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7.6.1933 Erstes Blatt
 
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Der Führer eines französischen Schnellzuges übersah kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof von Nantes Warnungssignale, die wegen der Anlage eines Hilfsgleises angebracht worden waren. Der Zug raste mit voller Geschwindigkeit auf die Hilfsschienen und entgleiste. 15 Personen wurden bei der Katastrophe getötet, 100 verletzt.

Die deutsch-österreichische Spannung.

Dollfuß aus JRom zurück.

Wien, 6. Juni. (WTB.) Dienstag nachmittag ist Bundeskanzler Dr. Dollfuß auf der Rückreise von Rom in Wien eingetroffen. Bundesminister Baugoin begrüßte den Bundeskanzler namens der Regierungsmitglieder. Er gab der Freude der Bundesregierung und des österreichischen Volkes über den Abschluß des Konkordates Aus­druck, und begrüßte, daß darüber hinaus auch a n - dere erfolgreiche Verhandlungen ge­führt werden tonnten.

Bundeskanzler Dr. Dollfuß dankte für die Be­grüßung und führte u. a. aus: Der Hauptzweck der Reife nach Rom war diesmal der Abschluß des Konkordates mit dem Hl. Stuhl, das gestern unter­zeichnet wurde. Ich hatte auch Gelegenheit, m i t Mussolini längere Unterredungen zu führen und möchte ausdrücklich betonen, daß ich auch dies­mal wieder aus Rom mit der Ueberzeugung zurück­gekehrt bin, daß in Italien und in Mussolini das selbständige und unabhängige Oester r^ch und das österreichische Volk einen warmen Freund besitzen. Zum Schluß möchte ich neuerlich betonen, daß der Abschluß des Konkordates für Oesterreich eine Groß­tat bedeutet und nicht zuletzt auch eine Anerkennung des Hl. Stuhles für das selbständige Oesterreich und feine Wiederaufbauarbeit darstellt.

Schwere Zusammenstöße in Kufstein.

Kufstein, 6. Juni. (TU.) Am Pfingstmontag wurden 50 Mann der Kufsteiner Heimatwehr a l s Grenzschutzorgane vereidigt. Zur Ver­eidigung war auch eine Heimwehrabteilung aus Innsbruck erschienen. Die Heimwehrleute über­fielen in den Nachmittags st unden N at i o n a l s o z i a l i st e n und rissen ihnen die Abzeichen ab. Die Folge waren schwere Ausschrei­tungen und Zusammenstöße, bei denen drei Per­sonen, darunter der Kufsteiner Nationalsozialist^ sche Gemeinderat Egger schwer verletzt wur­

den. Die Heimatwehr drang mit Spaten in das Hotel Egger ein, wohin sich die Nationalsozialisten zurückgezogen hatten. Gendarmerie ging mit der blanken Waffe vor, um die Ruhe wieder herzu­stellen.

Völlige Verkehrsstille in Tirol und Vorarlberg.

Innsbruck, 6. Juni. (TU.) Infolge der Grenz­sperre herrschte in Tirol während der Feiertage a b solute Verkehrs stille. Besonders in den Grenzorten wirkte sich die Berkehrssperre ge­radezu katastrophal aus. In den Orten Kufstein, Reutte und Seefeld waren üb.erhaupt keine Pfingstgäste aus dem Reich anwesend Die Mißstimmung in der Bevölkerung über die Zu­stände wächst infolge der wirtschaftlichen Krise von Tag zu Tag Wie in Tirol, so hat sich auch in Vorarlberg die deutsche Grenzsperre während der Pfingstfeiertage in einer wahrhaft katastrophalen Weise geltend gemacht. Während z. B. im Hafen von Bregenz an den vorjährigen Pfingstfeiertagen fast 20 000 Fahrgäste gezählt wurden, waren es dieses Jahr nur etwa 1000. In Bregenz haben oom Sonntag auf Montag nur etwa 60 Personen über­nachtet, während sonst an den Pfingstfeiertagekl die Stadt stets so überfüllt war, daß ein Teil der Frem den in der Umgebung einquartiert werden mußte. Die Schwebebahn auf den Pfänder beförderte am Pfingstsonntag nur 900 Personen, größtenteils Ein- heimische, gegenüber 3000 im Vorjahre. Ein großes Hotel in Lochau bei Bregenz hatte überhaupt keine Zirnrnergäfte gegenüber 300 am vor­jährigen Pfingstfest Auch im Brsaenzer Wald, im Montafontal usw macht sich das Ausbleiben der Reichsdeutschen empfindlich bemerkbar In Vorarl­berg allein schätzt man den Ausfall an Einnahmen während der Pfingstfeiertage auf 600 000 bis 800 000 Schilling

Aus aller Welt.

