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5.12.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 285 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Dienstag. 5. Dezember 1933

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Die neuen Reichsminister wurden vereidigt.

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Berlin, 4. Dez. (WTB.) Der Herr Reichs» Präsident hat heute die zu Reichsministern ohne Geschäftsbereich ernannten Mitglieder des Reichs­kabinetts Rudolf Heß und Ern ft Röhm empfangen und Ge auf Grund des Reichsminister» gefetzes vereidigt.

Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, gibt bekannt: Allen, die mir ihre Verbundenheit be­kundeten, als mich der Reichspräsident auf Vorschlag des Führers zum Reichsminister ernannte, und be- spnders den vielen Parteigenossen, die aus diesem Anlaß in kameradschaftlicher Treue meiner gedach­ten, danke ich auf diesem Wege für die Beweise

treuer nationalsozialistischer Zusammengehörigkeit. Es liegt im Zuge unserer historischen Ziel­setzung, den Einbau der NSDAP, in den Staat auch durch die Ernennung des Stellvertre­ters des Führers zum Minister des Deutschen Reichs sichtbar werden zu lassen. Meine Ernennung war also in erster Linie ein Akt staatspoli­tischer Notwendigkeit. So wenig mein Ar­beitsgebiet sich künftig grundsätzlich ändert, so wenig bin ich für meine Parteigenossen in Zukunft ein anderer als bisher, nämlich der Stellvertreter des Führers.

Pg. Rudolf Heß.

Ennnenmgsfeier der ehemaligen 222er.

Die Vereinigung ehemaliger Ange­höriger des R. - I. - R. 2 2 2 beging am Sams­tag zum 19. Male die Erinnerunasfeier an die Kämpfe um Lodz im Jahre 1914. Ein ansehnlicher Kreis alter Mitkämpfer hatte sich im RestaurantZum Andrees" in Gießen ver­sammelt, um bei Musik und Gesang, bei ernsten und würdigen Ansprachen mit Stolz der schweren Stunden gemeinsamen Kampfes, aber auch in Wehmut der gefallenen Kameraden zu gedenken.

Gerade die vergangenen Monate mit ihrer außer- ordentlichen Hochspannung ließen Vergleiche mit den Julitagen 1914 zu, die die Teilnehmer der Ver­sammlung damals teils in jugendlicher Begeisterung, teils mit dem tiefen Ernst des gereiften Mannes, miterlebt haben. Es war, wie der Leiter der Ver­sammlung

Kamerad Gießbauer

hervorhob, nicht die Lust am Kriege, die diese Be­geisterung auslöste, sondern das Bewußtsein, daß uns dieser Krieg aufgezwungen war, und daß es sich um einen Kampf auf Leben und Tod für unser Vaterland handelte. Keiner wollte in diesem Ringen zur Seite stehen. Und so kam auch in den Augusttagen 1914 das R. - I. - R. 2 2 2 zur Entstehung, das zum überwiegenden Teil aus Kriegsfreiwilligen und Ersatzreservisten bestand. Es war für die jungen Freiwilligen nicht leicht, sich in 12 Wochen das anzueignen, wozu man im Frieden ein oder zwei Jahre benötigte, und für

die alten Reserve- und Landwshroffiziere ebenfalls schwer, sich den Anforderungen eines modernen Krieges anzupassen. Aber es ging, weil alle eine heilige Pflicht zu erfüllen hatten, getreu dem Fahneneid, den alle mit reinem Herzen und star­kem Willen abgelegt hatten.

Aufrechten Hauptes konnte das Regiment in den Dezembertagen 1918 in die Heimat zurück- kehren.

Und feit diesen Tagen versammeln sich die Reste allmonatlich und alljährlich, um unbeirrt um die politischen Strömungen der schweren Nachkrieg»- jahre Kameradschaft und Volksgemein- schaft zu pflegen, wie draußen im Feld. Manch einer war früher ferngeblieben, hatte die Front­kameradschaft vergessen, weil man ihm einredete, daß der Militarismus den Krieg verschuldet habe und nur der internationale Sozialismus oder gar Kommunismus uns die Rettung bringen könnten. Viele von diesen haben den Weg zu ihrem alten Regiment zurückgefunden, mit dem sie sich doch innerlich enger verbunden fühlten, als mit den Irr­lehren, unter deren Druck sie den alten Frontkame­raden ferngehalten wurden.

Und nun kam das Jahr 1933, das uns nach den Jahren des Kampfes und der Sehnsucht Erlösung brachte.

