Ausgabe 
7.8.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Oie freiwillige Arbeitsspende

Reli

1.

2.

3.

E: [.: Ernst Blümlein.

durch ®nfeiM

Aus der Provinzialhauptstadt

lldel verpflichtet. Der Arbeitsadel verpflichtet alle,

SfeS-yS J

LE-»

lie seiner teilhaftig sind, zum Opfer für diejenigen, );e die Arbeitsfreude wohl kennen, die aber schuld-

os entbehren müssen. Ihnen wieder zu Lohn und

irot zu verhelfen, ist das vornehmste Ziel des

icuen Staates. Dabei kann der einzelne auf man-

durch Zahlung an ein Finanzamt, hauptzoll- amt oder Zollamt:

durch Hingabe von Schatzanweisungen oder Schuldverschreibungen des Deutschen Reiche», der deutschen Länder, Gemeinden oder Ge­meindeverbände;

durch Abtretung von Forderungen, die in da» Schutdbuch des Deutschen Reiche», eines deut- scheu Landes, einer deutschen Gemeinde und eines deutschen Gemeindeverbandes einge­tragen sind.

und derjenigen von öffentlich-rechtlichen

§ionsgesellsch asten erhobenen Steuern, die an die andesgrundsteuer anknüpfen.

i Spanien.

sind in Cordoba fünf und gestorben. Außerdem r durch die in ganz Spa- erursachter Ertränkungen

** Geringfügig entwertete Frei­marken nicht verwenden! Von der Ober­postdirektion Darmstadt wird mitgeteilt: Es kommt ab und zu vor, daß einzelne Freimarken auf den mit der Post beförderten Briefsendungen nur gering­fügige oder schwache Entwertungszeichen, oftmals nur Striche oder schwärzliche Flecken tragen, weil sie beim Abstempeln in der Eile nicht voll getroffen

g öuAeignlwgArens

iierlei Weise mithelfen. Die große A r b e i t s b e - haffungslotterie macht es besonders leicht: '□5 bescheidene Opfer von 1 Mark, das sie ver-

SV*** Wüm tourte nur halb m Erreichen ter öün- N'ch den Wen. :U>eten Deobachler auf Msgebäutes, daß der agv metergeaangen sei. einem Eisentehndamm, y des Ufers des Chi- 1 ^s Fliegers, Feuer- wagen eilten sofort an mmandor Zettle ent- J>ngontel. Seine ersten en auslöfchenl" 6t be- >n 1500 Meter erreicht ine, um eine Weile diese entil flemmte aber und Der Dallon begann zu oft auszutoerfen, 55 Sack )fund, aber dec Ballon ter. Cvmmandor bettle irüter, dah der Ballon ' umenle unbeschädigt ge- die Hoffnung aus, daß werde, einen neuen

n.

m in Jlorbfrantreid) n.

Calais wurden 'm Wi undsranzösischer rborgen. Bon den deut- 6 der Erkennungsmarken H war jede Feststellung

aib Urkunden findet man neu die SM und ihre >toarzist,dasP-ll-'erbn,. E zerfällt. D>efe Sraf) bezeichnet, 'st leil Mergers-tzeestu inisfucht worden, und st- der -Umschau" AZ ur Bestimmung des Wins ndZmerkwürd'g'stL u^ieeig^LPaP'-r ss-st r-Zr» .esondss oie i Ttoiefen, d' rg^iant>. )i^rteSitnol

der Zlussig' Schreiben

i aber nach ve^^M iersbas ^ UIjpiünM eit f^.baLeWcl- ö^rlleBaw.6cr eiQen 'nicbtiT moderner

Wengen

Doch ^LnSintenJ0 lesen modmren^ ^icr sinken ließ bet ^/lifiärleten

L'rSK

Reben der Verwendung des Spendenscheines zur Ermäßigung lausender Steuern kommt auch noch die Möglichkeit zur Ablösung ge­wisser alter Steuern in Frage.