Der Deutsche Lehrerverein tritt dem Nationalsozialistischen Lehrerbund bei.

Magdeburg, 7. Juni. (CNB.-Funkspruch.) Auf der Vertreteroersammlung des Deutschen Leh­rervereins teilte der Vorsitzende Wolfs, Berlin, mit, daß der Deutsche Lehrervereine körper­schaftlich dem NSLB. beitritt. Unter stürmischem Jubel erfolgte dann die Wahl d e s bayerischen Kultusministers Schemm zum Vorsitzenden des Deutschen Leh­re r o e r e i n s. Der Minister dankte für die Wahl und ersuchte um unbedingte Treue und unbedingtes Vertrauen zu der Führung. Lassen Sie sich, erklärte er, in der großen Stunde nicht von der großen Straße, die in Deutschland Sittlichkeit heißt, durch kleinliche Dinge wieder herabdrängen. Heute gibt es nur ein Ziel, das ganz schlicht heißt: Deutschland will leben und da muß die Lehrerschaft als Erzieher Mitarbeiten. Mehr wollen die Lehrer nicht, als Garanten der deutschen Jugend und des deutschen Volkes sein.

Der Adlerschild für Geheimrat Lenard.

Auf Vorschlag des Reichsministers des Innern Dr. Frick hat der Reichspräsident Ge­heimrat Dr. Lenard, einem der bedeutendsten deutschen Physiker und Wissenschaftler, an­läßlich seines 71. Geburtstages am 7. 3uni den Adlerschild des Reiches verliehen. Der Adlerschild, der auf der Rückseite die Wid­mungDem großen deutschen Physiker" trägt, wird Geheimrat Lenard in Heidelberg durch den Reichsstatthalter für Vaden, Wagner, über­reicht, der zugleich die herzlichen Glückwünsche des Deichsministers des Innern Dr. Frick überbringt. Der Reichspräsident hat von Aeudeck aus ein Glückwunschschreiben an Geheimrat Lenard ge­richtet.

Reichsverband der Adrehbuchverleger.

Auf der Hauptversammlung des Reichsverbandes der Adreßbuch-Verleger in Jena wurde der Vor­stand den politischen und wirtschaftlichen Verhält­nissen entsprechend neu gestaltet. Er besteht nun in seiner Mehrheit aus nationalsozialistischen Fachleu­ten. Die alten Ziele des Verbandes, Kampf gegen Schwindel und Unzulänglichkeit, Beseitigung wirt­schaftlich überflüssiger Adreßbuchproduktion, Aus- I bau und Pflege der wirtschaftsnotwendigen Adreß- *

bud)Iiteratur wurden erneut und verschärft gesetzt Es bestand volle Einmütigkeit im Glauben an die deutsche Zukunft und in dem Wollen, innerhalb der eigenen Fachschaft mitzuwirken an dem großen Ziele des Wiederaufbaues der deutschen Wirtschaft und der Neugestaltung des deutschen Wirtschafts, körpers. Dom Reichsverband der Adreßbuch-Ver­leger durch die Einführung des Qualitätsprinzips und des Verbandssignets als Wertmarke für die Adreßbuchproduktion seiner Mitglieder ist der Ge­danke der Wertarbeit und oolks'oerbundenen, wirt­schaftsnotwendigen Leistung in weite Kreise der Wirtschaft getragen worden In diesem Sinne und in enger Zusammenarbeit mit den Behörden wird die Arbeit sortgesührt, Ehrlichkeit und Sauberkeit in der Geschäftsgebarung, höchstmögliche Leistung und wirtschaftsoerbundene Zweckmäßigkeit sind die Gesichtspunkte, unter denen der Verband seine Mit­glieder auch fürderhin ihren Dienst am Dolksganzen zu tun gedenken.

Der Anstifter der Genfer kommunistenrevoile ;u sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Leon Dicole, der Anstifter der Genfer An­ruhen vom 9. Dovember v. 3., wurde von der Kriminalkammer des Vundesgerichtes zu sechs Monaten Gefängnis und 100 Franken Geld­strafe verurteilt. Die übrigen Angeklagten er­hielten Gefängnisstrafen von zwei bis vier Mo­naten und Geldstrafen in Höhe von 30 bis 50 Franken.

Zwei Kinder im Rauch erstickt.

