Ausgabe 
7.6.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Lockerung der Wohnungs- Zwangswirtschaft in Heften.

Der Hessische Ministerpräsident erläßt unterm 31. Mai 1933 eine vierte Verordnung über die Lockerung der Wohnungszwangs- wirtschai^. Auf Grund des § 52 Abs. 1 des Ge­setzes über Mieterschutz und Mieteinigungsämter in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. April 1933 wird nach Anhörung und soweit erforderlich mit Zustimmung des Reichsarbeitsministers ange- grdnet:

1. Die Vorschriften des Reichsmietengesetzes und die ersten Abschnitte des Gesetzes über Mieterschutz und Mieteinigungsämter gelten nicht für Woh- nungen, deren Jahresfriedensmiete beträgt a) 800 Mark und mehr in den Orten der Orlskloffe A, b) 600 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse B, c) 450 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse C, d) 350 Mark und mehr in den Orten der Orts- klasie D.

2. Geschäftsräume; doch bleiben Geschäftsräume, die Teile einer Wohnung bilden oder wegen ihres wirtschaftlichen Zusammenhanges mit Wohnräumen zugleich mit solchen vermietet sind, den Vorschriften des Gesetzes über Mieterschutz und Mieteiniaungs- ämter unterworsen, wenn die Friedensmiete für die Wohn- und Geschäftsräume zusammen hinter den in Zisser 1 gezeichneten Grenzen Zurückbleiben.

3. Der durch die Bekanntmachung vom 29. Sep­tember 1927 festgesetzte gewerbliche Zuschlag von 5 Prozent für Räume mit einer Friedensmiete über 800 Mark wird aufgehoben.

Diese Verordnung tritt am l.Juli 1933 In Kraft. Die dritte Verordnung über die Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft vom 14. März 1932 tritt am 1. Juli 1933 außer Kraft.

Mitgliederversammlung

des Oberhessischen Kunftvereipö.

Der Oberhessische Kunstverein hielt dieser Tage seine ordentliche Mitgliederversammlung im Stadt­haus Bergstraße ab.

Zunächst berichtete der Vorsitzende nach Ver­lesung und Genehmigung des letztjährigen Der- sammlungsprotokollS über den Verlauf des Jahres 1932. ES wurden auch diesmal wieder neun Aus­stellungen veranstaltet, die von insgesamt 2304 Personen besucht waren. (Im Iahre 1931 gleich 2658 Personen.) Die höchste Besucherzahl hatte auch diesmal wieder die Ausstellung ,Frauen der Gegenwart", als nächstfolgende die .IahreSschau Oberhessischer Kunst". Cs sind im vergangenen Geschäftsjahr Arbeiten im Gesamtwert von 2641 Mark angekauft worden. (Im Iahre 1931 gleich 2300 Mark.) Auf der Weihnachts-Ausstellung wurden allein Arbeiten im Werte von 1770 Mk. verkauft, und zwar von Behörden für 1150 Mk., Kunstvecein für 470 Mark, privater Seite 150 Mk. Bei der Iahresmitglieder-Derlosung erhielten 23 Mitglieder Dercinsgewinne im Gesamtwerte von 530 Mark. Die Mitgliederzahl, die am Ende des Jahres 1931 330 betrug, war gegen Ende 1932 auf 317 zurückgegangen. Damit hat sich gegen­über den früheren Jahren der Rückgang wesent­lich vermindert. Da auch eine Reihe von Reu­meldungen vorliegen, ist zu hoffen, daß die rück­läufige Bewegung jetzt zum Stillstand gekommen ist.