Steuerschulden des Spenders sind insoweit ab­lösungsfähig, als es sich um zu wenig gezahlte Steuern vom Einkommen, vom Ertrag, vom Ver­mögen und vom Umsatz handelt und hinsichtlich dieser Steuern eine Verkürzung von Steuerein­nahmen vor dem 1. Juni 1933 eingetreten ist. Steuern vom Einkommen, vom Ertrag, vom Ver­mögen und vom Umsatz sind die folgenden Steuern: Einkommensteuer nebst Zuschlägen, Körperschaftssteuer, Krisensteuer (Krisenlohn- steuer) und Krisensteuer der Veranlagten, Ab­gabe zur Arbeitslosenhilfe, Vürgersteuer, Der- mögensteuer, Aufbringungsumlage, Grundsteuer (auch Gebäudesteuer und Haussteuer), Gewerbe­steuer vom stehenden Gewerbe (auch Gewerbe- kapitalsteuer und Lohnsummensteuer), Gebäude­entschuldungssteuer (Sondergebäudesteuer, Haus­zinssteuer, Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken), Steuern der ösfentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften, Erbschaftssteuer (einschl. Schenkungssteuer) und Umsatzsteuer (ausschließlich der Umsatzsteuer auf das Einbringen von Gegen­ständen in das Inland Ausgleichsteuer). Zuschläge, die die Länder, Gemeinden, Gemeinde­verbände und öffentlich-rechtliche Religionsgesell- schäften zu der Grundsteuer und zu der Gewerbe­steuer vom stehenden Gewerbe erheben, gehören zu den Steuern vom Einkommen, vom Ertrag, vom Vermögen und vom Umsatz nur insoweit, als die Zuschläge ihrem Wesen nach Steuern sind. Keine Steuern sind z. V. Kanalgebühren, Müll- abfuhrgcbühren, Straßenreinigungsgebühren usw.

Die Ablösung ist jedoch nicht möglich, wenn es sich um Steuerschulden handelt, die entfallen auf Dermögenstücke, die sich am 1. 3uni 1933 im Ausland befanden, oder auf Devisen, die am 1.3uni 1933 anbietungspflichtig waren, oder auf Zahlungsmittel und sonstige Werte, die zum Er­werb der vorgenannten Gegenstände unmittelbar oder mittelbar verwendet worden sind. Auch die Steuerschulden, die auf den Ertrag, das Ein­kommen oder den Umsatz derartiger Werte ent­fallen, sind nicht ablösungsfähig.

Voraussetzung ist weiter, daß die Spende nicht erst nach dem 31. März 1934 geleistet wird und auch nicht erst dann erfolgt, nachdem dem Steuerpflichtigen oder einer anderen Person, die die Pflichten des Steuerpflichtigen zu er­füllen hat, eröffnet worden ist, daß die Steuer­behörde Kenntnis von der Verkürzung der Steuereinnahmen hat.

Wird der Spendenschein zur Ablösung alter Steuerschulden verwandt, so treten folgende Wir­kungen ein:

1. Zinsen und Verzugszuschläge, die auf ab­gelöste Steuerschulden entfallen, werden nicht erhoben:

2. ist hinsichtlich einer ablösungsfähigen Steuer­schuld eine Steuerzuwiderhandlung begangen worden, so tritt dafür Straffreiheit ein, wenn der Betrag, in dessen Höhe Steuereinnahmen durch die Steuerzuwiderhandlung verkürzt worden sind, mindestens zur Hälfte abgelöst wird. Die Straffreiheit kommt allen Personen zugute, die an der Steuerzuwiderhandlung beteiligt waren:

3. die ablosungsfähigen Steuern werden in Hohe des Annahmewertes der Spende zuzüglich eines Aufgeldes getilgt. Das Aufgeld be­trägt 25 Prozent des Annahmewertes, wenn die freiwillige Spende vor dem 1. Oktober 1933 geleistet wird und 20 Prozent, wenn Zahlung im 4. Kalendervierteljahr 1933 und 15 Prozent, wenn Zahlung im 1. Kalender­vierteljahr 1934 erfolgt.

