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4.11.1933 Erstes Blatt
 
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Oer Leidensweg

-er deutschen Minderheit in Polen.

Bittere Beschwerde über fortgesetzte Drangsalierung der deutschen Volksgenossen.

Warschau, 3. Noo. (TU.) Im polnischen Sejm gab Ministerpräsident I e n d r z e j e w i c z eine län­gere Regierungserklärung ab, worin in der Haupt­sache wirtschaftspolitische Fragen bebanbe lt wurden. Die geringfügigen Ergebnisse der Londoner Wirt­schaftskonferenz, der Sturz des Dollar und die Schutzmaßnahmen Deutschlands hätten keinesfalls zur Hebung des Vertrauens in der Welt beigetra­gen. Die Regierung werde jegliche waghalsigen Ex­perimente in der Wirtschafts- und Finanzpolitik ver­meiden. Die wirtschaftlichen Richtlinien dieser Politik seien Gleichgewicht des Haushaltes, Stabilität der Währung, Regelung der Preis- und Produktions­wirtschaft, Belebung des Handelsumsatzes. Ein be­sonderes Augenmerk werde die Regierung ferner der Landwirtschaft, sowie den Jnvestierungsmöglichkeiten im Lande zuwenden.

Der deutsche Vertreter aus Ostoberschlesien und Vorsitzende der deutschen Fraktion im Sejm, Abge­ordneter Franz, führte bittere Beschwerde über die organisierten und von den Behörden unter­stützten unglaublichen Gehässigkeiten, mit denen das Deutschtum namentlich in Ostoberschlesien auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens mit stei­gender Heftigkeit bekämpft werde. Sogar pol­nische Pfadfinder beteiligten sich hieran mit aller Kraft. In einer Pfadfinderflugschrift seien die Deutschen als Feinde des polnischen Volkes und als Mörder und Barbaren bezeichnet worden, ohne daß die Behörden dageyen einge­schritten wären, während deutsche Zeitungen

wegen jeder Kleinigkeit der Beschlag­nahme unterlägen. Die deutsche Minderheit in Polen sei den polnischen Stellen gegenüber loyal und werde auch im Kriegsfälle loyal bleiben. Die deutsche Minderheit wünsche nichts anderes als den Frieden zwischen dem deutschen und dem polnischen Volke. Sie sei sich ihrer Mission, eine Brücke zwischen diesen beiden Völkern zu bilden, bewußt. Sie könne aber diese Mission nur dann erfüllen, wenn Polen diese erkannt und ihre Po­litik danach eingerichtet habe. Bis jetzt sei jedoch nur das Gegenteil eine überaus betrübliche Tat­sache zu verzeichnen. Schon allein das Be­kenntnis zum deutschen Volkstum ge­nüge, um von der polnischen Oeffentlichkeit und dem Staate aufs rücksichtsloseste bekämpft und drangsaliert zu werden. Aus diesem Grunde habe die deutsche Minderheit zur Negierung kein Vertrauen, und die deutsche Fraktion könne darum nicht für den Haushalt stimmen.

Der Führer der Nationaldemokraten Professor Rybarski behandelte das Judenproblem. Polen sei an der Lösung dieser Frage besonders interessiert, da in Polen die Juden sowohl im Wirt­schafts- als auch im Geistesleben einen unberech­tigt großen Einfluß ausübten. Es fei unberechtigt, daß der Jude gleichzeitig als polnischer und als jüdischer Schriftsteller auftrete. Eine reinliche Schei­dung sei dringend erforderlich. Er appellierte an die Regierung, den jüdischen Emigranten die Einreise nach Polen zu verwehren.

England HM am Locarnopakt fest.

Keine einseitige Bindung zu gunsten Frankreichs. Gleiche Garantieen für alle Beteiligten.

