Ausgabe 
9.12.1933 Zweites Blatt
 
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ihres musikalischen und dramaturgischen Stils ent­sprach. Er hatte erkannt, worauf es hier ankam: repräsentativen Rahmen, auf diegroße Szene" hin zugespitzten Dialog, flüssige Ensembles und ein in allen drei Akten von der Partitur her befeuertes Tempo. Kapellmeister Euje unterstützte am Diri- qentenpult die Absichten der Spielführung vortreff- iid) und vermittelte die prickelnde Musik mit Um­sicht und feinfühliger Anpassung Die Herren Löff- l e r (Bühnenbild), Keim (Beleuchtung^ und f) u - ber (Kostüme) hatten für eine phantasievolle und großzügige Ausstattung, Sorge getragen. Die gast­weise verpflichtete Tanzregisseurin Hannah Spohr, die sich dem Gießener Publikum bereits vorgestellt hat, betonte mit verschiedenen sauber einstudierten Tanzeinlagen (Kastagnettentanz, Groteske, Walzer zu Dritt) die ausgeprägte rhythmische Akzentuierung der Partitur.

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Maria Perry hatte mit der Titelpartie (Hanna Glawari) eine Paraderolle ersten Ranges, der sie stimmlich und darstellerisch alle jene zahllos bewähr- teil Möglichkeiten abzugewinnen verstand, welche diese Figur zu einer der berühmtesten Operetten­rollen gemacht haben: sie ging temperamentvoll aus sich heraus, sang mit geschickt verteiltem Einsatz und hatte vor allem mit dem berühmten Bilja-Lied und dem Lied vom dummen Reiter im Mittelakt einen großen Erfolg.

Herr F i e r rn e n t als ihr Partner Graf Danilo war ebenfalls in bester Form, sang und spielte be- schwingt, beweglich, in angeregter Laune. Mit der Figur des leicht vertrottelten pontevedrinischen Ge­sandten fand sich Herr M a r ck s humorvoll ab, während Herr Hub mit ganz balkanmäßig gluck­senden und kullernden Kehllaut«'n sich des schwarz­lockigen Rjegus angenommen hatte und auch mit Elan sein nicht ganz zeitgemäßes Chanson im drit­ten Akt unter die Leute brachte. Adolf Jäger aus Frankfurt spielte a. G. recht angemessen den Rosil- fnn; Frl. Renz traf als Balencienne in Spiel und Gesang den rechten Ton. Auch die übriaen standen tüchtig auf ihren Posten: einen Sondererfolg erzielte das stürmische Männer-Septett im zweiten Akt

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Das Publikum bereitete der Neueinstudierung eine herzliche Aufnahme: zum Schluß gab es Blu­men und sogar zwei richtige Adventskränze zur Belohnung. hth.

Wie Hund und Katze."

Bon Siegfried von Vegesack.

Wie Hund und Katze!" sagen die friedlichen Menschen, wenn sich zwei von ihnen gar nicht mit­einander vertragen können.

Wer aber Hund und Katze sich selbst überläßt, sie nbeneinander aufzieht, der wird sie nicht mehr gedankenlos als Vergleich mißbrauchen, wenn er von Haß und Feindschaft der Menschen spricht.

Ich will hier nur von meinen persönlichen Erleb­nissen berichten und bemerke, daß es sich nicht um irgendeinen lammfrommen Köter, sondern um zwei sehr scharfe und bissige Schäferhunde, und nicht um eine pazifistische Katze, sondern um einen recht krie­gerischen roten Kater mit scharfen Krallen handelt.

Die Hunde heißen Lappa und Greif, der Kater Kisse Mons, Kiffe ist der Vorname

Wenn Lappa und Greif von draußen herein- kommen, und sich naß und müde vor dem Ofen aus- strecken, springt Kisse Mons von ihrem Sofasitz her­unter, macht einen Riesenbuckel und geht mit der besorgten Miene einer älteren Tante auf die bei­den Hunde los. Und nun macht sie sich mit In­brunst daran, die beiden zu säubern, zu waschen und nach allen Regeln der Katzenkunst abzulecken. Sogar das innere der langen Ohren wird dieser sorgfältigen Prozedur unterzogen. Lappa und Greif lassen alles dankbar über sich ergehen und halten sogar, wenn das eine Ohr erledigt ist, das andere bereitwillig hin.