(Schluß folgt.)

lieber jeden als freiwillige Spende zur Förde­rung der nationalen Arbeit hingegebenen Wert erhält der Spender einen Spendenschein als Empfangsbescheinigung. Dieser Spendenschein Cann zur Ermäßigung lausender Steu­ern, oder zur Ablösung alter Steuern des Spenders verwendet werden.

Die Verwendung des Spendenschei- rtefl geschieht in der Weise, dah der Spender iden Spendenschein der Steuerbehörde hingibt. 3ft eine Spende durch Vermittlung eines Notars geleistet worden, so muß außer dem Spenden- schein auch die Empfangsbescheinigung, die der Notar dem Spender ausgestellt hat, der Steuer­behörde hingegeben werden. Mit der Hingabe gehen der Spendenschein und die von dem Notar ausgestellte Empfangsbescheinigung in das Eigen­tum der Steuerbehörde über. Bei Hingabe des Spendenscheins hat der Spender zu erklären, wie der Spendenschein verwendet werden soll. Hat der Spender den Spendenschein hingegeben und über die Verwendung des Spendenscheins De- ! ftimmung getroffen, so ist er an diese Bestimmung gebunden. Der Spender soll den Spendenschein möglichst bald dem Finanzamt, oder der sonst in Betracht kommenden Steuerbehörde hin­geben.

Der Spender kann bei Hingabe des Spenden­scheins verlangen, daß der Annahmcwert der Spende von dem Einkommen desjenigen Steuerabschnittes abgeseht wird, in dem . die Spende geleistet worden ist. Der Antrag ist dis zum Ablauf der Steuererllärungsfrist, sofern diese vor dem l.Mai 1934 abläuft, sonst bis iiim 30. April 1934 zu stellen.

Wird der Annahmewert der Spende von dem Einkommen abgeseht, so bewirkt dies eine Er­mäßigung der Einkommensteuer (Lohnsteuer), der Körperschaftssteuer, der Krisensteuer der veranlagten, der Zuschläge, die auf die Ein­kommensteuer (Lohnsteuer) entfallen, und der­jenigen Steuern der öffentlich-rechtlichen Reli­gionsgesellschaften, die sich an die Einkommen­steuer (Lohnsteuer) anschliehen.

Die Dürgersteuer, die Ehestandshilfe, die Ab­gabe zur Arbeitslosenhilfe, die Gewerbesteuer, der Sieuerabzug bei beschränkt steuerpflichtigen Personen und die Steuerabzüge vom Kapital­ertrag und von Aufsichtsratvergütungen ermäßi­gen sich n i ch t.

Soweit der Spender den Annahmewert des Spendenschcines nicht von seinem Einkommen ab­gezogen haben will, kann er auch bei Hingabe des Spendenscheincs verlangen, daß Landes- giundsteuer, die er bis Ende 1935 zu ent­richten hat, ermäßigt wird. Die Ermäßigung her Landesgrundsteuer beträgt 10 Prozent des­jenigen Teiles des Annahmcwertes der Spende, her nicht vom Einkommen abgeseht wird. Dies ta.nn nur bis Ende März 1935 und nur insoweit beantragt werden, als die Landesgrundsteuer nicht bereits bezahlt ist. Eine Erstattung Icon Landcsgrundsteuer findet nicht statt. Die Ermäßigung der Landesgrundsteuer führt nicht auch zur Ermäßigung der Gemeindegrundsteuer

ngt, wiegt sie dadurch auf. 1,5 Millionen Mark rechen an die glücklichen Gewinner zurückbezahlt.

Hauptgewinn dabei machen aber die Arbeits- toskn und das ist ganz in der Ordnung so.

