Nr. 288 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Zreitag, 8. Dezember 1935
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Kalifornien feiert die MMr des
Weins.
Im Staate Kalifornien ist das Alkoholoerbot jchon einige Tage früher aufgehoben worden als in den anderen Staaten. Als der erste Weinzug eintraf, ließ ein reicher Mann die Fässer schon am Bahnhof anschlagen und das langentbehrte Naß gratis zur Verteilung bringen.
Oer Dornenweg zum Ruhm.
Wie ich die «.Cavalleria" komponierte.
Von Pietro Mascaqni
auch richtig spielen und in ihrer Handhabung unterrichten könne. Ich gab ein kühnes „3a" zur Antwort, und die Stellung war mein! Daraus lehrte ich meine Schüler im Laufe des ersten Halbjahres Kontrapunkt und benutzte die freie Zeit, um alle Instrumente, die von der Schule angeschafft waren — vom Kontrabaß bis zur Harfe — spielen zu lernen. So konnte nach sechs Monaten, als ich so weit war, der praktische Unterricht beginnen. Ich bin auch heute noch der Meinung, daß ich das mir ausgesetzte Gehalt von 100 Lire im Monat dennoch nicht gestohlen habe. Ich fand sogar Zeit, mich mit meiner Erstlingsoper „Ratcliff" zu beschäftigen, so daß sie in 2Vs Jahren fast fertig war. Jedesmal, wenn ich auf der Bank erschien, um die fällige Rate für den Ankauf des Häuschens zu bezahlen, pflegte der Kassierer $u sagen: „Sie sehen nicht aus, wie einer, der fein Leben lang Wechsel unterschreiben muß." Diese Worte trugen in nicht geringem Maße dazu bei, meinen Lebensmut zu stärken.
Seit mehreren Jahren ging mir der Gedanke an die „Cavalleria rusticana“ im Kopf herum, ich wollte mich nämlich zunächst durch ein Werk geringeren Umfanges bekanntmachen. Ich wandte mich an verschiedene Textdichter, aber keiner wollte sich ohne bestimmte Garantien meinerseits zu der Arbeit entschließen. Da erfuhr ich von dem Wettbewerb um eine kurze Oper, die der mir bekannte Musikverleger Sonzogno ausgeschrieben hatte. Ich ergriff mit hellem Eifer diese Gelegenheit, um meine Verhältnisse zu verbessern. Die 100 Lire meines Gehalts, sowie die wenigen Klavierstunden in Cerignola und zwei Unterrichtsstunden in der philharmonischen Gesellschaft eines kleinen Nachbar- städtchens gestatteten mir aber nicht den Luxus eines Textbuches. Dank der Vermittlung einiger Freunde entschloß sich ein gewisser I a r g i o n i in Livorno, mir das Textbuch der „Cavalleria rusticana“ zu schreiben. Lange Zeit verfolgte mich der Gedanke an den Schluß der Oper. Ich hörte zuerst die letzten Worte: „Sie haben den Gevatter Turidu ermordet" — mir immer in den Ohren klingen. Ich brauchte einige gewaltige Orchesterakkorde, um die musikalische Phrase charakteristisch zu gestalten und einen wirksamen Schluß zu gewinnen. Wie es geschah, weiß ich nicht: Eines Morgens, als ich auf der Landstraße marschierte, um im kleinen Nachbarstädtchen meinen Unterricht zu erteilen, kam es wie ein Blitz über mich, und ich hatte die Akkorde gefunden! Es waren jene Septimenakkorde, die ich
gewissenhaft niederschrieb. So habe ich meine Oper am Ende zu komponieren angefangen.
