Ausgabe 
6.3.1933 Erstes Blatt
 
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{erraffen der CasSs, von der Auffahrt und von den Treppen der Oper, der Nationalgalerie jubelten die Heilrufe und grüßten winkende Fahnen und Ta­schentücher. Kurz vor dem Ehrenmal in der Alten Wache wendet sich Duesterberg um und kommandiert:Achtung! Die Augen links" Und dann werden im Paradeschritt die gefallenen Brü- der des Weltkrieges geehrt. Die Kapellen spielen das Lied vom gefallenen Kameraden und die Na­tionalhymne.

Ueber die Brücke der Spree, die viele hundert Meter weit in vielen Reihen umsäumt ist, ziehen die endlosen feldgrauen Kolonnen. Silbern leuchten über der Schloßfreiheit die Kuppeln des Domes und des Schlosses in den verdämmernden Tag. Als der letzte Stahlhelmmann über die Spreebrücke zur Schloßfreiheit geschritten ist, bereiten sich die Wahl­vorsteher auf das Zählgeschäft vor, liegt das Bekenntnis des deutschen Volkes in der Wahlurne. Fackeln werden am Abend entzündet. Gesänge und Marschweisen erfüllen die Straßen der Stadt.

Wie -er Bayerische Landtag aussehen würde.

M ü n ch e n, 6. März. (CNB.) Bei rund 4,4 Mil­lionen abgegebenen Stimmen würde sich ein am heutigen Tage neugewählter Bayerischer Landtag, dessen Abgeordnetenzahl mit 128 feststehend ist, wie folgt zufammensetzen:

Nationalsozialisten 58 Mandate Bayerische Volkspartei 40

Sozialdemokraten 18

Deutnationale 5

Kommunisten 5

Bauernbund 2

Die Regierungsparteien im Reich verfügen demnach im Bayerischen Landtag über 63 Stim­men, denen 65 Stimmen der anderen Parteien gegenüberstehen. Die einfache Mehrheit wäre im Bayerischen Landtag nicht erreicht. Andererseits würde aber auch die Bayerische Volks­partei nicht mehr in der Lage fein, mit dem Bauernbund und den Sozialdemokraten eine einfache Mehrheit zu schaffen, da diese Kombination nur über 60 gegen 68 Mandate der Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Kommunisten verfügen würde. Daß die Verhandlungen über die Regierungsbildung in Bayern durch den Ausgang der Reichstagswahl erheblich beeinflußt werden dürften, läßt sich aus diesen Ziffern klar erkennen. Man wird daher der Entwicklung in Bayern in den nächsten Wochen mit besonderem Interesse entgegensehen müssen.

Kurswechsel in Hamburg.

Ein Nationalsozialist Polizeiherr. Rück« tritt Bürgermeister Petersens

Hamburg, 5.Marz. (IU.) Auf Ersuchen des Reichsinnenministeriums Hal der hamburgische Se­nat am Sonntagabend den früheren Oberleutnant der Hamburger Ordnungspolizei Richter (Jlatio- nalsozialisiischer Vürgerschaftsabgeordneter) zum Po­lizeiherren von Hamburg ernannt Amtlich wird dazu mitgeteilt: Der Reichsminister des Innern hat angeordnet, daß dem nationalsozialistischen Abge­ordneten Richter unverzüglich die Polizei- gewalt übergeben wird. Der Senat hat sich unter Einlegung aller Rechtsverwah­rung der Anordnung gefügt Bürgermei­ster Dr. Petersen hat seinen Rücktritt erklärt

Die SA. hatte sich gegen 21 Uhr In Stärke von etwa 700 Mann vor dem Rathaus auf dem Rathausmarkt versammelt uud ist gegen 22 Uhr unter dem neuernannten Polizeiherren Rich­ter in das Rathaus einmarschlert Auf den beiden großen auf dem Rathausmarkt stehenden Flaggenmasten wurde unter großem Jubel einer großen Menschenmenge die Hakenkreuzfahne gehißt, währenddessen die Menge das horst- wessel-eied und das Deutschland-Lied anstimmte. Der neue Polizeiherr, der übrigens, wie verlautet, zum Reichskommisfar für Hamburg ernannt werden soll, hielt vom Balkon des Rat­hauses, von dem herab ebenfalls eine große Haken­kreuzfahne flattert eine Ansprache.

Berichtigte Mandatsverteilung im preußischen Landtag.