Derhastuug von Kommunisten.

worden. Aus diesem Grunde wurde eine größere Anzahl Kommunisten aus Friedberg undUmgebung sowie in G i e ß e n und anderen oberhessischen Orten fe st genommen. Das Son­derkommando der Staatspolizeistelle Gießen wurde eingesetzt. Weitere Festnahmen stehen bevor.

Die Kommunisten Heinrich Schäfer, Liebig- straße, und Heinrich W i ß n e r , Kläranlage, wurden festgenommen, weil sie in einem Gasthaus das Horst- Wessel-Lied und den Hitlergruß verächtlich machten.

Heffenfahrt deutscher Journalisten.

Zu Besuch in Gießen.

Der Hessische Verkehrsverband hat eine Reihe von Vertretern großer deutscher Zeitun­gen zu einer Rundfahrt im Autobus durch Hessen eingeladen, um die Schönheiten des Lan­des in weiterem Kreise bekanntzumachen. An der Fahrt nehmen 14 Herren teil, die bereits verschiedene Städte in Starkenburg und Rheinhessen besucht haben. Die Gäste kommen im Laufe des heutigen Vormittags in Gießen an und werden nach einer Mittagspause auch unsere Stadt kennenlernen. Neven einer Rundfahrt, während der die Gäste auf die besonderen Schönheiten unserer Stadt hingewiesen werden sollen, werden auch dem Heimat- und dem Liebigmuseum Besuche abgestattet.

... .\cu.

Tageskalen der für Montag. Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Abenteuer im Engadin".

E i n neuer Arnold-Fanck-Film im Lichtspielhaus. Vom heutigen Montag ab^ ge­langt im Lichtspielhaus ein neuer Arnold-Fanck-Film zur Vorführung, der sicherlich allgemeines Interesse finden dürfte. Die Bergfilme des bekannten Regis­seursDie weiße Hölle vom Piz-Palü",Stürme über dem Montblanc" undDer weiße Rausch" sind noch in bester Erinnerung. Der neue Film, ein Lust­spiel, betitelt sichAbenteuer im Engadin". Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.

?'»i«»s L«'t«uit .ö>d) inH , U9etube

'N @afen5 l Nch-N Ju,J>aben die °8°n- *nw«nb|8 .V£*t ÖU5

»5er. ?rennftofi£ber auf

e Stratoini;

rsuch, in N>ie bt- MoÄL Der ) Meter m nur

folgte vm tzL um«

"eanPjccA

Die Reichsregierung hat alle Volksgenossen und Dollsgenossinnen aufgerufen, freiwillige Spenden zur Förderung der natio­nalen Arbeit zu leisten. Sind Sie diesem Rufe schon gefolgt? Wenn nicht, so kann dies geschehen:

Die Staatspolizei st eile Gießen meldet: 3m Kreise Friedberg sind gestern gedruckte Flugblätter der Kommunistischen Partei in einem kteinbruch und an sonstigen Plätzen aufgefunden

"^ima

*«o»t° Bern,* Innung; .Stiftung |tir

Arbeit adelt!

..Beschäftigung ist gam gut, sie darf nur nicht in Arbeit ausarten." Der heitere Sophist, der diesen bekannten Spruch auf dem Gewissen hat, war sich ll>«hl kaum bewußt, daß er damit die heimliche Ge- fimnung eines ganzen Systems kennzeichnete. Das mären die Leute, die die Arbeit nur noch als W a r e gelten ließen. Kapital und Arbeit das sind die beiden Zawichte, die sie auf die Goldwaage legen, wenn sie den Wirtschaftsprozeß erwägen und ergründen wollen.