Als ich mit der Post den Antrittschor erhielt — die Siciliano, die Tenorarie mitten im Vorspiel komponierte ich erst später —, sagte ich ganz vergnügt zu meiner Frau: „Heute müssen wir eine ganz große Ausgabe machen." „Was für eine?" — „Eine Weckuhr." — „Wozu denn?" „Um mich", erroieberte ich, „vor dem Morgengrauen zu wecken, denn ich will anfangen, die .Cavalleria rusticana* zu komponieren." Diese unvorhergesehene Ausgabe brachte zwar eine bedenkliche Schwankung in unserem Monatsbudget hervor, doch wurde sie mir bereitwillig gewährt. Wir gingen zusammen aus und kauften — nach langem Feilschen — einen Wecker für 9 Lire. Ich zog den Wecker am selben Abend auf; er sollte sich aber als überflüssig erweisen, denn in der Nacht wurde mir ein Söhnchen, das erste in der Reihe, geboren! Trotzdem führte ich den gefaßten Entschluß aus und begann am Morgen den Einleitungschor der „Cavalleria“ zu komponieren.
Im Februar 1890 begab ich mich nach Rom, um meine Oper dem Preisgericht vorzulegen, das sie für würdig erklärte, aufgeführt zu werden. Ich kehrte in höchster Aufregung nach Cerignola zurück und stellte dann fest, daß ich keinen Pfennig mehr besaß, um wieder nach Rom fahren zu können, wo meine Oper einftubiert werben sollte. Der Verleger Sonzogne half mir mit ein paar hundert Lire aus der Verlegenheit. Die schönen unvergeßlichen Tage der Furcht und Hoffnung, der Mutlosigkeit und des Vertrauens stehen mir vor Augen, als wenn es heute wäre. Ich sehe bas Constanzi-Theater in Rom halb gefüllt. Ich fehe, wie sich nach ben letzten stürmisch erregten Takten bes Orchesters Arme erheben unb gestikulieren, als wollen sie mich bebrohen, — aber in ber Seele lebt bas Echo jener Beifallsrufe roieber auf, bas mich bamals fast zu Boben warf. Der Einbruck, ben ich baoontrug, war so stark, baß ich bei ber ersten Wiederholung bitten mußte, man möge bie Lampen bes Proszeniums herunterschrauben, wenn ich herausgerufen würbe, benn biefes blenbenbe Licht erschien mir wie eine Hölle, wie ein Feuerschlunb, ber mich zu verschlingen brohte.
Nie werbe ich auch bas kleine Tischchen aus Tannenholz vergessen, an bem ich bie „Cavalleria“ von ber ersten bis zur letzten Note komponiert habe...
Am 7. Dezember würbe Mascagni, ber Komponist der vielgespieltenOper „Cavalleria rusticana“ 70 Jahre alt.
Ich spielte als junger Mann ziemlich gut Klavier und vertraute der Zusicherung meiner Freunde, die mir Privatstunden zu verschaffen versprachen. Als Maresca — der Theaterdirektor einer Wandertruppe, bei dem ich damals (1886) als Kapellmeister angestellt war — von meinem Vorhaben erfuhr, fuhr er mich in so wütender, ungerechtfertigter Weise an, daß es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen uns kam. Nun beschloß ich, zumal, da sich Maresca einen neuen Kapellmeister engagiert hatte, ihn heimlich zu verlassen. Meine beiden Koffer beförderte ich am Abend der letzten Vorstellung der Truppe in der Stadt Cerignola in das Haus einer befreundeten Familie, holte spät am Abend meine Frau ab, und mitten in der Nacht verließen wir die Stadt, um bei einem Bekannten auf dem Land Zuflucht zu suchen. Aus offenem Feld erwartete uns ein kleiner Wagen. Um 3 Uhr morgens erreichten wir, vor Kälte erstarrt, das Landhaus. Die Wirtsleute waren schlafen gegangen; meine Frau konnte ihre Hände nicht auseinanoerbringen, und sogar mir waren die Scherze auf den Lippen erstarrt.
