfolg.

Was wird mit den^gesährdcienSett ebew'7

Berlin, 9. 3an. (ERD.) Ende dieses Mo­nats läuft die Bestimmung der Rotverordnung vom 5. September 1932 ab, die dengefährdeten Betrieben" eine Unters chreitung der t a - riflichenLöhne ermöglich c. 11.ber die Frage, was weiter werden soll, berichtet dieDofsische

Zeitung", datz der Gedanke, die durch die Auf­hebung des § 7 der September-Rotverordnung entstandene Lücke durch eine ähnliche Bestim­mung auf dem Dcrordnungswege auszusüllen, fallen gelassen worden ist. Es soll der Versuch g'macht werden, die bisher durch^efuhricn Lohn­senkungen zunächst durch freiwillige Vereinbarungen zwischen den Tarikpar- teien im Einzels alle aufrechtzuerhalten und im übrigen durch die Schlichter und die wirt­schaftlichen Spihenorganisationen darauf hinzu­wirken, datz bei dem Reuabschlutz nach Möglich­keit Klauseln für die Lohnunter­schrei t u n g bei gefährdeten Betrieben in die Tarifverträge eingebaut werden. 3ns-

gesamt sind überhaupt nur in etwa 25 bis 30 Be­trieben, meist kleineren Umfanges, derartige Lohnsenkungen durchgeführt worden.

GewerffchastsführerbeimReich6kanz*er

Berlin, 10. 3an. (ERB. Funkspruch.) Reichskanzler von Schleicher empfing die Vertreter der christlichen Gewerkschaf­ten, Schmitz, Schümmer und Kaiser, zur Erörte­rung der wirtschaftspolitischen Lage der rhei­nischen Metallindustrie, insbesondere auch der Metallindustrie des Bergischen Landes. An diese Erörterung schloh sich eine eingehende Aussprache der wirtschaftlichen und politischen Gesamtlage an.

Stalin berichtet über den Fünsjahresplan.

Oie Rüstungsindustrie Hai die allgemeine Bedarfsdeckung zurückgedrängi.

Moskau, 9. 3an. (WTD.) Dem Zentral­komitee und der Zentralkontrollkommission der Kommunistischen Partei der Sowjetunion wird Stalin über die Ergebnisse des 1. Fünfjahresplans Bericht erstatten. Entgegen der bisherigen Ge­pflogenheit wird der Bericht Stalins bereits jetzt veröffentlicht. Stalin wird über die Hauptauf­gaben des Fünsjahresplans sprechen, die die Durchführung folgender M atz nahmen umfatzte: Einführung moderner Technik in Sow- jetrutzland, Selbständigkeit gegenüber dem Welt­kapitalismus, Schaffung einer wirtschaftlichen Grundlage für den Ausbau der sozialistischen Ge­sellschaft, Kollektivierung der Landwirtschaft und äuherste Verteidigungsfähigkeit des Landes. Das Programm der 3ndustrialisierung ist nach Stalins Bericht zu93,7Prozent er­füllt Der Rest von 6,3 Prozent sei auf Schwie­rigkeiten bei dem Abschluß von Richtangriffs- pakten mit verschiedenen Ländern und auf Ver­wicklungen im Fernen Osten zurückzuführen, und zwar habe eine Anzahl Fabriken auf die He r- ftellung von Rüstungsbedarf um ge- st e l l t werden müssen. Die Erzeugung von Ge­brauchswaren für den allgemeinen Bedarf sei zu gering gewesen, die bevorzugte Stellung der Schwerindustrie wird begründet mit der Rotwen­digkeit Svwjetrutzlands, gegen feindliche Angriffe gerüftet zu sein, andernfalls feine Lage derjenigen Chinas gleichkommen würde. Die Frage, ob im zweiten Fünfjahresplan die

gleiche Politik des schnellsten Tem­pos im Ausbau der sowjetrussischen 3ndustrie möglich wäre, verneint Stalin. Bisher habe der Zuwachs bet Probuktion 22 Prozent betragen, in Zukunft würben es 13 bis 14 Prozent sein.