Die Wirtschaft ist aber keine Sache an sich, die irgendwo in der Luft hängt und zwischen Kapital jub Arbeit hin und her pendelt, sondern sie ist und ie-jörbert das Leben. Ihr Ziel ist das Wohl des Lknschen, ihre Triebkraft ist der lebendige Mensch, ter die Arbeit leistet. Indem er sie leistet, dient er nicht mir dem Kapitalan sich, oder der Wirt-

idjiftan sich", sondern er dient dem Wirtschafts­leben seines Volkes. Er steht auch an dem bescyei- tenften Platze, als Glied im großen Getriebe. Er arbeitet also nicht nur so blindlings ins Blaue, er arbeitetmit" unb diese Mitarbeit adelt ihn.

Denn wir die Wahl haben, aus unserer Arbeit nicht nur Lohn, sondern auch Freude zu ziehen. Io werden wir uns nicht lange besinnen. Wir wer­ten dem Dolkskaruler dankbar sein, der uns wieder >ir Freude ander Arbeitsgemeinschaft ir schließt, jene Freude, die endlich wieder der ur­teil ihren Adel zurückgibt.

worden sind. Selbsloerstandüch ist es verboten und auch straffällig, solche unvollständig entwertete Frei­marken, nachdem sie von den Umschlägen abgetoft worden sind, nochmals zur Freimachung anderer Postsendungen zu benutzen. Trotzdem geschieht dies in der falschen Voraussetzung, der Betrug würde nicht gemerkt. In den meisten Fällen werden diese Gebührenhinterziehungen aber bei den Postanstalten, die angewiesen sind, hierauf besonders zu achten, entdeckt: gegen die Absender wird dann von der oberen Postbehörde die dafür in dem Postgesetz vor­gesehene Geldstrafe verhängt. Allem Anschein nach roerben derartig schwach entwertete Freimarken auch vielfach in betrügerischer Absicht als Ersatz für Klein- gelb in Verkehr gesetzt. Darum tut jedermann, der sich Unannehmlichkeiten ersparen will, gut, Frei­marken, die er nicht selbst am Poslschalter gekauft hat, vor ihrer Verwendung genau zu besichtigen. Bei verdächtigen Wahrnehmungen, inbesondere auch beim Fehlen des Klebstoffes auf der Rückseite empsiehlt sich eine Anfrage über ihre Gültigkeit am Post- schalter.

Buntes Allerlei.

3n London wird Geld gezählt.

Wie alljährlich wurde auch in diesem Sommer in London eine Generalzählung deS englischen Geld­bestandes vorgenommen. Don allen Banken lausen die Mitteilungen bei der Münze über ihren Besitz an Hartgeld ein. Die auf diese Weise ermittelten Einzelheiten sind von großer Bedeutung: nach ihnen wird der Bedarf an neu auszugebenden Münzen geschäht. Aber auch ganz allgemein erhält man da­durch einen interessanten Einblick in die Wandlun­gen des Geldwesens unter den heutigen Derhäll- nisien. 3n den letzten Jahren wurden fast alle Silber­münzen aus der Zeit vor 1920 zurückgezogen und aus Sparsamkeitsgründen teilweise durch Münzen aus einer neuen Legierung ersetzt, die nur etwa halb soviel Silber enthielten wie die früheren- Zum Aus­gleich wurde der Betrag der im Umlauf befindlichen Münzen herabgesetzt. Gr beträgt heute annähernd 70 Millionen Pfund Sterling, von denen 8 Millionen aus Kupfer sind. Das ist viel weniger als in den ersten Nachkriegsjahren, in denen entfprechend der herrschenden Teuerung etwa 100 Millionen im Um­lauf waren. Heute teilen sich Banken und Publikum in der Weise in das Hartgeld, dah die ersteren etwa 18, das letztere 52 Millionen zur Verfügung haben. Das Hartgeld macht aber nur einen kleinen Teil des Bargeldes aus. Der weitaus größere besteht aus Banknoten. Die von der Bank von England ausgegebenen Noten belaufen sich auf rund 448

