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7.7.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. I5b Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Freitag, 7.ZulifyZZ

Fieberndes Amerika.

Son Hans Otto Laumger.

Zwar hat Amerika immer noch seine 14 Mil­lionen Arbeitslose, deren Llnterhaltungsforderun- gen eine rasch orgajrifierte öffentliche Fürsorge in keiner Weise gewachsen ist, und im Central Park Reuyorks bauen sich Gruppen der Elende­sten unterirdische Höhlen, aus denen sie keine Polizeigewalt zu vertreiben wagt aber die amerikanische Presse macht heute kein Aufheben mehr von Erscheinungen dieser Art, die sich in tausend Variationen im ganzen, weiten Land wiederholen. Die Depression ist heute nicht mehr Mode, sie ist kein Thema mehr für die Titelseite des Hauptblattes, wer Lust hat, kann sich die paar dürftigen Notizen darüber auf der 6. oder 8. Seite ansehen.

Aber wer will seine Zeit damit verschwenden? Mit einem Ruck hat das Land die Sorgen von gestern abgeschüttelt und jubelt dem wiedergefun­denen Idol zu, das weiter nichts ist als der gute alte Dollar. Der gute Dollar, der alte Dollar? Ja und nein. Das Papier ist wohl dasselbe geblieben, aber cs gibt jetzt so merk­würdig viel mehr davon, jeder Amerikaner, ob er Arbeit hat, Kapitalist, Gewerbetreibender, Beamter, Angestellter oder Arbeitsloser ist, hat, je nachdem, eine ganze Menge mehr von diesen hübschen Papierblättchen in der Hand und kann sie ausgeben. Lind man gibt sie aus, dafür werden sie ja gedruckt. Die Warenpreise steigen wie in fernen, seligen Zeiten, die (Straften, Ge­schäfte, Lokale sind wieder voll von lächelnden Menschen, die Börsenkurse richten sich auf wie zertretene Blüten im warmen Regen. In die Banken strömen die gehamsterten Gelder der groften, kleinen und kleinsten Leute, an den Schaltern drängt sich ganz wie bei den echten Booms vergangener Zeiten die ganze soziale Stufenleiter vom Farmer, Zeitungsausträger und Kellner angefangen bis zur Hausfrau, zum Staatsbeamten, Chauffeur und Finanzmann. Alle samt und sonders auf der Flucht vor dem glatten, gleiftenden Papierzettel, auf der erregten Suche nach irgendeinem Wert, der sich noch schneller vermehrt als der Wert jenes kleinen Zettels sinken wird.

In allen Hotels, Restaurants, Klubs und an tausend anderen Stellen klappert der automatische Ticker, der in Augenblicksabständen alle Kurs­schwankungen getreulich aufzeichnet und eine fie­bernde Menge in Hochspannung hält. Hm 5, B oder 10 Dollar klettern die Kurse in drei Stunden hoch, nur selten und rasch überwunden sind die Rückschläge. 4 bis 5 Millionen Stück Aktien werden an einem einzigen Tage an der Wall- street-Börse umgesetzt, zehnmal soviel wie noch vor wenigen Wochen man will gar nicht mehr daran zurückdenken, der Ansturm ist so ge­waltig, daft der kleine Ticker den Atem verliert. Er stöhnt unter der Last der rasend herausge- preftten Zahlen, die ihm die aufgepeitschte Menge aus den metallenen Flanken reiften möchte.

Ein einziger Schrei dröhnt durch das Land; Dollars, Dollars! Wir wollen, wir werden wie­der reich sein! Die Depression war ein Irrtum, ein Mißverständnis, ein Verbrechen, schlimmer noch eine Dummheit. Schon wachsen auch wie­der Spezialtrusts für falsche Aktien aus der Erde, die Bucket-Shops säen ihre verderbliche Saat. Gleichviel, was einen aufgedruckten Wert zeigt, wird gekauft. Vielleicht, vielleicht ist das große Glück dahinter... Politik, Defizit, soziale Rot, das alles ist über Rächt zur Rebensache geworden. Leise rattert, raschelt der Börsenticker seine gefährliche Botschaft in Millionen gieriger Augen von Delaware bis Galveston, Frisco und Miami. Das ist oie herrliche Zeit, da dem Mann in der Straße der Reichtum auf der flachen Hand wächst, da er hinauf in Wolken greifen darf, um sich mit einem einzigen kühnen Griff von allen Daseinssorgen zu befreien. Heute 100 Dollars, morgen sind es 120, in drei Tagen 180, 300, 400, ein Dummkopf, wer draußen bleibt. Laßt ihn unter den Rädern liegen, hin­weg über ihn! Don Runs auf Danken und Finanzinstitute ist heute keine Rede mehr. Wozu auch? Es ist ja genug Geld da,Geld" für Alle...