Berlin, 6. Marz. (WTB. Funkspruch./ Das bisher mitgeteilte Ergebnis über die Verteilung der Mandate im Preußischen Landtag wird a m t - I i ch dahin berichtigt, daß die in Listenverbindung stehenden Gruppen der Deutschen Volks- Partei, des Christlich * Sv). Volks- dienstes und der Deutsch - Hannover­schen Partei zusammen nicht vier, sondern sechs Mandate errungen haben. Der radikale Mittelstand hat sieben Mandate erhalten. Die Gesamtzahl der Abgeordneten erhöht sich damit von 472 auf 474. (1932: 422.)

Das im Morgenblatt gemeldete Gesamter­gebnis der Reichstagswahl bedarf in­sofern einer Berichtigung, als Deutsche DolkS- partei und Christlich-Sozialer Dolksdienst zu­sammen acht Mandate erhalten haben. Die Ge­samtziffer der Mandate im aufgelösten Reichstag betrug 575 nicht 572.

2500 neue Hilfslehrerstetten in Preußen.

Berlin, 4. März. (WTB.) Da zu Ostern 1933 in der Volksschule mit einem Anwachsen der Schulkinderzahl und mit einer Stei­gerung des Stund enbedarss zu rechnen ist, wird die preußische Llnterrichtsverwaltung der Lage durch eine vermehrte Beschäf­tigung von Lehrkräften Rechnung tra­gen. Der Staat wird au Ostern 1933 2500 HiliS- lehrerstellen neu schaffen und in diese ©teilen Schulamtsbewerber einberufen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empfing heute den Reichskanzler Hitler zum Dortrag.

Auf dem Turm der Rathäuser in Kassel, Karls­ruhe, Freiburg, wurde heute früh von Nattonal- sozialisten eine Hakenkreuzfahne gehißt

General Edwin vonStülpnagel, Vorsitzen­der des Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung, ist gestorben.

Der Bürgermeister von Ehikago, Cermat, der bei dem Revolverattentat auf Präsident Roosevelt schwer verletzt worden war, ist heute im Kranken­haus gestorben.

Der SiaWelwaufmarsch in Berlin.

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Der Marsch der Stahlhelmer durch das Brandenburger Tor und die Linden zum Schloßplatz

Berlin, 5. März. (Täl.) Am Sonntagnach­mittag waren die Straßen Unter den Linden und die Umgebung des Lustgartens wieder das Ziel vieler Zehntausender. Während des ganzen Vor­mittags waren aus allen Teilen des Reiches Stahlhelmzüge in Berlin eingetroffen und von der Bevölkerung freudig begrüßt worden. Mit klingendem Spiel marschierten die feldgrauen Kolonnen, in denen auch die Prinzen des preußi­schen Königshauses waren, unter Führung des 2. Dundesführers Oberstleutnant a. D. Düster- b e r g durch das Brandenburger Tor, die Linden entlang zum Lustgarten. Die Linden waren wie­der von einem undurchdringlichen Wall von. Menschen angefüllt, die ihrer Freude durch Hoch­rufe und unermüdliches Tücherlchwenken Ausdruck gaben. Stundenlang widerhallten die Straßen von den Jubelrufen. Vom Valkon des preußi­schen Innenministeriums Unter den Linden herab sah Reichsminister Göring in Begleitung eines Stahlhelmführers dem Marsche zu. Der Berliner Polizeipräsident v. Levetzow war schon vor dem Eintreffen der ersten Züge auf der Schloh- rampe erschienen und begrüßte hier den 2. Bun­desführer Düsterberg und später auch den 1. Bun­desführer Reichsarbeitsminister Seldte sowie den Vizekanzler v. P a p e n. 3m Lustgarten hielt der 2. Bundessührer Düsterberg eine Ansprache, in der er zunächst den Feldgrauen Kenntnis gab von folgendem an ihn gerichteten Bries des Reichspräsidenten v. Hindenburgs

Mit herzlichem Dank nehme ich das Treue- gelohnte entgegen, das Sie mir im Rahmen des Stahlhelms und der gerade heute in Berlin versammelten S tahlhelmkameraden ausgesprochen haben. Ihrem Wunsche, eine persönliche Begrüßung der alten Frontsoldaten

entgegenzunehmen, konnte ich leider aus den Ihnen mündlich mitgeteilten Gründen nicht entsprechen. Ich bitte Sie daher, meinen alten feldgrauen Kameraden meine herzlich- ften Grüße zu übermitteln und ihnen zu sagen, daß ich als ihr alter Führer und ihr Ehrenmitglied mich in treuer Zusammengehö­rigkeit mit ihnen vereint fühle.