Hinsichtlich der Entwicklung ber Landwirt- schaft in ber Sowjetunion weist Stalin auf die Fortschritte ber Kollektivierung hin. Gegenwärtig bestehen 200 000 Kollektivwirt­schaften unb runb 5003 Staatsgüter. Stalin gibt zu, bah bie Kollektiven größtenteils noch unrentabel seien, aber in zwei bis brei 3ahren rentabel werben würben. Einige tausenb Kollektiven unb ein Dutzend Staatsgüter seien zur Zeit bereits rentabel. Das bisherige Tempo ber Kollektivierung brauche man nicht fortzusetzen, vielmehr müsse man jetzt bie Kollektivwirtschaften organisatorisch festigen. Die Kollekttven könnten auch Handel treiben, jedoch tadelt Stalin, baß Kollektive gelegentlich auf Spekulationen ver­fielen. Stalin polemisiert fobann gegen die An­sicht, daß selbst der Svwjethandel ohne gesunde Geldwirlschaft und ohne gesunde Valuta unmög­lich sei und daß zunächst bie angeblich wertlose Sowjetvaluta geheilt werden müsse. Hinter dem Sowjetgeld, so erklärt Stalin, stünden Wa­renmengen in der Hand des Staates, die dieser zu festen Preisen ausgebe. Der Fünf­jahrplan habe bewiesen, baß ber Sozialismus in einem Lanbe möglich fei

Die Vorbereitung der WelwirschMonferenz.

Genf, 9. 3an. (TU.) Der große vorbereitende Sachverständigen-Ausschuß für bie Weltwirt­schaftskonferenz ist zu seiner zweiten abschließen­den Tagung zusammengetrelen. 3n dem Ausschuß sind die einladenden Mächte der Lausanner Kon­ferenz: Deutschland, Frankreich, England, 3talien unb 3apan, ferner auf Beschluß des Dölkerbunds- rates die amerikanische und belgische Regierung, das 3ntemationale Arbeitsamt, das 3ntematio» nale Landwirtschaftsinstitut in Rom, sowie vom Dölkerbundsrat ernannte Finanzsachverständige vertreten, darunter Professor Rist (Frankreich), Professor Beneduce (3talicn), Unterstaatssekretär im englischen Schatzamt Philips, sowie Leith Roß (England), ber amerikanische Vizepräsident der B3Z, Fraser. Die deutsche Regierung ist durch Ministerialdirektor Posse (Reichswirtschafts­ministerium) unb Geheimrat Vocke (Dei^sbank) vertreten.

Der Präsibent ber holländischen Rationalbank Trip, als Vorsitzender des Ausschusses, eröff­nete die Verhandlungen mit einer ungewöhnlich ernsten Mahnung an den Ausschuß, jetzt end­lich zu praktischen Ergebnissen zu gelangen, die jedoch nur durch gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Zugeständnisse, nicht aber auf dem Wege des bisherigen wirtschaftlichen Abschlusses unb wirtschaftlichen Kampfes erreicht werden könnten. Trip betonte nachdrücklich, daß die Sachverständigen selbstverständlich das Recht hätten, auch politisch schwierige Fra­ge n zu behandeln.

Hinter verschlossenen Türen fand eine große Aussprache über die Lösungsmöglichkeiten der Weltwirtschastskrise statt, die durch eine eindrucks­volle Darlegung des englischen Finanzsachverstän­digen Leith Roß eingeleitet wurde. Leith Roß warnte zunächst vor einer optimistischen Beurtei­lung der Lage. Es lägen bisher keinerlei Zeichen einer äleberwindung der Krise vor, vielmehr müsse mit einer weiteren Verschärfung der Lage gerechnet werden. 3n vier Punkten faßte Leith Roß sodann die Vor­aussetzungen zusammen, die nach Auffassung ber englischen Regierung für eine älebertoinbung der Krise unerläßlich seien unb bie auf der Weltwirt­schaftskonferenz behandelt werden müßten.