Bei der Rechnungslegung wurde die geprüfte Schlußabrechnung für 1932 vorgelegt, die auch diesmal wieder eine Steigerung der Einnahmen aulwies, trotzdem der Mitgliedsbeitrag von 5Mk. auf 4 Mk. herabgesetzt war. Dem Schatzmeister wurde für seine Mühewaltung der gebührende Denk zum Ausdruck gebracht, und die Entlastung ausgesprochen

linierWahlen" beschloß die Versammlung einstimmig die Wiederwahl des Ausschusses und der Ausschuß die Wiederwahl deS bestehenden Vorstandes.

linierVerschiedenes" fand ein Antrag des Reichsverbandcs bildender Künstler Gau Ober­hessen aus Hcberlassung der Räume des Kunst- Vereins im Turmhaus für seine Weihnachts- ausstellung einstimmige Annahme Ebenso be­schloß sie die Bewilligung von 303 Mk- für die Ausschreibung eines Wettbewerbes unter ober- hessischen Künstlern, nachdem die Provinzial­direktion den gleichen Betrag zur Verfügung gestellt hatte. Ferner berichtete der Vorsitzende, daß im vergangenen Geschäftsjahre folgende Stif­tungen gemacht seien: Don Herrn Geheimrat Olt: ein Oelbild von Freh-MoogSilengruppe"; von Herrn Juwelier Hammermann: zwei Oelbilder vom verstorbenen Maler FritzMönch" undWaldhüter" ; von Herrn Oskar Gutmann: ein Relief in KupferLiebespaar" von Alde- grever. Den Stiftern wurde der herzliche Dank der Versammlung ausgesprochen. Die Werke wer­den in nächster Zeit in den Ausstellungsräumen im Reuen Schloß gezeigt werden.

Ferner berichtete der Vorsitzende über die ge­planten weiteren Ausstellungen und wies darauf hin, daß ein Zusammenarbeiten mit dem Kampf­bund für deutsche Kultur angcstrebt sei.

Zum Schluß sprach Herr Provinzialdirektvr G r a e f dem Vorsitzenden für die geleistete Arbeit den Dank der Mitglieder aus und knüpfte daran die Hoffnung, daß es auch für die kommenden Jahre möglich sein werde, die Aufgaben des Kunstvereins erfolgreich durchzuführen.

Vornotizen

Tageskalender für Mittwoch. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:8 Mädels im Boot".

** Straßensperrungsnachricht, mitge- teilt vom Oberheffifchen Automobilclub E.V. (A.v.D.), Gießen: Wegen Ausfühung von Walzarbeiten wird die Provinziaistraße LauterbachSchlitz, Abteilung Schlitz-Willofs, vom 8. Juni für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über SalzschlirfLanden- Hausen.

" Sonderzug zum Deutschen Gesel­lentag in München. Nachdem das Verbot des Deutschen Gesellentags in München (siehe Meldung im Politischen Teil) aufgehoben ist, wird nach einer Mitteilung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. der als Zubringer zu dieser Ta­gung vorgesehene Sonderzug von Essen nach Mün­chen über Gießen gefahren. Der Eonderzug trifft in der Rächt vom 7. zum 8. Juni, von Essen kommend, um 23.22 Uhr in Gießen ein und fährt um 23.30 Uhr nach München weiter. Auf der Rückfahrt kommt der Sonderzug am 13. Juni um 7.43 Uhr hier an und wird um 7.51 lihr weiterfahren.

Zahrestagimg der Deuffchen Van- und Siedlnngsgemeiuschast. (Sine Ehrung für Ministerpräsident Or. Werner.

D a r m st a d t, 6. Juni (WSN.) Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bau - und Siedlungsgemeinschast Darmstadt e.G. m.b.H. war von 50 Delegierten aus ganz Deutsch­land, dem Saargebiet und Oesterreich vertreten.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Kaufmann Fr. Heß, Rheingönnheim, begrüßte in feiner Gräff- nungsanfprache besonders herzlich den hessischen Ministerpräsidenten Dr. Werner, dessen lang­jährige, unendlich wertvolle Mitarbeit auch bisher schon für die zinslose Bausparbewegung die besten Früchte getragen habe.

Wie der Aufsichtsrotsvorsitzende, so erklärte auch Direktor Bachmann namens der DBS. die

restlose Mitarbeit unter der Führung des volks- konzlers Adolf Hitler zum Segen von Volk und Reich.