Aber auch auf die innere Gymnastik und Hygiene erstreckt sich Kisse Mons Tätigkeit. Mons bezeigt bedächtig Lappas Magen, behorcht ihn aufmerksam, und beginnt bann mit beiden Vorderpfoten ihn gründlich zu masteren. Es sieht so aus, als wollte sie radfahren und träte die Pedale. Ist die Arbeit beendet, legt sie sich als Wärmeflasche auf Lappas oder auf Greifs Rücken. Manchmal auch gleichzeitig auf beide.

Bis Lappa Junge bekam, schlief Kisse Mons mit ihr zusammen im Hundehäuschen, und zwar aus eigenem Antrieb, ohne daß jemand von uns sie da­zu veranlaßt hätte/ Erst als sie eines Tages zu ihrem maßlosen Erstaunen neben Lappa sieben rät­selhafte kleine Geschöpfe im Häuschen vorfand, drehte sich Kisse ziemlich entsetzt um, schüttelte zuerst das rechte, dann das linke Hinterbein, und begab sich auf die Wohnungssuche.

Ueberhaupt: was sich alles im Hundehäuschen er­eignete!

Jeden Vormittag standen eine Zeitlang zwei Hen­nen vor dem Eingang, bis das*Häuschen leer wurde. Dann schlüpfte eine Henne hinein. Und wäh­rend diese legte, ging die andere erregt auf und ab, bis die erste gackernd heraustrat. Dann kam sie an die Reihe. Ueberraschte Lappa eine Henne im Haus- chen, steckte sie nur die lange Schnauze hinein, rpedelte mit dem Schwanz und entfernte sich takt­voll.

Zweimal hatten wir vergessen, die Eier heraus- zuholen. Was tat Lappa? Man mag mir nun glau­ben oder nicht, ich schwöre, daß ich hier kein Mär­chen erzähle, und berufe mich auf zwei Zeugen: auf Isabel, unsere kleine Tochter, und Hilda," unsere brave Köchin. Das einemal kommt Lappa, sich am Boden windend, tief beschämt zu mir, als wollte sie sagen: Ich hab' es nicht gelegt! Und in ihrer Schnauze trägt sie, vorsichtig mit den Lippen nur das Ende fassend ein Ei! Das anberemal brachte sie bas Ei, birekt in bie Küche.

Auch eine ganze Familie junger Kücken quar­tierte sich für mehrere Nächte im Hundehäuschen ein, und das zur Zeit, als dieses schon von sieben Welpen bevölkert war. Lappa war Ärmlich ratlos, wie sie alle diese Wesen ernähren sollte, und als sie trotz größter Vorsicht ein Kücken in der Nacht er­drückte, hielt sie es mir am andern Morgen verzwei­felt hin: Ich kann wirklich nichts dafür!

Die Kücken wuchsen heran und wollten sich nun ihrerseits dankbar erweisen. Was taten sie? Sie um­schritten feierlich die schlafenden jungen Hunde, reck­ten die Hälse, starrten gespannt hierhin und dahin und fingen plötzlich an, behutsam und doch mit peinlicher Genauigkeit bie vielen fetten Flöhe abzu- picken!

Ueberhaupt: bas Prinzip gegenseitiger werktäti­ger Hilfe ist bei ben Tieren viel mehr verbreitet, als man gewöhnlich glaubt.

Wir hatten eine Ziege, Franziska, bie ein Kitz bekam. Am anberen Morgen finbe ich in der Krippe ein frischgelegtes Hühnerei, das Franziska schon zur Hälfte ausgetrunken hatte!

Ziegen find ein Kapitel für sich. Wenn ich von Franziska erzählen wollte, nein, es würde mir doch niemand glauben. Und Kühe, es gibt Kühe, bie man nie vergessen kann. Hast bu einer Kuh ins Auge geschaut, unb hat ihr abgrundtiefer Blick voll Güte, Demut unb Weisheit bich nicht erschüttert? Die Aegypter hatten recht, als sie das Rind anbe» teten.

Junge Dichter vor bie Front: ,,£) Tier, das Tier ist gut!"

Nr. 2 9 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 9. Dezember 1933

Die deutsche Revolution.