3n Vernburg wurden in der Wohnung eines Telegraphenarbeiters dessen dreiKin- der im Alter von P/2, 3 und 10 Fahren gestern nacht mit schweren Rauchvergiftungen aufgefun­den- Die Eltern waren nicht in der WoKiung Das jüngste Kind war bereits tot, während das dreijährige Mädchen im Krankenhaus ver- ftarb. Der Vater der Kinder wurde wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung in Haft genommen.

Die älteste Frau Deutschlands feiert ihren 105. Geburtstag.

<7-2" Lenzkirch (Bezirk Freiburg i. Br.) konnte Frau Maria Schöpperle, Witwe, ihren 105. Geburtstag feiern. Frau Schöpperle darf wohl als die älteste Frau Deutschlands angesprochen werden. Don ihren sechs Kindern

sind noch drei am Leben, die bereits selbst im Greisenalter stehen. 21 Enkel und 32 Ur­enkel können freudigen Anteil nehmen an dem 105. Geburtstag ihrer Großmutter und Urgroß­mutter.

Indischer Expreßzug raff in einen Lastkraftwagen. 18 Tote.

Bei Benares raste am Dienstagmorgen ein Expreßzug von Peschawar mit großer Geschwin­digkeit in einen Lastkraftwagen, der mit Arbeitern besetzt war. 16 Arbeiter und zwei Kinder wurden getötet.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck im Rordosten hat sich noch verstärkt, so daß durch ihn ein Fortbestehen des vielfach heiteren und heißen Wetters be­wirkt wird. Rur vorübergehend ist durch flache Störungen, die sich über dem Festland bilden, Aufzug gewitterdrohender Bewölkung zu er­warten.

Aussichten für Donnerstag: Vor­übergehend gewitterdrohende Bewölkung, im wesentlichen aber Fortdauer der Schönwetter­lage.

Lufttemperaturen am 6. Juni: mittags 25,3 Grad Celsius, abends 18,7 Grad: am 7. Juni: morgens 16,5 Grad. Maximum 27,4 Grad, Minimum 12,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6 Juni: abends 27 Grad, am 7. Juni: morgens 18,6 Grad. Sonnenscheindauer 15 Stunden.

Heutige Wasserwärme der Lahn 22 Grad Celsius.

Prinz Wilhelm von Preußen und seine junge Gattin im Kreise der Gäste nach der Trauung.

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Aus -er provinzialhaupista-t.

Blühende Wiese

" Die Wiesen blühen so bunt. 3n diesen präch­tigen Teppichen fehlt keine Farbe. Schleierfein spinnt sich darüber das zarte Grün der weichen, jungen Gräser. Dicke Hummeln torkeln trunken von einem Blütenkelch zum andern: sie gingen am liebsten an keinem Wirtshaus vorbei, treffen sie aber auf eines, in dem aller Honig schon ausge­schenkt ist, so ziehen sie sich mit einem ärger­lichen Gebrumm wieder zurück. Und erst wenn sie den Rüssel bei der nächsten Kleeblüte wieder tief in die berauschende Süße fauchen können, sind sie befriedigt. Hell und fein summen die Bie­nen in großer Geschäftigkeit. Sie haben es eilig, man sieht ihnen förmlich an, wie sie sich kaum Muße gönnen bei einer Blume, das muß doch alles abgeerntet fein. Die Ahnung von einem lan­gen Winter steht in ihrem Innern, sie sind er­füllt von ihrer Aufgabe, Nahrung aufzuspeichern, damit die kommenden Generationen leben und ge­deihen können.

Die Wiesenblumen selbst sind wie von innerer Unruhe erfüllt. Sie blühen und setzen Samen und möchten ihn ausstreuen, ehe noch der Sensenmann kommt und allem Hoffen und Streben ein Ende bereitet. Manchmal geht ein Schauern durch die blühende Wiese, dann denkt sie daran, wie der kalte Stahl die Leiber der Stengel berühren und sie alle hinmähen wird, noch ehe sie ihre Bestim­mung ganz erfüllten. Nur der Löwenzahn kennt diese Sorge nicht. Längst hat er seine gelben Blü­ten zu schaumigen Seifenblasen aufgebläht und sieht geruhig zu, wie die gefiederten Flugzeuge seiner Samen nun über das Land hingetragen werden, sobald ein freundlicher Wind die leichte Last mitnimmt. Seine Kinder haben es gut, sie haben Auftrieb von Hause mitbekommen, sie brauchen nicht schwerfällig und gebunden neben der Mutterpflanze ins Erdreich zu sinken und der Heimatscholle auf Gedeih und Verderb verbunden zu fein; sie können in die Weite hinausfliegen und sich ansiödeln, wo sie ein gutes Plätzchen fin­den, weit fort von den Gefahren der Sense, die die heimische Wiese bedrohen. 3a, der Löwen­zahn glaubt seinen Kindern ein gutes Erbteil mit­gegeben zu haben, als er sie zu Nomaden machte. Aber vielleicht nahm er ihnen damit doch das beste: das Wurzelnkönnen im ftammgegebenen Bo­den.