Weiter führte Düsterberg u. a. aus: Die Stahl- helmauffassung, daß nur im Zusammen - fassen aller nationalen K r ä f t e eine nationale Führung gebildet werden könne, hat sich durchgesetzt. Die alten Stahlhelmziele, innere und äußere Befreiung, Gleichberechtigung und Wehrhoheit sind Staatsziele geworden. Wir im Stahlhelm erwarten, daß die nationale Regierung das durch die Rovembcr-Revolution 1918 nicht eingelöste Versprechender Dank des Vaterlan­des ist euch gewiß", nun endlich als vornehmste Ausgabe anerkennt und einlöst. Die Lage der Schwerkriegsbeschädigten, der Krie­gerwitwen und -Waisen muß und kann gebessert werden. Hier handelt es sich um Er­füllung einer vaterländischen Ehrenpflicht.

Wir erwarten aber ferner, daß nun endlich bei gleichen Leistungen und Können und selbstver­ständlich einwandfreiem Charakter die alten Feld­grauen bei der Besetzung von Beam- t e n ft e 11 e n, aber auch in der Wirtschaft sicht­bar bevorzugt werden. Erst kommen die in Hunderten von Schlachten bewährten alten Frontsoldaten, dann die jugendlichen Kämpfer der Nachkriegszeit. Nach einer kurzen Ansprache des Reischarbeitsministers Seldte und dem Gesang des Deutschland-Liedes erfolgte der Vorbeimarsch an der Bundesführung, der stundenlang andauerte.

Minister an der Wahlurne.

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Oben links: Reichsminister Dr. Hugenberg (X) vor feinem Wahllokal. Oben rechts: Vizekanzler von Popen hat feine Stimme abgegeben. Unten links: Reichsinnenminister Dr. Frick verläßt das Wahllokal in der Kanonie^traße. Unten rechts: Der Berliner Polizeipräsident von Levetzow mit seinem Adjutanten am Eingang zum Wahllokal seines Wohnbezirks.

Die französischen Gicherheits- forderungen in Genf.

Genf, 4. März. (WTB.) Die politische Korn- Mission der Abrüstungskonferenz ist in ihren Be­ratungen zu dem Kernstück der französischen Sicher­heitsforderungen übergegangen. Es handelt sich um das in dem französischen Plan entwickelte engere kontinentaleuropäische System, durch das die kontinentaleuropäischen Staaten sich z u gegenseitiger Hilfeleistung bei Der- letzung ihres Gebietsfriedens verpflichten soll. Das vorgeschlagene Sicherheitssystem soll militärischer und politischer Natur fein.

Paul-Boncour entwickelte nochmals den französischen Plan. Er erklärte, der Hauptausschuß solle sich jetzt über das Prinzip des franzä- fischen Planes aussprechen. Die Einzelheiten tonn­ten dann den Teilberatungen vorbehalten bleiben. Paul-Boncour betonte nochmals, daß Frankreich auf dem Sicherheitsgebiet insbesondere drei Sor­tierungen stelle:

1. Vereinheitlichung der Heerestypen,

2. Umfassende Abrüstungskontrolle,

3. Gegenseitige Hilfeleistung.

Bezüglich der Definition des An- greif er s, die notwendig sei. hätte die fowjet- rufsifche Delegation einen brauchbaren Vorschlag gemacht. Paul-Boncour erklärte zum Schluß, daß man sich jetzt inmitten der großen Ente fcheidungen befinde.

An die Ausführungen des französischen Außen- Ministers schloß sich eine Aussprache an, in der die Vertreter Spaniens und der Kleinen Entente sich für den französischen Plan aussprachen. Der deutsche Botschafter N a d o l n y übte in Form allgemeiner Bemerkun­gen sachliche Kritik an dem französischen Plan. Er ging dann eingehender auf Die Frage der Bildung von Staatengruppen ein. Jedes System einer gegenseitigen Hilfeleistung müsse so organisiert sein, daß die nationalen Interessen eines einzelnen Staates oder Staaten­gruppe nichi den Ausschlag gebe. Dann wurde die weitere Beratung auf Dienstag vertagt.