Gerade die DBS. habe seit Jahren schon für Arbeit und Brot gesorgt und bisher 44,5 Millionen Bau­spardarlehen zugeteilt. Direktor Bachmann er­läuterte den Geschäftsbericht und bezeichnete die Aussichten für das neue Geschäftsjahr als günstig. In den ersten drei Monaten des Jahres 1933, so führte er u. a. aus, habe man einen Reinzugong an Sparanträgen von 297 Stück zu verzeichnen. Der Reinzugong an Spar- und Tilgungsbeirägen be­läuft sich im gleichen Zeitraum auf 2 1Q1100 RM. Am -25. Februar konnten wir eine weitere Zuteilung von 135 Darlehen mit einer Bousparsumme von rund 1 500 000 RM. vornehmen.

Ministerpräsident Or. Werner

führte hierauf u. a. aus: Daß ich heute hierher ge­kommen bin, ergibt sich aus der personellen und sachlichen tiefen Verbundenheit mit Ihnen. Wir wol­len dem deutschen Menschen Raum ge­ben, dem deutschen Volke Raum verschaffen und innerhalb der deutschen Volkheit dem bedrängten Arbeitsbruder den Weg nach oben sichern und ihm Heimat im Volk geben, so daß er seiner völki­schen Urbewußtheit immer wieder inne wird. Das ist etwas Großes und Schönes, wie cs nur im Kreise der DBS. vollkommen klar und deutlich her- ausgearbeitet und empfunden werden kann.

Der Gedanke, den wir vertreten haben, ging von der Heimat aus und mündet in der Heimat. Das ist eine tiefe sittliche Bewegung, die aner­kennt, daß auch das große Sittengeseh nur er­blühen kann auf der Grundlage einer möglichst gesicherten materiellen Existenz.

So wenig wir Anhänger der materialistischen Welt- anschauung sind, weil sie dos Weltgeschehen nicht restlos zu erklären vermag, so sehr wissen wir, daß eine gewisse materielle Ausdehnungsmöglichkeit die Familie allein ermöglicht, die Sitte hochhält und all die bedauerlichen Zeiterfcheinungen in unserem Volksleben beseitigen kann. Es gibt keine erschüttern, dere Anklage als sie schon Fritz Reuter erhob, daß der heimatlose Mensch, der nicht in der

Lage ist, sich eine Familie zu gründen, eine le­be n b i g e Anklage gegen bie Gesell­schaft barstellt, bie bies zuläßt. Diese Sünden zu beseitigen und aufzuheben, sind wir alle berufen. Wir haben auch in stürmischen Stunden treu zu- fammengeftanben, immer das Ideal und bas hohe Ziel vor Augen, bas uns vorschwebt: Aus diesem zerrissenen, sozial unbefriebeten Volk ein sozial befriedetes Volk zu machen mit den Kräften, die uns in unserer Organisation gegeben sind.

Deutsche Volksgenossen! Wir haben, nachdem nun der Durchbruch der deutschen Ration erfolgt ist, auch unsere Forderungen zu stellen. Wir werden und müssen sie stellen nicht nur an die Landesregie­rungen, sondern auch an bie Reichsregierung, um bem volkhasten Sinn der sozialen Bouspar- und Zweckssparbewegung auch in der Gesetzgebung zum Durchbruch zu verhelfen und alle möglichen Förde- runaen herauszuholen, die herausgeholt werden müssen.

Auch in Hessen haben wir bereits über Förde rungsmöglichkeiten gesprochen.

Ls muh darnach getrachtet werden. In dos große Arbeitsbeschaffungs-Programm den DSB.-Ge- dankcn einzubauen. Dir ien Abstand nehmen von der törichten Vaufinan-.erungspolitik der vergangenen Iahre. die nichts nühte, und nur einzelnen und denen nicht völlig Vorteile gebracht hat.

Wir müßen dafür sorgen, daß wir die zahlungs­schwachen Sparer in die Loge versetzen, ihre Grund- einzahlung zu leisten, damit eine größere Zahl von Baugeldvergebungen erfolgen kann. Die DBS. kann auf Grund ihrer bisherigen Arbeit verlangen, daß man ihr nicht bloß mit Sympathie und Worten gegenübersteht, sondern daß man ihr mit Taten hilft, dem deutschen Volk zum Heil. (Lebhafter Bei­fall.)

