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8reltag,b.?anuar 1935
185. Zahrgang
Nr.5 KvühaussaVe
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
pnl(f nn» Perlon: vrLHI'Iche Unweifiiäir-Vuch- und Steinöruderei H. £me in Metzen. Schristleilnnq und SeschistrNelle: S-hu'tr^e 7.
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Dr. Friede. Wilh. Longe. Verantwortlich für *Doliti6 Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und 'ür benAnzeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich 'N Biegen
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Die Pflegerin trug eine Pistole unter der Schürze verborgen. Sie rückte Trajanosfs Kissen zurecht und gab dabei drei Schüsse aus Kops und Brust Trajanosfs ab mit dem Ruf „Dies ist für Eslirnoffs". Daraufhin stellte sie sich selbst der Polizei. Im Verhör gab sie an, daß sie d i e Pi st ole und den Mordbesehl unter Todesdrohungen durch einen unbekannten Mazedonier am Nachmittag erhalten und als gebürtige Mazedonierin, die mit den Gebräuchen der Jmro vertraut sei, den Auftrag ausgeführt habe. Die Mörderin ist 26 Iahre alt, aus Bulgarisch-Mazedonien gebürtig und seit sechs Iahren im Krankenhaus angestellt. Aus Furcht vor neuen Racheakten wurden die wegen Mordes an Lftimoffs Verhafteten unter scharfer Bewachung in Gefängnisse in der Provinz gebracht.
GcharferWahlkompf inIrland
Dublin, 5. San. (WTB.) Der Wahlkampf im Irischen Freistaat verspricht äußerst scharf zu werden. Die beiden Hauptparteien wollen je hundert Kandidaten für die 153 Sitze des Abgeordnetenhauses aufstellen. Der Führer der Oppositionspartei Cosgrave gab gestern zu, baß die geplante Bildung einer geschlossenen nationalen Partei infolge der Kürze der verfügbaren Zeit nicht mehr möglich sei, indessen wolle man versuchen, örtliche Wahlabkommen mit den kleineren Oppositionsparteien abzuschließen. Die Anhänger de Dalcras zeigen große Zuversicht und erklären, sie rechneten damit, neun neue Sitze zu gewinnen. Die
Arbeiterpartei hat trotz ihrer Meinungsverschiedenheit mit der Regierung wegen der-Kür- zung der Bezüge der staatlichen Angestellten gestern abend beschlossen, nach wie vor m i t d e Balera zusammenzugehen. Dieser wird heute in einer groben Wahlversammlung in Dublin den Wahlfeldzug der Partei der Gegner des englisch-irischen Vertrages eröffnen, während Cosgrave am Samstag seine erste Wahlrede halten wird. Er hat dafür Cork ausersehen und für die dort angesetzte Versammlung werden die allergrößten Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Cosgrave wird voneinerbewaffnetenLeib- garde begleitet sein. Jeder Kraftwagen seines Zuges soll ein Maschinengewehr mit sich führen.
LlmzugSverboi in Lippe.
Detmold, 5. San. (TU.) Sn Lemgo kam es am Donnerstag zu einem Wortwechsel zwischen Rationalsozialisten und Kommunisten. Ein größerer Trupp Kommunisten siel über mehrere SA.-Leitte her, wobei sie eiserne Stangen und Beile verwendeten. Ehe noch die Polizei einschreiten konnte, hatten die Rationalsozialisten drei Verletzte. Ein SA.-Mann trug eine schwere Wunde am Kopf davon, die seine Einlieferung ins Krankenhaus erforderlich machte. Rach der Erklärung von Augenzeugen liegt die Schuld ausschließlich aus Seiten der Kommunisten. Die Lippische Landesregierung hat darauf eine Verordnung erlassen, nach der sämtliche Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel in Lippe mit sofortigen Wirkung verboten sind.
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Oiemazedonischesdrage.