23 on Edgar Ung

Die deutsche Revolution vollzieht sich in einem Kulminationspunkte der Geschichte und ist Teil der gesamten Umwälzung, die Europa ergriffen hot. Der Charakter dieser europäischen Revolution ist ein gegenrevolutionärer. Gegenrevolutionär in dem Sinne, daß er sich gegen die bürgerliche Demo­kratie, gegen den sterbenden Parlamentarismus, gegen bie kapitalistisch entartete Privatwirtschaft, gegen eine problematische Zivilisation richtet. Wenn Mussolini im 14. Band derencyclopädia italiana" ben Faschismus als ben Aufstand des g e schich11, chen Menschen gegen das Indi - d i b u u m des Liberalismus bezeichnet, so trifft er damit das Wesen der europäischen Revolu­tion. In seinem Grundgehalt ist der Faschismus sicherlich einExportartikel", so wenig seine hoben- unb volksgebundenen Formen übertragbar sind. Denn der Glaube Mussolinis an bie Wiebergeburt des geschichtlichen Menschen schließt eine lieber« tragung von Fo.men, welche aus ber Jtalienität kommen, auf außeritalienischen Boben aus.

Das Befördere ber beutjchen Entwicklung be­steht barin, baß ber Uebergang von ber konstitutio­nellen Monarchie zur nationalistischen Diktatur ver­hältnismäßig kurz ist. Er umfaßt ben Zeitraum von 1917 bis 1933, in welchem bie Herrschaft von den Parteien unb ben Parlamenten ausgeübt würbe. Deutschlanb holt also bie französische Revolution ver­hältnismäßig spät nach unb wirb hierin nur von Spanien übertroffen, welches erst jetzt mit feubalen Ueberbleibjeln aufräumt. Schon bie beutsche Revolu­tion von 1918 hatte beshalb einen Zwischen- charakter. In ihr rangen Formaldemokratie unb marxistische Diktatur um bie Herrschaft. Schon da­mals setzten sich die demokratischen Grundkräfte nicht aus eigenem Vermögen durch, sondern die pazifisti­sche Sozialdemokratie mußte sich ber nationalisti­schen Freikorps bedienen, um bie Formalbemokratie zum Siege zu führen. Sie ftanb beshalb a u f schwachen Füßen. Schon nach kurzer Frist ge­schah eine Machtverschiebung nach ber Seite ber Reichswehr unb bes Reichspräsibenten, besten Amt bezeichnenberweise von bem Führer ber alten Armee verwaltet würbe. Dann flüchtete sich bie Republik unter ben Schutz besKabinetts ber Barone", um enbgültig an ihrem Unoerftänbnis ber geschichtlichen Dynamik zugrunbe zu gehen.

Erst in ber Garnisonkirche zu Potsbam würbe bie von Rousseau geforberte Ibentität zwischen Regierenben unb Regierten hergcstellt. Sie vollzog sich aber ni cht auf bem Wege einer Gesetzesherrschaft, wie sie zuletzt Kelsen ge­fordert hatte, [onbern auf bem ber irrationalen Persönlichkeitswirkung. In dem national­sozialistischen Führer sah sich die Masse in einem Maße verkörpert wie noch nie zuvor in der Ge­schichte. Die Demokratie wurde gewissermaßen a u f psychologischem Wege vollendet: ein Wunder, aber noch keine staatliche Ordnung.

Aber in dieser H ä ch st s o r m der Demokratie, in welcher alle Macht ohne jede gesetzliche Hemmung ober politische Korrektur in die Hand des erwähl­ten Volksführers gelegt wurde, schlummert gleich­zeitig ihre Ueberroinbung. Demokratische Diktatoren pflegen nur bann zur reinen Demokratie zurückzukehren, wenn die Grundgesetze der Demo­kratie mit Bewußtsein unb Absicht nur vorüber- gehend ausgeschaltet wurden, also an und für sich noch im Volke ßebensboben besitzen. Dies ist aber zu Beginn des Umschwunges . i ch t mehr der Fall gewesen. Die formale Demokratie hat in Deutschland so abgewirtschaftet, daß sie nicht nur als Methode, sondern auch als Staatsform keine Zukunft mehr hat. Die deutsche Revo­lution fällt zudem in einen Zeitabschnitt, in wel­chem Liberalismus unb Demokratie als solche in Agonie geraten finb, bie Frage nach echten Herr­schaftsformen bem ganzen Erbteil beshalb gestellt ist. So vereinigt sich in der beutfchen Revolution bie Vollendung des Prinzips von 1789 mit seiner Ueberroinbung Sie ist Ende des liberalen Zeit­alters unb Anfang des anbrechenben konservativen.

Dieser Doppelcharakter der deutschen Re­volution ist es, der uns die kompliziertesten Pro­bleme stellt unb uns zwingt, ununterbrochen auf ber Wacht zu stehen, bamit bet geschichtliche Sinn ber großen Umwälzung sich erfülle. Dieser Sinn ist aber ein gegenrevolutionärer. Die große Revolution bes 20. Iahrhunberts ist ebenso zwangs­läufig konservativ wie bie bes 18. Jahrhunderts liberal war. Sie ist ebenso triebhaft und elementar wie bie bes 18. Iahrhunberts von Ideen bewegt war. 1789 marschierten Jbeen gegen bie Ueberlie- ferung, jetzt brechen Ueberlieferung, Blut unb Geist, ' ber geschichtliche Mensch burch unb treten gegen Intellektualismus unb Doktrin an.

Als Geschöpf ber Aufklärung war bie französische Revolution atheistisch unb bekannte sich zur Göttin Vernunft. Die später erfolgenbe Rückkehr zur Reli­gion machte vor bem Staate halt, der in religiösen Dingen gewissermaßen neutral wird. Mit dieser Ver­weltlichung des Staates ist aber eine weitgehende Verweltlichung des gesamten Volkslebens verbunden Die deutsche Revolution 1918 entwickelt keinen Schwung. Einige Literaten versuchen auch bei uns mit 150 Jahren Verspätung ben Vernunftkultus ein« zuführen. Aber es zeigt sich, baß bas Zeitalter der Aufklärung endgültig vorüber ist, baß auch die von der deutschen Linken heimlich geförderte Gottlosenbe­wegung mehr der Gleichgültigkeit als einem geistigen Wollen entspringt. Während sich die deutsche Repu- blik in religiösen Dingen einigermaßen neutral ver­hält, kommt es in Rußland zu einem offenkundigen Diesseitskult, bei dem die Götzen Marx und Lenin, die Fetische Arbeit, Wohlfahrt und Proletariat heißen. Die deutsche Revolution von 1933 ist klare Gegenrevolution, istbewußtreligiös und führt den Staat symbolisch aus dem Theater von Weimar in die Garnisonkirche von Potsdam. Hinter ihr steht eine Art von religiöser Politik, welche an die poli­tische Theologie eines Adam Müller gemahnt.

Wir sehen das Doppelgesicht der deutschen Revo­lution, das sowohl dem liberalen Zeitalter als auch der konservativen Umgestaltung zugewandt ist. Wir erkennen ihren doppelten Kern, in dem das Bild eines neuen deutschen Staates, aber auch das bes Dritten Reiches schlummert. Hier bie erwachende Nation, ber Nationalstaat, ber totale Staat, bie Er- ziehungsbiktatur, straffer Zentralismus, bort ein anbaufähiges Reich, gegründet auf natürlich gewach­senen soziologischen Gegebenheiten, hierarchisch ge- gfiebert, gebietsftänbisch und berufsständisch aufge­baut, adlig geführt Die primitive Dynamik ber Mas­sen, ber Herrschaftsdrang ber neuen Männer bewegen sich vorläufig auf einen Staat zu, ber nicht mehr Spielball ber pluralistischen Kräfte, fordern Macht ist Daneben aber regt sich bie mythische Sehn­sucht nach bem Dritten Reiche, bie Besten bes Vol­kes burchglühenb. Die marschierenben Bataillone wollen zunächst ben beutschen Staat unb bie neu zu ftiftenbe" soziale Ordnung, ber beutsche Geist ringt um bas heilige Reich. Hieraus ergibt sich, baß zur Erfüllung bes geschichtlichen Zuges, ber bie konser­vative Revolution fordert, eine spätere schöpferische Phase notroenbig wirb, in welcher ber konstruktive Bau bes britten Reiches beginnt Potsdam schuf hier­zu bie Voraussetzung, den deutschen Staat, der aber nur Kern unb Achse bes Reiches sein wirb. Die Be­rufung ber Deutschen bleibt das Reich

Die protestantische Linie deutscher Politik ist der Staatsgedanke, bie katholische die Reichsidee. Die Doppelkonfessionalität des deutschen Volkes braucht nicht nur als geschichtliches Verhängnis gesehen zu werden Es wird dadurch bie ßebenbigteit bes Volkstums geschont unb ein Staatsbenken gefördert, bas auf ein Ordnungsgefüge hindrängt, wie es das balkanifierte Europa benötigt Die moderne Ver­kehrswirtschaft, und die Unmöglichkeit, in Europa Siedlungs- unb Staatsgrenzen zur Deckung zu brin­gen, fordern gebieterisch einen Ausweg aus der na­tionaldemokratischen Sackgasse und ein neues staat­liches Orbnungsprinzip. Hier liegt die politische ßinie der katholischen Ueberlieferung, die Aufgabe des deutschen Katholizismus. Beiden Bekenntnissen zusammen aber obliegt bie Wieberverchristlichung bes Abendlandes, welche der letzte Sinn der konser­vativen Gegenrevolution ist.

Sport auf

Der Eisverein hatte rechtzeitig alle Vorbereitun gen getroffen unb ber Winter hat sich biesmal mit so einbeu tigern Frost eingestellt, so baß bie Eisbahn an der Moltkestraße innerhalb dreier Tage zur befahrbaren Fläche gefror. Die Jugend wartete schon auf ben Tag ber Eröffnung und strich immer

dem Eise.

Eishockeyfeld, auf bem bereits eifrig trainiert wird, würbe auf bas Planschbecken verlegt, so daß bie Eishockeyspieler nunmehr ganz für sich finb. Für das Eisschießen ist ebenfalls genug Raum abge» grenzt, bie Herren im besten Alter stehen in Stroh» schuhen auf ber glatten Fläche und beobachten mit

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wieder an der Eisbahn herum, um zu sehen, ob es nicht bald so weit sein werde ...

Am Dienstag konnte die Eisbahn eröffnet wer­ben und schon am Nachmittag bevölkerte bie Jugenb in hellen Haufen bie glatte Fläche, war schnell roieber im Element unb in großer Fahrt. Auch die Erwachsenen kramten bie Schlittschuhe aus unb ver­gnügten sich währenb einiger freien Stunden in ber urgesunden Bewegung, in ber klaren winterlichen Lust, unb im ßicht ber etwas kraftlosen winterlichen Sonne, bie ihre Strahlen schräg auf das Eis warf. Auf ber Moltkestraße blieben bie Vorübergehenben stehen, sahen auf das bunte Gewimmel unb be- bauerten vielleicht, baß sie nicht auch babei fein konnten, fonbern ihren Pflichten nachgehen mußten.

Die Eisbahn hat eine Erweiterung erfahren. Das

gespannter Aufmerksamkeit den schweren Holzkegel, ber, von kraftvoller Hanb geschleubert, in ruhiger stetiger Bewegung über bas Eis gleitet, um mehr ober weniger nahe bem Ziel zur Ruhe zu kommen. Der Eisschießsport hat in Gießen eine befördere Pflegestätte und wird mit großer Aus­dauer betrieben. Eisschießen wirb übrigens nicht mehr lebiglich als ein Sport ber älteren Herren angesehen, fordern auch bie Jugend beteiligt sich mit viel Geschick. Es braucht kaum erwähnt zu wer­den, daß auch ber elegante Kunstlauf eifrig gepflegt wirb. Die vorzügliche Eisbahn, die Gießen, dank ber eifrigen Arbeit des Eisvereins besitzt, ist eine Sport­stätte, wie sie in ihrer Art nicht schöner gewünscht werden kann. Unsere Bilder geben kleine Ausschnitte aus ber Betriebsamkeit auf dem Eise.

Das Gießener Lehramt für politische Erziehung.