L o n d o n, 3. Nov. (TU.). Der englische Unterstaats­sekretär im Foreign Office, Eden, beschäftigte sich in Skipton mit dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund. Er erklärte, es sei nicht erstaunlich, daß Deutschlands Ausscheiden aus der Abrüstungskonfe­renz und Deutschlands Austritt aus dem Völker­bund Besorgnis und Beunruhigung in Europa er­regt habe. Man müsse aber einen kühlen Kopf be­wahren und seine Verpflichtungen halten. Der Lo­carnovertrag sei eines der wirksamsten Instrumente zur Aufrechterhaltung des Frie­dens in Westeuropa. Der wichtigste Teil dieses Ver­trages seidasAbkommenüber diegegen- fertige Garantie. Das fei kein Bündnis Englands und Frankreichs gegen Deutschland, es sei vielmehr ein Abkommen, das ln gleicher Weise außer England und Frankreich Italien, Belgien und Deutsch- -land ein sch ließe. Die Abmachungen hätten rein defensiven Charakter und ergänzten den Völ­kerbundspakt. Die Mächte garantierten sich gemein­sam gegenseitig ihr Gebiet, und zwar insbesondere den Status-g u o der Grenzen zwischen Deutschland und- Belgien und zwischen Deutschland und Frankreich, sowie außer der Unverletzlichkeit die­ser Gebiete auch die Entmilitarisierung der R h ei nla n d z o n e. Der Vertrag sei aufs engste mit der Maschinerie des Völkerbundes verknüpft. Mit einer einzigen Ausnahme müßten alle Entscheidungen unter diesen Vertrag durch den Dölkerdundsrat getroffen werden. Der Völkerbunds­rat könne nur einstimmige Entscheidun­gen treffen. Da England ein ständiges Mitglied des Völkerbundsrates sei, sei es daher selbstverständ­lich, daß keine Entscheidung ohne Eng­lands Zustimmung getroffen werden könne. Nur, wenn eine flagrante Verletzung der Verpflich­tung, keinen Krieg zu führen, vorliege, oder wenn

die entmilitarisierte Rheinlandzone verletzt werde, müsse England sofort dem Verletzten zu Hilfe eilen aber auch das nur dann,wennEng land überzeugt sei, daß die Verletzung einen nicht provozierten Angriff darstelle und wenn ein sofortiges Handeln notwendig sei. Ob das der Fall sei, das entscheide England al­lein. Großbritannien fei noch immer eine Groß­macht und habe auch die Verpflichtungen einer sol­chen. Wenn England sich fürchte, diesen Verpflich­tungen nachzukommen, so rufe es damit das Ver­hängnis herbei. DiePolitikberJsolierung würde heutzutage eine Politik des Wahn- f i n n 5 sein. Durch die Entwicklung der Luft­waffe habe England aufgehört, eine I n - sel zu sein. Wie Baldwin schon letzthin ausge­führt habe, werde Großbritannien das halten, was es unterzeichnet habe.

Time s" undM orningpo ft" stellen sich hinter die Ausführungen des Unterstaatssekretärs Eden, in denen er das Festhalten am Locarno­pakt verteidigte.Morningpost" betont vor allem das beträchtliche Ausmaß der Entschlußfrei­heit, das der britischen Regierung trotz des Lo­carnopaktes bleibe.Times" ist der Ansicht, daß der Locarnopakt der Sache des Friedens insofern einen großen Dienst geleistet habe, als er die frei­willige Anerkennung Sines großen und bedeutenden Teils des Versailler Vertrags durch Deutschland festgelegt habe. Man könnte vernünftigerweise vor­bringen, daß der Locarnopakt, wie die meisten an­deren Verträge in regelmäßigen Abständen e r - neuert werden sollte und daß es notwendig wer­den könnte, ihn in gewissen Einzelheiten 3 u än­dern, aber, wie Eden sagte: Großbritannien ist noch eine Großmacht und hat deren Verantwort­lichkeiten in Europa unb auch sonst.

Zeugen aus Moskau im Neichsiagsbrandstisterprozeß

sie Dimitroff vom Spätsommer 1932 bis Anfang 1933 gesehen hätten. Popoff war Ihnen nicht er­innerlich, und von Taneff sagten Sie, daß Sie ihn schon aus früherer Zeit kennen.

Zeuge: Im Jahre 1932 habe ich ihn bestimmt gesehen.

Der Angeklagte Taneff erklärt dazu, was der Zeuge ausgesagt habe, sei unwahr, weil er vom 22. Oktober 1931 bis Anfang Oktober 1932 i n Bulgarien war und dann in Moskau bis zum 22. Februar. Dem Gericht lägen amtliche Bescheinungen darüber vor, außerdem auch sein Paß, aus'dem deutlich hervorgehe, daß er erst am 2 4. Februar 1933 nach Berlin ge­kommen fei.

Der Zeuge erklärt, daß er Popoff nicht wieder- erfenne. Ihm sei nur aufgefallen, daß der Direktor des Büros in der Lindenstraße Popoff eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Bilde des Angeklagten Popoff habe.

Der Kellner Heyta erklärt, auf die Frage des Vorsitzenden, wann er 1932 und 1933 Taneff, Dimitroff und Popoff in Berlin gesehen habe, 1932 überhaupt nicht, sondern nur 1933, und zwar nur im Februar.

Die 73jährige Frau Hartung, die bis .3um Jahre 1929 Mitglied der KPD. war, erklärte, sie wisse bestimmt, daß D i m i t r 0 f f 1 9 2 8 w i e d e r- holt das Büro der Roten Hilfe ausge­sucht habe. Sie habe damals seinen Namen nicht gekannt, aber der Sekretär habe ihr gesagt, das sei der Vertreter der in Deutschland le­benden bulgarischen Emigranten. Po- po f f habe ich bei einer Frau gesehen, bei der bul­garische Emigranten wohnten. Das war 1928. Bei der Gegenüberstellung vor dem Untersuchungsrichter habe ich ihn sofort wieder erkannt. Taneff ist mir auch zunächst bekannt vorgekommen, und ich habe mich gefragt, ob er vielleicht der bulgarische Schu­ster gewesen fein kann, der seinerzeit für die Emi­granten arbeitete. Ich kann aber nicht mit Be- stimmtheit sagen, daß cs der Angeklagte Taneff gewesen ist.

Rechtsanwalt Dr. T e i ch e r t: Frau Eischkowski, in deren Wohnung Sie Popoff gesehen haben wol­len, hat in der Voruntersuchung gesagt, daß sie Popoff nicht kenne. Als Sie Frau Eischkowski ge­genübergestellt wurden, haben Sie gesagt Sie

Berlin, 3. Nov. Im Reichstagsbrandstifter- Prozeß waren auch zwei Frauen aus Moskau auf die öffentliche Benachrichtigung hin erschienen, um über die Anwesenheit des Angeklagten Popoff in Moskau in der Zeit vom Mai bis Oktober 1932 Bekundungen zu machen. Als erste Zeugin erklärt Frau Weiß aus Moskau, ihr Mann sei bulgari­scher Kommunist und lebe jetzt mit ihr als Emi­grant in Moskau. Im gleichen Hause in Moskau habe auch P 0 p 0 f f mit seiner Frau gewohnt. Sie und Popoffs hätten Mitte Mai 1932 eine Sommerfrische in einem ländlichen Vorort Moskaus bezogen. Der Aufenthalt habe sich auf etwa drei Monate erstreckt. Ende Juli seien die Popoffs nach einem Kurort gezogen. In Moskau habe sie dann Ende September und im Oktober die Popoffs wiederholt getroffen. Im November und Dezember habe sie sie aber nicht mehr in Mos­kau getroffen.

Reichsanwalt Parifius macht die Zeugin ' Weiß darauf aufmerksam, daß in der Vorunter­suchung ein halbes Dutzend Zeugen bekundet hätten, Popoff sei im Sommer 1932 in Berlin gewesen. Demgegenüber bleibt die Zeugin Frau Weiß bei ihrer Aussage.

Dimitroff richtete dann ungerechtfertigte An­griffe gegen den Oberreichsanwalt und wird dafür für heute und die beiden folgenden Sitzungstage von der Verhandlung ausgeschlossen.

Die zweite Zeugin, eine 59jährige Frau A r b 0 r e aus Moskau bekundet, > sie mit P 0 p 0 f f im gleichen Hause in Moskau gewohnt yabe, und zwar imSeptemberund Oktober 19 3 2.

Aus den Akten stellt der Berichterstatter beglau- bigt^Ll uskünfte von der deutschen Bot­schaft in Moskau fest, die den von Popoff be­haupteten Aufenthalt in der Sommerfrische bei Moskau, in einem Sanatorium auf der Halbinsel Krim und in der Moskauer Wohnung b e - ft ä t i g e n.

Dann wird der Konditormeister M i ch a l s k i als Zeuge vernommen, der gesehen haben will, daß Dimitroff und Taneff im Hause ßIn/ den st raße 94 ein- und ausgingen. Die drei bulgarischen Angeklagten habe man da stets gesehen. , . . ,

Vorsitzenden Sie haben früher gejagt, datz

Die ReichslnHurlainnter wird eingerichtet

Berlin, 3. Noo. (TU.) Im Reichsgesetzblatt wird die erste Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes veröffent­licht. Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung er­halten die im folgenden genannten Vereinigungen die Eigenschaft von Körperschaften des öf­fentlichen Rechts mit den beigefügten Be­zeichnungen:

1. Das Reichskartell der deutschen Musikerschaft (R e i ck s - M u s i k k a rn m e r),

2. das Reichskartell der bildenden Künste (Reichskammer der bildenden Künste),

3. die Reichstheaterkammer,

4. der Reichsverband der deutschen Schriftsteller (Reichsschrifttumskammer),

5. die Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse (Reichs-Pressekammer),

6. Die Nationalsozialistische Rukldfunkkammer (Reichsrundfunkkammer).

Diese Kammern werden gemeinsam mit der Reichsfilmkammer zu einer Gesamtkörper­schaft des öffentlichen Rechts vereinigt, die die Be­zeichnung Reichskulturkammer trägt. Die Reichskulturkammer hat nach den Durchführungs­bestimmungen die Aufgabe, durch Zusammenwirken der Angehörigen aller von ihr umfaßten Tätigkeits­zweige unter der Führung des Reichsministers für Bolksaufklärung und Propaganda die deutsche Kul­tur in Verantwortung für Volk und Reich zu för­dern, die wirtschaftlichen und sozialen Angelegen­heiten der Kulturberufe zu regeln und zwischen allen Bestrebungen der ihr angehörenden Gruppen einen Ausgleich zu bewirken.

Weitere Bestimmungen regeln die Zugehörig­keit zur Kammer. Wer bei der Erzeugung, der Wiedergabe, der geistigen oder technischen Verar­beitung, der Verbreitung, der Erhaltung, dem Ab­satz oder der Vermittlung des Absatzes von Kultur­gut mitwirkt, muß Mitglied der Einzelkammer sein, die für seine Tätigkeit zuständig ist. Eine Verbrei­tung ist auch die Erzeugung und der Absatz tech­nischer Verbreitungsmittel. Kulturgut im Sinne dieser Verordnung ist: 1. Jede Schöpfung oder Lei­stung der Kunst, wenn sie der Oeffentlichkeit über­mittelt wird, 2. jede andere geistige Schöpfung ober Leistung, wenn sie durch Theater, Film ober Funk ber Oeffentlichkeit übermittelt wirb. 3n § 6 wirb ber Grundsatz ber persönlichen Mitgliebschaft zur Kulturkammer festgelegt. Dabei ist hier bewußt unb gewollt ber Gebaute des ständischen Aufbaues verlassen worden in der Richtung, daß von den Kammern nur Kulturb erufe als solche erfaßt werden, nicht aber diejenigen Personen, die rein kaufmännische, büromäßige, technische Berufe ausüben. § 10 bestimmt, daß Mitglieder ausge­schlossen ober abgelehnt werben können, wenn sie zur Ausübung ihrer Tätigkeit bie erfor= berliche Zuverlässigkeit unb Eignung nicht besitzen.

Die Kammerverfassung sieht ein Präsibium unb bie ihm zur Seite stehenben Instanzen vor. Präsi- bent ist traft Amtes ber Reichsminister für Volks- aufklärung unb Prvpagcmba. Stellvertreter wirb ber Staatssekretär sein. Außerbem können noch mehrere Stellvertreter unb Geschäftsführer ernannt werben. Der Kulturbeirat besteht aus ben Präsi- benten ber sieben Einzelkammern ober ihren Ver­tretern. § 12 eröffnet bie Möglichkeit, einenReichs- kultur senat ins Leben zu rufen, in ben hervor- ragenbe, um Volk unb Kultur verdiente Persönlich­keiten berufen würden. Die Organisation der Ein-

Oie Parole

Reichsernährungsminister Darre in hamburg- Vergeborf:

Am 12. November fallen die Würfel dar­über. ob wir wieder aufersiehen unb gefunden oder ob wir einstmals vor unseren Enkeln er­röten müssen. Das Landvolk steht und fällt mit der Person Adolf Hitlers und mit der Ent- scheidung am 12. November."

Am ^.November: Za!

zelkammern ist entsprechend. Im vierten Abschnitt 8 25 sind die Bestimmungen über Betrieb, (Er­öffnung und Schließung von Unter­nehmungen festgelegt. Maßnahmen auf Grund dieses Paragraphen begründen keine Entschädigungs­ansprüche. Da die Kammern öffentlich-rechtliche Kör­perschaften sind, können ihre Verfügungen mit Hilfe der Polizei durchgesetzt werden. Bei der Schaffung der Reichskulturkammer ist darauf Bedacht genom­men worden, soweit wie möglich auf dem Be - stehenden aufzubauen Es sind deshalb keine neuen Träger der Aufgaben geschaffen wor­den, sondern die be st enden Verbände sind zum Teil mit, zum Teil ohne Aenderung ihres bis­herigen Wesens bestimmt worden, in die Kammer eingegliedert zu werden. Aufgabe der Vereinigungen soll es nun sein, sich die noch fehlenden Fachoerbände anzugliedern. Die bereits bestehenden und in ben letzten Monaten gewachsenen freien Körperschaften werben bazu benutzt, um bie Reichskulturkammer von vornherein mit eigenem Leben auszustatten. Am 15. November erfolgt bie Verkünbung ber 23er- orbnung burch ben Reichsminister für Volksauf­klärung unb Propaganba.

könnten nicht genau sagen, wo Sie Popoff gesehen hätten.

Der Angeklagte P 0 p 0 f f erklärt, er sei tm Jahre 1928 nicht einen einzigen Tag in Deutschlanb gewesen, sonbern in Rußlanb, in den Monaten Juni bis August zur Kur am Schwarzen Meer.

Weiterverhandlung Samstag. Wie wir erfahren, wird Ministerpräsident Goring um 9.30 Uhr a l s Zeuge erscheinen.

Ernste Lage im amerikanischen Miiielwesten.

Auswirkungen des Farmerstreiks.

N e u t) 0 r f, 3. Nov. (TU.) In De Maines (Iowa) erklärte der Führer des amerikanischen Farmer­streiks, Milo R e n 0 , daß die Streikbewegung völlig den Händen der Führer ent­glitten ist. Die streikenden Farmer hätten das Ergebnis der Washingtoner Verhandlungen zwi­schen Roosevelt und den fünf Gouverneuren nicht abgewartet. Es fei vielmehr in den letzten 24 Stun­den zu Bombenanschlägen, Ueberfäl- len auf Transporte von landwirt­schaftlichen Erzeugnissen und zu blu­tigen Zusammen st äßen zwischen Polizei­beamten unb Farmern gekommen, bie bie ßanb- straßen abzusperren suchten. Die Unruhen irti Streik­gebiet hätten heftige Formen angenommen. Der gesamte Farmgürtel bes amerikanischen Mittel­westens säße auf einem Pulverfaß, bas jebe Minute explobieren könne, falls Roosevelt nicht sofort wirksame Maßnahmen zu Gunsten ber Far­mer ergreife.

ZtaÜen und die Vorgänge auf Malta.

Rom, 3.Nov. (TU.) Die Absetzung ber natio­nalistischen Regierung von Malta hat in Italien st arte Erregung ausgelöst. Die englischen Maß­nahmen werben hier als gegen bie italieni­sche Kultur ber Insel gerichtet empfun- ben. In ber Presse aUerbings begegnet man einer derartigen Beurteilung nur in den Berichten der Londoner unb Malteser Vertreter ber einzelnen Plätter, währenb rebattionell nicht Stellung ge­nommen wirb. Die Ueberschriften bie(er Berichte sinb allerbings beutlich, z. B.Das kleine Malta unter ber eisernen Faust Britanniens" oberVer­letzung ber elementarsten Freiheiten ber Inselbe­wohner".

Aus aller Welt.

Der Tag bes Deutschen Jägers.

Schwerer Nebel lagerte über dem Hainberg, als am Hubertustag, dem Tag der Deutschen Jäger, sich die träumerische Waldeinsamkeit um bas Jägerhaus über ber Hubertuskapelle im Hü­be sheimer Bergland sich in den Schauplatz eines für bie deutsche Jägerei bedeutungsvollen Aktes verwandelte. Nachbern das einleitende Waldhorn- quartett verklungen war, erinnerte Landesprvpagan- baftellenleiter Huxhagen an bie Bebeutung des Hubertustages für bie deutsche Jägerei. Für den allgemeinen deutschen Jagdschutzverband sprach Dr. Heinze. Der heilige Hubtertus, im Relief dieser Felswand dargestellt, sei gleichsam das Symbol der Zusammengehörigkeit der deutschen Jägerei. Dem Führer und seiner großen Bewegung sei es Vorbe­halten geblieben, den Weg zur Einigung zu wei­sen, die im April b. I. in Köln vollzogen würbe. Freiherr v. Düngern überbrachte bie Grüße bes Schirmherrn ber Jagd, des Ministerpräsidenten Göring, der fest entschlossen sei, ber deutschen Jägerei im neuen Staat schwere Pflichten aufzu- erlegen, ihr anderseits aber auch einen ehrenvollen Platz zu sichern. Staatsminister Alpers (Braun­