Dor dem großen Weltkriege war ..azedomen ein ständiger Brandherd in Europa. Wer das Land bereiste, war erstaunt, wie dieses armselige, wirtschaftlich unergiebige Gebiet in einer so leidenschaftlichen Weise umkämpft sein konnte. Eine große Wüste st e i n i g e r 'Berge, unter der Türkenherrschaft vollständig abgeholzt, daher regenarm und verdorrt, nur in den Tälern noch Grünflächen für die Büffel« und Hammelherden. Wenige Städte, die zudem von geringem Reichtum zeugen, große Gebiete entvölkert, da keinerlei Eristenzmöglichkeiten gegeben sind. Die wenigen Straßen, die in Serpentinen durch das kahle Gebirgsland ziehen, führen an Ruinen vorbei, an den Ueberresten einstiger Siedlungen, die in dem jahrhundertealten Bruderkrieg ausgerottet wurden. Es kaum ein trostloseres Stück Land in Europa und jedenfalls feind, das weniger begehrenswert ist.
Es sind also nur Ideen, um die gekämpft wird. Und das kommt wohl daher, weil bei der wirtschaftlichen Unergiebigkeit sich kaum eine Beschäftigung für die Männer ergibt. Das bißchen Feldarbeit besorgen die Frauen, der Mann begnügt sich damit, ein Held zu fein. Man kann sich kaum genügsamere Leute vorstellen. Die Mazedonier bewohnen Häuser, die nur aus aufgeschichteten Steinen oder aus Maisstroh erbaut sind. Die Rahrung besteht aus Brot und Schafkäse. Die Kleidung reicht meist für ein Lebensalter. Der Erdboden in den armseligen Hütten dient den meisten als Echlafstätte. Bei dieser gesunden und genügsamen Lebenswe'.se werden die Helden 100 Jahre alt. Es sind feurige Kopfe, die sich außer Zigarettenrauchen hauptsächlich nur nut
Politik abgeben.
Das Land gehörte 400 Jahre hindurch den Türken, die es ausgebeutet und verwüstet haben. Aus der Feindschaft gegen die Türken entstand die Mazedonierbewegung, Die sich in den Köpfen und Seelen um so tiefer ein» nistete, je grausamer sie unterdrückt Wurde. Als dann in dem ersten Balkankrieg die Türken von den Bulgaren und Serben aus Mazedonien verdrängt worden waren, war das Mazedonierideal an sich erfüllt. Da aber eine Bewegung vorhanden war und die politisierenden Köpfe Beschäftigung suchten, setzte nun der Streit darüber ein, obMazedon en den Serben oder den Bulgaren gehörte. Es ist nach Geschichte und Bevölkerung kaum bestreitbar, daß es sich u m b u l - garisches Land und bulgarische Bevölkerung handelt. Da aber die Bulgaren in dem zweiten Balkankrieg von den Serben besiegt worden waren und diese das Land in eine strenge polizeiliche Kontrolle nahmen, hatte die Mazedonierbewegung eine neue Zielscheibe für ihren Tatendrang. Es setzte innerhalb des Landes ein Kleinkrieg ein, der mit einer unvorstellbaren Leidenschaft geführt wurde. Die von den Serben eingesetzten Beamten, die an- gesiedelten Serbeniamilien wurden verfolgt und von den Flintenschüssen, die in diesem Terrain allzu leicht aus dem Hinterhalt losgehen, zum großen Teile audgerottet. Andererseits wurden Straf- und Rachefeldzüge gegen die bulgarischen Freiheitskämpfer durchgeführt. Die bulgarische Regierung in Sofia hatte natürlich ihre Freude an diesen bulgarischen Patrioten, sie hat ihnen wohl auch auf Umwegen geholfen, sie konnte aber auf Vorstellungen der serb scheu Regierung die Achsel zucken und ihre Unschuld erklären. In dem Weltkrieg haben die deutschen und bulgarischen Truppen alsdann Mazedonien für Bulgarien zurückerobert, und es Ware wohl die beste Losung gewesen, man hatte me.es von politischen Fanatikern erfüllte Land, das fast nur aus Steinen besteht und eine geringe ökonomische Bedeutung hat, den Bulgaren gelassen. Man sand es aber für richtig, Makedonien unter den Kriegsgewinnlern, den Serben und Griechen, aufzuteilen und der mazedonischen Bewegung dadurch neuen Auf
trieb zu geben.