Ein großes Feuer wurde angezündet. Da Betten nicht vorhanden waren, mußten wir, in Mäntel gehüllt, auf einem Lager von Steinen zähneklappernd den Morgen erwarten. Dann begaben wir uns in
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ein naheliegendes Dorf, wo wir jedoch kein warmes Essen auftreiben konnten, dessen meine treue Lebensgefährtin so sehr bedurft hätte. Wir verbrachten einige Tage in banger Sorge in dem kleinen Nest, bis der Bürgermeister von Cerignola, mein Freund, ankam und uns erzählte, daß die Theater- gesellschaft nach Sizilien abgereist sei, nachdem Maresca mich überall gesucht hatte. So konnten wir nun beruhigt nach Cerignola zurückkehren. Es handelte sich jetzt darum, uns ein eigenes kleines Haus einzurichten, wozu wir 500 Lire brauchten. Die Bank von Cerignola wollte mir diese Summe leihen unter ber Bebingung einer Rückzahlung ber Schuld in Dierteljahresraten. An bem Tage, an bem wir uns — meine Frau unb ich — in unserem Heim zum Mittagessen niebersetzten, reichten wir uns gerührt bie Hänbe unb fühlten uns von Vertrauen in bie Zukunft burchströmt. Ich war jung, kräftig, voll Arbeitsfreube unb von Freunben umgeben!
Ich bekam aber nur wenige Klavierstunben in bem kleinen Ort — es beburfte wahrer Wunber an Sparsamkeit, bamit wir ben Kochtopf täglich aufs Feuer stellen konnten. Der Bürgermeister unb ber Magistrat faßten enblich ben heroischen Entschluß, mir auf bie Beine zu helfen, einen Poften ins Leben zu rufen, an ben man sonst sicher nicht gedacht hätte. Man ernannte mich ... zum D i r e k - tor einer Orchesterschule! Der Bürgermeister erfunbigte sich einbrinqlich, ob ich alle Instrumente, bie in einem Orchester vorhanben wären,
Grundsätzliche Bestimmungen über das SA-Gporiabzeichen.
Für bas SA.-Sportabzeichen finb schon jetzt einige grunbsätzliche Bestimmungen herausgegeben worden. Die Berechtigung zum Tragen hat nur ber junge Deutsche, der im Besitze des Grundscheines (G-Scheines) ist. Der Grundschein wird erteilt beim Nachweis bestimmter Leistungen und Kenntnisse auf dem Gebiete der Leibesübungen und des Gelände- fports. Weiterhin muß der Bewerber an einem geregelten Ausbildungsgang teilgenommen haben. Die Einzelheiten der Prüfung find in dem sogenannten Prüfungsbuch enthalten. Die Berechtigung pum Tragen des Abzeichens muß während der beiden auf die Erwerbung folgenden Jahre durch je eine Wiederholungsprüfung neu erworben werden Der Grundfchein ist ein Teil der Perfonalpapiere des Erwerbers G-Schein und Abzeichen sind aus diesem Grunde öffentliche Urkunden. Weiterhin sind vorgesehen: Gelände-Sport-Lehrer-Abzeichen (L- Abzeichen) und Gelände-Sport-Prüfabzeichen, die auf Grund besonderer Bestimmungen erworben werben können.
Huhbaltturie m Gau Aordbessen.
Für die vom 6. bis 21. Dezember vorgesehenen Fußballkurse in Kassel sind derartig viele Meldungen eingegangen, daß eine Teilung der gemeldeten Teilnehmer zu jedem Kursus erforderlich war und einige Meldungen nicht berücksichtigt werden konnten. Die Kurse wurden jetzt so untergeteilt, daß vormittags erwerbslose Spieler der Spitzenmannschaften am Dienstag, Donnerstag unb am Samstag, sonstige erwerbslose Spieler am Montag, Mittwoch unb Freitag erscheinen, ein Nachmittagskursus ist für Jugenbliche ber Jahrgänge 1915 bis 1918 sowie 1919 unb älter in zwei Abteilungen vorgesehen, währenb bie Spitzenspieler ber Kasseler Gauliga unb Bezirksklasse zu Abenbkursen zusammengezogen werben. 19OOfombtnierf-tinit>6rftfäf3:2(l:O)
Das Ergebnis aus biefem Mittwochfpiel verrät schon, baß bie Universität eine recht spielstarke Elf mit ihrer Vertretung beauftragt hatte, insbesondre ba sie ftänbig nur zehn Spieler im Felb hatte. Die Spielvereinigung 1900 trat in ber vorgesehenen Aufstellung an, lebiglich bie vorgesehenen Außen-
Gießener Konzertverein.