Millionen Pfund. dazu kommen etwa 37 Millionen der schottischen und irischen Banken. Von diesen 485 Millionen sind 175 im Besitz der verschiedenen Ban­ken, einschließlich der Dank von England, während 310 Millionen den Bedürsnisien deS Publikums dienen: zuzüglich der 52 Millionen Hartgeld sind also rund 362 Millionen Pfund im allgemeinen Verkehr. 3n den letzten Zähren ist ein deutlicher Wandel in dem Werte jener Noten erfolgt, die am meisten vom Publikum begehrt werden. 3m Fahre 1921 waren durchschnittlich 253 Millionen 1-Psund- Noten im Umlauf, aber im letzten Jahre ist diese Zahl auf 219 Millionen gesunken. Dagegen stieg in der gleichen Zeit die Zahl der 10-Schilling-No- ten von 83 auf 89 Millionen ein Anzeichen der sinkenden Kaufkraft des Landes. Auch alle größeren Noten wurden weniger begehrt. Dor 10 Zähren noch waren über 9 Millionen 5-Pfund-Noten im Umlauf; heute genügen 7 Millionen. 3n ähnlicher Weise ist die Nachkrage nach 10-Psund-Noten von 1,7 Milli­onen auf 1,1 Millionen gefallen und die der 20- Pfund-Noten von 285000 auf 115000. 100-Pfund- Nolen werden nur in geringem Maße benutzt. Unter dem im Umlauf befindlichen Hartgeld ist der Penny am zahlreichsten vertreten. Unter den Silber münden erfreut sich gegenwärtig das 6-Pence-Stück der größ­ten Beliebtheit: ihm folgt der Schilling dicht nach. Die Ausprägung dieser Münzen belief sich in den letzten 12 Fahren auf 208 bzw- 177 Millionen.

Kunst unb Wissenschaft.

Der ID eg zum Deutschen Nationaltheater.*

Der Weg zum Deutschen National­theater" ift das Thema einer 90 Seiten umfassen­den Festschrift, die dasTheater-Tageblatt", Berlin W 9, aus Anlaß keines fünfjährigen Bestehens yer- ausgebracht hat. Mehr als 100 Staatsmänner, Dich­ter unb Theaterleute haben mit interessanten Aus­führungen zu biefem Thema Stellung genommen. Reichskanzler Hitler, die Reichsminifter Frick, Goebbels unb Göring, bie Staatsminister R u st Mergenthaler, Werner, bie Staats- kommissare Hinkel, Stang, Ziegler unb Eggert, sowie bie Präsibenten Laubinger, Seers unb I o h st finb in der interessanten Schrift vertreten. Der zweite Teil bringt mehr als fünfzig Männer ber Feber", ber dritte Teil mehr als vierzigMänner vom Bau". Im Anschluß baran ist die große Rebe veröffentlicht, bie Reichsminister Dr. Goebbels an bie deutschen Theaterleiter in Berlin hielt. Dann folgt eine Aufstellung sämtlicher feit dem 6. März im deutschen Theaterwesen vorge­nommenen Personalveränderungen. Die Festschrift ist zum Preis von 2 Mark zu beziehen.

Sommerliche Kleinigkeiten in Vertin.

Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt.

0er Bienenschwarm im Rauschebari.