Ein Dolk ist Lach langem Marsch durch das Dunkel wieder in taumelnde Freude geraten. Das hat mit ihrem Lächeln öie Inflation getan. Wir Deutsche, wir kennen das Lied, wir kennen den Text. Wir kennen auch das Ende vom Lied. Das Erwachen vom Rausch hat unser Dolk gerade vor 10 Jahren ein gutes Stück Lebensblut gekostet. Eine Wiederholung der fressenden Zahlenpest wollen und werden wir nicht mehr erleben. Die Verwandlung von Milliarden- und Billionen-Dermögen" in blauen Dunst von einem Tag zum andern ist eine geschichtliche Erfahrung, die auf Generationen hinaus gegen Vergessen gefeit scheint. Amerika aber kostet die ersten Rauschstadien bewußt und in vollen Zügen aus. 2n solchen Tagen könnte ein Erdbeben Städte und Kulturen verschlingen des kleinen Tickers Stimme wäre lautgewal­tiger als alle Schrecken draußen irgendwo. Je­dem mahnenden Ruf zur Besinnung werden die magischen Begriffe entgegengehalten: Psycholo­gische Ankurbelung der Wirtschaft, Hebung der Kaufkraft, Dumping der verbilligten Dollar­waren auf den Lieberseemärkten. Mit einem Dol­lar, der statt 4,20 Reichsmark nur noch 3,40 Reichsmark wert ist, der sogar um Prozente bil­liger ist als das gesunkene Pfund Sterling, ist unsere gute amerikanische Ware in der Welt draußen konkurrenzlos, das Ausland muß von uns kaufen, ob es will oder nicht. Das aber bedeutet Millionenaufträge für unsere Werke, Trusts und Rohstoffe, wir werfen unsere Riefen­läger hinaus auf die Märkte, wir können uns wieder bewegen, haben die Ellbogen frei. Dann ist die goldene Zeit der Prosperity wieder da: diesmal werden wir sie festhalten. Hoover hat es versprochen und versagt: dem Diktator Roose­velt wird es gelingen.

Wie, die schlauen Europäer wollten uns auf der WcitwirlschaflSkonserenz einen festen Dollarkurs aus­schwatzen ? Wir sollten den Dollar stabilisieren, ge­rade da wir begriffen haben, welche gewaltige Waffe wir uns in der leichten Beweglichkeit, in der Un­berechenbarkeit des Dollarwertes geschaffen haben? Dieser feine Plan ist den Herren da Drüben nicht geguitft, und wenn die Wissenschaftler und Sachver­ständigen selbst mit Engelszungen redeten. Gegen die theoretischen Wünsche und Empfehlungen, mit denen jedes Land auf der Konferenz seine Sache ver­ficht, verlassen sich die USA. auf die strategisch be­

herrschende Stellung, die ihnen die Dollarentwurze­lung geschenkt hat.Wir Amerikaner lassen uns nicht mehr bluffen, der Pfeil ist von der Sehne, nun muft er seinen Weg zum Ziel finden."

