Jugend fliegt über der Heimat.. ♦
Eine Preisaufgabe des Gießener Anzeigers — 6 Freiflüge als Hauptpreise
Zugend-Werbewoche der Deutschen Lustfahrt — Das Lunkersflugzeug „Der Deutschen Lugend" im Flughafen Gießen
Wer von euch Buben und Mädels, die ihr noch zur Schule geht, ist schon einmal geflogen? — Aus diese Frage werden nur sehr wenige mit einem „Ja!“ antworten können.
Wer von euch möchte einmal fliegen? Ja, wer möchte schon? Jeder möchte! Zeder Knabe bestimmt und viele Mädchen sicher auch! Bisher aber lag die Erfüllung dieses Wunsches in weiter Ferne. Jetzt aber, da am heutigen Samstag das Flugzeug „Der Deutschen Jugend", jene grohe schöne Zunkersmaschine mit 6 Sitzen, nach Gießen gekommen ist, wird auch für manchen Knaben und für manches Mädchen der Wunsch zur Wirklichkeit werden.
Man muß das einmal erlebt haben: wie der Motor sein gleichmäßiges Lied zu brummen anhebt, der Propeller zu rauschen beginnt, wie das Flugzeug allmählich in eine gleitende Bewegung gerät, zu rollen beginnt, auf dem unebenen Boden etwas vorwärts- holpert, immer rascher fährt und sich dann — der Motor läuft jetzt mit aller Kraft — allmählich und kaum fühlbar vom Boden abhebt und nun ohne jede Erschütterung fliegt — schwebt — vorwärtsstürmt — und immer höher gehoben wird von der Kraft des Motors, getragen von den breiten Schwingen, deren Linie bald über den Horizont hinaufgehoben wird und klar gegen den hellen Himmel steht. Da fällt die Erde allmählich zurück. Das Flughafengebäude wird klein und kleiner, die Menschen werden zu Punkten, der Bachlauf der Wieseck wird schmal und immer schmäler und die Häuser von Wieseck nehmen sich wie aus -er Spielzeugschachtel heraus hingestellt aus. Dann fällt auch der Blick in die Tiefe, die „Waldes- luft“ erscheint ganz eng an den Wald geschmiegt, der Wald selbst wird zu einer einzigen, grünen, dunklen Fläche, die nur hin und wieder von noch dunkleren Strichen durchzogen ist, den Wegen, die durch den Wald führen ...
Und bald sind dann unmittelbar unter dem Flugzeug die ersten Häuser von Gießen, auch nur wie aus einer Spielzeugschachtel gehoben, zu sehen. Alle bekannten Straßen,
die Anlagen, das Stadttheater, der Bahnhof, die Stadtkirche, die Iohanneskirche, die Universität sind gut zu erkennen, die größeren Häuser heben sich etwas heraus aus dem
r O
- M
Häusermeer, das in großer Überschau uns zu Füßen liegt, während wir uns kaum^zu lassen wissen vor Freude, Gießen auch einmal von oben zu sehen. Kaum vermag man sich satt zu sehen, und kaum vermögen die Augen das alles zu erfassen, was sich aus der Höhe ihnen bietet, in der Tiefe und in der Weite. Und während man so schaut und schaut wünscht man nur immer, es möge kein Ende nehmen, dieses Fliegen, dieses Lostgelöst-sein von der Erde, dieses sichere Getragensein, umtost von dem Geräusch des Motors und dem frischen Wind.
Und hin und wieder wird man auch einen Blick zum PUoten werfen, der ruhig den Blick über die Landschaft am Horizont gleiten läßt, über die Tragdecken prüfend hinwegblickt und hin und wieder, kaum merklich für uns, die Steuerhebel bewegt, mit denen er dem Flugzeug Höhe und Richtung befiehlt. Wer gar einmal in die Versuchung gerät, dem Flugzeug zu mißtrauen, für seine Sicherheit zu fürchten, der braucht nur einmal dem Piloten ins Angesicht zu sehen, dann wird er alles Vertrauen und alle Zuversicht wiedergewinnen. Etwas Ruhigeres, Vertrauenerweckenderes als das Gesicht eines PUoten während des Fluges gibt es, glaube ich, gar nicht.