Adolf Hitler, der in den Oktober-Rovember- tagen 1914 neben unserem Regiment bei Fournes und Fromelles als einfacher Gefechlsgänger

(Stefan George -f.

Stefan George ist in der Rächt ;um Montag to einer Klinik in Locarno, 65 Jahre alt, an den Folgen eines Blasenleidens gestorben.

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Die Nachricht kommt völlig überraschend; sie trifft uns ganz unvorbereitet und also doppelt er- chütternd. Mit diesem Menschen, der jetzt an welt- »eschichtlicher Stätte die Augen für immer geschlos- en hat, ist dem heutigen Deutschland seine repra- entatioste dichterische Erscheinung genommen war- den. Erst vor ein paar Monaten haben wir, zum 65. Geburtstage, hier über George gesprochen; es ist damals angedeutet worden, welche Entwicklung sich in ihm sehr langsam und immer nur weni­gen sichtbar vollzog. Doppelt schwer müssen wir, die wir uns dieser Entwicklung erinnern, heute den Verlust empfinden: weil er uns trifft zu einem Zeit­punkt, da George sich nach jahrelangem Schwei­gen aus der Einsamkeit, Absonderung und Dolksferne seiner ursprünglichen Haltung gelöst hatte, und das Werk des Dichters, das sich wie eine Pyramide vor uns aufrichtet, als eine Angelegenheit der gesamten Nation empfunden zu werden be­ginnt: nicht mehr als die fast private Angelegen­heit eines ganz esoterischen, kleinen Kreises. Wir haben im Juli d. I. angedeutet, aus welchen Kräften und Gegenströmungen diese dichterische Haltung Georges und sein in denBlättern für die Kunst' festgelegtes künstlerisches Glaubensbekenntnis her- vorging. Die volkstümliche Richtung des europäischen Naturalismus, der auch Deutschland ergriffen hatte, trieb George in eine ganz bewußt aufgesuchte und streng gewahrte Einsamkeit; er sonderte sich ab, er bildete seinen Kreis, er umgab sich mit Auserwähl- ten, mit Jüngern; er prägte die Formen und den Ritus, der ihn und die Seinen noch unpopulärer machte, als er ohnehin war, und selbst Spott und Feindschaft ihm zuzog. Aber die Unbeirrbarfeit dieser, feiner Eitelkeit nachgebenden, keiner Mode ge­horchenden, keinem Tagesruhm hörigen Haltung setzte sich durch, erzwang sich Beachtung, Anerken­nung, Bewunderung, Liebe und endlich grenzenlose Verehrung. Allmählich wurde erkannt, daß hier eine künstlerische Aeußerung sich formte, wie sie zuvor m dieser «Strenge und Zucht fast unerhört gewesen war. Hier erblühte eine Kunst, die vielen nicht nur durch ihre vollkommene Schönheit, sondern auch Kba noch, wo sie ablehnten oder zurückblieben

> ihre unbestechlichen Ansprüche und Forderun- gen Bewunderung abrang: in den Strophen Georges wurde wieder erlebt, was seit langem nur noch vom

Hörensagen bekannt, bezweifelt oder gar belächelt worden war: die reine Dichtung, feinem irgendwie gearteten Zweck dienstbar, nur dem einen großen gültigen Gesetz unterworfen. Der Meister selbst for­derte von sich das Höchste und Aeußerste. Er be­gann die dichterischen Triebkräfte seines Schaffens wieder aus längst verschollenen und verschütteten Quellen zu speisen. Er empfand den Beruf des Dich­ters als Erster und Einziger in feiner Zeit wieder mit aller Strenge und aller Ausschließlichkeit als Berufung, als etwas Heiliges und priesterlich sich

Aeuherndes, dem auch nicht das mindeste Zugeständnis abgehandelt werden konnte. Er errichtete neue Ge­setzestafeln für die Dichtung und gab dem dichterischen Beruf alle Verantwortung und Verpflichtung seiner ursprünglichen Berufung zurück. Haltung und Würde Maß und Zucht, Strenge und Schönheit: das waren die neuen Begriffe, die neuen Werte, die George für sich und die Seinen prägte und for­derte; man muß sich in die Zeit zurückversetzen, als Georges Name eben bekannt zu werden begann, um den ungeheuer revolutionierenden Anspruch sol­cher Forderungen zu ermessen. Sie sind auch darüber darf fein Zweifel bestehen kaum über den immer streng begrenztenKreis" hinausge- drungen. Georges Wirkung blieb bis kurz vor sei­nem ^Tode gering. Aber endlich begann, nach dem großen Kriege, die Kluft sich zu schließen, die diesen

seine soldatische pflicht tat, hat uns diese Er­lösung aus Parlamentarismus, Parteiwirtschaft, aus Stammeszwietracht und konfessionellem hader gebracht. Er hat als Vertreter der jungen Generation unserem allverehrten Generalfeld­marschall von Hindenburg als dem Ver­treter der älteren Generation die Hand gereicht und einen Bund geschlossen, den nur der Tod

lösen kann.