1. Sofortige Regelung der interalliierten 5<fjul- b e n f r a g e ;

2. Stabilisierung der Währungen und neue Verteilung des Goldvorrats;

3. Finanzieller Wiederaufbau durch Wieder­herstellung der internationalen

Kreditbeziehungen, Stillhalteabkom­men für die privaten Schulden und Auf­hebung der Devisen und Transfersperren;

4. Abbau der Handelsschranken und der Schutzzollpolitik.

Die englische Regierung halte eine Rückkehr *um Goldstandard nicht für möglich. Rach den bisherigen Erfahrungen habe es sich als weit leichter erwiesen, eine Währung im 3nneren zu halten, als die ausländischen Wechselkurse zu beeinflussen.

Der amerikanische Finanzsachverständige Wil­liams gab sodann eine erheblich optimisti- schere Beurteilung der Lage. Er erklärte, daß die amerikanische Regierung bereit sei, von der bisherigen Hochschutzpolitik abzu- gehen. E.e hoffe ferner, noch vor der Konferenz zu einer Lösung des interalliierten Schuldenproblems zu gelangen. Diese außerordentlich vorsichtig gehaltene Erklärung wird in den Ausschußrreisen dahin bewertet, daß offenbar nach amerikanischer Auslassung Aussich­ten für eine Lösung der interalliierten Schulden­frage auf dem Wege von Verhandlungen mit den einzelnen Regierungen bestehen.

Der französische Sachverständige, Pros. R i st, wandte sich gegen die künstliche Hebung der Preise, bie nach seiner Auffassung in ber gegen­wärtigen Weltwirtschaftskrise geiährliche wirt­schaftliche unb fokale Folgen nach sich ziehen könnte. Er gab ber Hoffnung auf eine auto­matische Belebung ber Konjunktur Ausdruck und nahm sodann den alten französischen Gedanken eines gemeinsamen intemationalenW ährungs- stützungsfonds auf. Ferner trat er für eine Dauerlösung der privaten kurzfristigen Ausland» verschulbung ein.

Oie Japaner auf der chinesischen Seite derGroßen Mauer".

Tokio, 10. Jan. (WTB. Funkspruch.) Wie aus Tschingtschau gemeldet wurde, hat eine japa­nische Kavallerieabteilung das Städt­chen T sch iu man kau, das in der Nähe von Schanhaikwan auf der chinesischen Seite der Großen Mauer liegt, ohne Schwertstreich besetzt. Die Besetzung dieses Ortes, der einen Eng­paß beherrscht, wird von japanischer Seite mit der Notwendigkeit begründet, das weitere Eindringen von Truppen Tschanghsühliangs in die Provinz Jehol zu verhindern.

Schweres Eisenbahnunglück bei Bukarest.

8 Tote itnb 12 Schwerverletzte.

Bukarest, 10. Jan. (WTB. Funkspruch.) Lin schwerer Zugzusammenstoß ereignete sich unweit des Bukarester Nordbahnhofs auf der Strecke nach Lrajova. Dort stießen Dienstag gegen 8 Uhr ein Schnellzug und ein perfonenzug in voller Fahrt zusammen. Die wagen des Personenzuges wurden aus den Schienen geworfen, fünf wagen sind vollständig zertrümmert.

Bei dem Eisenbahnunglück in der Nähe des Nord­bahnhofes sind 8 Personen getötet worden. Zwölf Passagiere wurden schwer und zahlreiche leichter verletzt. Nach den bisherigen Feststellungen Ist der Schnellzug angeblich infolge falscher weichensiel- lung und weil die Sicht durch starkes Schneetreiben und Nebel behindert war, von hinten in den per- fonenzug hineingefahren.

von Bukarest sind sofort Hilfszüge an die Un­glücksstelle abgegangen. In Automobilen und Auto­bussen versuchen die Angehörigen der Fahrgäste des verunglückten personenzuges möglichst rasch zur Stelle zu fein. Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen find von den Behörden getroffen worden, um einen reibungslosen Ablauf der Rettungsarbeiten zu er- möglichen. Die Rettungsarbeiten sind sehr gehemmt, weit starker Schneefall, der bereits seit zwei Tagen anhält, den Zugang zur Unglücksstelle er­schwert. Falls es nicht gelingen sollte, die unter den Trümmern begrabenen Verletzten rasch zu bergen, besteht die Gefahr, daß sie einschneien und erfrieren.