Schließlich aber und zu unserem Leidwesen wird das Flugzeug eine grohe Kurve beschreiben und wieder nach dem Flughafen steuern, Wieseck tritt dann wieder in den Gesichtskreis, bald taucht dann auch das Flughafengebäude auf und während sich die Maschine allmählich senkt, rückt die Erde wieder näher. Bald setzen die Räder des Flugzeuges auf dem Wiesenboden auf, die Maschine rollt, holpert wieder etwas, um dann langsam auszulaufen. Etwas benommen vom Wind und vom Geräusch des Motors wird man aussteigen und — recht bald wieder fliegen wollen...
Unsere Preisaufgabe: Die Bedingungen:
Das Erlebnis eines Fluges über die Heimat wird also, wie schon gesagt, in der nächsten Woche einer stattlichen Anzahl von Schulkindern aus Stadt und Land zuteil werden. Der Gießener Anzeiger hat aber für die Kinder aller seiner Leser eine ganz besondere Überraschung bereit. Übrigens sei nicht vergessen, daraus hinzuweisen, dah es natürlich für jedes Kind die Möglichkeit gibt, einmal im Flugzeug der deutschen Jugend mitzufliegen. Allerdings kostet das drei Mark. Für dieses herrliche Erlebnis ist das zwar nicht sehr viel, für manchen Vater wird es aber doch schwer sein, seinem Jungen oder seinem Mädchen so viel Geld zu geben. Hier hat es sich nun der Gießener Anzeiger zur Aufgabe gemacht, helfend einzugreifen, indem er 6 Freiflttge für die glücklichen Löser der Preisausgabe ausgibt.
Reben den 6 Freiflügen, die für die besten Lösungen vergeben werden, gelangen auch noch verschiedene andere Preise zur Verteilung. So wird sicherlich das versilberte Modell eines Junkers-Flugzeuges als 7. Preis manchem Knaben Anreiz geben, sich an der Preisausgabe zu beteiligen. Ferner gelangen noch 10 Junkers-Radeln an die glücklichen Löser zur Verteilung.
Die Lösung der Preisausgabe verlangt keine große Anstrengung. Ihr, die ihr euch beteiligt — hoffentlich sind es recht viele — braucht nur sechs Fragen zu beantworten, die ihr hier aufgesührt findet. Die Antworten sind entweder auf eine Postkarte oder aus die vorgedruckten Linien neben den Fragen aufzuschreiben. Die Lösungen müssen dann mit dem Vermerk „Preisausgabe" versehen an die Redaktion des Gießener Anzeigers, Schulstrahe 7, eingesandt werden. Wichtig ist dabei aber, daß ihr euch sofort an die Lösung heranmacht, denn der Mittwoch, 8. Rooember, 17 Ahr, ist der letzte Einsendungstermin. Am Donnerstag, dem 9. November, wird bereits das Ergebnis veröffentlicht und die Betreffenden, die die Freiflüge erhalten, können dann am Freitag, dem 10. November fliegen. — Ihr müht bei euren Einsendungen allerdings daraus achten, dah ihr nicht nur eueren Namen (Vor- und Zunamen), sondern auch den Wohnort und die Strahe recht genau angebt. Auherdem wollen wir von jedem unserer Einsender das Alter und die Schule wissen, in die er geht. — Bei mehreren richtigen Einsendungen entscheidet das Los. Die Teilnehmer müssen sich mit unseren Entscheidungen ohne weiteres einverstanden erklären. And nun — heran an die Aufgabe!
Die 6 Fragen:
1. Welche Deutsche überflogen als Erste den Atlantik?
2. Wie heiht das Flugzeug, mit dem sie flogen?
3. Welche ist die größte deutsche Landverkehrsmaschine?
4. Wie ist die Bezeichnung des gröhten deutschen Wasserflugzeuges?
5. Wer war der bekannteste deutsche Kriegsflieger?
6. Wer war der letzte Kommandeur des Richthofen-Geschwaders? ......
Die 6 Antworten:
1
2
3
4
5
6
llllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllW


