Ausgabe 
7.4.1933 Erstes Blatt
 
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auf die politische Lage und die dadurch bedingte organisatorische Umstellung innerhalb der Ver­bände.

Die durch die nationale Erhebung gegebene Sach­lage macht Aenderungen wesentlicher Art auch bei der Zulassung von Aerzten zur Kas­se n p r a x i s erforderlich. Entsprechende gesetzliche Maßnahmen werden bereits im Reichsorbeitsmini- sterium vorbereitet. Um zu verhüten, daß inzwischen durch weitere Zulassungen der neuen Regelung oor- gegrissen wird, hat der Reichsarbeitsminister die einstweilige Aussetzung aller Zulas­sungsverfahren angeordnet.

Der Deutsche Ga st wirteverband wird, wie wir erfahren, noch im Laufe des heutigen Ta­ges einen Staatskommissar erhalten. Für dieses Amt ist der Gaststättenbesitzer Döring -.Darm st adt ausersehen.

Dr. Paul S i l v e r b e r g hat den Vorsitz der Kölner Industrie- und Handelskam­mer niedergelegt und ist aus der Kammer ausge­schieden.

Aus aller Welt.

Dos Ostpreuhenkreu; für Adolf Hitler.

Wie erst nachträglich bekannt wird, hat die Arbeitsgemeinschaft Ostpreuhischer Aegiments- vereine (AOR.) in Berlin", zu der 54 Vereine und Offiziersvereinigungen gehören, am 12. März aus Anlaß des Tages der Feier der nationalen Revolution dem Reichskanzler Adolf H i t l e r in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um Ostpreußen und Danzig in schwerer Rachkriegs- zeit das Ostpreuhenkreuz verliehen. Dieses Ehrenzeichen ist ein weißes Kreuz in Form des

Ordensritterkreuzes mit einem Turm des Tan­nenberg-Rationaldenkmals und darunter die Buchstaben AOR. Diese Buchstaben sind einmal die Abkürzung für Arbeitsgemeinschaft Ostpreu- hischer Regimentsvereine und dann die Abkür­zung für die Ziele dieser Arbeitsgemeinschaft Für Arbeit, Ordnung, Recht". Das Kreuz ist nur äußerst selten verliehen worden und auch nur wegen tatsächlicher Verdienste. Der Reichs­kanzler hat die Ehrung mit großer Freude ent» gegengenonrmen.

(Eine Richtigstellung des Kampfbundes für deutsche Kultur.

Die Pressestelle des Kampfbundes für deutsche Kultur in Berlin teilt mit: Entgegen einer vor einigen Tagen gegebenen Meldung hat unser Mitglied Professor Dr. h. c. 'Gustav H a v e - mann nicht den Vorsitz des gewerkschaftlichen Deutschen Musikerverbandes übernommen, sondern den des Bundes deutscher Konzert- und Vortrags­künstler sowie des Reichskartells deutscher berufs­tätiger Musiker. Die beiden letzteren stehen in Ar­beitsgemeinschaft mit dem Kampfbund für deutsche Kultur zu dem Zweck, eine Standesvertretung der deutschen Musikerschaft zu schassen.

Eröffnung der Braunen Frühjahrsmesse.

Die Braune Frühjahrsmesse, die im Map" und in der großen Ausstellungshalle Alt- moabit stattfindet, wurde eröffnet. An der Messe, die der Unterstützung des gewerblichen Mittelstan­des dient, nehmen etwa 1500 Aussteller teil.

Kinobrand in Frankreich. 50 verletzte.

Bei einer Kinovorführung in einem Saal des Rathauses von Cadours brach in der Kabine der Filmapparatur ein Brand aus. Unter den Zuschauern entstand eine Panik. Bei dem Drän­gen nach dem Ausgang wurden etwa 50 Personen verletzt.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Wenn der Frühling kommt.

Don Medizinalrat Dr. Weber.

Während des Winters ist durch die mangelnde Bewegung, die mehr sitzende Lebensweise, die warme und schnell verbrauchte Stubenluft und die schwere Winterkost unser Blut schwer und dick ge­worden und von Schlacken überladen, die im Früh­ling ausgeschwemmt werden müssen. Unsere Säfte wollen sich erneuern, wollen den ganzen Verjün­gungsprozeß des Frühlings in der Natur mit- machen. Es spielt sich jetzt ein Kampf in unserem Körper ab, eine lebhafte Reaktion unter dem ge­waltigen Reize der Frühlingsluft, die wir unter Umständen mit rechtem Unbehagen, als sog. Früh­lingskrisen, körperlich und seelisch empfinden. Ab­geschlagenheit, Mattigkeit, Leichternlldbarkeit, mi­gräneartige Kopfschmerzen, unruhiger Schlaf, ge­störte Verdauung machen sich, bei manchen mehr, bei manchen weniger, bemerkbar, können die Lei­stungsfähigkeit im Berufsleben stören und lassen oft an beginnende Krankheiten denken. Und dabei ist doch dies alles nichts anderes, als die Antwort des nicht genügend vorbereiteten Körpers auf die gänzlich veränderten, äußeren Verhältnisse. Es gilt also die Umstellung und Anpassung zielbewußt vor- zubereiten und zu regeln, damit sie sich möglichst schnell, wirkungsvoll und störungslos vollziehen kann.

Sofern die Witterung es irgend erlaubt, werden wir unsere Spaziergänge wieder aufnehmen und unsere Lunge in der Frühlingsluft auslüften, die bald wieder ozonreicher wird, als im Winter. Auch die Zimmer können wieder gründlicher gelüftet werden, als in den kalten Wintertagen, und all­mählich schlafe man auch wieder bei geöffnetem Fenster. Die Betten lege man fleißig in die Sonne und lasse recht viel Sonne in unsere Zimmer. Lang­sam dürfen wir auch wieder mit den Luftbädern und Kaltwasseranwendungen beginnen, die wir haben entbehren müssen, soweit mir gezwungen waren, in kalten Zimmern zu schlafen.

Aber auch von innen heraus vermögen wir die Erneuerung unserer Säfte zu fördern, indem wir uns jetzt auf Frühlingskost umstellen. Die schweren und fettreichen Speisen, die uns die kalte Jahres­zeit vorfchried, haben jetzt zurückzutreten zu Gun­sten der jungen Gemüse und später des frischen Obstes, Milch, Butter, Eier und Gemüse sollen un­sere Tafel beherrschen, das Fleisch spiele eine ge­ringere Rolle, und alle Gemüse- und Fleischkon- serven haben möglichst zu verschwinden. Wer klug war, hat nicht mehr Sauerkraut, Winterkohl und alte Kartoffeln eingelegt, als für den Winter gerade nötig war, damit er sich im Frühling recht bald an die frischen vitaminreichen Gemüse halten kann.

So wird unsere Verdauung kräftig angeregt, eine lebhafte Verbrennung sorgt für schnelle Beseitigung der Schlacken, und die neue Kostform wird wenig Schlacken hinterlassen. Wem das aber noch nicht genügt, der möge durch milde abführende Früh- Nngskuren, geeignete Mineralwässer oder Tees das erstrebte Ziel sicher zu erreichen suchen.

Verordnung

über Waffenablieferungspflicht.

Der Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen, Dr. Best, hat folgende Verordnung betr. Waffenablieferungspflicht vom 4. April 1933 erlassen:

Auf Grund der Verordnung des Reichspräsiden­ten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Fe­bruar 1933 verordne ich.

§ 1.

Alle Personen, die nach dem 6. März 1933 in die NSDAP., die SA., die SS. der NSDAP, oder in den Stahlhelm eingetreten sind, dürfen Schußwaffen, auf die das Gesetz über Schußwaffen vom 12. April 1928 Anwendung findet, weder besitzen noch tragen.

§ 2.

Schußwaffen, die nach § 1 nicht besessen und ge­tragen werden dürfen, find bis spätestens 15. April 1933 bei den Ortspolizeibehörden abzugeben.

t § 3.

Zuwiderhandlungen werden gemäß § 4 der Ver­ordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 bestraft.

Taten für Freitag, 7. April.

1847: der Dichter Jens Peter Jacobsen in Thisted geboren; 1871: der Gynäkolog Wilhelm Zangen­meister in Gotha geboren.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadt­theater: 20 bis 22 vhrAndreas Hallmann". VHC.: Hotel Hopfeld, Monatsoersammlung. Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Der Choral von Leu-

then". Astoria-Lichtspiele (Seltersweg):Radio- Polizei-Patrouille" undKasernenhof".

Amtsniederlegungen.

Von dem Kreiskampfbundführer des Kampfbun­des des gewerblichen Mittelstandes in Gießen wird uns mitgeteilt:

1. Der Vorsitzende der Handwerkskammer- Nebenstelle Friedberg Herr Wilhelm Adam Heß hat fein Amt freiwillig niedergelegt.

2. Der Vorsitzende der Handwerkskammer- Nebenstelle Gießen Herr Georg Becker hat sein Amt freiwillig niedergelegt.

Als kommissarischer Vorsitzender dieser beiden Nebenstellen wurde der Kreiskampfbundführer Schimmel (Großen-Buseck) benannt.

Vorsicht mit der Frühjahrs-Lorchel!

Von der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde. Darmstadt, Hessifche Landesstelle für Pilz» und Hausschwamm-Beratung, wird uns geschrieben:

Die Frühlingszeit ist gekommen. Morcheln, Lorcheln und Becherlinge erscheinen. Die Lorchel vielfach fälschlich Morchel benannt tritt in den Frühlingsmonaten (März bis 3uni) brson- sonders in sandigen Kiefernwäldern truppweise, oft in großer Zahl auf. Der hohle, weißliche Stiel ist mitunter ganz im Boden eingesenkt, so daß nur der braune Hut mit seiner wulstig- faltigen Oberfläche aus der Radelstreu hervor» schaut. Durch ihre braune Schutzfarbe wird die Lorchel oft übersehen.

Roch nicht genügend bekannt ist es, daß die Frühlings-Lorchel (Helvella esculenta) als Gift­pilz sehr verhängnisvoll werden kann. Sie hat auch in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Todesfällen und schweren Vergiftungen verur­sacht. Wie schon vor 100 Jahren bekannt war, bleibt der Genuß der Lorchel meist (nicht immer!) ohne schädliche Folgen, wenn die Brühe der ge­nügend (mindestens 5 Minuten) gekochten Pilze vor dem Genuß weggeschüttet wird. Sorgfältig (ungefähr 2 Woch^en) getrocknete Lorcheln sollen gewöhnlich auch ohne diese Borsichtsmaßregel bekömmlich sein.

Von manchen Menschen wird die Lorchel auch mit dem Kochwa-sser vertragen. Zuweilen tritt erst eine Erkrankung ein, wenn eine zweite Lor­chelmahlzeit in kurzem Zwischenraum nach der ersten stattfanden. Auf jeden Fall bfeiben in bezug auf die Giftigkeit der Lorchel noch mancher­lei Rätsel zu lösen.

Am besten ist jeglicher Genuß der Fr.üh - lingslorchel zu meiden.

Vom Pilzmcrrkt sollte ein Pilz, der schon so viele Todesfälle zur Folge hatte, ganz aus­geschlossen werden, wie das in Oesterreich schon der Fall ist.

** Polizeipersonalie. Polizeimajor Hof­mann, der vom 1. Februar bis 15. Juni 1930, bann vom 1. September 1931 bis 1. November 1932 und neuerdings wieder vom 8. März d. I. bis jetzt in Gießen Kommandeur der uniformierten Polizei war, ist nach Mainz versetzt worden, wo er als Nachfolger des auf feinen Antrag beurlaubten Oberstleutnants Kuhn die Führung der Mainzer Schutzpolizei übernimmt.

** Hessische Schulpersonalien. Vom Ministerium für Kultus und Bildungswesen wur­den mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres be­urlaubt: Direktor Philipp Germann von der Allgemeinen Abteilung der Berufsschule zu Darm­stadt, Rektor Dr. Friedrich Ritte r zu Mainz, Rektor Gottfried Boxheimer zu Bodenheim, Rektor Wilhelm Baum zu Alzey, Derufsschulrek- tor Heinrich Kilian zu Mainz, Lehrer Jakob D e g r e i f zu Mainz, Direktorin Anna S ch m ee l zu Worms. Letzterer wird gleichzeitig die Leitung der Mädchenberufsschule Worms entzogen. Ent­zogen wurde die Leitung der Volksschule dem Rek­tor Dr. Eduard Beriet zu Lorsch und Rektor Ernst R e g n i h zu Bürstadt. Beauftragt wurden Rektor Ferdinand L e m b mit der Leitung der gesamten Volksschule zu Bürstadt, Berufsschulleh­rer Wilhelm F a y zu Darmstadt mit der kommis­sarischen Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Direktors an der Allgemeinen Abteilung der Be­rufsschule zu Darmstadt und Lehrer Heinrich Ro­dri a n mit der kommissarischen Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Rektors an der Volks­schule Gruppe des Rektors Kilian zu Mainz.

" Die Seeschlacht am Skagerrak. Gestern abend vereinigte der Deutschnationale Handlungsgehilken-Verband seine Mitglieder und Gäste zu einem Vortragsabend im Vereins- Heim. Der Vorsitzende des hiesigen Marine­vereins, Herr Ferdinand Link, schilderte seine Erlebnisse während der Skagerrakschlacht. Der Vortragende, der seine Ausführungen oft mit

prächtigem Seern rnnshumor würzte, war damals als Obermaschincst aufSeydlitz". An Hand von Zeichnungen (im Lichtbild) über die Auffahrt der deutschen und der englischen Flotte, wurde man zunächst über die Lage der einzelnen Schiffe und Geschwader informiert, erkannte die Streit­kräfte in ihrer ungleichen Verteilung (auf eng­lischer Seite kämpften 151 Schiffe, auf deutscher nur 73). gleichzeitig aber auch, welche ungeheure Leistung die deutsche Marine in dieser Schlacht vollbrachte. Hierauf wurde man mit vielen inter­essanten Einzelheiten des Schlachtverlaufs be­kanntgemacht. Für die Zuhörer bedeutete der Vortrag ein eindrucksvolles Erlebnis, denn die Ausführungen des Redners gestatteten einen voll­kommenen lieberblick über das große Geschehen der Seeschlacht am Skagerrak. Lebhafter Beifall dankte dem Vortragenden.

Weitere Amtsenthebungen hessischer Bürgermeister.

WSR. Darmstadt, 6. Äpril. Folgende Bürgermeister wurden mit sofortiger Wirkung ihres Amtes enthoben und durch nach­stehende Kommissare ersetzt: Bechtolsheim: Bürgermeister Fr. Wilh. Schuckmann durch 2oh. Eger. Friesenheim: Bürgermeister Georg Rüger durch Johann Henrihi. Hahnheim: Bürgermeister PH. Schömbs durch Otto Heinz. Schwabsburg: Bürgermeister Fr. Raab Hl. durch Karl Eppelsheimer. Helversheim: Bürgermeister Ludwig Phil. Hill durch Karl Bucher. Bechtolsheim: Beigeordneter Fr. Held durch Heinrich Diehl III. Dienheim: Bei­geordneter Philipp Schenk durch Philipp Stein­furth I. Hahnheim: Beigeordneter P. Schön­hals durch Rudolf Best. Schwabsburg: Bei­geordneter H. Jung durch Hans Götter.

Weitere Beurlaubungen in Mainz.

Mainz, 6. April. (WSR.) Heute vormittag sind auf Anordnung des Staatskommissars die Bürgermeister Hiemenz und Maurer be­urlaubt worden.

Sturm auf das Rathaus in Bieber.

WSN. Offenbach, 6. April. Wie dasVolks- blatt" berichtet, sammelte sich gestern nachmittag eine große Menschenmenge vor des Rathaus in Lieber an und verlangte erregt den Weggang des SPD.-Bürgermeisters Marsch. Die Erregung stieg immer mehr, und gegen 18 Uhr schließlich stürmte die Volksmenge das Rathaus. Die SA.-Hilfspolizei war dem Ansturm nicht ge­wachsen und wurde überrannt. Die Tür wurde ein­getreten, die Fensterscheiben zertrümmert und das Mobiliar der Amtsräume des Bürgermeisters, der selbst nicht anwesend war, teilweise demoliert. Auch die zur Verstärkung herangezogene SA. war der erregten Volksmenge gegenüber nicht gewachsen, so daß das Ueberfallkommando von Offenbach gerufen werden mußte. Erst den umsichtigen Anordnungen des mit dem UeberfaUmagen eingetroffenen Hilfs­polizeireferenten beim Polizeiamt Offenbach, Sturm« sichrer Jäger, der auch den Biederer SAi-Sturm führt, gelang es, die erreaten Menschenmassew zu beruhigen und zum Nachhausegehen zu bewegen. Inzwischen hatten sich Hunderte von Menschen vor der Wohnung des Bürgermeisters angesammelt und machten Anstalt, das Haus zu stürmen. Es mußte noch ein weiterer Ueberfallwagen eingesetzt werden. Die Ansammlungen wurden zerstreut. Da aber die Unruhen noch weiter andauerten, um so mehr als auch einige Schüsse fielen, mußten Beamte der 11. Bereitschaft zum Schutze der Wohnung und zum verstärkten Streifendienst in den angrenzenden Straßen zurückgelassen werden. Um die Ruhe wie­derherzustellen, blieb kein anderer Ausweg als der, Bürgermeister Marsch in Schutzhaft zu nehmen. Marburg ehrt Hindenburg und Hitler.

Marburg, 6.April (WSN.) Die neugewählte Stadtverordnetenversammlung nahm nach der Kon­stituierung des Büros und der Wahl der ehrenamt­lichen Magistratsmitglieder in Abwesenheit der sozialdemokratischen Stadtverordneten einstimmig einen Antrag an, durch den Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler zu Ehrenbürgern der Stadt Marburg ernannt wurden. Weiter beschloß das Haus, folgende Umbenennungen vorzunehmen: Friedrichplatz in Adolf-Hitler-Platz, Kasernenstraße in Hermann- Göring - Straße, Uferstraße in Bernhard - Rust Straße, die Oberrealschule in Adolf-Hitler-Schule, die Südschule in Horst-Wessel-Schule, die Nord­schule in Schlageter-Schule. Stadtverordneter Kra­ll, i l i tz k i, der Kreisleiter der NSDAP., betonte u. a. noch, daß die Stadtverordnetenversammlung

nach der Beurlaubung des bisherigen Oberbürger­meisters Müller bestrebt sein werde, der Stadt Marburg einen nationalsozialistischen Oberbürger­meister zu geben. Die Sitzung wurde mit drei- fachem Sieg-Heil aus den Reichskanzler Adolf Hit- l e r und mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes geschlossen.

Unruhen in Limburg.

Bürgermeister und Sladkverordnekenvorsteher bedroht. Landralsamt, Ortskrankenkosfe und Finanzamt attackiert.

WSR. Limburg, 6. April. Gestern abend fand hier eine Stadtverordnetensitzung statt, in der die neugewählten Stadträte ver­eidigt wurden. Rach Erledigung der Tagesord­nung kam es zu stürmischen Kundgebun­gen der zahlreichen Zuschauer gegen den Bür­germeister und denStadtverordneten- v o r st e h e r, die beide dem Zentrum angehören. Man forderte ihre Abdankung und I n - schutzhaftnahme. Die nationalsozialistischen Stadtverordneten versuchten, die Menge zu be­ruhigen, und es gelang ihnen, mit Unterstützung von SA.-Leuten, sie aus dem Saale herauszu­drängen und die Tür zu schließen. Run wurde von draußen ein Sturm auf d ie Saaltür unternommen, die unter den gegen sie geführten wuchtigen Schlägen und Stößen nachzugeben drohte, so daß sich Mitglieder der national- sozialistischen Fraktion mit ihrem Körpergewicht dagegenstemmten. Rachdem 6 21.» Leute den Gang abgesperrt hatten, begaben sich der Bürgermeister und der Stadtverordneten­vorsteher in das Zimmer des Bürgermeisters, wo Verhandlungen mit den nationalsozialistischen Führern stattfanden. Das Ergebnis dieser 2fer- handlungen war, daß beide eine Erklärung unter­schrieben, daß sie sich unter den Schuh der RSDAP. begaben und unter dem Druck der Massen ihre Aemter zur Verfügung stellten. Hinsichtlich des Bürgermeisters wurden im Laufe des Donnerstag Verhandlungen mit dem Regierungspräsidenten aufgenommen. Bür­germeister Dr. K r ü s m a n n ist als tüchtiger Verwaltungsmann bekannt, hat sich aber durch fein Verhalten am 21. März, an dem er sein Haus nicht beflaggte, und andere Vorkommnisse, den Unwillen weiter Devölkerungskreise zugezo­gen. Zu diesen Vorfällen teilt die Fraktion der RSDAP. mit, daß an dem Tumult zum größten Teil der RSDAP. fernste­hende Elemente beteiligt gewesen wären. Der Bürgermeister und der Stadtverordneten- vorsteher wurden unter dem Schutz der SA. in ihre Wohnungen geleitet, die während der ver­gangenen Rächt vonS2l. - Leutengeschützt wurden.

Heute vormittag kam es in der Stadt zu weiteren schweren Ausschreitungen. Seit den frühen Morgenstunden strömte aus dem nörd­lichen Teil des Kreises Limburg eine große Menschenmenge zu Fuß, auf Rädern und in Lastautos in Limburg zusammen. Rachdem die Menge sich stundenlang vor dem Kreishaus aufgehalten hatte, drang sie in das Gebäude ein, riß die Türen des Bureaus auf und trieb d i e Beamten aus dem Gebäude hinaus. Dann drang sie in das Zimmer des Landrats von Bkeitenbach und bedrohte ihn. Der Landrat begab sich daraufhin unter P olizei- schutz. Ein Teil der Menge zog dann zum Ge­bäude der Ortskrankenkasse, besetzte es und veranlaßte den Direktor und zwei Angestellte, das Haus zu verlassen. Das Zimmer des Direk­tors wurde verschlossen. 3m Anschluß daran zog die Menschenmenge, die inzwischen immer stärker angewachsen war, zum Finanzamt und be­setzte auch hier sämtliche Bureaus. Ein Steuer­sekretär, gegen den Beschwerden Vorlagen, wurde zwangsbeurlaubt. Die Menge drang auch in das Zimmer des Finanzamtsleiters ein und bedrohte auch ihn. Herbeigeeilten SA. - Leuten gelang es fchliehlich, das Finanzamt zu säubern und die Menschenmenge zu zerstreuen. Auf die Rachricht von diesen Vorkommnissen hat der Re­gierungspräsident eine Abteilung Schutzpoli­zei von Frankfurt nach Limburg ver­legt. Die Schutzpolizei versieht zusammen mit SA.- und SS. -Leuten als Hilfspoli­zisten den Straßendienst. In der Stadt herrscht über diese Vorkommnisse, von denen die Lei­tung der RSD21P. abrückt, große Erre­gung. Heute nachmittag wurde vom Regierungs­präsidenten an Stelle des bisherigen Bürgermei­sters der Stadt Studienrat Dr. G i ch h o<n (RSDAP.) als kommissarischer Bür­germeister bestellt.

Obecheffen.

Landkreis Gießen.

X Großen-Linden, 6. April. Die Orts­gruppe Grotzen-Linden des Arbeiter-Sa- mariter-Bundes wurde von drei hiesigen SA.- Leuten aufgelöst. Eine Reubildung einer Roten-Kreuz-Gruppe" fand nicht statt. Die Ge­räte wurden bis auf weiteres von den SA.- Leuten sichergestellt.