Blühende Wiese, von Bienen und Käfern um­schwärmt, von Schmetterlingen umgaukelt, vom Winde bewegt, von der Sonne beschienen, Sinn­bild des blühenden Sommers I Alles drängte zur Entfaltung, alles wollte ans Licht. Das kleinste Samenkorn hat feine Senker ausgesendet, hat sich seinen Teil an Nahrung und Lebenssäften erobert und ist emporg; schossen, vom gleichen Lebe, swillen beseelt wie die ftärteren Blumenschwestern, die es beiseite drängen möchten. Wie breit macht sich nicht zum Beispiel der Rainfarn, der mit den dicken goldenen Knöpfen am Hut, der sich vielleicht wunder was einbildet! Lind doch auch nichts weiter ist als eine Wiesenblume, die der Stahl des Sensenmannes so wenig schont, wie all die andern.

Man braucht nicht Weltgeschichtsbücher zu wäl­zen, man braucht sich nur Sommertags an eine blühende Wiese zu legen und richtig zuzuhören. Da findet man alles Geschick von Menschen und Völkern, von Einzelwesen und Gemeinschaften vor­gezeichnet und vorgelebt im Dasein der Pflanzen, die sich zusammenschlossen, so daß wir die einzel­nen kaum oder nur in Ausnahmefällen bemerken und sie nur als Gesamtheit in uns aufnehmen. Diese Gesamtheit aber ist uns etwas Herrliches, 'st uns Inbegriff von Sommerfreude und 3uni- glück Blühende Wiese .. blühendes Land!

Die Beisetzung von Pfarrer Lic.lBaa#

Zur Beerdigungsfeier für Pfarrer Lic. Waas hatte sich am gestrigen Nachmittag eine sehr große Trauergemeinde zusammengefunden, so daß die Friedhofskapelle bis auf die Treppen hinaus gefüllt war. Die große Versammlung zeigte, wie der Ver­storbene auch in der verhältnismäßig kurzen Zeit von etwa vier Jahren sich nicht nur die dankbare Treue seiner Petrusgemeinde, sondern auch die auf­richtige Sympathie weiter Kreise unserer Stadt er­worben hat. Um den Sarg standen außer den Char­gierten mit der Fahne von der Studentenverbindung Wingolf die Buben und Mädchen der Jugendgruppe der Petrusgemeinde mit ihren Wimpeln.

Einfaches Harmoniumspiel des ChoralsJesus, meine Zuversicht" eröffnete die Feier. Daran schloß sich unter Leitung von Lehrer Kröll ein schlichtes Lied des Frauenchors der Petrusgemeinde, das der Verstorbene mit dem von ihm gegründeten und bis Zu seiner Erkrankung geleiteten Chor selbst eingeübt batte. Die Botschaft dieses Liedes vonFriede und Freude" im Sterben eines Christenmensche i führte dann die Traueransprache von Pfarrer Becker weiter. Aufgebaut auf ein Heilandswort aus dem Pfingstevangelium Joy. 14, V. 26 und 27 geigte die Rede, wie durch die Pfingstpabe alle oeelennot und alles Menschenleid sich wandelt unter dem Licht des Kreuzes, für dessen Sprache der Hei-

hge Geist uns Dolmetscher wird, so daß wir des Lebens tiefste Klänge hören können, die trotz allem Dunkel des Lebens doch auf Friede und Freude ge­stimmt sind. Die Rede hielt sich bewußt frei von allem Persönlichen und ließ mehr das bescheidene und im Leiden tapfere Wesen des Heimgegangenen verspüren, als daß sie von seinem Tun sprach wohl ganz im Sinne dessen, dem diese Feierstunde galt. Die ChoralmelodienChristus, der ist mein Leben" undJerusalem, du hochgebaute Stadt", welche, wie auch den EingangschoralJesus, meine Zuversicht", Pfarrer Waas selbst für diese Stunde ausgewählt hatte, schlossen mit kurzem Gebet die Feier in der Kapelle.