Der Aufsichtsratsoorsitzende erklärte, daß Auf- fichtsrat und Vorstand in gemeinsamer Sitzung be­schlossen Haden,

Ministerpräsident vr. Werner zum Ehrenmit­glied der DBS. zu ernennen

(Lebhafter Beifall!) als Ausdruck des tiefempfun­denen Dankes für feine wertvolle Mitarbeit.

Ministerpräsident Dr. Werner dankte in be­wegten Worten für die Überreichung der Ehren­urkunde. Daufreund Siegfried brachte auf den Ministerpräsidenten ein dreifaches Sieg-Heil! aus, das die Anwesenden begeistert aufnahmen. Bilanz und Entlastung des Vorstandes wurden einstimmig genehmigt, ebenso einige Aenderungen der Satzun­gen und der Geschäftsordnung.

In einer Nachmittagssitzung fand die Auf- sichtsratsneuwahl statt. Es wurden ge­wählt: Heß- Rheingönnheim, Merten- Haan, Wittich- Berlin, Dr. R i ch m a n n - Weimar, Kraus- Bad-Dürkheim, Becker- Wetzlar, Land­wehr - St Wendel, Dr. Heiland - Eisenach,

Juch - Lippstadt, Kahles - Offenburg, Rein- b o t e Neu-Isenburg. Außerdem wurden drei Er­satzleute gewählt: G ö r s ch - Berlin, E se r-Mün­chen, Siegfried- Leihgestern.

Weihe eines Denkmals für Günther Groenhoff.

WSR. Fulda. 5. Juni. Im Rahmen deS von der RS.-Flugfportvereinigung Kassel veran­stalteten großen Flugtages in Fulda fand am 2. Pfingstfeiertag vormittags in den Anlagen deS Rhönbades Bronnzell bei Fulda eine G ü n - ther-Groenhofs'Gedenkfeier statt, bei der ein von dem Besitzer des Rhönbades in den Anlagen des Bades errichteter Gedenkstein für den bei den Flugveranftaltungen des ver-

Denkt an bieStiftung für Opfer der Arbeit"!

Einzahlungen an Reichskreditgesellschoft Berlin W S, vehrensstraße 21/22, sowie auf deren Reichs­bankgirokonto und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung.Stiftung für Opfer der Arbeit".

gangenen Jahres auf der Wasserkuppe tödlich verunglückten Segelflieger Günther Groen­hoff eingeweiht wurde. Der Stein besteht aus einem Dafaltfindling aus der Rhön, in den eine Gedenkplatte eingelassen ist.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung kreuzte ein Motorflugzeug und gleich darauf auch ein Segel- fluazeug, von dem Segelflieger Magcrfuppe, Kassel, geführt, über den Anlagen. Nach einem ein­leitenden Musikvortrag übergab der Besitzer der Badeanstalt Mewes in schlichten Worten Den Ge­denkstein der Nationalsozialistischen Deutschen Ar­beiterpartei, um den Gedenkstein ebenso wie das Ge­denken an Güncher Groenhoff immer zu Ehren zu halten.

Buntes Allerlei.

Oie Affenkolonie von Gibraltar.

.Solange als die Affen Gibrallar bewohnen, wird Britannien diesen Felsen beherrschen." Dieses alte Wort, das im Glauben der spanischen Devölterung tief verwurzelt ist, gibt den Engländern die Hoffnung, daß ihre Fahne noch weiter auf dieser Festung flat­tern wird, denn die Aff en-Kolonie von Gibral» 1 ar ist vor kurzem durch die Geburt zweier Zungen vermehrt worden und hat alle Aussicht auf ein Ian- ged Fortbestehen. Diese Schuhtiere sind die letzten wilden Affen in Europa; sie sind die Tyrannen von Gibraltar und richten allerlei Unheil an; aber sie

zu verletzen, ja nur zu belästigen, gilt als ein schwe­res Verbrechen, ja fast als Verrat, da nun einmal mit ihrem Gedeihen Britanniens Herrschaft an die­sem Torweg vorn Mittelländischen Meer nach dem Osten eng verknüpft ist. Als die Engländer nach lan­ger Belagerung im Jahre 1704 den Felsen von Gi­braltar emnabmen. da trieben sich noch Hunderte die­ser Affen wild auf der Halbinsel herum. Der Aber­glauben der Andalusier brachte nun das Erscheinen der Engländer mit diesen Affen in Zusammenhang, und man munkelte, daß die fremden Eindringlinge erst vertrieben werden würden, wenn die Affen ver­schwänden. Die Briten, die auf den Volksglauben stets große Rücksicht genommen haben, ballen also allen Anlaß, für diese vierfüßigen Sinnbilder ihreS Regiments zu sorgen, und eine stattliche Summe ist für ihre Pflege ausgesetzt. Ein besonderer Offizier - jetzt ist es der Hauptmann S. A. Smith - sorgt mit einigen Untergebenen für ihr Wohlbefinden. Vor ei­nigen Jahren aber schien daS Schicksal der Affen- Kolonie schwer bedroht; es waren nur noch zwei Weibchen übrig; zu gleicher Zeit waren Verhand­lungen im Gange zwilchen der spanischen und der englischen Regierung über einen Austausch von Gi­braltar gegen die spanische Stadt (Senta. Die Bevöl­kerung flüsterte sich zu, daß mit den Affen auch bald die Engländer verschwinden würden, und der Gou­verneur der Festung blickte nach den Felsen, die das wenige 100 Meter große neutrale Gebiet, daS Gi­braltar von Spanien trennt, umrahmen. Da erhob sich jener mächtige .steinerne Stuhl", auf dem die spanitche Königin im 18. Jahrhundert zu sitzen ge­lobt hatte, bis die britische Flagge von der Festung heruntergeholt werde. Sah die Königin etwa da? Rein, so weit war es noch nicht. Aber es mußte et­was geschehen, und so wurden eiligst Boten nach Marokko entsandt, die mit einem jungen männlichen Affen zurückkehrten. Doch die beiden alten Weibchen wollten sich mit diesem Fremdling nicht einlaffen, sondern töteten ihn. Wieder hasteten Abgeordnete über die Straße von Gibraltar und brachten dies­mal zwei männliche und zwei weibliche Affen mit Run war die Kolonie gerettet, und die Geburt der beiden Jungen, die jetzt gemeldet wird, sichert den Bestand der Affen. Uebr igens lebt in Gibraltar noch ein Mann, der das Opfer der einzigen bekannten Entführung war, die von den Affen vorgenommen wurde. (!S ist der Lotfe William (S. Underh. Vor 50 Jahren war fein Vater Haushofmeister bei dem da­maligen Gouverneur General Somerfet. Als die El­tern eines Tages heimkehrten, fanden sie die Wiege leer. Bei der Suche nach dem verlorenen Baby ent- decktey sie auf dem Dach des Haufes eine große Res­sin, die das Kindchen in ihren Armen hielt, es wieg­te und liebkoste. Der Vater wollte fein Gewehr ho­len, aber Freunde hielten ihn ab und baten ihn, das Weitere abzuwarten. So verhielt man sich still, und nach einer halben Stunde schwang sich das 21f- senweibchen, das Kind sorgsam in einem Arm hal­tend, von dem Dach auf das Fensterbrett herunter, stieg in das Kinderzimmer, legte das Baby in die Wiege zurück, deckte es zu und verschwand durch das Fenster. Die Eltern sanden das Baby schla­fend und unverletzt.

Sie grau des Politikers als Hausfrau und Mutter.

Besuch bei Frau Martha von Popen. - Oie Gattin des Vizekanzlers über die Aufgaben der deutschen Krau.