schweig) führte in der Schlußansprache aus: Wir haben den einzelnen Volksgenossen gewonnen mit der Parole: Arbeit und Brot. Unb nun wenden wir uns an die Außenwelt, wiederum mit einer Parole, die friedlich ist: Frieden und Gleichberech­tigung. Die 2BeÜ mag uns Frieden und Gleichbe­rechtigung geben ober nicht. Die Ehre muß sie uns lassen, oenn darüber verfügen wir selbst. Von bem Waldhvrnquartett begleitet, klang zum Ab­schluß bes Festaktes das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied vom Jägerhaus über den Hain­berg hinab in uralte deutsche Wälder.

Umstellung

der Reichsbahn auf Schnelltriebwagenverkehr.

Gelegentlich ber 8. wissenschaftlichen Tagung ber Vereinigung höherer technischer Reichsbeamter in Berlin machte, wie berVölkische Beobachter" mit­te ilt, ber Direktor ber Deutschen Reichsbahngesell­schaft Dr. ßeibbranb sensationelle Ausführun­gen über Geschwinbigkeitserhöhungen auf ben beutschen Reichsbahnstrecken. Der beutsche Personen- unb, Eilzugoerkehr solle allmählich ganz auf Schnelltriebwagenverkehr umgestellt werben. Es werbe in absehbarer Zeit möglich sein, von Berlin aus jebe beutsche Stabt mit einem Frühzug bereits mittags z-u erreichen unb nach einigen Stunben Aufenthalt abends wieder in Berlin zu fein. Die Haltezeit der Triebwagen auf den einzelnen Stationen solle auf 15 bis 30 Sekun­den herabgedrückt werden. Zur Verkehrswerbung soll auch bie 3. Klasse mit Polsterung ver­sehen werden. Auch auf den Nebenbahnen würde die Geschwindigkeit von 60 auf 100 Kilometer her- aufgesetzt werben. Die ßokomotiven würben für ben Güterverkehr unb für bie großen internatio­nalen Züge ihre Geltung behalten. Die Umstellung werbe natürlich Jahre bauern. Die Kosten würben etwa 2 Milliarben Mark betragen. Das Projekt werbe zur Zeit in allen Einzelheiten geprüft.

Acht Neger verbrannt.

Bei bem Brand eines Mietshauses in Brooklyn (USA.) sind acht Neger verbrannt. Die ßeichen wurden zusammengedrängt im obersten Stockwerk bes Hauses gefunden, wohin bie Unglücklichen vor ben Flammen geflohen waren.

Wettervoraussage.

Nachbem sich bie norböstliche Störung weiter ab­geflacht hat, breitet sich ein Ausläufer bes westlichen Hochs über bas Festlanb aus. Unter seiner Einwir­kung bleibt bas Wetter zunächst ruhig, nach nebliger Bewölkung wird es tagsüber zeitweise aufheitern. Dabei werden sich bie Temperaturgegensätze zwischen Tag unb Nacht verschärfen. Da aber bei Jslanb ein neues Tief erschienen ist unb somit bie Kaltluftzufuhr abgeschnitten wirb, kann sich bas Hoch wahrscheinlich nicht stabilisieren, so baß für später wieber Verschlech­terung in Aussicht steht.

Aussichten für Sonntag: Neblig-wolkig mit Aufheiterung, nachts Temperaturen etwas unter Null, tagsüber milber, meist trocken.

Aussichten für Montag: Zunächst noch Fortdauer ber Wetterlage, boch später wieber Ver­schlechterung wahrscheinlich.

ßufttemperaturen am 3. November: mittags 7,4 Grab Celsius, abenbs 3,3 Grad: am 4. November: morgens 2,4 Grad. Maximum 8,1 Grab, Minimum 0,1 Grab. Grbtempcraturcn in 10 cm Tiefe am 3. November: abenbs 5,4 Grad: am 4. November: morgens 4,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer Vi Stunde.

ODOL S

ERPROBT 'BEWÄHRT SPARSÄM