Eine glatte Rechnung, nicht wahr Vorläufig j a. Die Industrien, Fabriken, Gewerbe, Handel und Bergwerke arbeiten wieder, der Beschäftigungsgrad ist von 40 auf 50 v. H. gestiegen, die Erzeugnisse kommen in Massen in den Handel und werden zu steigenden Preisen gekauft. Zunächst vom heimischen Publikum. Bald aber wird Der Becher Der FreuDe überlaufen unD Das Dumping auf Den Ausland- märften beginnt, muß Beginnen, soll nicht Die stoß­weise anschwellenDe ,Warenmasse Den Binnenmarkt erbrüden. Hier ist Das Lo ch in Der Rechnung. Das AuslanD, Europa, SüDamerika, Der Osten ober alle zusammen im Selbstschutz vereint, werben Mau­ern gegen Die Flut aufridjte'n. Höchst bezeichnend in dieser Richtung war die enalische Stellunanahme in jenem Augenblick auf der Londoner Konferenz, als die Verweigerung der Dollarftabilifierung durch Roosevelt bekannt wurde. Zum ersten Male tauchte plötzlich das Wort von der gemeinsamen e u r o - päischenZollfront auf, in der Tat ein Schutz­mittel, das vom Zwang gemeinsamer Abwehr ge­schaffen werden könnte. Käme eine solche Verteidi­gungslinie der größten Abnehmerländer zustande, Die sich wohl auch bis zu Den Dominien unD anDeren LänDern hinziehen roürDe, Dann roürDe Die jetzt be­triebene amerikanische UeberproDuktion in Der Heimat verbleiben müssen und einen k a t a st ro­st h a l e n P r e i s st u r z auf jedem Gebiet zur Folge haben. Die Heimat würde in Waren ersticken, die schlagartig dezimierten Preise würden die neu um­laufenden Dollarmilliarden jeder inneren Substanz berauben. Es wäre das Totengeläute für Inflation und Währung.

Bewußt und mit voller Absicht hat sich der Dollar

von den Weltwährungen isoliert. Bei unbedachter Ausweitung der Inflation droht ihm auch die Iso­lierung von der Weltwirtso-aft. Das Zusammentreffen beider Momente würde nichts Ge­ringeres als Den Umsturz Des Finanz- unD Wirt­schaftssystems Der Vereinigten Staaten bedeuten. Die ser Lebensgefahr kann Amerika nur entrinnen, wenn es ihm gelingt, die Dollarflutwelle rechtzeitig abzudämmen, bevor ein Stampede Daraus wirb. In höchst geschickter Beschränkung hat Eng- lanD 1931 ein Beispiel Dafür gegeben, wie Dies er­reicht werDen kann. Aber Die englische Psy­chologie, die dazu führte, daß die große Masse Des Volks unerschütterlich an Den PfunDwert glaubte unD ihm vertraute, so Daß sich Die Preissteigerung im Jnlanb in engsten Grenzen halten konnte, ist ein wichtiger Wesensteil Des Volksbewußtseins. Das englische Volk ist kulturell unD sozialogisch eine Ein­heit, Die wenige Parallelen in Der Völkerreihe hat. Hot Das amerikanische Volk, hunDertfältig gegensätz­lich unD zerglieDert in Zusammensetzung, (Eigenart unD Abstammung, gleiche stoische Qualitäten auf- zuweisen? Das i st Die Frage, von Der letzten (EnDes Die Möglichkeit rechtzeitiger Rückkehr zum festen BoDen abhängen wird. Vorläufig tobt unzähm­bare Spielwut, Das brutal zupackenDe wild gamblc, und für den nüchternen Beobachter erscheinen Zwei­fel berechtigt, ob die entfesselte Meute von den Staatsnotwendigkeiten wird gezügelt werden können, bevor sich der berauschendeSegen der Inflation" über das größte Produktionsland ergossen haben wird. Wird ein gekräftigter oder ein blutleerer Kör­per aus der Operation hervorgehen Inflationen haben die fatale Neigung, die Währungen von innen her aufzufressen. Amerikas Dollarexperi­ment ist das größte aller Geldabenteuer seitdem die Welt eine Wirtschafts- und, Währungsgeschichte kennt.

S.Jixfpott

Oie 9. Etappe derTour".

Große Veränderungen in der Spitzengruppe gab es bei der 9. Etappe derTour", die am Donners­tag von Gap über 227 Kilometer nach Dign<i führte. Auf der wieder sehr schwierigen Hochge- birgsstrecke wurde das ganze Feld zerrissen. Der bisher führende Archambaud hatte schwer mit Müdigkeitserscheinungen zu kämpfen und fiel weit zurück. Sieger der Etappe wurde Speicher, Frankreich, im Endspurt vor Martano, Fayolle, Le Goff und Trueba, die alle dichtauf folgten. S t ö p e l, Berlin, kam zwei Minuten später auf den 7. Platz ein. Thierbach belegte den 16., Buse den 19. und Geyer den 24. Platz. Im Gefamtklafse- ment führt nun Lemaire vor Guerra, Speicher, Archambaud, Martano und Stöpel. Das Feld ist inzwischen auf 46 Fahrer zufammengeschmolzen.