Sie werden es kaum glauben, es ist aber dennoch so. Sachen passieren heute noch, Sachen! Unglaublich, aber wahr und lustig dazu, also lasset uns hören. Die Berliner Bienen sind lehr fortschrittlich und so fleißig sind sie wie alle ihre Schwestern im Reich. Kürzlich gerieten sie einem Berliner in seinen haarigen Umhang. Der Gute hatte sich zum Mittagsschläfchen im Tier­garten eingefunden, sah eine Weile in den heißen Kies, dann schlummerte er hinüber und träumte süß. Und wie süß! Um dieselbe Stunde waren nämlich auch etliche Hundertschaften Bienchen unterwegs. Sie machten wohl einen Familien­ausflug. Das kommt doch vor, oder die Königin suchte nach neuen 3agchgründen. Wer weiß? Die summende Expedition flog geradewegs zu der Tiergartenbank, wo unser Rauschebart in sonniger Wohligkeit schlummerte. Run geschah das Seltsame. Die Königin muß die Gelegenheit wohl günstig gefunden haben, sie summte:Hier ist gut sein, hier laßt uns Waben bauen!" Das Bott murmelte Beifall, und im Nu hatte die Gefolgschaft ihre Quartiere bezogen. Son Bart hatte der gute Herr. Ein quirlendes Schimmern floß ihm über die Weste, Bienchen an Bienchen hing da... Der Ueberfallene erwachte, wollte sich eben den Bart streichen, aber das war ein Griff insWespennest". 3äh brauste der Bart auf, und hatten sich die niedlichen Tierchen bislang amWaldrand" ihrer Niederlassung aufgehalten, so gingen sie jetzt auch dahin, wo keine Haare standen. Was wollte ber Gute machen? Da faß er mit ber seltsamsten Untermiete, bie er je hatte. Hilfsbereite Spaziergänger nahmen sich des Bartes an, trösteten den Herrn mit ben Bienen, andere lispelten Lockrufe, aber bie Bienen wichen nicht. Einer riet, einen Friseur zu holen, ein Schneider wollte zur Schere greifen, indes ein Parkarbeiter mit dem Rechen die ungebetenen Gäste aus dem Bart frisieren wollte. Aber aus all bas ließ sich der Dulder mit ben Bienen nicht ein. Einesteils war er ein Tier­freund, anderseits mochte er nicht auf feine wallende Gesichtszierde verzichten. So saß er still und mit summendem Bart auf der Bank im Tiergarten, wenn er sprach, bebte die süße Last merklich. Indes, alles nimmt ein Ende, auch der Bienenschwarm im Bart muß weichen, wenn die Feuerwehr anrückt. Mädchen für alles, muß sie sich auch auf solche Hilfsdienste verstehen. (Bereinigt und gekämmt, zog bann der Bienenvaler unter großer Begleitung nach Hause: Ja, wenn man im Tiergarten sitzt, kann einem was schon passieren. Tiergarten ist eben Tiergarten!"

Ham Ge 'nen Vierer?"

Das ist eine neue Anrede in Berlin. Und sollten Eie mal hierher kommen wir würden uns sehr freuen, und es spricht Sie so'N richtiger Berliner 3unge an:Ham Se vielleich 'nen Dierer?", dann lassen Sie ihn bitte sofort verhaften. Der Bruder, der Sie nämlich so an- spricht, will nicht etwa einen Führer, durch Berlin oder so, sondern er möchte eine jener unglücklichen Münzen, die es war einmal zur Belebung der Pfennig-Wirtschaft geprägt wurden. Gute Erfahrungen hat man nie damit gemacht, und was man jetzt so mit diesen Dierern erleben kann, ist auch nicht sehr erfreulich. Uebrigens soll es sich bereits auch in der Provinz herumgesprochen haben, daß sich die Dierpfennig- Stückeversilbern" lassen. Also Dorsicht! Neuer­dings gibt es nämlichSammler".3ch bin Sammler, und da diese Münzen demnächst aus dem Derkehr verschwinden, möchte ich noch gern eine Anzahl davon anschaffen." So reden die Freunde der Vierer. Auf Wochenmärkten sind sie eine Landplage getoorben, denn dort ist das

Absatzgebiet für versilberte Dierer nicht schlecht. Auch bei Nacht geht der Dierer gern aus und um. Ein Arzt z. B. hat in diesen Tagen, er mußtet zweimal nachts eine Taxe nehmen, drei falsche Dierer als Cinmark-Stücke nach Hause gebracht. Ein Geschäftsmann bekam an einem Abend nicht weniger als acht dieser Pseudomark- Stücke. Er erhielt also 32 Pfennig statt 8 Mark. Das ist nicht sehr schön also Vorsicht! Was in Berlin möglich ift, ist in der Provinz nicht ausge­schlossen.