ÄeuWland und der Ofttonflitt

Japan Will die deutschen Mandats­gebiete behalten.

Berlin, 4. März. (CNB.) Der japanische Dol- kerbundsdelegierte M a t f u o f a empfing in Berlin Pressevertreter, um ihnen Erklärungen über die Haltung Japans abzugeben. Matsuoka betonte, Ja- pan zweifle keinen Augenblick an dem Erfolg der deutschen Wiederaufbaubemühungen, erwarte aber, daß man auch für b i e japanischen Exi° stenzkämpse Verständnis zeige. Nach einer Darstellung des Verlaufs der Dölkerbuntisversamm- lung und kritischen Anmerkungen zu dem Beschluß, der auf der bloßen Fiktion eines einheit­lichen chinesischen Staatswesens und auf Unkenntnis der tatsächlichen Verhällnisie im Fernen Osten beruhe, fuhr Matsuoka fort: Die Be­hauptung, daß durch Das Entstehen und Bestehen von Mandschukuo eine Irredenta in China geschaffen würde, ist einfach lächerlich. Im Gegen­teil: Japan betrachtet eine volle Entwicklung von Mandschukuo als den Eckstein einer friedlichen Ent­wicklung im Fernen Osten. Ich hatte Tokio in der Hoffnung verlassen, daß es mir .gelingen würde die schwierige Lage, in der Japan sich befindet, gründ- lich klarzustellen und daß durch die Zusammenarbeit der Völker diese Schwierigkeiten überwunden wür­den. Drei Monate später verließ ich Genf. Meine Hoffnungen waren zu nichts geworden, ausgenom­men eine einzige: daß Japan, ob es sich innerhalb des Völkerbundes befindet oder aus diesem aus­scheidet, fest entschlossen ist, an seiner höchsten Auf- aabe, nämlich den Frieden irn Fernen Osten wiederherzu st eilen und zu schützen, unbedingt festzuhalten. Das sage ich in dem Bewußt­sein, daß eine Nation von 90 Millionen Menschen in dieser Frage einmütig hinter mir steht. Ich zweifle nicht, daß auch die 30 Millionen Einwohner Mcmdschukuos unsere Auffassung teilen.

Auf die Frage eines Pressevertreters, ob Ja­pan für den Fall seines Austritts aus dem Völ­kerbund die ehemaligen deutschen Kolonien, die Mariannen und Karolinen, an den Völkerbund zurückgeben werde, erklärte Matsuoka, die beiden Inselgruppen habe Japan von den Alliier­ten schon erhalten, bevorderDölker- bund bestanden habe. Die Mariannen und Karolinen seien keineswegs Mandatsgebiete. Ja­pan habe nicht die Absicht, schon aus stra­tegischen Gründen die Inselgruppen zurückzu­geben.

Die ganze Provinz Zehol in japanischen Händen?

Tokio, 4. März. (Täl.) Nach einer Meldung aus Mukden teilt das japanische Oberkommando mit, daß eine Vorhut der japanischen Kavallerie in der Nacht vom 3. zum 4.März in die Hauptstadt von Jehol. Tschende, ein» - gedrungen ist. Es spielten sich schwere Straßenkämpfe ab, wobei die Japaner von den Chinesen aus Häusern her­aus beschossen wurden. Es wurden 18 000 Gefangene, darunter 6 Generäle und eine Anzahl anderer höherer Offiziere der chinesischen Armee gemacht. Auf dem Gebäude der Kom­mandantur weht die japanische Kriegsflagge. Der japanische Oberbefehlshaber hat mitgeteilt, daß mit dem Fall von Tschende die ganze Provinz Jehol besetzt sei.

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Aus aller Welt.

Schwere Explosion in Schanghai. 30 lote.

Eine neue schwere Explosion ereignete sich in einer Gummi-Vulkanisierfabrik in dem Schang­haier Chinesenviertel Tschapei. 30 Angestellte, in der Hauptsache Frauen, wurden getötet. Das ganze Gebäude der Fabrik wurde vernichtet.

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Bei P lauen i. Dogtl. geriet ein mit Mit­gliedern des Arbeiter-TurnvereinsEiche" be­setzter Lastkraftwagen in einer Kurve inS Schleudern, raste in voller Fahrt auf den Bürgersteig und stürzte einen Abhang hin­unter. Fünf der Insassen wurden schwer und neun leicht verletzt. Im Krankenhaus ist ein Schwerverletzter gestorben.

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