' Leihgestern, 6. April. 3n einer außer­ordentlichen Generalversammlung hat sich der seit 1925 bestehende Arbeitergesangver­ein aufgelöst. Anschließend wurde auf An­trag aus der Versammlung ein neuer 23er- e i n gegründet, der den RamenM änner - gesangverein Harmonie" führt. Es tra­ten sofort 35 Sänger bei, die gewillt sind, das deutsche Volkslied zu pflegen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Heinrich Schäfer gewählt.

! Rabertshausen, 6. April. In einer von Blockmart Rudolf Sang einberufenen Versamm­lung wurde die L i st e für die neue G e - meinbeoertrefung aufgestellt. Da unser Dorf bei der letzten Wahl geschlossen nationalsozla- listisch wählte, setzt sicb der Gemeinderat nur aus Nationalsozialisten zusammen. Dem Gemeinderat gehören in Zukunft an: Konrad Hofmann, Land­wirt; Adolf Walther, Landwirt; Karl Faber, Maurer; Karl Hofmann IIL, Landwirt; Hein­rich Reichhardt, Landwirt; Konrad Schauer­mann, Arbeiter, und Otto Meck, Landwirt.

Kreis Alsfeld.

Kirtorf, 6. April. Dieser Tage traf hier eine Abteilung des 3nfanterie-Regiments, 3 ä - gerbataillon Kassel auf Lastautos ein und nahm zu einer Mittagspause Aufenthalt. Die Abteilung in Stärke von etwa 50 Mann be­fand sich zu einer Geländeübung auf dem Weg nach Marburg und stand unter dem Kom­mando des Leutnants Frhrn. Hubert Schenck

zu Schweinsberg von Kirtorf. Die hiesige Einwohnerschaft nahm lebhaften Anteil an dem Erscheinen der Soldaten. 3n der Pause besichtig­ten die Gäste das Städtchen. Rach einstündigem Aufenthalt wurde die Fahrt nach Marburg fort­gesetzt.

ss. Grebenau, 5. April. Die vom Forst- a m t Grebenau durchgeführte Rotstands- arbeit ist in vollem Gange. Zur Zeit werden etwa 50 Rotstandsarbeiter von Grebenau und den umliegenden Ortschaften beschäftigt. Die von der Gemeinde Grebenau durchgeführte Rolstandsarbcit ist beendet. Sämtliche Rolstands- arbeder wurden vom Forstamt übernommen. Fer­ner kann in nächster Zeit mit der Bildung eines geschlossenen Arbeitslagers mit etwa 150 Dienstwilligen gerechnet Werdern

ll. Rieder-Ohmen, 5. April. Der Ge­sangvereinEintracht" hielt dieser Tage in der Wirtschaft von Ziegenhain seine General- verfainmlung ab. Rach der Prüfung der Rech­nung konnte dem Rechner Entlastung erteilt wer­den. Der bisherige Vorstand wurde wieder- gewählt. Für fleißigen Besuch der Gesangsstun­den wurden 13 Mitglieder geehrt; sie erhielten die Silberne Ehrennadel des Vereins. Zum Schluß wurden noch einige organisatorische Fragen er­ledigt.

Siraßenumbenennungen in Worms.

Worms, 6. April. (WSN.) Die Nationalsozia­listen, die im neuen Stadtrat die absolute Mehr­heit haben werben, haben folgende Straßen­umbenennungen beantragt: die frühere Fest­hausstraße soll Horst-Wessel-Straße heißen; die frühere Donnersbergerstroße wirb Adolf-Hitler« Straße benannt; die Bebelstraße wirb umbenannt in Peter-Gemeinber-Straße, die Windthorst-Straße in Schlageter-Straße, die Mainzerstrasie von ber Johanniter'straße ab in Hobelsberger-Straße. Die Stadtverwaltung hat das Erforderliche veranlaßt.