Da die Führer der mazedonischen Bewegung aus ihrer serbisch gewordenen Heimat flüchten mußten und in das Stammland Bulgarien zurückkehrten, ist dieses mit einer Schar politischer Fanatiker beglückt worden, die ihm durchaus keine Freude bereiten. Gewohnt zu kämpfen, zu schießen, Umtriebe und Aufruhr zu veranstalten, nur keiner richtigen Beschäftigung nachzugehen, haben sie sich nunmehr inBulgarienselbst ein Kriegsland geschaffen. Wie es bei Parteikämpfen üblich ist. haben fie fieß in mehrere Lager zerspalten und der glühende Patriotismus tobt sich nun darin aus, den anders gesinnten Bruder mit Hilfe des Schießgewehrs von der Unrichtigkeit feiner Auffassung zu überzeugen. So kommt es. daß immer wieder von Zett zu Zeit Rachrichten über Morde unb Ueberfalle in Sofia zu unseren Ohren gelangen. Man regt sich in Euwpa heute darüber nicht weiter auß denn die Welt hat andere Sorgen. Man kann aber nur bedauern, daß das ruhige arbeitsame ganz auf den Aufbau des Landes bedachte bulgarische Volk durch diese nationalistischen Hitzkopfe, die sich eine Art Staat im Staat geschaffen haben, immer wieder in Unruhe und Schrecken versetzt wird.
In Sofia gibt es bereits ein ganzes Stadtviertel, das zum anerkannten Quartier der mazedonischen Freischärler wurde. Die Freiheitshelden werden hier im Schießen aus- aebildet und mit Lebensrnitteln versorgt. Die Führer dieser zur Zeit wenig sinnvollen Bewegung erfreuen sich zwar immer nur kurze Zeit ihrer Herrschaft, denn sie können mit Sicherheit damit rechnen, in Bälde auf einem fjarmLoten Spaziergang in Sofia niedergeschossen zu wer-
Oie Katastrophe der Atlantique.
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Das Wrack des französischen Riesenschiffs „ß’2ltl q n t i q u e", das im Aermelkanal brennend der Küste zutreibt. 18 Mann der Besatzung des stolzen Dampfers verloren bei der Katastrophe ihr Leben. — Unser Bild wurde von einem Flugzeug aufgen ommen, das das Photo nach London brachte, von wo es telegrapisch nach Berlin übermittelt wurde.
Nach den letzten Pariser Meldungen treibt der französische Luxusdampfer „Atlantique" als brennendes Wrack auf dem Ozean und ist verloren. Das Wrack wird von drei Schleppern verfolgt und beobachtet, die aber wohl nur die Tatsache des Untergangs werden berichten können. Die Brandtatastrophe und ihre möglichen Ursachen interessieren nicht nur die französische Oeffentlich- teit, sondern alle an der Schiffahrt interessierten Völker. Brände auf Schiffen, auf modernen Schiffen sind äußer st selten und werden, wenn sie einmal vorkommen, durch die auf jedem Schiff vorhandenen Feuerlöschvorkehrungen rasch unterdrückt.
„Feuer an Bord" ist ein Schrecksignal, das selbst auf alte, in allen Gefahren der Seefahrt gefestigte Matrosen eine unheimliche Wirkung ausübt.
Trotzdem ist dieses Signal noch lange kein unmittelbares Gefahrensignal, denn selbst früher, als die Schisse noch keine Feuerlöscheinrichtungen besaßen, weil man auch an Land noch mit dem Eimer löschte, ist auf vielen Schiffen Feuer ausgekommen, aber nur wenige Schiffe sind durch Feuer vernichtet worden. Die häufigsten Brände entstanden durch
Selbstentzündung im Laderaum und da dauerte es oft tagelang, bevor der Brand offen ausbrach. Die Führer der Schiffe konnten von der ersten Feststellung des Brandes ziemlich genau berechnen, wie lange es noch dauern würde, bis der Brand den Schiffsrumpf erfaßt, und danach berechnen, welchen Hafen sie noch rechtzeitig erreichen konnten. So lebten die Seeleute tagelang auf dem brennenden Schiff, nur die aufsteigenden Gase, die immer größer werdende Bodenhitze erinnerte sie daran, daß ihr Schiff zu einem Vulkan geworden war, der jeden Augenblick ausbrechen konnte. Aber das war zu Zeiten, als der Beruf des Seemanns wegen feiner vielen Gefahren besonders harte, entschlossene Naturen verlangte. Die Zeiten sind längst vorbei.