Handball im Gau Hessen (O. T.)

hausen I wieseck I 10:5 (5:1).

Beide Mannschaften trafen sich am Sonntag in Hausen zu einem Freundschaftsspiel. Leider traten

beide Mannschaften nicht vollzählig an. Wiescck mit 8 Mann hatte nichts zu bestellen. Hausen nahm das Spiel nicht sehr ernst. Dadurch kam Wieseck zu 5 Treffern.

Kurze Sportnotizen.

Das Goldene Rad von Frankfurt, ein Steherrennen über eine Stunde, gewann am Mitt­wochabend der Franzose Maronnier vor Gigorgetti- Jtalien und Schäfer-Frankfurt. Das Rennen konnte Die 3500 Zuschauer nicht sonderlich begeistern.

*

Helen Wi 11s schlug Hilde Krahwin­kel in der Vorschlußrunde Des Dameneinzels der All England-Tennismeisterschaften in Wimbledon in Zwei Sätzen mit 6:4, 6:3. Da Miß Round über Helen Jakobs 4:6, 6:4, 6:2 siegreich blieb, bestreiten Helen Mills und Miß Round am Samstag das Finale. Hilde Krahwinkel-von Gramm qualifi­zierten sich durch einen 6:1-, 7:5=Sieg über Miß Ryan-Maier für Die Vorschlußrunde des Gemischten Doppels.

Gommerfest, Mdball-Turnier und Adolf - Deibel - Gedä'chimsrennen des Gießener Radfahrer Vereins von 1885 e. V. Gießen.

Die am Samstag und Sonntag vorn G. R.-V. von 1885 e. V. veranstalteten radspvrtlichen Wett­kämpfe waren ein voller (Erfolg. Zahlreiche Vereine und Straßenfahrer von Ruf hatten ihre Meldungen zu Den einzelnen Wettbewerben abgegeben, um im fricDIidjen Wettkampf um Den Sieg zu ringen. Was man bei Den einzelnen Wettkämpfen zu sehen be­kam, war erstklassia. UnD so war es auch selbstver­ständlich, daß alle Zuschauer auf ihre Kosten tarnen.

Das am Samstagabend abgehaltene Sommer- nachtfest auf derKarlsruhe" wies einen außer­ordentlich starken Besuch auf. Sämtliche Räume der Karlsruhe waren bis auf den letzten Platz gefüllt, ein Zeichen Dafür, daß auch in Gießen für den schö­nen Radsport wieder Interesse vorhanden ist. Leider mußte jedoch festgestellt werden, daß gerade die Hauptkanonen" im 2er- und 3er-Radball, RV. Wanderlust" Frankfurt-Bockenheim mit ihrer Wetl- meiftermannfdjaft am Samstagabend dem Start fernblieben, am Sonntag jedoch im 6er-Rasenrad- ball ihr ganzes Können zeigten.

Nach den Endkämpfen im 2er- und 3er-Radball trat der Wiesecker Radfahrer-Verein zum Wettbe­werb im Schulreigen an und wurde hier im Allein­gang 1. Sieger. Als Einlage wurde noch vom fest- gebenden Verein in den späten Abendstunden ein 6er-Kunstreigen vorgeführt und vom Publikum mit großem Beifall ausgenommen. Die restlichen Stun­den waren Dem Tanz gewidmet.

Am Sonntagmorgen um 8 Uhr wurde auf dem Sportplatz der Spieloereinigung von 1900, der in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt wurde, die Wettbewerbe im 6er-Rasenrabball ausgetragen. Durch die große Anzahl der Meldungen im

6er-HafenrabbaU

waren 2 Vor-, 2 Zwischen- und 1 Endspiel erfor­derlich. Aus dem Vorspiel ist besonders hervor- zuheben, daß der Weltmeister von 1932 im 6er- Rasenradball vom RadfahrervereinOpel", Rüs­selsheim geschlagen und aus dem Rennen gewor­fen wurde. Lim 10 Llhr mußten jedoch die Zwi­schenspiele auf eine kurze Zeit unterbrochen wer­den, da die Zeit zum Start zu dem