In diesem Geiste gelobten auch die versammelten Mitkämpfer des Regiments:Wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern, in feiner Not uns tren­nen und Gefahr" und befräftigten dies Gelöbnis mit einem fräftigen Hurra auf unseren Volkstanz- ler Adolf Hitler und Generalfeldrnarfchall von Hindenburg.

Nachdem das Deutschland- und das Horst-Wessel- Lied verklungen, ergriff

Pforrer Trapp

ein Mitkämpfer des Regiments, das Wort und ge- dachte in tiefempfundenen Worten der gefallenen Kameraden, deren Saat jetzt erst nach den Jahren des inneren Kampfes, der Not und des Elends auf» gehe. Ergriffen lauschten alle den Worten treuen, kameradschaftlichen Gedenkens.

Kamerad Oelbermann

sprach hierauf über die schweren Kämpfe des Re- ?iments im Westen in den Jahren 1917/18. Er onnte aus der Ueberfülle des Erlebten nur einen ganz kurzen Ueberblick geben, verstand es aber, die Mitkämpfer wieder hinemzuverfetzen in die grauen­haften Kämpfe amToten Mann",Höhe 304", Forges Grund" und wie alle die Erinnerungs­stätten heißen.

was hier in dieser Hölle unsere Kameraden ge­leistet haben, kann kein Menschenwort voll aus­schöpfen.

In Verehrung gedachte er des gefallenen Regiments­kommandeurs Graf von Kielmansegg, der

Professor Dr. Erwin Baur, der verdienstvolle Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Züchtungs­forschung in Müncheberg (Mark), ist, 58jährig, ver­storben.

nicht nur als Führer des Regiments, sondern als Freund, Kamerad und Vater seiner Leute in deren Herzen weiterlebt. Die aus eigenem Erleben ge­schöpften Schilderungen fanden reichsten Beifall.

Zwei Schießstände, von Kamerad Junger- mann hergerichtet und ausgeschmückt, boten Ge­legenheit, die Schießfertigkeit der 222er unter Be­weis zu stellen. Lange Stunden saßen die Kame­raden aus Gießen und Umgebung, Wetzlar und Frankfurt a. M. noch zusammen, beseelt von dem alten Soldatengei st, der gottlob aud) in unserer heutigen Jugend wieder mehr zur Geltung kommt, als in den vergangenen Jahren.

Silber vom Wintersport im Vogelsberg.

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Oben links: Blick vom Klubhaus auf die verschneiten Wälder. Oben rechts: Christiania am Hang. Die beiden unteren Bilder zeigen kühne Steilkehren im Gelände.

Dichter und fein Werk von der großen Gemeinschaft trennte. George erkannte mit seherischem Blick die Zeichen seiner Zeit, die apokalyptischen Erschütte­rungen, denen die Nation anheimgegeben war, und auch die ewigen und unversieglichen Kräfte, die zur großen, entscheidenden Neuformung von innen her drängten. Immer klarer und mächtiger prägt sich der prophetische Charakter des Georgeschen Spätwerkes aus, und mit immer tieferer Gewiß­heit und Bestätigung erkennen die jungen und zu­kunftswilligen Kräfte der Nation, wie aus geistigem Adel, aus heroischer Haltung sich ein neues Führer- tum eine neue Gefolgschaft sucht und sichert und ihr die Wege weist in ein großes Drittes Reich der Deutschen. Dies gibt dem Tode Georges die tragische Verklärung: hier hat sich ein Leben voll­endet, als es eben der Erfüllung nahe war, die allein feinem Werk die unsterbliche Krönung ver­leihen kannte: als große und gültige Verkündigung der gesamten Nation empfunden und gewürdigt zu werden. Noch werden Jahre vergehen, ehe das Werk Besitz einer großen völkischen Gemeinschaft werden wird; aber längst ist der Kreis gesprengt, in dem die Keime der Georgeschen Dichtung sich entfalteten; und das geistige Deutschland, die junge Generation vor allem, grüßt den toten Dichter in Dankbarkeit, Ehrfurcht und Bewunderung.y

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Reichsminister Dr. Goebbels hat an Georges Schwester bas folgende Beileidstelegramm gerichtet: Zu dem schweren Verlust, den Sie durch den Tod Ihres Bruders, des großen Dichters Stefan George, erlitten haben, spreche ich Ihnen mein herzlichstes Beileid aus. Mit Ihnen wird das ganze geistige Deutschland auf das tiefste davon getroffen.

Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, R u ft, hat an Georges Schwester Anna ein Beileidstelegramm gesandt, in dem es heißt: Mit Stefan George ist nicht nur einer der größten Dichter unseres Volkes bahingegangen, fonbern auch einer ber geistigen Wegbereiter unb Künber bes neuen Deutschland. Er, ber sich noch kürzlich in einem Briefe ausbrücklich zur geiftiaen Ahnherrschaft ber neuen nationalsozialistischen Be­wegung" bekannte, wirb bei uns immer lebenbig bleiben.

Erbforschung auch in England.

Daß die Fragen ber Erbforschung bie Fachwelt ebenso wie bie breitere Öffentlichkeit auch in Eng- lanb in zunehmendem Maße zu beschäftigen begin­nen, beweist ein kürzlich in Englanb von ßorb Hör- der vor einer Gruppe von Medizinern des Ge-

sundheitsministeriums gehaltener Vortrag über das ThemaEugenik und Mediziner". Der Referent be­zeichnete bie Eugenik barin als eine ber neuesten und hoffnungsvollsten Wissenschaften vom Menschen. Der öffentliche Gesundheitsdienst so führte Lord Horder aus verlangt gerade auf dem Gebiet der Vererbungslehre gründliche Erfahrungen, damit eine einwandfreie wissenschaftliche Grundlage für praktische Maßnahmen zur Förderung der Volksge­sundheit vorhanden ist. Dieser Ausgabe müßten sich Aerzte mit ihren ganzen Kräften und ihrer ganzen Zeit widmen, ihr also nicht nur so nebenbei Dienen, wie bas bisher geschah. Dem Gesunbheitsministe- rium sollte beständig ein kleiner Kreis von Mebizi- nern beigeorbnet sein, ber nicht nur bie Kenntnis ber Bevölkerungsstatistik und ber Ziffern über Krankheits- unb Sterbefälle beherrschen muß, son- dem ber auch in ununterbrochener Verbinbung mit ben Krankenhäusern Unb Irrenhäusern wie mit bem sozialen Leben sein muß unb bem alles klinische Material zur Erweiterung ber praktischen Erfah­rung zur Verfügung stehen sollte. Nur von einer sol­chen intensiven Arbeit können wir fruchtbare Ergeb­nisse über einen Forschungsgegenstanb erwarten, über ben unser Wissen bisher nur sehr lückenhaft war. Von größerer Wichtigkeit noch als bie Kennt­nis von ber Vererbung körperlicher Leiden ist das Studium des erblichen Einflusses auf die allgemeine Widerstandskraft des menschlichen Körpers gegen Krankheiten. Bei der Untersuchung von Patienten stößt ber Arzt immer wieder auf ben Erbfaktor, sei es nun bei Herzleiben, bei Krankheiten ber Blut­gefäße ober bei Nierenleiben unb wirb auf bie Tat­sache aufmerksam, baß bie Erbmasse bei den ver­schiedenen Menschen eine mehr ober minber große Wiberstanbsfähigkeit aufweist. Woher kommt es beim, baß viele Menschen schon von ihrer frühesten Jugenb an neurasthenisch sinb, unb baß ber so häufig gehörte Ausspruch: Ich war schon immer so nervös veranlagt! eine gewisse Berechtigung hat? Die Erbforschung wird uns auf diese Fragen wichtige Antworten geben können, ßorb Horber wies bann darauf hin, daß in England auf 120 Personen ein Schwachsinniger, auf 200 Personen ein völlig Gei- steskranker entfalle unb baß jeher zehnte Mensch zu einer burschnittlichen industriellen Tätigkeit un­fähig sei, weil er eine zu schwache Konstitution habe, ober weil eine Krankheit ihn daran hindere. Hier liege die Ursache einer großen Vergeudung der Volkskräfte, bie mit Rücksicht auf bie Zukunft der Nation nicht widerstandslos hingenommen werden könne. Die Medizin habe bie Hauptpflicht, bie Vor­arbeiten zu einer grünblichen Besserung unb zu einer1 wohldurchbachten Gesundheitspolitik zu leisten.