Bach: Weihnachtsoratorium.
Währenb bei ber früheren Aufführung bes Weih- Nachtsoratoriums nur eine Auswahl in Anbetracht der zur Verfügung stehenben Mittel geboten werden tonnte, würbe bie gestrige Aufführung zu einem starken Nachhall für bas weihnachtliche Grieben. Der Eingangschor mit seiner glanzvollen Instrumentation würbe zum Prunkportal bes Festlichen. Es war auch biesmal befonbers zu begrüßen, baß bie Zahl ber Mitwirkenben auf weite Kreise ausgebehnt würbe, unb so konnte ebenso ein machtvolles, ja stellenweise übermältigenbes Forte ermöglicht werben, wie ein ausgeglichenes schwebenbes' Piano, bas z. B. ben Abventschoral mit ahnungsvollem Schauer erfüllte. Im Vergleich zum vorigen Mal ist mir ber Engelschor „Ehre sei Gott" mit noch stärkeren bynarnischen Abstufungen in Erinnerung. Die Knabenstimmen ber höheren Lehranstalten (Leiter: Oberreallehrer Blaß) führten den Choral mit jugendlicher Innigkeit durch; die Engelsverkündigung war von der Weihe des Unberührten getragen.
Im Orchester fielen die solistisch beanspruchten Bläser (Trompete, Oboe) angenehm auf; der Streicherchor klang wie immer in gesättigter Farbe. 2ln der Orgel verstärkte Johannes N e b e l i n g die Akzente und betonte die Einzelstimmung durch sorgfältige Wahl der Register. Mimi Bock gab am Klavier besonders dem Evangelisten sichere Stütze und paßte sich diskret an.
Heinrich Möller (Tenor, Marburg) erschien durch seine Stimmstruktur und durch ferne innere gesangliche Einstellung für die Durchführung der Rezitative weniger geeignet; günstiger war der Eindruck der Arie „Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken."
Erich Meyer-Stephan aus Frankfurt am Main (Baß) hat sicher gegen früher an Stimmkraft in der Höhe erheblich gewonnen. Nur hätte man beispielsweise in der Arie „Großer Herr und star- ker König" noch mehr inneres Mitgehen erwarten mögen.
Lore Fischer aus Stuttgart (Alt) erwies sich zumal in den Arien, als eine Oratorienaltistm mit sonorem Klang in der Tiefe, voller Hohe verbunden mit stilsicherer Musikalität und innerlicher Hin- gäbe - da war es umso mehr zu begrüßen, daß man für den erkrankten Herrn Wilhelm Schatt- Ur ßili Gebhardt aus Marburg verpflichtet hatte, eine Geigerin mit ganz besonderen musikali- scheu Qualitäten, die mit feiner Durchgeistigung unb nachgiebigster Anpassung das thematische Ge
webe mit Plastik und Tonschönheit klar ausbreitete.
Für die würdige Weihnachtsweihestunde wird jeder der Hörer Herrn Pros. Dr. Stefan T e m e s- v a r y, der die musikalische Gesamtleitung hatte, dankbar verbunden (ein. Dr. H.
Haffe und Kunst
Von Heinz Siecke.
Der Verfasser ist Schulungsleiter im Na- tivnalsozialistifchen Deutschen Studentenbund Hamburg. Wir nehmen die Veröffentlichung seiner heute besonders aktuellen Betrachtung zum Anlaß, nochmals nachdrücklich auf die gegenwärtig im Turmhaus am Brand zugängliche erste Ausstellung des Reichskartells der bildenden Künstler aufmerksam zu machen und zum Besuch aufzufordern. Wer es ermöglichen kann, inuß es als kulturelle Verpflichtung betrachten, durch den Ankauf des einen ober anberen Werkes einem ber ausftellenben Künstler eine Weihnachtsfreube zu bereiten unb ihn in feinem Schaffen tatkräftig zu unterstützen.