Adolf-Deibel-Gedächtnisrennen

herangerückt war. Hier wurde nun von Mitglie­dern des Vereins ganz große Arbeit geleistet, die hauptsächlich in erster Linie dem Strahenfahrwart der 85er, August Deibel, zukam. Er hatte das Rennen bis ins einzelne durch organisiert und mustergültig ausgearbeitet. Punkt 11 Llhr konnten etwa 80 Rennfahrer der Klasse B und 11.10 Llhr etwa 18 Fahrer der Klasse A auf die lange aber auch schwierige Reise von über 125 Kilometer ge­schickt werden. Hier bot sich den Zuschauern ein in Gießen selten gesehenes Bild, als die Renn­fahrer in ihrem bunten Treß durch die Kaifer- allee, Moltkestrafte, Hitler-Wall und Marburger Straße ihre Schlacht begannen. Für das Publikum war das Rennen insofern interessant, als sie die Fahrer viermal im Rennen sahen und so selbst den einzelnen Stand der Fahrer festftellen konnten. I Einen kurzen Rennbericht, der von einem Augen- l

zeugen während des ganzen Rennens gemacht wurde, lassen wir hier folgen:

Vom Start weg, entwickelte sich ein überaus scharfes Rennen. Die B-Klasse versuchte durch schnellste Fahrt die ihr gegebene Vorgabe zu halten. Der A-Klasse gelang es trotzdem, Boden zu gewinnen. Den gefürchteten Daubringer Paß nahmen die Spitzen beider Klassen mit Leichtig­keit. In der A-Klasse wird in der zweiten Runde unter Führung des Deutschen Meisters Koch, Alsfeld, mit allen Kräften versucht, die B-Klasse zu holen, was jedoch nicht gelang, denn hier hat sich eine Spitze von 12 Mann herausgeschält, die alles daran setzt, um den Vorsprung zu halten. Erst in der dritten Runde macht sich in der A-Klasse der spätere Sieger, Pusch, Mainz, durch ständige Führung bemerkbar. Er war es auch, der am Daubringer Paß in der dritten Runde das ganze Feld sprengte. Rur K o ch, Alsfeld, und Reumann, Dortmund, vermochten ihm zu folgen, während alle anderen, wie Schorn und S t e f f e s, Köln, den ständigen Angriffen von Pusch zum Opfer fielen. Diesem gelang es, zusammen mit Koch und Reu­mann hinter Großen-Buseck die Spitze der B-Klasse zu holen. Am Schluß der dritten Runde gab Koch entmutigt das schwere Rennen auf. Pusch hat nun in der vierten Runde Gelegen­heit, fein enormes Können zu zeigen. Rur R o ft. Frankfurt, vermochte ihm am Daubringer Paft zu folgen und auch dieser muß hinter Großen-Buseck dem Tempo des Siegers weichen. Llnangefochten strebt Pusch in schnellster Fahrt dem Ziele zu. Roft folgt als Zweiter, der ebenfalls ein großes Rennen gefahren hat. Als Dritter folgt But- tzereit, Kassel, Oer M e b u s, Gießen-Göbeln- roD, im Endspurt schlug. Mebus, ein junges Mit­glied der 85er, hat das Rennen ebenfalls in großem Stil gefahren. Der Verein kann auf diesen Erfolg stolz fein.

Eine große Lleberraschung wurde dem Publikum noch bereitet, als nach Dem Straßenrennen noch ein Bahnrennen und zwar ein sogenanntes

Ausscheidungsfahren

eingelegt wurde. Zu diesem Rennen starteten 25 Fahrer. Als Preise winkten Den beiDen Siegern Barpreise von 10 unD 5 Mark. Auch hier waren Die Zuschauer sehr begeistert unD verfolgten das Rennen mit großem Interesse. Sieger des Aus­scheidungsfahrens wurde S t e f f e s (Köln) vor F a i d u t h (Köln). Rach Dem Rennen folgte Das CnDfpiel im 6er RasenraDbclll. Es wurde hart, aber sehr fair von den Mannschaften Frankfurt a. M.-OberraD undOpel" (Rüssels­heim) ausgetragen. Sieger wurde Frankfurt a. M.- OberraD.