Im Rücktrakt des großen Häuserblocks Wilhelm- straße 74, in einer geräumigen Wohnung, die dem Reichsinnenministerium zusteht, spielt sich das Fa­milienleben des Vizekanzlers v. Popen ab. An einem langen Korridor mit vielen Fenstern liegt eine Reihe von Zimmern. Ihr Blick geht auf die alten Ministergärten. Ruhe und Abgeschiedenheit ringsum. Durch die offenen Fenster weht ab und zu der Wind den letzten Ton einer scharfen Autohupe herüber. Ganz verschwommen schimmert das Gelb der Elektrischen durch die Kronen der alten Bäume.

Frau o. Popen empfing mich in einem großen hellen Empiresalon. Sie schlug aber gleich vor, in ihr Zimmer nebenan zu gehen. Wir traten in einen lichten Raum im altenglischen Londhausstil mit Hel­len Wänden, Möbeln und Stichen aus der Zeit vor 1800. Hier trägt alles den Stempel seiner Bewohne­rin. Quer vor eines der drei großen Fenster gerückt steht der Schreibtisch, den ein unveröffentlichtes Bild des Hausherrn schmückt. Man sieht, an diesem Schreibtisch wird gearbeitet. Ueberall stehen Blu­men, Blütenzweige und grüne Pflanzen, genau wie nebenan im privaten Arbeitszimmer des Vizekanz- lers. Dieser Roum ist lichtgelb gestrichen. Er wird beherrscht von einem wuchtigen Barockschrank. Selbst­erlegte Sechzehnender mit dem Datum und der Krone im Schädelbein, fallen ins Auge. Auf dem Schreibtisch steht bas Bild des Reichspräsidenten in Feldmarschalluniform:Ich hott' einen Kameraden."

Man wollte eigentlich mit Frau v. Papen über ihre neue Würde alsPräsidentin der Hausfrauen- pereine" plaudern. Was lag näher, als nach dem Eindruck der Rom reiste, von der das Ehe­paar v. Papen vor kurzem zurückkehrte, zu fragen. Wir hotten eigentlich nicht die Absicht, einen offi­ziellen Besuch in Italien zu machen. Ausspannen und zum Heiligen Vater gehen, stand auf unserem Programm, das schon an der Grenze umgeroorfen wurde. Bereits in Bozen erschien der Gouverneur bei der Einfahrt des Zuges mit einem großen Strauße Rosen vor unserem Shipee. Erst dadurch wurden die Mitreisenden auf unsere Anwesenheit im Zuge aufmerksam. Und nun wars fertig mit der Reise privat". Beim Aufenthalt in Verona wir wollten uns gerade schlafen fegen begrüßten uns der Präfekt, der Chef der faschistischen Partei und weitere offizielle Persönlichkeiten mit Blumen. Als wir morgens in Rom eintraren, waren die meisten Herren der deutschen Botschaft und Vertreter des italienischen Auswärtigen Amtes auf dem Bahn- steig. Den Bahnhofsplatz hatte man abgefperrt; nie» manb durfte den Zug verlassen, bis wir weg waren. Vor dem Bahnhof erwartete uns ein Auto, das Mussolini für die ganze Zeit unseres Aufenthaltes zur Verfügung gestellt hatte. Ich war vor dreißig Jahren zum letzten Male in Rom und habe die Stadt nicht wiedererkannt. Es ist grandios, was Mussolini aus ihr gemocht f>at."

Noch und noch tarnen wir auf unser eigentliches Thema: Hausfrau und Mutter. Frau von Papen meinte lächelnd:Was soll ich Ihnen er- zählen. Ich bin so altmodisch, daß Sie mich viel- leicht gar nicht verstehen werden. Besonders in der Frage der Kindererziehung. Meine Kinder haben nie ein Buch gelesen, das ich nicht vorher las. Meine Töchter besuchen noch heute keinen oftiziel- len Ball ohne mich. Die Gesellschaft dort ist zu un­durchsichtig, um die jungen Mädchen allein hin­gehen zu losten. Ich habe auch meine Kinder selbst erzogen, sie nie fremden Menschen überlassen. Das Leben auf dem Lande hat mir natürlich Gelegen­heit gegeben, mich viel um meine Fünfe zu küm- mern.