Zu den Berichten über bie Rebe bes Herrn Reichsstatthalters anläßlich ber Einweihung bes Kameradschaftshauses ber Gießener Studentenschaft ersucht das Gaupresseamt um folgenbe Klarstellung: Der Herr Reichsstatthalter hat erklärt, baß ber Partei das Primat ber Vertretung des National­sozialismus allen Volksgenossen gegenüber erhalten bleiben müsse. In erster ßinie müsse sie ben Natio­nalsozialismus für bas ganze Volk nach außen hin verkörpern. Ein Verzicht hieraus bedeute Selbst­aufgabe Somit könne ber Nationalsozialismus nicht an einen Lehrstuhl gebunben werden ober etwa Schulen unb Universitäten überlassen bleiben. Die Partei müsse bie Verbreitung des National­sozialismus zum allgemeinen Volksgut für sich unb ihre Beauftragten in Anspruch nehmen. Die Er­richtung eines Lehrstuhles für Nationalsozialismus werbe versuchsweise und vorbehaltlich ber Zustim­

mung ber obersten Parteiführung genehmigt. Das Amt für politische Erziehung habe bie ©runblage ber Durdjbringung aller Besucher der Universität mit nationalsozialistischen Grundsätzen zu bienen.

Unzulässige Eingriffe.

Die ßanbesleitung Hessen ber Reichsmusikkammer teilt mit: Entgegen ben für bie Ueberführung bes Verbanbes ber Theaterangestellten in bie Reichs­musikkammer erlassenen amtlichen Besprechungen werben Uedergriffe örtlicher Funktionäre bes ge­nannten Verbanbes gemeldet. Ich weise ausdrück­lich darauf hin, daß Ernennungen unb Vollmachten für bie Reichsmusikkammer ungültig finb, wenn sie nicht von ber ßanbesleitung Hessen (Darmstabt, Gutenbergstraße 51) ober vom Präsibenten ber Reichsmusikkammer, Berlin, ausgestellt finb. Ar­beitsfront-Gauführer finb für Ernennungen nicht zuständig. Unter Beobachtung des Reichskultur­kammergesetzes ist das Ergebnis der Verhandlungen betr. der Ueberführung abzuwarten.

Gießener Gtadttheater

Franz Lchär:Die lustige Witwe".

Die luftige Witwe", deren letzte Gießener Auf­führung etwas über vier Jahre zurückliegt, ist unter den älteren Varkriegsoperetten weitaus die erfolg­reichste gewesen. Ihr Erscheinen bedeutete seinerzeit fast eine Revolution-, Lehär hatte hier einen neuen Stil gefunden, der die alte Wiener Tradition fürs erste nahezu vollkommen ausfchaltete. Der Er­folg nahm für damalige Begriffe unerhörte Formen an. Die Hauptmelodien der Partitur gewannen mit einem Schlage eine alle Erwartungen übertreffende Popularität und traten alsbald einen Siegeszug durch die ganze europäische Welt an.

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Das ist nun schon lange her; die Welt hat in­zwischen ihr Gesicht gründlich gewandelt, und wenn man heute die Operette wieder auf sich wirken läßt, so wird einen zwar das Textbuch (von Victor ßeon und ßeo Stein) in vielen Teilen den zeit­lichen Abstand empfinden lassen, der uns von den triumphalen Anfängen derßuftigen 'ffiitroe" trennt; aber die Partitur ßehärs wirkt noch in ihrer ganzen ursprünglichen Frische, ihrem rhythmischen Schwung und ihrer eleganten und überaus geschick­ten Melodieführung auf uns ein, und wir begreifen sowohl die Durchschlagskraft jenes ersten Erfolges von bem alle, bie ihn persönlich miterlebt haben, noch heute schwärmen als auch bie Verlockung für den modernen Regisseur, ein wenig vorn großen Zauber jener er* m Ausführungen, denen später so ungezählte folgen sollten, noch einmal heraufzube- schwören Man darf allerdings nichts forcieren unb nicht etwa versuchen wollen, bas Werk einer grunb« sätzlichen Neufassung für ein heutiges Publikum zu unterziehen: bas würbe ben Erfolg untergraben unb der Operette die wesentlichen, freilich zeitgebundenen Voraussetzungen nehmen, auf denen ihre Wirkung ' beruht Daß eine Neueinstudierung, mit richtigem Gefühl für diese schon historisch gewordenen Ele­mente der klassischen Operette unternommen, noch immer eine dankbare und lohnende Sache ist, be­wies die gestrige Aufführung noch entschiedener als die Wiederaufnahme vor vier Jahren.

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Die Spielleitung (Paul W r e d e) hatte mit Recht davon angesehen, 'eine notwendig zu Gewalttätig­keiten führende Modernisierung vorzunehmen; er spielte die Operette so, wie es den Grundzügen