Mit Diesen radsportlichen Wettkämpfen hat Der GRV. 1885 wieDer gezeigt. Daß auch er versteht, größere Wettkämpfe zu führen. Ja, es tourDe von verschieDenen Seiten im Publikum Der Wunsch ge­äußert, Derartige Veranstaltungen öfters abzu» halten und zwar in der Hauptsache kleinere

Bahnrennen, wie Ausscheidungsfahren,Ver­folgungsrennen, Mannschaftsfahren, Zwci-Stun- Denfahren nach Sechs-Lagc-Art u. Dgl. m. Lei­der ist Die Bahnfrage nicht gelöst. Vielleicht ist Die Spielvcrcinigung von 1900 nochmals bereit, Dem­nächst ihren Platz zu einem ausgesprochenen Bahn­rennen zur Verfügung zu stellen.

Oie Ergebnisse:

2er-Radball: 1. RV.Wanderlust", Frank- furt a. M. - Bockenheim: 2. Rad-Club Germania. Gießen, 3. GRV. 1885, Gießen.

3er-RaDball: 1. Rad-Club Germania, Gie­ßen: 2. GRV. 1885, Gießen, 3. RV. Wanderlust, Frankfurt a. M.

6 c r - R a s e n r a D b a l l: 1. RV. Frankfurt am Main-Oberrad: 2. RV. Opel, Rüsselsheim.

Ergebnisse von Straßenrennen: 1. Pusch, Mainz: 2. Naß, Frankfurt a. M., 3. Buttze- reit, Kassel, 4. Mebus, Gießen; 5. PaluDa, Wies- bnben; 6. Gvßmann, Kassel: 7. Trinks, Westig: 8. Neumann, BortmunD: 9. Müllerklein, Wiesbaden; 10. Müllerklein, Offenbach: 11. Walter, Frankfurt o. Main: 12. Schorn, Karl, Köln: 13. ADelon, Frank- furt a. M.; 14. Kaiser, Offenbach: 15. Roth, Frank­furt a. M.; 16. Hamm, Mannheim: 17. Gönßler, Frankfurt a. M.; 18. Bartsch, Frankfurt a. M.; 19. Wagner, Eorbach; 20. Filsinger, Köln.

Ergebnisse imAusscheidungsfahrcn: 1. Stesses, Köln: 2. Feiduth, Köln.

Wirtschaft.

* Arbeitsbeschaffung der Reichs­bahn und Eisenindustrie. Die aus Dem neuen Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichs­bahn auf Die Eisenindustrie entfallenden Beträge sehen die Lieferung von monatlich 40 000 Tonnen Oberbaumaterial, voraussichtlich bis Ende 1934, vor. Wie wir hören, ist die Frage noch offen, ob die beiden Lieberbrückungsaufträge der Reichs­bahn für Die Monate Juni unD Juli von je 40 000 Tonnen in das neue Programm einbezogen werden sollen. Die Aufträge Der Reichsbahn bil­den für Die Eisenindustrie sicherlich eine er­wünschte OrunDIage ihrer Beschäftigung und er­möglichen es den Werken, längerfristig als bis­her ihre Dispositionen zu treffen. Es kann natür­lich auch erwartet werden, daß die Eisenindustrie aus Den sonstigen Auftragsvergebungen der Reichsbahn an die anderen Industriezweige in­direkt Rutzen ziehen wird.

Sronffurt freundlich.