heule ist ein Schiff, vor allem ein Passagier- darnpfer gegen eine an sich nur geringe Jeuers- gesahr mit allen Errungenschaften der Feuer- löschtechnik geschützt.
Wie bei den Warenhäusern, durchzieht das ganze Schiss eine Wasseranlage, überall sind Hydranten
angebracht und Schläuche, außerdem Kohlensäure- und Schaumlöschapparate. In den Arbeitsräumen der Schiffsführer sind selbsttätige Temperaturmeßgeräte angebracht, an denen jede verdächtige Heber» Hitzung sofort abgelesen werden kann.
Alle diese Schutzeinrichtungen waren auch bei der „Atlantique" angebracht, denn das Schiff gehörte zu den modernsten Luxusschiffen, das mit finanzieller Hilfe der französischen Regierung zu dem Zweck erbaut worden war, den internationalen Südamerikalinien ebenbürtige Konkurrenz zu machen. Es ist auch nicht anzunehmen, daß etwa eine Pflichtverletzung seitens der Mannschaft dazu geführt hat, daß der Brand sich über das ganze Schiff ausdehnen konnte. Gegen diese Annahme spricht der Umstand, baß ber anbere französische Luxusdampfer „George P h i 1 i p p a r“ erst vor einem Iahre burch Feuer vernichtet würbe. Solche Katastrophen führen bekanntlich immer zu einer strengeren Handhabung ber lieber- wachungsvörschriften unb sie wirken auch erzieherisch auf bas Derantwortungsbewußtsein ■ ber Besatzungen. Die Sachverstänbigen stehen vor
ben. Es Hilst ihnen oft nichts, baß sie sich mit Leibwächtern umgeben, bie vor unb hinter ihnen gehen benn ein Revolver ist rasch gezogen unb abgebrückt. Der frühere Schriftleiter ber maze- bonischen Wochenschrift ..Le-Maceboin'. gegen ben bas neue Attentat der Terrorliga gerichtet war, gehört einer der beiden Wazedoniergruppen an, die sich gegenseitig bekämpfen. Er sollte daher als Feind der anberen Gruppe sterben. Er ist zwar mit einem schweren Bauchschuß bavonge- kommen, aber es gab um ihn ßerum zwei Tote unb sechs Schwerverletzte. Das bulgarische Bolt möchte seine mazebonischen Freunbe. bie es einst rief unb bie seinem Rationalstolz manche Freude bereitet haben, sicherlich im Innersten gern wieher los werben. Da jebe Unfreundlichkeit mit Pistolenschüssen vergolten wirb, ist dies eine schwere Aufgabe. Die Regierung muß mit bieiem schwerbewaffneten Drubervolk rechnen, um nicht neues Blutvergießen heraufzubeschworen. Sie wirb sich trotzbern ber Ausgabe nicht entziehen können, biese Unruhestifter langsam aber sicher zur Vernunft zu bringen.
Mazedonische Blutrache.
Krankenpflegerin erschießt den Mörder Estimoffs.
"Sofia, 5. Ian. 3n der Rächt zum Mittwoch erschoß in einem Sofioter Krankenhaus die Pflegerin Konstantinooa den dort wegen seiner Verletzung liegenden Mörder des Sch ri f t- leiters Estirnoffs , namens T r a j a n o f f. Trajanoff wurde polizeilich schwer bewacht, nur die Pflegerin konstantinooa und die Aerzte hatten Zutritt zum ftcanlenfaal, in dem 16 Kranke lagen.