Die Herrschaft bes Hirnes genügt nicht für bie Kunst, bas hat bie Nachkriegszeit bewiesen. Das Werk aus biefem Geiste bleibt günstigenfalls Literatur, Augenreiz ober Gehörftubie, weil es nur angeregt ist, nicht eingegeben, beabsichtigt, nicht aus- geteilt unb geschenkt. Kunst ist immer eine Aufgabe in bes Wortes vielseitigster Bebeutung.
Mit bem Begriff ber Raffe ist eine Welt über ber bes Interesses, ber bloßen Gegebenheit, ber menschlichen Absicht, ber kleinlichen Reformen am gebeutet. Rasfentum hat immer bie schwere Breite eines ruhenben Urgrunbes. Die Rasse, als ein stilles, schaffenbes Gesetz abseits ber Hast ber Tage unb Jahre, ist Schicksal. Sie binbet unb verpflichtet ben Menschen an eine Lanbschaft, an eine bestimmte Absicht Gottes, als er biefe ober jene Lanbschaft schuf, in ber seine Rasse lebt unb liebt, haßt unb stirbt. Sie gibt bem unoerbilbeten Menschen ben Sinn, in Niebersachsen ein anberes Bauernhaus zu bauen als in Tirol. Sie mahnt uns an bas Sein. Unb weil ber Dichter unb Künstler ohne Hast (eben muß, wenn er der Welt des Augenblicksinteresses nicht hörig werden will, müssen wir bei ber Beurteilung seiner Werke seine Rasse mitheranziehen.
Neuerbings entsteht eine Meinung, bie barüber hinausgeht, die den Künstler für sein Werk auf seine Rasse verpflichten will. Nicht nur bei der Beurteilung des Werkes foll der Griff bes Geistes
in das Rasfentum getan werden, sondern schon bei der Schöpfung seiner Werke wird von dem Künstler verlangt, daß er seiner Rasse gedenke. Er soll die Sprache für seine Dichtung, die Farben unb Formen für feine Bilbwerke, bie Töne für seine Musik bem inneren Sinn feiner Rasse entlehnen.
Rasse ist in jener Kunstauffassung ein Begriff, ein Zielbilb. Sie ist als Frucht gesehen, obgleich sie bod) Acker ist. Wie ber Boben aus sich selbst Heine Blüten treibt, bars bas Kunstwerk nicht bie Frucht einer falsch oerftanbenen Rassentheorie werben.
Der Begriff ber Raffe ist ein Kampfbegriff.. Er hat bas Völkische naturwissenschaftlich begrünbct. Er hat bas Urtümliche, bie Rassen, aus ber Kritik entstehen lassen. Er hat bas Mittel ber Entscheibung zwischen Gesunbheit unb Dekabenz, Artreinheit und Artfremdheit geliefert.
Die Rasse schöpft und gestaltet selbst stetig von neuem in jedem geborenen Kind. Sie wird größer und mächtiger geformt, je weiter und freier der Schwung des Geistes ist.
Die Kunst hat nicht nur das Schwere, Breite, das Seiende zu bedenken, sondern das Werden miteinzubeziehen. Die großen Gewalten jeder vollen Kunst, Freude und Trauer, Liebe und Haß, Einsamkeit und Erregung, Leidenschaft und Demut brauchen einen weiten Raum für ihr eigenes künstlerisches Leben; bas Schöpfungsfelb aus einem Begriff ber Rasse ist bafür zu eng.
Alle Ewigkeitswerte sollen in einem Kunstwerk lebenbig fein. Daher müssen wir ben Namen Künstler bem zusprechen, ber ben freien Sinn für solche Werte hat. Der braucht sich nicht auf ben Begriff ber Rasse zu stützen, sonbern greift unmittelbar gestalten!) ein unb steigert ben Menschen in einen Sehnsuchtswillen, ber uns gleicherweise binbet, wie er uns erlöst, wenn bie Kunst aus der Mächtigkeit des Gefühls entsteht, aus dem Sinn einer Aufgabe.