Nach der Einsegnung am Grab wurde eine große Anzahl von Kränzen -niedergelegt, fast alle ohne Rede, nur mit einem Bibelwort, wie der Heimgegan­gene es gewünscht hatte, und welche schlichte Art der Ehrung besonders wohltuend berührte. Auch die Fülle der Kränze von der Dekanatsgeistlichkeit, der Gießener Gesamtgemeinde, seiner früheren Ge­meinde Ober-Ramstadt, des A.-H.-Verbandes feiner. Verbindung Wingolf, feines Freundeskreises, ganz besonders aber aus seiner Petrusgemeinde war ein lautes Zeugnis für die dankbare Liebe und be­sondere Wertschätzung, welche Pfarrer Waas mit feiner treuen Arbeit und seiner aufrichtig bescheide­nen Art sich in so hohem Maße erworben hat, und die ihm in vielen Herzen als ehrendes Gedenken bleiben wird auch über das Grab hinaus.

Hausfrauen helft den Wöchnerinnen!

Der Alicefrauenverein vom Roten Kreuz in Gießen schreibt uns:

Nach. Auflösung desBienenkorbs" (Arbeits­gelegenheit für Kleinrentnerinnen usw.), der über zehn 3ahre als erste soziale Abteilung des Vereins in hervorragender, höchst dankenswerter Weife von Frau 3ustizrat Dr. Rosenberg geleitet wurde, beschloß der Alicefrauenverein, eine Wöchnerinnen- und Säuglings- fürsorge ins Leben zu rufen. Der Verein wendet sich deshalb nicht allein an die Mit­glieder des AFV., sondern auch an die All­gemeinheit. Eine Wöchnerinnenfürsorge bestand bereits in der Vorkriegszeit. Es wurden Suppenzettel" ausgegeben und gerne wurde eine Mahlzeit verabreicht, damit die Wöchnerinnen bald zu alter Kraft kommen konnten-

Wie opferfreudig steuerte unsere Bevölkerung die Pfund-Pakete zur Ernährung weiter Kreise bei, und wie segensreich war diese Gabe! Deshalb wagt es auch der Alicefrauenverein, sich mit diesem neuen Wunsch den Gießener Frauen zu nahen und sie um ihre Mithilfe zu bitten.

Die Verpflegung ist so gedacht, daß eine Wöchnerin mindestens a ch t b i s zehn Tage mit Mittagessen versorgt fein soll. Dafür will man einen Turnus einführen, der eine Hausfrau nur für ein Mittagessen pro Wöchnerin verpflichtet.

Eine allzugroße Belastung wi^h diese Fürsorge für den einzelnen nicht Hervorrufen, da der Geburtenrückgang sich ja leider bemerkbar macht. Cs ist ein Gebot der Stunde für uns Frauen, hier einzugreifen. Der Alicefrauenverein bittet herzlich um Beteiligung an dieser Aufgabe, sind doch die Mütter der Urquell unseres Volkes und deren Gesundheit eine Stärkung der künftigen Generation.

Adressen bereitwilliger Hausfrauen sind an Frau W- Kramer, Ludwigsplotz 10, zu richten. Die Herren Aerzte und Fürforgeschwestern wer­den um Angabe hilfsbedürftiger Wöchnerinnen gebeten; die Weiterleitung erfolgt von oben­genannter Zentralstelle.

Ein Programm für Säuglingspflege wird dem­nächst. anlehnend an den noch bestehenden Ver­ein, erscheinen. Alle Hausfrauen mögen die heutige Anzeige beachten.

Sterbendes Volk!

WSN. Die Staatspressestelle teilt mit: Die Fa­milie ist in Gefahr, in den Großstädten ist sie be­reits im Zustand der Zerstörung. Falsche Lehren, wirtschaftliche und sittliche Not beginnen sich aus­zuwirken. Leicht wird ein ganzes Volk von sitt­licher Fäulnis ersaht. Auch in unserem Volk drückt sich die fortschreitende Zerstörung der Familie im Zurückbleiben der Geburtenziffern aus. Schon die heutige Zahl der Geburten genügt nicht mehr zu jener Vermehrung unseres Volkes, wie wir sie wünschen würden,um unseren Platz an der Sonne zu behaupten". Kinderlosigkeit, Ein- und Zwei- kinderehen sind an der Tagesordnung, die Viel­kinderfamilie wird bald als Zeitenwunder, so wie die hundertjährigen Menschen, abgebildet werden. Ein Volk ohne gesunde Familie und ohne starken Nachwuchs muß sterben. Die Zahl der polnischen Geburten übersteigt die der deutschen um das Dop­pelte. Bei den 3talienern ist es ähnlich. Für unser deutsches Volk entsteht die Gefahr, auszu­sterben, wenn es nicht bald zur Besinnung kommt. Am Samstag, 24. 3uni, 18 Llhr, will nun der Landesverband Hessen im Reichsbund der Kinder-