Nr. 23b Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Montag, 9. Oktober (933
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Der neue Großsender derReichshanptstadt
glaubt, mit Verhaftungen und einer Prozeßkomö- die auskommen zu können, bei der man sieben Leute wahllos aus einer Zahl von 263 Verhafteten herausgriff, so hat sich gezeigt, daß diese Mittel auch nicht ausreichen, um den schwankenden Grund, auf dem sich das tschechische Staatswesen erhebt, zu festigen. Jetzt wird eben verboten und alles, was im deutschen Lager irgendeine führende Stellung hatte, verhaftet und in t)en Kerker geworfen. Welches Schicksal ihnen winkt, geht daraus hervor, daß das Brünner Revisionsurteil automatisch auf bisher über 1600 Verhaftete ohne besonderes Gerichtsverfahren angewandt werden soll. So hofft man Sudetendeutschland so schwer zu treffen, daß es sich nie wieder erheben kann.
Für Berlin, das sich bisher mit verhältnismäßig alten Sendeeinrichlungen begnügen mußte ist bei Tegel eine neue Funkstation im Bau, deren Energie bis zu 120 kW betragen wird. — Links: Ein Äntennenmast im Bau. — Rechts: Abstimmungsspulen und Kondensatoren der neuen Großstation.
Oaö neue Heim der heffen-naffauischen Bauernschaft.
Frankfurt a. M., 7. Okt. (WSN.) Der Landesbauernführer gibt bekannt: Am 6. Oktober wurde für die Hessen-Nassauische Bauernschaft das Anwesen in der Bockenheimer Landstraße 25 zu Fiwnkfurt a. M. zum Preise von 465 000 Mark käuflich erworben. In dem Kaufvertrag ist notariell gewahrt, daß kein Betrag an die ehemaligen Besitzer, deren Teilhaber oder Tochtergesellschaften ab- aeführt werden darf. Das Anwesen wurde im Jahre 1930 für 1 800 000 Mark von der Dresdener Bank erworben. Der Bauwert beträgt 2 800 000 Mark. Damit hat die Hessen-Nassauische Bauernschaft ein Heim gesunden, in dem die gesamte Verwaltung einschließlich der vier Hauptabteilungen der bäuerlichen Selbstverwaltung (ehemaligen Landwirtschaftskammern Darmstadt und Wiesbaden, die beiden Genossenschaftsorganisationen Darmstadt und Frankfurt, der ehemalige Landbund und der Landhandel) untergebracht werden. Es ist dies ein Haus, das in Zukunft nationalsozialistischen Geist und echtes deutsches Bauerntum in blutvoller Verbindung mit dem Landvolk in alle Teile unseres Heimatgaues ausstrahlen wird. Der notwendige Ankaufsbetrag ergibt sich aus dem vorzunehmenden Verkauf der früheren Gebäude des gesamten Hessen- Nassauischen Landstandes.
Der Schlag gegen Sudetendeutschland Minderheitenpolitik im Tschechenstaat.
Don unserem D.-Äerichiersiatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Prag, 5. Oktober 1933.
Mit der satten Zufriedenheit eines scheinbaren guten Gewissens hat eben „Frankreichs Handlungsreisender", der Herr Außenminister der Tschechoslowakei, Dr. Bene sch, in Genf vor'dem internationalen Forum seine Meinung über die europäischen Minderheitenprobleme zum Besten gegeben; die moralische Entrüstung troff nur so von seinen Lippen, die Entrüstung gegen Deutschland, das so schamlos seine Minderheiten vernichte und verjage. Und am gleichen Tag wird auf Anordnung seines eigenen Außenministeriums in Prag d i e D N S A P. und zu gleicher Zeit auch dieDeutscheNatio- nalpartei Sudetendeutschlands verboten. Wohl hatte die erste dieser beiden deutschen Gruppen in Voraussicht des kommenden Verbotes noch wenige Stunden vorher ihre Selbstauslösung beschlossen, wodurch das Verbot der Partei praktisch ein Schlag ins Wasser geworden ist, aber das Wasser spritzt dennoch weit genug herum, so daß die oft und viel mißbrauchte Weltöffentlichkeit nun doch schon auf die Vorgänge in dieser „höheren Schweiz" aufmerksam wird. Und mit Staunen liest man die Sätze, die zur Begründung der Verbotsverfügng amtlich ausgesprochen werden. Da heißt es z. B., daß „die Deutsche Nationalsozialistische Partei in Durchführung ihres terroristischen Programms, die Vereinigung aller Deutschen, schon begriffsmäßig in sich die Zeichen der Gewalt einschließt" und weiter „aus dem Grunde, da ihre gesetzwidrige Existenz der öffentlichen Ruhe und Ordnng widerspricht". Und gleichzeitig wird die DNP. verboten, weil sie das „offensichtliche Bestreben kundgetan hat, sich mit der DNSAP. zu verschmelzen."!
Und während die beiden Verbote ausgesprochen werden, tagt in Brünn der Revisionspro- zeß gegen die „Volkssport"- Leute, wobei schon die ersten Teilentscheidungen alle Hoffnungen zerschlagen haben, die man auch noch im Sudetendeutschtum dahingehend gehegt hatte, daß wenigstens das Oberste Gericht im Gegensatz zum Erstgericht vielleicht doch noch nach Recht und Gerechtigkeit urteilen würde. Diese Hoffnungen sind bereits zunichte geworden und es ist kaum etwas anderes zu erwarten, als daß das Urteil, das jenes Erstgericht am 24. September 1932 gefällt hat, bestätigt, wenn nicht gar verschärft wird, wie es der Staatsanwalt schon jetzt beantragt hat. Die Revisionsverhandlung im Verein mit dem Verbot der beiden größten sudetendeutschen Parteien, zusammen mit den Verfolgungs- und Entdeutschungsmethoden, die in der „Höheren Schweiz" des Herrn Benesch seit jenem 28. Oktober 1918 schonungslos gegen alle Deutsche getrieben wird, sind ein kaum zu überbietender Beweis, wie heuchlerisch doch die jetzigen Worte Beneschs vor dem internationalen Forum des Völkerbundes sind.
Im Reich haben sich unterrichtete Kreise in der letzten Zeit der Hoffnung hingegeben, daß an den ewig wiederkehrenden Worten von der „Konsolidierung" im Tschechenstaat doch etwas sein müsse, und außerdem sitzen ja zwei deutsche Minister in der Prager Regierung, die sich doch „selbstverständlich" gegen jede schikanöse Maßnahme gegen das Deutschtum wenden würden. Die jetzigen Ereignisse haben das einzige Gute, daß sie einer größeren Allgemeinheit auch über die deutschen Volksgrenzen hinaus zeigen, in welcher Gefährdung und Bedrängnis das Sudetendeütschtum, das immerhin 3,5 Millionen M e n s ch e n stark ist, heute lebt und welcher Methoden sich die französische Gründung des tschechischen Staates heute bedienen muß, um sich überhaupt noch wenigstens den Schein einer Daseinsberechtigung zu geben. Die Sudetendeutschen sind es ja nicht allein, gegen die sich die Wut der Prager Regierung richtet, auch wenn
es bei ihnen am ärgsten der Fall ist. Die Ereignisse bei der 1100-Iahrfeier der slowakiscyen Stadt Neutra und die immer wiederkehrenden Autono - mieforberungen der Slowaken zusammen mit der Tatsache, daß der Slowakenführer Dr. Tuka auf 15 Jahre in tschechischen Kerkern sitzt, sind ja ein deutlicher Beweis dafür, wie hohl die Phrase vom „tschechoslowakischen" Volk sind. Ein Staat, auf einer Lüge gegründet, muß über kurz oder lang mindestens an den Rand des Abgrundes kommen, und das beginnt sich jetzt bei dem tschechischen Staatsgebilde auch zu verwirklichen.
So ist der gewaltsame Selbstbehauptungskampf, den der Tschechenstaat heute gegen seine eigenen Bewohner kämpfen muß — sind doch die Tschechen selbst zahlenmäßig nur die größte Minderheit im Staat und erreichen nicht einmal 50 v. H. der Bevölkerung — heute wohl in seine größte Krise gekommen. Er wird von einer unmenschlichen Furcht beherrscht und von dem schlechten Gewissen, daß sich die Tschechen infolge der Gunst ihrer französischen Freunde bei ihrer Staatengründung ganz ungeheuerlich übernommen haben und nun den gewaltigen Brocken, der ihnen da zugeworfen wurde, nicht verdauen können. Dieser Kampf gegen alles, was nicht tschechisch ist, währt solange, wie der Staat besteht, nur die Methoden haben gewechselt. Hat man bisher Bodenreformen veranstaltet, durch die den Sudetendeutschen hunderttausende Hektar landwirtschaftlichen Bodens einfach geraubt und Tschechen zugeteilt wurde, hat man weiter bisher die deutschen Beamten bis auf ganz wenige, aber hinunter dis zu den alleruntersten Beamten, auf die Straße gesetzt und an ihre Stelle Dchechen ins Amt einge- füfjrt, die kaum vollendete Mittelschulbildung haben, I ja zum Teil kaum lesen können, so hat man noch im vorigen Jahr beim ersten Volkssport-Prozeß ge-
Aufruf zum Eintritt in die Hitler-Jugend!
Der alte Staat mit seinen Standes- und Klassengegensätzen ist zerfallen. Eine neue Jugend wächst heran, die nichts mehr wissen will von innerpolitischen Streitigkeiten und Zänkereien. Diese neue Jugend soll einst Träger echter nationalsozialistischer Staatsauffassung sein und muß deshalb frühzeitig in nationalsozialistischem Gedanken ge- schult und erzogen werden. Diese große Aufgabe hat die „Hitler-Jugend", die einzige Jugendorganisation, die im neuen Staat Berechtigung hat, übernommen.
Alle deutschen Jungen, ob Bauernsöhne, Jungarbeiter oder höhere Schüler, sollen hier den Geist wahrer nationalsozialistischer Volksgemeinschaft kennenlernen.
Noch stehen viele Jungen abseits dieser gewaltigen Jugendbewegung. Diesen und den Eltern sei folgendes gesagt: Der Staat wird in Zukunft nur Wert a u f die Kräfte legen, von denen er die Gewißheit hat, daß sie sich jederzeit rücksichtslos für d i e Idee des Nationalsozialismus einsetzen werden. Praktisch wird sich das so auswirken, daß alle Angestelltenoder Beamtenstellen nur von Angehörigen der SA. besetzt werden. Alle Stellen, die das Arbeitsamt für Jugendliche zu vermitteln hat, werden von Angehörigen der Hitler-Jugend besetzt.
Da in Zukunft die SA. nur noch Leute aufnehmen wird, die der Hitler-Jugend angehört haben, werden alle 14- bis 18jährigen Jugendlichen, die heute noch abseits stehen, aufgefordert, in die Hitler-Jugend einzutreten und dort mitzuhelfen, die neue Volksgemeinschaft zu schaffen.
Wer im nationalsozialistischen Staat Rechte haben will, muß erst beweisen, daß er es mit seinen Pflichten gegenüber dem Volksganzen ernst nimmt.
Heil Hitler!
Der Führer des Bannes 116 der Hitler-Jugend:
R. Buß.
Oer neue Zeitplan.
In unterrichteten Kreisen wird auf die hohe Volks- wirtschaftliche und sozialpolitische Bedeutung des sogenannten neuen Fettplanes hingewiesen, der am 1. November in Kraft treten wird. Die deutsche Landwirtschaft wird an diesen Fettplan wegen der Vorschrift des Beimischungs- Zwanges von 5 Prozent inländischen neutralen Schweineschmalzes zur Margarine besonders interessiert sein, weil man sich davon einen zusätzlichen Verbrauch von etwa 400 000 Zentnern Schweineschmalz im Jahre verspricht. Um diese Beimischungsmenge von 5 Prozent wird das bisherige Produktionskontingent der Margarinefabriken, das 60 Prozent der Gesamterzeugung von 1932 darstellt, erhöht. Der Kreis der Personen, die berechtigt sind zum Empfang von Bezugsscheinen für verbilligte Haushaltsmargarine und zur Entgegennahme von Fettoerbilligungskarten wird weiterhin durch den Begriff „minderbemittelt" umschrie, ben. Die Wohlfahrtsämter haben vor allem die Entscheidung über die Einbeziehung in diesen Kreis. Jeder so ermittelte Bezieher wird vom 1. November ab einen Bezugsschein über 18 Pfund verbilligte Haushaltsmargarine und Fettverbilliguntzskarten über sechs Pfund erhalten. Auf die Fettverbilligungskarten kann auch Butter, Schmalz und sonstiges Fett bezogen werden. Die verbilligte Haushaltsmargarine soll zu einem Preis von 38 Pfennig je Pfund ab Laden abgegeben werden, während die Verbilligung auf die Fettverbilligungskarten etwa 25 Pf. je Pfund beträgt.
Hirsche rufen
in her Nominier Heide.
Äon Edmund Gcharein.
Der ostpreußijche Herbst will seinen Rus verteidigen — mit Sonne und Wärme. Er hat auch allen Anlaß dazu. Ein Regentag löste den andern ab. Das Wasser stand.aus den lehmigen Waldwegen, füllte die Gräben, und der Nebel verstärkte die Finsternis dieser sonnenlosen Tage. Der Sturm mißhandelte den Wald, schüttelte Blätter, die noch nicht von den Zweigen wollten, und Früchte, die die Reise kaum erlangt hatten. Aber jetzt hat die Sonne wieder die Herrschaft. Der Herbst ist da, der Herbst in seinen reinsten Farben, in seiner tiefsten Stille, m seiner größten Emsigkeit, in seiner höchsten Vollkommenheit. Und der edle Hirsch läßt seinen Kampfruf hören.
Brunftwetter herrscht ja nun gerade nicht. Am Morgen glänzt die Sonne auf taufrischen Gräsern, wo der Reis blitzen sollte. Es fehlen die kalten, sternklaren Nächte. Und so ist denn die Brunft alles in allem matt; aber in einem Revier, das so viele Kapitale birgt, ist auch bei flauem Brunftwetter guter Anblick nicht selten.
Fast sommerlich ist die Wärme. Selbst der leichte Lodenrock wird von uns als Ballast empfunden und im Rucksack verstaut. Erst in der Schattenkühle der Fichten, wo Sonnenstrahlen auf braunrindigen Stämmen leuchten und auf vielfarbenen Moosen und Flechten spielen, ist es erträglich.
Dieser Himmel, der sich in so wunderbarem Blau über dunkelgrünen Fick nkronen und erstem Herbst- laub wölbt, der nicht ein Wölkchen zeigt, fesselt den Blick immer aufs neue. Diese Sonne, die ihr Bestes hergibt und den Körper so wohlig durchrieselt, empfindet der Mensch als Wohltat. Und so lassen wir uns von ihr die nassen Kleider, die uns im Nebel der Frühpirsch schwer am Leibe hingen, trocknen und die steifen Glieder durchwärmen.
In blauen Wölkchen geht der Rauch der Morgenzigarre durch die Lichtung, warnt einen Bock, dessen noch rote Sommerdecke uns eben erfreute, vergrämt den Fuchs, der sich jenseits der Schneise im Unterholz zu schaffen machte. Aber nicht lange dauert es, da haben wir andere Gesellschaft, Wild, das hier zu Hause ist wie wohl nirgend in deutschen Landen. Ein Achter und ein Zehner ziehen durch den dichten Unterwuchs, kommen in raumen Stangenholz nochmals ins Blickfeld des Fernglases: Zwei„Schnei-
der" sind es, die der Platzhirsch des Rudels, das auf dem benachbarten Kahlschlag seinen Stand hat, in Bewegung gebracht hat. Bei der Wachsamkeit des alten Paschas wird für diese beiden jugendlichen Freier wenig abfallen. Ohne Ziel anscheinend ziehen sie — Leidensgefährten in der Minne — weiter durch die Stangen. Aber plötzlich ein Verhoffen: Sie ändern die Richtung und streben wieder dem Kahlschlag zu. Lächelnd blicken wir uns an: Vielleicht wollen sie die Morgenruhe des Platzhirsches nutzen zu einem Besuch des Harems. Gutes Gelingen!
Kaum sind die beiden verschwunden, da bricht es im Holz. Aber das Auge kann nichts erspähen, und das Glas verrät auch nichts. Ein Zaunkönig schmettert von zackigem Stubben, und ein Häher rätscht vom Wipfel einer Eiche. Da blitzt es aus fast licht- grünem Eschenschlag. Und schon ist der Blick >m Banne einer Krone ... Im nächsten Augenblick ist der ganze Kopfschmuck frei. Ein Zwölfer Im Schmuck seines wuchtigen Geweihes, feiner blitzenden Enden, [einer stattlichen Krone, in der Ruhe und Würde seiner Haltung ist dieser Hirsch ein Bild trotziger Kraft. Fast überlebensgroß erscheint er in dem dürren Ried, das nur spärlich den gelben Sand deckt. Dieser Kronenzwölfer ist der ernsthafteste Gegner des Platzhirsches. Gestern war er vorübergehend bei den Schneidern, heute geht er eigene Wege. Wohl in jedem Revier würde man einen derartigen Hirsch als Kapitalen ansprechen, hier in dieser Wildbahn stellt er nichts Besonderes dar, ist einer von vielen.
Ruhig zieht der Hirsch ins schützende Unterholz. Nur das Geweih ist noch über herbstlich gefärbten Blättern sichtbar. Eine Zeitlang scheint es, als wolle er sich niedertun. Da kommt von jenseits der Wiesen ein leises Knören. Im Augenblick ist unser Hirsch wieder frei. Unbeweglich steht er da. Kein Muskel zuckt — ein lebendes Bild. Die Sonne spielt auf seiner Decke, hell blitzen die Enden, zottig ist die Mähne des edlen Wildes. Drahtig, schnittig ist es in seiner ganzen Erscheinung.
Wieder kommt von drüben ein Knören. Im Kreischen des Hähers geht es unter. Aber schon folgt ihm dröhnendes Orgeln. Das ist der Platzhirsch. Da legt der Zwölfer das Haupt zurück, daß die blitzenden Enden bis tief in den Rumpf hinuntergehen. Und dann kommt seine Antwort. Heller als die des Alten klingt seine Stimme.
Seitwärts dem Gestell zu zieht er, überfällt ohne erkennbare Ursache eine Hürde — welch wunderbarer Anblick — und taucht unter in der Fülle des jenseitigen Jungwuchses. Wippende Zweige, schwankende Wipfel bezeichnen für Sekunden noch den Weg, den er nimmt.
Der Himmel über buntem Herbstlaub ist noch so blau wie vorhin und die Stille so tief und feierlich. Und man möchte das Ganze für ein Phantom halten, stünden da nicht des Hirsches Fährten so deutlich im sonnenbeschienenen Sande.
* X
Sonnenverzauberte Stille liegt über dem Jagdschloß. Der Schwarm der Besucher, die in diesen Tagen das schmucke Jägerheim besichtigen, hat sich verlaufen. Kein Tritt halt über das Pflaster; keine Stimme stört den Frieden dieser Stätte, die so oft das Oberhaupt des Reutscben Reiches beherbergte. Vom Park her blitzen die silbernen Fäden des Altweibersommers aus buntem Herbstlaub, und auch hier auf dem Hof tritt feines, silbernes Gespinst hervor.
Ruft schon ein Besuch der Heide an sich die Erinnerung an den kaiserlichen Jäger und seine Jägerei wach, so gilt dies um so mehr in der hohen Zeit des edlen Hirsches, in den Tagen, da der König des Waldes der Minne obliegt Alljährlich weidwerkte der Kaiser in der Heide, deren Jagdgründe schon in früheren Jahrhunderten in hohem Ansehen standen, in denen vor den Hohenzollern Drbensgebietiger und vor diesen Pruzzenherzöae edlem Weidwerk nachgingen. Daß aber der Wildstand in diesen Forsten die Höhe erreichte, die ihn weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt- gemacht hat, ist das Verdienst Kaiser Wilhelms II., der der Hege des Rotwildes volle Aufmerksamkeit schenkte, der in der Wahl der Heger eine glückliche Hand hatte und im Laufe der Jahre durch zielbewußte und mühsame Arbeit die Erfolge zeitigte, die das Rominter Revier in der ganzen Welt bekannt machten. In diesen Herbsttagen sind 43 Jahre vergangen, seit er zum ersten Male die Heide aufsuchte.
Welcher Geist den Jagdherrn beseelte, zeigt dem Besucher ein Gang durch die trophäengeschmückten Räume des schmucken Jagdschlößchens, das feinem Stil nach so recht in die Urwüchsigkeit dieser Waldgründe paßt. Hier auf dem jagdhistorischen Boden der Rominter Heide schuf sich der Kaiser ein schlichtes Jägerheim, das nichts gemein hat mit dem Prunk so vieler Schlösser. Hier genossen viele Gastfreundschaft in Jahren, in Jahrzehnten.
Die Sonne ist gesunken. Gen Westen begrenzt den Horizont ein rötliches Band, und weiter hinauf breitet sich bläuliches Grün, lieber dunklen Wipfeln steht silbern der halbe Mond. Auf den Wiesen wallen bereits erste Nebel. Die Luft geht kühl. Erstes fernes Orgeln fällt in abendliche Stille.
,,Flucht nach Nizzas
Dieser FUm wurde gedreht nach dem Roman „Orje Lehmann wird Detektiv" von Dolly Bruck: ein Kriminalfall aus der Perspektive des durch die Lektüre von Detektivromanen zum Amateur angeregten kleinen Mannes, der im Privatleben einem ganz bürgerlichen Gewerbe nachgeht. Eine heitere Geschichte der verpaßten Gelegenheiten, wobei ein vom Wind davonyewehter Tausendmarkschein und eine in den Klamerauszug von „Hoffmanns Erzählungen" geratene Quittung die Hauptrolle spielen. Im Mittelpunkt der Ereignisse: Georg Alexander, der mit Hornbrille und rundem Hütchen merkwürdigerweise wie Harald Lloyd aussieht und, im Gegensatz zu feinen sonstigen Gepflogenheiten, einen überaus schüchternen und ungeschickten Liebhaber zu spielen hat. Außerdem Fritz Fischer als phantasiebegabter Detektiv; Else Elster, die uns in „Frau Lehmanns Töchtern" schon begegnet ist; Max Gülstorff als verbiesterter Kriminalkom- missar; Betty Bird; Hermann Picha; Theo Lingen. Regie führt James Bauer, der einige gelungene Einfälle anbringt und ein stimmungs- volles Riviera-Panorama entrollt. Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus; im Beipro- gramm: die neue Wochenschau, einLustspiel und hüb- sche Aufnahmen von den Segelfliegern auf der Kurischen Nehrung und von der Vogelwarte >n Rossitten.
Oer schwatzhafte Gender.
Mit einer seltsamen Angelegenheit haben sich augenblicklich die Behörden in der rumänischen Stadt Großwardein zu beschäftigen. Zu den glei- chen Zeiten wie der offizielle Rundfunksender von Bukarest pflegt sich in der letzten Zeit ein geheimnisvoller anderer zu melden, und, da der Bukarester Sender dort nicht sehr gut zu hören ist, erwartet man den unbekannten Schwarzsender immer mit großer Spannung, aber auch mit etwas beklommener Neugier. Der zweite Sender hat zwar mit Politik nichts zu tun, aber eine weibliche ober eine männliche Stimme meldet sich, die den Klatsch und Tratsch der Bürger und Bürgerinnen entljüttt und ihre geheimen Angelegenheiten schonungslos der Oeffentlichkeit mitteiü. Man kann sich denken, daß diese „Enthüllungen" für die Betroffenen nicht immer angenehm sind, und so rufen die Groß- roarbeiner nach der Polizei, aber vergeblich. Die Behörde hat bisher weder die Besitzer der Stimmen noch den Standort des Schwarzsenders ermitteln können.