Aufgabe bes Nationalsozialismus ist es, einfach praktisch eine Kunst aus sich werben zu lassen, ben Künstler sich selbst aus seinem Werben begreifen zu lassen, bie Theoretiker fernzuhalten. Denken wir an bie vollen unb starken Dichter, Maler unb Musiker bes Mittelalters, bie einfach unb schlicht, ohne alle Theorie, als starke Menschen ben Weg aus sich felbft zur Kunst fanben. Die Männer, bie ihre künstlerische Gabe als ®nabe für sich empfanben, bie ihnen eine Aufgabe fürs Leben war, Verpflichtung zum Schaffen unb eine Erlösung aus ber Welt ber Alltäglichkeiten zu einer Feierstunbe ber Werte, schufen raffenreine Werke. Ober benten wir an unsere ge- genroärtlgen Schaffenben: sie alle haben einen guten Sinn für bie wahren Werte, für bas Ewig- Seienbe wie für bas Werbenbe, für ben langsamen Wandel wie für die stetige Ruhe.
Ihr Leben vollzieht sich im Bannkreis des Volkes, weil alles konkrete Leben sich in dieser Ordnung bildet. Sie haben einen Sinn für das Leben in einer geiftig-feelifchen Fülle, die Kraft genug hat, sich selbst ohne Theorien, ohne Ideologien zu helfen. Sie bringen uns Gott nahe, weil sie nicht ben Fortschritt roeiterbilben, bie Welt nicht vergötzen, sonbern einen Sinn in uns wecken, ber sich erheben will, statt sich nur zu bilben, zu Gott will, statt m bie Arbeit an bem Bau einer Weiterentwicklung nach abstrakten Begriffen.
«.Keine Angst vor Liebel
Die Märkische Film G. m. b. H., bie sich sonst mit ernsthafteren Angelegenheiten befaßt, hat ein nettes Luflspielchen gebreht, bas mit operettenhafter Unbekümmertheit eine Geschichte von zwei vertauschten Privatsekretärinnen erzählt, bie sich wie bie sehr mobernifierte Fassung bes alten Märchens von ber Golbmarie unb ber Pechmarie anhört. Auch sonst ereignet sich allerlei, was, zum minbeften im Film, immer aern gesehen wirb: wenn zum Beispiel ber hohe Ches von seiner kleinen Sekretärin kräftig heruntergeputzt wirb; ober wenn ein eifersüchtiger Ehemann plötzlich racheschnaubenb im Trocabero auftaucht; ober wenn ein unternehmungslustiger Detektiv auf falscher Fährte im Auto baoonsaust. Zum Schluß ist aber alles roieber im Lot, unb es können nach ber Melvbie „Keine Angst vor Liebe" zwei Verlobungen auf einen Schlag gefeiert werben. Der Regisseur Hans Steinhoff hat bie ganze Geschichte gefällig arrangiert; es wirb auch luftig unb unterhaltsam gespielt: Ralph Arthur Roberts unb Abolf W o h l b r ü tf finb bie beiben „Diktatoren", Liane Halb unb Jessie Vihrog bie munteren Schreibmafchinistinnen. Ferner machen sich Hilbe Hilbebrand, Anna Müller-Lincke unb Theo Lingen in kleineren Aufgaben sehr nützlich. — Dazu hat bas Lichtspielhaus ein abwechslungsreiches Beiprogramm zusammengestellt; auf ber Bühne findet das Alberti-Ballett mit Gesang und Tanz freundlichen Anklang. Und schließlich hort man von den Amsterdamer Philharmonikern unter Menge l b e r g die Ouvertüre zu „Oberon".
Hochschulnachrichten.
An der Universität Münster sind die nicht- beamteten ao. Professoren Dr. Richard Hellmuth Goldschmidt (Philosophie und Psychologie) und Dr. Otto Janssen (Philosophie) sowie der Privat, dozent für Staats- und Verwaltungsrecht, Oberver» waltungsgerichtsrat Dr. Ernst Ifay auf Grund des Berufsbeamtengefetzes aus dem Staatsdienst entlassen roorbef*