Ich bin auch »altmodisch* in bezug auf dos F r a u e n w a h l r e ch t. Amerika und England, Länder, die als erste der Frau das Stimmrecht gaben, hatten durch diesen Zuwachs an Stimmen sicher keine große Umschichtung zu verzeichnen. Die iTrau wird durch ihre Anpassungsfähigkeit, die oft fehlende Möglichkeit ruhiger Abwägung, durch Mangel an kühler fachlicher Kritik, in den meisten Fällen das politische Echo ihres Mannes sein. Und so hat das Frauenwahlrecht die Wähler zwar ver­doppelt, aber sich nicht der Quantität angcpaßt. Sie hat nur eine Mehrbelastung der Staatskassen ge­bracht. Ich spreche natürlich nur von der Frau im allgemeinen. Selbstverständlich bin ich überzeugt, daß es immer einzelne überragende Frauen ge­geben hat und geben wird. Die sollen ruhig eine Ausnahmestellung einnehmen. Ich fdjliefoe' mich aber im Prinzip denen an, die der Frau abspre­chen, in einer Reihe von Bernsen besonders als Politikerin ihren Mann stellen zu können.

Leider gibt es in unseren Tagen Frauen, die erwerben müssen. Die meisten von ihnen, be- sonders die Fabrikarbeiterinnen, würden sicherlich gerne ihre Tätigkeit aufgeben, wenn der Mann genügend verdiente. Sie wurden sich viel lieber um ihre Kinder kümmern, als ihre Kleinen im Kinder- garten abzugeben und um die größeren zu bangen, was sie nach der Schulzeit .anstellen'.

Ich denke auch nicht, daß Frauen, die sich zu einem bestimmten Berufe hingezogen fühlen, diese Liebe unterdrücken sollen. Außerdem gibt es Be­rufe, die überhaupt nur von der Frau ausgeubt werden können. Nichts widerstrebt mir jo, als Halbheit. Nur die Frau soll studieren, die sich un- bedingt dazu berufen fühlt. Die Frau als Hausfrau und Mutter aber, ist immer noch der höchste und vornehmste Beruf.

Und nun wollen Sie meine Ansicht über die Hausfrauenvereine wissen. Der Hausfrau kommt mehr denn je eine große Verantwortung zu. Heute, wo wieder mit dem Pfennig gerechnet wird, soll die einkaufende Frau, durch deren Hand der größte Teil des Volksoermögens rinnt, sich Rechen­schaft geben, was und wie sie einkauft. Der Einkauf soll wieder zur Kunst werden. Man darf keinesfalls den Konsum unterbinden und in allem zum Sparen mahnen. Wenn plötzlich jeder aufhören wollte, zu kaufen, wie sollte bie Wirtschaft weitergehen. Nur ist es wichtig, den Hausfrauen zum Bewußtsein zu bringen, was nötig ist und welche Anschaffungen nur einer Laune entspringen, also unnötig sind. Hier haben sich auch die Hausfrauenvereine von Jahr zu Jahr größere Verdienste erworben. Sie haben die Frau über die Vorteile und Möglich- feiten im Wirtschaften und Einkauf aufgeklärt, über die Art des Einkaufs, Wirtschaftsführung, Kindererziehung, Hygiene in der Familie und vie­les andere sie unterrichtet. Ihre Ausstellungen, ihre Vorträge und Lehrkurse find ein Stück Erziehung der deutschen Frau geworden. Mit besonderem Jn- tereste habe ich mich über alles orientiert, was die Hausfrauenvereine der Großstädte (elften. Als Landfrau bin ich von Jugend auf nur mit den Ver­bänden der landwirtschaftlichen Hausfrauen in Be­rührung gekommen und zu fünfundsiebzig Prozent bin ich ja eigentlich selbst Frau vom Lande."

Man scheidet nach einer langen anregenden Unter­haltung von Frau o. Papen, deren wirkliche Güte und innerliche Vornehmheit, deren Verständnis und richtige Einstellung zur Frau von heute, sie zu dem besten Typ der deutschen Frau stempeln.

Bella Fromm.