Frankfurt a. M., 7. Juli. (WTB.-Drahimel- Dung.) Obwohl Die Börse sehr stilles Geschäft aufzu­weisen hatte, herrschte Doch eine freundliche Stim­mung vor, wobei auf Die neuerliche Dollarschwäche hingewiesen wurde. Insbesondere fanden Die nicht ungünstigen Nachrichten aus Der Wirtschaft Be­achtung. BesonDeres Interesse erregten auch Die Aus­führungen Des Reichskanzlers über Die praktische Er­fahrung in Der Wirtschaft unD Die Erklärung Des Reichsernährungsministers Die Hugenberg'schen LanDwirtschaftsentschulDung vorläufig beizubeyalten. Tarifwerte konnten sich nach Der gestrigen Ab­schwächung etwas erholen. Bekula unD AEG. ge­wannen bis zu 1 Prozent, Lahmeyer und elektrische Lieferungen bis 0,75 Prozent. Von Spezialwerten waren Scheideanstalt und Deutsche Erdöl je 1,25 Prozent, IG. 0,50 Prozent, Akkumulatoren Berlin 1,50 Prozent gebessert. Die Werte des Montanmark­tes waren meist um 1 Prozent fester/ Phönix war allerdings nur um 0,25 gebessert. Dagegen gaben Kali Salzdetfurth 1,25 Prozent, Kali Äschersleben und Philipp Holzmann 0,75 Prozent ab. Nach den ersten Kursen erschienen Schiffahrtswerte 0,50 Pro- . Zent, Siemens 1,75 Prozent und Süddeutsche Zucker 0,50 Prozent höher. Im Verlaufe traten keine neuen Momente auf und die Situation blieb bei weiter kleinem Geschäft unverändert. Ehadeaktien kamen 1,25 Prozent niedriger zur Notiz, auch AG. für Ver­kehrswerte büßten 0,50 Prozent ein.

Am Rentenmarkt, Der gleichfalls geringes Geschäft auf wies, lagen Alt- unD Neubesitz Des Rei­ches unoeränDert; SchulDbuchforderungen waren 0,50 gebessert. Industrie-Obligationen lagen vernach­lässigt, Stahlverein waren 0,65 Prozent nichtiger notiert. Der PfanDbriefmarkt hatte nur wenig An­gebot, so Daß schon eine kleine Nachfrage genügt, um Die Stimmung für (BolDpfanDbriefe unD Kom­munalobligationen freunhüd) zu erhalten. Liquida- tionspfanDbriefe blieben unveränDert. Von Auslän­dern erschienen Schweizer Bahnwerte mit Minus- Zeichen. Der Satz für Tagesgeld lautete 4,40 und darüber.

Oderheffen.

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* Lich, 6. Juli. Die Landwirtschaftskammer für Hessen veranstaltet durch das Tierzuchtamt Gießen am Mittwoch, 19. Juli, in Lich fine Bezirkstierschau (Kreisschau). Zugelassen (Fleckvieh und Vogelsbi

(Fleckvieh und Vogelsberger), Schweine (Deutsches (Ebelfdjroein und veredeltes Landschwein) und Zie­gen. Sämtliche Tiere müssen in Das Herdbuch bzw. Jungoiehregister der Landwirtschaftskammer ein­getragen sein. Die Ausstellungsbestiinmungen, Klas­seneinteilung und Anmeldebogen sind den Obmän­nern der örtlichen Zuchtvereine bereits zugegangen und können dort elngesehen bzw. in Empfang ge­nommen werden. Anmeldeschluß ist Montag, den 10. Juli. Dieser Termin muß wegen der noch er­forderlichen Vorarbeiten für die Schau eingehalten werden. Die Schau Dürfte mit 200 RinDern, unter Denen Das Fleckvieh überwiegen Dürfte, mit 40 bis 50 Schweinen unD 80 bis 100 Ziegen beschickt wer­den. Bei Den Schweinen wirD Das deutsche Edel­schwein in der Mehrzahl vertreten sein. Mit der Schau ist die alt eingeführte Schafbockversteigerung verbunden, auf der etwa 30 Böcke des deutschen schwarzköpfigen Fleischschafes zum Verkauf gelan­gen. Außerdem werden etwa 20 (Eber, je zur Hälfte den beiden anerkannten Schweinerassen zugehörig, versteigert. Daneben findet ein Schweine- und Krämermarkt statt. Die Stadt LicsS.'kr.-bsichtigt, die Veranstaltung zu einem großen

zubauen, indem sie an den Herrn

Dr. Wagner in Darmstadt mit £ s £ £ d getreten ist, am Nachmittag ein !Ko 2 wirtschaftliche Fragen zu halten. r große Flugsportveranstaltung Dorgc;^:

Landkreis Gieße Z sZ s

* Lollar, 7.Juli. Am heutige-^ ' Herr Johannes Körner von hier = Familie bei guter Gesundheit seinen 7 6 £ <. £ tag feiern. ' _E _c' c

* Großen-Buseck, 6. Julig«! s verein »Germania", gegründet