Zinmsche Seefestung in die Lust geflogen

h e I f I n g f o r s, 10. Jan. (LNB. Funtspruch ) Die Seefestung Mac L l I i o t ist in die Lust ge­flogen. In der Festung war ein Großfeuer ausgebrochen, das die Munitionslager ergriff; biefe explodierten. Die Annäherung der Lösch- und Rettungsschiffe an den llnglücksort wird durch einen schweren Schneesturm behindert. Die Festung liegt auf einer Insel, etwa 30 km von helsingfors entfernt. Vom Festland aus sieht man be­ständig ungeheure Feuergarben zum Him­mel schießen, und man hört das Dröhnen schwerer Explosionen. Sieben Kasernen und große Teile der Festungsbauten sollen zerstört fein. Man be­fürchtet schwere »vertuste an Menschen­leben.

Schwere Neligionskämpfe in Indien.

Mohammcdaneraufsland in Alwar.

Bombay, 9. Jan. (TU.) Im indischen Staate Alwar ist infolge des Aufstandes des mo­hammedanischen Stammes der Meo eine äußerst kritische Lage entstanden. 1000 Mann der indischen Armeekavallerie haben sich auf Befehl des englischen Beraters des Maharadscha von Alwar nach Delhi in Marsch gesetzt. Etwa 80 000 Meos haben sich dem Aufstand angeschlossen, dessen Ur­sache angeblich in der übermäßigen B e st e u e - rung der Eingeborenen liegt. Die Staats- truppen, deren Zahl sich auf kaum 1000 Mann be­läuft, find vollkommen machtlos. Sie wurden in der Nacht auf Montag von 8000 Meos belagert und konnten sich erst nach schweren Verlusten befreien. Die Hauptopfer der Meos sind die H i n d u s, deren Dörfer z u Hunderten geplündert und niedergebrannt worden sind. Die Menschen­verluste sollen beträchtlich sein. Der Mittelpunkt der Unruhen ist der Ort Govindgarh bei Alwar. In Gooindgarh zertrümmerten die Aufständischen d i e Hinduheil igtümer in den Tempeln, ses- feiten einen Mahatma mit dem Kops nach unten an einen Baum und plünderten viele Geschäfte. Erst als sie in einer Stärke von 8000 Mann gegen die Regierungsgebäude vorrückten, konnten sie durch das Feuer der Staatstruppen zurückgeschlagen wer­den. lieber 80 Aufständische sollen getötet worden fein.

Die Meos, einer der kriegerisch st en Stämme Indiens, stehen unter der Führung früherer indischer Armeeoffiziere und sind zum größ­ten Teil mit Schußwaffen ausgerüstet. Sie Haden den Staatstruppen schon mehrere Schlap­pen beigebracht. Der Ernst der Lage wird durch die Nachricht erhöht, daß bereits Tausende von Mo­hammedanern aus Britischindien über die Grenze von Alwar strömen, um sich dem Aufstand der Meos anzuschließen.

Brandstiftungen in Sevilla.

Madrid, 10.3an. (WTD. Funkspruch.) 3n Sevilla wurden um Mitternacht mehrere Brände angelegt. 3n einer Tuchfabrik explo­dierte eine Bombe, richtete aber, abgesehen von zerbrochenen Türen und Fensterscheiben, nur ge­ringen Schaden an. 3n einem anderen Teil der Stadt steckten Terroristen mit Hilfe von Benzin einen großen Kaufladen in Brand und verletzten einen Wächter durch Revolver­schüsse. Alle Bahnhöfe werden streng bewacht. Ilm Mitternacht traten die Bäcker in Sevilla in den Streik, doch werden Schritte unter­nommen. um die Bevölkerung heute mit Brot zu versorgen. Für den heutigen Dienstag soll ein Generalstreik geplant sein. Rach einer