Purzelbäume in der Giadibahn

Das ist eine Nachterfcheinung, man möchte bei­nahe sagen, eine Mitternachtserscheinung. Mube unb abgespannt fahren da die Berliner hinaus in bie Vorstädte ober herein vom Sonnenbad, bie einen schlafen schon beinahe, bie anberen sehen in bie Zei­tung, ohne zu lesen. Kurzum: über allen Gipfeln ist Ruh. Der Zug rattert eintönig bahin. Jetzt kommt eine Kurve. Die Fahrgäste schwingen mit, sinken gegeneinanber, aber ba, an ber Tür, fällt ein Herr glatt um, man will ihm helfen, aber eins zwei über­schlägt sich ber Herr, fliegt wie ein Rab durch ben Mittelgang. Dabei stößt er einen anberen an, jetzt tut biefer es ihm gleich, unb nun rädern beide durch ben Wagen. Jetzt ift plötzlich alles wach, die zwei stellen sich auf den Kopf: sie lochen, daß kein Auge trocken bleiben kann. Nun zieht sich ber eine ber beiben jungen Leute eine Perücke über ben Kops: ber Clown ist fertig, bie Schnapsnase glüht, die kleinen Aeuglein schimmern listig. Der Stabtbahnwagen ist auf einmal Variete geworden. Die zwei prügeln sich, baß es nur so klatscht, weh tun sie sich babei nicht, aber bie klatschenbe Unterhaltung wirkt, baß die Wände vor Lachen wackeln. Zum Schluß hängt sich ber kleine August bem langen Laban an den Rock« schoß. Der zieht ihn wie ein Köfferchen hinter sich her, bann schultert er ihn wie einen Rucksack, unb nun spricht August zum Volk:Wissense, meine sehr va- ehrtcn Herrschaften, wenn ber Prophet nicht zum Berge kommt, muß eben ber Zirkus zum Publikum kollern!" Der Zug hält. Die beiden flankieren die Türen, und fast jeder Fahrgast läßt eine Münze in bie bereitgehaltenen Mützen fallen. Dann gehenZir­kus" und Publikum mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

Petri Heil im Akkord!

Auch die Angler haben ihren Stolz und die Berliner Angler erst recht. 3eden Tag kann man sie an der Spree sitzen sehen. 3hre Geduld ist so lang wie die Angelrute und der Bindfaden. Was kommt, kommt, das andere lassen sie schwim­men, aber einmal im 3ahr ist großer Tag! Wenn in heißen Sommertagen die Fische nach Luft schnappen, wird es Zeit, daß auch die Angler ihre Rekorde aufstellen. Also auf zum Wett­angeln! Das ist ein großes Ereignis, ein lustiges Fest. Warum soll man sich aus solchem Anlaß nicht auch festlich anziehen? Die tollsten Phanta­sieuniformen kann man da sehen, Kostüme von nie geahnten Möglichkeiten. Sogar ein eigenes Lied haben sie. Es klingt so ähnlich wie:Angler auf zum Streite... 3n langen Reihen sitzen sie, far­benfroh, still versonnen, mit fischreiherscharfen Augen am Afer... Aufgabe ist, in einer bestimm­ten Zett möglichst viele Pfunde an Land zu brin­gen. Der Sieger wird König der Angler, eine Kette wird ihm um den Hals gelegt, er ist der Held des Tages, er darf den Donbonregen über die Kinder loslassen, er führt am Abend den Fackelzug an, aber in derTankstelle" muß er Ehre verpflichtet des öfteren dran glauben. Jeder Glückwunsch kostet einen Schluck.

Ja, bas sind so sommerliche Eindrücke aus Berlin. Auch hier ist jetzt die Sauregurkenzeit ausgebrochen, aber, wie man sieht, gibt es immer noch was zu er­zählen von den Kleinigkeiten des Alltags, die fe nebenbei passieren in der großen Stadt.